Intelligente Europaletten

Foto: Fraunhofer IML
Foto: Fraunhofer IML

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML haben gemeinsam mit der European Pallet Association e.V. (EPAL) die klassische Europalette zu einem automatisch verfolgbaren und steuerbaren Ladungsträger gemacht. Daraus sollen in Zukunft intelligente Logistiknetzwerke werden. Von Sabine Olschner

Ziel der gemeinsamen Entwicklung ist die Digitalisierung des weltweit größten offenen Palettenpools: Die EPAL hat allein in Europa rund 500 Millionen Paletten im Umlauf. Die Standard-Europalette ist der wichtigste Ladungsträger in der Logistik. Zahlreiche Systeme in der Förder- und Lagertechnik sowie viele Transportmittel und Verpackungen sind auf EPAL-Europaletten ausgelegt.

Die neuen intelligenten Paletten kommunizieren mithilfe der Funktechnologie NarrowBand IoT der Deutschen Telekom und sind in der Lage, über Smart Devices in einem dezentralen Netzwerk zu kommunizieren. Damit sind die Paletten nicht mehr nur Ladungsträger, sondern künftig auch Informationsträger. Das noch junge Narrowband IoT wurde speziell für das Internet der Dinge entwickelt und ist auf Massennutzung ausgelegt. Die Technologie ist deshalb nahezu beliebig skalierbar. Die Forscher haben diese Lösung im erst kürzlich gegründeten Telekom Open IoT Lab entworfen.

„Die Logistik steht auf Paletten. Diese intelligent zu machen, heißt, die Logistik intelligent zu machen“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML. „Intelligente Palettennetzwerke sind ein Meilenstein auf dem Weg zum Internet der Dinge, mit dem sich der wahre Datenschatz in der Logistik heben lässt.“ Die Wissenschaftler hoffen, dass die neuen Paletten auch dem Mittelstand den überfälligen IoT-Anstoß geben. Bislang nutzen nur sehr wenige mittelständische Industrieunternehmen die Vorteile einer digitalisierten Supply Chain.

Auf der LogiMAT 2018 in Stuttgart, der internationalen Fachmesse für Intralogistik- Lösungen und Prozessmanagement, hat das Fraunhofer IML als Weltpremiere eine Anwendung der kommunizierenden Paletten demonstriert. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach automatisch verfolgbaren und steuerbaren Ladungsträgern im Zuge von Industrie 4.0 rasant ansteigen wird. Das Start-up Ahrma hat mit dem Chemiekonzern BASF eine vergleichbare Lösung entwickelt. Diese arbeitet standardmäßig mit Bluetooth Low Energy, lässt sich aber ebenfalls mit IoT-tauglichen Standards wie LoRa, Sigfox oder LTE-M verwenden. Bei dieser Lösung wird die Mehrwegpalette mit einem Polyurethan-Sprühsystem beschichtet und hat einen aktiven drahtlosen RFID-Transponder.

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