Sportliche Karrieren

Sportlicher als bei den großen Automobilherstellern geht es bei den ihnen nahe stehenden Performance- oder Veredelungsunternehmen zu. Über das Tuning ist man dort inzwischen längst hinaus. Viele Unternehmen entwickeln meist ihre eigenen kleinen Serien. Eine attraktive Alternative für diejenigen, die breit gefächerte Aufgabengebiete, eine übersichtliche Unternehmensstruktur und die insgesamt schnellere Variante bevorzugen.

Die Faszinationen und Ambitionen lagen für Alexander Lode schon immer im Automobil und dem Motorsport. Naheliegend also, dass er sein Hobby zum Beruf machte. „Als stadtansässiger und exklusiver Volvo-Tuner war mir Heico Sportiv natürlich ein Begriff“, erzählt der 27-Jährige, der inzwischen in dem Weiterstädter Unternehmen als Produktentwickler im Bereich In- und Exterieur arbeitet. Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, anschließender Arbeit als Rennmechaniker und einem abgeschlossenen Technikstudium bewarb er sich schließlich bei Heico: „Zum Anfang wäre für mich auch eine Arbeit bei einem Hersteller in Frage gekommen, doch die vielfältigeren Aufgabenbereiche in einem kleineren Unternehmen reizten mich schon damals mehr.“ Er wollte nicht zum reinen Fachmann für nur einen kleinen Fertigungsbereich werden. Seiner Meinung nach ist ein kleines Unternehmen zudem dynamischer und wendiger, bietet ihm ein Umfeld, in dem er noch etwas bewegen kann. Und hat noch einen weiteren entscheidenden, wenn auch einen ganz persönlichen, Vorteil. „Ich habe das Glück, sogar meinen Labrador mit zur Arbeit nehmen zu können. Das wäre bei einem großen Unternehmen niemals möglich gewesen“, freut sich Lode.Nach Angaben des Verbands Deutscher Automobiltuner in Hiltmannsdorf sind in Deutschland etwa 1000 Unternehmen im Bereich Tuning aktiv, „bekannt sind aber nur 250“, sagt Hans-Jörg Köninger, geschäftsführender Vorstand des Vereins. Etwa 100 von ihnen stellen auch Ingenieure ein. Insgesamt beschäftigt die Branche 30.000 Mitarbeiter. Um den Einstieg zu finden, braucht man nach Ansicht des Branchenvertreters Kreativität, Autoverrücktheit und die Fähigkeit, sich auf flexible Arbeitsweisen einzurichten.

Vorteile der Unternehmen:
  • breite Aufgabenpalette
  • die Möglichkeit, das Unternehmen und das Automobil aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln kennenzulernen
  • schnelle Übernahme von Verantwortung
  • übersichtliche Unternehmensstrukturen, zum Teil familiäre Arbeitsatmosphäre

Bei Mercedes-AMG, einer 100-prozentigen Daimlertochter in Affalterbach bei Stuttgart, hört man den Begriff Tuning überhaupt nicht gerne. „Wir sind die Performance-Marke innerhalb der Mercedes-Benz-Cars, die sämtliche automobile Funktionen eigenständig verantwortet“, sagt Miriam Fischer, Sachbearbeiterin Personalmarketing des einst aus dem Rennsport kommenden Unternehmens. Ausschließlich Fachkräfte, darunter viele Fachhochschul- und Universitätsabsolventen werden von AMG angestellt. Ingenieure haben dabei gute Chancen, vor allem wenn sie aus den Bereichen Gesamtfahrzeug- und Motorentwicklung kommen. Aber auch Maschinenbauer, Informatiker und Fahrzeugtechniker sind gefragt. Denn der Bedarf an qualifiziertem Personal ist da. Dies zeigt sich schon alleine an der Personalentwicklung des Unternehmens. „In den letzten acht Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl auf 800 verdoppelt“, so Miriam Fischer. Auch 2008 will Daimler 450 Ingenieure in Deutschland einstellen. Einige von ihnen werden bestimmt den Weg zu AMG finden, wenn sie auch von der Persönlichkeit zum Unternehmen und in eines der jungen Teams passen. Denn der Altersdurchschnitt im Unternehmen liegt gerade mal bei 37 Jahren. Gefordert werden von Bewerbern neben der fachlichen Qualifikation Produktbegeisterung, analytische Fähigkeiten und Kreativität. Und nicht zu vergessen: der Wunsch nach einer hohen Identifikation mit dem Produkt.

Bereits im September 2006 fand diesen Weg Maxime Hetzel. Alleine wegen seiner Faszination für deutsche Autos ist der in Frankreich Geborene vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen und hat sich hier seinen ganz persönlichen Traum erfüllt. Nach einem Maschinenbaustudium in Paris schob er gleich noch einen Master of Science an der Hochschule Esslingen nach, schaffte es in die internationale Nachwuchsgruppe von Daimler und arbeitet heute in der Motorenmanufaktur von AMG. „Wir sind bei der AMG klein und kompakt aufgestellt, mit einem breiten Verantwortungsbereich“, sagt der 27-Jährige. Die Firmenphilosophie „One Man, one Engine“ komme ihm sehr entgegen. Dies bedeutet, dass ein Motorenbauer seinen Motor von Anfang bis zum Ende selbstständig aufbaut und durch das Aufbringen seiner Namensplakette kennzeichnet. Zusammen mit einem Praktikanten bearbeitet Hetzel die Montageplanung, die Serienbetreuung, und die Prozessoptmierung von einer kompletten Motorenmontagelinie.

Anforderungen an Bewerber:
  • Flexibilität
  • Vielseitigkeit
  • ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit
  • Fähigkeit, sich schnell auch in unbekannte Themen einarbeiten und sie erfassen zu können
  • Liebe zum Automobil
  • die Bereitschaft, schnell Verantwortung zu übernehmen
  • Identifikation mit der Marke und der Arbeit
  • je nach Größe des Unternehmens auch eine praktische Ausbildung und Berufserfahrung

Während bei AMG ganz klar der Mercedes im Mittelpunkt sämtlicher Arbeiten steht, hat Irmscher als Industriedienstleister im schwäbischen Remshalden keine feste Markenbindung. Gewachsen aus einer engen Verbindung mit Opel, fokussiert sich das Unternehmen zwar momentan auf die Marken Opel und Peugeot, steht mit seinen angebotenen Dienstleistungen aber allen Fahrzeugproduzenten offen. „Wir können am Fahrzeug, je nach Kundenwunsch, alle gewünschten Umbauten vornehmen. Von Karosserieänderungen, geänderten Anbauteilen bis hin zu Interieurveredelungen ist alles möglich“ sagt Jan Konietzny, Entwicklungsleiter und Personalkoordinator Technik. „Dabei verstehen wir uns nicht als Tuningschmiede, sondern als Individualisierer und Veredeler auf einem immer nischenbezogeneren Markt für Automobile“, erklärt Konietzny weiter. Die realisierten Entwicklungen fließen dabei weniger in die Entwicklung von Einzelstücken. Vielmehr ist man bei Irmscher in der Serienfertigung von klein- bis mittelgroßen Serien aktiv. Bei all den Aufgaben, sind die Tätigkeitsschwerpunkte des einzelnen Mitarbeiters breit gefächert. „Durch die großen Unterschiede in den einzelnen Aufträgen legen wir bei den Mitarbeitern Wert auf übergreifende Kenntnisse aus mehreren Fachgebieten“, so Konietzny. Flexibilität in der Arbeitsweise, die Bereitschaft auch mehrere Bereiche zu bearbeiten, eine ausgeprägte und unabdingbare Kommunikationsbereitschaft sowie Begeisterung für Automobile sind für Bewerber zwingende Voraussetzungen.

Lars Stein, Maschinenbautechniker bei Irmscher, erzählt von in Spitzenzeiten 26 parallel laufenden Projekten: „Da ist ein breites Spektrum garantiert. Ich arbeite mit externen Dienstleistern zusammen und bin vom Design bis zu den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen und der Serienreife Schritt für Schritt an der Produktentstehung beteiligt.“ Dabei steht neben der technischen Herausforderung hinter jedem Projekt auch die unabdingbare Budgetkontrolle bei der Entwicklung und Machbarkeitsanalyse. Positiv bewertet Stein zudem die kurzen Wege und flachen Hierarchien: „Wir unterstützen uns gegenseitig und tätigkeitsübergreifend, wo wir nur können.“

Noch kuschliger geht es bei, dem VW-Konzern nahe stehenden, Oettinger Performance im hessischen Friedrichdorf zu. Mit insgesamt 22 Mitarbeitern hat man sich auf die Marken Audi, Volkswagen, Seat und Skoda spezialisiert. Das Angebot ist nicht ganz so weit gefasst, beinhaltet aber leistungsgesteigerte Motoren, Aerodynamik-Kits, Leichtmetallfelgen, Fahrwerke und Auspuffanlagen bis hin zu aufwendigen Interieurlösungen. „Arbeiten an der Karosserie dagegen geben wir nach außen“, erklärt Willi Christian, Werkstattleiter des kleinen Unternehmens, in dem momentan drei Ingenieure arbeiten. Von den Bewerbern wünscht sich Christian neben dem Studienschwerpunkt Motorentwicklung auch eine praktische Ausbildung, wenn möglich sogar einige Jahre Berufserfahrung. „Die Anforderungen in diesem Segment sind doch stark gestiegen, auch von der gesetzlichen Heransgehensweise an Modifizierungen in diesem Bereich“, so der Fachmann. Außerdem sollte auch hier nicht die Liebe zum Detail und die Identifikation mit den Autos und der Arbeit fehlen. Ein Wunsch, der eine Grundvoraussetzung für die Arbeit in der gesamten Branche ist.

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