Operations Transformation

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Die Digitalisierung, schnelle technologische Entwicklungen, aber auch Führungswechsel oder M&A-Aktivitäten führen dazu, dass sich ganze Industrien verändern und Unternehmen neu ausrichten müssen. Es besteht ein hoher Druck zur Transformation! Von Christine Rupp, Partnerin und Mitglied des Executive Committee von Deloitte Consulting Deutschland

Wir, als Beratungsunternehmen, begleiten große Transformationsprojekte von der Entwicklung eines Konzepts bis zur Implementierung der einzelnen Initiativen. Im Berater-Sprech heißt das „End-to-End“. Die Zielsetzung variiert dabei je nach Unternehmen. Aber immer geht es darum, die Effizienz zu optimieren, das Wachstum zu beschleunigen und die Digitalisierung voranzutreiben. Die Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass eine Vielzahl von „Veränderungsbedürfnissen“ adressiert werden, mehrere Abteilungen betroffen und oft auch Standorte oder Tätigkeiten in anderen Ländern miteingeschlossen sind. Dadurch ergibt sich eine Vielschichtigkeit an Aufgaben.

Konkret nehmen wir als Berater vor diesem Hintergrund verschiedene Rollen ein, um unseren Kunden optimal bei seiner Transformation begleiten und unterstützen zu können. Eine Aufgabe ist es, das Projekt mit einem kritischen Blick zu betrachten, die Relevanz und Wertschaffung zu prüfen und schließlich auszuwerten, ob die strategischen Ziele erreicht werden. Eine zweite Aufgabe ist es, den Überblick über die Transformationsinitiativen zu behalten und diese aktiv zu steuern. Ferner gilt es Prozesse und Tools bei der Umsetzung einzuführen, die die Transformation unterstützen und insbesondere mit der Führungsebene und allen involvierten Mitarbeitern umfassend zu kommunizieren. Für solche Aufgaben braucht es analytisch und pragmatisch arbeitende Menschen, die sich gerne mit komplexen Zusammenhängen auseinandersetzen und gleichzeitig empathisch und kommunikativ sind.

Auch hier lassen sich wieder die drei bereits aufgezählten Berater-Rollen anführen: Benötigt werden Experten für Steering, Sparring und Change, also dem Führen, der Auseinandersetzung und dem Wandel – für alle drei Bereiche sind starke analytische Fähigkeiten und emotionale Intelligenz unerlässlich. Als Berater im Allgemeinen und bei der Transformation im Besonderen, ist außerdem eine sogenannte „Hands-on Mentalität“ unverzichtbar: Je nachdem, welche Aufgaben gerade anfallen, wird mit angepackt und eng im Team gearbeitet. Zwar haben die meisten Kollegen Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsingenieurwesen oder Ingenieurwesen an einer Universität studiert, aber auch Kollegen anderer Studienrichtungen werden inzwischen vermehrt eingestellt, um den vielfältigen Anforderungen entsprechend begegnen zu können.

Aber es ist nicht nur die Vielfalt in unseren Teams, mit denen wir den Herausforderungen begegnen. Auch durch Trainings, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein Counseling Programm, wird sichergestellt, dass wir beständig lernen und uns auch persönlich weiterentwickeln, damit wir für unsere Kunden Bestleistung erbringen.

„Je mehr Hightech, desto mehr Hightouch“

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Bei aller technologischen Entwicklung wird oft die Frage vergessen: Wo bleibt eigentlich der Mensch dabei? Nicole Brandes gibt eine Standortanalyse ab und erklärt, worauf es nun ankommt. Die Fragen stellte Christoph Berger

Zur Person

Nicole Brandes ist internationaler Management Coach, Autorin, Partnerin des Zukunftsinstituts und gefragte Vortragsrednerin. Sie arbeitet seit fast zwanzig Jahren mit Top-Führungskräften. Weitere Informationen unter: https://nicolebrandes.com

Frau Brandes, wie verändert sich die Zusammenarbeit derzeit?
Sie verändert sich vielseitig und das in mehreren Dimensionen gleichzeitig. Ob groß oder klein, immer mehr Unternehmen kollaborieren mit Kompetitoren. Oder sie kooperieren mit Partnern aus radikal anderen Disziplinen. Einzelleistungen fusionieren zu einem neuen Gesamtprodukt. Konsumenten werden von Organisationen in die Produktherstellung miteinbezogen und werden so zu ‚Prosumenten‘. Unternehmen entwickeln sich also zunehmend zu einem lebendigen, offenen Organismus mit weitverzweigten Ästen zu Kunden, Partnern, internen und externen Mitarbeitern und Mitbewerbern. Auch die Grenze von Führen und Geführtwerden vermischt sich immer mehr. Führungskräfte bewegen sich immer mehr in großen, hyperdiversen Netzwerken von externen hochspezialisierten Experten, die zeitbegrenzt an internen Projekten mitwirken.

Was sind die Haupttreiber der Veränderungen?
Es gibt fünf wesentliche Treiber: die Technologie, die Millennials, die eine neue Arbeitskultur schaffen sowie neue Verhaltensweisen – die Mitarbeiter der Zukunft sind hochspezialisiert und wollen bestimmen, wann und wo sie arbeiten. Dazu kommen noch die soziodemografische Entwicklung und die Globalisierung.

Welchen Einfluss hat das auf die Unternehmenskulturen?
Um in dieser epochalen Veränderung erfolgreich zu sein, müssen sich die Unternehmen mitverändern. Unternehmen bestehen aus Menschen. Und Kultur ist der Kitt, der sie zusammenhält. In einer Welt der totalen Entgrenzung und Skalierung wird das Bedürfnis nach Orientierung, Zugehörigkeit und Sinn immer lauter und dringlicher. Unter diesen Rahmenbedingungen und dem gnadenlosen Druck der Wettbewerbsfähigkeit, wird eine sinn- und wertezentrierte Kultur zentral. Es ist eine wichtige Führungsaufgabe, eine Kultur zu schaffen, mit der sich Mitarbeiter identifizieren können und in der sie sich als einen bedeutungsvollen Teil der Organisation verstehen. Nach wie vor ist der Profit das Blut in den Venen einer Organisation. Aber der ‚Purpose‘ als Identifikation mit einer Gemeinschaft wird zum Herzschlag beziehungsweise zum entscheidenden Erfolgsfaktor eines Unternehmens.

Bleiben wir bei den Menschen: Wie reagieren sie auf diese Veränderungen, wie fühlen sie sich in dieser Zeit?
Der Wandel bringt uns viele Vorteile, von denen wir profitieren: sicherere Autos, leistungsfähigere Computer, medizinischer Fortschritt. Das finden wir super. Gleichzeitig fühlen sich viele von den unendlichen Weiten der heutigen Möglichkeiten überwältigt, haben das Gefühl, der Dynamik ständig hinterherzuhinken und wissen bei diesen großen und komplexen Umwälzungen nicht mehr, was sie denken oder wo sie ansetzen sollen. Vor allem Führungskräfte müssen diesem inneren Stress etwas entgegensetzen. Das gelingt nur, wenn nicht die äußeren Kräfte über sie bestimmen, sondern sie selbst die Kontrolle haben. Der Ansatz in meiner Arbeit mit Führungskräften ist, die inneren Kräfte zu mobilisieren und zu stärken, sodass sie vom Gefühl von Stress und dem Getrieben sein viel mehr in die Kraft, Kontrolle und Lebendigkeit kommen.

Man kann Menschen nicht mit Technologie führen. Maschinen führen aus. Menschen kann man nur mit Begeisterung, Sinn und sozialer Kompetenz führen.

Das klingt gut.
Ja, aber die Anforderungen, die an die Führungskräfte und Mitarbeiter gestellt werden, hängen natürlich vom jeweiligen Unternehmen und seiner Führungskultur ab. Was man schon jetzt sieht: Die Skills der Zukunft liegen im komplexem, lösungsorientierten Denken und Handeln. Wir brauchen Menschen mit gesundem Menschenverstand, viel Kreativität und vor allem hohen sozialen Fähigkeiten – unsere moderne Gesellschaft ist eine bunt schillernde Vielfalt. Wir müssen uns gegenseitig besser verstehen. Nur wer weiß, was Menschen bewegt, kann sie stark führen, gut zusammenarbeiten und bedürfnisorientierte Produkte und Services schaffen. Diese Fähigkeit ist das, was ich die Wir-Intelligenz nenne.

Leadership 4.0 hat also weniger etwas mit den technologischen Kommunikationsmöglichkeiten zu tun?
Genau. Man kann Menschen nicht mit Technologie führen. Maschinen führen aus. Menschen kann man nur mit Begeisterung, Sinn und sozialer Kompetenz führen. Führungskräfte müssen vier Kräfte verstehen: die Megatrends mit ihren spezifischen Auswirkungen auf ihre Industrie und Organisation. Zweitens: die treibenden Kräfte einer Organisation. Ebenso die treibenden Kräfte von Menschen – denn trotz der rasanten technologischen Entwicklung, bleiben die elementaren Bedürfnisse der Menschen nach wie vor bestehen. Und dabei geht es um soziale Aspekte. Und schließlich sind da noch die eigenen treibenden Kräfte für innere Stärke und Flexibilität. Je mehr Volatilität im Außen, desto mehr Stabilität braucht es im Inneren.

Sind die jungen Generationen überhaupt von den angesprochenen Veränderungen betroffen oder sind es eher die „Älteren“, die sich den Herausforderungen stellen müssen?
Wir sind alle betroffen. Technologie verändert unser Leben rasant. Aber die Bedürfnisse sind dieselben wie vor tausenden von Jahren: Wir brauchen Gemeinschaft, Beziehung, Zugehörigkeit und Identität. Der berühmte Zukunftsforscher John Naisbitt hat schon gesagt: Je mehr Hightech, desto mehr Hightouch brauchen wir.

Achtsamkeit als Katalysator für agiles Arbeiten

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Die positiven Wirkungen von Achtsamkeit auf die psychische und physische Gesundheit sind mittlerweile bekannt. Doch dass agiles Arbeiten und eine achtsame Organisationskultur untrennbar zusammengehören, ist vielen neu. Was hat es mit diesen Begriffen auf sich? Und wie wirkt sich Achtsamkeit auf unser Verhalten aus – gerade auch im Arbeitsleben? Von Sabine Fries, Trainerin im Netzwerk „Kölner Institut für Achtsamkeit“ und Co-Autorin des Buches „Achtsamkeit im Job“. Zusammen mit dem „Unternehmen Achtsamkeit“ begleitet und berät sie Unternehmen auf dem Weg zu einer achtsamen Organisation.

Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu lenken – möglichst, ohne ihn dabei zu bewerten. Den Großteil unserer Zeit verbringen wir Menschen allerdings unbewusst. Meist sind wir mit Gedanken an Vergangenes beschäftigt, oder auch mit Zukunftsplanungen, mit Sorgen, Ärger, mit Vorfreude oder mit Tagträumen. Der Geist wandert umher und wir sind uns nicht wirklich bewusst, was wir gerade tun. Jon Kabat-Zinn, einer der Pioniere für Achtsamkeitstraining, nennt dies den Autopiloten.

Mithilfe von Achtsamkeit schalten wir diesen Autopiloten aus und die Wahrnehmung des Augenblicks an. Uns wird klar, was in uns und um uns passiert, welche Gedanken wir gerade haben, was wir fühlen und wie wir handeln. Wir registrieren aufmerksamer unsere Impulse, Bewertungen und Handlungsmuster, ohne in sofortige Reiz-Reaktions-Schemata zu verfallen. Eine trainierte Wahrnehmung eröffnet uns größere Freiheiten, unsere Entscheidungen und Handlungsweisen tatsächlich bewusst zu wählen, statt wie eine Marionette zu agieren, deren Fäden von inneren und äußeren Einflüssen beliebig gezogen werden.

Somit kann Achtsamkeit auch entscheidend die Produktivität, die Kommunikation und das soziale Miteinander in Unternehmen und Organisationen beeinflussen und den Ablauf von Arbeitsprozessen verbessern. Gerade auch für Führungskräfte. Achtsamkeit stärkt die innere Klarheit, unterstützt in Entscheidungsprozessen und hat Einfluss auf die emotionale Kompetenz und damit auf eine positive Gestaltung von Beziehungen. Qualitäten, die heutzutage für eine Unternehmenskultur erfolgsentscheidend sind.

In Zeiten zunehmender Komplexität und Dynamik zeigt sich, wie wichtig Achtsamkeit als innere Haltung in agilen Organisationen ist. Ohne Achtsamkeit entsteht häufig eine Ich-Zentrierung, fehlende Loyalität, Stress, Widerstand gegen Veränderungen und Werteverfall. Wie soll unter diesen Bedingungen agil, flexibel und kooperativ gearbeitet werden? Die Arbeitswelt braucht geschärftes Bewusstsein und Sinnzentrierung, um mit Geschwindigkeit, Veränderung und Instabilität klarzukommen. Mit einer achtsamen Haltung lernen wir flexibel und agil, auf die Realität einzugehen.

Wenn Menschen achtsam sind, können sie intuitiv und authentisch sein. Sobald wir frei sind von dysfunktionalen Mustern wie Druck, Stress, Ärger oder negativen Prägungen, steht uns unser innerer Sensor zu Verfügung, um in schwierigen Situationen bestmöglich und zielführend zu agieren. Und nur dann. Sobald wir fähig sind, auf Instinkt und Menschenverstand zuzugreifen, reagieren wir automatisch angemessen, handeln stimmig und können intuitiv entscheiden. Dies ist die Basis von Agilität, achtsamem Umgang mit sich, anderen und Ressourcen.

Flexibel durch Agilität

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Der Wettbewerb und die Digitalisierung verlangen von Unternehmen immer kürzere Innovationszyklen und schnellere Prozesse. Hier bietet Agilität eine Lösung: Sie versetzt Unternehmen in die Lage, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit zu agieren. Der Erfolg einer agilen Transformation hängt vor allem von der Unternehmenskultur ab und verlangt einen gesamtunternehmerischen Wandel – einen Wandel, der oft von externen Experten begleitet wird. Von Miriam Berghaus, Senior Consultant bei Cassini Consulting

Agilität ist längst keine Domäne der Softwareentwicklung mehr. Die agilen Prinzipien lassen sich in allen Bereichen der Organisationskultur anwenden. Agile HR, Management 4.0 und auch Holokratie sind Schlagwörter, die den Trend von einer prozesszentrierten und starren Organisationskultur zu einem partizipativen Modell unterstreichen.

Unternehmen werden dadurch in die Lage versetzt, sich in einer sich stetig und kurzfristig verändernden Umwelt immer neu auf Kundenbedürfnisse auszurichten. Das Ziel ist es, bestmögliche (Teil-) Antworten auf notwendige Veränderungen zu finden und diese iterativ und basierend auf empirischen Erfahrungswerten weiterzuentwickeln. Eine Anpassung wird dabei nicht als Störung eines Plans wahrgenommen, sondern als (positives) Korrektiv auf Basis eines kontinuierlichen Erkenntnisgewinns.

Da dies oftmals eine signifikante Veränderung der Arbeitsweise von Unternehmen ist, wird weitreichendes Methodenwissen und vor allem auch Erfahrungswerte aus vergleichbaren Unternehmen benötigt, um den Unternehmenswandel zum Erfolg zu führen. Dieses Wissen wird, wenn nicht bereits im Unternehmen vorhanden, von Unternehmensberatungen hinzugeholt.

Dabei können Unternehmensberatungen auf verschiedene Arten unterstützen. Sie können Ressourcen im Rahmen eines Interimmanagements stellen, um neue Rollen zu besetzen, bis das Wissen innerhalb des Unternehmens aufgebaut beziehungsweise neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Eine weitere Option ist das Coaching: Interne (Schlüssel-)Mitarbeiter werden dabei durch erfahrene Agilisten begleitet und in ihrer jeweiligen Rolle weiterentwickelt, sodass sie die Herausforderungen des Wandels erfolgreich begleiten können. Im dritten Szenario begleitet die Beratung das Unternehmen von der ersten Idee über die Implementierung bis hin zur agilen Weiterentwicklung des ausgewählten Frameworks, um es auf Erfahrungswerte zu stützen und stetig den Unternehmensbedürfnissen anzupassen.
Die agile Transformation hat einen wesentlichen Fokus: den Menschen – sei es nun im Management oder auf operativer Ebene. Mit ihm steht und fällt, wie in jedem Change- Management, der Erfolg ebendieser Veränderung. In der Beratung ist daher nicht so sehr das Expertenwissen zu Fachbereichen wichtig, der Fokus liegt klar auf dem Methodenwissen zu den Frameworks sowie ihren Einsatzmöglichkeiten und Grenzen. Offenheit für neue Themen und geistige Flexibilität sind weitere wichtige Merkmale. Über allem steht aber die Fähigkeit, eine Veränderung der Einstellung des Einzelnen zu bewirken und eine Unternehmenskultur nachhaltig zu gestalten.

Der Start in die Agilität sollte in einer Beratung erfolgen, die eine breite Kundenbasis hat und wo Neueinsteiger zusammen mit erfahrenen Beratern bei Kunden vor Ort erste Erfahrungen sammeln können.

WOL: Working Out Loud

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Beratung einmal anders: Als eines der ersten Großunternehmen nutzt Bosch das Working Out Loud (WOL) Programm. Ziel ist es, die Mitarbeiter zu vernetzen und ihre Fähigkeiten zur digitalen Zusammenarbeit weiterzuentwickeln, um so Produkte und Dienstleistungen für die vernetzte Welt zu entwickeln. Zur Beratung wird das im Konzern vorhandene Wissen genutzt. Von Christoph Berger

Der Name Working Out Loud bedeutet so viel wie „sei sichtbar mit deiner Arbeit und teile dein Wissen und deine Erfahrungen“. Prinzipiell also nichts Neues. Und doch bekommt die Methode vor dem Hintergrund der digitalen Transformation eine neue Bedeutung. So verbringen Arbeitnehmer in Deutschland laut einer Trendstudie rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Austausch und Zusammenarbeit, zunehmend in virtuellen Netzwerken. Um in die Zusammenarbeit Effizienz zu bringen, müssen technische, organisatorische und kulturelle Rahmenbedingungen stimmen.

Bei Bosch hat man sich für folgenden Weg entschieden: Um den gewünschten Output zu erhalten, ist die Zusammenarbeit über Bereichsund Unternehmensgrenzen, der Austausch von Wissen sowie Zugang zu Institutionen und Personen, zu denen man bisher keinen Kontakt hatte, erforderlich – also: eine agile Arbeitsorganisation mit aktiven Expertennetzwerken. Über ein sogenanntes Peer Coaching beraten und unterstützen sich die Mitarbeiter untereinander – in Circlen. So sagt Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor des Unternehmens: „Der digitale Wandel ist auch ein kultureller Wandel. Mit Working Out Loud fördern wir die digitale Zusammenarbeit, entwickeln unsere Lern- und Arbeitskultur weiter und stärken so unsere Innovationskraft.“

Deutsche Social Collaboration Studie Die Deutsche Social Collaboration Studie liefert einen Gesamtüberblick über die Nutzung von modernen Technologien zur Förderung der vernetzten Zusammenarbeit in deutschen Unternehmen. www.collaboration-studie.de

Auch die Deutsche Social Collaboration Studie 2018, herausgegeben vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Buxmann, kommt unter anderem zu dem Schluss, dass Enterprise Social Networks ein besonderes Potenzial bei der Entwicklung von Innovationen bieten. Sie würden die Entwicklung von Metawissen – „Was wissen meine Kollegen?“ – fördern und damit neue Kombinationen bestehender Ideen und einen effektiven Wissenstransfer ermöglichen, lautet eine der Kernaussagen. Die sogenannten ESNs würden außerdem die persönlichen Netzwerke der Mitarbeiter stärken, insbesondere im Hinblick auf die Vielfalt verfügbarer Ideen und des zugänglichen Wissens. Also genau das, was mit WOL angestrebt wird.

Doch anders als bei vielen anderen Ansätzen, etablierte sich WOL bei Bosch nicht nach dem Bottom-down-Prinzip, sondern nach dem Bottom-up-Ansatz. Also auch hier: Beratung von Seiten der Mitarbeiter.

Scanner-Blick! Kultur-, Buch- und Linktipps

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FRANK SCHÄTZINGS NEUER THRILLER ÜBER KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Cover-Tyrannei

Im gerade erschienen Buch des Bestsellerautors Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“ gerät ein Sheriff in der verschlafenen Goldgräberregion Sierra in Kaliforniens Bergwelt bei der Untersuchung eines rätselhaften Todesfalls in den Sog aberwitziger Ereignisse. Schon bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln und die Zeit selbst scheint aus den Fugen zu geraten. Das Geheimnis im Berg, wo auch die Forschungsanlage eines Hightech-Konzern betrieben wird, führt ihn an die Grenzen des Vorstellbaren – und darüber hinaus.

Frank Schätzing: Die Tyrannei des Schmetterlings. Kiepenheuer&Witsch 2018, 26 Euro.

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EIN UNTERNEHMENSBERATER UND DAS „CALIFORNIA SOUL KITCHEN“

„The Sunshine State of Mind – From Ocean Drive // To Karl-Marx-Allee“. So heißt es auf der Internetseite des California Soul Kitchen. Gegründet wurde das Restaurant unter anderem vom früheren Unternehmensberater Dr. Benjamin Brudler. Obwohl: Restaurant stimmt nicht! Beim Konzept der Soul Kitchens handelt es sich um reine Bringdienste – mit schmackhaftem Essen aus der Großküche. Gasträume entfallen. Das senkt die Kosten, auch wegen der Lage. Die von Brudler mitgegründete Küche in Berlin ist dabei die erste dieser Art in Deutschland.
Weitere Informationen unter: www.californiasoul.kitchen

STORYTELLING-CONSULTANT: MIT GESCHICHTEN BEGEISTERN

Wer lebendige Geschichten erzählt, erzeugt Spannung. Und die Geschichte bleibt im Gedächtnis, vor allem dann, wenn die Zuhörer auch noch in die Geschichten eingebunden werden. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen auf das sogenannte Storytelling setzen, um Probleme zu lösen, Unternehmenskultur aufzubauen oder es als Marketing-Instrument zu nutzen. So ist ein ganz eigener Beruf entstanden: der des Storytelling-Consultant. Dazu auch Matthias Horx in seinem Beitrag „Adieu, Marketing!“:
www.zukunftsinstitut.de/artikel/adieu-marketing

JUPP HEYNCKES – DIE BIOGRAFIE

Josef „Jupp“ Heynckes ist einer der besten deutschen Trainer. Autor Christoph Spöcker hat aber noch ganz andere Geschichten gefunden, die weit über seine sportlichen Leistungen hinausgehen: Zum Beispiel dass der gebürtige Gladbacher neun Geschwister hat und seine Frau während einer Krebserkrankung lange selbst gepflegt hat.

Christoph Spöcker: Jupp Heynckes – Die Biografie. Riva 2017, 17,99 Euro.

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HAMBACHER FRÜHLING

„Freuen Sie sich doch, Palzki“, schnauzte ihn sein Chef Diefenbach, kurz KPD genannt, an. „Nicht jeder bekommt in seinem Leben die Gelegenheit, mit hochrangiger Prominenz in Kontakt treten zu dürfen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit für Sie“. In KPDs Universum gibt es nur Eigenlob, Einbildung, Arroganz und Ignoranz gegenüber dem realen Rest der Welt…Entsprechend gelaunt nimmt Kommissar Palzki an einer Wochenendtagung auf dem Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße teil – dort, wo einst die Demokratie ausgerufen wurde. Während der Tagung kommt es immer wieder zu unerklärlichen Unfällen und Todesopfern. Palzki ist ermittlungstechnisch auf sich allein gestellt und macht sich auf die gefährliche Suche nach dem Mörder. Zu den realen und fiktiven Charakteren zählt diesmal auch „Palzki“-Verfasser Harald Schneider selbst. Er arbeitet als Betriebswirt in einem Medienkonzern und beschäftigt sich mit Strategieplanung im Verlagswesen. Seine Schriftstellerkarriere begann er während des Studiums mit Kurzkrimis in Studentenmagazinen. „Hambacher Frühling“ ist bereits sein 15. Roman. Schneider gehört zu den meist gelesenen regionalen Krimiautoren Deutschlands und ist derzeit auf Lesereise – Termine: www.palzki.de.

Harald Schneider: Hambacher Frühling, 2018, Gmeiner Verlag, 14 Euro.
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DIE VEREINDEUTIGUNG DER WELT

Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. An die Stelle des eigentümlichen Inhalts rückt vermeintliche Authentizität: Nicht mehr das „was“ zählt, sondern nur noch das „wie“. Thomas Bauer zeigt die Konsequenzen auf, sollten wir diesen fatalen Weg des Verlustes von Vielfalt weiter beschreiten.

Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Reclam 2018, 6 Euro

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GET YOUR SHIT TOGETHER: WIE MAN IM LEBEN GEWINNT

In diesem Buch erklärt Bestsellerautorin Sarah Knight, wie sich all die Dinge wegorganisieren beziehungsweise wegrationalisieren lassen, die tagtäglich nerven und Sie davon abhalten, das zu erreichen, was Sie möchten: im Job erfolgreicher sein, kreativ sein, die Finanzen aufstocken, gesünder leben oder eine Beziehung endlich neu gestalten.

Sarah Knight: Get your shit together. Ullstein 2018, 10 Euro. Erscheinungstermin: 8. Juni 2018.

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ÜBERNACHTEN IN EINER BOING 747

Foto: Jumbo Stay
Foto: Jumbo Stay

Nördlich von Schwedens Hauptstadt Stockholm – genauer gesagt: beim dortigen Flughafen Arlanda, öffnete bereits 2009 das Hotel Jumbo Stay. Dabei handelt es sich um einen tatsächlich 1976 gebauten und später umfunktionierten Jumbo Jet 747-212B, der nun für Übernachtungen und Konferenzen genutzt werden kann. 33 Räume mit insgesamt 76 Betten sind in dem Flugzeug untergebracht. Im oberen Flugdeck können zudem kleinere Konferenzen abgehalten werden. Ein Muss für jeden Flugzeug-Fan und viel reisenden Vollblut-Berater.
Weitere Infos unter: www.jumbostay.com

Lohngerechtigkeit

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Henrike von Platen Finanzexpertin, Wirtschaftsinformatikerin, Hochschulrätin und Kämpferin für Lohngerechtigkeit  Zur Person Henrike von Platen gründete 2017 das FPI Fair Pay Innovation Lab, das Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt. Die Finanzexpertin war von 2010 bis 2016 Präsidentin der Business and Professional Women Germany, gründete einen Fraueninvestmentclub, ist Hochschulrätin an der Hochschule München und engagiert sich im Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V. sowie bei FidAR, der Initiative für Frauen in die Aufsichtsräte. Ihr Ziel: Lohngerechtigkeit für alle. Die Fragen stellte Christoph Berger

Frau von Platen, zu Beginn eine Frage zur Definition: Was heißt für Sie Lohngerechtigkeit?
Lohngerechtigkeit heißt erst einmal nichts anderes als gerechte Bezahlung für alle Menschen. Das Entscheidende daran ist: Wenn alle gerecht bezahlt werden, werden auch alle die gleichen Chancen und die gleichen Bedingungen haben. Geld ist die wichtigste Stellschraube auf dem Weg zur Gleichstellung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Aus Unternehmenssicht gehört eine faire Entgeltstrategie zur Organisationsentwicklung, in Zeiten von Fachkräftemangel und Digitalisierung mehr denn je. Wer fair führt, wirtschaftet klüger und nachhaltiger.

Sie unterstützen Unternehmen und Organisationen mit dem von Ihnen gegründeten Fair Pay Innovation Lab bei der praktischen Umsetzung von Lohngerechtigkeit. Mal naiv nachgefragt: Welche Unterstützung benötigen Unternehmen diesbezüglich – entweder sie wollen Lohngerechtigkeit oder eben keine?
Ja, das könnte man denken. Aber das Erstaunliche ist: Viele Unternehmen gehen davon aus, fair zu bezahlen – ohne ihre Entgeltstrukturen jemals überprüft zu haben. Sie sind dann oft sehr überrascht, wenn sie die Zahlen Schwarz auf Weiß sehen. Die gefühlte Lohngerechtigkeit entspricht selten der tatsächlichen. Andere Unternehmen wissen um den Missstand, aber nicht, wie sie ihn beseitigen können. Und noch andere ignorieren das Thema ganz. Wir brauchen daher im allerersten Schritt mehr Transparenz. Großbritannien geht da mit gutem Beispiel voran. Dort müssen Unternehmen ab einer bestimmten Größe seit dem Frühjahr 2018 ihre Daten zum unternehmensinternen Gender Pay Gap im Internet veröffentlichen und regelmäßig überprüfen. Natürlich hat sich manches bewahrheitet, was längst alle ahnten, aber es gab auch einige Überraschungen. Vor allem aber hat der Transparenzzwang einiges in Bewegung gebracht: Zeitgleich mit den Zahlen haben viele Unternehmen auch direkt eine Gleichstellungsstrategie präsentiert.

Warum ist eine Strategie bei der Einführung von Lohngerechtigkeit sinnvoll und auf was kommt es dabei an?
Zuallererst ist es natürlich wichtig, die Zahlen zu kennen und zu analysieren, um zu wissen, ob und wo Handlungsbedarf besteht. Ungleiche Bezahlung hat komplexe Ursachen, und Lohngerechtigkeit ist die Folge einer Vielzahl von Transparenz- und Gleichstellungsmaßnahmen. Wer in einem hierarchischen Unternehmen plötzlich sämtliche Gehälter offenlegt, hat noch lange keine Transparenzkultur, sondern wird aller Wahrscheinlichkeit auf großen Widerstand und Unmut stoßen.

Transparenz und Fair Pay lassen sich nicht per Knopfdruck bewerkstelligen. In aller Regel ist das ein umfassender Change-Prozess, der der Steuerung bedarf. Zum einen braucht es dafür Kriterien, die für alle gleich und nachvollziehbar sind. Zum anderen braucht es eine klischeefreie Zone, in der wir frei von Stereotypen und unbewussten Vorurteilen Entscheidungen fällen: Bei Stellenbesetzungen, Einstiegsgehältern oder Gehaltserhöhungen beeinflusst uns noch viel zu oft der Unconscious Bias. Hier braucht es Schulungen der Personalabteilungen und Führungskräfte.

Im Juli 2017 trat das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen in Kraft. Wie beurteilen Sie das Gesetz?
Wie gesagt: Transparenz ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Lohngerechtigkeit. Das Gesetz geht also genau in die richtige Richtung. Und je mehr Beschäftigte den Auskunftsanspruch wahrnehmen, desto mehr Unternehmen müssen sich mit ihren Entgeltstrukturen auseinandersetzen. Nicht nur am Beispiel Großbritannien sehen wir, wie viel es bewirken kann, wenn der unternehmensinterne Gender Pay Gap transparent gemacht werden muss. Island geht noch einen Schritt weiter: Für jeden Tag, den Unternehmen ihre Entgeltstrukturen nicht überprüfen, zahlen sie Strafe. Wo die Politik einen klaren Kurs vorgibt, ist die Entwicklung schneller, keine Frage. Da können wir uns von unseren europäischen Nachbarn eine ganze Menge abgucken.

Gibt es Vorteile, die Unternehmen aus der Einführung von Lohngerechtigkeit ziehen können?
Sagen wir einmal so: Die Gesetze brauchen wir eigentlich nur, weil noch nicht alle Unternehmen verstanden haben, wie wichtig gerechte Bezahlung für ihren wirtschaftlichen Erfolg ist. Viele setzen schon seit Jahren auf Transparenz und Lohngerechtigkeit. Und zwar nicht, weil sie die Welt verbessern wollen – das vielleicht auch, aber in erster Linie, weil sie wirtschaftlich erfolgreich sein wollen. Und die Ergebnisse geben ihnen Recht. Und zwar unabhängig von der Unternehmensgröße: Best Practice Beispiele gibt es vom globalen Konzern bis zum hippen Start-up mit einer hundertköpfigen Belegschaft.
Der Fachkräftemangel und die Digitalisierung sind die besten Komplizinnen für Lohngerechtigkeit, die man sich denken kann. Wer um die besten Kräfte kämpft, kann es sich schlicht nicht mehr leisten, das Thema zu ignorieren. Und die Digitalisierung schafft ganz neue technische Möglichkeiten der Arbeitsorganisation. Diverse Teams erzielen erwiesenermaßen bessere Ergebnisse. Wer die besten Köpfe binden und auch langfristig halten will, braucht faire Strukturen und eine passende Unternehmenskultur. Das wirkt sich auf die Mitarbeiterzufriedenheit ebenso aus wie auf das Arbeitgeberimage oder die Attraktivität für Stakeholder und Investorinnen. Lohngerechtigkeit ist ein Wirtschaftsfaktor.

Sie bieten neben Ihrer Beratung auch Workshops für Studierende an Universitäten an. Welche Themen liegen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei besonders am Herzen?
Unsere Workshops für Berufseinsteigende haben den Titel „Reich, schön und glücklich“ – es geht also ganz klar um Erfolg und Geld. Der Zulauf ist enorm. Die Unsicherheit beim Berufseinstieg ist groß, gerade in Sachen Geld und Gehalt. Da das Thema Geld gerade hierzulande ein so großes Tabu ist, wissen viele nicht, wie sie den Wert der eigenen Arbeit und ihr Einstiegsgehalt realistisch einschätzen können. Und die allermeisten haben keine Vorstellung davon, welchen Einfluss es auf ihren späteren Berufslebensverlauf und vor allem auch auf ihr Privatleben hat, wenn sie diese Fragen nicht frühzeitig für sich beantworten. Wir wollen dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, von Anfang an die richtigen Weichen zu stellen. Die „typische Erwerbsbiografie“ von Frauen und Männern ist kein Schicksal – das wollen wir möglichst vielen Berufseinsteigenden vermitteln. Wir freuen uns daher über jede Workshop-Anfrage.

Was können vor allem Absolventinnen tun, die vor ihrem Berufseinstieg stehen, um eine gleichwertige Bezahlung zu erlangen?
Das allerwichtigste: Über Geld reden! So oft wie möglich und bei jeder Gelegenheit. Üben lässt sich das in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis. Eventuell ergibt sich auch Gelegenheit, bei potentiellen Kollegen und Kolleginnen einfach mal konkret nachzufragen: Was verdienst du eigentlich?

Und dann ermutigen wir die Studierenden sich zuallererst über die eigenen Wünsche und Ziele klarzuwerden: Was möchte ich erreichen? Was ist mir wichtig? Wie viel Geld brauche ich? Bei einer Bewerbung ist es extrem wichtig, sich vorab über die Höhe der Gehälter im Unternehmen zu informieren und herauszufinden, welche sonstigen Gehaltsbestandteile es gibt. Das lässt sich vor dem Vorstellungsgespräch auf Plattformen wie Glassdoor, kununu oder Lohnspiegel recherchieren. Meist finden sich hier auch schon wertvolle Informationen über die Unternehmenskultur. So kann man sich in Sachen Gleichstellung und Vereinbarkeit gezielt informieren, wie es beim potentiellen Arbeitgeber aussieht: Gibt es Führungskräfte in Teilzeit? Gehen Väter länger als zwei Monate in Elternzeit? Wird im Home Office gearbeitet? All das sind Indikatoren für einen fairen Umgang miteinander. Und der spiegelt sich wiederum in der Bezahlung wider.

Das Ziel ist ein Austausch auf Augenhöhe. Das heißt im Zweifel auch festzustellen, dass ein Unternehmen nicht zu mir passt.

Ihre Prognose: Wie lange wird es in Deutschland noch dauern, bis Lohngerechtigkeit erreicht ist?
Ein paar Jahre wird es trotz Digitalisierung und Fachkräftemangel wohl noch dauern. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass Lohngerechtigkeit über Nacht möglich wäre – wenn alle sie wollten. Ich persönlich peile Lohngerechtigkeit für 2020 an und plane daher eine Fair Future Party für den 31. Dezember 2019. Sie sind herzlich eingeladen! (Anm. d. Red: www.fairfuture.party)

Kamen Sie schon einmal persönlich in einem Job in die Situation, für Lohngerechtigkeit kämpfen zu müssen?
Ich war als Unternehmerin immer in der komfortablen Situation, die Regeln selbst zu machen – und habe von Anfang an für faire Strukturen gesorgt. Natürlich setzen wir im Fair Pay Innovation Lab um, was wir anderen ans Herz legen: Flexible Arbeitszeiten, Home Office, 32-Stunden-Vollzeit et cetera. Außerdem machen wir die FPI-Gehälter transparent (http://www.fpi-lab.org/fpi-gehaltsrechner/). Zugegeben, wir sind ein kleines Team, das macht manches einfacher. Doch warum sollte im Großen nicht funktionieren, was im Kleinen machbar ist? Irgendwer muss ja schließlich den Anfang machen!

karriereführer frauen in führungspositionen 2018.2019 – Neue Dynamik in der Führungsfrage

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Neue Dynamik in der Führungsfrage

Der Geduldsfaden beginnt zu reißen, mit Blick auf Frauen im Top-Management soll endlich mehr passieren: Die Regierung will reine Männerriegen an der Spitze der Unternehmen sanktionieren. Zudem entsteht eine Reihe neuer Initiativen und Stiftungen, die Frauen sehr gezielt nach oben bringen wollen – sogar bis ins All.

Neue Dynamik in der Führungsfrage

Der Geduldsfaden beginnt zu reißen, mit Blick auf Frauen im Top-Management soll endlich mehr passieren: Die Regierung will reine Männerriegen an der Spitze der Unternehmen sanktionieren. Zudem entsteht eine Reihe neuer Initiativen und Stiftungen, die Frauen sehr gezielt nach oben bringen wollen – sogar bis ins All. Von André Boße

„Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Frage der Gerechtigkeit“, heißt es im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der SPD. „Sie ist Voraussetzung und Motor für eine nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, national und international.“

Diese Passage findet sich in dem fast 180 Seiten dicken Papier an prominenter Stelle, auf Seite 23. Hier zeigt die Neuauflage der Regierung: Dieses Thema ist der GroKo wichtig. Noch immer gebe es „vorhandene strukturelle Hemmnisse“, die abgebaut werden müssten. Denn: „Frauen sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert“ – trotz des Führungspositionen-Gesetzes mit der schönen Abkürzung FüPoG, das seit 2016 gilt und zweierlei besagt:

Für die großen Unternehmen gilt eine Quote von mindestens 30 Prozent Frauen für neu zu besetzende Posten im Aufsichtsrat. Für die anderen, kleineren hat das FüPoG eine „Zielgrößenverpflichtung“ formuliert, die jedoch „keine Mindestzielgrößen“ vorsieht. Das klingt butterweich, und tatsächlich: Wenn ein Unternehmen seine Ziele selbst festlegen kann und es auch keine Mindestzielgröße gibt, dann kann das eben auch heißen: Mit einer „Null“ kommt man durch. Zumindest bislang.

Schweden gegen Deutschland 4:0

Die AllBright-Stiftung hat einen schwedischen Gründer, daher liegt ein Vergleich zu Deutschland nahe. Auch im Norden Europas kam der Kulturwandel trotz guter politischer Voraussetzungen erst langsam in Gang. Doch bildeten diese die Basis für einen Wandel, der schließlich von den Unternehmen ausging. Die aktuellen Zahlen, analysiert von der AllBright-Stiftung, im Vergleich:

Schweden gegen Deutschland 4:0

Frauen in Vorständen:
Schweden 21% – Deutschland 7,3%

Weibliche Vorstandsvorsitzende:
Schweden 6% – Deutschland 1,9%

Frauen in Aufsichtsräten:
Schweden 33% – Deutschland 27,5%

Weibliche Aufsichtsratsvorsitzende:
Schweden 6% – Deutschland 3,1%

Die „Null“ steht? Sanktionen drohen

Doch damit soll es jetzt vorbei sein, die Regierung will ein „besonderes Augenmerk auf Unternehmen ohne Frauen in Führungspositionen legen, die sich eine Zielgröße „Null“ geben.“

Eine Kapitalgesellschaft, die diese „Null“ nicht meldet und auch begründet, soll nun sanktioniert werden können – nach Paragraph 335 des Handelsgesetzbuches, in dem teils üppige Bußgelder in Millionenhöhe festgesetzt werden, wenn eine Kapitalgesellschaft gegen Offenlegungen oder Meldepflichten verstößt. Kurz:

Reine größere Männerunternehmen, die sich weder bemühen noch Sensibilität für das Thema zeigen, sollen zur Kasse gebeten werden. Wie diese Kontrolle des FüPoG nun genau gestaltet wird und wie wirksam sie sein wird, ist noch offen. Es zeigt sich aber: Die neue Regierung will verhindern, dass einige modern denkende Unternehmen den Kulturwandel einleiten, während andere männerdominierte Arbeitgeber stur den Kopf in den Sand stecken.

Diese politischen Vorhaben der neuen Regierung treffen in Deutschland auf eine Kultur des Wandels, die an vielen Stellen an Dynamik zulegt. Initiative ergreifen dabei häufig einzelne Akteure aus Forschung oder Wirtschaft – es zeigt sich: Die Ungeduld wächst, der Druck, zu handeln, wird größer. Zum Beispiel bei der Luft- und Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler, die sich nicht damit abfinden wollte, dass bislang elf deutsche Männer ins All geflogen sind – aber noch keine einzige Frau. Der karriereführer berichtete schon vor einem Jahr von ihrem 50-Millionen-Euro-Projekt „Die Astronautin“, das von Airbus und anderen Förderern unterstützt wird, aber auch auf einer Crowdfunding-Kampagne aufbaut.

Interkulturelle Sommer-/Winterakademie

Zweimal jährlich bietet der Verein Interculture in Kooperation mit dem Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena Workshops an. Mehr Infos unter: www.interculture.de/ausbildungweiterbildung/iksommerakademie

Der Flug zur Raumstation ISS ist für das Jahr 2020 geplant. Derzeit sind noch zwei Kandidatinnen im Rennen, die Meteorologin Insa Thiele-Eich sowie die Astrophysikerin Suzanna Randall, die erst vor kurzem für die Pilotin Nicola Baumann nachgerückt war. „Ich möchte zeigen, dass es für ganz normale Frauen möglich ist, sich aus eigener Kraft das notwendige Wissen zu erarbeiten, um Astronautin zu sein“, sagt Suzanna Randall, 38 Jahre, eine gebürtige Kölnerin, die in London und Montreal studierte und derzeit in der Europäischen Südsternwarte in Garching bei München als Wissenschaftlerin der Astrophysik tätig ist. Eine von den beiden Frauen wird es schaffen, die andere aber vielleicht folgen, denn „Die Astronautin“ soll keine Exotin bleiben, sondern sich zum Normalfall entwickeln.

Initiativen aus der Start-up-Szene

Aus der Berliner Creative-Startup-Szene heraus gründeten Lea Vajnorsky und Robin Haak Ende 2017 die Plattform Wo/men Inc., die karrierebewussten Frauen beim Aufbau eines funktionierenden und vielschichtigen beruflichen Netzwerks unterstützen möchte. „Ermutigend, sinnstiftend und Businessorientiert“ solle dieses Netzwerk sein. „Wir sind der festen Überzeugung, dass das erfolgreiche Miteinander nicht von der Gender-Frage abhängt“, sagen die beiden Gründer. Idee von Wo/men Inc. sei es daher, überall auf der Welt Räume zu erschaffen, in denen sich kreative und erfolgshungrige Frauen, aber auch Männer, begegnen, einander inspirieren und einander helfen.

Frauen stark in den Branchen Gesundheit und Handel

Das Wirtschaftsauskunftsunternehmen CRIF Bürgel wertete Anfang März seine Datenbank mit mehr als einer Million Unternehmen aus, um die Entwicklung bei Frauen im Top-Management zu analysieren. Laut einer Meldung der dpa erhöhte sich der Anteil im Frühjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent. Am stärksten vertreten sind Frauen im Top-Management von Unternehmen des Gesundheitswesens (36,5 Prozent). Es folgt der Handel mit 25,9 Prozent. Ganz unten: der Maschinenbau (10,8 Prozent) und das Bauwesen (11,1 Prozent). Quelle: dpa.

Die Initiative hat sich einige hochkarätige Partner wie Adidas oder den Co-Working-Space-Anbieter Mindspace gesichert, die ersten Veranstaltungen finden in Tel Aviv, Berlin und San Francisco statt, was zeigt: Diese Initiative denkt global. Ein Kooperationspartner ist auch das Förderprogramm Ada Accelerator, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen als Gründerinnen von technischen Startups zu unterstützen. Noch immer seien weibliche Gründer in Deutschland die Ausnahme, nur 14 Prozent aller Startups werden von Frauen gegründet, bei technisch orientierten Startups liegt die Quote bei lediglich fünf Prozent, sagt die Projektleiterin Joy Spenner.

Übrigens leitet sich der Name Ada von der britischen Pionierin Ada Lovelace ab, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der besten Mathematikerinnen war sowie als erste  Programmiererin der Welt gilt: Für die „Analytische Maschine“ – einen damals nur in der Theorie existierenden Computer – entwickelte sie Programme, die viele Eigenschaften von späteren Computersprachen vorwegnahmen.

Ein Pioniergeist wie der von Ada Lovelace wäre eine Bereicherung für alle Teams, die sich heute mit den wichtigen Fragen der Innovation beschäftigen. Für die AllBright-Stiftung gilt hier der meritokratische Ansatz – abgeleitet von „meritum“, dem lateinischen Begriff des „Verdienstes“: Führungsteams sollten mit den Begabtesten besetzt werden, anstatt sich auf die Rekrutierung aus einer immer gleichen homogenen Gruppe zu beschränken.

Veranstaltungstipp der Redaktion

Das Ada Lovelace Festival ist eine Plattform für Young Professionals aus der Informatik- und Technologiebranche, um sich über die neuesten Trends, Forschungsergebnisse und Erfolgsgeschichten von Frauen in der IT auszutauschen. Connecting Women in Computing & Technology 11./12. Oktober 2018 in Berlin http://wiwo.konferenz.de/ada

Gegründet wurde die Stiftung 2011 vom schwedischen Banker und Finanzinvestor Sven Hagströmer, seit 2016 ist von Berlin aus eine deutsche Schwesterstiftung tätig, deren Geschäfte von Wiebke Ankersen geführt werden. Sehr genau analysiert die Stiftung die Dynamik des Wandels, bei den mittleren und kleinen Börsenunternehmen stellt Ankersen dabei eine Art „satte Trägheit“ fest: „Der deutschen Wirtschaft geht es ja zurzeit ziemlich gut. Dazu passt, dass diese kleineren und mittleren Börsenunternehmen auch diejenigen sind, die auch bei der Digitalisierung hinterherhinken.“

Männer dominieren weiterhin die Vorstände der großen Unternehmen und neigen laut einer Analyse der Stiftung nicht dazu, diese Ungleichheit der Geschlechter zu ändern. Der Grund dafür sei, dass sie größtmögliche Reibungslosigkeit in der Zusammenarbeit wollen. „Es ist am Ende eine Bequemlichkeit der rekrutierenden Manager, denn Vielfalt im Führungsteam ist zweifellos anstrengender.“

Nicht Frauen müssen sich ändern – sondern das System

Dieser Einheitsbrei sei auf individueller Ebene sogar nachvollziehbar, jedoch überhaupt nicht im Interesse der Unternehmen: „Ökonomisch ist es nicht sinnvoll. Diese extrem homogenen Führungsteams können sogar riskant sein, weil alle über dasselbe Wissen und die gleichen Erfahrungen verfügen. Das führt zu einem verengten Blickwinkel und manchmal auch zu gefährlichem Gruppendenken, in dem keiner mehr etwas infrage stellt“, sagt Wiebke Ankersen. So manövrierte man sich einstimmig in eine Krise, Beispiele dafür finde man heute regelmäßig in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen. Gerade bei Geldgebern werde das Risiko der reinen Männervorstände mittlerweile erkannt, wie Wiebke Ankersen beobachtet hat: „Frauen im Top-Management von Unternehmen sind auch ein guter Indikator, die großen internationalen Investoren sehen daher sehr genau hin, wie die Vorstände der Unternehmen besetzt sind.“

Foto: Fotolia/snaptitude
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Hinsehen sollten daher auch die Absolventinnen: „Halten Sie nach Frauen im Top-Management Ausschau, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort faire Karrierechancen vorfinden, sind größer, wenn es bereits Frauen bis nach ganz oben geschafft haben.“ Wer jedoch ist für die Dynamik des Wandels hauptverantwortlich? Die Politik? Für Wiebke Ankersen sei es Aufgabe der Politik, gute Rahmenbedingungen zu schaffen – zum Beispiel, eine ausreichende und hochwertige Kitabetreuung zu garantieren. „Die Erfahrungen aus Schweden zeigen allerdings auch: Selbst wenn die Rahmenbedingungen stimmen, liegt der entscheidende Faktor für mehr Frauen in Führungspositionen darin, dass es ein echtes Umdenken in den Unternehmen gibt.“

In Schweden, wo die politischen Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten deutlich besser seien als in Deutschland, sei es mit dem Frauenanteil im Top-Management erst in dem Moment entscheidend vorangegangen, als die Unternehmen diese Frauen unbedingt haben wollten, weil sie wussten, dass sie ohne sie der Konkurrenz hinterherhinken würden. Der AllBright-Stiftung ist es daher wichtig, deutlich zu machen, dass sich Frauen nicht ändern müssten, um beruflich weiterzukommen.

Mehr einzufordern, selbstbewusster aufzutreten, lauter „hier“ zu rufen oder bessere Netzwerke aufzubauen – all dies seien Versuche, sich an das von Männern geprägte System anzupassen. „Wir sehen das ein bisschen anders“, sagt Wiebke Ankersen. „Frauen sind gut, genau wie sie sind.“ Was sich hingegen ändern müsse, sei das System: „Gute Ergebnisse müssen honoriert werden – nicht traditionell männliche Verhaltensweisen.“

Generation Z startet ins Berufsleben

Die Generation Z steigt in die Arbeitswelt ein. Aktuell verlassen die ersten Absolventen, die zur Generation Z zählen (zwischen 1993 und 1999 geboren), die Hochschulen. Die Absolventenstudie 2017 von Accenture Strategy zeigt, was sie sich wünschen und was sie erwartet: Die Generation Z ist zwar flexibel und gut vorbereitet, doch ein Problem für sie ist Unterforderung: Zwei Drittel der befragten Berufsanfänger fühlen sich im Job nicht genügend ausgelastet und gefordert. Sie möchten am liebsten in einem Großunternehmen arbeiten und kehren zu traditionellen Werten zurück: Ein klarer Karriereweg, Stabilität, Weiterbildungen und Mentoring sowie ein angemessenes Gehalt sind den Absolventen wichtig. Mehr dazu: www.accenture.com/de-de/

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Mit der Generation Z, ihren Perspektiven, Wünschen und Vorstellungen von Arbeit befasst sich Prof. Dr. Christian Scholz. http://diegenerationz.de

Die Vorstandsfrau: Kathrin Menges im Interview

Eigentlich wollte Kathrin Menges Lehrerin werden. Dann wechselte sie in die freie Wirtschaft, heute sitzt sie im Vorstand des Düsseldorfer Henkel-Konzerns. Als erste und einzige Frau. Noch – denn die 53-Jährige hofft, dass ihr Karriereweg für andere Frauen eine Vorbildfunktion hat. Das Interview führte André Boße.

Zur Person

Kathrin Menges, geboren 1964 in Pritzwalk in Brandenburg, schloss ihr Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam 1988 als Diplom-Lehrerin ab. Bis 1990 war sie als Lehrerin tätig, dann wechselte sie ins Personalwesen der Bankgesellschaft Berlin. 1999 ging sie zum Henkel-Konzern, zunächst als Leitung Personal der Konzerntochter Schwarzkopf Professional. Seit 2005 ist sie in der Zentrale in Düsseldorf tätig, zunächst als Leiterin diverser Personalbereiche. Im Oktober 2011 wurde sie in den Vorstand berufen, wo sie heute für die Unternehmensbereiche Personal sowie Infrastruktur-Services zuständig ist.

Frau Menges, 2011 wurden Sie in den Vorstand von Henkel berufen, als erste Frau in der mehr als 140 Jahre langen Unternehmensgeschichte. Können Sie sich noch an die ersten Arbeitstage in dieser Position erinnern?

Ich habe ja bereits vor meiner Berufung in den Vorstand die Gesamtverantwortung für den Personalbereich getragen und mich dabei regelmäßig und intensiv mit den Kollegen aus dem Vorstand ausgetauscht. Mit der Arbeit im Vorstand kommen dann natürlich neue Aufgaben und eine zunehmende Verantwortung hinzu. Diese habe ich gerne angenommen. Den Start habe ich persönlich als herausfordernd, aber gelungen und sehr angenehm in Erinnerung. Meine Vorstandskollegen und ich pflegen einen sehr offenen und vertrauensvollen Umgang und verstehen uns als ein Team.

Haben Sie sich damals selbst als Pionierin betrachtet? Vielleicht sogar als Vorbild für andere ambitionierte Frauen?

Ich würde nicht so weit gehen, mich als Pionierin zu bezeichnen. Dennoch glaube ich, dass Frauen in Top-Führungspositionen eine wichtige Signalwirkung ausüben. Wir brauchen solche „Role Models“, wir müssen erfolgreiche Frauenkarrieren noch sichtbarer machen. Und natürlich werde ich hin und wieder von jüngeren Frauen nach meiner Karriere gefragt. Ich teile meine persönlichen Erfahrungen sehr gerne und hoffe, dass mein Karriereweg für die ein oder andere auch Ansporn ist, sich von vermeintlichen Grenzen nicht einschränken zu lassen.

Karriere ist nichts, was durch Zufall passiert. Sie muss gestaltet werden.

Es ist weiterhin viel von „gläsernen Decken“ die Rede, die nicht verschwinden wollen. Sind Sie selbst auf Ihrem Weg nach oben an welche gestoßen?

Ich muss sagen, dass ich in meinem Berufsleben keine gläserne Decke gespürt habe. Im Gegenteil. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass mich Leistung und Engagement weiterbringen – aber auch die Fähigkeit, sich beherzt Neuem zu stellen. Denn eines ist klar: Karriere ist nichts, was durch Zufall passiert. Sie muss gestaltet werden. Der Schlüssel dafür liegt bei einem selbst.

Wenn Sie auf die Karrieren von Frauen in großen Konzernen blicken, was hat sich in den vergangenen sieben Jahren geändert, welche Strukturen konnten aufgebrochen werden?

Das Thema der Förderung von Frauen in Führungspositionen ist in der Gesellschaft und der Wirtschaft angekommen. Unternehmen können es sich heute gar nicht mehr leisten, auf das hohe Potenzial von qualifizierten Frauen zu verzichten – und haben dementsprechend die Möglichkeiten verbessert. Das betrifft vor allem eine systematische langfristige Karriereplanung für Frauen, aber auch verbesserte Rahmenbedingungen, zum Beispiel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder, da ist Henkel sicherlich keine Ausnahme.

Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Mentalitätswandel mit einer Abkehr von tradierten Rollenbildern.

Wie erleben Sie in Ihrer Position als Personalchefin ambitionierte Frauen der heutigen Generationen?

Ich erlebe die nachwachsende Generation an Führungskräften als ambitioniert, selbstbewusst und sehr werteorientiert – und das erst einmal unabhängig vom Geschlecht. Und ich glaube, viele junge Frauen stellen sich die Frage „Karriere oder Familie“ heute gar nicht mehr so. Für sie ist es nämlich eine Selbstverständlichkeit, dass beides miteinander vereinbar ist. Und das sollte es auch sein! Bietet der Arbeitgeber dafür nicht das richtige Umfeld, orientieren sie sich um. Darauf müssen Unternehmen sich einstellen. In den Unternehmen sind viele Maßnahmen eingeleitet worden, um diese Selbstverständlichkeit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu gewährleisten.

Welche dieser Maßnahmen funktionieren bereits – welche sind noch ausbaufähig?

Zunächst einmal hat sich schon sehr viel getan – in der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft im Ganzen. Doch wir können noch besser werden. Wir brauchen noch mehr und bessere frühkindliche Betreuung, Ganztagsschulen und nicht zuletzt einen gesamtgesellschaftlichen Mentalitätswandel mit einer Abkehr von tradierten Rollenbildern und der typisch deutschen Präsenzkultur. Bei uns im Unternehmen gibt es zum Beispiel Betriebskindergärten oder Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen. Und vor allem flexible Arbeitsmodelle und eine Kultur, in der die Leistung und das Ergebnis zählen und nicht die physische Anwesenheit im Büro.

Der Begriff „Arbeitswelt 4.0“ beschreibt den Wandel der Arbeit durch die digitale Transformation. Glauben Sie, dass diese Veränderungen für Frauen bessere Chancen bedeuten?

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Die digitale Transformation wird die Art und Weise, wie wir in Zukunft arbeiten, verändern. Netzwerke, projektorientiertes, virtuelles Arbeiten, neue Arbeitsplatzkonzepte und zunehmende Flexibilisierung von Strukturen – das sind nur einige Stichworte. Daraus ergeben sich auch neue Chancen für Mitarbeiter, die diese Veränderungen als Chance begreifen und ergreifen – und denen es gelingt, den Wandel aktiv mitzugestalten. Und damit meine ich nicht nur die sogenannten „Digital Natives“. Denn wir brauchen eine gute Mischung der Altersstrukturen, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Doch ob sich daraus in direkter Konsequenz die Chancen für Frauen verbessern – soweit würde ich an der Stelle nicht gehen. Das ist für mich geschlechtsunabhängig.

Ganz persönlich: Welche Entscheidung in Ihrer Karriere hat sich rückblickend als genau richtig erwiesen – auch wenn Sie aus heutiger Sicht ungewöhnlich erscheint?

Das war sicherlich mein Wechsel von der Arbeit als Lehrerin in die freie Wirtschaft, in einen für mich völlig neuen Bereich.

Sie haben Ihre berufliche Laufbahn Ende der 80er-Jahre als Lehrerin begonnen.

Genau, und dieser Wechsel hat mich sehr geprägt. Die Offenheit versuche ich mir bis heute zu bewahren.

Zum Unternehmen

Henkel wurde 1876 gegründet, heute beschäftigt der Konzern weltweit mehr als 53.000 Mitarbeiter, fast 85 Prozent arbeiten außerhalb von Deutschland. Das Unternehmen ist in drei Bereichen tätig: Adhesive Technologies (Klebstoff- Technologien) bietet Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen. Beauty Care steht für Markenartikel in den Bereichen Haarcolorationen, Haarstyling und Körperpflege. Laundry & Home Care umfasst neben Universal- und Spezialwaschmitteln auch Weichspüler, Waschkraftverstärker und Wäschepflegemittel.

7 Stichworte von Anja Mandelkow

Anja Mandelkow ist Teamleiterin Projektberatung Sozialimmobilien bei der BFS Service, der Tochter der Bank für Sozialwirtschaft. Mit ihrem Team erstellt sie Cockpit-Studien und unterstützt damit Eigentümer und Betreiber von Sozialimmobilien bei der konzeptionellen Neuausrichtung, der Sanierung sowie der Entwicklung neuer Standorte.

Zur Person

Anja Mandelkow hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Anschließend arbeitete sie als Sozialmarktanalystin bei der BFS Service. Parallel studierte sie Dipl.- Bankbetriebswirtin, Real Estate Finance Professional und Certified Corporate Banking Professional an der Frankfurt School of Finance & Management. Außerdem machte sie an der Bergischen Universität Wuppertal ihren Master in Real Estate Management + Construction Project Management.

Stichwort Motivation

„Ich bin in der Schule keine sonderlich gute Schülerin gewesen. Mir fehlte die Vorstellung, wie ich das Schulwissen später gebrauchen könnte. Erst im Studium wurde ich ehrgeiziger. Ich habe stets viel zuhause nachgelesen und mein Wissen vertieft. Rückblickend habe ich im Studium gelernt, wie man lernt, sich organisiert und im Team agiert.“

Stichwort berufsbegleitendes Studieren

„Meine wohl klügste Entscheidung, denn die praktischen Erfahrungen konnte ich durch neue Theorien ergänzen. Der enge Austausch mit Kollegen aus der Branche und das strukturierte wissenschaftliche Arbeiten helfen mir noch heute, gemeinsam mit meinem Team innovative Lösungswege zu finden. Durch die Doppelbelastung wird auch die Stressresistenz und Selbstorganisation geschult.“

Stichwort Sozialwirtschaft

„Die ökonomische Bedeutung der Sozialwirtschaft wird oft unterschätzt, denn wenige wissen, dass zu ihr die größten Arbeitgeber Deutschlands gehören. Unabhängig davon hat sie eine große Bedeutung für den sozialen Frieden und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Auf viele Dienstleistungen haben wir einen Rechtsanspruch, zum Beispiel Kindergärten, die Unterstützung von Menschen mit Behinderung oder pflegebedürftiger Menschen. Dazu einen Teil beitragen zu dürfen, ist für mich Motivation und Erfüllung zugleich.“

Stichwort Selbstzufriedenheit

„Ich denke immer darüber nach, wie ich Dinge besser machen kann und hinterfrage mich.“ Stichwort Personalakquise „Mir war das Fachwissen früher viel wichtiger als die Persönlichkeit. Grundsätzlich ist Fachwissen wichtig, jedoch schnell ohne Weiterbildung veraltet. Es kommt eher darauf an, ob Menschen sich entwickeln und ob sie innovativ denken möchten. Handeln aus Leidenschaft und Empathie ist mir sehr wichtig.“

Stichwort Spezialisierung

„Sie macht Spitzenleistungen überhaupt erst möglich. Spezialisten können daher auf ihrem Gebiet sehr viel bessere Ergebnisse erbringen als standardisierte Leistungen von Allroundern. Das führt in der Folge zu einem höheren Nutzen für den Kunden.“

Stichwort Erfolg

„Erfolg ist keine Tür, sondern eine Treppe.“