BIM-Wissen

Die Methode Building Information Modeling wird kommen, darüber herrscht Einigkeit. Bereits im Jahr 2020 wird der BIM-Einsatz bei öffentlichen Aufträgen des Bundes Pflicht. Daher gilt es, sich mit der Methode vertraut zu machen. Der karriereführer bauingenieure stellt Weiterbildungen, Studiengänge, Kurse, Institute und Workshops vor, die BIM zum Inhalt haben. Von Christoph Berger

BIM-Weiterbildungen an Universitäten und Akademien

  • BIM Professional für Hoch und Infrastrukturbau an der Akademie der Ruhr-Universität
    www.akademie.rub.de/de/content/bim-professional-f%C3%BCr-hoch-und-infrastrukturbau
  • Building Information Modeling für das mittlere Management an der Akademie der Hochschule Biberach
    www.akademie-biberach.de/web/akademie/buildinginformationmodeling
  • Weiterbildung Digitalisierung in der Bauwirtschaft // BIM am BIM-Institut der Bergischen Universität Wuppertal
    www.biminstitut.de/bildung/weiterbildung

BIM-Weiterbildungen von Unternehmen

  • BIM Ausbildung und Weiterbildung der Akademie des TÜV Süd
    www.tuvsud.com/de-de/store/akademie/seminare-technik/bim
  • BIM – Planen, Bauen, Inbetriebnahme und Betreiben 4.0 der BIMschule
    https://bimschule.gfn.de/
  • Praxisseminar – Building Information Modeling (BIM) des VDI Wissenforums
    www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-bau/praxisseminar-bim/

BIM-Webinare

  • Allplan BIM-Webinare
    www.allplan.com/de/aufgezeichnete-webinare/aufgezeichnete-webinare-bim
  • RIB: Kurse und Weiterbildungen
    www.rib-software.com/de/service-consulting/kurse-weiterbildung.html

Veranstaltungshinweise

Lean Construction Management: Alle zusammen im Takt

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Deutsche Ingenieurskunst genießt weltweit einen guten Ruf. Doch um den Planungs- und Ausführungsprozess effizienter und detaillierter zu gestalten, nimmt man sich nun die Automobilindustrie zum Vorbild: mit Lean Construction Management (LCM®). Von Dirk Jannausch, Leiter LCM-Expertencenter bei Drees & Sommer

Zur Person

Dirk Jannausch ist seit 2010 für Drees & Sommer tätig. Innerhalb der Unternehmensgruppe treibt er als Geschäftsführer der DS Consulting Process & Organization insbesondere die Themen strategische Prozessberatung, Supply Chain Management und Projekt Management Consulting voran. Seit 2017 leitet Dirk Jannausch zudem das LCM-Expertencenter bei Drees & Sommer.

Autobauer wissen auf die Sekunde genau, wann welches Fahrzeug mit welcher Ausstattung bei ihnen vom Band läuft. Kommt es zu einer Störung im exakt getakteten Produktionsablauf, heißt das Alarm: So schnell wie möglich muss der Fehler ausfindig gemacht und behoben werden. Auf einer konventionellen Baustelle bleiben Mängel dagegen häufig lange unbemerkt, manchmal so lange, dass irgendwann sämtliche Arbeiten zum Erliegen kommen. Doch mit Lean Construction Management (LCM®) werden die Gedanken des Lean Managements aus der Automobilindustrie auf die Bauprojekte übertragen. Dabei werden der Planungs- und Ausführungsprozess so effizient und detailliert wie notwendig aufgesetzt und während der gesamten Projektlaufzeit verbessert, dass der Baustellenbetrieb in einem gleichmäßigen Takt läuft. Unsere Experten von Drees & Sommer wenden LCM® bereits bei einer Vielzahl ihrer Bauprojekte an. Zuletzt etwa beim Bau eines neuen Produktionsgebäudes für Arzneimittel- Anbieter Biotest in Dreieich sowie bei der Sanierung des Deutschen Museums in München.

Elemente des Lean-Construction-Managements

Beim Lean Construction Management kommt der ganzheitlichen Projektplanung mit allen Beteiligten ein besonderer Stellenwert zu. Im ersten Schritt gilt es daher, die Kommunikation zwischen den einzelnen Gewerken, besonders aber auch zwischen den Planern und Ingenieuren mit den Handwerkern vor Ort frühzeitig in Gang zu bringen und eine Gesamtprozessanalyse durchzuführen. Dieser Abstimmungsprozess erfolgt in Workshops mit allen beteiligten Planungsdisziplinen mit dem Ziel, das Bauen als Prozess in den Mittelpunkt zu stellen und ein gemeinsames Verständnis für die Prozessabläufe im jeweiligen individuellen Projekt zu schaffen. Eine optimale „Sequenz“ der Baustelle und des Gesamtablaufs hin zu einem konsistenten Ausführungskonzept stehen dabei im Mittelpunkt.

Auf der Basis der durchgeführten Analyse erfolgt die Prozessplanung, die den Grundstein für eine belastbare Ablauf- und Terminplanung bildet. Hier ist es wichtig, den Gesamtprozess in sinnvolle Arbeits- und Taktbereiche zu untergliedern. Basierend darauf erfolgt die Konzeption des Ablaufs mit Meilensteinen und Stabilitätskriterien. Am Ende dieser Planung ist klar festgelegt, wann welche Mitarbeiter, Maschinen und Baumaterialien zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort benötigt werden. Die einzelnen Gewerke ziehen wie Züge durch das Gebäude – perfekt getaktet. Ohne Leerläufe oder Verzögerungen, weil Material oder Pläne fehlen, und ohne dass sich die Handwerker in die Quere kommen. Dennoch ist das System flexibel genug, um auch Unvorhergesehenes abzufedern. Die grundlegende Planung des Bauprojekts wird zwar auf einer vierbis sechs-Monats-Basis definiert, diese wird allerdings alle zwei bis vier Wochen von allen Projektbeteiligten erneut abgestimmt und gegebenenfalls angepasst.

Eine Tafel stellt den Bauablauf dar

Auf der Baustelle selbst informiert die Tafelplanung mit Steckkarten – ein weiteres wichtiges Element von LCM® – über die einzelnen Baufortschritte und gegebenenfalls auftretende Hindernisse. Über die Tafel wird der Bauablauf für die kommenden Wochen im Voraus dargestellt und tagesgenau durchgeplant. So ist auf einen Blick ersichtlich, welches Gewerk mit seinen Arbeiten in Verzug ist und woran das liegt. Die Tafel fungiert so einerseits als Steuerungsinstrument für Bauleitung und Fachbauleitung und andererseits als visuelles Frühwarnsystem. Vertreter der Bauleitung und der ausführenden Unternehmen besprechen sich täglich an der Tafel und können so auf Probleme und Verzögerungen schnell reagieren. Alle Beteiligten ziehen also an einem Strang und suchen gemeinsam nach passenden Lösungen. Dies sorgt für hohe Transparenz und Verlässlichkeit in der Bauausführung. Zudem können so bestimmte Kennzahlen wie zum Beispiel die Termintreue pro Firma, die Qualität auf Tagesbasis oder auch die Nutzung der Engpassressourcen analysiert und gegengesteuert werden.

Erst wenn alles stimmt, wird die jeweilige Tageskarte auf Grün gedreht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit Lean Construction Management Bauprojekte schneller und effizienter umgesetzt werden können. Verknüpft mit digitalen Methoden wie Building Information Modeling (BIM) wird die Management-Methode aber auch das Arbeitsumfeld von Bauingenieuren in den kommenden Jahren nachhaltig verändern. Neben ihren fachlichen Kenntnissen werden verstärkt auch kommunikative Fähigkeiten und Bereitschaft zur Transparenz gefragt sein.

Buchtipps

Fiedler, Martin (Hg.), Lean Construction – Das Managementhandbuch: Agile Methoden und Lean Management im Bauwesen; Berlin: Gabler Verlag 2017.

Heidemann, Ailke, Kooperative Projektabwicklung im Bauwesen unter der Berücksichtigung von Lean-Prinzipien. Entwicklung eines Lean-Projektabwicklungssystems. (Reihe F, Heft 68). Karlsruhe: KIT Scientific Publishing 2011. Kirsch, Jürgen, Organisation der Bauproduktion nach dem Vorbild industrieller Produktionssysteme. Entwicklung eines Gestaltungsmodells eines ganzheitlichen Produktionssystems für den Bauunternehmer. (Reihe F, Heft 63). Karlsruhe: KIT Scientific Publishing 2011.

Kröger, Samy, BIM und Lean Construction: Synergien zweier Arbeitsmethoden. (Beuth Innovation). Berlin: Beuth Verlag 2017.

Spath, Dieter/Bullinger, Hans-Jörg (Hg.), Konzept einer BIM-basierten smarten Bauablaufplanung unter Berücksichtigung von Lean-Prozessstrategien. (Schriftenreihe zu Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement). Stuttgart: Fraunhofer Verlag 2017.

Studie: Internationale Großprojekte made in Germany

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Deutsche Unternehmen aus den Bereichen Bau, Schienenfahrzeugbau und Elektroindustrie sowie Maschinen- und Anlagenbau sind äußerst wettbewerbsstark. Doch laut einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bedarf es neuer Impulse, um die Chancen der Unternehmen im globalen Wettbewerb um strategische Großprojekte zu verbessern. Von Christoph Berger

Die Studie „EPC-Fähigkeit der deutschen Unternehmen im Bereich der Bauwirtschaft und des Maschinen- und Anlagenbaus“, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums von der PricewaterhouseCoopers GmbH WPG erstellt wurde und die Situation deutscher Unternehmen und deren Erfolge bei der Beteiligung an internationalen Großprojekten untersuchte, identifizierte insgesamt sechs Handlungsfelder zur Stärkung der EPC-Fähigkeit. EPC steht für Engineering, Procurement und Construction. Als Ausgangslage wird dabei hervorgehoben, dass die genannten Branchen einen bedeutenden Beitrag zur Anbahnung und Erhaltung deutscher Wirtschaftsbeziehungen im Ausland leisten, dass sie „mit der weltweiten Errichtung fortschrittlicher Infrastrukturen die Grundlage für zukünftige Handelsbeziehungen und Exporte deutscher Unternehmen“ legen, so die Autoren.

Vor diesem Hintergrund sei der rückläufige Auftragseingang schlüsselfertiger EPC-Projekte im Großanlagenbau beziehungsweise der zurückgehende Marktanteil deutscher Unternehmen am internationalen Baugeschäft bedenklich. So sei zum Beispiel, was die weltweite Bauwirtschaft und die Auslandsumsätze betrifft, der globale Markt von 2005 bis 2015 zwar um den Faktor 2,6 gestiegen, der Deutschlands im Vergleich dazu jedoch unterproportional geblieben.

Die Studie

Die Studie „EPC-Fähigkeit der deutschen Unternehmen im Bereich der Bauwirtschaft und des Maschinen- und Anlagenbaus“ steht unter folgendem Link zum Download bereit: https://goo.gl/MbPNMX

Nach einer ausführlichen Marktanalyse identifizierten die Berater sechs Handlungsfelder: „Kooperationsplattform EPC Ecosystem“, „Komptenzzentrum digitale Projektabwicklung“, „Gemeinsamer Auslandsauftritt von Industrie & Politik“, „Erweiterung der staatlichen Exportunterstützung“, „Technologiestandort Deutschland“ und „Flexibilisierung der Projektarbeit“. Diesen Feldern wurden wiederum Handlungsempfehlungen angefügt. Die mit der höchsten Priorität sind der Aufbau einer digitalen Kooperationsplattform, die Schaffung eines Kompetenzzentrums Digitale Projektabwicklung, die Stärkung der Markterschließung und die Ausweitung der Finanzierungsmöglichkeiten. Wie wichtig solche Maßnahmen sind, hob Staatssekretär Matthias Machnig bei der Vorstellung der Studie hervor. Gerade im Verbund durchgeführte internationale Großprojekte würden einen wichtigen strategischen Außenwirtschaftsbeitrag leisten: „Hier müssen wir daher in Zukunft besser werden, denn internationale Großprojekte sind ein wichtiges Aushängeschild für ‚Made in Germany’.“

Tunnelbauer

Der Tunnelbau ist eine Disziplin des Tiefbaus und zählt zu den komplizierten Aufgaben im Bauwesen. Welche Herausforderungen auftreten können und was die Aufgaben eines Tunnelbauers sind, erklärt Vortriebsbauleiter Moritz Bergmann, der am Tunnel Oberau mitarbeitet. Von Christoph Berger

Seit September 2015 laufen die Tunnelbauarbeiten beim Tunnel Oberau bei Garmisch-Partenkirchen. Dabei handelt es sich um einen 2,8 Kilometer langen, zweiröhrigen Tunnel mit je zwei Fahrspuren. Ziel der Errichtung ist es, die Bewohner von Oberau von Lärm und Schadstoffemissionen zu entlasten. Seit Anfang dieses Jahres ist Moritz Bergmann vom Bauunternehmen Marti GmbH Deutschland Vortriebsbauleiter auf der Baustelle – seine erste Stelle in dieser Position. Die Aufgaben des Bauingenieurs, der 2015 sein Studium an der Bergakademie Freiberg abgeschlossen und sich bereits in seiner Diplomarbeit mit dem Tunnelbau beschäftigt hatte, sind vielfältig: Er legt mit den Ausbaufestlegungen die Abschlagslängen fest, bestimmt in Absprache mit der Bauaufsicht die Sicherungsmaßnahmen, er macht die Materialdispositionen – alles, was mit den Planungen auf der Baustelle zu tun hat. Dabei muss natürlich auch immer der finanzielle Rahmen im Blick gehalten werden.

Am Tunnel Oberau reizt Moritz Bergmann, dass es sich um einen mittelgroßen Tunnel in bergmännischer Bauweise und mit konventionellem Vortrieb handelt. Das bedeutet, dass Sprengungen stattfinden und mit Bohrwagen und Baggern gearbeitet wird, es ist keine Tunnelbohrmaschine im Einsatz. Zudem ist das Projekt in der Planung und Durchführung sehr umfangreich. „Wir haben zum Beispiel eine Grundwasserabsenkungsanlage installiert, um im Falle eines Hochwassers das Grundwasser absenken zu können“, erklärt er. „Mit einer solchen Anlage können pro Sekunde bis zu drei Kubikmeter Wasser befördert werden.“ Außerdem hätten wegen des Tunnelbaus vier Gebäude an der Oberfläche etwa drei Zentimeter komplett angehoben werden müssen, um unterfahren werden zu können. Unter den Bauwerken befand sich auch eine Industriehalle, die mithilfe der obertägigen Hebungsinjektion angehoben wurde. Und auch ein Bachlauf musste abgedichtet werden.

Das Projekt

Die Autobahndirektion Oberbayern hat eine Internetseite zum Tunnel Oberau eingerichtet: http://tunnel-oberau.info

Hinzu kommen die Herausforderungen mit dem Untergrund. Streckenweise traf man während Tunnelbauarbeiten auf Lockergestein, sodass der Tunnel schnell abgesichert werden musste, streckenweise auf Hartgestein – der Tunnel führt unter zwei Bergen hindurch. „Natürlich bauen wir nach Plan und es gibt auch geologische Prognosen mit den entsprechenden Ausbauverfahren“, sagt Bergmann, „aber in der Realität muss man situationsabhängig reagieren. Innerhalb einiger Meter kann sich die Bodensubstanz vollständig verändern.“ Im Mai 2020 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Bauingenieur im Wasserbau

Junge Bauingenieure im Spezialbereich Wasserbau müssen sich ein vielseitiges Spektrum an Fähigkeiten aneignen. Insbesondere die Erarbeitung einer Ausführungsplanung in Hinblick auf eine fachund termingerechte Ausführung unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Zeitraums, der umweltbehördlichen Auflagen sowie der örtlichen Gegebenheiten stellen einen besonderen Reiz dar. Von Martin Meier, Matthäi Wasserbau GmbH & Co. KG

In der folgenden Projektbeschreibung wird sehr gut ersichtlich, welche Herausforderungen in diesem Bereich auf einen jungen Bauingenieur zukommen. Bis Ende 2016 sollte der Greifswalder Bodden vor Lubmin mit sechs jeweils 700 Meter langen Horizontalbohrungen unterquert werden. Es entstanden sechs Schutzrohre DN 800, die für einen sicheren Anschluss der stromführenden Seekabel der Offshore Windparks „Westlich Adlergrund“ und „Arkona See“ an die Umspannstation an Land benötigt wurden. Für diese anspruchsvolle Aufgabe konnte die Firmengruppe Matthäi durch eine enge Zusammenarbeit der beiden beteiligten Spezialisten Matthäi Bauunternehmen aus Westerstede und Matthäi Wasserbau in Verden überzeugen.

Neben den anspruchsvollen baulichen Aufgaben stellte das Vorhaben auch an die Baustellenlogistik ganz besondere Anforderungen. Die Herausforderungen lagen darin, dass der An- und Abtransport der Ausrüstung über den Landweg auf Grund von Naturschutzauflagen nicht möglich war. Am Bohraustrittspunkt gab es außerdem nur eine sehr geringe Wassertiefe von lediglich 70 Zentimetern. Hinzu kam, dass die seeseitig auszuführenden Arbeiten den starken Witterungseinflüssen der Ostsee ausgesetzt wurden. Die Seekabel waren in 700 Meter lange Schutzrohre eingezogen worden, die auf dem Wasserweg vom Hafen Lubmin zum Bohraustrittspunkt transportiert werden mussten. Und nicht zuletzt verlangte der ehrgeizige Zeitplan sowohl wetterunabhängiges Arbeiten als auch trockene Arbeitsumgebungen.

Die Umsetzung erfolgte dann anhand folgender Maßnahmen: Die Schutzrohre wurden im HDD-Horizontal-Directional- Drilling Verfahren, der gesteuerten Horizontalbohrtechnik, eingebracht. Der An- und Abtransport aller Materialien und Maschinen erfolgte ausschließlich auf dem Wasserweg durch die Verwendung des vielfältigen Fahrzeugparks unseres Unternehmens: Zwei Seilkrane, vier für die Durchführung der witterungsunabhängigen seeseitigen Arbeiten vollständig autark ausgerüstete Pontons, flachgängige Arbeitsboote und Schlepper sowie das entsprechend motivierte Fachpersonal wurden zur Verfügung gestellt.

Wasserdichte Spundwandkonstruktionen mit den Maßen 50 Meter mal acht Meter garantierten eine wetter- und wellenunabhängige Durchführung der HDD-Bohrungen. Die Spundwände wurden im Hochfrequenzvibrationsverfahren vom seeseitigen Ponton aus eingebracht. Alle schwimmenden Transport- und Arbeitseinheiten hielten auch widrigen Wetterverhältnissen stand und waren mit einem minimalen Tiefgang für dieses Seegebiet besonders geeignet. Und auch alle Auflagen für den Schutz der Umwelt wurden von uns zuverlässig eingehalten – dank unserer langjährigen Erfahrung bei der Durchführung derartiger Arbeiten.

Maschinenbauingenieur in der Bauindustrie

Der Maschinenbauingenieur Tobias Greindl arbeitet seit sechs Jahren bei der Bauer Maschinen GmbH. Bereits während seines Studiums an der Hochschule Deggendorf hat der 30-Jährige das Unternehmen mit Sitz in Schrobenhausen kennengelernt. Von Tobias Greindl, Bauer Maschinen GmbH

Ich habe direkt nach meinem Masterabschluss im Oktober 2011 bei Bauer angefangen. Zu meinen Hauptaufgaben zählen die Entwicklung und Konstruktion von Baugruppen und Sondermaschinen, speziell auch für den Offshore-Einsatz. Außerdem bearbeite ich Forschungsprojekte in diesem Bereich und leite kleinere Projekte. Bei meiner Arbeit ergeben sich natürlich immer wieder auch Schnittstellen zu den Bauingenieuren der Bauer Spezialtiefbau GmbH, etwa wenn es um die Weiterentwicklung bestehender Geräte geht. Hier sind wir auf das Feedback von der Baustelle angewiesen. Aber auch bei Neu- und Sonderentwicklungen für spezielle Projekte arbeiten wir mitunter eng mit den Spezialtiefbauern zusammen.

Eine solche Entwicklung ist zum Beispiel unser Unterwasserbohrgerät Dive Drill. Aktuell wird vor der schottischen Küste ein Windpark gegründet. Hierbei werden Pfähle mit rund zwei Metern Durchmesser in den Boden gerammt. Ist dies aufgrund der Geologie nicht möglich, kommt unser Dive Drill zum Einsatz und führt Entlastungsbohrungen durch. Der Auftrag kam im Juli 2016 und der Auslieferungstermin war für Ende Februar 2017 geplant. Das Projekt mit einer Lieferzeit von etwa sieben Monaten war für die gesamte Firma ein Kraftakt und eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen war unumgänglich.

Der Dive Drill wurde in unserem Werk nahe des Firmensitzes in Schrobenhausen aufgebaut und getestet, Ende Februar verladen und nach Rotterdam geliefert. Dort wurde das 200 Tonnen schwere Bohrgerät pünktlich auf das Schiff geladen. Ein Highlight war für mich, dass ich an einem Helikopter- Sicherheitstraining teilnehmen durfte, denn das Schiff ist im Notfall nur per Hubschrauber erreichbar. Aktuell befindet sich das Unterwasserbohrgerät immer noch auf dem Arbeitsschiff und wir bekommen von den Bauingenieuren und Gerätefahren vor Ort immer wieder Feedback was gut ist oder aber auch nicht optimal läuft. Dieses Feedback werden wir bei möglichen neuen Projekten in die Entwicklung einfließen lassen.

An meiner Arbeit reizt mich besonders, dass wir unsere Prototypen von der ersten Prinzipskizze bis zur Auslieferung begleiten. Es ist einfach toll, wenn man sieht, was aus einer ersten Idee entstehen kann und das Gerät in Stahl und Eisen schlussendlich vor einem steht. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen, wie der Elektrotechnik, der Hydraulik, den Bauingenieuren, der Produktion und den Mechanikern, die das Gerät zusammenbauen, ist sehr abwechslungsreich.

Als Bauingenieur unterwegs in der Welt

Bauingenieur Jens Voigt lebt in Darmstadt, ist aber in der Welt zu Hause. Für seinen Arbeitgeber Arcadis ist er in einer Spezialdisziplin des Bauingenieurwesens unterwegs: der Geotechnik. Aufgezeichnet von Christoph Berger

Jens Voigt hat vergessen, in wie vielen Ländern er inzwischen Bauprojekte betreut und wie viele er deswegen geschäftlich bereist hat. Auf sämtlichen Kontinenten war der Bauingenieur und Projektleiter Geotechnik des Ingenieurdienstleisters Arcadis inzwischen in Projekte involviert. Ähnlich ist den Bauvorhaben dabei meist nur eines: die Aufgabenstellung. Jens Voigt beurteilt Böden hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit für Bauwerke. Er untersucht den Baugrund, nimmt Bodenproben, wertet diese aus und macht zum Beispiel Setzungsberechnungen anhand derer entschieden wird, ob das geplante Bauwerk tatsächlich an der gewünschten Stelle gebaut werden kann – beziehungsweise was gemacht werden muss, um es sicher zu gründen.

Für ihn und seine Kollegen sind Böden und Fels Baustoffe wie Beton und Stahl. „Spannend ist, dass ich schon sehr früh in die Planungen einbezogen werde. Manchmal kann man nämlich überhaupt nicht so bauen, wie der Kunde sich das vorgestellt hat. Da braucht es Spezialgründungen, die oft sehr teuer werden. Das kann dann schon einmal zu einem Ausschlussverfahren für den geplanten Standort führen“, sagt er.

Die Mehrheit der Kunden, die Jens Voigt betreut, sind deutsche mittelständische Unternehmen, die Anlagen oder Maschinen bauen und die ihre Produkte ins Ausland verkauft haben. „Auch diese Anlagen oder Maschinen müssen gegründet werden, so eine Maschine kann schon einmal die Größe eines Hauses haben. Oder es handelt sich um den Bau eines Kleinkraftwerks aus dem Energiebereich. Die deutschen Unternehmen wollen wissen beziehungsweise sicherstellen, dass ihre Anlagen bei ihren Kunden auch sicher stehen“, erklärt Voigt die Hintergründe der Aufträge. Denn nicht selten handelt es sich bei den Produkten um Hochpräzisionsanlagen mit hohen Verformungsanforderungen, die nicht nur fest und stabil stehen müssen, sondern die sich überhaupt nicht bewegen dürfen. Das gelte dann auch für die Fundamente.

Der Reiz kultureller Vielfalt

Manchmal braucht es da praktische Lösungen, die vielleicht nicht immer optimiert und ausgereizt sind, aber mit denen sich die Funktion gewährleisten lässt.

Voigt, der ein Masterstudium Bauingenieurwesen in Leipzig absolviert und später noch ein MBA Unternehmensführung Bau an der Hochschule Biberach drangehängt hat, konnte während seiner bisherigen Auslandsprojekte die Erfahrung machen, dass es im Ausland nicht immer die Bautechnik gibt, die in Deutschland oder Europa zur Verfügung steht – in Europa gebe es für alles eine technische Lösung, im Ausland sei dies nicht immer so. Dies sei aber keineswegs negativ zu bewerten: „Manchmal braucht es da praktische Lösungen, die vielleicht nicht immer optimiert und ausgereizt sind, aber mit denen sich die Funktion gewährleisten lässt“, sagt er.

Vielmehr habe er einen regelrechten Respekt vor Lösungen der ausländischen Kollegen entwickelt, die oftmals pragmatische Ideen entwickeln würden, die dabei aber nicht weniger intelligent seien. „Da lernt man das Bauen noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen.“ Daher komme es in manchen Projekten auch weniger auf die technischen Vorgänge an, eher auf Vermittlung und Kommunikation vor Ort. Eine Einarbeitung in die örtlichen Bauvorschriften sei zwar immer notwendig, doch Voigt weiß: „Das heißt zwar manchmal anders, ist aber immer noch Physik.“

Redaktionstipp

Cover Praxishandbuch SchlüsselkompetenzenDieses Buch bietet einen kompakten Überblick über die 50 wichtigsten „Skills“ aus vier verschiedenen Kompetenzbereichen. Joachim H. Becker, Helmut Ebert, Sven Pastoors: Praxishandbuch berufliche Schlüsselkompetenzen. Springer 2017. 24,99 Euro.

Anspruchsvoller sei da schon eher die Kommunikation mit den Menschen. In Indien hat Voigt es zum Beispiel erlebt, dass einer seiner Gesprächspartner ihm niemals selbst antwortete, sondern dies immer seinen Adjutanten machen ließ. Später stellte sich heraus, dass der indische Kollege aufgrund seiner Kastenzugehörigkeit überhaupt nicht mit ihm reden durfte. „An solche Begebenheiten muss man sich natürlich anpassen beziehungsweise man muss sie kennen“, sagt er. Ein anderes Beispiel: „In den GUS-Staaten ist es üblich, dass man vor dem eigentlichen Projektstart zum Essen eingeladen wird – mit den entsprechenden Getränken. Manchmal verträgt man das nicht, es gehört aber dazu und wird in den Ländern erwartet“, erzählt Voigt. Lasse man sich auf diese Gepflogenheiten nicht ein, dann laufe auch das Projekt nicht – zu erwarten, man komme auf die Baustelle und alles laufe nach den eigenen Vorstellungen ab, funktioniere nicht. Man ist auf die Menschen vor Ort angewiesen.

Und es ist gerade auch diese kulturelle Vielfalt, die meine Arbeit so reizvoll macht und immer wieder spannend sein lässt und zu Unvorhersehbarem führt. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich darauf einlässt“, sagt er. Im Durchschnitt dauern die Projekte Voigts zwischen einem und anderthalb Jahren. Das bedeutet jedoch nicht, dass er in dieser Zeit nur im Ausland bei dem jeweiligen Bauprojekt ist. Er reist zwar viel, doch die Hauptarbeit zu jedem der Projekte findet in der Arcadis-Zentrale in Darmstadt statt. „Aufgrund unserer Unternehmensgröße funktioniert das sehr gut, da wir ein die Erde umspannendes Netzwerk von Niederlassungen zur Verfügung haben, über das wir jederzeit auch auf unsere Mitarbeiter im Ausland zugreifen können – und die mich natürlich, wenn ich vor Ort bin, auch jederzeit unterstützen.“

 

Die deutsche Bauindustrie im Ausland

Cover Bauleitung im AuslandRedaktionstipp: Bauleitung im Ausland

Dieses Fachbuch bietet praktische, kurz gefasste und übersichtliche Informationen und Checklisten, die für die Bauobjektüberwachung und die Arbeit auf der Baustelle im Ausland relevant sind. Es ist eine Hilfestellung für alle, die mit der Entsendung deutscher Fachleute zu Bauvorhaben im Ausland zu tun haben, sich selbst auf eine Auslandstätigkeit auf einer Baustelle vorbereiten oder vor Ort in fremder Umgebung als Bauleiter Verantwortung übernehmen. Konrad Micksch: Bauleitung im Ausland. Springer Vieweg 2016. 34,99 Euro.

Deutsche Bauindustrie im Ausland erfolgreich

Die deutsche Bauindustrie konnte 2016 den Auftragseingang aus dem Ausland um zehn Prozent auf 27,2 Milliarden Euro steigern. Und die Prognose sieht vor, diesen Wert 2017 nochmals zu übertreffen. Vor allem bei technisch anspruchsvollen Bauprojekten in der Verkehrsinfrastruktur sowie im Spezialtiefbau seien deutsche Firmen weltweit als Partner gefragt, heißt es vonseiten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Quelle: www.bauindustrie.de

Potentiale von Frauen für die Bauwirtschaft

Derzeit werden die Möglichkeiten und Chancen für die Beschäftigung von Frauen in der Baubranche vielfach noch nicht ausreichend akzeptiert und genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum. Daher wurde die Handlungsempfehlung „Potenziale von Frauen für die Bauwirtschaft besser erschließen und nutzen“ erarbeitet. Von Christoph Berger

„Im Berufsalltag spielt es kaum noch eine Rolle, wer oder was man ist, sondern was man kann, und wie man seine Aufgaben erfüllt“, sagt Diplom- Ingenieurin Heike Böhmer, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Bauforschung e. V. Ihr Lebenslauf wird mit fünf weiteren in den Handlungsempfehlungen der RG Bau als positives Beispiel für eine Karriere in der Bauwirtschaft aufgeführt. Gezeigt wird, dass der berufliche Aufstieg – auch mit Kindern – gelingen kann. Es manchmal aber auch Hindernisse gibt. Oder: „Als Frau muss man trumpfen“, wie Andrea Nowotny, Bauleiterin bei Macon Bau, sagt. Ebenso sprechen die Zahlen weiterhin eine eindeutige Sprache: Laut Erhebungen der SOKA-BAU für das Jahr 2015 liegt bei den gewerblichen Arbeitnehmern der Frauenanteil bei konstant niedrigen 1,1 Prozent.

Unternehmen sollten daher, so die Handlungsempfehlungen der RG Bau, ihre Belegschaften mit folgenden Maßnahmen für Gender Diversity sensibilisieren:

  • Gleichbehandlung und Vielfalt sollten in den Unternehmensstrategien und -zielen verankert werden
  • Führungskräfte sollten sich für Gleichbehandlung und Vielfalt einsetzen
  • Führungskräfte in Teilzeit, Elternzeit oder ähnlichem haben einen Vorbildcharakter
  • Entdeckung der Talente in der weiblichen Belegschaft
  • Weiterbildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter
  • Gespräche mit Frauen über deren Karriereplanung mitsamt Unterstützungsangeboten
  • Unterstützung bei der Ergebnis- und Leistungspräsentation
  • Chancen- und Entgeltgerechtigkeit
  • Etablierung einer offenen Unternehmenskultur
  • Angebot von Möglichkeiten und Gestaltungsräumen für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben
  • Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • Schaffen von vielfältigen, anpassungsfähigen Arbeits(-zeit)modellen und flexiblen Karrierewegen
  • leichter Wechsel von Teil- in Vollzeit oder umgekehrt
  • weiterhin Kontakt zu Mitarbeitern in Elternzeit
  • Elternzeit auch für Männer
  • Ermöglichung von „Zweitkarrieren“
  • Unterstützung bei Auslandsaufenthalten
  • Vernetzung mit anderen Bauunternehmungen

Handlungsempfehlung

Die Handlungsempfehlung „Potentiale von Frauen für die Bauwirtschaft besser erschließen und nutzen“ steht unter folgendem Link zum Download: https://goo.gl/RRc7dd

Die Zeichen sind erkannt und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis einzelne oder mehrere Maßnahmen in den Unternehmen umgesetzt werden. Ziel der Handlungsempfehlungen ist es daher, Frauen zum einen verstärkt für die Baubranche zu interessieren und sie über mögliche Berufe aufzuklären, zum anderen aber auch auf die wichtigen Themen wie eine ausgewogene Work Life Balance, Gender Diversity einzugehen sowie das Branchenimage zu verbessern.

 

Annette Hering „Für Frauen mindestens genauso viel Platz“

Annette Hering leitet die Unternehmensgruppe Hering. Im Interview spricht sie über Frauen und Männer im Bauwesen, den Reiz der Branche und darüber, dass sich Bauunternehmen sämtlichen großen Herausforderungen zu stellen haben, die unsere Gesellschaft zu bewältigen hat. Die Fragen stellte Christoph Berger

Frau Hering, Sie tragen in vierter Generation die Verantwortung für das Bauunternehmen Hering. War für Sie immer klar, dass Sie eines Tages in das Unternehmen einsteigen?
Eigentlich hatte ich Sinologie studieren wollen und bin dann kurzfristig auf eine kaufmännische Lehre umgestiegen, damals in einem Bauunternehmen. Erst da begann langsam die Idee in mir zu reifen, dass Hering Bau eine Chance ist, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Mit dem Bauen stellen wir uns sämtlichen großen Herausforderungen, die unsere Gesellschaft zu bewältigen hat.

Was reizte und reizt Sie an der Branche?
Mit dem Bauen stellen wir uns sämtlichen großen Herausforderungen, die unsere Gesellschaft zu bewältigen hat: den Folgen der demographischen Entwicklung, dem zu hohen Ressourcenverbrauch, den Veränderungen durch Klima und dem Trend, in Städten zu leben. Wir müssen uns Gedanken machen über Gebäude, die möglichst wenig Energie und auch Ressourcen verbrauchen; über Städte, die möglichst flexibel ihre Verkehrs- und andere Infrastrukturen – sozusagen in einer Operation am offenen Herzen erweitern oder verbessern können. Welche Bauprozesse, Baustoffe oder -technik brauchen wir? Das sind spannende Fragen.

Sie arbeiten in einer Branche, die von Männern dominiert ist – als Frau an der Spitze eines international agierenden Bauunternehmens sind Sie eine Seltenheit. Warum sollten sich Frauen trotzdem nicht von einem Einstieg in die Baubranche abschrecken lassen?
Gerade vor dem Hintergrund der soeben erwähnten Herausforderungen brauchen wir Menschen mit ganz verschiedenen Perspektiven, mit ganz verschiedenen Erfahrungen und natürlich auch Ausbildungen. Da gibt es für Frauen mindestens genauso viel Platz wie für Männer.

Und was ist Ihre Prognose diesbezüglich: Wird sich an dem Geschlechterverhältnis in der Zukunft etwas ändern?
Die Anteile weiblicher Studierender, die zum Beispiel Bauingenieurwesen studieren, nimmt an vielen Universitäten zu – zumindest hier in unserer Region. Da der Bedarf an Bauingenieuren und Bauingenieurinnen wesentlich höher ist als das Angebot, haben sich die Unternehmen unserer Branche viele Gedanken über Vereinbarkeit unserer Berufe mit den privaten Interessen unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gemacht und für Berufseinsteigerinnen ist die hohe Nachfrage gerade jetzt eine gute Chance.

Was unternehmen Sie als Unternehmerin, um Frauen nicht nur den Einstieg, sondern auch den beruflichen Aufstieg zu erleichtern?
Wir haben ein breites Angebot für Frauen, aber auch für Männer, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Das A und O dabei sind individuell flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Schließlich handelt es sich im Allgemeinen nur um einige Jahre, in denen Familienzeiten wichtiger sind. Zum Einstieg und Aufstieg: Qualifizierung und Weiterbildung werden individuell abgestimmt.

Lässt sich das mit dem Alltag verbinden, immerhin ist Ihr Unternehmen in Bausegmenten tätig, die mit Schichtarbeit, strengen Terminvorgaben und auch körperlichen Belastungen in Verbindung gebracht werden?
Die zum Beispiel im Bahnbau erforderliche Bereitschaft zu Wochenendschichten, teilweise auch Nachtarbeit, lässt sich mit dem, was die meisten Menschen unter Alltag verstehen, nicht verbinden. Da brauchen wir Mitarbeiter, die bereit sind, für sich ein anderes Alltags- bzw. Privatlebensmodell zu stricken. Was hat man davon? Eine Menge Verantwortung und vieles, was persönlich Freude macht. Oder was stolz macht – zum Beispiel eine erfolgreich abgeschlossene „OP am Herzen“ im Bahnhof einer deutschen Großstadt, nach der am Montagmorgen um vier Uhr wieder sämtliche Züge rollen können. Das ist schon etwas sehr Anspruchsvolles.

Auch in punkto Mitarbeiterbeteiligung gehen Sie innovative Wege, so beteiligen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Unternehmensgewinn. Wie wichtig sind solche Maßnahmen für den Unternehmenserfolg?
Die Mitarbeiterbeteiligung ist eine Einrichtung aus der Zeit meines Vaters. Auch für mich ist das eine Frage der Gestaltung des Mitarbeitermiteinanders, wenn wir einen Teil des Gewinns an die Mitarbeiter verteilen.

Sie selbst studierten Wirtschaftsingenieurwesen für Bau. Wie wichtig ist betriebswirtschaftliches Know-how heute für Bauingenieure – immerhin wird immer wieder gefordert, die Baubranche müsse ihre Prozesse effizienter gestalten und produktiver arbeiten?
Das Know-how von der Universität damals brauche ich heute nicht mehr. Was ich immer brauche und was wir Bauingenieure brauchen, ist die Fähigkeit, unsere technischen Prozesse ständig darauf zu überprüfen, ob sie noch wirtschaftlich sind und auch, ob sie nachhaltig sind.

 

Zum Unternehmen

1892 wurde das Bauunternehmen Hering vom Maurer Rudolf Hering gegründet. In der Geschäftsführung folgten ihm Ernst Hering, Hartmut Hering und Annette Hering. Als kleines Unternehmen einst gestartet, ist Hering inzwischen ein mittelständisches Unternehmen mit knapp 500 Mitarbeiter und sieben Niederlassungen in Europa und den USA. Der Firmensitz befindet sich dabei weiterhin in Burbach, im Kreis Siegen-Wittgenstein in Südwestfalen. Das Produktportfolio der Unternehmensgruppe ist breit gefächert und umfasst sowohl individuelle als auch modulare Lösungen. Hering ist Spezialist für Systemlösungen für die Schieneninfrastruktur als auch für Produkte im öffentlichen Raum und für Architekturbeton.
https://www.heringinternational.com

Gesundheit und Sicherheit

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Gesundheitsmanagement ist eine Win-win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen. Zum einen wird die Gesundheit der Mitarbeiter gefördert und erhalten, Gesundheitsrisiken und Ursachen bekämpft. Zum anderen bringen gesunde Mitarbeiter mehr Motivation mit, sie sind zufriedener, leistungsfähiger und sie stehen ihren Arbeitgebern länger zur Verfügung. Von Christoph Berger

Um langfristig die Gesundheit zu erhalten, hat das auf Schalungen spezialisierte Unternehmen Peri ein betriebliches Gesundheitsmanagement ins Leben gerufen. Angeboten werden darin Sport- und Präventionskurse, Seminare zum Thema Ernährung, Entspannung, Nichtrauchen oder dem körperlichen Wohlbefinden. Initiiert wurden Kooperationen mit Fitnessstudios sowie zahlreiche Betriebssportgruppen. Und die Arbeitsplätze wurden mit höhenverstellbaren Tischen sowie ergonomischen Stühlen ausgestattet – genauso stehen ergonomische Arbeitsmittel zur Verfügung. Auch die Unternehmensgruppe Kögel bietet ihren Mitarbeitern unter anderem kardiologische Vorsorgeuntersuchungen, Schrittzählaktionen, Massagen, Arbeitsplatzanalysen oder physiotherapeutische Entspannungskurse an.

Ein professionell aufgesetztes betriebliches Gesundheitsmanagement genießt laut der Techniker Krankenkasse in der personalpolitischen Diskussion seit einigen Jahren einen hohen Stellenwert. Denn der Erfolg eines Unternehmens basiere auf leistungsfähigen, motivierten und engagierten Mitarbeitern. Die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz habe einen erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit in allen Lebensphasen. Doch es gibt noch andere Maßnahmen – Unternehmen nutzen inzwischen auch neue Technologien, um Mitarbeiter auf Gefahrensituationen vorzubereiten oder deren Gesundheit zu schützen.

So testet beispielsweise das französische Bauunternehmen Bouygues Construction zusammen mit HTC Vive den Einsatz einer Virtual Reality- Lösung. Simuliert werden auf diese Weise zum Beispiel Gefahrensituationen auf Baustellen, die die Mitarbeiter rein virtuell durchlaufen – die Mitarbeiter lernen Gefahrensituationen kennen, ohne diesen tatsächlich ausgesetzt zu sein: zum Beispiel fallende Objekte oder ein Feuer. Auch die Wirkung von Alkohol oder Drogen könne simuliert werden, heißt es von den beiden kooperierenden Unternehmen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. (BBGM) informiert über Themen und aktuelle Entwicklungen. www.bbgm.de

Doch dies ist längst nicht alles, was das französische Unternehmen im Einsatz hat. Entworfen wurde eine ganze Sammlung von Online-Geräten, um die Sicherheit der Mitarbeiter vor Ort und die Ergonomie ihrer Arbeitsumgebung zu verbessern: Zum Beispiel ergänzt ein am Unterarm getragener interaktiver Terminal das Angebot an persönlicher Schutzausrüstung der Mitarbeiter. Über ihn können Informationen in Echtzeit eingeholt werden, gleichzeitig werden Tipps und Anweisungen gegeben. Oder eine mit Sensoren ausgestattete Jacke, die die Luft analysiert, mit Kameras ausgestattete Brillen sowie Sicherheitsstiefel, die den genauen Standpunkt online übermitteln. Das Projekt, so heißt es, sei ein direkter Teil von Initiativen zur Förderung der Sicherheit und zur Modernisierung von Laufbahnprofilen.

Baubranche: Es mangelt an Nachwuchs

Die Baubranche boomt. Dafür braucht es Personal. Doch genau an dem mangelt es erheblich. Dabei geht der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie davon aus, dass die Branche 2018 die 800.000-Beschäftigten-Marke knacken wird – erstmals seit 2003. Von Christoph Berger

In diesem Jahr werden etwa 796.000 Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe Beschäftigung gefunden haben – das entspräche einem Plus von 15.000 gegenüber 2016. „2018 wird die Zahl noch einmal um 10.000 steigen. Damit hätte die Branche – erstmals seit 2003 – wieder mehr als 800.000 Beschäftigte“, prognostizierte Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), anlässlich des „Tages der Deutschen Bauindustrie“ Ende Mai 2017. Das wären dann 100.000 mehr als zum Beschäftigungstiefpunkt der Branche im Jahre 2009.

Doch so rosig die Zeiten auch zu sein scheinen, alleine es fehlt das Personal. Mit der dualen Berufsausbildung und der Integration von Flüchtlingen lasse sich der Mangel an qualifiziertem Personal laut Hübner nicht decken. Hinzu komme die demografische Entwicklung, die den Bauunternehmen zunehmend Sorgen bereite. Selbiges gelte auch für Bauingenieure: „Angesichts der sehr guten Baukonjunktur brauchen wir dringend mehr Bauingenieure auf unseren Baustellen. Es kommen jedoch nicht genügend junge Leute nach, um unseren jährlichen Bedarf von rund 4.000 Nachwuchskräften zu decken“, sagt Dipl.-Ing. Klaus Pöllath, Vizepräsident Technik des HDB.

Nach der Bauingenieur-Statistik des Hauptverbandes haben im Studienjahr 2016 rund 11.000 Studenten ihr Bauingenieurstudium mit einem Bachelor oder Master abgeschlossen, 1.050 mehr als 2015. Jedoch stünden nicht alle Absolventen den Bauunternehmen zur Verfügung, so der HDB. Zum einen würden über die Hälfte „nur“ über einen Bachelorabschluss verfügen, von denen mit großer Wahrscheinlichkeit einige weiter studieren werden, zum anderen ziehe es viele Berufsanfänger in die Ingenieur- und Planungsbüros sowie in die öffentliche Verwaltung, die jetzt wieder vermehrt Bauingenieure einstelle. Die Studienanfängerzahl sei dagegen leicht rückläufig: Sie lag 2016 mit 11.500 um 120 niedriger als im Vorjahr.

Berufsbild Bauingenieur

Um zu zeigen, wie facettenreich das Berufsbild Bauingenieur ist, hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie die Internetseite „Werde Bauingenieur“ ins Netz gestellt: www.werde-bauingenieur.de

Bei einer Abbrecherquote im Bauingenieurwesen von rund 50 Prozent werden demnach bei einer durchschnittlichen Studiendauer von fünf bis sechs Jahren zu Beginn des nächsten Jahrzehnts nur rund 5.500 Studenten ihr Studium abschließen. „Die Berufsaussichten für Bauingenieure sind daher als sehr gut zu bezeichnen. Ein Grund mehr, für unsere werteschaffende Branche mit ihren attraktiven Arbeitsbedingungen zu werben“, beurteilte Pöllath die Lage.

Welche Tarifverträge gelten für Bauingenieure?

Das Berufsfeld bietet eine Vielzahl an Beschäftigungsmöglichkeiten und Vergütungen. Jeweils eigene Tarifverträge für Planungsbüros, das Baugewerbe und den öffentlichen Dienst geben Berufseinsteigern Orientierung über Arbeitsbedingungen und Gehalt. Ein Gastbeitrag von Fabian Hesse M.A., bauingenieur24 Informationsdienst

So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten von Bauingenieuren ist auch die Struktur der gezahlten Gehälter und sonstigen Arbeitsbedingungen. Je nachdem, ob man für ein Planungsbüro, ein Bauunternehmen oder im öffentlichen Dienst arbeitet, gelten unterschiedliche betriebliche und tarifliche Regelungen. Als generelle Orientierung für Berufseinsteiger und andere nichtselbstständig Beschäftigte können die für Bauingenieure gültigen Tarifverträge dienen. Sie geben Auskunft über allgemein gültige Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Kündigungsschutz und Entgelteingruppierung (Rahmentarifvertrag) und die jeweils gültigen Gehaltssätze (Gehaltstarifvertrag). Die Laufzeit der Tarifverträge beträgt in der Regel ein bis zwei Jahre.

Wer in einem Ingenieurbüro angestellt ist, kann mit seinem Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag auf Grundlage des „Tarifvertrags für die Angestellten, Auszubildenden und Praktikanten in Ingenieur-, Architektur- und Planungsbüros“ aushandeln. Dieser findet in ganz Deutschland Anwendung. Für Bauingenieure in den Bauunternehmen ist der „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes“ maßgebend. Er gilt für ganz Deutschland mit Ausnahme der Länder Bayern und Berlin und enthält zwei unterschiedliche Gehaltstarifverträge – „Ost“ und „West“.

Wie alle Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst werden auch die hier eingesetzten Bauingenieure auf der Grundlage von Tarifverträgen beschäftigt. Es gilt entweder der allgemeine „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst“ (TVöD) oder ein an den TVöD angelehnter Tarifvertrag. Je nach Arbeitgeber gibt es spezielle Regelungen für Bund (TVöD-Bund), Länder (TV-L) und Kommunen (TVöD-VKA) sowie das Bundesland Hessen (TV-H). Bei den Tarifverträgen der freien Wirtschaft richtet sich das Einstiegsgehalt nach der jeweiligen Tätigkeit sowie der individuellen Ausbildung und Berufserfahrung.

Im öffentlichen Dienst ist der Berufsabschluss das entscheidende Kriterium für die Eingruppierung. Ein erfahrener Bauingenieur mit besonderen Fachkenntnissen erhält bei einer Neueinstellung in einem Planungsbüro aktuell ein monatliches Tarifgehalt von mindestens 3.952 Euro (Gehaltsgruppe IA 2). In einem Bauunternehmen verdient man mit ähnlicher Qualifikation in der Gehaltsgruppe A VI mindestens 4.050 Euro (West) beziehungsweise 3.773 Euro (Ost). Im öffentlichen Dienst der Länder ist derzeit für eine vergleichbare Position ein Grundentgelt von 3.982,18 (Entgeltgruppe E 13, Stufe 2) pro Monat als Minimum vorgesehen.