Das aufwendig gestaltete Buch präsentiert die Gewinner des Annual Multimedia Wettbewerbs 2017. Der unabhängige Award stellt seit 21 Jahren heraus, wer und was das Werbejahr geprägt hat und wohin sich die Branche bewegt.
Neben den 119 mit Gold und Silber prämierten Arbeiten der Agenturen und Unternehmen zeichnete eine Expertenjury sechs Einreichungen von Studierenden aus – die Digital Talents. Zusammen dokumentieren die ausgezeichneten Projekte den State of the Art, sie markieren die Trends in Technik und Design und weisen in die Zukunft digitaler Markenkommunikation.
Kreativdirektoren, Onlinewerbern, Unternehmen und dem Gestalternachwuchs liefert das Jahrbuch einen umfassenden Überblick über die digitale Kreativszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In ausführlichen Porträts werden renommierte Agenturen vorgestellt.
Fünf exklusive Artikel kommentieren aktuelle Themen: Publizist Joachim Graf legt dar, warum die digitale Transformation nur mit agilen Organisationsstrukturen gelingen kann. Die Zukunft der Arbeit und den Kulturwandel in Unternehmen nimmt Trendforscher Oliver Perzborn in den Blick, während Blogger Peter Glaser beschreibt, wohin uns Virtual Reality führen kann. Neuerungen im Informationsrecht und die Auswirkungen auf Direktmarketing erläutert Prof. Dr. Thomas Hoeren. Der kreative Beitrag widmet sich dem „Pixel Sorting“ als Kunst.
Michael-A. Konitzer (Hg.): Annual Multimedia 2017, 368 Seiten, vierfarbig, gebunden, Großformat mit Leseband, WALHALLA Metropolitan, Berlin/Regensburg, 2016, ISBN 978-3-8029-0417-2, 79,- Euro
Er ist Spezialist für Beruf, Karriere, Arbeitswelt und ein Pionier im Personalmarketing: Mit 30 Jahren ist der karriereführer nun selbst im Young-Professional-Alter angekommen. Seit 1987 versorgt das Jobmagazin Hochschulabsolventen mit Informationen zum Berufseinstieg.
Gegründet als klassischer Ratgeber versteht er sich heute für seine Leser als Chronist, Trendscanner, Coach und Kurator. Für seine Kunden ist er Enabler und bietet Medienkanäle, um Nachwuchskräfte mit Employer-Branding- und Hochschulmarketing-Kampagnen anzusprechen.
Im Jubiläumsjahr 2017 sind die Scheinwerfer auf den Megatrend Digitalisierung und die Roboconomy gerichtet. Der neue Titel „karriereführer Digital“ spricht eigens junge Visionäre, Innovatoren, Neuland-Entdecker sowie Start-Upper an, die sich mit Konzern-Netzwerken verbinden wollen. Im etablierten MINT-Portfolio sowie im Business-Programm für Management und Recht wird der Blick auf die Treiber von Innovationen gelenkt. Stärker in den Fokus rückt das Thema „Diversity“, und im 7. Jahrgang erscheint der „karriereführer Frauen in Führungspositionen“.
Angehenden Medizinern wird die neue crossmediale Ausgabe „karriereführer Ärzte“ gewidmet, die sich der Human- und Hightech-Medizin sowie der multidisziplinären E-Health verschreibt. Der Kulturwandel der Arbeitswelt erhält weiterhin Aufmerksamkeit ebenso wie #Trends und #Updates. Und: Im documenta-Jahr 2017 inspiriert der karriereführer zur Horizonterweiterung und geht u.a. der Frage nach, welche Bedeutung der Kunst innerhalb unserer ökonomisch dominierten Welt zukommt.
Zeitmaschine
1987 wird der karriereführer geboren. Ein Brückenschlag von der Hochschule in die Wirtschaft verhilft ihm unter dem Gründer Dietrich Schirmer zum Start. Herausgeber ist Dr. Georg von Landsberg, Professor u.a. für Informatik an der FH Köln, verlegerischer Berater der Kölner Verleger Michael Wienand. Zum wissenschaftlichen Beirat gehört Dr. Elmar Mayer, Professor für Rechnungswesen/Controlling. Die ersten Ausgaben erscheinen 1987 im Handbuchformat als Informationsmarkt für Absolventen. Von jeher hat der karriereführer seinen Sitz nah an der Zielgruppe im Kölner Universitätsviertel.
1993 erscheint erstmals der „karriereführer Special Bauingenieure“. In den Folgejahren werden weitere Branchen-Specials publiziert, die bundesweit an Hochschulen kostenfrei verteilt werden.
1995 springt der karriereführer ins Internet und entwickelt das Karriereportal karrieref.walhalla0299.nbsp.de.
2000 erfolgt der Ausbau zum hochspezialisierten Anbieter für Fachzielgruppen. Fortan gibt es Medien für Management, Recht und MINT.
2003 wird der karriereführer in die Medien Union Ludwigshafen integriert.
2005 folgen Schritte in Richtung Crossmedialität: das Karriereportal wird gestärkt, E-Paper erscheinen. Nach und nach wird das Titelportfolio erweitert um Medien, die den Blick auf internationale Märkte richten, wie z.B. den „karriereführer China“.
2010 ergänzen kostenfreie Apps und die Präsenz in den Social-Media den Online-
Auftritt und es erfolgt die Einbindung von Arbeitgeber-Videos in den Content. Dem Kulturwandel der Arbeitswelt begegnet der karriereführer, indem er sein Titel- und Themenspektrum erneut erweitert, z.B. um Green-Tech, CSR, Diversity, Frauen in Führung, Work-Life-Balance, Coaching u.v.m.
2014 wird die Webseite karrierefuehrer.de für eine zunehmend mobile Zielgruppe auf responsives Design umgestellt.
2017 wird der karriereführer 30 Jahre jung. Mehr denn je ist es das Ziel, die Transformation der Arbeitswelt medial zu begleiten und alle Premium-Inhalte analog und digital auf allen Kanälen optimal anzubieten.
Weitere Informationen und Mediadaten für 2017 finden Sie unter diesem Link: https://www.karrierefuehrer.de/karrierefuehrer-mediadaten-crossmedial
Nutzen Sie unsere Medien und kommunizieren Sie Ihre Botschaften an Hochschulabsolventen! Wir beraten Sie gerne und erstellen Ihnen individuelle Crossmedia-Angebote.
Sie arbeiten fleißig und zuverlässig, erzielen gute Ergebnisse, die Vorgesetzten sind zufrieden – aber befördert werden trotzdem nicht Sie, sondern Ihr Kollege? Leistung ist eben nicht alles. Für den Erfolg ist gekonntes Selbstmarketing gefragt. Also Schluss mit der falschen Bescheidenheit! Machen Sie in angemessener Weise auf Ihre Leistung und sich aufmerksam. Knüpfen Sie Kontakte zu Personen, die Sie fördern und empfehlen! Worauf es dabei zu achten gilt, weiß Dr. Gudrun Fey, die „Grande Dame der Rhetorik“. In ihrem Gastartikel gibt sie Berufseinsteigern hilfreiche Tipps.
Zur Person
Gudrun Fey, Foto: Karin Schmidtke
Dr. Gudrun Fey hat in Hamburg eine Schauspielausbildung absolviert und in Stuttgart Philosophie, Linguistik und Betriebswirtschaft studiert. In ihrer Promotion untersuchte sie das ethische Dilemma der Rhetorik in der Antike und der Neuzeit. 1997 hat sie ihr eigenes Unternehmen study & train gegründet. Als Rede- und Mediencoach berät die „Grande Dame der Rhetorik“ führende Persönlichkeiten, außerdem ist sie Autorin mehrerer Bücher zum Thema Rhetorik.
Jeder Mensch möchte geachtet und respektiert werden, das versteht sich von selbst. Doch das ist gar nicht so einfach. Wenn ich nicht weiß, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten ein anderer verfügt, wie soll ich ihn entsprechend loben oder wertschätzen? Sehe ich einer Person an, ob sie über perfekte Spanischkenntnisse verfügt oder einen exzellenten Studienabschluss erreicht hat? Nein! Deshalb ist es wichtig, anderen Menschen zu zeigen, was man selbst kann oder weiß. Allerdings spricht nicht jeder gerne über seine persönlichen Leistungen und Erfolge. Aber sich darüber zu ärgern, dass andere das oft besser hinbekommen, bringt einen auch nicht weiter.
Selbstmarketing ist Ihnen unangenehm? Dann ist es wichtig, herauszufinden, was Sie daran stört. Oft sind es dumme Sprüche,, die einem in den Sinn kommen, wie „Eigenlob stinkt!“ oder „Diese Selbstdarsteller find ich widerlich!“ oder „So etwas ist mir peinlich!“.. Ist dieses Hindernis erkannt, kommt es darauf an, zu akzeptieren, dass Selbstmarketing grundsätzlich notwendig ist. Priorität hat also erst einmal, Möglichkeiten des Selbstmarketing zu finden, bei denen Sie sich wohlfühlen.
Während der Schulzeit und des Studiums bringen gute Leistungen entsprechend gute Noten ein. Im Berufsleben hingegen spielen Zeugnisnoten nur bei Bewerbungen auf eine Stelle eine Rolle. Im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, einen kompetenten und motivierten Eindruck zu machen – denn die fachliche Eignung steht bereits fest. Doch wie verwandelt man „negative“ Fakten im Lebenslauf so, dass sie positiv wirken? Haben Sie vor dem BWL-Studium eventuell ein anderes Studium abgebrochen, weil es einfach nicht das richtige war? Das ist kein Makel sein – schließlich haben Sie eine Zusatzqualifikation erworben, hatten Gelegenheit zur beruflichen Orientierung und persönlichen Weiterentwicklung – und das sollten Sie im Bewerbungsgespräch auch so erläutern.
Die eigene Leistung sichtbar machen
Nicht jeder Arbeitsbereich bietet gleich hohe Chancen die eigene Leistung erkennbar zu machen. Im besten Falle ist sie sogar messbar. Selbstmarketing funktioniert immer unterschiedlich. Ein Autoverkäufer kann mit hohen Verkaufszahlen beeindrucken. Ein EDVler hingegen hat es viel schwerer, weil vieles, was er während der Arbeitszeit macht, für Außenstehende unsichtbar ist. Und je unsichtbarer die eigene Leistung für andere ist, desto genauer muss darauf aufmerksam gemacht werden.
Kostenlose Downloads
Auf Ihrer Internetseite bietet Dr. Gudrun Fey Praxistipps, Audio-CDs, Videos und Leseproben: http://www.gudrunfey.de/
Aus meiner ganz persönlichen Praxis möchte ich einen Tipp geben: Beruflich bin ich viel unterwegs. Ob meine Mitarbeiterinnen den ganzen Tag über fleißig arbeiten oder sich längere Pausen gönnen, weiß ich also nicht. Deshalb erwarte ich als Chefin, dass sie mir sagen, was sie während meiner Abwesenheit erledigt haben. Natürlich frage ich auch danach. Allerdings nicht immer. Gerade in so einem Fall ist es unbedingt notwendig, dass Sie von sich aus auf die Führungskraft zugehen und sagen, was Sie geschafft haben. Denn wenn Ihr Vorgesetzter nicht weiß, was Sie geleistet haben, wird er Sie auch nicht loben.
Hilfreich ist es, sich gewisse Formulierungen solange laut aufzusagen, bis diese ganz selbstverständlich klingen, zum Beispiel „Ich bin stolz darauf, dass ich den monatlichen Bericht schon einen Tag früher fertiggestellt habe!“ Oder: „Ich bin stolz darauf, dass ich in der letzten Verhandlung einen Preisnachlass von 12 Prozent erreicht habe.“ Bekommen Sie dann tatsächlich ein Lob, sollten Sie dieses nicht abschwächen mit Sätzen wie: „Ach das war doch ganz einfach“ oder „Das habe ich doch gern gemacht!“ Stattdessen ist ein schlichtes „Danke“ genau richtig. Noch besser ist es jedoch, die gemeisterte Herausforderung bei der Aufgabe darzustellen: „Ja, es war ziemlich schwierig, die Umsatzzahlen rechtzeitig aus Brasilien zu bekommen“ oder „Der Verhandlungspartner war wirklich sehr hartnäckig. Erst als ich auch auf stur schaltete, lenkte er ein.“
Mentoring, Networking und Co.
Um beruflich voranzukommen, sind Menschen nötig, die an Sie glauben und Sie fördern. Denn niemand kann sich in einem Unternehmen selbst befördern. Heute gibt es viele unterschiedliche, im Internet zu findende Mentoring-Programme, auf die man sich bewerben kann. Ich war selbst schon als Mentorin tätig. Meine Erfahrung ist: An einem solchen Programm teilzunehmen, lohnt sich für Berufseinsteiger auf jeden Fall! Fällt die Wahl auf einen Mentor im eigenen Unternehmen, sollte dieser jedoch mindestens zwei Stufen über Ihrer Position stehen, damit keine Furcht entsteht, Sie könnten oder wollten am Stuhl des Mentors sägen. Natürlich kann auch der eigene Chef oder die Chefin Mentor sein. Doch viele Führungskräfte tun sich damit schwer, selbst wenn die Mitarbeiterförderung von der Geschäftsführung gewünscht ist. Schließlich ist es möglich, dass die geförderte Person sich dann schnell weiterentwickeln möchte und sogar die Abteilung oder das Unternehmen verlässt.
Eine wunderbare Möglichkeit, Selbstmarketing zu praktizieren und persönliche Empfehlungen zu generieren, bietet sich, wenn man Mitglied in einem größeren berufsbezogenen Netzwerk ist. Haben Sie kurz Small Talk gemacht, können schnell berufliche Themen aufgegriffen werden: „Ich mache gerade meinen Abschluss in BWL, und was machen Sie beruflich?“ Dadurch, dass Sie sich auch für die andere Person interessieren, entsteht schnell ein Dialog, in dem Sie dann beispielsweise gefragt werden, in welchem Fachbereich Sie den Abschluss machen. Und jetzt können Sie loslegen. Kommt die Frage nicht, können Sie mit „Übrigens“ dieses Thema starten: „Übrigens, ich mache den Abschluss im Fachbereich Logistik und hier beschäftige ich mich vor allem mit …“ Und mit etwas Übung werden Sie merken: Ohne Bescheidenheit und mit Empfehlungen kommen Sie schneller weiter als andere!
Du stehst beim Firmenjubiläum lieber am Rand als in der Mitte? Beobachtest die Umstehenden und hörst ihren Gesprächen lange zu, bevor du selbst das Wort ergreifst? Mag sein du bist schüchtern, und vielleicht willst du das gerne ändern. Vielleicht bist du aber stattdessen: introvertiert!
Die Lauten und die Leisen, die Partylöwen im Rampenlicht und die Mäuschen im Schatten des Bühnenrands – zu welcher Gruppe zählst du dich? Zu den zurückhaltenden Leisen? Dann bist du möglicherweise schüchtern. Dagegen ist ein Kraut gewachsen, denn Verhalten lässt sich ändern, wenn es sich beispielsweise im Berufsalltag bei Meetings als hinderlich erweist. Was ist aber, wenn du introvertiert bist? Introversion ist kein Verhalten, es ist eine Veranlagung und somit tief in deiner Persönlichkeit verankert.
Das muss nicht, kann aber zu einem Problem werden. In einer Welt, die schnell, bunt und überbordend ist, sind die lauten Stimmen besser vernehmbar als die leisen. Im Berufsalltag setzen die Extrovertierten oftmals ihre Ansichten leichter durch, als die Introvertierten. Diese haben größere Mühen, sich Gehör zu verschaffen. Und statistisch gesehen sind sie in der Unterzahl, sie werden demzufolge auch leichter übersehen.
Dabei haben Introvertierte viele Stärken, die sie gegenüber extrovertierten Kollegen auszeichnen und zu wertvollen Mitarbeitern machen. Kein Grund also, dass es ihnen an Selbstbewusstsein mangeln sollte. Wir haben für euch ein paar Quellen zum Thema Introversion zusammengetragen:
Die Arbeit im Homeoffice wird zum Standard. In knapp jedem dritten deutschen Unternehmen (30 Prozent) können Mitarbeiter ganz oder teilweise von Zuhause aus arbeiten. Das entspricht einer Steigerung um 10 Prozentpunkte gegenüber 2014, als der Anteil noch bei 20 Prozent lag.
Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach wird sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen. Gut vier von zehn Unternehmen (43 Prozent) erwarten, dass der Anteil der Homeoffice-Mitarbeiter in den kommenden fünf bis zehn Jahren weiter steigen wird, während jedes zweite (50 Prozent) davon ausgeht, dass er konstant bleibt. „Viele Jobs können dank digitaler Technologien zu jeder Zeit und von jedem Ort aus erledigt werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Nach anfänglicher Zurückhaltung wird Homeoffice bei vielen deutschen Unternehmen zum Alltag. Aber die Erfahrungen zeigen auch, dass dieses Modell nicht in jedem Fall geeignet ist.“
Unternehmen, die bislang keine Mitarbeiter im Homeoffice beschäftigen, führen dafür unterschiedliche Gründe an. Gut sechs von zehn Unternehmen (63 Prozent) sagen, dass Homeoffice nicht für alle Mitarbeiter möglich sei und eine Ungleichbehandlung vermieden werden solle. 46 Prozent befürchten, dass ohne direkten Austausch mit Kollegen die Produktivität sinke. 39 Prozent erklären, dass gesetzliche Regelungen Homeoffice verhinderten. 31 Prozent meinen, Mitarbeiter seien im Homeoffice nicht jederzeit ansprechbar. Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) sorgt sich um die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber und knapp jedes sechste (16 Prozent) um die Datensicherheit.
„Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Aber flexibles und agiles Arbeiten wird durch gesetzliche Regelungen erschwert“, sagt Rohleder. „Vorgaben wie die starre elfstündige Mindestruhezeit und der Acht-Stunden-Tag statt einer flexiblen Wochenhöchstarbeitszeit sind nicht mehr zeitgemäß und müssen reformiert werden.“ Um Missverständnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermeiden, rät Rohleder Unternehmen, klare Regeln für die Heimarbeit zu formulieren und über Rechtslage und Gesundheitsschutz aufzuklären. Produktivität im Homeoffice setze voraus, dass Arbeitnehmer Prioritäten setzen können und ein hohes Maß an Eigenverantwortung aufbringen, betont Rohleder. Bei der Entwicklung solcher Fähigkeiten solle sie ihr Arbeitgeber gerade in der Anfangsphase unterstützen.
Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.534 Unternehmen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.
Die junge Generation ist beruflich weniger auf die Digitalisierung vorbereitet als vermutet. Mehr als jeder Vierte der unter 30-Jährigen (27 Prozent) fühlt sich von der Geschwindigkeit des digitalen Wandels überfordert. Jeder Dritte arbeitet durch die Zunahme an digitalen Hilfsmitteln weniger konzentriert und effektiv. Zum Vergleich: Die Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen geht mit dem digitalen Wandel deutlich gelassener um. Halb so viele (14 Prozent) lassen sich durch die digitale Tool-Vielfalt häufig ablenken. 13 Prozent spüren eine gewisse Form digitaler Überforderung im Arbeitsalltag. Zu den Ergebnissen kommt die Studie „Digitale Überforderung im Arbeitsalltag“ von Sopra Steria Consulting.
Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass junge Menschen zwar affiner für digitale Hilfsmittel sind und selbstverständlicher mit der Technologie umgehen. Dieser technologische Vorsprung reicht allerdings häufig nicht, um zwangsläufig effektiver in einer digitalen Geschäftswelt zu arbeiten. „Der Abbau medialer Hürden ist zwar gut für das Geschäft und sollte Ziel jedes Unternehmens in der digitalen Transformation sein“, sagt Matthias Frerichs, Senior Manager Digital Banking bei Sopra Steria Consulting. „Die Kehrseite ist, dass die wegfallenden künstlichen Hürden die Konzentration bei der Arbeit deutlich erschweren. Hier sind zusätzliche Kompetenzen gefragt, um trotz Informationsflut Ergebnisse zu produzieren“, so Frerichs.
Infografik Digitale Überforderung, Bild: Sopra Steria Consulting
Vielen so genannten Digital Natives fehlen diese Kompetenzen, so die Studie. Ihnen fällt es hier schwerer als den Digital Immigrants sich auf eine Aufgabe zu fokussieren, wenn viele Informationen über mehrere Kanäle gleichzeitig verarbeitet werden müssen. Die Folge ist häufig der Tritt auf die digitale Bremse: Mehr als jeder zweite unter 30-Jährige (52 Prozent) nutzen eigenen Angaben zu Folge trotz digitalisiertem Arbeitsablauf lieber Dokumente aus Papier oder greift zum Telefonhörer statt zu skypen. Bei den 40- bis 50-Jährigen sind es nur 43 Prozent.
Generationenunterschiede zeigen sich auch bei den Führungskräften. So konstatieren altersübergreifend neun von zehn Führungskräften (89 Prozent), dass das digitale Know-how ihrer Mitarbeiter „eine besondere Rolle“ spielt. Diese Meinung teilen gerade einmal 55 Prozent der unter 30-Jährigen. Auch die Zustimmungswerte junger Führungskräfte zu Aussagen über die Bedeutung digitalen Wissens und digitaler Skills sind deutlich geringer als die älterer Chefs. Allerdings sind 91 Prozent der Jungmanager überzeugt, „digital nachziehen“ zu müssen, wenn der Wettbewerb im Markt weiter erfolgreich sein soll (Durchschnitt: 68 Prozent). „Diese Aussagen wirken vordergründig widersprüchlich“, kommentiert Matthias Frerichs. „Aus unserer Sicht spricht daraus aber eine deutliche Überforderung der jungen Mitarbeiter, die sich zwischen den vermeintlichen Anforderungen der Führungskräfte und ihrer subjektiv mangelnden Qualifikation aufgerieben fühlen.“
Für Unternehmen bedeuten die Ergebnisse ein Umdenken. Sie sind gefordert, nicht nur die älteren Mitarbeiter digital zu schulen. „Auch die Jüngeren benötigen ein Change Management und spezielle Kompetenzen zum professionellen Umgang mit der digitalen Welt“, sagt Matthias Frerichs. Er empfiehlt Unternehmen, junge Mitarbeiter früh in die Einführung von Digitallösungen einzubeziehen, etwa im Rahmen von Design-Thing Workshops und über Schulungen. Ratsam sei zudem, solche Lösungen im Kontext eines übergeordneten Arbeitsplatzkonzeptes stets mit flankierenden Maßnahmen zu begleiten. Dazu gehören auch kreative Pausen und ruhige Einzelarbeitszonen als Ergänzung zur Co-Working-Umgebung in Großraumbüros.
„Überlastungserscheinungen aufgrund ständiger Erreichbarkeit lassen sich in der Praxis oftmals schon mit einfachen Kommunikationsregeln minimieren – etwa durch klar definierte Zeitfenster ohne E-Mail- und WhatsApp-Kommunikation. Unter dieser Prämisse kann die Generation der unter 30-Jährigen ihre natürliche Rolle als Vorreiter der digitalen Transformation auch im Arbeitsleben ausfüllen“, sagt Matthias Frerichs von Sopra Steria Consulting.
Über die Studie:
Im Juli 2016 ließ Sopra Steria Consulting insgesamt 211 Angestellte und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zu ihrer Haltung gegenüber der digitalen Transformation befragen. Die Erhebung fand über einen Online-Panel statt und bezog Unternehmen unterschiedlicher Branchen ein – darunter Finanzdienstleister, Energieversorger, Industrieunternehmen und Behörden. Explizit ausgeschlossen waren IT-Dienstleister und Beratungsunternehmen.
Die Studie „Digitale Überforderung im Arbeitsalltag“ steht HIER zum Download zur Verfügung.
Am 2. Februar 2017 geht die Konferenz Women´s Business Day für weibliche Fach- und Führungskräfte in Hamburg in die 11. Runde. Die Veranstaltung verspricht einen Tag voller inspirierender Geschichten, neuer Impulse und intensivem Networking mit rund 200 Speakern.
11. Women´s Business Day
02.02.2017
09:30 bis 16:30 Uhr
Selbstzahler 240 Euro
Firmenzahler 360 Euro
Programm und Anmeldung unter
www.emotion.de/wbd2017
Die Konferenz wartet mit allem auf, was Frauen im Job interessiert und stärkt: Top-Speaker, inspirierende Frauen aus ganz verschiedenen Branchen und Workshops zu Themen, die Sie persönlich und beruflich weiterbringen. Damit Sie dann nach einem tollen Tag motiviert, fröhlich und mit neuen Impulsen nach Hause gehen.
Die Veranstalter betonen, dass der Women’s Business Day persönlich bleibt. Sie wollen den teilnehmenden Frauen das Gefühl geben, dass sie im Mittelpunkt stehen und gehört werden. Deshalb wird das Programm viel Zeit für Austausch und Networking lassen, was das Miteinander unter den Teilnehmerinnen fördern soll.
Die Anmeldung zu einem der vier Foren erfolgt entweder per E-Mail an wbd@emotion.de oder am Veranstaltungstag.
Die Baubranche wurde von der digitalen Transformation erfasst. Die Digitalisierung wird, wie es derzeit auch in anderen Branchen passiert, die Gesamtheit der Prozesse am Bau beeinflussen. Jetzt geht es um die Umsetzung. Diese eröffnet Bauingenieuren viele neue Möglichkeiten: zum Beispiel in der Bauplanung, Bauüberwachung und Qualitätssicherung.
Ein Gespräch mit Dipl.-Ing. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.
Herr Hübner, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum Präsidenten des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie! Was werden die entscheidenden Herausforderungen für die Unternehmen Ihres Verbandes und damit auch die der Bauingenieure in den nächsten Jahren sein?
Vielen Dank! Die Unternehmen der deutschen Bauindustrie stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Das ist zum einen die fortschreitende Digitalisierung, die die Wertschöpfungsprozesse in der Bauwirtschaft bereits heute erheblich verändert. Verpassen wir hier den Anschluss, können wir in Zukunft nicht mehr mithalten bei Infrastrukturprojekten, bei den vielfältigen Aufgaben im Hochbau oder auf internationalen Märkten. Länder wie Großbritannien sind zum Teil schon viel weiter.
Zum anderen stellt die Sicherung des Fachkräftebedarfs eine enorme Herausforderung für uns dar. Inzwischen sehen knapp 70 Prozent der Unternehmen im Fachkräftemangel das größte Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten. 85 Prozent der Unternehmen hatten Schwierigkeiten, offene Stellen innerhalb von sechs Monaten wieder zu besetzen. Dabei können wir Nachwuchskräften heute nicht nur sichere, sondern auch interessante Arbeitsplätze anbieten.
Gerade die Bauindustrie wird heute mehr denn je gebraucht – sei es bei der Bekämpfung der Wohnungsengpässe in Deutschland, bei der Beseitigung des Investitionsstaus auf unseren Straßen und Schienenwegen oder bei der Modernisierung unserer Bildungsinfrastruktur in Schulen und Hochschulen. Der Branche kommt somit eine ganz entscheidende Rolle für die Zukunft Deutschlands zu.
Was müssen Bauingenieure vor diesem Hintergrund mitbringen, um die Aufgaben zu meistern?
Zunächst einmal benötigen Bauingenieure – wie in jedem anderen Beruf auch – eine grundlegende Fachkompetenz, die es ihnen ermöglicht, die alltäglichen Anforderungen zu bewältigen. Hierzu gehören ein ingenieurwissenschaftliches Grundverständnis, insbesondere aber auch das Verständnis für komplexe Zusammenhänge, sowie kommunikative Fähigkeiten, möglichst auch in mindestens einer Fremdsprache. Als Bauingenieur ist man an der Schnittstelle verschiedener Gewerke tätig und für die Gesamtkoordination eines oder mehrerer Projekte verantwortlich. Dies erfordert vernetztes Denken, schnelles Urteilsvermögen und Freude daran, im Team zu arbeiten. ihre Attraktivität.
Was ist Ihr Plädoyer für einen Einstieg in die Branche?
Die Chancen für Nachwuchskräfte in unserer Industrie waren lange nicht mehr so groß wie heute. Im September konnten die offenen Stellen für Bauingenieure noch nicht einmal rechnerisch aus der immer kleiner werdenden Zahl der Arbeitssuchenden besetzt werden – und das, obwohl erfahrungsgemäß nur jede zweite bis dritte Stelle überhaupt der Arbeitsagentur gemeldet wird. Mit anderen Worten: Junge Bauingenieure sind gesucht.
Unserem Nachwuchs haben wir aber auch viel zu bieten. Ich kann mir keine andere Branche vorstellen, die jungen Leuten ein vergleichbar vielfältiges Arbeitsfeld anbieten kann wie die Bauwirtschaft. Eine echte Herausforderung für alle technikbegeisterten jungen Leute, die bereits in jungen Jahren Führungsverantwortung suchen. Ich kenne auch keine andere Branche, in der die Identifikation der Beschäftigten mit den Produkten ihrer Arbeit so groß ist wie in der Bauwirtschaft. Wir schaffen als Bauingenieure Werte, die in der Regel auch noch nach Jahrzehnten Bestand haben. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir uns das Motto „Schaffen, was bleibt“ auf unsere Fahnen geschrieben haben.
Die Baubranche wurde von der digitalen Transformation erfasst. Die Digitalisierung wird, wie es derzeit auch in anderen Branchen passiert, die Gesamtheit der Prozesse am Bau beeinflussen. Jetzt geht es um die Umsetzung. Diese eröffnet Bauingenieuren viele neue Möglichkeiten: zum Beispiel in der Bauplanung, Bauüberwachung und Qualitätssicherung. Ob neue Baustoffe aus dem 3D-Drucker oder Roboter auf der Baustelle: Spannende digitale Innovationen stehen für eine echte Revolution der Arbeit auf dem Bau. Damit dockt die Arbeit des Bauingenieurs noch stärker an Maschinenbau und IT an. Die Aufgabe ist es, digitale Planungsdaten für die Baustelle nutzbar zu machen. Ein attraktives Job-Profil. Von André Boße
Angenommen, ein technisch interessierter Mensch hat 20 Jahre als Eremit in der Einöde verbracht. Nun packt er seine sieben Sachen zusammen und zieht zurück aus dem Wald in die Stadt. Ihn interessiert, was sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten technisch getan hat. Also besucht er Fabriken – und staunt über neue Automaten und digitale Schnittstellen. Keine Frage, hier hat sich eine Menge getan, die Innovationen sind offensichtlich. Danach besucht er eine Baustelle – und denkt sich: Scheinbar alles beim Alten. Das gleiche Gerät wie vor 20 Jahren, noch immer steht der Bauplan auf Papier. Innovationen sind auf den ersten Blick kaum zu entdecken.
Wer erfahren möchte, warum das so ist, erhält Antworten bei Sigrid Brell-Cokcan. Die 43-Jährige Wissenschaftlerin ist seit 2015 Universitätsprofessorin für das Fach Individualisierte Bauproduktion an der RWTH Aachen University. Dabei versteht sie sich nicht nur als Forscherin, sondern auch als Vermittlerin zwischen zwei Welten. Da ist einerseits der Maschinenbau, eine verstärkt durchdigitalisierte Welt, und andererseits der Hausbau – eine Branche, die sie mit Blick auf Innovationen als „behäbig“ einschätzt.
3D-Drucker aus einem Baukastensystem
Fischertechnik hat den weltweit ersten 3D-Drucker aus einem Baukastensystem entwickelt.
Er enthält auf die Fischertechnik-Bauteile abgestimmte Komponenten der German RepRap GmbH, einem renommierten 3D-Drucker-Spezialisten. Um die Technik sicht-und erlebbar zu machen, wurde bewusst auf eine umschließende Abdeckung verzichtet. In der Bibliothek der Software sind zahlreiche fertige Druckbeispiele als druckfähige G-Codes gespeichert. Die Software erlaubt es aber auch, aus Internet-Datenbanken importierte oder selbst mit einem CAD-Programm gestaltete STL-Dateien in der Fischertechnik-Software 3D Print Control zu nutzen und im Slicer in einen druckfähigen G-Code zu verarbeiten. Der Baukasten enthält 890 Bauteile.
„Ein Grund dafür ist, dass die Baubranche keinen so großen Globalisierungsdruck spürt wie der Maschinenbau“, erklärt Sigrid Brell-Cokcan. Der Bau sei vielfach von lokalen Gegebenheiten geprägt, „von der örtlichen Kultur bis zu lokalen Baustandards und unterschiedlichen technischen Bauvorschriften“. Während der globale Blick der Industrie die Entwicklung von Innovationen fördere, war die Baubranche hier weniger aktiv. „Daher fehlt eine gemeinsame Basis für Gespräche und den Austausch“, sagt die Professorin.
Sie arbeitet daran, das zu ändern. So berät sie zum Beispiel den Automatisierungs- und Robotik-Spezialisten Kuka bei der Entwicklung von Innovationen, die der Baubranche bei der digitalen Transformation helfen. Denn eines ist der Wissenschaftlerin klar: „Im Zuge der Digitalisierung der Gesellschaft muss die Baubranche aufschließen.“ Sonst droht sie – auch mit Blick auf das, was im Ausland passiert – den Anschluss zu verlieren.
Zögerliche Digitalisierung
Dass die digitale Innovation keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist, davon sind auch die meisten Bauunternehmen überzeugt. Laut einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags stimmen 93 Prozent der Baufirmen zu, dass die Digitalisierung die Gesamtheit der Prozesse beeinflussen wird. „Das Bewusstsein für die Bedeutung des Megatrends Digitalisierung ist also vorhanden. Jedoch hapert es an der Umsetzung“, kritisiert die Studie „Digitalisierung der Bauwirtschaft“ der Unternehmensberatung Roland Berger aus dem Sommer 2016.
Die Autoren haben Manager und Führungskräfte der Bauunternehmen gefragt, in welchen Bereichen der Firmen bereits digitale Lösungen angewandt werden. Das Fazit der Studie: Die Baubranche hat ein Problem mit der Produktivität, die in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland nur um bescheidene 4,1 Prozent gestiegen ist. Die gesamte deutsche Wirtschaft legte über diesen Zeitraum um elf Prozent zu, die produzierende Industrie um satte 27,1 Prozent. Wie offensichtlich das Problem mit der Produktivität für die Baubranche ist, zeigt eine weitere Zahl aus der Roland-Berger-Studie: 70 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt ein Bauarbeiter nicht mit seiner Haupttätigkeit, sondern „auf Wegen und mit Transportarbeiten, mit Auf- und Umräumarbeiten sowie auf der Suche nach Materialien oder Geräten“.
Dennoch zögert die Baubranche bei der digitalen Transformation weiterhin. „Nur wenige Akteure nutzen bei der Lösung des Produktivitätsproblems bislang die Potenziale der Digitalisierung“, schreiben die Studien-Autoren. Die befragten Unternehmen stimmten zu, dass es bislang nur wenige Ansätze gibt, digitale Themen wie Big Data oder Cloud-Computing einzubinden. Auch die Automation von Produktionsabläufen spiele bislang nur eine kleine Rolle. Und selbst Devices wie Smartphones oder Tablet-PCs kämen nur selten als Arbeitsgeräte zum Einsatz.
Roboter auf dem Bau
Wenn Sigrid Brell-Cokcan mit Bauunternehmen über das Thema Automation spricht, hört sie häufig den gleichen Vorbehält: In der Industrie sei das ja durchaus ein Thema, beim Autobau zum Beispiel seien die Abläufe häufig gleich. Der Bau dagegen funktioniere anders: Jedes Projekt sei individuell – und damit nicht automatisierbar. Die Aachenerin hat diesen Satz häufig genug gehört. Hochmotiviert leistet sie daher Überzeugungsarbeit in der Baubranche und forscht am neugegründeten Lehrstuhl für Individualisierte Bauproduktion an Lösungen.
„Wir untersuchen Automatisierungspotenziale in der Vorfertigung, vor allem aber auch auf regulären Baustellen“, sagt sie. Dabei werde es dort eher keine Vollautomatisierung geben wie in einer Fabrik, in der die Prozessetatsächlich klarer strukturiert und vorhersagbarer sind. „Wir denken daher eher an Teilautomatisierungen mit robotischen Hilfsassistenten, die den Menschen unterstützen – aber eben nicht ersetzen.“ Dabei hat Sigrid Brell-Cokcan zwei positive Effekte im Blick. Erstens helfe eine kluge Robotisierung dabei, das Problem mit der geringen Produktivität zu lösen. „Zweitens macht sie die Berufe der Bauindustrie über viele Gesellschaftsschichten hinweg wieder attraktiver.“
Hadrian baut ein Haus
Das australische Unternehmen Fastbrick Robotics hat mit „Hadrian“ einen auf einem Truck montierten Roboter entwickelt, der in zwei Tagen ein kleinesHaus mauern kann. Der Automat behandelt die Steine mit einem Kleber, der den Mörtel ersetzt. Eine dreidimensionale CAD-Softwaresteuert den Roboterarm und legt die Steine dank Lasertechnik auf den Punktgenau. Das Unternehmen hat einen Clip online gestellt, der die Arbeit von Hadrian zeigt: www.fbr.com.au
Denn eines ist klar: Eine Branche, die eher träge als innovativ ist, hat bei der jungen Generation ein Imageproblem. Gerade bei Digital Natives, die jetzt ins Berufsleben einsteigen – und die es gewohnt sind, dass digitale Tools ganz selbstverständlich Teil der Lebenswelt sind. Noch gebe es besonders auf den Baustellen echte „Datenlecks“, wie Brell-Cokcan sagt. Man müsse davon ausgehen, dass maximal ein Prozent der Dateninformationen aus den Planungsprozessen auf der Baustelle ankommt. Was nützen also die innovativsten digitalen Planungstools, wenn 99 Prozent der Daten verpuffen?
„Baurobotik wird eine entscheidende Rolle spielen, diese digitalen Datenlecks auf der Baustelle zu überwinden“, sagt die Forscherin. Roboter sollen also nicht nur Bauteile vorproduzieren, sondern auf den Baustellen Daten sammeln, zur Verfügung stellen und bewerten. Dadurch werde das „Datenleck“ geschlossen – und die Effizienz von digitalen Planungsmethoden wie Building Information Modeling, kurz BIM, deutlich steigen.
Doch wie soll ein Roboter auf einer Baustelle arbeiten? In Frage kommen sensitive Leichtbauroboter, wie sie zum Beispiel von Kuka entwickelt werden. Diese Innovationen besitzen durch ihre Sensorik ein regelrechtes Feingefühl. Was wo zu tun ist, lernt der Roboter anhand der bereits vorhandenen CAD-Planungsdaten. Hat er seinen Platz gefunden, ist er in der Lage, sich mithilfe von Suchalgorithmen seine optimale Position zu ertasten, um dann dort zum Beispiel mit seiner Montagearbeit zu beginnen.
Beton aus dem 3D-Drucker
Doch Roboter sind nicht die einzigen Hoffnungsträger für digitale Entwicklungen in der Baubranche. Die 3D-Drucktechnik zählt zu den spannendsten Innovationen der Digitalisierung. Die Fortschritte in diesem Bereich sind enorm – gerade auch mit Blick auf die Baubranche. Das bayerische Unternehmen Voxeljet zählt zu den Pionieren im Bereich industrietauglicher 3D-Drucksysteme. Das große Potenzial der Technik liegt darin, Baustoffe mit neuen Eigenschaften zu entwickeln und auszudrucken.
„Durch unsere Forschung haben wir ein auf Beton basierendes Baumaterial entwickelt, das durch seine geschlossene Oberfläche Feuchtigkeit abweist und darüber hinaus absolut feuerbeständig ist“, sagt Tobias Grün, der bei Voxeljet für den Bereich der Betonanwendungen zuständig ist. Noch fehlt diesem Beton die Stärke, um ihn für tragende Wände im Bau einzusetzen. Aber daran arbeiten die Entwickler genauso wie an der Beimischung weiterer Materialien. „Die vielen verschiedenen Stoffe, die wir beim 3D-Druck einsetzen können, geben der Baubranche neue Potenziale“, sagt Grün. Er geht davon aus, dass der 3D-Druck schon bald eine etablierte Technik sein wird.
Daran glauben auch große Bauunternehmen wie Ed. Züblin: Der Konzern kooperiert mit Voxeljet, um die Chancen des 3D-Drucks für die Bauindustrie auszuloten – gerade mit Blick auf geometrisch komplexe Betonelemente, deren Produktion auf herkömmliche Art und Weise teuer ist. Beton aus dem Drucker, Roboter auf dem Bau: Was bedeuten diese technischen Innovationen für die Arbeit auf der Baustelle? Steht zu befürchten, dass die Arbeit von Bauingenieuren früher oder später von digitalen Systemen übernommen wird?
Sigrid Brell-Cokcan glaubt, dass das Gegenteil der Fall sein wird. „Für den Bauingenieur sehe ich viele neue Möglichkeiten in der Bauplanung, Bauüberwachung und Qualitätssicherung“, sagt die Forscherin. Besonders an der Schnittstellezwischen der digitalen Planung mithilfe von Methoden wie BIM und der Ausführung auf der Baustelle – „BIM to Production“ lautet das Schlagwort – komme es auf Bauingenieure an. „Diese Revolution kann nicht von Maschinenbauern alleine getrieben werden, denn das Bauen ist komplexer als alle Produktionslinien.“
Prinzipiell seien Bauingenieure gut für diese neuen Aufgaben ausgebildet. „Sie denken strukturiert und in Prozessen, ein Grundverständnis in Programmiersprachen ist in der Regel vorhanden. „Eine wichtige Charaktereigenschaft sei zudem ein gutes Maß an Neugierde und die Fähigkeit zum Querdenken– schließlich geht es darum, wirklich neue Baustrategien zu entwickeln.
Wie die digital geprägten Baufirmen der Zukunft operieren und organisiert sein werden, stellt die Studie „Digitalisierung der Bauwirtschaft“ der Unternehmensberatung Roland Berger in Aussicht. So werden sich die Unternehmen schon bald „mit digitalen Tools punktgenau mit Material beliefern lassen, sodass die Kosten für Lagerung und Transport sinken und die Effizienz steigt“, schreiben die Autoren. Die Materialien beschaffe sich das Unternehmen auf elektronischen Portalen; Bauzulieferer setzten in der Produktion auf intelligente Maschinen und Applikationen, die ein Netzwerk entstehen lassen, in dem „alle Produktionsprozesse im Voraus geplant werden können“.
Auch Marketing und Vertrieb nutzten in Zukunft digitale Verkaufs-Applikationen, um Händler und Kunden zu überzeugen. An dieser Vision von morgen zeigt sich, dass die Innovationen auf dem Bau nicht nur einige Stellschrauben beeinflussen: Die Innovationen werden „tatsächlich alle Stufen der Wertschöpfungskette beeinflussen“, heißt es in Studie. Bauingenieure sind daher gut beraten, schon heute fit für die digitalen Innovationen von morgen zu sein.
Häuser aus dem Drucker
WASP, ein italienisches Spezialunternehmen für 3D-Drucker, hat mit dem Big Delta einen zwölf Meterhohen 3D-Drucker entwickelt, der theoretisch groß genug ist, um Häuser zu drucken. Visionäres Ziel ist es, als Baustoff lokal auffindbare Materialien wie Lehm zu nutzen, um somit kostengünstig und nachhaltig Häuser zu errichten. Weitere Infos: unter: www.wasproject.it/w/en/category/3dprinter-en/3d-big-delta-printer-en
Dem chinesischen Bauunternehmen HuaShang Tengda ist es gelungen, innerhalb von sechs Wochen ein zweistöckiges und 400 Quadratmeter hohes Haus aus gedruckten Teilen zu errichten.
In einem interaktiven Projekt entwickelten Forscher der TU Dresden ein additives Fertigungsverfahren, mit dem sich Beton direkt auf der Baustelle drucken lässt. Dafür erhielten sie den bauma Innovationspreis in der Kategorie Forschung. Von Christoph Berger
Noch handelt es sich um eine Untersuchung über die Machbarkeit. Doch sollte die Entwicklung der Forscher der Fakultäten des Maschinenwesens und des Bauingenieurwesens der TU Dresden von Erfolg gekrönt sein, dann werden mit ihrer Hilfe Materialeinsparungen und Produktivitätssteigerungen die Baukosten signifikant senken.
Im Rahmen des Forschungsprojekts entwickelten sie die Technologie „CONPrint3D“. Mit ihr soll der 3D-Druck von Beton direkt auf die Baustelle gebracht werden. In dem Prozess wird auf Basis von digitalen 3D-Konstruktionsdaten der Baustoff schichtweise aufgebracht und abgelagert. Schließlich entsteht so das Bauwerk.
Diese Technik wird auch additives Fertigungsverfahren genannt. Um an dieses Ziel zu gelangen, definierten die Forscher drei Arbeitsschwerpunkte: Es brauchte erstens die Entwicklung eines schnellerstarrenden Frischbetons, der für den 3D-Druck geeignet ist und der in Bezug auf seine Festigkeitseigenschaften im erhärteten Zustand mit konventionellen Baustoffen konkurrieren kann. Zweitens waren Untersuchungen zum Einsatz eines Druckkopfes zum gezielten Ausbringen des Frischbetons und Untersuchungen zur Nutzung vorhandener Maschinentechnik zur automatisierten Führung des Druckkopfes im Sinne der Großraumrobotik notwendig. Und schließlich muss die Technik auch den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung tragen können.
Die Lösung fand man in einem Druckkopf, der geometrisch präzise mithilfe eines Großraumroboters – zum Beispiel einer Autobetonpumpe – geführt wird. Die Steuerung des gesamten Prozesses erfolgt über Datentypen, die vor allem Geometrie- und Stoffdaten enthalten und aus speziell aufbereiteten Bauwerksmodellen generiert werden. Hintergrund der Technologie ist die Tatsache, dass es durch die herkömmliche Verarbeitung von Beton – das Betonvolumen von Transportbeton in Deutschland beträgt laut den Wissenschaftlern jährlich 46 Millionen Kubikmeter (2014) – zu einem sehr hohen Aufwand für Gerüst- und Schalungsarbeiten kommt. Da es sich bei Schalungen meist um Wegwerfprodukte handelt, führt dies zu einem immensen Rohstoffverbrauch und damit einhergehenden hohen Personalkosten.
Daher machten sich die Forscher auf die Suche nach einer schalungsfreien Betontechnologie. Ein weiterer Vorteil in dem additiven Fertigungsverfahren liegt in den neuen Möglichkeiten der Gebäudegestaltung für Architekten: Ihnen stehen mit der Technologie bisher nicht umsetzbare Bauformen zur Verfügung.