karriereführer informationstechnologie 2019.2020 – Next Digital Level

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Cover karrierefuehrer informationstechnologie 2019-2020

Next Digital Level

Die Digitalisierung in den Unternehmen schreitet voran, die Themen werden immer komplexer, haben längst ans Business angedockt. Nun stehen weitere Veränderungen an, dabei sind Sicherheit und KI im Fokus. Entsprechend gefragt sind IT-Berater, die in der Lage sind, Innovation und Security zusammenzudenken, in agilen und interdisziplinären Teams zu arbeiten und viele Soft Skills mitbringen.

Next Digital Level

Die Digitalisierung in den Unternehmen schreitet voran, die Themen werden immer komplexer, haben längst ans Business angedockt. Nun stehen weitere Veränderungen an, dabei sind Sicherheit und KI im Fokus. Entsprechend gefragt sind IT-Berater, die in der Lage sind, Innovation und Security zusammenzudenken, in agilen und interdisziplinären Teams zu arbeiten und viele Soft Skills mitbringen. Von André Boße

Die digitale Transformation ist längst noch nicht abgeschlossen, in einigen Branchen steckt sie sogar noch in den Kinderschuhen. Zum Beispiel im Gesundheitswesen: Das System ist komplex, es bildet ein Geflecht aus rund 2000 Klinken, einer Vielzahl von gesetzlichen Krankenkassen, mehr als 200.000 Arztpraxen sowie einem dichten Netz an Apotheken. Eine Studie des Digital-Consulting-Unternehmens Sopra Steria zeigt: Die große Mehrheit der Deutschen ist bereit für eine digitale Transformation in der Gesundheitsversorgung, „es herrscht eine breite Überzeugung, dass die Unterstützung der Krankenhäuser, Arztpraxen und Krankenversicherer mit digitalen Lösungen wie elektronischer Patientenakte, E-Rezept und Gesundheit-Apps die Behandlung und Prävention von Krankheiten deutlich verbessern wird“. Mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens seien die Deutschen jedoch nicht zufrieden, auch das zeigt die Studie. Um die starke Nachfrage der Bevölkerung nach mehr digitaler Unterstützung im Gesundheitswesen zu stillen, seien neue Strategien und Ansätze gefragt, zumal der Einfluss globaler Technologiekonzerne im digitalen Gesundheitsmarkt wachse. „Den Beteiligten im Gesundheitswesen droht ein teilweiser Verlust der Souveränität über Patientendaten“, warnen die Studienautoren. Die Branche verpasst also nicht nur eine Chance, sondern verliert auch noch ihr Vertrauen beim Thema Datensicherheit. Keine Frage, sowohl die Politik als auch die Akteure des Systems stehen vor einer großen Aufgabe, das System auf modernste IT umzustellen. Und entsprechend groß ist auch der Beratungsbedarf.
Das Umfeld, in dem Unternehmen und Organisationen tätig sind, ändert sich rasant. Motoren des Wandels sind erstens die Kunden, die andere Anforderungen stellen, zweitens gesetzliche und politische Vorgaben, von denen immer mehr damit zu tun haben, die Folgen der Erderwärmung abzumildern und die Klimaziele zu erreichen.

Digitalisierung trifft auf Reglementierung

Die Gesundheitsbranche ist nur ein Beispiel. Egal, wohin man schaut: Das Umfeld, in dem Unternehmen und Organisationen tätig sind, ändert sich rasant. Motoren des Wandels sind erstens die Kunden, die andere Anforderungen stellen, zweitens gesetzliche und politische Vorgaben, von denen immer mehr damit zu tun haben, die Folgen der Erderwärmung abzumildern und die Klimaziele zu erreichen. Ob Automobilindustrie oder Versicherer, Energieversorger oder die Tourismusbranche: Die zwei Trends Digitalisierung und Reglementierung sorgen dafür, dass IT-Architekturen in den Unternehmen digitale Innovation und Security zusammendenken müssen. Das ist ein herausfordernder Spagat, der nach Consulting verlangt. Doch wo liegt überhaupt die Basis, wie gut also sind die deutschen Unternehmen bei der digitalen Transformation vorangekommen?

Wen suchen IT-Beratungs­unternehmen?

Laut der Lünendonk-Studie „Führende IT-Beratungs- und IT-Service- Unternehmen in Deutschland – mit Sonderkapitel zum IT-Mittelstand“ werden von den IT-Beratungsunternhemen vor allem Data Scientists, Cloud- und Security-Experten sowie Softwareentwickler gesucht. Bei mittelständischen Anwenderunternehmen und IT-Dienstleistern mangelt es an ausreichend SAP-Spezialisten für die bevorstehenden Transformationsprojekte auf die neue ERP-Version S/4.
Das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Capgemini spricht in seiner „IT-Trends-Studie 2019“ von guten Rahmenbedingungen: Die Budgets für ITProzesse bewegten sich auf hohem Niveau, zudem hätten sich viele Unternehmen in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit Big Data mit der Dateninfrastruktur auseinandergesetzt. „Wenn sie ihre Arbeit gut gemacht haben, können sie jetzt davon profitieren und mit intelligenten Technologien den nächsten Schritt gehen“, sagt Dr. Uwe Dumslaff, CTO Germany bei Capgemini. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass aktuell sieben von zehn der befragten Unternehmen bereits intelligente Technologien wie Machine Learning, Bilderkennung oder Natural Language Processing einsetzen – besonders intensiv geschehe dies sowohl in Konzernen als auch in Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand. Genutzt werden diese KI-Techniken vor allem, um manuelle Möglichkeiten zu automatisieren. Auch die Datenanalyse stehe bereits im Fokus, insbesondere, um das Verhalten von Kunden, Maschinen oder des Marktes vorherzusagen.

Fehlendes Know-how Inhouse

„Weniger Anklang findet ihr Einsatz bei deutlich komplexeren Einsatzszenarien“, heißt es in der Capgemini-Studie. Ein Grund dafür ist häufig fehlendes Know-how: „Ausgebremst wird der Einsatz intelligenter Technologien hauptsächlich dadurch, dass Unternehmen zu wenig Experten im eigenen Haus haben.“ Entsprechend groß ist der Bedarf, auf externe Dienstleister zuzugreifen. Wobei sich diese am Erfolg messen lassen müssen, denn bislang sind die Ergebnisse der Digitalisierung in vielen Fällen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch das zeigt die Capgemini-Studie. Interessant ist dabei, dass Branchen, die die Digitalisierung weniger hoch einschätzen als andere, mit den Resultaten ihrer digitalen Schritte zufriedener sind. „Stellenwert und Erfolg korrespondieren häufig nicht“, schreiben die Autoren. „Während dem Handel Digitalisierung weniger wichtig ist als der Automobilindustrie, schätzt er seine bisherigen Erfolge höher ein.“

Weiterhin Investitionen in IT-Beratung

Die Analysten von Lünendonk stellen in ihrer Branchen-Studie fest, dass die Nachfrage nach IT-Beratung sowie der anschließenden Umsetzung der Konzepte nicht abflacht: „Trotz weltweiter Unsicherheitsfaktoren wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem Brexit investieren Unternehmen weiterhin stark in die Digitalisierung. Für 2019 erwarten IT-Dienstleister in Deutschland daher einen Umsatzanstieg um 10,6 Prozent und für das Jahr 2020 um 10,8 Prozent.“
Vergleichsweise zufrieden mit ihren digitalen Erfolgen seien die Branchen Verkehr und Tourismus, Logistik und Energie. „Demgegenüber haben Versicherungen aufgrund ihrer komplexen und zum Teil veralteten IT-Landschaft auch weiterhin Probleme, bei der Digitalisierung voranzukommen“, so die Studie. Für IT-Consultants bedeutet das: Beratung orientiert sich an den Anforderungen und Zielsetzungen der jeweiligen Branche. Je nach Erwartungen, Stellenwert und vorhandener IT-Architektur müssen die Beratungskonzepte angepasst werden. So hilft es zum Beispiel nicht, einem Versicherer ein innovatives KI-Konzept zu verpassen: Auch wenn die Potenziale tatsächlich vorhanden sind, sind viele Konzerne noch nicht dazu bereit, auf diesem Level aktiv zu werden. Daher sind Branchenkenntnisse für IT-Berater von entscheidender Bedeutung. Wobei es nicht nur darauf ankommt, Strategie, Markt und Zielgruppen zu kennen, sondern auch eine tiefgreifende Analyse der vorhandenen IT-Strukturen vorzunehmen. Erst dann zeigt sich, welche Themen und digitalen Innovationen zu welchem Zeitpunkt machbar und sinnvoll sind.

Fünf Trendthemen, von Datenschutz bis BYOx

Dass die Digitalisierung weiter voranschreiten wird, ist selbst den IT-skeptischen Unternehmen klar. Capgemini hat dabei fünf Trend-Themen definiert, die von der Nische in die breite Wahrnehmung gesprungen sind – und für die der Bedarf nach Beratung groß ist:
  • DSGVO-Compliance: Die Datenschutzgrundverordnung ist seit Mitte 2018 in Kraft, der erste Wirbel hat sich gelegt. Doch in den Unternehmen sind Planung und Ausführung vielfach noch nicht abgeschlossen.
  • Privacy by Design: Datenschutz muss in die IT-Systeme integriert werden, sodass an dieser Stelle Security- Experten und Entwickler die IT-Struktur gemeinsam gestalten.
  • Multi-Faktor-Authentifizierung: Beim Smartphone kennt man das längst, neben der PIN loggt man sich per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung ein. Unternehmen nutzen die Chancen diese Optionen noch selten – hier kann konkret Sicherheit verbessert werden.
  • BYOx-Security: Gefragt sind Konzepte, private Geräte (nach dem Motto: „bring your own device“) in die ITLandschaft zu integrieren, ohne dass dabei Bedienbarkeit oder Sicherheit verloren gehen.
  • Security-Automation: Im Zuge der neuen Datenschutzverordnungen sehen viele die Automatisierung von Sicherheitsprozessen aktuell kritisch, in naher Zukunft wird es aber verstärkt darum gehen, Security durch Techniken wie KI oder Blockchain effizienter und stärker zu gestalten.

Agile Teams, Kooperationen mit den Großen

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, stellen sich die Beratungsteams laut Lünendonk-Studie heute anders auf, als noch vor wenigen Jahren: In knapp 50 Prozent aller Projekte kommen bei IT-Dienstleistern agile Teams zum Einsatz, wobei parallel auch die Kunden verstärkt auf agile Strukturen setzen. Zudem gewinnen für IT-Beratungen Kooperationen mit Technologieunternehmen an Bedeutung. „Besonders SAP und Microsoft werden als wichtige Partner und Ergänzung zum eigenen Portfolio angesehen“, heißt es in der Studie. Wobei sich generell zeige, dass Business und IT mehr und mehr zusammenwachsen.

Soft Skills mit großer Bedeutung

Doch an welche Consultants wenden sich die Kunden mit ihrem Beratungsbedarf überhaupt? „Die Frage nach dem richtigen Dienstleistungspartner ist für viele Unternehmen immer schwerer zu beantworten, denn interdisziplinäre Kompetenzen wie Strategie- und Managementberatung, ITBeratung/ Systemintegration sowie Kreativ- und Designberatung sind immer enger miteinander verwoben. Die Grenzen zwischen den Marktsektoren ‚Digitalagentur‘, ‚Strategieund Managementberatung‘ und ‚IT-Dienstleistung‘ verschwimmen in der Folge immer mehr“, sagt Mario Zillmann, Partner bei den Markt- und Branchenexperten Lünendonk & Hossenfelder, die Ende September eine Studie zum „Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland“ vorgestellt haben. Dabei führt der Beratungsbedarf ihrer Kunden die Consultants mitunter nicht nur an den Rand ihrer Kapazitäten – sondern auch darüber hinaus: Zwölf Prozent aller Projektanfragen mussten die befragten IT-Dienstleister im Jahr 2018 ablehnen, wie die Studie aufzeigt. „Als häufigste Ursache wurden fehlende Fachkräfte genannt, die die Projekte umsetzen könnten.“ Der Mangel an Experten bremst also das Wachstum. Was aber nicht heißt, dass die Anforderungen an Einsteiger sinken. Im Gegenteil, die Komplexität der Mandate führt dazu, dass immer neue Fähigkeiten bedeutsam werden. „Soft Skills sind für IT-Mitarbeiter so wichtig, weil sie große Barrieren überwinden müssen“, sagt Greg Layok, Geschäftsführer des amerikanischen Beratungsunternehmens West Monroe. Erst kürzlich fand das Beratungshaus in einer Umfrage mit 1250 Personalverantwortlichen heraus, dass Job-Kandidaten in der IT zu 98 Prozent nach ihren sozialen Fähigkeiten beurteilt werden. „Sie müssen anspruchsvolle Themen kollaborativ bearbeiten“, sagt Layok. „Dabei müssen sie so kommunizieren, dass sie von Mitarbeitern aus den Fachbereichen verstanden werden und sollten auch die jeweiligen Problemstellungen der einzelnen Geschäftsbereiche kennen.“ Im Grunde erreicht IT-Beratung daher gleich in zweifacher Hinsicht ein nächstes Level: Digitalisierungsthemen werden immer komplexer, auch ist die IT mittlerweile ein fester Teil der Unternehmensstrategie der Kunden. Denn der Erfolg der digitalen Transformationen entscheidet, wie erfolgreich ein Unternehmen wirtschaftet – heute schon und erst recht in naher Zukunft.

Buchtipp

Cover Software-ArchitekturHerangehensweisen für die Architekturentwicklung sind teilweise Jahrzehnte alt und haben den Wandel hin zu agilen Vorgehen nicht mitgemacht. Im Vergleich zu aktuellen Projektmanagement-Praktiken sieht Architektur schwer und alt aus. Das führt dazu, dass Softwarearchitektur entweder vernachlässigt wird oder sich als Fremdkörper nur schwer in die heutigen, dynamischen Umfelder integrieren lässt. Moderne Projekte arbeiten in Teams, hoch flexibel und sehr ergebnisorientiert. Eng verzahnt mit dem Kunden werden qualitativ hochwertige Produkte erstellt. Auch Architektur muss sich hier umstellen und teilweise neu erfinden. In der Praxis ist das bereits beobachtbar. Entwicklungsteams kümmern sich gemeinsam um Architekturaufgaben, Architektur wird „Just-in-time“ entschieden und bettet sich in den üblichen Priorisierungsprozeß von Anforderungen und Tätigkeiten. Die Theorie hat an dieser Stelle noch etwas aufzuholen. Stefan Toth: Vorgehensmuster für Softwarearchitektur. Hanser 2019, 34,90 Euro (Werbelink)

„Übermacht im Netz“ – Publizistin und Buchautorin Ingrid Brodnig im Interview

Die österreichische Publizistin und Buchautorin Ingrid Brodnig zählt zu den wichtigsten Stimmen, wenn es darum geht, das Internet und die Digitalisierung zu erklären. In ihrem neuen Buch beschäftigt sich die 35-Jährige mit der „Übermacht im Netz“ – im Interview erklärt sie, warum es Regulierungen in der digitalen Sphäre so schwer haben, wie ihr Idealbild eines Tech-Unternehmens ausschaut und was die junge Generation im Kampf für ein gerechtes Internet tun kann. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Ingrid Brodnig, geboren 1984 in Graz, ist Autorin und Journalistin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft. Sie hat mehrere Bücher zu diesem Themenkomplex verfasst und schreibt eine wöchentliche IT-Kolumne namens #brodnig für das Nachrichtenmagazin Profil. Die österreichische Bundesregierung hat sie 2017 zum Digital Champion Österreichs in der EU-Kommission ernannt. Ihre Arbeit wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, etwa dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis für das politische Buch. Sie hält regelmäßig Vorträge und Workshops zu Themen der Digitalisierung.
Frau Brodnig, wann haben Sie seinerzeit nach der ersten Phase der Euphorie über das Internet und die Digitalisierung zum ersten Mal gemerkt: Da gibt es eine gefährliche Schieflage? Das war vor etwa zehn Jahren. Damals hat Facebook plötzlich die Standard-Einstellungen umgestellt – bis dahin posteten User privat, also nur ihre Freunde und ihr Netzwerk sahen das. Plötzlich war der neue Normalmodus, dass man öffentlich postete. Und Mark Zuckerberg sagte: „Wir haben uns entschieden, dass das jetzt die gesellschaftlichen Normen sind.“ Damals hatte Facebook 350 Millionen User, wenig im Vergleich zu heute. Aber ich dachte mir: Interessant, Mark Zuckerberg sagt für hunderte Millionen Menschen, was die „gesellschaftlichen Normen“ sind. Mir wurde in diesem Moment bewusst, wie groß die Macht einzelner dominanter Plattformen ist. Und bis heute beschäftigen mich diese Fragen: Wer hat das Sagen im Netz? Und haben wir Benutzer genug Einfluss? Wer oder was ist Ihrer Ansicht nach hauptsächlich dafür verantwortlich, dass sich die Machtverhältnisse im Netz bedenklich entwickelt haben? Gute Frage: Es ist falsch, rein die großen Internetunternehmen verantwortlich zu machen. Aus ihrem ökonomischen Eigeninteresse ist es ja nur logisch, dass sie wachsen wollten, immer mehr Branchen und Geschäftsquellen zu erobern versuchten. Eine Rolle spielen hier schon auch die Politik, die Wettbewerbsbehörden, womöglich wir als Gesellschaft, die wir lange nicht so genau hingeschaut haben. Dass wir einzelne sehr dominante Digitalkonzerne erleben, liegt an zwei Dingen: Der rasanten Wachstumsstrategie im Silicon Valley, die sich auch im früheren Facebook-Motto „Move fast and break things“ widerspiegelt, und die vergleichsweise langsame Reaktion von Behörden und Politikern in Europa und den USA. Das ändert sich aber gerade, sowohl auf Ebene der EU als auch in einigen anderen Staaten.
Aber selbst, wenn ein deutscher Unternehmer die Digitalisierung wirklich ernst nimmt, ist es nicht so leicht, auf diesem globalen Markt mitzuhalten.
Dass Facebook, Amazon, Google & Co. begriffen haben, welche Geschäfte man mit Daten machen kann, ist offensichtlich. Wie beurteilen Sie in dieser Hinsicht die traditionellen Unternehmen im deutschsprachigen Raum: Ist diesen mehrheitlich klar, wie wertvoll Daten für ihr Geschäft sein können? Ich glaube, vielen ist das absolut klar. Die Frage ist nur: Was fangen sie mit dieser Erkenntnis nun an? Mein Eindruck ist, am schwierigsten haben es die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die aus ganz anderen Branchen kommen. Vielen Unternehmern ist bewusst, wie wertvoll das Datengeschäft ist – und vor allem, wie sehr jede einzelne Branche zunehmend digitalisiert wird. Nur ist das nicht so leicht, in diesem Wettrennen mit genuin digitalen Unternehmen mitzuhalten, die einerseits nicht an bestehende Strukturen gebunden sind, und die andererseits enormes Risikokapital zur Verfügung gestellt bekommen. Viele Start-ups dürfen ja in den ersten Jahren enorme Verluste machen, in der Hoffnung, dass sie eine Nische im Weltmarkt erobern, die sich dann rentiert. Hinzu kommt übrigens auch, dass es einen enormen Wettbewerb um gut ausgebildete Informatiker gibt. Es mag schon sein, dass nicht jedes Unternehmen die Digitalisierung ernst genug nimmt – dass manche vom historisch verankerten Erfolg gesättigt sind oder lieber auf das nächste Quartalsergebnis als zehn Jahre in die Zukunft blickt. Aber selbst, wenn ein deutscher Unternehmer die Digitalisierung wirklich ernst nimmt, ist es nicht so leicht, auf diesem globalen Markt mitzuhalten. Wenn Sie sich ein digitales Unternehmen erträumen könnten, dass es mit Transparenz und digitaler Ethik ernst nimmt, was wären die Grundzüge eines solchen Unternehmens? Ein solches Unternehmen kann nur existieren, wenn es fairere Spielregeln am Markt gibt: Derzeit werden häufig jene Akteure belohnt, die sich in rechtliche Grauzonen begeben, die womöglich die Datenschutzgrundverordnung etwas lockerer auslegen, als sie etwa ausgelegt werden sollte – und dadurch mehr Information als die Konkurrenz sammeln. Ein ethisch handelndes digitales Unternehmen kann am Markt nur bestehen, wenn es faire Spielregeln gibt, auf deren Einhaltung Behörden pochen. Sofern dies gelingt, sehe ich dann zwei Eckpfeiler: Transparenz gegenüber dem Konsumenten – das heißt, sich nicht hinter vagen AGBs verstecken, sondern erklären, was die eigene Software sammelt und wie man gesammelte Daten verarbeitet. Und zweitens ist wichtig, dass Ethik nicht rein als PR-Maßnahme gesehen wird – denn derzeit besteht die Gefahr des „ethics washing“, wie es der Politologe Ben Wagner nennt. Das bedeutet, dass viele Ethik-Initiativen von Unternehmen womöglich nur deshalb eingerichtet werden, um ernsthafte Regulierung zu vermeiden.
Viele Start-ups dürfen ja in den ersten Jahren enorme Verluste machen, in der Hoff nung, dass sie eine Nische im Weltmarkt erobern, die sich dann rentiert.
Unternehmen sind Organisationen, in denen Menschen handeln und Entscheidungen treffen. Was denken Sie, wie groß ist der Einfluss von jungen Tech-Experten in Unternehmen, die motiviert sind, die Digitalisierung gerechter zu gestalten: Kann diese neue Generation das System von innen her neu gestalten? Tatsächlich ist das Personal ein wichtiger Faktor: Google hat zum Beispiel mit dem US-Militär zusammengearbeitet und Videoanalysesoftware für die Drohnen entwickelt, die in Kampfzonen eingesetzt werden. Nach dem Druck etlicher Mitarbeiter rückte man davon ab. Oft wird ein Bild des unpolitischen oder gar verantwortungslosen Programmierers gezeichnet, der sich nicht darum kümmert, wofür seine Software dann eingesetzt wird. Nur stimmt dieses Bild so nicht: Viele Mitarbeiter in Digitalunternehmen sind sogar sehr mutig, da sie von ihrem Arbeitgeber öffentlich ethische Standards einfordern oder da sie zu Whistleblowern werden. Also hier gibt es sicher Verbündete in der Technik- Szene – die können vielleicht nicht im Alleingang alles verbessern, aber ich stelle mir das wie eine Klammer vor: Von unten, bottom-up, kommt der Druck engagierter Mitarbeiter. Und von oben, top-down, kommen neue gesellschaftliche Spielregeln, die Mindeststandards für Digitalunternehmen vorgeben. Das Leben war auch schon ohne Digitalisierung komplex genug. Könnte es vielleicht sein, dass uns Menschen die Digitalisierung überfordert, dass sie einfach zu komplex ist, dass wir Menschen sie fair gestalten können? Ja, wir sind sicher auch überfordert von neuer Technik. Es ist ganz normal, dass uns Menschen neue Technologie zuerst mal staunen lässt, dass wir uns vielleicht auch anfangs überwältigt fühlen. Aber den zweiten Punkt sehe ich anders: Wir können sehr wohl die Rahmenbedingungen definieren, innerhalb derer neue Technologie dann eingesetzt wird. In meinen Augen ist nicht wirklich die Technik das Problem, sondern es geht um die Frage, wie wir diese Technik dann konkret im Alltag anwenden. Ein Beispiel: Es gibt mittlerweile neuronale Netze, die Hautkrebs besser erkennen können als viele Mediziner. Solche Software führt auch dazu, dass im medizinischen Betrieb Zeit gewonnen wird, weil man Fälle rasch abklären kann. Die Frage ist aber, was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Womöglich wird es so sein, dass Ärzte dann mehr Fälle pro Stunde bearbeiten müssen, alles umso rascher ablaufen muss. Wir könnten aber auch sagen: Toll, dass die Maschine einen Teil der Arbeit abnimmt, dafür hat der Arzt oder die Ärztin dann mehr Zeit für das Gespräch mit den Patienten, kann richtige Beratungsgespräche durchführen. Hier ist nicht die Technik der entscheidende Faktor, sondern wie wir Technik im Alltag dann anwenden.

„Übermacht im Netz“

Cover Übermacht im NetzDer Titel des vierten Buches von Ingrid Brodnig beinhaltet eine feine Doppeldeutigkeit: Im Text schreibt sie „über Macht“ im Internet und analysiert, warum es sich dabei um eine gefährliche Übermacht einiger Akteure handelt. „Der digitale Wohlstand ist ungleich verteilt, Apps überwachen uns insgeheim und Online-Plattformen vermitteln oft schlecht bezahlte Jobs“, zählt die Autorin auf. Doch Ingrid Brodnig ist keine Pessimistin: Ihre konkreten Vorschläge für eine transparentere und fairere digitale Gesellschaft zeigen, dass die Gestaltungskraft bei uns allen liegt. Ingrid Brodnig, Übermacht im Netz, Brandstätter Verlag 2019 (Werbelink)

IT-Security: Experten sind gefragt

Die Bedrohungslage für Cyber-Attacken steigt. Somit stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ihre IT zu sichern. Absolventinnen und Absolventen, die sich auf IT-Security spezialisiert haben, stehen die Türen offen. Von Christoph Berger

Die Zahlen sind alarmierend: Laut der vom eco – Verband der Internetwirtschaft in diesem Jahr veröffentlichten Studie „IT-Sicherheit 2019“ steigt die Bedrohungslage im Bereich IT-Sicherheit immer weiter an. Dies sagen 90 Prozent der für die Studie befragten Sicherheitsexperten. Daher brauche es Strategien zum Schutz, so ihr einhelliges Credo. Um gegenzusteuern, planen die Unternehmen in Schulungen von Mitarbeitern zu investieren und diese mit Informationen über Cyber-Gefahren zu sensibilisieren. Doch wird das ausreichen? Wohl kaum, zieht man sich ein Studienergebnis des Capgemini Research Institute heran. Demnach sagen schon heute 56 Prozent der Führungskräfte weltweit sowie 46 Prozent in Deutschland, dass ihre Cybersicherheitsanalysten von der Vielzahl der Datenpunkte, die sie überwachen müssen, um Verletzungen zu erkennen oder zu verhindern, überfordert sind. Darüber hinaus hätten sich die Art der Cyberrisiken, die ein sofortiges Eingreifen erfordern oder von Cyberanalysten nicht schnell genug behoben werden können, deutlich erhöht. Helfen könnte hier künstliche Intelligenz, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung – alleine schon, um solche Bedrohungen identifizieren zu können. Allerdings ist ein solches Vorhaben sehr komplex und kompliziert: Laut den Beratern besteht die größte Herausforderung bei der Implementierung von KI für Cybersicherheit im mangelnden Verständnis dafür, wie Anwendungsfälle vom Proof of Concept bis zur flächendeckenden Umsetzung skaliert werden können.
Die Gehälter von IT-Sicherheitsexperten im Ranking mit Einkommen anderer Fachkräfte stehen ganz weit oben.
Da wundert es nicht, dass Security-Experten gefragt sind. Und, dass die Gehälter von IT-Sicherheitsexperten im Ranking mit Einkommen anderer Fachkräfte ganz weit oben stehen. So haben die Autoren der „Vergütungsstudie IT-Funktionen 2019“, erstellt von Compensation Partner in Zusammenarbeit mit dem Fachmagazin „Computerwoche“, herausgefunden, dass die Spezialisten für IT-Sicherheit durchschnittlich 75.577 Euro verdienen. Darüber liegen nur noch die Führungskräfte. „Seit einigen Jahren schon beobachten wir einen rasanten Anstieg bei den Gehältern von IT-Sicherheitsexperten. Es entstehen immer mehr Stellen für Cybersicherheit und viele bleiben unbesetzt, wodurch die Gehaltsangebote deutlich steigen“, sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner. Um in diese Gehaltsklassen vorzustoßen, müssen IT-Sicherheitsexperten aber auch einiges mitbringen. Laut der DEKRA Akademie 2018 gehört neben der Entwicklung, Umsetzung und dem Überwachen von Konzepten, Richtlinien und Strategien das Suchen und Beheben von Schwachstellen, das Programmieren und Entwickeln sowie die Implementierung von Soft- und Hardware zu den häufigsten Aufgaben von IT-Security-Fachkräften. Aber auch die Beratung zu Sicherheitsthemen, das Schnittstellenmanagement und das Überwachen, die Umsetzung und Einhaltung von rechtlichen Rahmenbedingungen stehen auf ihrer Aufgabenliste. Es handelt sich demnach also um eine Funktion mit Schnittstellenkompetenz, die mehr als tiefgehendes IT-Wissen erfordert.

Wie gründen Frauen ein Unternehmen? „Tut es!“

Jana Tepe und Anna Kaiser gründeten Tandemploy, ein Unternehmen, dessen Software-Lösungen Antworten auf viele Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt bieten. Und die mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurden. Der karriereführer sprach mit Jana über die Herausforderungen, die Gründerinnen und auch Gründer zu meistern haben. Die Fragen stellte Christoph Berger

Jana, mit eurer SaaS-Lösung sprecht ihr gleich einige große Herausforderungen an, vor denen Unternehmen heute stehen und nach Lösungen suchen: zum Beispiel Jobsharing, Mitarbeiterbindung, Wissenstransfer, Peer Learning etc. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die unterschiedlichen Aspekte vereint in eine Software zu packen? Mit unserer Software lösen wir ein großes Problem, das eigentlich jede Organisation heute hat: Wir helfen dabei, alte Strukturen zu öffnen, vernetzter zu arbeiten, das Wissen in Unternehmen besser zu (ver-)teilen und in Zeiten großer Transformationen beweglicher und handlungsschneller zu werden. Dadurch, dass wir Kolleginnen und Kollegen für diverse flexible Arbeitsmodelle, Kollaborationsformen und Themen mit unseren Algorithmen matchen, unterstützen wir Firmen und deren Mitarbeitende ganz praktisch und alltäglich dabei, eine „Netzwerkorganisation“ zu werden oder sich zumindest auf den Weg dorthin zu begeben. Und weil es zum Netzwerken Anlässe und konkrete Use Cases braucht, bilden wir die ganze bunte Palette ab. Mittlerweile matchen wir für 18 Themen, da ist für jeden was dabei. Welche Herausforderungen waren für euch bzgl. der IT mit der Gründung von Tandemploy verbunden? Unsere größte Herausforderung zu Beginn war, einen ITler zu finden, der unsere Ideen und Konzepte in eine Software umsetzt und unser Gründerteam komplettiert. Anna und ich sind beide keine Programmiererinnen. Wir mussten also jemand finden, der wertemäßig zu uns passt, unsere Vision teilt – und ein exzellenter Programmierer ist. Das hat zum Glück geklappt.
Wie wir beide ja beweisen, muss man nicht selber Techie sein, um ein Tech-Unternehmen zu gründen. Man muss sich nur mit den richtigen, hochmotivierten Menschen umgeben.
Und welche Herausforderungen gab es darüber hinaus noch zu bewältigen? Funding zu bekommen. Ebenfalls ganz zu Beginn haben wir uns für das EXIST-Gründerstipendium beworben, da uns klar war, dass wir eine komplexe Softwareidee kaum werden bootstrappen können. Auch das hat glücklicherweise funktioniert und nach einigen Monaten Warten und Bangen wussten wir: Wir bekommen durch das Stipendium ein Jahr Zeit geschenkt, um unsere Idee in einer Betaversion auf den Markt zu bringen. Das war 2013. Ihr seid zwei Gründerinnen. Ist dies noch eine Seltenheit in der Start-up-Szene? Leider ja, vor allem in der Tech-Szene sind wir oft noch allein auf weiter Flur, auf Bühnen, Konferenzen und bei Awards oftmals die einzigen Frauen. Woran liegt das? Das hat sicher ganz viele Gründe. Natürlich gibt es rein zahlenmäßig weniger Frauen, die Informatik studieren. Aber wie wir beide ja beweisen, muss man nicht selber Techie sein, um ein Tech-Unternehmen zu gründen. Man muss sich nur mit den richtigen, hochmotivierten Menschen umgeben. Welche Tipps habt ihr für Frauen, die möglicherweise schon eine Start-up- Idee haben, dann aber vor der Frage stehen: Sollen wir die Idee tatsächlich umzusetzen? Tut es! Denkt nicht zu lange nach, einfach machen! Hätten Anna und ich zu Beginn zu lange gegrübelt, hätten wir sicher nicht nach zwei Tagen unsere Jobs gekündigt und einfach angefangen. Ihr müsst nicht schon den großen perfekten Plan haben. Denn was ist das Schlimmste, was passieren kann? Meist ist das gar nicht so wild. Und auf dem Weg lernt man so viel wie an keiner Uni und in keinem anderen Job der Welt.

Spielen im Escape-Room

In einem Spiel Daten vor Hackern zu retten, darum ging es mehr als 130 Studierenden von vier Hochschulen, die in extra dafür aufgebauten Studentenappartements zusammenkamen. Von Christoph Berger

Teamarbeit stand im Mittelpunkt eines IT-Escape-Rooms, den Dynamic Commerce, ein Hersteller von Webshopsoftware, an den vier Hochschulen Amberg-Weiden, Coburg, Wiesau und Bayreuth initiiert hatte. Bei den Escape-Rooms, manchmal heißen sie auch Escape-Games, handelt es sich um ein Abenteuerspiel, dem eine Hintergrundstory als Basis dient, die mithilfe von Computern und vor allem im Team durchgespielt und gelöst wird. Das Szenario an den vier Hochschulen war folgendes: Vier Hochschulen, ein Hacker und die Gefahr, dass sämtliche Daten vom Hochschulrechner unwiederbringlich gelöscht werden. Das galt es zu verhindern. Dafür bauten die Veranstalter extra ein Studentenappartement auf, eine Holzbox, die wie ein Wohnheimzimmer eingerichtet war. Und in der auch Hinweise zum Lösen der Aufgabe zu finden waren. Die teilnehmenden IT-Cracks und Tüftler führten SQL-Injections durch, also das Ausnutzen von Sicherheitslücken im Zusammenhang mit SQL-Datenbanken, und entschlüsselten Codes. So kamen sie dem Hacker auf die Spur und konnten schließlich die gefährdeten Daten retten. Alexander Badewitz, der an der Universität Bayreuth studiert, sagte zu der Veranstaltung: „Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht. Besonders gut haben mir die etwas ‚freakigen‘ Details gefallen.“

Mit Game-(Design)-Thinking spielerische Elemente der Informatik einbinden

Ziel erfüllt, kann man somit sagen. Denn das Spiele sinnvoll für den Kompetenzerwerb eingesetzt werden können, belegen auch Wissenschaftler der TH Köln mit vier neuen Lehrkonzepten, für die sie im September 2019 mit dem Lehrpreis der TH Köln ausgezeichnet wurden. „Beim spielenden Lernen tauchen die Studierenden in komplexe Situationen ein und übernehmen neue Rollen und Perspektiven, die sie anschließend reflektieren. Dadurch erleben sie den Stoff auf eine persönlichere Weise, als beim klassischen Lernen. Das erhöht die Motivation und damit auch den Lernerfolg“, sagt Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der TH Köln.

Escape-Games

Laut der Internetseite Escape Game gibt es in Deutschland (Stand 23.09.2019) 556 fertige Spielräume/Szenarien bei 239 registrierten Live Escape Game Anbietern in 94 Städten. www.escape-game.org
So zielt beispielsweise das mit einem Sonderpreis ausgezeichnete Game-(Design)-Thinking- Konzept auf das Lernen durch Spielen und weniger auf das Lernen mit Spielen ab. Die Idee ist, mittels Game-(Design)-Thinking spielerische Elemente der Informatik einzubinden. Dazu wurden fünf Beispiele erarbeitet, bei denen beispielsweise die Gestaltung der Lernmedien selbst zu einer spielerischen Aufgabe für Lehrende werden kann. Auch die Ruhr-Universität Bochum (RUB) setzt auf diese Lern- oder auch Lehrmethode. Dort wurde im Juni 2019 der Think Space eröffnet, ein Lern- und Forschungslabor. In diesem Raum können sich Studierende beispielsweise spielerisch dem Thema Unternehmensgründung annähern und erfahren dabei, mit welchen Unsicherheiten Gründerinnen und Gründer zu tun haben. Wie gehe ich mit knappen finanziellen Ressourcen um? Wie löse ich Konflikte im Gründerteam? Und wie gehe ich mit Herausforderungen unter Zeitdruck um? In dem Simulationsraum lösen Studierende thematische Rätsel; das Spielkonzept lehnt sich dabei an das der Escape Rooms an.

InformierT Kultur-, Buch- und Linktipps

Überarbeitete Ausstellungseinheit „Neue Arbeitswelten“

Foto: Ulla Anne Giesen
Foto: Ulla Anne Giesen

Eine neue Zukunft taucht in der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund auf. Visionen, Megatrends und Avatare halten Einzug in den generalüberholten Bereich „Neue Arbeitswelten“. Ziel der neuen Präsentation ist es, sich über die Zukunft der Arbeitswelt und deren Gestaltung Gedanken zu machen. Wie wollen wir künftig arbeiten? Was ist und bleibt uns wichtig? Weil Prognosen immer nur Möglichkeiten sind, präsentiert die DASA eine Art Vorstellungsraum. Die DASA eröffnet damit einen offenen Diskurs, in dem die Besucher ihre Gedanken und Spuren hinterlassen können. Weitere Infos unter: www.dasa-dortmund.de

Offline

Cover OfflineFünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. einer aus der Gruppe und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist. So das Szenario im Buch „Offline“ des Bestseller-Autors Arno Strobel. Doch am zweiten Tag verschwindet Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen.
Arno Strobel: Offline. Fischer Taschenbuch 2019, 14 ,99 Euro (Werbelink)

Face_It!

Angeregt von dem „Pilotprojekt“ zur digitalen Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz, spürt Gerd Conradt der Bedeutung des Gesichts im digitalen Zeitalter nach. Denn mit Hilfe des Facial Action Coding System (FACS) soll es möglich werden, die Geheimnisse des Gesichts zu entschlüsseln. In FACE_It! stellt Gerd Conradt Menschen vor, die sich mit der Überwachung durch digitale Gesichtserkennung kritisch auseinandersetzen – er trifft Datenschützer, Künstler, einen Medienrebellen, eine Kunsthistorikerin, die Staatsministerin für Digitalisierung. Er stellt einen Human Decoder vor, der das populäre FACS anwendet und stellt die Frage, ob diese Systematik die Gefahr birgt, dass der nicht endende mimische Austausch von Gesicht zu Gesicht zu ausdrucks- und geschichtslosen FACES reduziert wird, zu Wesen immerwährender alters- und geschlechtsloser Gegenwärtigkeit. Kinostart war Ende Juli 2019.

Discovery Dock

Im Discovery Dock in Hamburg kann der Hamburger Hafen virtuell entdeckt werden – multimedial und interaktiv. Die Macher haben das Hafengelände zu einer Mixed-Reality-Erlebniswelt werden lassen, in der auch bisher ungesehene Perspektiven gezeigt werden: Schiffsschrauben und Wollhandkrabben zum Beispiel. Oder Besucher*innen gehen mit dem Zoll auf die Suche nach geschmuggelter Ware. Auch das Löschen einer Schiffsladung ist möglich. Und wer die Erlebnisse aus der virtuellen Welt mit der Realität vergleichen will, dem sei die Kombination mit einer Hafenrundfahrt auf dem Wasser empfohlen. Weitere Infos unter: https://discovery-dock.de

Live-Digitalisierung an Insekten in der Ausstellung

Foto: Posterdesign Michael Scheuerl in Zusammenarbeit mit Mediasphere For Nature
Foto: Posterdesign Michael Scheuerl in
Zusammenarbeit mit Mediasphere For Nature

Das Museum für Naturkunde Berlin digitalisiert seine Sammlungen, um diese weltweit rund um die Uhr verfügbar zu machen. Derzeit erfolgt die Aufarbeitung und Erschließung der gesamten Hymenopterensammlung (Bienen, Wespen und Ameisen) im Ausstellungsbereich, wodurch die Besucherinnen und Besucher direkten Einblick in die Sammlungsarbeit am Museum für Naturkunde Berlin haben. Die Sammlung der Hautflügler Hymenoptera ist mit 2,3 Millionen Exemplaren eine der objektreichsten entomologischen Sammlungen des Museums für Naturkunde Berlin

It’s A Nerd’s World

Cover It’s A Nerd’s WorldSmartphone? Coole Sache. Internet? Wie kann man ohne überleben!? Zeit, die Menschen zu feiern, die das möglich gemacht haben. Tobias Schrödel, IT-Experte und Deutschlands erster Comedy-Hacker, erzählt die Geschichten rund um die Brains, deren Hardware, Software und Internet-Anwendungen das Leben von uns allen für immer verändert haben – und die teilweise niemand kennt. Denn: Ehre, wem Ehre gebührt!
Tobias Schrödel: It’s A Nerd’s World. Arena 2019, 13 Euro (Werbelink)

Die Welt, die ihr nicht mehr versteht – inside digitale Revolution

Cover Die Welt, die ihr nicht mehr verstehtSamuel Koch gründete nach einem Informatik-Studium ein Software-Unternehmen, das Unternehmen und deren Mitarbeitern digitale Kompetenzen vermittelt. Derzeit arbeitet er an der Entwicklung einer eigenen Universität. Und er hat ein Buch über die Welt von morgen geschrieben, die schon da ist, und darüber, was junge High Potentials über sie wissen, das wir nicht wissen: Die Welt, die ihr nicht mehr versteht – Inside digitale Revolution. Darin räumt er mit Missverständnissen über Beschleunigung, Fortschritt und Privatsphäre auf, entwirft eine Schule für Lehrer, an der Schüler unterrichten und präsentiert eine optimistische digitale Utopie.
Samuel Koch: Die Welt, die ihr nicht mehr versteht – Inside digitale Revolution. Edition a 2019, 20 Euro (Werbelink)

Spintronix

Ein neues Material könnte dabei helfen, extrem energiesparende Anwendungen in der Informationstechnologie zu entwickeln. Entdeckt wurde es von einem internationalen Forschungsteam unter Beteiligung der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Elektronen an der Grenzfläche des Materials zeigen besondere Eigenschaften, die zu einer drastisch erhöhten Umwandlungrate eines Spinstroms in einen Ladungsstrom führen. Diese ist die Grundlage für zukünftige Anwendungen in der Spintronik – in ihr wird unter anderem untersucht, wie sich die Wärme nutzen lässt, die in technischen Geräten entsteht, wenn durch diese Strom fließt. Damit erweist sich das neue Material als effizienter als alle bisher untersuchten, wie das Team im Fachjournal „Nature Materials“ schreibt.
Weitere Infos unter: www.uni-halle.de

Das letzte Wort haben: Elke und Ralf Raml, Business Coaching, Training, Mediation

Vom Wirtschaftsinformatiker zum Coach: 30 Jahre lang war Ralf Raml im IT- und Wirtschaftsumfeld aktiv, unter anderem als Consultant für Banken. Dabei ging es ihm stets darum, wie Menschen gemeinsam gute Ergebnisse erzielen können. Dieses Wissen übertrug er dann als Coach auf Paar-Beziehungen. Zusammen mit seiner Frau Elke, einer studierten Musikerin und ehemaligen Inhaberin und Geschäftsführerin einer erfolgreichen Eventagentur, coacht er Paare, damit sie Wünsche und Träume in die Tat umsetzen können. Beide Coaches sind auch als Trainer und Mediatoren aktiv und bieten Kommunikation im Team sowie Führungskräfte und Team-Coaching an. Die Fragen stellte Christoph Berger

Frau Raml, Herr Raml, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit beruflichen und privaten Beziehungen. Gibt es bei den beiden Beziehungsformen Gemeinsamkeiten? Ralf Raml: Ja, die gibt es. Wenn es mit der Kommunikation nicht klappt und es dadurch zu Störungen und schlechten Gefühlen kommt, dann kommt man zusammen nicht zu guten Ergebnissen. Und es fehlt sogar schon der Antrieb, mit dem anderen gute Ergebnisse erzielen zu wollen, weil die Beziehung vor allem auf Probleme statt auf Lösungen fokussiert ist. Woran ist eine gute Kommunikation erkennbar? Elke Raml: Wichtig ist ein respektvoller Umgang untereinander und dass jeder das Gefühl hat, alles sagen zu können – unabhängig von Hierarchieebenen. Ralf Raml: Zumal es so ist, dass sich eine schlechte Kommunikation im Berufs- oder Privatleben auf den jeweils anderen Bereich übertragen kann. Der Kopf kann die eine Welt nicht einfach ausblenden und umswitchen. Für die Partnerschaft ist Liebe, also das Herz, eine Grundvoraussetzung, aus der viel entspringen kann. Welche Rolle spielt das Herz in beruflichen Beziehungen? Elke Raml: Es spielt eine entscheidende Rolle, alleine schon vor dem Hintergrund, dass viele Menschen einen Job ausüben, den sie überhaupt nicht lieben. Später im Leben merken dann einige, dass es nicht der Job ist, für den ihr Herz schlägt. Dann wollen sie sich verändern, weil ihnen bewusst wird, wie viel Zeit sie mit der Arbeit verbringen. Wenn sich etwas hingegen stimmig mit dem Herzen anfühlt, kann es sogar passieren, dass es sich überhaupt nicht mehr wie Arbeit anfühlt. Wie wird man sich seines Herzens bewusst? Elke Raml: Es ist kein Fehler, einen Weg falsch einzuschlagen. Oft ist es so, dass wir erst wissen, was wir wollen, wenn wir erfahren haben, was wir nicht wollen. Ralf Raml: Es hilft sehr, sich selbst gegenüber aufmerksam zu sein und immer wieder zu fragen: Macht mir das Spaß, was ich da mache? Und wenn es keinen Spaß macht, kann man nach Wegen – auch gemeinsam mit Kollegen – suchen, um dies zu ändern. Es geht also auch darum, gemeinsam Ziele und Visionen zu entwickeln? Ralf Raml: Ja, Sie brauchen ein gemeinsames Thema, das Sie zusammen entwickeln. Dann erst wird das Glück greifbar. Wir reden allerdings nicht davon, etwas machen zu müssen, sondern davon, etwas machen zu wollen. Dazu ist es wichtig nicht zu formulieren, was ich nicht mehr will, sondern auszusprechen, was ich will. ‚Wo möchte ich hin?‘ ist die entscheidende Frage sowohl in Paar- als auch Berufsbeziehungen. So werden Gespräche angestoßen, um gemeinsame Ziele zu entwickeln. Elke Raml: Genau. Mit gegenseitigen Vorwürfen kommt man nicht weiter. Wichtig ist es, in Ich-Botschaften zu sprechen. Dazu muss natürlich die Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungsfindung bestehen. Allerdings fehlt in vielen Teams dieses Commitment.
Cover Immer stecke ich zurück Immer stecke ich zurück, Neue Ergebnisse UG, Elke und Ralf Raml, 2016 (Werbelink) https://neue-ergebnisse.de
Warum lohnt es sich für den eigenen Weg, sich coachen zu lassen und mit Mediation u.a. auseinanderzusetzen? Elke Raml: Durch Coaching kommt der Coachee wesentlich schneller zum gewünschten Ziel. Wir Menschen haben oft blinde Flecken auf dem Weg unserer Weiterentwicklung, die wir allein nicht gut erkennen können. Daher braucht es ein Gegenüber, einen Experten, der unterstützen kann, diesen Weg zu gehen, der die Fallstricke kennt und weiß, wie sie gemeistert werden können. Das kann man zwar oft auch alleine schaffen, aber es würde wesentlich länger dauern, weil man in der eigenen Sichtweise und oft auch durch entsprechende Gefühle „gefangen“ ist. Das Gute am Coaching ist, dass man die Erkenntnisse nicht nur im Job anwenden kann, sondern dass sie sich oft auch auf weitere Lebensbereiche auswirken und diese sowie das Leben allgemein erleichtern.

karriereführer ingenieure 2.2019 – Green Impact: Grüne Technik, die wirkt

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Cover karrierefuehrer ingenieure 2-2019

Green Impact – Grüne Technik, die wirkt

Das Thema GreenTech tritt in eine neue Phase. Ingenieure stehen vor der Herausforderung, umsetzbare Lösungen zu finden, die Außergewöhnliches leisten und nebenbei keine weiteren Schäden verursachen. Im Zusammenspiel mit Data-Spezialisten und Ökologen werden Ingenieure damit zu Garanten einer lebenswerten Zukunft – und dürfen dabei auf Unternehmen setzen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Von André Boße

Green Impact: Grüne Technik, die wirkt

Das Thema GreenTech tritt in eine neue Phase. Ingenieure stehen vor der Herausforderung, umsetzbare Lösungen zu finden, die Außergewöhnliches leisten und nebenbei keine weiteren Schäden verursachen. Im Zusammenspiel mit Data-Spezialisten und Ökologen werden Ingenieure damit zu Garanten einer lebenswerten Zukunft – und dürfen dabei auf Unternehmen setzen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Von André Boße

Der blaue Planet leuchtet beachtlich grün. Zumindest tut er das auf einer besonderen Weltkarte, die das Crowther Lab auf seiner Website veröffentlicht hat. Tom Crowther ist Leiter dieser Denkfabrik, die an die ETH Zürich angedockt ist. Seit vielen Jahren denkt der 33 Jahre alte Ökologie-Professor darüber nach, wie es gelingen kann, die von Menschen verursachte Erderwärmung abzumildern – und zwar auf natürliche Art. „Inspiriert von der Natur. Angetrieben von der Wissenschaft“, lautet das Motto der Forschungsinstitution, in der unter anderem Agrar- oder Forstingenieure tätig sind. Im Juli 2019 ging das Crowther Lab mit einer Idee an die Öffentlichkeit, die für enorme Aufmerksamkeit sorgte: „Wie Bäume das Klima retten“ lautete die Überschrift der Zusammenfassung einer Studie, publiziert im Wissenschaftsmagazin „Science“. Der Ansatz: Fast eine Milliarde Hektar auf der Erdoberfläche bieten sich dafür an, sie neu oder wieder zu bewalden. Gelingt diese Aufforstung, würden die dort wachsenden Bäume zwei Drittel aller von Menschen verursachten Ausstöße an CO2 binden. Eigentlich ganz einfach. Denn Bäume zu pflanzen – das ist wirklich ein Kinderspiel.

Gute Ideen benötigen Ingenieure für die Umsetzung

Nun, ganz so simpel ist es natürlich nicht. Nicht jeder Baum an jedem Ort bindet gleich viel Treibhausgase. Zudem ist es illusorisch, dort aufzuforsten, wo Menschen leben, die Landwirtschaft betreiben oder in industriellen Betrieben arbeiten.

Crowther Lab

Auf der Website des Crowther Lab, einem Spin-off der ETH Zürich, findet sich die biografische Weltkarte der Erde, auf der sich einsehen lässt, wo und wie sinnvoll eine Aufforstung möglich ist. Die Homepage bietet darüber hinaus eine Reihe von Publikationen und Studien, die sich Lösungen widmen, die Erderwärmung mithilfe von Maßnahmen abzumildern, die Ökologie und Technik zusammendenken. www.crowtherlab.com
All dies haben die Züricher Forscher bedacht. Auf der leuchtenden Karte auf ihrer Website weisen Crowther und sein Team Zonen aus, in denen die Aufforstung aufgrund diverser Faktoren besonders sinnvoll ist – diese Gebiete sind in ein besonders kräftiges Grün gefärbt. Grundlage für die Bewertung sind verschiedene Kategorien, die anhand von Daten erstellt werden: Wie warm oder kalt ist es in den Gebieten, wie oft friert es oder fällt Schnee, wie ist der Grad der Verdunstung? Und weiterführend: Wie ist es um die Fruchtbarkeit des Bodens bestellt, welche Rolle spielen Pilzkulturen, wie viel Stickstoff ist in den Mineralen gebunden? Alle diese Informationen spielen eine wichtige Rolle, um herauszufinden, wo das klimaregulierende Potenzial einer neuen Bewaldung besonders groß ist. Schnell zeigt sich dabei, dass die sinnvolle Wiederaufforstung der Erde alles andere als ein Kinderspiel ist. Dahinter steckt ein komplexer Ansatz, bei dem verschiedene Disziplinen kooperieren müssen: Ingenieure und Datenspezialisten, Ökologen und Biologen.
Die Wirtschaft steht vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, um die ersten durch den Klimawandel verursachten und nicht mehr zu vermeidenden Schäden zu beheben.
Die Idee des Crowther Lab steht beispielhaft für Großprojekte, wie es sie in Zukunft einige geben wird: Gefragt sind Techniken mit möglichst großem „Green Impact“, die also positiven Einfluss auf Ökosysteme ausüben. Damit stehen wir vor einer neuen Phase von GreenTech: Bisher ging es bislang hauptsächlich darum, ökologisches Denken in Unternehmen und der Gesellschaft zu etablieren und an ersten Stellschrauben zu drehen – sei es bei der Energieeffizienz oder der Müllvermeidung. Nun steht die globale Wirtschaft vor der Aufgabe, Lösungen zu finden, um die ersten durch den Klimawandel verursachten und nicht mehr zu vermeidenden Schäden zu beheben sowie die Erderwärmung ab jetzt effektiv abzumildern. Wie man es dreht und wendet: Weder kommen dabei die Ingenieure ohne Data-Spezialisten und Ökologen aus, noch können diese auf das Know-how der Ingenieure verzichten. Die Disziplinen sind aufeinander angewiesen. Es beginnt ein neues Zeitalter der Kooperationen zwischen den Disziplinen. Und natürlich auch zwischen den Staaten.

Daten führen zu neuen Techniken

Die Herausforderung wird sein, anhand von vernetzten Daten gewonnene Informationen sowie die Kenntnisse der Ökosystem-Experten mit technischen Lösungsansätzen zu kombinieren. Mehr denn je werden Ingenieure dabei zu Akteuren, die mehr im Sinn haben, als im Unternehmen ihre Pflicht zu erfüllen. Der Einfluss von Ingenieuren auf das ökologische und soziale Wohlergehen der Welt wächst. Und zwar unabhängig davon, ob sie in der Forschung tätig sind oder in technischen Unternehmen. Gerade in diesen nimmt die soziale und ökologische Verantwortung zu – was die Unternehmen auch erkennen und die Weichen entsprechend stellen. Ein Beispiel dafür sind die Verpflichtungen zum Umweltschutz, die sich die Telekom mit ihrer „Environment Guideline“ selbst auferlegt hat. Klar, solche Richtlinien sind schnell geschrieben. Doch weil der Konzern nicht nur die Verantwortung für sein eigenes Geschäft übernimmt, sondern auch für das seiner Lieferanten, und weil er diese mit einem „Supplier Code of Conduct“ auf grüne Linie bringt, darf man durchaus erwarten, dass auf gut formulierte „Guidelines“ tatsächliche Handlungen folgen. Zumal die Telekom darüber hinaus konzernübergreifend ein Umwelt-Management-System implementiert hat und dieses von externen Auditoren zertifizieren lässt. Mit der Folge, dass für die Techniker und Ingenieure im Betrieb das ökologisch verantwortliche Vorausdenken genauso zur Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere wird wie ökonomisches Handeln.
Forscher von der Universität Birmingham haben herausgefunden, dass die immer wärmer werdende Welt in einen neuen Teufelskreis eintritt.
Die Vielfalt der Themen, mit denen es Ingenieure mit „Green Impact“-Fokus zu tun haben, ist enorm. Dabei geht es nicht alleine um die große Frage, wie es gelingen kann, den CO2-Ausstoß zu verringern. Viele Probleme sind sehr praktischer Natur, die Lösungen von großer Bedeutung. Forscher von der Universität Birmingham haben zum Beispiel herausgefunden, dass die immer wärmer werdende Welt in einen neuen Teufelskreis eintritt: Je heißer die Sommer werden (und zwar eben auch in bisher gemäßigten Klimazonen, zu denen auch Deutschland gehört), desto größer wird der globale Bedarf nach Kühltechnik. Wobei diese Geräte sehr viel Strom benötigen, damit das Energiesystem weiter belasten und für neue Emissionen sorgen – zumindest solange die Energiewende nicht komplett vollendet worden ist. Derzeit gibt es laut der Studie auf der Welt rund 3,6 Milliarden Kühlanlagen, bis 2050 könnte die Zahl auf 9,5 Milliarden Geräte angestiegen sein, schreiben die Forscher aus Birmingham und berufen sich dabei auf eine Prognose der Green Cooling Inititaive (GCI). Der globale Energiebedarf für Kühlung würde damit innerhalb weniger Jahre auf das Zweieinhalbfache anwachsen, von derzeit 3900 auf rund 9500 Terrawattstunden. Zum Vergleich: Die gesamte Bundesrepublik verbraucht aktuell pro Jahr rund 527 Terrawattstunden. Würde man die gesamte deutsche Autoflotte mit ihren 45 Millionen Fahrzeugen von jetzt auf gleich elektrifizieren, kämen rund 90 Terrawattstunden dazu, hat das Bundesumweltministerium kalkuliert. Bei diesen Größenordnungen zeigt sich, wie viel die Kühlanlagen in globaler Dimension an Energie fressen werden. Tendenz steigend – solange die Erderwärmung anhält.

Gefragt: Saubere Kühltechnik

Nicht alle diese Anlagen dienen jedoch dazu, uns Westeuropäern den Sommer erträglich zu machen. Überall auf der Welt hängt von der Kühlung das Überleben ab, weil sie dafür sorgt, dass Medikamente gelagert und Lebensmittel vorm Verderben geschützt werden können. Kritisch ist die Situation in besonders heißen und armen Regionen der Welt. „Noch kühlen wir verschwenderisch“, heißt es in der Studie. Um das zu ändern, bedürfe es eines „sozial-technischen Systems“, das nicht mehr fragt: Was ist technisch möglich? Sondern das sich daran orientiert, welche Technik für Umwelt und Gesellschaft überhaupt sinnvoll ist. „Wir benötigen dringend einen Zugang zu ‚Clean Cooling‘ für alle“, schließen die Forscher von der Uni Birmingham ihren Appell für „saubere Kühlung. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir aufhören, uns zu fragen: Wie viel Energie müssen wir generieren? Stattdessen müssen wir uns die Frage stellen: Welche Geräte benötigen wir wirklich – und wie können wir sie möglichst unschädlich ans Laufen bringen?

Initiative Klimaschutz-Unternehmen

Der Verband Klimaschutz-Unternehmen betrachtet sich als Vorreiter-Initiative von Unternehmen, die Techniken und Maßnahmen zum Klimaschutz vorleben und vorantreiben. „Uns verbinden eine gemeinsame Mission, ein wachsendes Know-how und ein kontinuierlicher Austausch“, heißt es auf der Homepage des noch recht neuen Vereins, der vom Bundesministerium für Umwelt gefördert wird. Für eine Mitgliedschaft müssen sich Unternehmen bewerben und von einem unabhängigen Expertenbeirat überprüfen lassen. Bislang haben 37 Unternehmen diese Hürde genommen. www.klimaschutz-unternehmen.de

Paradigmenwechsel im Denken der Ingenieure

Für Ingenieure ergibt sich aus dieser Forderung ein neuer Ansatz. „Green Impact“ heißt hier auch: Nicht alles, was möglich ist, muss sinnvoll sein. Orientierungspunkt ist stattdessen der tatsächliche Bedarf einer Gesellschaft nach technischen Applikationen – verbunden mit dem Ansatz, die Kosten und Lasten mitzudenken, die diese mit Blick auf die ökologische und soziale Dimension verursachen. Das gilt übrigens im besonderen Maße für Ingenieure und Entwickler, die in grünen Branchen tätig sind. Die Nichtregierungsorganisation „Facing Finance“ engagiert sich für einen verantwortungsbewussten und nachhaltigen Umgang mit Geld. Co-finanziert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW hat sie Ende 2018 eine Studie vorgelegt, die grüne Technologien darauf untersucht, welche Rohstoffe für die Produktion verwendet werden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass GreenTech-Lösungen häufig eine Vielzahl von Rohstoffen benötigen, deren Abbau mit sozialen und ökologischen Problemen einhergeht. „Beim Abbau und der Weiterverarbeitung fast aller für diese Technologien benötigten Rohstoffe sind Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung ein weit verbreitetes Phänomen“, heißt es in der Studie. Die Autoren fordern daher, dass sich Hersteller grüner Technologien stärker mit ihrer Zuliefer- und Wertschöpfungskette auseinandersetzen sollten, um damit „ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang des gesamten Produktionsprozesses gerecht zu werden“.
Die Protonen-Batterie bietet ein großes Potenzial, um die enorme Nachfrage nach gespeicherter elektrischer Energie zu befriedigen, ohne die Umwelt weiter zu schädigen.

Protonen-Batterie: Günstig und weniger schädlich

Gefragt seien dabei die Ingenieure in den Unternehmen: Die Hersteller grüner Technologien sollten sich bei technologischen Entwicklungen stärker auf die Nutzung umweltfreundlicher Materialien konzentrieren. Als Beispiel nennt die Studie Weiterentwicklung der Batterietechnik, ein bedeutsamer Baustein bei der Einführung von Elektromobilität. Lithium und Kobalt zählen zu kritischen Rohstoffen, die bei der Gewinnung soziale und ökologische Schäden anrichten. Eine auf Kohlenstoff und Wasser basierende Protonen- Batterie dagegen habe in dieser Hinsicht eine deutlich bessere Bilanz. Eine erste wiederaufladbare Protonen-Batterie ist übrigens vor gut einem Jahr von Elektroingenieuren an der Universität Melbourne in Australien entwickelt worden. „Die Protonen-Batterie bietet ein großes Potenzial, um die enorme Nachfrage nach gespeicherter elektrischer Energie zu befriedigen, ohne die Umwelt weiter zu schädigen. Denn der für die Batterie benötigte Kohlenstoff ist nicht nur günstig, sondern auch im Überfluss vorhanden“, sagt Professor John Andrews, der das Projekt leitet. Eine Protonen-Batterie auf Basis von Kohlenstoff und Wasser – noch so eine vermeintlich einfache Idee mit großem Potenzial. Aber wie schon bei dem Ansatz mit den Bäumen gilt auch hier: Die eigentliche Arbeit, diesen innovativen Ansatz umzusetzen, beginnt erst noch. Junge Ingenieure können sich also über mangelnde Aufträge mit großer sozialer und ökologischer Relevanz nicht beklagen.

Der globale Green New Deal

Cover der globale Green New DealRund um den Globus kippt angesichts der drohenden Klimakatastrophe die Stimmung, und der Protest der Millennials gegen eine Politik, die ihre Zukunft zerstört, wird immer lauter. Gleichzeitig sitzt die Welt angesichts alternativer Technologien auf einer 100-Billionen- Dollar-Blase aus Investitionen in fossile Brennstoffe. Zukunftsforscher Jeremy Rifkin zeigt, wie aus dieser Konstellation die Chance auf einen Green New Deal entsteht. Er warnt vor einem unmittelbar bevorstehenden ökonomischen Kollaps unserer Zivilisation und glaubt, um das Jahr 2028 wird die Weltökonomie in eine „globale Betriebsstörung“ stürzen. Gelingt ein gemeinsamer radikaler Aufbruch in letzter Minute? Jeremy Rifkin: Der globale Green New Deal. Campus Verlag 2019. 26,95 Euro (Werbelink)

Der Modellstadtbauer Prof. Dr. Achim Kampker im Interview

Als Universitätsprofessor und ehemaliger Geschäftsführer des Elektro- Nutzfahrzeugentwicklers Streetscooter beschäftigt sich Achim Kampker seit Jahren mit neuen Formen der Mobilität. Als er erkannte, dass noch immer zu viel geredet und zu wenig getan wird, gründete der Aachener einen Verein für Ingenieure. Das Ziel: nicht weniger als die Rettung der Welt. Dabei hilft Humanotop, das Modell einer Stadt, in der alle Ressourcen vor Ort hergestellt werden. Ein anspruchsvolles Projekt, das Ingenieuren aber auch viel Spaß an ihrer Arbeit bringen soll. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Prof. Dr. Achim Kampker ist seit April 2009 Universitätsprofessor für das Fach Produktionsmanagement in der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen. Von 2009 bis 2013 leitete er den Lehrstuhl für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor WZL. Im Januar 2014 gründete er den neuen Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM). Der promovierte Maschinenbauer ist zudem Gründer und Vorsitzender des Vereins „Ingenieure retten die Erde“ sowie Mitgründer und bis April 2019 Geschäftsführer der Streetscooter GmbH. Der vierfache Vater lebt mit seiner Familie in Aachen.
Herr Prof. Kampker, steckt hinter Ihrem Verein „Ingenieure retten die Erde“ die Devise: Erst haben wir Ingenieure Techniken entwickelt, die der Welt den Schaden zugefügt haben, nun müssen wir auch dafür sorgen, diesen wieder zu beheben? Nein, etwas differenzierter ist es schon. Es ist ja nicht so, dass die von Ingenieuren entwickelte Technik unserer Erde nur Schaden zugefügt hätte. Fest steht aber auch, dass wir Ingenieure – wie viele andere Gruppen auch – bislang unser Potenzial dessen, was wir für die Welt tun können, noch nicht eingelöst haben. Wir können mehr. Doch leider ist es bis heute so, dass wir mehr reden als handeln. Aber uns läuft die Zeit davon. Dennoch will ich eine positive Aufbruchsstimmung erreichen, denn es ist sicher klug, weder in Panik zu verfallen noch eine Anti-Stimmung zu verbreiten. Wenn uns nun die Zeit davonläuft: Warum haben Ingenieure nicht früher auf diese Aufbruchsstimmung gedrängt? Auch wir sind Teil des marktwirtschaftlichen Systems. Ingenieure arbeiten in Unternehmen, die technische Dinge produzieren, die sich bis heute gut verkaufen lassen. Dort sind aber auch viele andere Berufsgruppen tätig, von ihnen hat auch kaum jemand das System hinterfragt. Wenn ich meinen Appell an die Ingenieure richte, liegt es daran, dass ich selbst einer bin. Und ich möchte nicht mit dem Finger auf andere zeigen und sagen: Ihr seid schuld, ihr Konzernmanager oder Politiker. Ich versuche lieber, selbst anzupacken und die Ingenieure zu motivieren. Der Vorteil ist, dass wir Ingenieure an vielen Stellen sitzen, an denen wir die Dinge bewegen können. Wenn wir dort unseren Beitrag leisten, bin ich zuversichtlich, dass sich schnell andere anschließen.
Worauf es ankommt, ist die Entwicklung von Techniken, die dafür sorgen, dass wir weniger Ressourcen verbrauchen. Hier wird es wichtig sein, einige der Begriff e, die wir verwenden, neu zu denken.
Aufgabe der Ingenieure wird es also sein, neue Techniken zu entwickeln. Was sollte dabei im Fokus stehen: Lösungen zu finden, die die Erde retten und unsere Lebensqualität erhalten? Oder muss es einen drastischen Paradigmenwechsel geben, mit Techniken, die auch Verzicht bedeuten? Sowohl als auch. Fest steht, dass es Änderungen geben wird – und diese fallen uns Menschen generell schwer. In der Summe sollten wir schon die Botschaft senden, dass es nicht heißen wird: Zurück in die Steinzeit. Das wäre Blödsinn. Worauf es ankommt, ist die Entwicklung von Techniken, die dafür sorgen, dass wir weniger Ressourcen verbrauchen. Hier wird es wichtig sein, einige der Begriffe, die wir verwenden, neu zu denken. Welchen zum Beispiel? Nehmen sie den Begriff der Freiheit in der Mobilität: Bedeutet es tatsächlich Freiheit, wenn ich in einer großen Stadt ein Auto besitze und dieses benutze, um von A nach B zu kommen? Wenn ich im innerstädtischen Stau stehe, ist mein Erleben von Freiheit in diesem Moment eher gering. Hier ist es sinnvoll, die Mobilität im urbanen Raum so zu gestalten, dass andere Verkehrsmittel wie das Fahrrad gefördert werden. Das wird der Besitzer eines noch recht neuen Dieselfahrzeugs vielleicht zunächst einmal als Rückschritt betrachten. Lässt er sich aber einmal darauf ein, wird auch er erkennen, dass er mit den ressourcenschonenden Alternativen zum Auto nicht nur gesünder und ökologischer lebt, sondern im Zweifel auch schneller unterwegs ist. Worauf Automobilisten gerne erwidern: In der Stadt mag das funktionieren, aber für die Freiheit auf dem Land ist das Auto weiter unverzichtbar. Auch hier sollte man sich überlegen, ob man weiter einfach vom Auto als Garanten der Mobilität ausgeht oder ob man nicht Alternativen andenkt. Zum Beispiel kann es ja auch eine Idee sein, die Dienstleistungen und Angebote so mobil zu machen, dass jemand, der auf dem Land lebt, nicht mehr so häufig in die Stadt fahren muss. Dieses neue Denken hat es aber recht schwer in diesem Land. Warum? Ich glaube, den Menschen fehlt es generell häufig an Fantasie. Es gibt diese Geschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts, als den Leuten die Pferdekutschen zu langsam wurden. Auf die Frage, was sie sich denn wünschen würden, sagten sie: schnellere Pferde. Auf die Idee, dass es einmal ein Auto geben könnte, kamen sie nicht. So ist das auch heute noch. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen neues Denken gefördert und die Fantasie angeregt wird, um dann neue Dinge auszuprobieren. Mit diesen Ideen mag man dann auch mal danebenliegen, aber ohne das Ausprobieren werden wir nicht auf die Lösungen kommen, die wir heute sehr dringend benötigen. Daher brauchen wir den Aufbruch – und müssen das Gefühl von Angst und den Drang, unseren Besitzstand zu sichern, aufbrechen.
Humanotop ist das Modell einer ressourcenneutralen Stadt, und zwar in allen Bereichen: Energie, Versorgung mit Lebensmitteln, Mobilität.
Sie haben mit Ihrer Modellstadt Humanotop einen solchen Ort erschaffen. Was zeichnet dieses Projekt aus? Humanotop ist das Modell einer ressourcenneutralen Stadt, und zwar in allen Bereichen: Energie, Versorgung mit Lebensmitteln, Mobilität. Alles, was diese Stadt benötigt, wird in diesem geografischen Raum auch hergestellt. Und zwar nicht auf Kosten der Umwelt – im Gegenteil, auch eine möglichst hohe Artenvielfalt ist Ziel des Modells. Humanotop ist also der Idealzustand. Wie lässt sich der Ansatz in Städten umsetzen, die heute noch weit von diesem Optimum entfernt sind? Wir haben verschiedene Bausteine definiert, die dabei helfen, einzelne Bereiche in einer Stadt oder einem Viertel umzubauen. Man stülpt also nicht das ganze Modell über eine Stadt, sondern kon struiert einzelne Bereiche neu. Welche Kompetenzen brauchen Ingenieure, um bei der Neugestaltung der Welt erfolgreich zu sein? Vor allem müssen die Ingenieure die Veränderung wollen. Positive Emotionen sind wichtig. Dabei erreichen wir die junge Generation der Ingenieure sehr einfach, denn die müssen wir nicht lange davon überzeugen, wie wichtig es ist, den Hebel umzulegen. Die Sache ist nur: Die Zeit zu warten, bis diese Generation zum Zuge kommen wird, haben wir nicht. Daher müssen wir auch diejenigen erreichen, die mit 50 Jahren plus derzeit an den Schaltstellen sitzen.

„Ingenieure retten die Erde“

Der von Prof. Kampker gegründete Verein hat sich das Ziel gesetzt, nicht nur über die notwendigen Änderungen mit Blick auf die Erderwärmung und sonstige Umweltprobleme zu reden, sondern Taten folgen zu lassen. Offen ist er für alle, nicht nur Ingenieure. Kern der Arbeit ist die Erschaffung der Modellstadt Humanotop, in der alle benötigten Ressourcen auf dem gleichen geografischen Gebiet produziert werden. Dies betrifft insbesondere Energie Wasser und Lebensmittel, Mobilität und weitere dazu benötigte Infrastruktur, inklusive der Gebäude und Vegetation. Ein weiteres Ziel ist es, dass im Humanotop eine möglichst hohe Artenvielfalt vorkommt. humanotop.earth
Wie können die Jungen dabei helfen, die Älteren zu begeistern? Ich denke, es kommt auch hier auf eine positive Ansprache an. Es ist nicht sinnvoll, mit Begriffen wie Schuld zu arbeiten. Wichtiger ist es klarzumachen, dass die Erfahrungen der älteren Generation benötigt werden, um erfolgreich neu zu denken – und sich dabei weder zu verzetteln noch mit kopfloser Euphorie in die falsche Richtung zu rennen. Insofern sind gemischte Teams gut, in denen man miteinander über Lösungen nachdenkt. Und zwar nicht nur ältere und jüngere Ingenieure, sondern auch Leute aus anderen Fakultäten: Bau- und Wirtschaftsingenieure, natürlich IT-Experten, aber auch die Sozialwissenschaftler wie zum Beispiel Mobilitätsforscher, die uns davon erzählen, wie sich das Thema gesellschaftlich entwickelt. Mit Blick auf das, was es für Ingenieure zu tun gibt: Ist die Art, wie das Fach gelehrt wird, noch zeitgemäß? Die technischen Inhalte bleiben natürlich wichtig, aber es kommt verstärkt darauf an, dass Ingenieure eine Art Überbau beachten. So wie Ärzte den ethischen Konsens formulieren, das Leben eines Menschen zu retten, brauchen wir für Ingenieure ebenfalls eine übergeordnete Philosophie – nämlich den Erhalt der Erde. Darauf sollten wir mit allem, was wir tun, hinarbeiten.