Zwei Männer. Zwei Hamburger, die was zu sagen haben. Der eine ist Jurist und Manager der Hamburger Hafen und Logistik AG, der andere ist einer der begnadetsten Fußballer, die Deutschland je hervorgebracht hat. Beruflich verbindet sie nur auf den ersten Blick wenig. Denn Heinz Brandt und „uns Uwe“ Seeler haben eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Beide haben mit dem Speditionsgewerbe zu tun. Uwe Seeler hat dort seine Ausbildung absolviert. Beide sind im November in Norddeutschland geboren. Heinz Brandt 1954, Uwe Seeler 1936. Beide haben ausschließlich Töchter als Nachwuchs. Heinz Brandt zwei, Uwe Seeler deren drei. Beide kann man regelmäßig im Stadion antreffen, wenn der HSV dort den Ball laufen lässt. Mit beiden sprach Peter Neumann über Hamburg und die Welt, über die gute alte Zeit des Fußballs, über Karrieren, Brüche und Neuanfänge. Aus karriere.report 2.09
Uwe Seeler, Foto: Seeler Uwe Seeler gehörte in den 1950er bis 70er Jahren zu den besten Fußballstürmern der Welt. Er nahm an den Weltmeisterschaften 1958, 1962, 1966 und 1970 teil, trug 72 Mal das Trikot des DFB und erzielte als Nationalspieler 43 Tore. Mit dem HSV wurde er 1960 Deutscher Meister; 1963 DFB-Pokalsieger sowie Torschützenkönig der Bundesliga (30 Tore in 30 Spielen). Er ist nicht nur wegen seiner sportlichen Leistungen, sondern auch wegen seines fairen Verhaltens und ehrenamtlichen Engagements sehr beliebt. Beispiele hierfür sind die Uwe Seeler Stiftung www.uwe-seeler-stiftung.de und die Uwe Seeler Traditionself www.uwe-seeler.de.Wenn Sie Hamburg charakterisieren sollten – welche drei Eigenschaften fallen Ihnen spontan ein? Brandt: Weltoffen, lebenswert, tolerant. Seeler: Die wunderschönste Stadt, die es überhaupt gibt. Eine unheimlich grüne Stadt. Eine Stadt mit viel Flair. Was schätzen Sie an den Menschen in Hamburg besonders? Brandt: Hanseatische Zurückhaltung und hintergründigen Humor. Seeler: Sie sind tüchtig und stapeln eher tief. Selbst die großen Geschäftsleute bleiben bodenständig. Welcher Menschenschlag hat gute Karten, sich hier zurechtzufinden? Brandt: Für Neues offene Menschen. Seeler: Menschen, die sich anpassen können und ein bisschen Geduld haben. Denn es dauert ein wenig, bis man das Vertrauen eines Hamburgers gewinnt, aber dann hat man ihn als ehrlichen und guten Freund. Wo schlägt für Sie das Herz von Hamburg? Brandt: Im Hafen. Seeler: Mitten in der Stadt, rund um die Alster und im Hafen. Ich mache jedes Jahr eine Fleetenfahrt und entdecke immer etwas Neues. Wo kann man das internationale Flair der Stadt am intensivsten spüren? Brandt: Rund um die Binnenalster. Seeler: Da, wo auch das Herz schlägt. Ganz allgemein betrachtet: Was macht Hamburg attraktiv? Brandt: Das vielfältige kulturelle Angebot und das Zusammenspiel von Dienstleistung und Industrie. Seeler: Die Schönheit der Stadt und die Vielseitigkeit. Hamburg ist eine Metropole mit entsprechendem Kultur- und Bildungsangebot, aber ohne die Nachteile anderer Metropolen – in Hamburg sind Mieten und Immobilienpreise noch erschwinglich, die Kriminalität ist im Vergleich zu anderen Großstädten gottlob gering. Und für auswärtige Gäste ist natürlich die Reeperbahn eine Attraktion.
Heinz Brandt, Foto: Brandt Seit 1. Januar 2009 ist Heinz Brandt im Vorstand der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Sein Weg dorthin führt über viele Stationen: Nach der Hauptschule absolvierte er eine Ausbildung zum Koch. Kurze Zeit danach ging er für vier Jahre zur Bundesmarine und qualifizierte sich dort zum Minentaucher. Im Anschluss daran erlangte er das Abitur auf dem 2. Bildungsweg und studierte Jura in Köln, Münster und Hamburg. Heute liegen die Personal- und Sozialpolitik der HHLA sowie die Ressorts Recht/Versicherungen und Einkauf/Materialwirtschaft in seiner Verantwortung. Im April 2009 hat er zudem die Funktion des Arbeitsdirektors übernommen.Und das sprichwörtliche Hamburger Wetter kann die Attraktivität nicht beeinträchtigen? Brandt: In keinster Weise. Seeler: Ich glaube nicht. Wir hatten in den letzten zwei Jahren weniger Regen als der Süden Deutschlands. Und schauen Sie jetzt mal zum Fenster raus – die Sonne scheint. Sie bekommen Besuch von jemandem, der Hamburg noch gar nicht kennt. Was zeigen Sie? Brandt: Die Landungsbrücken, das Rathaus und die Außenalster. Seeler: Die Innenstadt, die Alster, den Hafen und die Speicherstadt. Wie lange hat Ihre längste Abwesenheit von Hamburg gedauert, und was haben Sie besonders vermisst? Brandt: Seitdem ich hier arbeite, war ich nie länger als drei Wochen weg und ausschließlich aus privaten Gründen. Was ich vermisst habe? (antwortet ohne Zögern) Das Hafenflair. Seeler: Sechs Wochen während der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko. Vermisst habe ich dort die kühle frische Luft meiner Heimatstadt. Welche Hamburger Persönlichkeit außerhalb der Wirtschaft macht auf Sie am meisten Eindruck? Brandt: Bei diesem Thema kommt man an Helmut Schmidt nicht vorbei. Seeler: Ja klar, Helmut Schmidt. Ist Hamburg ein guter Ort, um eine erfolgreiche berufliche Karriere zu beginnen? Brandt: Absolut. Aufgrund der großen Vielfalt an Branchen und damit der Vielfalt an unterschiedlichen Typen, die hier Arbeit finden können. Seeler: Ja. Wer intelligent und ideenreich ist, kann hier gut eine Existenz aufbauen. Womit würden Sie einen jungen Menschen, der ins Berufsleben startet, überzeugen, dass er nach Hamburg ziehen soll? Brandt: Mit der hohen Lebensqualität und der ganzen Dynamik und Quirligkeit dieser Stadt. Seeler: Ich fahre mit ihm einmal durch die Innenstadt und an der Alster entlang, dann ist er schon überzeugt. Herr Seeler, Herr Brandt, Sie haben ja beide einen Bezug zur Logistik. Herr Seeler hat eine Ausbildung in diesem Beruf absolviert, Herr Brandt ist seit vielen Jahren als Manager in dem Bereich tätig. Welche Bedeutung hat diese Branche für die Hansestadt Hamburg? Brandt: Logistik hat eine ganz wesentliche Bedeutung. Das ergibt sich schon aus diesem Slogan ‚Tor zur Welt’. Etwa 160.000 Menschen finden hier in der Logistik ihre Arbeit. Und diese Branche wird auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Sicher ist, dass sie nicht an Bedeutung verlieren wird. Also weiterhin eine gute Einstiegsmöglichkeit für karrierebewusste Menschen. Seeler: Logistik ist unerlässlich für erfolgreiches Wirtschaften. Herr Seeler, Sie gelten ja als bodenständiger Familienmensch. Wie wichtig war und ist für Ihren beruflichen Erfolg ein harmonisches Zusammenleben mit Ihrer Familie? Seeler: Für mich war das immer lebensnotwendig, weil ich Beruf und Leistungssport lange parallel betrieben habe. Herr Seeler: Sie waren oft unterwegs und haben auf dem Spielfeld gestanden. Was hat Ihre Frau in der Zeit gemacht? Hat sie Sie von der Tribüne aus angefeuert? Seeler: Meine Frau war selbst sportbegeistert und immer dabei. Wie ist das eigentlich, wenn Sie die Gepflogenheiten im Fußball zu Ihrer Zeit mit heute vergleichen? Seeler: Die sind nicht zu vergleichen. Meine Zeit war wunderschön. Im Zeichen der Globalisierung ist Fußball heute ein Geschäft geworden. Was empfinden Sie, wenn Sie zum Beispiel von Ablösesummen und Gehältern im dreistelligen Millionenbereich hören? Seeler: Da sind die Relationen verloren gegangen. Wenn man gierig wird, läuft man gegen die Wand. Das haben wir gerade beim Finanzcrash gesehen. Und was sagen Sie zum Thema Nachwuchs? Sind schon die Nachwuchskicker nur auf Geld aus oder haben die noch echten Sportsgeist? Seeler: Die haben schon noch echten Sportsgeist. Ich sage den jungen Leuten immer, dass sie erst eine gute Schulbildung und Ausbildung anstreben sollen. Mit welchem Gehalt haben Sie damals beim HSV angefangen? Seeler: Erst bekam ich 320 DM Aufwandsentschädigung und dann mit Beginn der Bundesliga – und mit Genehmigung des DFB – 1250 DM brutto. Herr Brandt: Findet man Sie auch ab und zu im Stadion des HSV? Brandt: Ja, ab und zu. Und wo? Stehplatz oder VIP-Lounge? Brandt: Weder noch, ich nehme ein ganz normales Sitzplatzticket. Und ich bevorzuge auch die Bratwurst und nicht das Büffet. Herr Brandt, wie sieht das bei Ihnen aus? Sie haben einen recht stressigen Job – können Sie sich Ihrer Familie ausreichend widmen? Gelingt Ihnen überhaupt der Trennungsstrich zwischen Beruf und Privatem? Brandt: Ja, das gelingt mir gut und ich achte auch sehr darauf, um wirklich abschalten zu können. Damit ich nicht Dinge, die mich im Beruf beschäftigen, mit ins Privatleben schleppe und eventuell sogar an der Familie abarbeite. Also, wenn ich mein Haus betrete, bleibt der Beruf meistens draußen. Andernfalls hätte ich nicht die Chance aufzutanken. Diese Fähigkeit muss man natürlich trainieren. Umgekehrt habe ich auch am Arbeitsplatz meinen Privatbereich weggeschaltet. Herr Brandt, Sie haben viele Berufe ausgeübt, bevor Sie zur Logistik kamen. Als Koch und Minentaucher haben Sie Ihr erstes Geld verdient. Wie bewerten Sie heute Lebensläufe mit Brüchen von jungen Absolventen, die sich bei Ihnen bewerben? Brandt: Die finde ich nicht nur wegen meiner eigenen Vergangenheit positiv. Ich glaube, dass unterschiedliche Lebenserfahrungen aus unterschiedlichen Zusammenhängen nutzen, um sich auch in Führungspositionen auf verschiedene Menschen einstellen und deren Sichtweisen besser verstehen zu können. Treiben Sie auch Sport? Brandt: Ich gehe ins Fitness-Studio, ich jogge und ich spiele Tennis. Was würden Sie sportpolitisch in Hamburg durchsetzen, wenn Sie könnten? Brandt: Dafür sorgen, dass Hamburg wieder in die Erste Liga des Tennis aufsteigt, also die Top Ten der ATP-Turniere. Der Rothenbaum muss wieder aufgewertet werden. Welchen Hamburger Sportler bewundern Sie und warum? Brandt: Es ist mir fast peinlich, aber ein anderer als Uwe Seeler fällt mir dazu nicht ein. Weil er immer geradlinig für den Fußball und seinen Verein unterwegs war. Herr Brandt, Herr Seeler, die neue Hafencity ist ja sicher ein Gewinn für die Stadt. Nur stehen zahlreiche Büros leer. Das Bezirksamt Mitte will jetzt die Lücken füllen – und hohe Mieten zahlen. Was halten Sie von der Idee? Brandt: Ein weiteres Beispiel: Staat ersetzt Markt. Ich halte die Idee nicht für gut. Seeler: Die Hafencity finde ich toll. Aber die Idee der Verwaltung nicht. Da sollte man besser planen. Wenn Sie beruflich in Hamburg noch mal ganz von vorn anfangen müssten – was würden Sie machen? Brandt: Ich würde in die Meeresforschung gehen, das ist ein Jugendtraum. Seeler: Als ich jung war, wollte ich Schiffsmakler werden. Leider habe ich keine Lehrstelle gefunden. Das würde ich dann noch einmal versuchen. Vervollständigen Sie zum Abschluss bitte diesen Satz für uns: Hamburg ohne Hafen und Elbe ist … Brandt: … wie Fisch ohne Wasser. Seeler: … nur die Hälfte wert.



Eigentlich klingen die Nachrichten aus New York ja vielversprechend. Die Stadt erhole sich langsam von der Krise, Anfang 2010 sei die Arbeitslosenquote erstmals wieder gesunken. Offiziell ist zarte Hoffnung angesagt. Doch das Independent Budget Office schätzte im Mai 2009, dass die Finanzbranche 56.800 Jobs verlieren wird – und zwar bis ins Jahr 2012 hinein. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, die meisten Finanzunternehmen würden derzeit eher Praktikanten als Trainees einstellen, und aus ausländischen Niederlassungen würde niemand mehr nach New York geschickt. Wenn überhaupt, hätten Superprofis mit langer Berufserfahrung eine Chance.
“Der Arbeitsmarkt in New York ist konkurrenzbetonter geworden“, sagt auch Georg Albes, Direktor beim auf die Finanzbranche spezialisierten Personaldienstleistungsunternehmen Robert Half International. Um sich in einem derart hart umkämpften Gebiet zu behaupten, muss man zunächst einmal herausfinden, welches Spezialwissen gefragt ist: „Gesucht wird für Investment und Product Accounting, Risikomanagement, Compliance, Analystenstellen und Research-Positionen für Berufseinsteiger“, verrät Georg Albes. Wer sich schon während des Studiums einen Praktikumsplatz in New York sichert, kommt leichter an solche Informationen – und schiebt am besten direkt noch US-spezifische Weiterbildungen ein. Schließlich punkten Bewerber auf dem Finanzplatz New York nicht nur mit dem MBA, sondern, so Georg Albes, auch mit Zertifikaten wie Certified Financial Planner, Chartered Financial Analyst und speziellen Lizenzen.
Bei der Jobsuche in New York sollte man zudem seinen Blickwinkel vergrößern: Investment Banking beispielsweise kann durchaus auch im Gesundheitssektor gefragt sein – oder in einer Anwaltskanzlei, die sich auf Investmentgeschäfte spezialisiert hat. Zwar stellt Georg Albes fest: „Die Unternehmen mussten sich sehr verkleinern und viele Stellen abbauen, aber während der Markt sich erholt, müssen die Unternehmen wieder einen wachsenden Umfang ihrer Geschäfte bewältigen. Sie beginnen, Personal einzustellen. Es gibt wertvolle Jobchancen in Institutionen aller Größen und Arten.“ Aber davon haben zuerst einmal die Amerikaner etwas. Von deutschen Bewerbern erwarten potenzielle New Yorker Arbeitgeber eine Arbeitserlaubnis. Man sollte also nicht nur Finanzexperte sein, sondern sich auch bestens mit den Visumbestimmungen auskennen. Zudem: Mehrfach betont Georg Albes „strong communication skills“ als Voraussetzung: Deutsche brauchen hervorragende Fremdsprachenkenntnisse.
Die Energiebranche ist mitten im Umbruch. Ihre Strukturen werden sich in den nächsten Jahren nicht unerheblich verändern. Vor diesem Hintergrund stellt sich umso mehr die Frage für Hochschulabsolventen oder Quereinsteiger: “Lohnt sich hier ein Engagement bzw. kann man dort noch Karriere machen?” Die Restrukturierungen und Sparmaßnahmen der großen Energiekonzerne, voran der Ölmultis, die in der nächsten Zeit erheblich am Personal einsparen wollen und Bereiche ins Ausland verlagern, laden nicht zwangsläufig ein, sein Heil in diesen Unternehmen zu suchen. Auch Programme wie “Perform-to-win” tragen nicht dazu bei, derzeit Karrieristen den Weg in diese Branche aufzuzeigen. Aber wie in der Vergangenheit ist davon auszugehen, dass es im Großen und Ganzen auch wieder gute Perspektiven in der Energiebranche geben wird, unabhängig davon, dass sich dieser Wirtschaftszweig immer noch durch attraktive gehaltliche Anreize auszeichnet. Also lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen!
Was zeichnet die Spezialisten und Manager dieser Branche besonders aus? Was sollte man aus Karrieregründen beachten und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, um hier Fuß fassen zu können?
Für Hochschulabgänger gilt: Ein sehr gutes Examen oder Diplom, eine Ausbildung als Ingenieur, Wirtschaftswissenschaftler, Jurist oder Wirtschaftsingenieur und ein zusätzlich (im Ausland) absolviertes MBA-Studium gepaart mit Auslandserfahrung. Dies alles können viele der jetzigen (Top-)Manager in der Energiebranche vorweisen. Die Gilde der Juristen hat übrigens in den letzten Jahren mit Vehemenz Einzug in die Topetagen gehalten. Dies spricht für die enge Verzahnung von Wirtschaft und Politik mit deren Rechtsverordnungen. Daneben stehen auch die Ingenieure hoch im Kurs, dann erst gefolgt von Betriebs- und Volkswirten. Genau umgekehrt war es noch vor 10 bis 15 Jahren, als die Wirtschaftswissenschaftler den Ton angegeben haben. In dem laufenden Verdrängungswettbewerb sind anscheinend Juristen und Ingenieure mehr gefragt, als die auf Vertrieb und Controlling geschulten Kaufleute. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.
Die andere Seite sind die erforderlichen Charaktereigenschaften und Sprachkenntnisse. Mehrsprachig muss sein, zumindest zweisprachig fließend, noch besser dreisprachig, wobei neben flüssigem Englisch Spanisch und Russisch immer wichtiger werden. Dies hängt mit der starken Internationalisierung zusammen und damit, dass die Osteuropäer europaweit immer präsenter im Energiebereich werden.
Welche Charaktereigenschaften spielen eine Rolle?
Allen voran sicherlich Fleiß, Ehrgeiz, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und Mobilität, Einsatzfreude sowie eine multikulturelle Einstellung (siehe oben).
Dies hört sich im Moment etwas viel an und dürfte am Anfang der Karriere nicht voll umfänglich vorhanden sein, aber wird und muss sich im Laufe der Zeit entwickeln. Man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben.
Man sollte darauf achten, wo bzw. auf welchen Universitäten man studiert. Auch hier gibt es große Unterschiede. Nach wie vor stehen bei den Wirtschaftswissenschaftlern Universitäten wie Mannheim, Köln und Münster hoch im Kurs, die anderen holen aber mit großen Schritten auf. Leipzig will z.B. demnächst einen Lehrstuhl für Energie einrichten, um sich von den anderen Universitäten abzusetzen. Bei den (Wirtschafts-)Ingenieuren stehen nach wie vor Darmstadt, Karlsruhe und Aachen ganz vorne. Auslandsstudien an einer der Elite Universitäten (Harvard, Stanford etc.) runden eine exzellente Ausbildung ab.
Viele Leser sagen nun, diese Ausbildung brauchen wir letztendlich auch für andere Branchen. Man muss aber auch wissen, dass jeder Wirtschaftszweig seine eigene Gesetzmäßigkeiten hat, die erst später im Beruf zum Tragen kommt. Die Energiebranche hat den Anspruch, nur die Besten zu nehmen und siebt demnach auch in den ersten Berufsjahren erheblich aus.
Der Einstieg sollte als Referent oder Trainee sein und zwar mit einer breit angelegten Rotation. Beim Öl könnte das sein: Supply, Trading, Controlling, Finanz- und Rechnungswesen, vielleicht auch Personal. Dies gilt übrigens nicht nur für die Kaufleute, sondern ebenso für die Ingenieure und Juristen, wobei bei Letzteren die Tätigkeit in der juristischen Abteilung dazu kommt und bei den Ingenieuren z.B. die Raffinerieerfahrung. Dieser Einstieg wurde übrigens in der Ölindustrie systematisch so betrieben. Nur so konnte man auf ein breit angelegtes Wissen im Management zurück greifen und junge Nachwuchsmanager beliebig einsetzen. Dazu kamen regelmäßige Auslandseinsätze, um die Internationalität zu fördern. Ein ganz wichtiger Bestandteil einer guten Einarbeitungsphase. Die Besten empfehlen sich dann für Positionen im oberen bzw. obersten Management. Eher selten wird in dieser Branche der Einstieg als Assistent des Vorstands oder der Geschäftsführung angeboten. Dies ist und war wohl eher die Ausnahme.
Wie sollte dann ein Karriereweg in der Energiebranche aussehen?
Den Einstieg haben wir soeben beschrieben. Nach ca. 2 bis 3 Jahren sollte der nächste Karriereschritt erfolgen. Entweder intern oder sonst auch extern. Nach weiteren 3 bis 5 Jahren sollte man die Stufen des “Abteilungsleiters” erklommen haben. Ab dann spielen noch andere “Begleiterscheinungen”, wie Netzwerke und Beziehungen, eine Rolle. Denn hier muss man sich nichts vormachen, ganz ohne dem geht es nicht!
Viele der (Top-)Manager haben einen Mentor gehabt, der sie gefördert hat. Dies ist auch so lange nichts Verwerfliches, soweit bei den Geförderten auch die entsprechenden Begabungen zuzüglich Fleiß und Einsatz gegeben sind. Leider gibt es aber auch eine Reihe von Beförderungen nach dem Peterchen-Prinzip oder ausschließlich über Vitamin B (Beziehungen). Dies hat schon manches Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht, übrigens auch Familienunternehmen. Bei Letzteren heißt das Sprichwort basierend auf Erfahrungswerte: “Nur jeder zehnte Familiennachfolger ist geeignet, das elterliche Unternehmen erfolgreich weiterzuführen”.
Last but not least gehört es zu einer erfolgreichen Karriere zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein. Ob nun gerade der akut suchende Headhunter zur Stelle ist oder die Gesellschaft – bedingt durch das Ausscheiden eines Vorstands – Handlungsbedarf hat: Man muss gerade “available” sein. Auf diese Situation kann man nicht oder nur begrenzt hinarbeiten; sie ist einfach da oder nicht. Aber nachweislich haben relativ viele attraktive Besetzungen durch diesen “Zufallsgenerator” stattgefunden.
Die guten Topmanager leugnen dies auch nicht. Es handelt sich dabei übrigens sowohl um interne als auch um externe Neubesetzungen. Alles in allem muss man trotz der Eingangsbemerkungen über die Personalsituation in der Energiebranche sagen: Es lohnt sich immer noch, seine Karriere dort zu beginnen bzw. fortzusetzen. Sowohl die Nachfolgeprobleme, z.B. im Kraftwerksbereich, im Vertrieb/Key Account Management aber auch im kaufmännischen Bereich, bieten gute bis sehr gute Karrieremöglichkeiten für engagierte Mitarbeiter. Hinzu kommt: Die Branche ist überaltert, woraus sich wiederum Karrierechancen ergeben.
Zudem erleben wir sowohl bei den Großunternehmen als auch beim Mittelstand Restrukturierungen, die neu ausgerichtete bzw. ausgebildete Manager erforderlich machen und sich damit neue Berufsgruppen entwickeln. Wer hat vor Jahren über Beteiligungsmanager, Business Developer oder Portfoliomanager gesprochen? Die Welt dreht sich, die Welt bewegt sich! Auch das Outsourcing erfordert bei den outgesourcten Gesellschaften einen anderen Typus von Führungskräften und Mitarbeitern. Dies wird zu einem weiteren Bedarf an Spezialisten führen. Gar nicht daran zu denken, wenn der Kraftwerksbau doch einmal wieder zulegen wird. Hier fehlt eine ganze Generation von Kraftwerksmanagern! Schließlich sollten wir nicht den Personalbedarf bei den Unternehmen, die im Bereich Regenerative Energien tätig sind, vergessen. Hier benötigen wir über kurz oder lang mehr als 1.000 Führungskräfte und Spezialisten. Das nächste Jahrzehnt wird in der Energiebranche viele neue Herausforderungen bringen. Für deren Bewältigung benötigt man nicht nur Kapital, sondern gut ausgebildetes Personal. D.h. die Energiebranche wird auch zukünftig ein attraktiver, mit guten Perspektiven ausgestatteter Arbeitgeber bleiben, selbst wenn sich die Vorzeichen verändern werden!
Beginnen wir mit einem Zitat von Martin Luther: „Der Jurist, der nicht mehr ist als ein Jurist, ist ein arm Ding.“ Also, alles klarmachen zum Aufbruch – zumal es viel zu erreichen gibt außerhalb der Gerichtsmauern. Aber Vorsicht, bitte nichts überstürzen! Sonst endet man wie Lionel Hutz, einer Figur aus der Comicwelt der „Simpsons“, die sich neben ihrer desolaten Arbeit als Rechtsanwalt auch als Immobilienmakler, Babysitter oder Schuster versucht – und regelmäßig vor die Wand brettert. Gehen wir also strategisch vor: Was kann ein Jurist, was andere nicht können? Richtig, Plädoyers halten. Also: Glaubhaft argumentieren, ohne notwendigerweise an das Gesagte zu glauben. Mancherorts wird diese rhetorische Kunst mit der Lügerei gleichgesetzt, aber das ist nur der Neid der Normalsterblichen, die bei jeder Flunkerei eine rote Rübe bekommen. Ein Plädoyer ist keine Lüge, sondern die Interpretation einer Sachlage im Sinne einer Zielverfolgung. Oder volkstümlich gesagt: Man biegt sich eine Sache so lange zurecht, bis man zu Potte kommt.
Und schon sind wir in der Politik. Dort, wo man das Biegen und Brechen einer Sache „Reform“ nennt und der Pott, zu dem man kommen möchte, die Wählerstimme ist. Wer Wahrhaftiges über den Politikberuf erfahren möchte, sollte Max Weber lesen. Ein brillanter Denker, natürlich Jurist und Ende des 19. Jahrhunderts Vater der deutschen Soziologie. In einer Rede über den „Beruf des Politikers“ sagte er: „Die Bedeutung der Advokaten in der okzidentalen Politik seit dem Aufkommen der Parteien ist nichts Zufälliges. Der politische Betrieb durch Parteien bedeutet eben: Interessentenbetrieb. (…) Und eine Sache für Interessenten wirkungsvoll zu führen, ist das Handwerk des geschulten Advokaten.“ Kein Zufall also, dass der Bundestag fast zu einem Viertel aus Juristen zusammengesetzt ist. Dass Genscher und Schröder zugelassene Anwälte sind. Barack Obama, Hillary und Bill Clinton. Aber, nun ja, Silvio Berlusconi und George W. Bush eben nicht. Fragt sich nur, wen Max Weber meinte, als er von den „Interessenten“ sprach. „Das Volk!“, sagt der Politiker. „Die Lobbyisten“, murmelt der kritische Geist. Vorschlag zur Güte: Das wechselt, je nach Wahl-Kalender.
Betrachtet ein Vertreter des Mittelstands – ein Bäcker oder Schuster – den Lebenslauf eines erfolgreichen Polit-Juristen, wird er stutzen. Nehmen wir Westerwelle: Abitur 1980, 1987 das Erste, 1991 das Zweite Staatsexamen und Zulassung zum Anwalt. 1994 Promotion zum Dr. jur. – und im gleichen Jahr Wahl zum Generalsekretär der FDP, deren Bundesvorsitzender er seit 2001 ist. Unser Bäcker hat es neben seinem Tagewerk gerade mal zum Kassenwart des Kegelclubs gebracht – aber auch nur, weil es sonst keiner machen wollte. Für andere Engagements hat er keine Zeit. Er muss Brötchen backen, denn bliebe der teure neue Ofen kalt, in den er investieren musste, wäre sein Laden schnell pleite. Während der Volksmund auch dem Schuster nahelegt, bei seinem Leisten zu bleiben, ist der Jurist wie geschaffen für den Aufbruch in die Welt der Politik: Ers – tens ist er in seiner Kanzlei abkömmlich, weil dort eben kein neuer Ofen steht, der abbezahlt werden muss. Zweitens ist er durch sein Studium so sehr mit allen rhetorischen Winkelzügen vertraut, dass er nicht in Gefahr schwebt, plötzlich als der dumme August dazustehen.
Wichtig ist: Nicht zu spät zum Sprung ansetzen! Wer sich bereits als Rechtswissenschaftler profiliert hat und sich dann in die Politik einmischt (vielleicht sogar noch mit einer wirklich guten Idee), bekommt Saures – wovon der Jurist und Kurzzeit-CDU Schattenminister Paul Kirchhof ein Lied singen kann. Kaum hatte der sich erdreistet, eine erstaunliche Steuerreform vorzuschlagen, die das System nicht nur vereinfachen sollte sondern sich auch zu rechnen schien, kanzelte ihn der ehemalige Berufskollege Gerhard Schröder als den „wunderbaren Professor aus Heidelberg“ ab – was dann doch nicht mehr ist als eine moderne Version des dummen August.
