Schrift-Sätze: Kultur-, Buch- und Linktipps

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SOLIDARITÄT

Solidarität war einmal ein starkes Wort. Doch es geriet mehr und mehr in den Hintergrund, als jeder für sein Glück und seine Not selbst verantwortlich gemacht wurde. Heute ist die Gesellschaft tiefer denn je zwischen Arm und Reich gespalten. Natürlich gibt es ein Sozialsystem, das einen Ausgleich bewirkt. Dazu brauchen wir aber ein neues Verständnis von Solidarität. Und kann diese unsere Gesellschaft vor dem Auseinanderbrechen retten? Heinz Bude, Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel, appelliert in seinem Buch „Solidarität“ an eine solche neue Art des Zusammenlebens. Wir sollten uns nicht damit begnügen, materielle Not zu lindern, sondern im anderen uns selbst als Mensch wiedererkennen. Erst durch diese freie Entscheidung zur Mitmenschlichkeit findet eine Gesellschaft wieder zusammen. Heinz Budes Reflexionen über die solidarische Existenz liefern die Antworten auf die soziale Frage unserer Zeit. Heinz Bude: Solidarität. Hanser 2019, 19 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

VOM GEIST DER GESETZE

Cover Vom Geist der GesetzeDie Gewaltenteilung als Ordnungs- und Strukturprinzip ist Bestandteil fast aller modernen Verfassungen und in erster Linie auf das vorliegende Werk „Vom Geist der Gesetze“ von Charles de Montesquieu zurückzuführen. In diesem stellt der französische Schriftsteller, Philosoph und Staatstheoretiker der Aufklärung die drei Staatsformen Demokratie, Monarchie und Despotie in ihrer jeweiligen Abhängigkeit von den natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen dar. Nur wenn der Geist der Gesetze eines Landes zu diesen Bedingungen, zu seiner Regierungsform und vor allem zum Wesen und Charakter, dem „esprit général“, des jeweiligen Volkes passt, entspricht die Gesetzgebung der Vernunft und kann willkürfreie Herrschaft ermöglichen. Ernst Forsthoff, ein ehemaliger Strafrechtler, hat diesen Klassiker übersetzt und herausgegeben, der nun neu aufgelegt wurde. Charles de Montesquieu: Vom Geist der Gesetze. Utb 2019, 24,99 EuroJetzt kaufen bei Amazon

APP ZUM GRUNDGESETZ

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat eine App zum Grundgesetz herausgebracht, die sowohl die aktuelle Fassung des Gesetzes als auch viele Hintergrundinformationen dazu beinhaltet – zur Entstehung und Entwicklung. Die App ist zudem um ein Quiz sowie das Lexikon „Pocket Politik“ ergänzt, aus dem Basisinformationen zu politischen Begriffen nachgeschlagen werden können. Die App ist auf den bekannten App-Marktplätzen unter „bpb: Das Grundgesetz“ zu finden und steht dort kostenfrei zum Download bereit.

DIE BERUFUNG

Am 7. März 2019 startete in Deutschlands Kinos der Fim „Die Berufung“. Darum geht es: Es sind die 50er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Frauen dürfen weder als Polizistinnen arbeiten noch in Princeton studieren. Ruth Bader Ginsburg will diese Welt verändern. Sie studiert als eine von wenigen Frauen Jura an der Elite-Universität Harvard. Nach ihrem Abschluss als Jahrgangsbeste muss sie sich mit einer Stelle als Professorin zufriedengeben, obwohl sie lieber die Gerichtssäle erobern würde – ein Privileg, das ihren männlichen Kollegen vorbehalten ist. Dank ihres Mannes und Steueranwalts Marty wird sie eines Tages auf den Fall Charles Moritz aufmerksam. Trotz der aufopfernden Pflege seiner kranken Mutter wird Moritz nicht der übliche Steuernachlass gewährt – aufgrund seines Geschlechts. Ruth wittert einen Präzedenzfall, der eine seit Jahrzehnten stillstehende Gesetzeslage ad absurdum führt. Mit eisernem Willen und scharfem juristischen Verstand zieht Ruth endlich vor Gericht und in einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen (und Männern). Die DVD zum Film ist für August 2019 angekündigt.

ALLES KÖNNTE ANDERS SEIN

Cover Alles könnte anders seinHeute glaubt niemand mehr, dass es unseren Kindern mal besser gehen wird. Muss das so sein? Muss es nicht! Der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Harald Welzer entwirft uns eine gute, eine mögliche Zukunft. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren, macht er sich Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen könnte: In realistischen Szenarien skizziert er konkrete Zukunftsbilder u.a. in den Bereichen Arbeit, Mobilität, Digitalisierung, Leben in der Stadt, Wirtschaften, Umgang mit Migration usw. Harald Welzer: Alles könnte anders sein. Fischer 2019, 22 Euro.Jetzt kaufen bei Amazon

MUSIKER, AUTOR UND VOLLJURIST: PETER LICHT

Foto: Priska Ketterer
Foto: Priska Ketterer
„Wenn dann die letzte Lüge getwittert ist, werdet ihr sehen, dass Lüge keine Herzen wärmt.“ Diese Textzeile aus dem Song „Chipslied“ stammt vom deutschen Musiker und Autor Peter Licht, der übrigens auch Volljurist ist. Zu hören ist sie derzeit am Theater Basel im Stück „Tartuffe oder das Schwein der Weisen“, für das Licht mehrere Stücke beigesteuert hat. Sein aktuelles Album heißt „Wenn Wir Alle Anders Sind“, mit dem er gerade durch Deutschland und Österreich tourt. Weitere Infos unter: www.peterlicht.de

VOM GROSSEN UND KLEINEN WIDERSTAND

Heribert Prantl ist nicht nur renommierter Journalist, sondern auch Honorarprofessor für Rechtswissenschaften an der juristischen Fakultät der Universität Bielefeld, Dr. jur. und Ehrendoktor der Theologie, politischer Publizist und gelernter Richter und Rechtsanwalt. In seinem aktuellen Buch „Vom großen und kleinen Widerstand“ hält er eine Laudatio auf Widerständler und Whistleblower: ein Lobpreis auf die Unangepassten, auf die Demokraten des Alltags, auf die Verteidiger der Grundrechte. Heribert Prantl: Vom großen und kleinen Widerstand. Süddeutsche Zeitung Edition 2018, 24,90 EuroJetzt kaufen bei Amazon

DIE ZUKUNFTSMACHER

Cover Die ZukunftsmacherDer jungen Generation wurde ein wohlhabendes Land hinterlassen, ein Land, in dem die meisten Menschen finden, dass es gerecht zugeht, ein Land mit einer reichen Kultur und einer langen Geschichte. Jetzt liegt es an dieser jungen Generation, diese Errungenschaften zu bewahren und zu entwickeln. Die Digitalisierung, die Globalisierung und das raue politische Klima werfen Fragen auf – gerade der nächsten Generation. Die ist auf der Suche nach Orientierung, nach Antworten: Was bedeutet die Digitalisierung für ihre Arbeit? Werden sie trotz des demografischen Wandels eine sichere Rente haben? Werden es ihre Kinder später einmal genauso gut haben wie ihre Eltern? Paul Ziemiak (Hrsg.): Die Zukunftsmacher. Ullstein 2017, 14 ,99 EuroJetzt kaufen bei Amazon

Das letzte Wort hat: Dr. Geertje Tutschka

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Die Beratung von Juristen ist für Dr. Geertje Tutschka eine Herzensangelegenheit. Und sie zeigt, dass die Branche ein People Business ist. Die Fragen stellte Christoph Berger

Zur Person

Dr. Geertje Tutschka, Foto: werdewelt
Dr. Geertje Tutschka, Foto: werdewelt
Dr. Geertje Tutschka ist Anwältin, Geschäftsführerin von CLP – Consulting for Legal Professionals, einem Beratungsunternehmen für Juristen bei der Kanzleientwicklung und Karriereplanung, Präsidentin (Past) des deutschen Chapters der International Coach Federation, Autorin zahlreicher Ratgeber und Keynote-Speakerin. www.consultingforlegals.com
Dr. Tutschka, wir befinden uns derzeit in einem Zeitalter der Transformation, vieles scheint derzeit in Frage gestellt: Unternehmen, deren Wertschöpfungsprozesse, die Arbeitswelt an sich. Mit welchen Anliegen kommen Juristinnen und Juristen da zu Ihnen? Die Anliegen sind vielfältig. Aber Sie haben Recht: Viele Themen sind von Angst vor der Transformation einer gesamten Branche, der Welt wie wir sie kannten, getrieben. Was es schwierig macht, weil hier ganz viel Kreativität und Innovation verlorengeht. Einen Großteil unserer Arbeit fokussieren wir daher im Moment darauf, an unsere Kollegen Sicherheit, Selbstbewusstsein, Urvertrauen zurückzugeben. Der ständige Hype um Legal Tech, technische Investitionen in astronomischen Höhen und künstliche Intelligenz treffen hier ungünstig zusammen auf die Unsicherheiten und Herausforderungen der Einführung des beA und der DSGVO/GDPR. Juristen sind auch nur Menschen, die ihre Arbeit machen und Rechtsfälle erfolgreich lösen wollen. Doch im Moment lastet ein enormer Druck auf der Branche, der zudem noch von Diversity-Themen (Gender und LGBTQ) sowie dem Konkurrenzdruck beim Einzelkämpfer wie der Großkanzlei verstärkt wird. Gibt es bei all dem Wandel auch Konstanten, auf die es schon immer ankam und weiterhin ankommen wird? Ja, die gibt es: Das sind die typischen Themen aus der Kanzleientwicklung (Strategie, Positionierung, Marketing) sowie der Anwaltskarriere (Partnerwerdung, Work-Life-Balance, Bewerbungsperformance, Zeitmanagement, Verhandlungstechnik und Führungskompetenz). Aber das sind ja auch alles keine „kleinen Fische“; das sind intensive, existenzielle und oft auch persönlichkeitsverändernde Themen – die sind wichtig. Ein sich verändernder Nachfragemarkt in Zeiten, in denen aufgrund der Digitalisierung Fachwissen immer und überall kostenfrei abrufbar ist und ein sich veränderndes Berufsbild aufgrund des Gender- und Generationshifts machen jedoch die Navigation durch diese Themen speziell. Das ist nichts für Anfänger. Andererseits scheint jetzt unter Umständen der geeignete Zeitpunkt für eine Kanzleigründung zu sein, vor allem wenn es um die Symbiose von Recht und Technik geht? Es ist immer der geeignete Zeitpunkt für eine Kanzleigründung! Ich bin mit Leidenschaft selbstständige Anwältin und wenn man die wichtigsten Grundvoraussetzungen beherzigt, die ich in meinem Buch „Kanzleigründung und Kanzleimanagement” (DeGruyter, 2018) – für Junganwälte ist übrigens die Zusammenfassung im eBook kostenfrei auf unserer Seite abrufbar – beschrieben habe, ist wirklich alles möglich  – eben auch die Gründung als Legal Tech Start-up. Zwar gilt es in der Tat, einige Besonderheiten zu beachten. Methoden wie das Business Model Canvas oder Legal Design Thinking können hier jedoch ganz Großartiges leisen. Nicht von ungefähr entwickeln alle – und ich meine wirklich alle – Großkanzleien gerade Innovation Hubs, Legal Tech Hackathons und eigene Legal Tech-Produkte, mit mehr oder weniger großem Erfolg.
Juristen werden als Mechaniker ausgebildet, ohne die entsprechende Herzensbildung und das notwendige seelische Gleichgewicht. Das muss sich ändern.
Als Schlüsselthemen im Rahmen Ihrer Beratung nennen Sie Leadership und Development. Können Sie diese beiden Aspekte kurz in Bezug zu Juristinnen und Juristen setzen? Juristen sind immer in der einen oder anderen Form in Führungsverantwortung. Als juristischer Sachbearbeiter und Fachexperte ausgebildet, fehlt es Juristen – und zwar überall auf der Welt – in ihrer juristischen Ausbildung jedoch an entsprechendem Know-how dazu. Als Kanzleiinhaber und Partner, aber auch als Anwalt hat man relativ früh Führungsverantwortung. Gleiches gilt für Unternehmensjuristen oder auch Richter und Juristen im Staatsdienst. Und natürlich sind Juristen immer in Krisen- und Konfliktsituationen tätig – in Ausnahmesituationen, in denen Emotionen und Aggressionen hochschlagen. Hier die notwendige persönliche Weiterentwicklung und Reife, Selbstreflexion, Achtsamkeit und Objektivität nachzubilden, ist enorm wichtig und essentiell, um gute Leute nicht im Alltagsgetriebe zu zerreiben. Nicht von ungefähr steigen Burn Out-Diagnosen, Berufsunfähigkeiten und auch die Selbstmordrate in der Branche drastisch an. Juristen werden als Mechaniker ausgebildet, ohne die entsprechende Herzensbildung und das notwendige seelische Gleichgewicht. Das muss sich ändern. In der CLP-Academy versuchen wir mit unserer Legal Coaching-Ausbildung dem entgegenzusteuern: Indem Juristen professionelle Kommunikationstechniken und Verständnis für menschliches Verhalten in Krisen- und Konfliktsituationen beigebracht wird, geht es indirekt auch immer um Selbstreflexion und Achtsamkeit in diesen Situationen. Auf Ihrer Internetseite schreiben Sie, gute Juristen seien Ihre Leidenschaft. Wer ist eine gute Juristin beziehungsweise ein guter Jurist? Ein guter Jurist – und hier kann ich übrigens gut auf das gendern verzichten – ist für mich ein juristischer Fachexperte, der in sich ruht, unabhängig agiert, lebenserfahren und ethisch handelt. Und zwar mit der „Hand am Arm“, also mit Hausverstand oder gesundem Menschenverstand sowie mit Respekt vor dem Mandantenwillen. Das kann dazu führen, dass außergerichtliche Streitschlichtungen deutlich bevorzugt werden. Oder dazu, dass auf Ansprüche verzichtet wird. Es führt aber in jedem Fall dazu, dass dieser Jurist von Mandanten wieder als das wahrgenommen wird, was er sein sollte: ein verlässlicher, vertrauensvoller Partner in allen Lebenslagen. Welche Skills, neben dem fachlichen Know-how, sollten Juristinnen und Juristen heute mitbringen, um für den Arbeitsmarkt gewappnet zu sein? Geht es um einen Einstig als Selbstständiger, also um eine Kanzleigründung, in jedem Fall Skills in Business Development, Leadership und Marketing/Akquise. Aber auch beim Einstieg als angestellter Anwalt, Unternehmensjurist oder Beamter sind frühzeitige strategische Karriereplanung, Führungskompetenz und ein Verständnis davon, wie man mit Personal Branding seine juristische Expertise von Anfang an ins rechte Licht rückt, gefragt. Hier bemerken wir gerade im letzten Jahr eine gesteigerte Nachfrage bei CLP nach speziell diesen Themen. Zusätzlich ruft der Arbeitsmarkt noch nach Zusatzqualifikationen. Zwei juristische Staatsexamen genügen da längst nicht mehr. Was zu Beginn der Doktortitel, später der LL.M. war, waren dann Sprachen und Fachanwaltsausbildungen. All dies ist auch heute noch relevant. Bei etwa 25 Fachanwaltsausbildungen zeigt sich jedoch, wie sehr sich auch viele Rechtsgebiete entwickelt haben. Von „Allroundern“ scheint das nicht mehr bewältigt werden zu können – und doch gibt es in unseren Nachbarländern wie Österreich auch heute noch nicht einen einzigen Fachanwalt. Und die Kollegen bearbeiten diese Gebiete auch. Und zwar sehr gut. Aus meiner Perspektive werden zukünftig jedoch weit weniger zusätzliche juristische Fachausbildungen gefragt sein, sondern sogenannte „Cross Competencies“, also Kenntnisse und Ausbildungen aus andern Fachbereichen: wie die IT für Legal Tech, interkulturelle Kompetenz für gemischtnationale Teams und international Arbeit, Psychologie/Coaching/Mediation für taktisches Fingerspitzengefühl, aber auch als Managing Partner oder Personalverantwortlicher in Kanzleien. Menschenkenntnis, oder besser ein Gespür für menschliche Bedürfnisse und die Liebe zu Menschen, sind aber nach wie vor unablässig. Schon allein, um als „allwissender“ Rechtsberater die erforderliche Demut vor den persönlichen Entscheidungen der Mandanten zu wahren. Dies ist etwas, was tatsächlich in jedes Jurastudium integriert werden sollte. Und natürlich sind ein gutes Verständnis der eigenen Bedürfnisse, Vorurteile und der eigenen Prägung und Sozialisierung für Juristen besonders wertvoll, die für sich beanspruchen, weitgehend objektiv und wahrhaftig in der Rechtsbranche tätig zu sein. Die Aufarbeitung unserer speziell deutschen Vergangenheit, sei es aus der Nazizeit oder aus der DDR und auch ein differenziertes Verständnis vom Einfluss der Kirche und unserer patriarchalen Gesellschaftsstrukturen auf unsere Jurisprudenz bleibt weiter enorm wichtig und ist längst nicht zu Ende. Wird der Mensch weiterhin die entscheidende Rolle im Anwaltsberuf innehaben oder werden immer mehr seiner bisherigen Aufgaben von technologischen Lösungen übernommen? Technik wird alle standardisierbaren Aufgaben übernehmen können. Und wir sollte glücklich darüber sein – ermöglicht es uns doch endlich wieder, uns unseren eigentlichen Aufgaben zuzuwenden. Standardisierbare, automatisierbare Aufgaben verheißen zwar scheinbar „leicht verdientes Geld“, also mit wenig Aufwand die immer gleichen anspruchslosen Prozesse abzuspulen. In Wahrheit haben Anwälte aber immer schon Mittel und Wege gefunden, diese nicht jedes Mal mit viel Gehirnschmalz selbst zu bewältigen – also durch Textbausteine, Assessoren/Referendare/Konzipienten/ReFas ausführen zu lassen. Das Dilemma ist nun nur, dass sich Anwälte nie die Mühe gemacht haben, weiter zu denken und selbst diese „Billigarbeiter“ durch Technik zu ersetzen. Hier wacht die Branche gerade auf und merkt: Die Branche wartet nicht mehr darauf, von den Juristen in deren Tempo wachgeküsst zu werden, die Branche macht sich selbst auf den Weg: „Billigarbeiter“ wollen nicht länger so arbeiten, sie wollen Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit. Sie wollen einen Beitrag leisten. Technische Lösungen geben ihnen nun zum ersten Mal die Möglichkeit, sich inhaltlich sinnvollen Aufgaben zuzuwenden. Juristen tut es gut, ganz schnell Standesdünkel, Ignoranz und Arroganz abzulegen und den Menschen wieder zuzuhören. Wirklich zuzuhören. So hat der Anwaltsberuf angefangen. Und darauf sollte er sich jetzt wieder besinnen. Welchen Tipp möchten Sie Absolventinnen und Absolventen gerne mit auf den Weg ins Berufsleben geben? Mit Mut und Leichtigkeit zu starten und beides nicht zu verlieren. Jeder der juristischen Berufe ist immer noch mehr als das: Sie sind für viele eine Berufung. Und sie bieten immer noch sehr viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen und zu entfalten. Dann gibt es freilich viele Widerstände, Grenzen, Schwierigkeiten – Gegenwind und Frustration. Eine klare Sicht der Dinge, eine gute Selbstkenntnis und eine genaue Vorstellung vom eigenen Lebensentwurf kann hier hindurchhelfen. Und am Ende immer bedenken: Sie sind nicht allein – es gibt starke Berufsnetzwerke, unterstützende Mentoren und gute Berater, die in jeder Phase zur Seite stehen.

Krieger + Schramm GmbH & Co. KG

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Branche
Hochbau

Produkte/Dienstleistungen
Geschosswohnungsbau, Eigentumswohnungen

Anzahl der Standorte
5 – je eine in Kassel, Frankfurt/Main, München, Berlin und Dingelstädt

Jahresumsatz
50 Mio. Euro im Jahr 2018

Anzahl der MitarbeiterInnen
100

Bedarf an HochschulabsolventInnen
Ca. 5 pro Jahr

Gesuchte Fachrichtungen
Bauingenieurwesen, Architektur, Wirtschaftwissenschaften, Betriebwirtschaft, Elektrotechnik, Bauinformatik, BIM, Lean-Construction, Baumanagement

Einsatzmöglichkeiten
Projektleitung, Bauleitung, Arbeitsvorbereitung, Kalkulation, Projektentwicklung, Prozessmanagement, BIM, Digitalisierung, Personal, Controlling, Projektsteuerung

Einstiegsprogramme
Direkteinstieg, Trainee-Programm, Werkstudententätigkeit, Praktikum

Mögliche Einstiegstermine
Laufend

Auswahlverfahren
Interview

Angebote für StudentInnen
Praktika, Projekt- und Abschlussarbeiten

Logo Krieger + Schramm

Ansprechpartner
Michael Fuhlrott

Anschrift
Neue Str. 12
37351 Dingelstädt

Fon
036075 388144

Fax
036075 388117

E-Mail
michael.fuhlrott@krieger-schramm.de
info@krieger-schramm.de

Internet
www.krieger-schramm.de
www.krieger-schramm-muenchen.de
www.krieger-schramm-berlin.de
www.krieger-stiftung.de
www.dynahaus.de

jobvector career day in München – Karrieremesse für Ingenieure, Informatiker, Mediziner & Naturwissenschaftler

Die Karrieremesse jobvector career day findet am 19. Februar 2019 wieder in München statt. Das Recruiting-Event richtet sich an AbsolventInnen und Berufserfahrene aus Technik, IT, Medizin & Naturwissenschaft. Auf BewerberInnen warten neben Jobs bei Top-Arbeitgebern hilfreiche Informationen zu Beruf und Karriere.

Der jobvector career day findet am 19. Februar 2019 im MVG Museum in München statt. Die Karrieremesse des mehrfach als “Deutschlands beste Spezialjobbörse” ausgezeichneten Stellenportals richtet sich an Ingenieure, Informatiker, Mediziner & Naturwissenschaftler. Bei dem internationalen Recruiting-Event erhalten AbsolventInnen, StudentInnen und Fach- und Führungskräfte genauso wie Technische AssistentInnen vielfältige Informationen zu Karriereperspektiven und Jobchancen, welche neue Karrieremöglichkeiten eröffnen. Die Angebote auf dem jobvector career day sowie der Eintritt sind kostenfrei. Auf der Karrieremesse können BewerberInnen vor Ort in Kontakt mit nationalen und internationalen Arbeitgebern treten. Zahlreiche mittelständische Unternehmen, Konzerne und Behörden präsentieren sich in persönlichen Gesprächen und Vorträgen zu den Themen Beruf, Karriere und individuellen Einstiegsmöglichkeiten. Unterstützt wird die Karrieremesse durch die namhaften Sponsoren Boehringer Ingelheim, Eurofins und IPSEN Pharma. Neben den Sponsoren sind weitere attraktive Arbeitgeber wie IBM, ITK Engineering, Lonza, das Karrierecenter der Bundeswehr und MBDA Deutschland vertreten. Für BewerberInnen werden eine Reihe kostenfreier Services angeboten. Als Willkommensgeschenk erhalten alle TeilnehmerInnen ein Exemplar des beliebten Karriereratgebers Karrieretrends , welcher in drei fachspezifischen Ausgaben erhältlich ist. Ein fachspezifischer CV-Check bereitet Interessierte optimal auf zukünftige Karriereschritte vor. Der mitgebrachte Lebenslauf wird in Hinblick auf den fachlichen Hintergrund von Experten analysiert und optimiert. TeilnehmerInnen haben auf dem jobvector career day zudem die Möglichkeit, kostenfrei Bewerbungsfotos von einem professionellen Fotografen anfertigen zu lassen. Das Bewerbungsgespräch LIVE ist das Highlight der Karrieremesse. Hierbei führt eine erfahrene Personalerin eines Großunternehmens mit einem Bewerber ein Vorstellungsgespräch in einer echten Gesprächssituation – live auf der Bühne! Im Anschluss wird das Interview durch Personalexperten analysiert. BesucherInnen der Karrieremessen erhalten neben wertvollen Einblicken in die Auswahlkriterien von Unternehmen auch hilfreiche Tipps für zukünftige Bewerbungsgespräche. Eine Auflistung aller teilnehmenden Unternehmen sowie weitere Informationen zur Karrieremesse sind auf www.jobvector.de/careerday zu finden. Die kostenfreie Anmeldung zum jobvector career day in München ist ab sofort möglich.

Über jobvector

jobvector.de ist der vielfache Testsieger für die Jobsuche von Ingenieuren, Informatikern, Medizinern & Naturwissenschaftlern. Neben dem Betrieb des fachspezifischen Stellenmarkts richtet jobvector.de die beliebten jobvector career days aus und publiziert die fachspezifischen Ratgeber Karrieretrends. Quelle: www.jobvector.de/careerday
 

Bickhardt Bau Aktiengesellschaft

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Branche
Bauwesen
Verkehrsinfrastruktur

Produkte/Dienstleistungen
Als Komplettanbieter für den Verkehrswegebau sind wir vor allem tätig im:
Straßen- und Autobahnbau
Brücken- und Ingenieurbau
Eisenbahnbau
Flughafenbau
Spezialtiefbau
Bauwerksinstandsetzung
Betonstraßenbau
Gussasphaltbau
Rennstreckenbau
Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten Projektentwicklung Schlüsselfertigbau Verkehrssicherung Baustoffproduktion

Anzahl der Standorte
12 Inland, 1 Ausland

Jahresumsatz
ca. 500 Mio Euro

Anzahl der MitarbeiterInnen
2.500 Inland, 100 Ausland

Bedarf an HochschulabsolventInnen
25 pro Jahr

Gesuchte Fachrichtungen
Bauingenieurwesen
Konstruktiver Ingenieurbau
Vermessungswesen und Geodäsie
Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Bau

Einsatzmöglichkeiten
Abrechnung
Arbeitsvorbereitung
Bauleitung
BIM/Revit
Kalkulation
Vermessung

Einstiegsprogramme
Direkteinstieg

Mögliche Einstiegstermine
Laufend

Auswahlverfahren
Bewerbung

Angebote für StudentInnen
Praktika
Werkstudententätigkeit
Betreuung Bachelor-/Masterthesis

Logo Bickhardt-Bau

Ansprechpartner
Christian Heumüller

Anschrift
Industriestraße 9
36275 Kirchheim

Fon
06625/88-0

Fax
06625/88-111

E-Mail
bewerbung@bickhardt-bau.de
info@bickhardt-bau.de

Internet
www.bickhardt-bau.de
www.bickhardt-bau-jobs.de/

„Wer, wenn nicht wir“

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Ein Gespräch mit Dipl.-Ing. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

Blickt man auf die vergangenen 25 Jahre zurück, waren Bauingenieure nicht immer so gefragt wie heute. Wie sollte man mit Krisen in der Branche umgehen? Die zurückliegenden 25 Jahre waren für die deutsche Bauwirtschaft turbulent. Auf die Hochkonjunktur nach der deutschen Wiedervereinigung folgte ab 1995 eine zehn Jahre währende Talfahrt. Seit 2006 jedoch befinden wir uns in einer anhaltenden Aufschwungphase mit der Konsequenz: Der Bau ist wieder für den akademischen Nachwuchs attraktiv. Dies belegt unsere Studierendenstatistik eindrucksvoll. Die Anfängerzahlen lagen 2017 bei 11.160 und damit um rund 90 Prozent über dem Niveau von 2006. Die Absolventenzahlen haben sich mit 10.700 im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Auf die Komplexität des Bauens ist man gut vorbereitet, wenn man im Studium breit gefächerte Ingenieurkompetenzen erwirbt und sich nach allen Seiten hin offen zeigt. Darüber hinaus empfiehlt es sich, schon an der Universität gewisse persönliche Schwerpunkte zu setzen, um später im Berufsleben einen Vorsprung zu haben. Heute haben Bauingenieure nicht mehr nur ingenieurtechnische Funktionen, sondern übernehmen auch gesellschaftliche Verantwortung – man denke nur an den Bau von Wohnungen oder die Modernisierung der Infrastruktur. Sind Bauingenieure diesen Aufgaben gewachsen? Dazu sage ich aus voller Überzeugung: Ja. Wer, wenn nicht wir, schafft Wohnraum in großem Stil durch modulares und serielles Bauen, baut und saniert Straßen, Brücken, Schienen- und Wasserwege und sichert damit den Wohlstand unseres Landes? Es sind doch Bauingenieure, die Lösungen entwickeln, wo andere nur Probleme sehen oder Luftschlösser bauen. Genau das zeichnet unseren Beruf aus und macht ihn so spannend und herausfordernd. Bei aller gesellschaftlichen Bedeutung: Welche Herausforderungen hat die Branche intern zu meistern und welches Know-how wünscht sie sich diesbezüglich vom Nachwuchs? Die größte Herausforderung ist derzeit die Digitalisierung. Hier haben wir im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen noch erheblichen Nachholbedarf. Um jetzt schnell aufzuholen, brauchen wir Nachwuchskräfte, die nicht nur analoge technische Prozesse auf der Baustelle steuern, sondern auch wissen, wie man digitale Datenmodelle einsetzt, um schneller und effizienter bauen zu können. Das setzt neben der reinen Ingenieurkompetenz zusätzliche Qualifikationen, zum Beispiel im Bereich der Informatik und der Betriebswirtschaft, voraus. Aber auch Sozialkompetenz ist ein wichtiger Faktor, denn die Digitalisierung erfordert einen neuen Umgang der Partner in der Wertschöpfungskette miteinander. Man begegnet sich auf Augenhöhe, arbeitet in Teams zusammen und entscheidet gemeinsam. Wenn der soziale Umgang nicht stimmt, hakt das Projekt. Hier tragen auch die Universitäten eine hohe Verantwortung, die Studierenden auf diese Veränderungen vorzubereiten und nicht bei dem traditionellen Bild des Fachingenieurs stehen zu bleiben. Es wird daher Zeit, dass auch die Bauingenieur-Fakultäten und Fachbereiche flächendeckend auf diesen Zug aufspringen und ihre Studiengänge fit machen für die digitale Zukunft.

karriereführer bauingenieure 2018.2019 – Bauingenieure werden zum Urban Constructor

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Cover karrierefuehrer bauingenieure 2018-2019_218

Bauingenieure werden zum Urban Constructor

Weltweit beginnen sie gerade damit, die Städte fit für die digitale Zukunft zu machen. Denn: Der Megatrend Urbanisierung setzt sich fort. Und wenn Städte wachsen, wird gebaut. Überall suchen Citys nach baulichen Lösungen, um den Verkehr in den Griff zu bekommen und genügend Wohnungen zu errichten. Parallel wachsen die Ansprüche der Bewohner sowie die ökologischen Herausforderungen. Für Bauingenieure bedeutet das: Die Arbeit wird mehr – und sie wird immer spannender.

Megatrend Urbanisierung

Bauingenieure werden zum Urban Constructor. Weltweit beginnen sie gerade damit, die Städte fit für die digitale Zukunft zu machen. Denn: Der Megatrend Urbanisierung setzt sich fort. Und wenn Städte wachsen, wird gebaut. Überall suchen Citys nach baulichen Lösungen, um den Verkehr in den Griff zu bekommen und genügend Wohnungen zu errichten. Parallel wachsen die Ansprüche der Bewohner sowie die ökologischen Herausforderungen. Für Bauingenieure bedeutet das: Die Arbeit wird mehr – und sie wird immer spannender.

1950 war die Welt noch ein Dorf. Genauer: Die meisten Menschen auf der Erde lebten auf dem Dorf, also in ländlichen Strukturen, nämlich 70 Prozent. In den Städten tummelten sich dagegen nur 30 Prozent der Weltbevölkerung. Mit den Jahren begann sich das Verhältnis zu verschieben, der Megatrend der Urbanisierung setzte ein. Den Wendepunkt erlebte die Welt rund ums Jahr 2006: Erstmals lebten auf der Erde mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Und der Trend setzt sich weiter fort: „Während heute 55 Prozent der 7,62 Milliarden Erdenbürger Stadtbewohner sind, werden es im Jahr 2050 voraussichtlich zwei Drittel, also 68 Prozent, sein“, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) auf Basis des „World Urbanization Prospects“ der Vereinten Nationen aus dem April 2018. Besonders stark nehme die Urbanisierung in Entwicklungs- und Schwellenländern zu; in Deutschland leben schon heute mehr als drei von vier Bewohnern – nämlich 77 Prozent – in Städten, im Jahr 2050 werden es voraussichtlich 84,3 Prozent sein, so die Prognose des UN-Berichts.

Urbanisierungsgrad in Deutschland

Mit einem Anteil von 75 Prozent Stadtbevölkerung war der Grad der Urbanisierung bereits im Jahr 2000 im internationalen Vergleich hoch. Seitdem steigt der Anteil laut Statistik des Portals Statista weiter an. Aktuell leben 77,3 Prozent der Deutschen in einem städtischen Raum, wobei dieser Anteil seit 2011 im Gegensatz zum globalen Trend so gut wie stagniert. Quelle: www.gartner.com

Citys müssen bauen: Gebäude, Verkehrswege

Ist diese Entwicklung nun Fluch oder Segen? Zunächst ein Blick in die besonders schnell wachsenden Städte in den Schwellenländern. Dort bietet die Verstädterung den Menschen die Chance auf einen höheren Lebensstandard – „wenn eine geplante Stadtentwicklung erfolgt“, wie DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr sagt. „Denn in den Metropolen lassen sich medizinische Versorgung, Schulen und andere öffentliche Dienstleistungen im Vergleich zu ländlichen Gebieten mit niedrigeren Pro-Kopf-Kosten bereitstellen.“ Zudem sind große Städte Motoren des wirtschaftlichen Wachstums: Laut UN-Studie werden in den Citys bis zu 80 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts eines Staates erwirtschaftet. Voraussetzung für eine geplante Stadtentwicklung sei jedoch, dass gezielt in solche Angebote investiert werde. Sprich: Es muss Geld für den Aufbau von Infrastruktur und die Errichtungen von öffentlichen Gebäuden zur Verfügung gestellt werden. Passiert das, sind diese Länder mit ihren wachsenden Städten für die Bauindustrie ein sehr Erfolg versprechender Markt.
Die rasch fortschreitende Urbanisierung, die Alterung der Infrastruktur, das Bevölkerungswachstum, der Klimawandel und technologische Innovationen fordern Städte weiterhin heraus.“ Thorsten Schulte, City Executive bei Arcadis Deutschland
Dass Städte weltweit investieren müssen, steht für die Analysten von Arcadis außer Frage. Der internationale Projektmanagement- und Ingenieurdienstleister stellt jährlich einen City-Index auf, der Städte nach der Qualität ihrer nachhaltigen Mobilität bewertet. Der Report für das Jahr 2017 trägt den Titel „Bold Move“, ins Deutsche übersetzt: mutiger Zug. Und genau das fordern die Berater von Arcadis von den Städten: mutig zu sein und jetzt zu investieren, allen voran in den Bau einer Infrastruktur für nachhaltige Mobilität. Der „Sustainable Cities Mobility Index“ untersucht und gewichtet die Verkehrsinfrastruktur von 100 Metropolen, basierend auf Bewertungskriterien in den Kategorien Menschen, Umwelt und Wirtschaft. „Die rasch fortschreitende Urbanisierung, die Alterung der Infrastruktur, das Bevölkerungswachstum, der Klimawandel und technologische Innovationen fordern Städte weiterhin heraus“, sagt Thorsten Schulte, City Executive bei Arcadis Deutschland. Diejenigen Kommunen, die in ihre urbanen Verkehrssysteme investieren, werden sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, schätzt der Urbanisierungsexperte: „Investitionen in verbesserte und nachhaltige Mobilität werden in Städten die Produktivität, Attraktivität und allgemeine Lebensqualität erhöhen.“ Es verlange Mut und den Willen städtischer Entscheidungsträger, die Lebensqualität in ihren Städten zu verbessern. „Stillstand ist aber keine Option“, so Schulte.
Es dauert nicht mehr lange, dann wird sich Mobilität in den Städten ganz neu ausdifferenzieren.

Zukunftsthema: Infrastruktur für alternative Mobilität

Mit Blick auf den Index zeigt sich, dass in Sachen Nutzerzahlen und Abdeckung die asiatischen Megacities wie Hongkong, Tokio, Seoul und Peking führend sind, lediglich New York repräsentiert hier den Westen. Die deutschen Städte Berlin, Hamburg, München und Frankfurt platzieren sich im Mittelfeld. Anders sieht das beim Spezial-Index Umwelt aus: Hier liegen Frankfurt, München und Berlin vorne, Hamburg liegt auf Platz zwölf, unter den Top Ten befinden sich ausschließlich europäische Städte, was zeigt: In Sachen Luftqualität, Grünflächen und CO2Emissionen bekommen diese Städte im internationalen Vergleich sehr gute Noten. Die Herausforderung ist es nun, diesen positiven grünen Effekt noch deutlicher zu machen und auszubauen.

Stapelbare Stadt und Leben in der Röhre

Viele Science-Fiction-Filme und Bücher haben die Vision einer stapelbaren Stadt aufgegriffen: Die Menschen leben nicht mehr in festen Häusern, sondern in flexiblen und stapelbaren Elementen. In Hongkong ist diese Idee nun Teil eines Wohnexperiments: Ein Architekt hat große Röhrenelemente als Mini-Apartments gestaltet, Durchmesser 2,50 Meter, Wohnfläche zehn Quadratmeter. Das ist nicht viel, aber besser als nichts. In der überfüllten Stadt finden viele Arbeiter auf dem Markt überhaupt keine Wohnungen mehr und leben in noch kleineren Verschlägen. www.jameslawcybertecture.com
„Die Aufgabe der Stadtplanung ist es, das Laufen, Radfahren und das Fahren mit Bus und Bahn attraktiver zu machen als die Benutzung des eigenen Autos“, sagt Diane Legge, bei Arcadis Expertin für die Themen Mobilität und Stadtplanung. Dabei hat sie auch die Zielgruppen im Blick, die von diesen nachhaltigen Verkehrsmitteln nicht abhängig sind, weil sie die finanziellen Mittel für ein eigenes Auto haben. Diese Stadtbewohner müsse man mit „attraktiven, effizienten und modernen Designs“ locken, so Diane Legge. Und auch Big Data werde ein Thema werden: „Wenn wir 2020 aus dem Haus gehen, erhalten wir Optionen für den Transport anhand von Variablen wie Zeit und den tatsächlichen Kosten, aber auch der Anzahl der Kalorien, die wir verbrauchen, oder den CO2-Fußabdruck, den wir hinterlassen“, sagt die Arcadis-Expertin. Diese Informationen werden dafür sorgen, dass Entscheidungen ganz anders getroffen werden als heute. Es dauert nicht mehr lange, dann wird sich Mobilität in den Städten ganz neu ausdifferenzieren. Dann muss jedoch die Infrastruktur bereits stehen, weshalb die Experten so sehr darauf pochen, dass die Metropolen jetzt die Infrastruktur verbessern und neu aufbauen müssen. Dadurch entstehen für Bauingenieure mit Sinn für moderne und nachhaltige Mobilität in den Städten einige sehr interessante Tätigkeitsfelder, in denen sie auf den Schnittstellen zu Stadtplanung und IT die Urbanisierung entscheidend mitgestalten können.

Nach oben bauen, wenn unten alles dicht ist

Dringend gebaut werden muss aber auch in den Städten, die bereits heute voll und damit zugebaut wirken. Denn auch in diesen Metropolen steigt die Zahl der Bewohner – und mit ihnen die Preise für Immobilien und Mieten. Um dem Bedarf an Wohn- und Arbeitsraum gerecht zu werden, zeigt die Baurichtung nach oben: Die junge Bauingenieurin Roma Agrawal glaubt fest an eine Renaissance der Wolkenkratzer, „denn nur solche Gebäude erlauben die Maximierung von Raum in bereits stark bevölkerten Stadtvierteln“, sagt die Britin, die sich als Mitplanerin des Londoner Hochhauses „The Shard“ international einen Namen gemacht hat.

Studie zu Smart Cities

Auch das McKinsey Global Institute (MGI) hat in seiner Studie „Smart Cities: Digital solutions for a more liveable future“ herausgefunden, dass der flächendeckende Einsatz digitaler Angebote die Lebensqualität in Städten spürbar steigern kann. So sinken in einer „Smart City“ die tägliche Pendelzeit, die Kriminalitätsrate und das Müllaufkommen, und es steigt die Luftqualität. Von den 50 durch das Institut untersuchten Städten ist die digitale Infrastruktur am weitesten fortgeschritten in New York, Singapur und San Francisco. Berlin und Hamburg liegen im unteren Mittelfeld. Quelle: https://mck.co/2Jq8ccn
Für Agrawal stehe das Bauen in die Höhe für die Zukunft, weil sich die Materialtechnik weiterentwickelt habe. Bauingenieure arbeiteten daran, neue Baustoffe wie Carbonfasern zu entwickeln. „Solche deutlich leichteren und dennoch stärkeren Materialien erlauben uns, das statische Gewicht zu reduzieren, was zum einen die Arbeit am Fundament erleichtert und zum anderen das Gebäude effizienter macht“, sagt sie. Zu den Herausforderungen des Planens und Bauens von immer höheren Wolkenkratzern zähle die Entwicklung neuer vertikaler Transporttechniken sowie eine noch bessere Analyse der Auswirkungen von Wind, Hitze und Kälte auf die Baustruktur. Hierfür stehen den Bauingenieuren jedoch neue digitale Analysemethoden zur Verfügung. Agrawal glaubt daher, dass es durch „fortgeschrittene Computermodelle, Materialien und Baumethoden kein Limit mehr gibt, wie hoch wir bauen können. Für Bauingenieure heißt das, wir leben in aufregenden Zeiten.“
Zu den Herausforderungen des Planens und Bauens von immer höheren Wolkenkratzern zählt die Entwicklung neuer vertikaler Transporttechniken sowie eine noch bessere Analyse der Auswirkungen von Wind, Hitze und Kälte auf die Baustruktur.

Stadt wird multifunktional

Doch nicht auf die Höhe kommt es an: Die Trendforscher vom Zukunftsinstitut rufen in ihrem Report „Die Stadtwirtschaft von morgen“ mit Blick auf das urbane Bauen die „Ära der Multifunktionalität“ aus: „In den nächsten Jahren werden die klassischen Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten, zwischen Beruf und Freizeit, öffentlich und privat, Familien- und Freundeskreis weiter verschwimmen“, heißt es in der Studie. Der innovative Wohnungsbau werde daher neue Konzepte entwickeln: „Weil bauliche Strukturen künftig schneller und flexibler auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren müssen, die notwendigen Herstellungs-, Bewirtschaftungs- und Modernisierungskosten jedoch weiterhin hoch sind, werden Wohnungen, Grundrisse, Gebäude und Quartiere zunehmend multifunktional und ‚nutzungsneutral’ gestaltet“, schreiben die Trendforscher. Ein Stichwort ist hier der modulare Bau.

Master-Studiengang Smart City Solutions

Zum Wintersemester 2018/19 startete die HFT Stuttgart den neuen, in dieser Form weltweit einmaligen englischsprachigen Master-Studiengang Smart City Solutions. In drei Semestern sollen die Studierenden in einem internationalen Umfeld übergreifende Kompetenzen in den Bereichen ‚Smart’ Stadtplanung und Gebäude, ‚Smart’ Infrastruktur (Energie, Mobilität, Ressourcenmanagement, Resilienz) und Smart-City-Projektmanagement sowie Finanzierung und Digitalisierung erwerben. https://bit.ly/2AhS479
Auch der demografische Wandel beeinflusse die Art, wie in Zukunft in Städten gebaut werde: Die Autoren vom Zukunftsinstitut glauben, dass ein Begriff wie „altersgerecht“ schon bald kein Teil des Marketings mehr sein werde – und zwar, weil diese Aspekte in neuen Gebäuden ganz selbstverständlich Teil eines generationenkompatiblen Entwurfs sein werden: „Ageless- und Universal-Design-Konzepte sorgen dafür, dass Wohnungseinrichtungen so gestaltet sind, dass eine flexible, leichte und intuitive Nutzung mit hoher Fehlertoleranz möglich ist. Barrierefreiheit und Ästhetik sind nicht länger ein Gegensatz.“ Auch an dieser Stelle zeigt sich, dass die Herausforderungen, die an Bauingenieure gestellt werden, groß sind. Es geht nicht nur darum, in bereits dichten Metropolen weiteren Wohnraum sowie eine Infrastruktur für Mobilität und Wirtschaft zu errichten: Was heute gebaut wird, muss nachhaltig und effizient sein sowie den steigenden Ansprüchen der Menschen in den Städten gerecht werden. So zu planen und zu bauen, ist nicht nur spannend, sondern eine ausgezeichnete Zukunftsperspektive: Die Urbanisierung schreitet fort, und auch für Bauingenieure sind die Metropolen dieser Welt in den kommenden Jahren ein entscheidender Jobmotor – Bauingenieure werden zum Urban Constructor.

Start-ups als neue Bau-Akteure

Wie jeder Trend fördert auch die Urbanisierung das Ideenreichtum in den Unternehmen. Neben den großen Konzernen etablieren sich Startups mit ungewöhnlichen Ideen. Zum Beispiel:
  • MQ Real Estate: Bauen dort, wo andere gar nicht auf die Idee kämen, zum Beispiel durch modularen Bau auf kaum genutzten Parkflächen. www.mqre.de
  • Cabin Spacey: Errichten von ökologischen Mini-Häusern auf Dachflächen. www.cabinspacey.com
  • Freeelio: Blockchain-Tools helfen, den Energiegewinn von Solaranlagen auf Dächern richtig auszunutzen. https://sites.google.com/view/freeelio-de

Cover Smart CityBuchtipp

Smart City: Innovationen für die vernetzte Stadt – Geschäftsmodelle und Management Städte müssen enorme Herausforderungen bewältigen: Zu- oder Abwanderung, Energie- und Ressourcenknappheit, Luftverschmutzung oder Überlastung der Infrastruktur sind nur einige Beispiele. Die Lösung wird oftmals in Smart-City-Konzepten gesehen. Doch was bedeutet „Smart City“ ganz konkret? Dieses Buch liefert Antworten auf diese und viele andere Fragen. Oliver Gassmann, Jonas Böhm, Maximilian Palmié: Smart City. Hanser 2018, 48 Euro.Jetzt kaufen bei Amazon

Implenia Deutschland-Chef Dr.-Ing. Matthias Jacob im Interview

Als Geschäftsführer von Implenia Deutschland und Aufsichtsrat der Initiative „planen-bauen 4.0“ gehört Dr.Ing. Matthias Jacob zu den führenden Verfechtern eines vernetzten und digitalen Arbeitens in Bauunternehmen. Im Interview erklärt der promovierte Bauingenieur, welche neuen Job-Profile die BIM-Methode entstehen lässt und warum partnerschaftliches Arbeiten wichtiger denn je ist. Das Gespräch führte André Boße.

Herr Dr. Jacob, wenn Sie sich an Ihre erste Managementfunktionen in der Bauindustrie ab Ende der 1980er-Jahre zurückerinnern, was war damals komplett anders als heute und was hat sich hingegen überhaupt nicht geändert? Ich bin seit 1987 in der Bauindustrie tätig, ab Mitte der 1990erJahre in Managementfunktionen. Gebaut wurde auf der Baustelle seit jeher mit 2D-Plänen und separaten Leistungsbeschreibungen, mal mehr, oft weniger stimmig und aktuell. E-Mails und Internet waren noch nicht vorhanden. Das heißt, es wurde noch mehr miteinander gesprochen. Welche Eigenschaften und welche Qualitäten haben Ihnen auf dem Weg nach oben besonders geholfen? Neben einer fundierten Ausbildung an der TU Dortmund mit der Vertiefungsrichtung Baubetrieb und Bauwirtschaft haben mir insbesondere praktische Erfahrungen auf Baustellen dabei geholfen, die Besonderheiten der Bauproduktion zu verstehen. Daneben waren Kompetenzen wie Teamfähigkeit, schnelle Auffassungsgabe und besonnenes Handeln in Krisensituationen sehr wichtig.
Die digitalen Möglichkeiten in der Industrie und nun auch in der Bauwirtschaft sind allgegenwärtig.
Wie würden Sie aktuell die Stimmung in der Baubranche beschreiben? Herrscht dank der neuen digitalen Möglichkeiten eine Aufbruchstimmung? Die digitalen Möglichkeiten in der Industrie und nun auch in der Bauwirtschaft sind allgegenwärtig. Die rasante Weiterentwicklung scheint uns sogar teilweise zu überrennen. Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass sie ohne den Einsatz digitaler Methoden in den nächsten Jahren nicht mehr konkurrenzfähig sein werden. Allerdings schürt diese Entwicklung auch Ängste: vor technologischem Wandel und den Geschäftsmodellen, die sich als Folge daraus verändern werden. Die Frage, wie die Digitalisierung letztlich das jeweilige Unternehmen beeinflusst und im Idealfall noch wirtschaftlicher machen soll, schafft bei einigen Akteuren große Unsicherheit. Sie plädieren für einen stärkeren interdisziplinären Austausch bei Bauprojekten. Wenn Sie sich diesen Austausch in der Praxis anschauen, wo liegen die Herausforderungen, warum tun sich manche schwer mit diesem Austausch? Interdisziplinärer Austausch bedeutet immer auch, eigene Arbeitsabläufe umzustellen und offenzulegen. Zu Beginn der Umstellung auf eine engere und kooperativere Zusammenarbeit entsteht zum einen ein gewisser Mehraufwand, weil man den anderen Projektbeteiligten Informationen kontinuierlich zukommen lassen und sich regelmäßig absprechen muss. Zum anderen ist die daraus abgeleitete Transparenz nicht jedem recht, da die eigene Arbeitsweise hierbei ständig durch die anderen Projektbeteiligten auf dem Prüfstand steht. Es steht außer Frage, dass BIM den Bau verändert hat und weiter verändern wird. Welche Vorzüge der digitalen Methode werden Ihrer Meinung nach zu selten kommuniziert? Der größte Vorzug von BIM ist meines Erachtens der partnerschaftliche, integrale Ansatz dieser Arbeitsmethode. Alle Projektbeteiligten arbeiten interdisziplinär mit einem gemeinsamen Projektverständnis zusammen. Dies reduziert Missverständnisse, fördert den Informationsfluss und damit schnellere Entscheidungen.
Viel eher wird es in Zukunft auf Kommunikations- und Management-Qualitäten ankommen, welche im Projekt unter Beweis gestellt werden müssen.
Für Bauingenieure brechen mit BIM zweifellos neue Zeiten an. Welche neuen Kompetenzen sind unabdingbar, um fit fürs Thema BIM zu sein? Gibt es darunter Skills, die man zunächst gar nicht auf dem Schirm hat – die aber dennoch unverzichtbar sind? Mit Sicherheit, denn Softwarekenntnisse sind nur ein Teil der Voraussetzungen, um in einem BIM-Projekt erfolgreich zu sein. Viel eher wird es in Zukunft auf Kommunikations- und Management-Qualitäten ankommen, welche im Projekt unter Beweis gestellt werden müssen. Der Fokus liegt bei BIM auf der Vernetzung und Bereitstellung der projektbezogenen Daten, was zwingend eine kooperative und strukturierte Projektarbeit des ganzen Teams voraussetzt. Wer sich neuen Technologien und Veränderungen in der eigenen Arbeitsweise nicht verschließt, kann als junger Bauingenieur bedenkenlos in die Zukunft blicken. Der Weg zum komplett digitalen Bau ist noch lang, dennoch: Was glauben Sie, wie digital kann ein Bauprojekt in naher Zukunft werden? Die Entwicklung der technologischen Möglichkeiten geht rasend schnell voran, was einen Blick in die Zukunft sehr schwer macht. Allerdings gibt es heute schon Anzeichen dafür, dass sich der Bau wesentlich verändern wird. Möglichkeiten wie der Einsatz von Betondruckern und Fertigungsrobotern auf der Baustelle werden bereits in Pilotprojekten umgesetzt. Aber auch die digitale Bau-Dokumentation wird ein wesentlicher Bestandteil eines ganzheitlichen BIM-Projektes werden. Was zeichnet diese digitale Bau-Dokumentation aus? Alle wesentlichen Projektdaten werden über die gesamte Planungs- und Bauzeit gesammelt und mit dem BIM-Modell verknüpft. Zusätzlich zum real gebauten Bauwerk wird dem Bauherrn somit auch ein digitaler Zwilling übergeben, der für die lange Zeit des Gebäudebetriebs genutzt werden kann. Wie wird die Digitalisierung auch die Arbeit in den großen Bauunternehmen verändern? Werden beispielsweise ganz neue Job-Profile entstehen? Derzeit wird die Projektabwicklung mit BIM durch zwei neue Rollen ergänzt: Der BIM-Manager treibt die BIM-Implementierung im Unternehmen voran und überwacht den BIM-Prozess im Projekt. Der BIM-Koordinator organisiert den Informationsfluss zwischen den Projektbeteiligten, führt die einzelnen Fachmodelle in einem Koordinationsmodell zusammen und ist für die Vorgaben und Einhaltung eines projektspezifischen BIM-Abwicklungsplans verantwortlich. Diese neuen Job-Profile werden in Zukunft jedoch wieder mit den Rollen des bestehenden Projektteams verschmelzen, wenn in einigen Jahren der Einsatz von BIM obligatorisch geworden ist.

Zur Person

Dr.-Ing. Matthias Jacob leitet seit Januar 2018 den Geschäftsbereich Implenia Hochbau Deutschland. Seit seiner Promotion als Bauingenieur und nachfolgender universitärer Tätigkeit an der TU Dortmund ist Matthias Jacob seit 1987 in verschiedenen Managementfunktionen in der Bauwirtschaft tätig, unter anderem ab 2005 als Mitglied und von 2007 bis 2010 als Vorsitzender der Geschäftsführung der Bilfinger Hochbau GmbH. Vor seinem Einstieg bei Implenia hatte er ab 2011 als Technischer Geschäftsführer die Leitung der Wolff & Müller Holding übernommen. Neben seiner Mitgliedschaft im Beirat des Masterstudiengangs Real Estate Management und Construction Project Management sowie eines Lehrauftrags an der Bergischen Universität Wuppertal ist er stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Initiative „planen-bauen 4.0“.

Zum Unternehmen

Implenia Hochbau Deutschland entstand, als der führende Baudienstleister in der Schweiz, Implenia, vom deutschen Baukonzern Bilfinger die Sparten Hoch- und Ingenieurbau übernahm. Heute ist Implenia im Bereich Hoch- und Ingenieurbau in ganz Deutschland mit rund 3000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro tätig. Der Hauptsitz von Implenia Deutschland ist in Raunheim, gelegen zwischen Mainz und Frankfurt. Der Mutterkonzern mit seinen 8000 Mitarbeitern in 14 Ländern hat seine Zentrale in Dietlikon bei Zürich. https://implenia.com
 

Um die Ecke denken

Ein Haus mit hoher Denkerstirn: Mitdenken gilt nicht nur für Mitarbeiter – auch Gebäude denken jetzt mit. Der „cube berlin“ ist ein Smart Commercial Building. Äußerlich zieht es durch seine markante Glasfassade die Blicke auf sich. Doch auch auf die inneren Werte kommt es an. Das Haus verfügt über ein „Brain“, wie der Bauherr CA Immo und das Projektmanagement- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer unserem Autor Christoph Berger erklärten.

Die Leitmotive des Gebäudes sind Innovation, Digitalisierung, New Work, Open Space, Open Mind, Smart Working und Smart Building. Mit dem 42,5 Meter hohen und aus elf Geschossen bestehenden Bau am Washingtonplatz in Berlins Bezirk Mitte wurde im Herbst 2016 begonnen. Entworfen wurde das Gebäude von dem in Kopenhagen, Dänemark, ansässigen Architektenbüro 3XN Architekten. Der cube Berlin wird 19.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche erhalten, von denen 17.000 Quadratmeter vermietbare Nutzfläche sind. Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant. Das Haus hat die Wired-Score Zertifizierung in Platin bereits erhalten, mindestens DGNB Gold wird noch angestrebt. Im Inneren wartet das Gebäude dann mit Fakten auf, die eher neu für Fact Sheets sind – ganz getreu den Leitlinien. Gemeinsam mit Drees & Sommer entwickelte die CA Immo ein Digitalisierungskonzept, das 3750 Sensoren für die Steuerung und den Betrieb des Gebäudes vorsieht, 750 Beacons, also Hardware-Sender und -Empfänger, und etwa 140 Mobilfunkantennen.
Am digitalen Wandel in Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft arbeitet man auch in Hamburg am „Hammerbrooklyn. Digital-Campus“: http://hammerbrooklyn.hamburg
Mit dem sogenannten „Brain“ verfügt das Smart Commercial Building über eine künstliche Intelligenz (KI). Sie verknüpft die meisten technischen Anlagen, Sensoren sowie Planungs, Betriebs- und Nutzerdaten intelligent miteinander. Diese KI wird die Prozesse im Gebäude optimal steuern und aus den Daten des Betriebs, der Nutzer und der Umwelt lernen. So kann sie beispielsweise vorschlagen, Mietflächen sukzessive aufzufüllen, damit nicht benötigte Flächen nicht energetisch versorgt werden müssen. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, den Gebäudenutzer ins Zentrum der Planungen zu stellen: Wie kann der Nutzer mit seinen Prozessen erfolgreicher gemacht werden? Über ein Management Cockpit wird er mit umfassenden Daten über Gebäudeverbräuche und Nutzerverhalten informiert; über eine eigens erstellte App kann er selbst das Raumklima, Zugangskontrollen, die Paketstation und noch einiges mehr steuern – so kann er eingreifen und auf diese Weise die Flächennutzung entsprechend optimieren. Alles unter höchsten IT-Sicherheitsstandards und im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung. So wird eine neue Vision von einem Gebäude entwickelt, die es bis dato auf dem Immobilienmarkt noch nicht gab.

Suez Canal Crossing

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Es ist der Tag vor Heiligabend 2017: Gerade hat der dritte von vier Herrenknecht-Mixschilden die Vortriebsarbeiten für den ersten von zwei neuen, doppelröhrigen Straßentunneln unter dem Suez-Kanal beendet. – Autoschlangen gehören bald der Vergangenheit an. Von Christoph Berger

Ziel der neuen Tunnelbauwerke bei den beiden ägyptischen Städten Port Said und Ismailia ist es, die Sinai-Halbinsel stärker an das ägyptische Kernland anzubinden und der Region so neue wirtschaftliche Chancen zu eröffnen: Anstatt bis zu fünf Tage vor der Fähre in langen Autoschlangen zu verbringen, wird die Passage des Suez-Kanals über die leistungsfähigen Tunnel zukünftig nur noch zehn Minuten dauern. Dazu wurden in rund anderthalb Jahren zwei gigantische, doppelröhrige Straßentunnel, vier Tunnelröhren also, unter der künstlichen Wasserstraße aufgefahren: Zwei Straßentunnel entstanden nördlich von Ismailia und verlaufen unter dem alten und neuen Suez-Kanal. Zwei weitere unterqueren den Kanal südlich von Port Said. An dem besagten 23. Dezember 2017 beendete der dritte Herrenknecht-Mixschild S960 mit einem Durchmesser von 13,02 Metern seinen Vortrieb für das Straßentunnel-Projekt bei Ismailia. Insgesamt waren für die neuen Suez-Querungen vier hochmoderne, baugleiche Tunnelbohrmaschinen vom deutschen Tunnelbohrunternehmen Herrenknecht geordert worden. Diese Maschinen stellten die Tunnel in Tiefen von bis zu 60 Metern und bei bis zu sechs Bar Wasserdruck in 19 Monaten her – insgesamt 15,3 Kilometer neue Tunnel. Um das komplexe Projekt erfolgreich abzuschließen, hatte das deutsche Unternehmen im Vorfeld der Vortriebsarbeiten 40 ägyptische Ingenieure in Schwanau und auf den Baustellen ausgebildet. Die Mixschilde der Tunnelbohrmaschinen haben einen Durchmesser von 13,02 Metern und erstellen über 15 Kilometer neue Tunnel für das Großprojekt. Zudem wurden die Vortriebsmannschaften von den deutschen Experten mit umfassenden Serviceleistungen versorgt und Peripherie-Einrichtungen bereitgestellt: Dazu zählten beispielsweise Navigations- und Prozessdatenmanagement-Systeme, Schalungen und Multi-Service-Fahrzeuge. Nicht zuletzt arbeiteten auch erfahrene und fachkundige Serviceexperten von Herrenknecht im Team mit der Mannschaft der bauausführenden Unternehmen zusammen, um Baustellenprozesse wie Montagen und den eigentlichen Vortrieb zu optimieren. Doch mit der aus Deutschland gelieferten Technologie wird nicht nur die Verkehrsinfrastruktur in der Region den zeitlichen Anforderungen angepasst, mit ihr werden auch Ver- und Entsorgungsleitungen gebaut. Zwei HDD-Rigs, eine Horizontalbohrtechnik zur grabenlosen Pipelineverlegung, ziehen Rohrleitungen für den Ausbau des Stromnetzes ein. Und zwei AVND-Maschinen, Vortriebsuniversalisten für jede Geologie im Durchmesserbereich von 0,4 bis etwa vier Metern, wiederum sorgen für den Bau von Wasserleitungen für die Landwirtschaft.