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karriereführer ärzte 2017.2018 – Ärzte dringend gesucht

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Foto :Fotolia/yuriyzhuravov
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Zwischen KI und Empathie

Liebe Leserinnen und Leser,

die Medizin wandelt sich radikal – sie ist in Zukunft revolutionär, digital, individuell und personalisiert. Auch das Berufsbild des Arztes veränder t sich – und diesen Transformationsprozess der Medizin und der Arbeitswelt begleiten wir mit dem neuen karriereführer ärzte: als Chronist, Trendscanner, Coach und Kurator.

Zu unserem Selbstverständnis gehört auch, Sie als  Nachwuchsärzte bei Entscheidungen zu unterstützen:  Welcher Arzt will ich sein? Wo will ich meine Berufung leben? Wie kann es gelingen, dabei selbst in Balance zu bleiben? Starten wollen wir genau an der spannenden Schnittstelle von Medizin und Digitalisierung. Die „Digitalisierung revolutioniert die Medizin“, „Ärzte bescheinigen 3-D-Druck großes Potenzial in der Medizin“, „Sieben von zehn Ärzten begreifen digitale Technologien als Chance“, hallt es durch die Medien. Mit der Digitalisierung in der Medizin ist ein Milliardenmarkt eröffnet worden.

Und wie steht es um die Akzeptanz bei Patienten? Drei von zehn Deutschen würden Online-Sprechstunden nutzen, ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zusammen mit der Bayerischen TelemedAllianz (BTA). Eine weitere Studie von Deloitte und Bitkom zu „Mobile Health“ zeigt, dass über 90 Prozent der Befragten ihre mobil erhobenen Gesundheitsdaten mit ihrem Arzt teilen würden. – Gleichzeitig finden Debatten zu Ethik, Transparenz, Ganzheitlichkeit und nicht zuletzt zu Datenschutz und Risiken statt.

Die Bedeutung sozialer Kompetenz und emotionaler Intelligenz nimmt damit zu. Dr. med. Eckart von Hirschhausen schreibt als Leitsatz für junge Ärzte: „Ihr seid das Medikament! Die Wirkung von jedem Schmerzmittel hängt zu 35 Prozent davon ab, mit welchen Worten, welcher Haltung und welcher Zuwendung ihr es verabreicht . Entwickelt eure Persönlichkeit!“ Bei allem Wandel in der Medizin: Menschlichkeit ist nach wie vor das A und O für Ärzte.

Ihr
karriereführer-Team

Dr. med. Lukas Fierz im Interview

Der Schweizer Lukas Fierz ist Neurologe, Politiker – und Schriftsteller. In seinem Buch widmet er sich in Reportagen dem „Leibhaftigen“. Im Gespräch lobt er seine Roboter- Kollegen, beklagt das Ende der Virtuosität im medizinischen Alltag und erklärt, was Medizin und Politik gemeinsam haben. Die Fragen stellte André Boße.

Herr Dr. Fierz, immer häufiger gibt es Nachrichten, dass Roboter die Arbeit von Ärzten übernehmen: Sie operieren, erstellen Diagnosen, behandeln. Was denken Sie, wenn Sie von diesen technischen Entwicklungen hören?
Davor habe ich keine Angst. Nach dem Studium besuchte ich 1969 Vorlesungen über Computertechnik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Ich lernte etwas programmieren und habe seit 1974 mit Computern gearbeitet. Anfang der 90er-Jahre kam ein älterer Dachdecker in die Praxis wegen invalidisierendem Schwindel. Er hatte auch leichte Gedächtnisstörungen, etwas Spastik, eine Spur Parkinson. Die Ursache war ganz unklar. Ich gab seine Symptomatik in das damals schon verfügbare amerikanische Computer-Diagnostikprogramm „DXplain“ ein – die einzige Antwort: Hirntrauma. Ich stellte den Mann zur Rede. Tatsächlich war er vor 40 Jahren Amateurboxer gewesen, dabei sogar mehrmals Kärntner Meister, hatte mehrere Knockouts durchgemacht – eine klassische Boxer-Enzephalopathie. Ich war von dieser Computerdiagnose doch recht beeindruckt.

Ich würde immer den Roboter verwenden, wenn dieser besser ist.

Unter welchen Umständen würden Sie sich als Patient von einem Medizin- Roboter behandeln lassen?
Ich würde immer den Roboter verwenden, wenn dieser besser ist. Für gewisse Prostatektomien ist der DaVinci- Roboter eindeutig besser. Gewisse lokalisierte Prostatakarzinome lassen sich mit der computerisierten Focal- One-Technik völlig atraumatisch mit Ultraschall entfernen. Gewisse Herzrhythmusstörungen lassen sich mit dem magnetgesteuerten Stereotaxis- Roboter besser behandeln als von Hand. Roboter sind einfach erweiterte Werkzeuge. Sie sind aber nur so gut, wie derjenige, der sie benutzt.

Zur Person

Lukas Fierz (76) ist Neurologe, er studierte in der Schweiz, Frankreich und England. Ab 1980 betrieb er eine neurologische Praxis in Bern, zeitweilig saß er für die Partei der Grünen im Schweizer Parlament, dem Nationalrat. Als Publizist schrieb er unter anderem für DIE ZEIT und die NZZ. In seiner ärztlichen und politischen Tätigkeit ist er auf Probleme und Geschichten gestoßen, die seiner Meinung nach in die öffentliche Diskussion gehören. Davon erzählt er in seinem Buch „Begegnung mit dem Leibhaftigen“

Wie gut können Ärzte noch sein in dieser Zeit, in der Effizienz so wichtig ist?
Bezüglich Ausbildung kann ich nur für die Schweiz sprechen. Hier haben 44-Stundenwoche und Teilzeitarbeit Einzug gehalten. Die angewiesene Schlafzeit während der Dienste zählt als Arbeitszeit. Mehrarbeit wird vom Arbeitsinspektorat verboten, arbeitspolizeilich erfasst und mit hohen Bußen für Chefärzte und Spitäler bestraft, sogar mit Eintrag ins Strafregister. Unter solchen Randbedingungen kann man vielleicht noch ein guter Dermatologe oder Ohrenarzt werden. Aber es ist mir schleierhaft, wie man durch diese strengen Arbeitszeitregulierungen die Virtuosität erwerben wollte, die nötig ist, um in den großen Fächern wie der Inneren Medizin oder der Chirurgie mit Kompetenz, Freude sowie mit sicherer Hand zu arbeiten.

Ich wurde bei einem Chef an der Internmedizinischen Universitätsklinik in Genf ausgebildet. Wir hatten eine 70-Stundenwoche. Der Chef, ein hochvirtuoser Mediziner, vor dem wir alle Respekt bis Angst hatten, rechnete uns vor, dass es diese Arbeitszeit brauche, damit man innerhalb von vier Jahren alle wichtigen Krankheitsbilder des Inneren wenigstens einmal gesehen habe. Wir haben begeistert mitgemacht.

Im Dienst der Krebsforschung

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PD Dr. med. Daniel C. Christoph ist 38 Jahre alt und arbeitet als Oberarzt an den Kliniken Essen-Mitte. Hier ist er am Aufbau eines Zentrums für Thoraxonkologie beteiligt. In seinem Erfahrungsbericht für den karriereführer ärzte beschreibt er seinen beruflichen Werdegang.

PD Dr. med. Daniel C. Christoph, Foto: Kliniken Essen-Mitte
PD Dr. med. Daniel C. Christoph, Foto: Kliniken Essen-Mitte

Die Onkologie, gehörte schon während meines klinischen Studiums zu den spannendsten Fächern – und das gilt nach wie vor. Während des vorklinischen Studiums interessierte ich mich sehr für die Biochemie der Regulation und Signaltransduktion. Störungen in diesem Gebiet haben häufig die Entstehung bösartiger Tumorerkrankungen zur Folge. Deshalb interessierte mich nicht nur die molekulare Pathogenese der malignen Tumore, sondern insbesondere auch die systemische Therapie dieser Erkrankungen.

Forschungsaufenthalt in den USA

Nach Abschluss des Studiums trat ich unmittelbar eine Assistenzarztstelle in der Inneren Klinik (Tumorforschung) des Universitätsklinikums Essen an. Dort absolvierte ich meine Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Hämatologie/ Onkologie. Während der Weiterbildungszeit verbrachte ich von 2010 bis 2013 einen Forschungsaufenthalt an der University of Colorado Denver.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland setze ich meine Forschungstätigkeit neben der klinischen Tätigkeit fort und konnte so genügend Originalarbeiten in wissenschaftlichen Journalen publizieren, um damit meine Habilitation einreichen zu können. Anfang 2017 konnte ich das Habilitationsverfahren erfolgreich abschließen. Von 2015 bis 2017 konnte ich als Facharzt und später als Oberarzt an vielen klinischen Studien der Phasen I bis III teilnehmen und war bei klinischen Studien im Bereich der Thoraxonkologie (Behandlung von Patienten mit Lungenkarzinomen oder Pleuramesotheliom) Hauptprüfer. Zusätzlich konnte ich mein klinisches Wissen im Bereich der Thoraxonkologie durch regelmäßige Aufenthalte in der Ruhrlandklinik Essen und dabei insbesondere durch die Teilnahme an Interdisziplinären Tumorkonferenzen vertiefen.

Zentrum für Thoraxonkologie

Anfang diesen Jahres bot sich mir dann die Gelegenheit, beim Aufbau eines neuen Zentrums für Thoraxonkologie unter der Leitung von Professor Dr. Michael Stahl an den Kliniken Essen-Mitte mitwirken zu können und dabei eine führende Rolle zu übernehmen. Deshalb entschied ich mich recht kurzfristig, in die Klinik für Internistische Onkologie/Hämatologie mit integrierter Palliativmedizin zu wechseln.

Dort bin ich sowohl in der onkologischen Tagesklinik mit der ambulanten Behandlung von Patienten mit Lungenkarzinom und Pleuramesotheliom betraut und bin gleichzeitig regelmäßig als Konsiliararzt in der Klinik für Pneumologie präsent, um gemeinsam das Zentrum für Thoraxonkologie aufzubauen. Dabei schätze ich insbesondere den kollegialen Umgang mit Mitarbeitern der eigenen Klinik sowie der anderen Kliniken.

Ich hab‘s am Bauch und nicht am Kopf

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Körperliche Beschwerden ohne organische Ursache sowie auch seelische Beschwerden aufgrund organischer Erkrankungen stellen Patienten sowie Ärzte manchmal vor ein Rätsel. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die psychosomatische Medizin, welche sich mit Wechselwirkungen zwischen seelischen, körperlichen und sozialen Vorgängen beschäftigt. Von Dr. med. Sigrid R.-M. Krause, Chefärztin, Fachklinik für Psychosomatik und Verhaltensmedizin, MediClin Deister Weser Kliniken (sigrid.krause@mediclin.de)

Dr. med. Sigrid R. M. Krause, Foto: privat
Dr. med. Sigrid R. M. Krause, Foto: privat

In der psychosomatischen Medizin geht es nicht um „entweder körperlich krank oder seelisch krank“, sondern um „ein sowohl als auch“. Damit begegnen Ärzte in der Psychosomatik ihren Patienten auf Augenhöhe, klären auf, nehmen Schuldgefühle, vermitteln Lösungswege und ermöglichen Zugang zu Emotionen, welche häufig über körperliche Symptome unbewusst einen Ausdruck erlangen.

In der modernen Psychosomatik erfolgt eine sorgfältige Anamnese unter Einschluss organmedizinischer Befunde sowie persönlicher Lebensumstände, Persönlichkeitsmuster, Lernerfahrungen, Beziehungsgestaltung, Bindungserfahrungen als auch sozialer Kontextfaktoren. Für den Patienten ist es wichtig, dass er mit seinen Beschwerden ernstgenommen wird. Die Patienten haben nämlich oft die Erfahrung gemacht, dass ihnen gesagt worden ist „Sie haben nichts“ und sie somit auf die „Psycho-Schiene“ geschickt wurden.

Somit vergehen mithin im Schnitt sieben Jahre bis ein Patient in eine fachgerechte Behandlung gelangt und somit dann auch erstmalig die Chance erhält, ein Erklärungsmodell für seine Beschwerden zu erhalten. Im Rahmen von Chronifizierungsvorgängen über diesen langen Zeitraum entsteht dann häufig ein Teufelskreis. Somit gesellen sich zu körperlichen Beschwerden Erschöpfungszustände oder Ängste, welche ihrerseits die Symptomatik negativ beeinflussen und zu einer hohen Komplexität beitragen.

Therapeutische Ansätze erfolgen über Edukation und Erarbeitung eines individuellen Erklärungsmodells. Der Patient soll Experte für seine Erkrankung werden. Hier kommen Techniken zur Gefühlsregulation und Entspannung, Problemlöse- und Distanzierungstechniken, soziales Kompetenztraining, Schmerzbewältigungstraining, Selbstbeobachtungsprotokolle und Körperwahrnehmung sowie Arbeit mit bereits vorhandenen Ressourcen zum Einsatz.

Junge Kollegen, die sich für den Einstieg in die psychosomatische Medizin entscheiden, erwartet ein spannendes und gefragtes Fachgebiet mit der Möglichkeit, kranken Menschen nicht nur mittels ihrer organmedizinischen Expertise zu helfen, sondern sie darüber hinaus in ihrer Gesamtpersönlichkeit und ihren sozialen Beziehungsgefügen zu behandeln und somit nachhaltig und effektiv therapeutisch erfolgreich wirksam zu sein. Wir brauchen Sie!

Wünsche für die Mediziner von morgen

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Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Mediziner und Wissenschaftsjournalist, hat eine Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Für den karriereführer ärzte hat er aufgeschrieben, was er sich von Medizinern wünscht.

1Erinnert euch daran, wofür ihr mal gestartet seid! Am besten schreibt ihr einmal auf, was euch wichtig ist, warum ihr Medizin studieren wollt, und was ihr anders machen wollt. In jedem Semester schaut ihr einmal auf den Zettel und checkt, ob ihr auf der richtigen Spur seid. Morgens in den Spiegel schauen hilft auch!

2Ihr seid das Medikament! Die Wirkung von jedem Schmerzmittel hängt zu 35 Prozent davon ab, mit welchen Worten, welcher Haltung und welcher Zuwendung ihr es verabreicht. Entwickelt eure Persönlichkeit! Per- Son ist, wer sich durch die Maske zu erkennen gibt. Ihr spielt eine große Rolle im Leben von anderen Menschen – spielt sie gut!

3Lernt von den Besten! Wer sind eure Vorbilder? Welcher Arzt, Lehrer, Pflegekraft, Erzieher hat euch schon als Kind beeindruckt und geprägt? Packt eine Schatzkiste von guten Beispielen und persönlichen Geschichten! Medizin lernt man aus Büchern. Heilkunst vermittelt sich wie jede Kunst durch die Meister des Fachs, die ihre Kunst intuitiv vorleben, vermitteln und mit anderen teilen. Werdet selber zu einem guten Vorbild für andere!

Redaktionstipp

Cover Wunder wirken WunderDr. med. Eckart von Hirschhausen: Wunder wirken Wunder. Wie Medizin und Magie uns heilen. Rowohlt 2016. 19,95 Euro

4Pflegt Freundschaften! Macht einen roten Kringel im Adressbuch um die Menschen, mit denen ihr lachen, weinen und schweigen könnt. Das sind eure größten Schätze – gerade wenn sie nichts mit Medizin zu tun haben. Pflegt eure Hobbys und Macken! Engagiert euch sozial, denn dabei lernt ihr euch besser kennen, baut neue Fähigkeiten auf und lernt viel über Menschen. All das ist bestes Training, um zu verstehen, wie andere ticken, was sie brauchen und was Medizin kann und was sie nicht kann.

5Wenn ihr nicht mehr könnt, holt euch Hilfe! Leistungsdruck macht krank. Sucht, Suizid und Depression prallen nicht am weißen Kittel ab, im Gegenteil sind helfende Berufe traditionell schlecht darin, sich selber pfleglich zu behandeln. Ihr müsst gut für euch sorgen, wenn ihr für andere sorgen wollt.

6Macht Fehler! Und redet darüber.

 

7Setzt euch zu Patienten ans Bett, die in Not sind. Haltet ihre Hand! Ein paar Minuten Zuwendung können für einen anderen Menschen lebensrettend sein. Begegnet und berührt Menschen so, wie sie es ihnen gut tut. Bevor ihr losredet, schaut Menschen einmal ins Gesicht. Und bevor ihr jemandem in die Armbeuge stecht, fühlt mal die Hand und den Puls.

8Die größten Herausforderungen sind nicht auf der Rezeptorebene, sondern auf der gesellschaftlichen. Soziale Ungerechtigkeit macht krank und Unglück können wir uns nicht länger leisten. Die großen Themen der Gegenwart und Zukunft sind seelische Gesundheit, Altersmedizin, Prävention von Hochdruck, Fettleibigkeit, Depression und Demenz. Es ist naiv zu glauben, dass es dafür jemals einen Schalter oder eine Pille geben kann. Gesundheit findet im Alltag statt, wo Wissen zu Verhalten wird. Und zu Lebensfreude.

9Die Zukunft der Medizin ist weiblich, patienten- und prozessorientiert, präventiv und kommunikativ. Die Ausbildung bevorzugt nach wie vor oft Einzelkämpfer, Spezialistentum und Ellenbogen. Gute Ideen setzen sich nicht nur durch, weil sie gut sind. Sondern weil die Gegner aussterben. Haltet durch!

10Pflegt die Pflege! Lernt von fitten Stationsleitungen und gebt Anerkennung und Wertschätzung, wo ihr könnt. Ohne Pflegekräfte wird nichts von euren schlauen Verordnungen beim Patienten landen. Feiert gemeinsame Erfolge! Macht Fotos von Patienten, denen ihr helfen konntet, so wie die Kinderfotos auf der Neonatologie einem mit einem Blick sagen, dass es sich lohnt zu kämpfen, so könnte es auf jeder Station Fotos, Postkarten und Bilder geben, die einen daran erinnern, wie oft wir helfen können.

11Der Tod ist nicht euer Feind. Menschen sind sterblich, und das ist gut so. Ein Leben ohne Ende wäre sterbenslangweilig. Lernt loszulassen und da zu sein, ohne etwas tun zu müssen. The art of medicine is to do as much nothing as possible (House of God).

12Humor beginnt da, wo der Spaß aufhört. Humor ist nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Verständnis davon, dass Dinge manchmal nicht zu ändern sind, das Leben gleichzeitig schön und schrecklich sein kann, und dass wir aus Staub kommen und zu Staub werden und dazwischen versuchen, viel Staub aufzuwirbeln. Habt eine rote Nase dabei, verschenkt wo ihr könnt ein Lächeln, und wo es passt eine Umarmung! Steckt andere an!

 

Am 19.12.2017 feiert von Hirschhausen mit seinem Bühnen-Programm „Endlich!“ Premiere. Tour-Termine bis Ende 2018 gibt es auf seiner Website www.hirschhausen.com.

 

Medizin, die schmeckt! Kultur-, Buch- und Linktipps

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EIN PACKENDER ROMAN

Cover Das GenSiddhartha Mukherjee arbeitet in seinem Labor in erster Linie an der Krebs- und Stammzellenforschung. Der Pulitzerpreisträger und Bestseller-Autor lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in New York. Schon sein Buch „Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biographie“ war ein weltweiter Erfolg. Großartig, fesselnd und folgenreich ist auch sein neues Buch, in dem er meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt, erzählt. Siddhartha Mukherjee machte sich dafür auf eine Reise in seine indische Heimat und besuchte seinen Cousin, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert begann er sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Gen-Bearbeitungsmethode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Siddhartha Mukherjee: Das Gen – Eine sehr persönliche Geschichte. S. Fischer 2017. 26 Euro.

WEITERBILDUNG „MEDIZINETHIK“

Foto: Thomas Reimer/Fotolia
Foto: Thomas Reimer/Fotolia

Bereits seit dem 1999 wird am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen das weiterbildende Studienangebot „Medizinische Ethik“ angeboten – mit großer Nachfrage und sehr erfolgreich. Die Leitung hat Prof. Dr. phil. Dr. med. h. c. Jan P. Beckmann. Das Studienangebot richtet sich allgemein an Interessierte sowie speziell an Berufstätige aus dem Bereich des Gesundheitswesens: unter anderem an Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger, Krankenschwestern, Mitarbeiter der Ärztekammern sowie an Studierende der Medizin. www.fernuni-hagen.de

GESUNDHEITSTIPPS GRATIS DAZU

Martin Gubelt ist im „echten Leben“ Arzt. Doch das reichte ihm nicht. Nebenbei betreibt er nun einen Kiosk in Köln. Büdchen – wie die kleinen Verkaufsstellen hier heißen – bieten neben Zeitungen, Schokoriegeln, Kaffee und anderen Getränken immer auch sozialen Austausch. Das mag den Arzt gereizt haben, der direkt um die Ecke wohnt, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Und so gibt’s hier Gesundheitstipps gratis zum Kaffee dazu.

MEHR ACHTSAMKEIT ÜBEN!

Foto: frankie´s/Fotolia
Foto: frankie´s/Fotolia

Achtsamkeit spielt sowohl in der Gesellschaft als auch immer mehr im Wirtschaftskontext eine Rolle. Der Harvard Business Manager titelte in seiner ersten Ausgabe 2017 mit „Der achtsame Manager“. Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx bezeichnet Achtsamkeit bzw. Mindfulness als „Megatrend“. Er rechnet damit, dass Achtsamkeit in den nächsten 20 bis 30 Jahren in allen Lebensbereichen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft prägend sein wird. So widmet sich zum Beispiel auch ein ganzer Kongress dem Thema. Im März 2018 lädt unter anderem die Universität Witten/Herdecke zur „Mindful Leadership Konferenz“ (www.mindful-leadership-konferenz.de). Dass Yoga und Meditation Wege zu mehr Achtsamkeit sein können, schreibt zum Beispiel das Ärzteblatt und verweist auf eine Studie von Baruch Rael Cahn von der Universität South California. Probanden, die über drei Monate täglich Yoga und Meditation gemacht hatten, wiesen weniger depressive, ängstliche und somatische Symptome auf als vorher.

NEUE STUDIE VON ROLAND BERGER: REGENERATIVE MEDIZIN

Regenerative Behandlungsmethoden wie Stammzell- oder Gentherapie versprechen die vollständige Heilung von Krankheiten, die mit Arzneimitteln bisher nur behandelt werden konnten. Für die Gesundheitsbranche bedeutet das einen radikalen Wandel: Bisher basiert das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie auf der oft jahrelangen medikamentösen Behandlung unheilbarer Erkrankungen. Dagegen werden regenerative Behandlungsmethoden zum größten Teil von Kliniken und Spezialanbietern entwickelt. Obwohl der Markt für die neuen Therapien rasant wächst – von 2020 bis 2025 voraussichtlich um 33 Prozent jährlich –, ist die Pharmaindustrie bisher wenig daran beteiligt und läuft so Gefahr, auf diesem wichtigen Markt den Anschluss zu verpassen. Derzeit hat er weltweit ein Volumen von 20 Milliarden Euro; 2025 werden es voraussichtlich 130 Milliarden Euro sein, so die neue Studie von Roland Berger.

AUSSTELLUNG: DAS MIKROBIOM – DER MENSCH IST NICHT ALLEIN

Foto: Sagittaria/Fotolia
Foto: Sagittaria/Fotolia

Bis Ende Februar 2018 wird in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung Kiel eine vielfältige und ganz andere Sichtweise auf die Entzündungsforschung gezeigt: Billionen Bakterien und andere Mikroorganismen auf unserem Körper bilden unser Mikrobiom. Um erfolgreiche Strategien zur Therapie chronischentzündlicher Erkrankungen zu schaffen, ist ein umfangreiches Wissen über dieses zusätzliche „Organ“ unerlässlich. Studierende der Muthesius Kunsthochschule übersetzten diese komplexen Forschungsinhalte in eine verständliche, künstlerische Sprache. Nach Besuchen im Labor und in der Klinik, bei denen ein inhaltlicher Austausch mit Wissenschaftlern des Exzellenz-Clusters Entzündungsforschung stattfand, entstanden insgesamt 18 Projekte, darunter Fotografien, Comics, Malerei und Installationen. www.mikrobiom-cluster.de

PLÄDOYER GEGEN „SPRACHLOSE MEDIZIN“

Cover Der KrankenfluestererIn seinem Buch „Der Krankenflüsterer“ berichtet der leidenschaftliche Arzt Walter Möbius von den bewegendsten Begegnungen und Fällen seines Berufsalltags – und spart auch seine eigene Entwicklung als Arzt nicht aus. Der Diagnostiker hat schon viele Prominente als Lotse durch ihre Krankheiten begleitet, und nicht selten reflektieren seine Einsätze Geschichte: ob seine Erfahrungen beim Contergan-Prozess, seine Intervention beim Hungerstreik der RAF in Stammheim oder seine Betreuung kasernierter französischer Soldaten. Dabei folgt der Diagnostiker vor allem einem Credo: „Menschlichkeit ist die beste Medizin!“ Walter Möbius: Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen. Dumont 2015. 9,99 Euro.

BLOG „PFLEGERS SCHACH MED.”

Foto: Rawf8/Fotolia
Foto: Rawf8/Fotolia

Schach, das königliche Spiel, ist seit dem 13 Jahrhundert in Europa etabliert und übt auch auf viele Mediziner eine große Faszination aus. So auch auf Dr. med. Helmut Pfleger. Er ist Arzt und internationaler Schachgroßmeister. Humorvoll und kenntnisreich schreibt er seit vielen Jahren über Schach und veröffentlicht monatlich eine Schachaufgabe in der Fachzeitschrift der Ärzte. Diese Beiträge sind nun für alle Interessierten im Blog „Pflegers Schach med.“ zugänglich. www.aerzteblatt.de/blogs/177/Pflegers-Schach-med

Kurz und knapp

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Cannabis gegen Demenz

Wie jedes andere Organ altert auch unser Gehirn. In der Folge nimmt mit zunehmendem Alter auch die kognitive Leistungsfähigkeit ab. Dieser Prozess ist normal, kann aber auch Demenzerkrankungen befördern. Schon lange suchen Forscher nach Möglichkeiten, diesen Prozess zu verlangsamen oder gar umzukehren. Das ist Wissenschaftlern der Universität Bonn und der Hebrew-Universität Jerusalem (Israel) bei Mäusen nun gelungen. Sie verabreichten Mäusen eine geringe Menge an THC, dem aktiven Inhaltsstoff der Hanfpflanze (Cannabis). Danach testeten sie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistungen der Tiere. Mäuse, die nur ein Placebo verabreicht bekamen, zeigten natürliche altersabhängige Lern- und Gedächtnisverluste. Die kognitiven Funktionen der mit Cannabis behandelten Tiere waren hingegen genauso gut wie die von jüngeren Kontrolltieren. Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um, so die Forscher. Im nächsten Schritt wollen sie nun in einer klinischen Studie untersuchen, ob THC auch beim Menschen Alterungsprozesse des Gehirns umkehren kann. www.uni-bonn.de

Antibiotikamissbrauch in der Massentierhaltung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Juli 2017 kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg eine Liste der für Menschen allerwichtigsten Reserveantibiotika veröffentlicht, die in der Humanmedizin benötigt werden, weil viele andere Antibiotika bereits versagen. Die WHO warnte zugleich davor, dass deren Einsatz in der Tierhaltung Resistenzen gegen diese Reserveantibiotika hervorrufen könne, die über die Lebensmittelkette und die Umwelt auch bis zum Menschen gelangten. Weltweit drohe der Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen um fast 70 Prozent zu steigen, wenn es keine wirksamen Beschlüsse und Maßnahmen dagegen gibt, warnt auch Germanwatch. Zur Umsetzung ambitionierter Ziele bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen hierzulande fordern Organisationen wie Germanwatch von der Bundesregierung, bei der Novelle des deutschen Arzneimittelgesetzes und der anstehenden EU-Tierarzneimittelnovelle dafür Sorge zu tragen, dass die Reserveantibiotika der WHO-Liste ab 2020 nicht mehr in Intensivtierhaltungen eingesetzt werden dürfen. www.germanwatch.org

Genetisch bedingte Schlaflosigkeit

Eine große internationale Studie hat den Einfluss der Gene auf das Schlafverhalten untersucht. Im Rahmen dieser Kooperation zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) in „Nature Genetics“, dass mehrere Gene eine wichtige Rolle bei Schlafstörungen spielen. Es zeigte sich, dass nicht nur der Stress des Tages dafür verantwortlich ist, dass man nachts kein Auge zubekommt: Bei Frauen scheint das Problem in rund 60 Prozent der Fälle vererbbar zu sein, bei Männern sind es rund 40 Prozent. Um herauszufinden, welche Gene konkret für Insomnie verantwortlich sind, haben die Wissenschaftler eine groß angelegte Studie unternommen. Dabei fielen sieben Gene und drei weitere Stellen im Erbgut auf, die weiter untersucht wurden. Die Studie kann als konkreter Ausgangspunkt für neue molekularbiologische Untersuchungen zur Entstehung und Behandlung der Schlaflosigkeit dienen.

Wissen aufbauen

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Die Ärztliche Weiterbildung unter anderem zum Facharzt erfolgt in Deutschland nach den Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern. Die wiederum basieren auf der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Der karriereführer ärzte bietet hier eine Auflistung der möglichen Spezialisierungen.

Fachgebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen

  1. Gebiet Allgemeinmedizin
  2. Gebiet Anästhesiologie
  3. Gebiet Anatomie
  4. Gebiet Arbeitsmedizin
  5. Gebiet Augenheilkunde
  6. Gebiet Biochemie
  7. Gebiet Chirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Allgemeinchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Gefäßchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Herzchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Kinderchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Thoraxchirurgie
    Facharzt/Fachärztin für Viszeralchirurgie
  1. Gebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe
    Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
    Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie
    Schwerpunkt Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin
  1. Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
    Facharzt/Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
    Facharzt/Fachärztin für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
  1. Gebiet Haut- und Geschlechtskrankheiten
  2. Gebiet Humangenetik
  3. Gebiet Hygiene und Umweltmedizin
  4. Gebiet Innere Medizin
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Angiologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie
    Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie
  1. Gebiet Kinder- und Jugendmedizin
    Schwerpunkt Kinder-Hämatologie und -Onkologie
    Schwerpunkt Kinder-Kardiologie
    Schwerpunkt Neonatologie
    Schwerpunkt Neuropädiatrie
  1. Gebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  2. Gebiet Laboratoriumsmedizin
  3. Gebiet Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
  4. Gebiet Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  5. Gebiet Neurochirurgie
  6. Gebiet Neurologie
  7. Gebiet Nuklearmedizin
  8. Gebiet Öffentliches Gesundheitswesen
  9. Gebiet Pathologie
    Facharzt/Fachärztin für Neuropathologie
    Facharzt/Fachärztin für Pathologie
  1. Gebiet Pharmakologie
    Facharzt/Fachärztin für Klinische Pharmakologie
    Facharzt/Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie
  1. Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin
  2. Gebiet Physiologie
  3. Gebiet Psychiatrie und Psychotherapie
    Schwerpunkt Forensische Psychiatrie
  1. Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  2. Gebiet Radiologie
    Schwerpunkt Kinderradiologie
    Schwerpunkt Neuroradiologie
  1. Gebiet Rechtsmedizin
  2. Gebiet Strahlentherapie
  3. Gebiet Transfusionsmedizin
  4. Gebiet Urologie

Neben den aufgelisteten Fachgebieten, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen gibt es noch zahlreiche Zusatz-Weiterbildungen von Akupunktur bis Tropenmedizin (PDF).

Das letzte Wort: “Doc Esser” Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser

Bekannt als „Doc Esser“ gibt Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser in der WDR-Servicezeit Gesundheitstipps und moderiert das WDR-Magazin #Gesund. Esser ist Oberarzt für Innere Medizin und Pneumologie am Sana-Klinikum Remscheid und leitet hier die Pneumologie-Abteilung. Doch das Multi-Talent kann noch mehr: Nebenbei entwickelt der Kölner Medizin-Apps, ist dreifacher Familienvater, Musiker mit eigener Band und Inhaber eines Tonstudios.

Was zeichnet für Sie einen guten Arzt aus?
Ein guter Arzt ist nicht nur ein guter Differentialdiagnostiker und Interventionist/Operateur, sondern begleitet den Patienten in seinem Sinne durch den stationären Aufenthalt, erklärt das Krankheitsbild in der Sprache des Patienten und versteckt sich nicht hinter dem „MedizinerLatein“.

Welche kritischen Fragen sollte sich ein Jung-Mediziner selbst immer wieder stellen?
Bin ich bereit, die Verantwortung über das Leben wildfremder Menschen dauerhaft zu übernehmen? Bin ich bereit, Tragödien und Schicksale über Jahrzehnte zu ertragen? Wo möchte ich in 10 Jahren beruflich stehen und inwieweit verträgt sich das mit meinen privaten/familiären Wünschen?

Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, Foto: WDR
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, Foto: WDR

Die Künstliche Intelligenz ist auch in der Medizin auf dem Vormarsch. Was wird sie Ihrer Meinung nach bringen, was wird auf der Strecke bleiben?
Aktuelle Studien geben ja Anlass zur Hoffnung, dass der Arzt durch den Einsatz von KI entlastet wird und Fehldiagnosen seltener erfolgen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die KI in der Medizin sinnvoll und notwendig. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Studienlage einfach noch zu dünn, um schon Schlüsse zu ziehen. Meine Hoffnung besteht darin, dass ein Arzt durch Unterstützung der KI deutlich mehr Zeit für die direkte Betreuung des Patienten gewinnt. Und in diesem Falle hätte die KI ihren Zweck bereits erfüllt.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Manko, das in deutschen Krankenhäusern herrscht und wie könnte man es abstellen?
Nach wie vor ist die Einbindung der Familie in den Beruf (oder je nach Blickwinkel der Beruf in die Familie) schwierig, da es zu wenig Kitas und Tagesmütter gibt und die Arbeitszeiten miteinander kollidieren. Hier könnten krankenhausinterne Kitas mit Betreuungszeiten zwischen 7 Uhr morgens und 18 Uhr abends den ärztlichen Arbeitsalltag deutlich erleichtern.

Sie sagen, dass Sie mit 4 bis 5 Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Ist das gesund? Würden Sie das auch anderen empfehlen?
Mein Schlafverhalten hat sich tatsächlich (mit zunehmenden Alter ) verändert. Ich benötige mittlerweile eher 5 bis 6 Stunden Schlaf. Da ich mich aber frisch und ausgeruht fühle, sehe ich auch keine Notwendigkeit, länger im Bett zu bleiben. Und so sollte das jeder für sich handhaben. Manche brauchen halt 7 bis 8, andere nur 4 bis 5 Stunden. Wichtig ist, das der Schlaf erholsam ist. Dann reichen auch wenige Stunden.

Was heilt Ihrer Auffassung nach einen Menschen letztlich wirklich?
Generell gilt: Wer heilt, hat Recht. Neben der Schulmedizin gibt es viele Therapieverfahren, die auch zur Heilung führen können. Oft ist es ja der Geist, der über das Anschlagen oder Versagen einer Therapie entscheidet und deswegen können auch Therapien zur Heilung führen, über die wir Schulmediziner nur verwundert den Kopf schütteln.

Was können Medizin-Apps wirklich? Und was nicht? Welche ist Ihre Lieblings-App?
Meine Lieblings-App ist natürlich meine eigene App: EasyOncology. Mittlerweile gibt es auf dem Markt viele richtig tolle Applikationen, die den ärztlichen Alltag erleichtern. Sei es interaktive Nachschlagewerke von Medikamenten, Leitlinien oder eben eine App, die dem Arzt bei der Diagnostik und Behandlung diverser Tumorerkrankungen unterstützt.

Es wird heute viel über Placebo, Nocebo, Alternativheilkunde geschrieben und in der Schweiz etwa ist die Homöopathie Teil der Kassenleistung. Warum tut man sich hier so schwer mit unterschiedlichen Ansätzen?
Alternativen zur Schulmedizin haben oft das Problem, dass sie nicht gut evaluiert sind. Die Studienlage ist eher dünn und dementsprechend ist es schwierig, die Wirksamkeit einer Alternativtherapie zu bewerten. Hier fehlt es an großen Untersuchungen und Zahlen, die dieses Feld transparenter machen würde.

 

E-Paper karriereführer informationstechnologie 2017.2018

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karriereführer informationstechnologie 2017.2018 – IT-Security

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IT-Security – Innovative Absolventen gesucht

Die Verteidiger. Es steht viel auf dem Spiel: Je vernetzer Menschen, Unternehmen und Maschinen miteinander kommunizieren und arbeiten, desto mehr Verbindungen existieren, die anfällig für den bedrohlichen und gefährlichen Zugriff von außen sind. Denn oftmals handelt es sich um hochsensible Informationen, die da durch die Leitungen und den Äther transportiert werden und optimalen Schutz benötigen. Somit geht es um nichts weniger als Vertrauen, Integrität und Verfügbarkeit. Um dies bestmöglich zu gewährleisten, werden Absolventen mit Know-how, Neugierde und Flexibilität benötigt.

Mit Sicherheit erfolgreich

Die Cyberkriminalität wird zum kritischen Faktor für die digitale Transformation. Die Methoden der Hacker werden immer gerissener, die IT-Architekturen von Unternehmen und Behörden stehen auf dem Prüfstand und die Regularien werden strenger. Daher boomt der IT-Security-Markt: Gefragt sind interne Spezialisten und externe Dienstleister, die innovative Sicherheitskonzepte entwickeln und umsetzen. Besonders gefragt sind Lösungen, die eigenständig Bedrohungen erkennen, analysieren und kommunizieren. Von André Boße

Wie so vieles im Leben hat auch die digitale Transformation zwei Seiten. Die Chancen für die Unternehmen sind offensichtlich, Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und des Internet der Dinge eröffnen eine nie geahnte Effizienz und neue Geschäftsmodelle. Ermöglicht werden diese Potenziale mit Hilfe komplexer IT-Architekturen. Doch genau hier zeigt sich die zweite und deutlich schattigere Seite: Diese digitalen Architekturen müssen gesichert werden, denn digitale Plattformen, die nicht vor Angriffen von außen geschützt sind, sind so fahrlässig wie ein unverschlossener Tresor. Neu ist das Thema IT-Sicherheit natürlich nicht, doch es hat in den vergangenen Monaten eine neue Dynamik angenommen: Die Cyberkriminalität ist aggressiver geworden, die Anforderungen an die Security sind gestiegen. Aus dem diffusen Gefühl heraus, etwas für die Sicherheit der IT-Struktur tun zu müssen, ist ein echter Zugzwang geworden.

Und die Bedrohung ist real: Der Verband der Internetwirtschaft Eco hat für eine Studie fast 600 Security- Experten aus großen Unternehmen befragt, im Sommer 2017 legte der Verband die Ergebnisse vor: Fast ein Drittel der Befragten gab an, in jüngster Zeit mindestens einen „Ransomware-Sicherheitsvorfall“ im Unternehmen erlebt zu haben – also den Angriff eines Erpressungstrojaners, der Rechner sperrt, Daten verschlüsselt und erst gegen Zahlung wieder freigibt. Der Angriff der Ransomware WannaCry war im Mai 2017 auch ein großes Thema in der Öffentlichkeit. „Diese Vorfälle tragen dazu bei, dass viele Unternehmen die Sicherheitslage als immer bedrohlicher empfinden“, sagt Oliver Dehning, Leiter der Eco-Kompetenzgruppe Sicherheit. Das Resümee der Studie: 95 Prozent der IT-Sicherheitsexperten sehen die Bedrohungslage durch Cyberkriminelle als wachsend an, jeder zweite sogar als stark wachsend. „Dieses gesteigerte Bedrohungs- Empfinden der Experten entspricht der Realität, das zeigt die Zahl der tatsächlichen Cyber-Sicherheitsvorfälle“, sagt Dehning. Nur rund 54 Prozent der Unternehmen hatten laut der Studie in letzter Zeit keine nennenswerten Sicherheitsvorfälle zu beklagen; 2016 hatten sich mit 69 Prozent noch deutlich mehr schadlos gehalten. „Zudem werden viele Unternehmen Opfer einer Cyberattacke, ohne es tatsächlich zu merken. Die Dunkelziffer der angegriffenen Unternehmen liegt also deutlich höher“, so der Eco- Sicherheits-Experte.

Sicherheitslücke: Mobile Devices

Das beste Sicherheitskonzept nützt wenig, wenn die mobilen Endgeräte der Mitarbeiter für Angriffe leicht zu knacken sind. Zwar haben nach einer Studie der Unternehmensberatung Sopra Steria Consulting 95 Prozent der Unternehmen in Deutschland Sicherheitsvorkehrungen für die Nutzung mobiler Endgeräte ihrer Mitarbeiter getroffen. „Nicht alle schöpfen allerdings die Möglichkeiten zur wirksamen und effizienten Abwehr von Cyberattacken und Datenklau aus“, heißt es darin auch. Jedes dritte Unternehmen verzichte beispielsweise auf ein professionelles Mobile Device Management (MDM) für Smartphone und Tablet. „Unternehmen wollen heute, dass ihre Mitarbeiter möglichst frei mit Smartphone und Tablet umgehen“, sagt Dr. Gerald Spiegel von Sopra Steria Consulting. Umso wichtiger sei es, dass die Spezialisten im IT-Management den Überblick über Geräte und benutzte Apps behalten.

Schäden durch Attacken verfünffacht

Jeder Angriff kostet nicht nur Nerven und Kundenvertrauen, sondern auch Geld: Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) haben sich die wirtschaftlichen Schäden durch Cyberattacken in den vergangenen vier Jahren verfünffacht. „Cybersicherheit ist der Anschnallgurt der digitalen Gesellschaft”, formuliert IW-Expertin Barbara Engels. Mit Blick auf den Verbraucherschutz verweist sie auf die politischen Maßnahmen der EU-Kommission, die von Unternehmen und Behörden verlange, vernetzte Produkte mit einem hohen Sicherheitsstandard auszustatten sowie schneller und offener über Cyber-Risiken zu informieren. Dafür, so Engels, müssten in den Unternehmen und Behörden „zeitnah Verantwortlichkeiten und Ressourcen verteilt und klare Deadlines für die Umsetzung gesetzt werden – ansonsten könnte sich die Strategie erneut als zu schwach erweisen“.

Besonders heikel ist diese Schwäche in Branchen mit sensiblen Daten. So wird es zum Beispiel für die Banken in Deutschland immer herausfordernder, die gewohnten Standards an IT-Sicherheit zu gewährleisten. „Sechs von zehn Instituten sprechen von komplexeren Angriffsszenarien und neuen Anforderungen an den Umgang mit ITRisiken“, heißt es im Branchenkompass „Banking 2017“ der Unternehmensberatung Sopra Steria Consulting. Viele Unternehmen der Finanzbranche nutzen Datenbanken und Plattformen, um an Informationen zu bekommen und dem Kunden digitale Services zu bieten. Jedoch erhöhnen diese digitalen Lösungen und Kooperationen die Angriffsfläche – es entwickelt sich eine Art „Digital Supply Chain“, wobei die Banken sicherstellen müssten, „dass auch diese Partner und ihre Lösungen die hohen Standards der Banken erfüllen”, wie Dr. Gerald Spiegel sagt, Leiter Information Security Solutions bei Sopra Steria Consulting. „Das zu kontrollieren, wird bei einer wachsenden Zahl an Partnern immer aufwändiger.“

Studie: Defizit bei der Schulung der Mitarbeiter

Nicht einmal jedes zweite Unternehmen in Deutschland, nämlich gerade mal 46 Prozent, schult laut einer Studie seine Mitarbeiter regelmäßig zur IT-Sicherheit. Das ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr, 2016 waren es noch 55 Prozent. „Regelmäßige Schulungen zur IT-Sicherheit sind jedoch die Basis eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts, ohne entsprechendes IT-Sicherheitswissen und -bewusstsein aller Mitarbeiter nutzen auch Investitionen in modernste Sicherheitstechnologien nur wenig“, warnt Ulrich Hamann, Vorsitzender der Bundesdruckerei GmbH, die diese Studie in Auftrag gegeben hat.

Hinzu kommt, dass die Sektoren Transport, Gesundheit, Verkehr, Finanzen und Versicherungen seit Sommer 2017 zu den kritischen Infrastrukturen (KRITIS) zählen, also zu den für das Funktionieren der Gesellschaft bedeutsamen Versorgungssystemen. Dadurch steigen die Anforderungen, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an Unternehmen aus diesen Branchen stellt: „Diese Betriebe unterliegen dem IT-Sicherheitsgesetz, sodass das Management grundlegende Entscheidungen im Bereich der IT-Sicherheit treffen muss“, sagt Tatjana Brozat, Security-Prüferin beim TÜV Nord. Dazu gehöre unter anderem, ein IT-Sicherheits-Management-System zu implementieren sowie dafür zu sorgen, den IT-Sicherheitsstandard stets technisch aktuell zu halten – und, dies auch belegen zu können.

Security: Schnell und effizient

Die Unternehmen und Behörden sind gefordert – die Zeichen in der IT-Security- Branche stehen auf Wachstum. Das amerikanische IT-Beratungsunternehmen Gartner stellt in einer Marktstudie in Aussicht, dass die Ausgaben für Produkte und Dienstleistungen der IT-Sicherheit im Jahr 2017 weltweit um sieben Prozent steigen werden, auf dann 86,4 Milliarden Dollar. Die Prognose für 2018: 93 Milliarden Dollar.  Über mangelnde Aufträge können sich die Unternehmen der IT-Sicherheitsbranche also nicht beklagen, die Bedürfnisse der Kunden sind vielfältig – und häufig dringend. „Um modernen Bedrohungen wie Ransomware zu begegnen, müssen Unternehmen zum einen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einsetzen“, sagt Jörg Schindler, Sprecher für den Sicherheitssoftware-Anbieter Sophos.

Beispiele für diese Schutztechnologien sind das „Sandboxing“, also die Separation sensibler Programme von der angreifbaren IT-Architektur, oder „Next-Gen-Endpoint“-Lösungen, die den „Endpoint“, also die sensible Schnittstelle zwischen Anwender und IT-Architektur, schützen, indem sie zum Beispiel pro-aktiv Schwachstellen und verdächtige Aktivitäten erkennen. Neben diesem reinen Sicherheitseffekt werde auch das zentrale Management der kompletten IT-Security immer bedeutsamer, sagt der Sophos-Experte. Das Ziel sei es, „Hacker-Aktivitäten besser zu erkennen und die Automatisierung von Prozessen umzusetzen“. Bei Bedrohungen reagiere das System also automatisch, ohne dass menschliches Eingreifen notwendig sei. „Denn Schnelligkeit und Effizienz werden auch in der IT-Security immer wichtiger“, sagt Jörg Schindler.

Sicherheit braucht Schwarmintelligenz

Was den Job im Bereich der IT-Security herausfordernd macht, ist die Unmöglichkeit einer hundertprozentigen Sicherheit. „Selbst Systeme, bei denen man getrost davon ausgehen darf, dass State-of-the-Art-Lösungen im Einsatz sind, lassen Lücken zu“, sagt Jörg Schindler mit Blick auf Hackerangriffe auf Unternehmen oder den Deutschen Bundestag. Top-Erkennungsraten, eine perfekt eingerichtete Firewall, neue Technologien wie Advanced Threat Protection waren installiert – „und dennoch gab es Einbrüche über den Onlinekanal“. Wie das sein kann? „Die Cyberkriminalität hat sich weiterentwickelt, sie ist sehr viel flexibler geworden“, sagt der Sophos- Experte. Das bereite den traditionellen Sicherheitssystemen Probleme, da diesen häufig der Faktor Schwarmintelligenz fehle. „Sie funktionieren für sich gesehen einwandfrei, entscheidend ist heute jedoch, dass diese Systeme intelligent verknüpft sind und miteinander kommunizieren.“

„Synchronized Security“ nennt sich ein Ansatz, der dieses Dilemma beheben soll – eine Technologie, die eine Kommunikation zwischen Fireweall und Endpoint ermöglicht. Hier zeigt sich, wie wichtig es für Einsteiger in diesem Bereich ist, offen für neue Ideen zu sein und schnell auf neue Gegebenheiten zu reagieren. „Die Welt des Cyberkriminalismus entwickelt sich rasend schnell“, sagt Jörg Schindler, „entsprechend flexibel muss auch die IT-Security-Branche reagieren und mit Innovationen gegenhalten.“

 

Buchtipp: IT-Sicherheitsanalysen

Die etablierten Verfahren zur Durchführung von IT-Sicherheitsanalysen beziehen sich im Regelfall auf technische Systeme. Dieses Vorgehen ist mit einem vertretbaren Aufwand möglich, solange es sich hierbei nur um wenige beziehungsweise eindeutig abzugrenzende IT-Systeme handelt. Herausforderungen treten jedoch dann auf, wenn eine Organisation beziehungsweise die unterstützenden ITSysteme in ihrer Komplexität zunehmen. Daniela Simic: IT-Sicherheitsanalysen – Ein prozessorientiertes Vorgehensmodell. De Gruyter Oldenbourg 2017. 99,95 Euro.