Medizin, die schmeckt! Kultur-, Buch- und Linktipps

Medizin, die schmeckt

1EIN PACKENDER ROMAN

Siddhartha Mukherjee arbeitet in seinem Labor in erster Linie an der Krebs- und Stammzellenforschung. Der Pulitzerpreisträger und Bestseller-Autor lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in New York. Schon sein Buch „Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biographie“ war ein weltweiter Erfolg. Großartig, fesselnd und folgenreich ist auch sein neues Buch, in dem er meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt, erzählt. Siddhartha Mukherjee machte sich dafür auf eine Reise in seine indische Heimat und besuchte seinen Cousin, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert begann er sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Gen-Bearbeitungsmethode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Siddhartha Mukherjee: Das Gen – Eine sehr persönliche Geschichte. S. Fischer 2017. 26 Euro.

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2WEITERBILDUNG „MEDIZINETHIK“

Bereits seit dem 1999 wird am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen das weiterbildende Studienangebot „Medizinische Ethik“ angeboten – mit großer Nachfrage und sehr erfolgreich. Die Leitung hat Prof. Dr. phil. Dr. med. h. c. Jan P. Beckmann. Das Studienangebot richtet sich allgemein an Interessierte sowie speziell an Berufstätige aus dem Bereich des Gesundheitswesens: unter anderem an Ärzte und Ärztinnen, Krankenpfleger, Krankenschwestern, Mitarbeiter der Ärztekammern sowie an Studierende der Medizin. www.fernuni-hagen.de

3GESUNDHEITSTIPPS GRATIS DAZU

Martin Gubelt ist im „echten Leben“ Arzt. Doch das reichte ihm nicht. Nebenbei betreibt er nun einen Kiosk in Köln. Büdchen – wie die kleinen Verkaufsstellen hier heißen – bieten neben Zeitungen, Schokoriegeln, Kaffee und anderen Getränken immer auch sozialen Austausch. Das mag den Arzt gereizt haben, der direkt um die Ecke wohnt, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Und so gibt’s hier Gesundheitstipps gratis zum Kaffee dazu.

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4MEHR ACHTSAMKEIT ÜBEN!

Achtsamkeit spielt sowohl in der Gesellschaft als auch immer mehr im Wirtschaftskontext eine Rolle. Der Harvard Business Manager titelte in seiner ersten Ausgabe 2017 mit „Der achtsame Manager“. Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx bezeichnet Achtsamkeit bzw. Mindfulness als „Megatrend“. Er rechnet damit, dass Achtsamkeit in den nächsten 20 bis 30 Jahren in allen Lebensbereichen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft prägend sein wird. So widmet sich zum Beispiel auch ein ganzer Kongress dem Thema. Im März 2018 lädt unter anderem die Universität Witten/Herdecke zur „Mindful Leadership Konferenz“ (www.mindful-leadership-konferenz.de). Dass Yoga und Meditation Wege zu mehr Achtsamkeit sein können, schreibt zum Beispiel das Ärzteblatt und verweist auf eine Studie von Baruch Rael Cahn von der Universität South California. Probanden, die über drei Monate täglich Yoga und Meditation gemacht hatten, wiesen weniger depressive, ängstliche und somatische Symptome auf als vorher.

5NEUE STUDIE VON ROLAND BERGER: REGENERATIVE MEDIZIN

Regenerative Behandlungsmethoden wie Stammzell- oder Gentherapie versprechen die vollständige Heilung von Krankheiten, die mit Arzneimitteln bisher nur behandelt werden konnten. Für die Gesundheitsbranche bedeutet das einen radikalen Wandel: Bisher basiert das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie auf der oft jahrelangen medikamentösen Behandlung unheilbarer Erkrankungen. Dagegen werden regenerative Behandlungsmethoden zum größten Teil von Kliniken und Spezialanbietern entwickelt. Obwohl der Markt für die neuen Therapien rasant wächst – von 2020 bis 2025 voraussichtlich um 33 Prozent jährlich –, ist die Pharmaindustrie bisher wenig daran beteiligt und läuft so Gefahr, auf diesem wichtigen Markt den Anschluss zu verpassen. Derzeit hat er weltweit ein Volumen von 20 Milliarden Euro; 2025 werden es voraussichtlich 130 Milliarden Euro sein, so die neue Studie von Roland Berger.

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6AUSSTELLUNG: DAS MIKROBIOM – DER MENSCH IST NICHT ALLEIN

Bis Ende Februar 2018 wird in der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung Kiel eine vielfältige und ganz andere Sichtweise auf die Entzündungsforschung gezeigt: Billionen Bakterien und andere Mikroorganismen auf unserem Körper bilden unser Mikrobiom. Um erfolgreiche Strategien zur Therapie chronischentzündlicher Erkrankungen zu schaffen, ist ein umfangreiches Wissen über dieses zusätzliche „Organ“ unerlässlich. Studierende der Muthesius Kunsthochschule übersetzten diese komplexen Forschungsinhalte in eine verständliche, künstlerische Sprache. Nach Besuchen im Labor und in der Klinik, bei denen ein inhaltlicher Austausch mit Wissenschaftlern des Exzellenz-Clusters Entzündungsforschung stattfand, entstanden insgesamt 18 Projekte, darunter Fotografien, Comics, Malerei und Installationen. www.mikrobiom-cluster.de

7PLÄDOYER GEGEN „SPRACHLOSE MEDIZIN“

In seinem Buch „Der Krankenflüsterer“ berichtet der leidenschaftliche Arzt Walter Möbius von den bewegendsten Begegnungen und Fällen seines Berufsalltags – und spart auch seine eigene Entwicklung als Arzt nicht aus. Der Diagnostiker hat schon viele Prominente als Lotse durch ihre Krankheiten begleitet, und nicht selten reflektieren seine Einsätze Geschichte: ob seine Erfahrungen beim Contergan-Prozess, seine Intervention beim Hungerstreik der RAF in Stammheim oder seine Betreuung kasernierter französischer Soldaten. Dabei folgt der Diagnostiker vor allem einem Credo: „Menschlichkeit ist die beste Medizin!“ Walter Möbius: Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen. Dumont 2015. 9,99 Euro.

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8BLOG „PFLEGERS SCHACH MED.”

Schach, das königliche Spiel, ist seit dem 13 Jahrhundert in Europa etabliert und übt auch auf viele Mediziner eine große Faszination aus. So auch auf Dr. med. Helmut Pfleger. Er ist Arzt und internationaler Schachgroßmeister. Humorvoll und kenntnisreich schreibt er seit vielen Jahren über Schach und veröffentlicht monatlich eine Schachaufgabe in der Fachzeitschrift der Ärzte. Diese Beiträge sind nun für alle Interessierten im Blog „Pflegers Schach med.“ zugänglich. www.aerzteblatt.de/blogs/177/Pflegers-Schach-med