Kuratiert

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Flexible Arbeitsbedingungen zählen mehr als das Gehalt

Laut einer Studie ist hybrides Arbeiten mittlerweile das wichtigste Instrument im Recruiting von Tech-Talenten, das Gehalt wurde auf Platz zwei verdrängt. Eine Befragung von 502 Führungskräften (Director-Level und höher) in Deutschland belegt: Für Unternehmen in Deutschland ist Flexibilität längst kein Zusatzangebot mehr, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor. Mehr als drei Viertel (78 %) der befragten Führungskräfte sehen hybride oder flexible Arbeitsmodelle als entscheidend für die Gewinnung von Tech-Talenten an, bei der Generation Z (81 %) und den Millennials (82 %) sogar noch stärker. Durchgeführt wurde die Studie im März 2026 von Mortar Research im Auftrag der International Workplace Group (IWG).

Deutschland startet als erstes Land Europas ins Exascale-Zeitalter

Der im vergangenen Jahr am Forschungszentrum Jülich eingeweihte Supercomputer JUPITER kann als erster Supercomputer Europas mehr als eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde durchführen. Das geht aus der TOP 500-Liste der schnellsten Supercomputer der Welt hervor, die im Rahmen der Supercomputing-Konferenz in Austin/USA im Herbst 2025 veröffentlicht wurde. KI-Projekte, ausgewählt in der „Gauss AI Compute Competition“, können den Superrechner bereits nutzen – damit trägt JUPITER direkt zu Innovation „Made in Germany“ bei. www.fz-juelich.de/de/jupiter

Wissenschaftspreis für Turns

Das Start-up Turns aus Ansbach wurde mit dem Wissenschaftspreis 2026 der EHI Stiftung und GS1 Germany in der Kategorie „Bestes Start-up“ ausgezeichnet. Die Gründerinnen Katja Wagner und Angelique Thummerer haben ein digitales System geschaffen, das Alttextilien aus Unternehmen zurücknimmt, nach Material sortiert und anschließend zu neuen Garnen verarbeitet – ohne den Einsatz von Chemikalien oder Wasser. Im Vergleich zur thermischen Verwertung können so bis zu 59 % CO₂ eingespart werden. Gemeinsam mit dm konnte Turns bereits 2025 das bislang größte Textil-zu-Textil-Recyclingprojekt im deutschen Handel umsetzen. www.wissenschaftspreis.org von Kerstin Neurohr

BIM-Special: „Man sieht sofort, wo ein Konzept klimaresilienter werden muss.“

Nic Züchner hat seine Masterarbeit an der TU Dresden zum BIM Champion 2026 gemacht. Im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Cornelius Preidel, Vorstandsvorsitzender buildingSMART Deutschland, erklärt er, warum Überflutungsschutz und digitale Planung zusammengehören und was Landschaftsarchitektur mit der Zukunft des Bauens zu tun hat. Aufgezeichnet von Christoph Berger.

Zur Person

Nic Züchner ist Freiberufler mit Fokus auf BIM in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung. Seine Masterarbeit sowie das zugehörige Modell sind auf seiner Website öffentlich zugänglich. www.datenlandschaft.studio
Wer beim Stichwort BIM automatisch an Hochbau, Betondecken und Tragwerksplanung denkt, hat Nic Züchner noch nicht kennengelernt. Der frischgebackene Absolvent der Technischen Universität Dresden hat seine Masterarbeit im Studiengang Landschaftsarchitektur geschrieben und dabei gezeigt, dass die BIM-Methodik weit über das Gebäude hinausgeht. Beim BIM Champions Award 2026, den buildingSMART Deutschland jährlich vergibt, wurde er in der Kategorie „Arbeiten von Studenten und Auszubildenden“ ausgezeichnet. Die Jury überzeugte vor allem der mutige Blick über Disziplingrenzen hinweg: Nic Züchner verknüpft BIM mit GIS, Wettersimulationen, KI und Überflutungsnachweisen zu einem integrativen Planungswerkzeug. Ein Ansatz, der aktueller kaum sein könnte. Nic, herzlichen Glückwunsch zum BIM Champion 2026. Wie kam ein Landschaftsarchitekturstudent überhaupt zur BIM-Methodik? Das war tatsächlich ein sehr persönlicher Antrieb. BIM war in meinem Studiengang kein Pflichtthema, es gab kaum Module dazu. Aber ich wollte mich wirklich gut damit auskennen und der direkteste Weg war, die Masterarbeit dazu zu schreiben. Mein Zweitgutachter, M. Eng. Sven-Marvin Sommer, hatte dann die entscheidende Idee: den Überflutungsnachweis. Denn genau dort liegen in der Freiraumplanung die Daten, die wir mit BIM sinnvoll strukturieren, verwalten und nutzbar machen können. Viele würden sagen: Landschaftsarchitektur und BIM – passt das überhaupt zusammen? Das höre ich oft. Und ja, BIM wird häufig als Hochbau-Thema wahrgenommen. Aber ich sehe das anders: Bei Umweltdaten, Starkregenereignissen, Regenwasserabfluss – genau da haben wir riesige Datenmengen, die bisher kaum strukturiert genutzt werden. BIM ist im Kern eine Datenherausforderung, keine Herausforderung für Gebäude. Und wenn wir das verstehen, eröffnen sich ganz neue Anwendungsfelder. Was konkret hat sich durch deinen Ansatz in der Überflutungsplanung verändert? Bislang ist das oft so gelaufen: Viele Büros geben den Überflutungsnachweis an spezialisierte Ingenieurbüros ab und die bekommen dann Pläne und Datengrundlagen, deren Qualität teilweise fraglich ist. Ich habe mit der ifs Ingenieurgesellschaft für Stadthydrologie aus Hannover gesprochen, die mir bestätigt hat: Unklare Anschlusspunkte, unvollständige Grundlagen – all das sind riesige Fehlerquellen. Mein Ansatz ermöglicht es, den Nachweis direkt im Entwurfsprozess zu führen, live mit dem Modell. Man sieht sofort, wo ein Konzept klimaresilienter werden muss, und kann direkt reagieren. Und das ohne Medienbruch und ohne Informationsverlust.

BIM Champions Award

Der BIM Champions Award wird jährlich von buildingSMART Deutschland verliehen und zeichnet herausragende Leistungen in der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aus. www.buildingsmart.de/bim-champions
Das klingt nach einem Werkzeug, das gerade jetzt gebraucht wird. Absolut. Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, wie ernst das Thema ist. Digitale Planungsmethoden, die wirklich helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen, das ist kein akademischer Luxus, das ist dringende Praxis. Was passiert jetzt mit der Arbeit, landet sie in der Schublade? Das hoffe ich nicht. Und ich tue aktiv etwas dagegen. Die Arbeit inklusive Modell ist auf meiner Website frei zugänglich. Jeder kann sie herunterladen, sich anschauen, weiterdenken. Außerdem stehe ich in engem Austausch mit Vectorworks Germany, um zu prüfen, ob sich der Überflutungsnachweis direkt in die Software integrieren lässt. Das wäre natürlich ein enormer Schritt: Wenn das Werkzeug aus dem Planungsprogramm heraus funktioniert, wird es für die Praxis wirklich nutzbar. Du hast dich direkt nach dem Studium selbstständig gemacht. War die Masterarbeit der Auslöser? Sie hat definitiv geholfen. Die Arbeit hat mir gezeigt, dass ich in einem Nischenbereich wirklich tief drin bin. Auch, dass es dafür Bedarf gibt. Mit der Auszeichnung durch buildingSMART kommt jetzt auch die Sichtbarkeit dazu. Wer Interesse hat, an meinen Ansätzen weiterzuarbeiten oder mich für Projekte zu kontaktieren, ist herzlich eingeladen.

Digital Life! Kultur-, Buch- und Linktipps

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Neues Digitalmuseum in Hamburg

UBS DIGITAL ART MUSEUM © Thorsten Bauer
UBS DIGITAL ART MUSEUM © Thorsten Bauer
In der Hamburger HafenCity entsteht gerade Europas größtes Museum für digitale und immersive Kunst: das UBS Digital Art Museum. Auf 6.500 Quadratmetern zeigt das japanische Kunstkollektiv teamLab seine Dauerausstellung „Borderless“ – eine Welt aus Licht, Projektion und Klang, in der Kunstwerke auf Bewegungen reagieren und die Besucher:innen selbst Teil der Ausstellung werden. Feste Wege gibt es nicht. Hinter dem Projekt steckt Lars Hinrichs, Hamburger Unternehmer und Gründer des Karrierenetzwerks XING. Er entdeckte teamLab bei einem Japanaufenthalt, war so begeistert, dass er die Ausstellung kurzerhand nach Hamburg geholt hat. Wann genau eröffnet wird, steht noch nicht fest – aber Tickets sind bereits erhältlich. www.digitalartmuseum.com

Petition: Recht auf Leben ohne Digitalzwang

Eine Petition des Vereins Digitalcourage setzt sich ein für ein Recht auf Leben ohne Digitalzwang. Die Initiator*innen sind überzeugt: Es ist nicht richtig, dass immer mehr Alltagsangebote ausschließlich digital funktionieren. Als Beispiele nennen sie Fahrkarten, die nur noch per App gekauft werden können, oder Arzt- und Behördentermine, die man nur online vereinbaren kann. „Digitalzwang betrifft keineswegs nur arme, alte, kranke Menschen, sondern auch alle, die nicht auf Schritt und Tritt eine Datenspur hinterlassen wollen. Deshalb unterstützen uns auch viele Technikprofis, die genau wissen, wieviel Überwachung durch eine Komplett-Digitalisierung möglich wird“, erklärt Rena Tangens, Mitgründerin von Digitalcourage. Die Petition fordert eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen der Nichtnutzung digitaler Zugangswege benachteiligt werden.“ Mehr als 70.000 Menschen haben unterschrieben, die Petition wurde im Mai 2026 an Abgeordnete des Deutschen Bundestags übergeben. https://digitalcourage.de

Digitale Vorreiterin: 100 Seiten Beyoncé

Cover BeyonceBeyoncé regiert. Ihre Alben und Tourneen sind globale Mega-Ereignisse. Als Queen Bey ist sie Pop-Ikone, Stimme des Feminismus und Symbolfigur der Black Culture zugleich. Und: Beyoncé ist eine digitale Vorreiterin, die ihre Karriere durch Streaming-Plattformen und Social Media steuert. André Boße beleuchtet das faszinierende Universum des Superstars. In diesem Imperium geht es um mehr als Hits: Es geht um knallhartes Business, politisches Engagement und die perfekte Inszenierung in den sozialen Medien. Boße analysiert den „Beyoncé-Effekt“, Szenen einer Ehe und die Pionierleistung einer Künstlerin, die den Pop-Gigantismus unserer Zeit miterfunden hat. André Boße: Beyoncé. 100 Seiten. Das kompakte Porträt der Queen Bey, Pop-Ikone und Unternehmerin. Reclam 2026. 12 Euro.

Die Zukunft der Musik

Image from The Future of Music, Kit Armstrong and Michael Wollny in Hirson_schmidtFilm
Image from The Future of Music, Kit Armstrong and Michael Wollny in Hirson_schmidtFilm
Musik ist mehr als Noten – sie ist Gefühl, Intuition, Kreativität. Doch was passiert, wenn Maschinen diese menschlichen Dimensionen simulieren? Ist das die Zukunft der Musik? Ein Dokumentarfilm begleitet zwei Ausnahme-Pianisten auf ihrer Suche nach Antworten: Jazzpianist Michael Wollny, der eine KI entwickelt, die mit ihm improvisieren soll, und Pianist und Naturwissenschaftler Kit Armstrong, der erforscht, ob Maschinen menschliche Musikalität verstehen und reproduzieren können. Im Film werden die großen Fragen gestellt: Was bleibt, wenn Maschinen menschliche Fähigkeiten imitieren? Was macht einen Künstler einzigartig? Und was lernen wir über uns selbst, wenn wir mit künstlichen Partnern musizieren? Abrufbar in der ARD-Mediathek.

Abseits war gestern – FIFA setzt auf 3D-Avatare

Wer bei der Fußball-WM 2026 in Nordamerika auf dem Rasen steht, existiert auch als digitaler Zwilling: Die FIFA lässt alle 1.248 Turnierspieler in hochpräzise 3D-Avatare verwandeln – entwickelt vom Technologieriesen Lenovo. Ein Körperscan von etwa einer Sekunde reicht, um exakte Maße zu erfassen. Die KI macht daraus ein fotorealistisches 3D-Modell. Wozu das Ganze? Die Avatare verbessern die halbautomatische Abseitstechnologie. Statt grober Strichmännchen zeigen die TV-Wiederholungen nach einer Abseits-Überprüfung künftig spielergenaue 3D-Modelle – auch wenn jemand verdeckt steht oder blitzschnell die Richtung wechselt. Getestet wurde die Technologie bereits beim FIFA Intercontinental Cup Ende 2025. Fazit: Es funktioniert.

Cyberpunk. Das neue totalitäre System.

cover cyberpunkAsma Mhalla, die neue intellektuelle Starautorin Frankreichs, widmet sich in ihrem Bestseller Cyberpunk den politischen Entwicklungen unserer Zeit, die sie mit dem Begriff des „Techno“-Faschismus beschreibt. Heraus kommt eine Dystopie, die ihre Anleihen in der Science-Fiction nimmt und die Gegenwart in den dunkelsten Farben ausmalt. Asma Mhalla: Cyberpunk. Das neue totalitäre System. C.H. Beck 2026. 16 Euro.

Rückblick: Das erste Livekonzert, das komplett digital aufgezeichnet wurde

1981 veröffentlichte Billy Joel sein erstes Livealbum: „Songs In The Attic“. Das erste Livekonzert, das komplett digital aufgezeichnet wurde, und zwar im Sommer 1980 in acht unterschiedlichen Locations in den USA. Billy Joel wollte damals seinem Publikum einige ältere Songs zugänglich machen, unter anderem von seinem Debütalbum „Cold Spring Harbor“, das nur in kleiner Auflage erschienen war und dann wegen einer juristischen Auseinandersetzung nicht mehr verkauft wurde. Wer den Retro-Style mag, kann das Album auf Vinyl oder als CD kaufen, alle anderen hören es bei ihrem Streamingdienst.

Weiterbildung: Wissen altert, Denken nicht

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Wie generative KI und universitäre Bildung zur neuen Schlüsselallianz des Arbeitsmarktes werden und eine strategische Ausrichtung nach dem Prinzip des „T-Shaped-Profiles“ in der Weiterbildung nützt. Von Stefan Trees

Ein Berufsleben, das sich über vierzig Jahre in den exakt gleichen, vorgezeichneten Bahnen bewegt – diese Vorstellung gehört endgültig der Vergangenheit an. Die digitale Transformation und der flächendeckende Einzug künstlicher Intelligenz vollziehen sich nicht mehr in evolutionären Zyklen, sondern in Echtzeit. Für junge Absolventinnen und Absolventen an Hochschulen birgt diese Dynamik eine fundamentale Verunsicherung: Sie beenden eine Ausbildung, von der sie beim Start noch nicht wissen konnten, ob deren Kernkompetenzen am Tag der Zeugnisübergabe überhaupt noch in der klassischen Form nachgefragt werden. Die Sorge vor der wirtschaftlichen Entwertung des mühsam erworbenen Wissens ist zu einem ständigen Begleiter im Übergang in den Beruf geworden. Doch wer die aktuelle Lage präzise analysiert, erkennt schnell, dass Akademiker nicht die Massenarbeitslosigkeit erwartet, sondern ein völlig neues Spielfeld für sie entsteht.

Vom statischen Berufsbild zum dynamischen Denken

Die herrschende Verunsicherung speist sich meist aus einem Missverständnis über den eigentlichen Wert eines Studiums. Universitäre Ausbildung hat selten das Ziel, ein Rädchen zu formen, das nur in eine einzige, unveränderliche Maschine passt. Ihr wahrer Kern liegt in der Vermittlung von Strukturierungskompetenz: Wie dringt man tief in komplexe Systeme ein? Wie validiert man Hypothesen, und wie verarbeitet man valide Daten unter hohem Druck? Dieses Fundament altert nicht. Die künstliche Intelligenz verändert nicht die Notwendigkeit des Denkens, sondern das Werkzeug, mit dem die Ergebnisse erzeugt werden. Für die junge Generation ergibt sich daraus ein historischer Vorteil: Sie betritt den Markt als „AI-Natives“. Während etablierte Fachkräfte bestehende Routinen oft mühsam verlernen müssen, können Absolventen die neuen Technologien von Tag eins an als natürlichen Teil ihres Skillsets begreifen. Die entscheidende Formel für die Karrierepraxis lautet daher nicht: Mensch gegen Maschine. Sondern: Wer die KI klug steuert, ersetzt denjenigen, der sich ihr verweigert.

Die Nische des Menschen: Wo Algorithmen scheitern

Je effizienter Algorithmen repetitive Aufgaben, Standardtexte, einfache Programmiercodes oder statistische Analysen übernehmen, desto klarer trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Fachkompetenz allein fungiert auf dem modernen Arbeitsmarkt nur noch als Eintrittskarte, nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal. Die wahre Wertschöpfung verlagert sich in jene Bereiche, die sich einer rein mathematischen Logik entziehen: Kontext und Relevanz: Datenanalysen zu generieren ist das eine – zu verstehen, was diese Daten in einem spezifischen kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext bedeuten, das andere. Kritisches Hinterfragen: KI-Systeme neigen zu Fehlern und Halluzinationen. Gefragt sind Absolventen als finale Instanz der Qualitätskontrolle. Empathie und Beziehungsmanagement: Komplexe Verhandlungsprozesse, echtes Change-Management und interdisziplinäre Teamführung bleiben eine zutiefst menschliche Domäne.
Unternehmen suchen in der heutigen Ära keine wandelnden Lexika mehr, sondern agile Problemlöser mit hoher Ambiguitätstoleranz.

Die T-Shaped-Strategie in der Weiterbildung

Für das post-universitäre Arbeitsleben bedeutet diese Transformation eine Abkehr vom klassischen, oft wahllosen Sammeln von Zertifikaten. Gefragt ist stattdessen eine strategische Ausrichtung nach dem Prinzip des „T-Shaped-Profiles“. Der vertikale Balken des „T“ symbolisiert dabei das im Studium erworbene, tiefe Fachwissen einer Disziplin. Der horizontale Balken hingegen muss durch gezielte, praxisnahe Weiterbildung aufgebaut werden, um die Anschlussfähigkeit am Markt zu garantieren. Drei Säulen stehen hierbei im Fokus: Erstens die AI-Fluency – also die Fähigkeit, KI zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und strategisch zu steuern. Zweitens die Agilität – das Beherrschen moderner Projektmanagement-Methoden wie Scrum oder Kanban, um in hybriden Teams sofort wirksam zu werden. Und drittens die Human Skills – die Kunst des Storytellings und der klaren Kommunikation, um komplexe, technologische Sachverhalte für Entscheidungsträger verständlich zu übersetzen.

Agilität statt Perfektionismus

Unternehmen suchen in der heutigen Ära keine wandelnden Lexika mehr, sondern agile Problemlöser mit hoher Ambiguitätstoleranz. Wer mit dem eigenen Abschluss hadert, übersieht die größte Stärke des akademischen Titels: Er ist der verbriefte Beweis für eine extreme Lern- und Anpassungsfähigkeit. Wer diese Neugier kultiviert und seine eigenen Lernprozesse – etwa über professionelle Netzwerke wie LinkedIn – transparent dokumentiert, wird den Wandel auf dem Arbeitsmarkt nicht als Bedrohung erleben, sondern als Gestalter vorantreiben.

Das letzte Wort: Johan Jimi Prinz — Musikmanager und Gründer mehrerer Unternehmen

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Wir sind um 12 Uhr zum Videocall verabredet, Johan Jimi Prinz schaltet sich auf die Minute pünktlich zu, lacht und wünscht einen guten Morgen. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hängen goldene Schallplatten in Bilderrahmen – und zwar viele, die Wand ist voll. Der 26-jährige war ein Jahr lang mit Xatar unterwegs, ist Gründer und CEO der Prinzstudios und hat mit NAXIT gerade ein IT-Start-up gegründet: eine digitale Agentur für Analyse, Optimierung und Entwicklung leistungsfähiger digitaler Systeme. Die Fragen stellte Kerstin Neurohr.

Oh wow, so viele goldene Schallplatten! (lacht) Ja, die habe ich aber nicht selber als Künstler bekommen, sondern für Managementleistungen. Bei Prinzstudios haben wir zwei große Bereiche: Tonstudio-Franchising und einen Musikverlag. Mit dem Musikverlag kümmern wir uns für unsere Künstler um die ganzen administrativen Themen, GEMA zum Beispiel, und wir unterstützen kreativ. Da haben wir mittlerweile über 50 Autoren unter Vertrag, und einige sind eben mit Gold- oder Platinplatten ausgezeichnet worden: Amaru und Gringo Bamba haben für Blonde Chaya Gold in Deutschland bekommen, Sarhad für Sinne genauso, und Theo Junior hat mit Ups & Downs Goldstatus in Österreich geschafft. Glückwunsch! Wie kam es denn dazu, dass Du so jung schon gegründet hast? Eigentlich wollte ich selbst Musiker werden. Nach dem Abi habe ich dann gemerkt, dass es rund um Musik wahnsinnig viele geschäftliche Möglichkeiten gibt und habe in Bochum und London Musikmanagement studiert. Wir hatten damals ein kleines eigenes Tonstudio und irgendwann die Idee: Warum vermieten wir das nicht auch an andere Künstlerinnen und Künstler? Daraus ist 2020 die erste Gründung entstanden. Das große Wachstum kam dann ab 2023, heute betreiben wir 20 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und Anfang 2026 haben wir zusätzlich NAXIT Technology gegründet – eine eigene IT- und Softwarefirma. Was genau machen die Prinzstudios? Man kann sich das ein bisschen wie Airbnb für Musik vorstellen – nur bucht man keine Wohnung, sondern ein professionelles Tonstudio, auf Wunsch auch direkt mit Produzent oder Engineer. Das läuft alles komplett digital über unsere Plattform. Ohne digitale Prozesse hätten wir niemals so schnell skalieren können, wären also niemals so schnell gewachsen.
https://naxit.io https://prinzstudios.com/
Du bist also nie den klassischen Weg gegangen – erst Studium, dann Job im Unternehmen, dann vielleicht gründen? Naja, ich habe zwar als Zwanzigjähriger schon das Gewerbe angemeldet, aber Gott sei Dank habe ich am Anfang kaum große Umsätze gemacht. Das ging alles Schritt für Schritt: Wir haben die erste Rechnung geschrieben, die erste Immobilie angemietet, das erste Mal Nebenkosten nachgezahlt und ’ne Steuererklärung abgegeben … Das hat sich alles sehr organisch entwickelt. Ich hatte einen Werkstudentenjob in einem Musikunternehmen, war ein Jahr lang mit XATAR unterwegs, der damals auch ein großes Musiklabel hatte, und habe für ein Jahr bei einem großen Rap-Label in Köln gearbeitet. Das war extrem wichtig. Dort habe ich gesehen, wie professionelle Strukturen funktionieren, wie Teams arbeiten und wie man Projekte organisiert. Außerdem hatte ich das Glück, dass mein Vater selbstständig ist. Dadurch habe ich schon früh gelernt, wie wichtig Organisation und Verantwortung sind. Briefe beantworten, Rechnungen zahlen, Steuern ernst nehmen – das klingt banal, ist aber extrem wichtig. Was war bisher die größte Herausforderung? Drei Dinge. Erstens: die Bürokratie. Digitalisierung hin oder her – in Deutschland verbringt man als Gründer unfassbar viel Zeit mit Papierkram. Zweitens: Ein gutes Team aufzubauen und es dann auch zu halten. Und drittens braucht man natürlich Durchhaltevermögen. Es gibt gute und schlechte Phasen, das muss man aushalten. Und als Gründer ist man nie komplett offline. Urlaub ohne Handy? Kann ich mir gerade ehrlich gesagt kaum vorstellen. Zum Schluss: Dein Rat an Berufseinsteigerinnen? Wer lernt, digitale Tools intelligent einzusetzen, hat heute riesige Chancen. Gleichzeitig sollte man aber auch kritisch bleiben. Wir sind in Europa extrem abhängig von amerikanischer Software und Plattformen. Das wird in Zukunft definitiv noch ein großes Thema werden. Digitalisierung ist eine riesige Chance – aber eben auch eine Verantwortung.

MPDV Mikrolab GmbH

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Branche
Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen

Starte mit uns in die Zukunft der Industrie!
Als Experte für IT-Lösungen in der Fertigung gestalten wir die digitale Fabrik von morgen. Mit unserer Expertise aus Baden-Württemberg machen wir die smarte Produktion weltweit zur Realität. Wir entwickeln die Software, die die Fertigungsprozesse bei Top-Unternehmen steuert und optimiert. Wir sind seit 1977 am Markt, global aktiv, aber tief in der Region verwurzelt. Bei uns findest du ein zukunftssicheres Umfeld mit kurzen Wegen und viel Verantwortung.

Bei MPDV stehst Du im Mittelpunkt
Bei uns zählt der Mensch – das ist unsere gelebte Realität. Wir schaffen sichere Ausbildungs- und Studienplätze und setzen auf eine faire Work-Life-Balance. Wertschätzung, Innovation und Flexibilität sind unsere wichtigsten Werte. Dich erwartet ein familiäres Umfeld und ein Team, das sich durch enge Zusammenarbeit auszeichnet.

Deine Chancen für Ausbildung & Studium
• Praxis & Perspektive: Wir bieten Dir den idealen Einstieg in die Arbeitswelt. Während Deiner Ausbildung oder Deines Studiums erhältst Du tiefe Einblicke in ein dynamisches Hightech-Unternehmen
• Volle Verantwortung: Du kannst von Anfang an Verantwortung übernehmen und die Zukunft der Fertigung aktiv mitgestalten.
• Klares Ziel: Wir messen Deiner persönlichen Entwicklung große Bedeutung bei. Gemeinsam sorgen wir für Deine erfolgreiche Karriere.

Werde Teil des Teams bei MPDV! Bewirb Dich jetzt für einen Ausbildungsplatz oder ein duales Studium und werde Teil von #wirsindeinteam.

Anzahl der Standorte
13 Standorte weltweit

Anzahl der MitarbeiterInnen
530

Gesuchte Fachrichtungen
Informatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, BWL

Einsatzmöglichkeiten
Sales, Consulting, Verwaltung, HR, Marketing & Communications, Produktmanagement, Softwareentwicklung, IT, Support & Implementation Services

Einstiegsmöglichkeiten
Direkteinstieg, Ausbildung, duales Studium, Praktikum, Abschlussarbeit, Werkstudententätigkeit

Angebote für StudentInnen
Praktikum, Abschlussarbeit, Werkstudententätigkeit

Auswahlverfahren
Virtuelle und persönliche Gespräche

MPDV Logo

AnsprechpartnerIn
Giang Phan

E-Mail
talents@mpdv.com

Internet
https://jobs.mpdv.com

karriereführer wird 40 Jahre

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Aufbruch ins Exascale-Zeitalter

Mit Deep-Dive-Expeditionen in den Maschinenraum der Arbeitswelt 2030 bietet der karriereführer seinen Lesern anspruchsvolle Zukunftsvisionen und fundierte Orientierung für den Berufseinstieg. Sein Blick richtet sich seit jeher auf Treiber von Innovationen – darunter aktuell Weltraumfahrt, Quantencomputing, AI, Bio- und Neurotechnologien, Mikroelektronik und Energie. Auch zum Aufbruch ins Exascale-Zeitalter will der karriereführer branchenübergreifend über die neuesten Trends berichten. Zum 40-jährigen Bestehen setzt der karriereführer auf schnelleres digitales Wachstum. Dabei behält er unverändert den Fokus auf die Nutzergewohnheiten der jungen Generationen. Mit Future-Work-Videos, Podcasts und einer intensiveren Präsenz in den Social Media bespielt der karriereführer weiterhin erfolgreich den digitalen Raum zwischen Hörsaal und Abschlussprüfung. Neben der Gen Z adressiert der karriereführer mit seinen Produkten auch die Generation Alpha, die mit ihren Vorlieben für Themen wie Purpose und Nachhaltigkeit nun ins Berufsleben startet. Die Gen Alpha ist mit Tablets, Smartwatches und KI-gestützten Lernplattformen aufgewachsen und wird mit neuen Formaten früher als vorherige Generationen vom karriereführer-Team angesprochen.

About

karriereführer – der Pionier im Hochschulmarketing und Employer-Branding. Seit 40 Jahren begleitet der karriereführer als Coach und Trendscanner Studierende verlässlich beim Karrierestart und dokumentiert die Transformation der Arbeitswelt. Für Unternehmen ist er der strategische Enabler, um junge Talente über alle Kanäle hinweg cross-hybrid zu erreichen.
Das bewährte Team rund um die langjährige Verlagsleiterin des karriereführers begeht das Jubiläum am angestammten Sitz im Kölner Universitätsviertel. Als Hommage an den karriereführer-Gründer Dietrich Schirmer trägt die GmbH wieder den Namen ihres Initiators. Seit dem 1. Januar 2026 werden die karriereführer-Medien organisatorisch unter dem Dach der zur Köllen Druck+Verlag GmbH gehörenden Media-Agentur Schirmer GmbH gebündelt. Köllen ist bereits seit über 30 Jahren enger Produktionspartner des karriereführers. Nun wurde auch die Druckproduktion ins eigene Haus geholt und erfolgt besonders nachhaltig. Dafür sorgen unter anderem eine Solaranlage („Printed by Köllen and Sun“) sowie ein E-Fuhrpark für Logistik. Damit bleibt die bewährte Leistungsfähigkeit auch in Zukunft ein Kennzeichen für die Produktion des karriereführers. Next-Level: Das karriereführer-Team baut seine Kooperationen mit Netzwerkpartnern wie Eventveranstaltern, digitalen Plattformen und innovativen Videoproduzenten konsequent aus und entwickelt seine Formate stetig weiter. Pressekontakt: presse@karrierefuehrer.de | Fon: +49 (0)221/4722-300 Pressemitteilung herunterladen (PDF)  

Bauleiter (m/w/d) Schlüsselfertigbau

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Logo BREMER WO: Paderborn, BREMER West GmbH & Co. KG SKILL: Berufserfahrung WAS: Architektur, Bauwesen UMFANG: Vollzeit

WIR SIND:

In Deutschland zählt BREMER zu den führenden Unternehmen im schlüsselfertigen Industrie- und Gewerbebau. Als ganzheitlicher Anbieter der Immobilien- und Bauwirtschaft begleiten wir unsere Kunden von der Projektentwicklung über die Fertigung in eigenen Werken bis zum schlüsselfertigen Bau und den Serviceleistungen für das Gebäude im laufenden Betrieb. Das 1947 gegründete Familienunternehmen agiert an siebzehn deutschen sowie einem tschechischen und zwei polnischen Standorten und erwirtschaftet derzeit eine Betriebsleistung von ca. 1.000 Mio. EUR. Rund 1.400 Mitarbeitende setzen sich täglich mit Leidenschaft für den Kundenerfolg ein.
Als Bauleiter (m/w/d) am BREMER Standort in Paderborn übernehmen Sie die eigenverantwortliche Steuerung und Überwachung aller Baustellenabläufe. Sie koordinieren die beteiligten Gewerke, sichern Termine und Kosten und gewährleisten eine hohe Qualität der Eigen- und Fremdleistungen. Bringen Sie Ihre Erfahrung ein und gestalten Sie gemeinsam mit uns anspruchsvolle Bauprojekte – in einem professionellen Umfeld mit kurzen Entscheidungswegen und starken Teams.

IHRE AUFGABEN:

  • Koordination und Steuerung der Gewerke und Partnerunternehmer innerhalb des Baustellenteams und dem zugewiesenen Verantwortungsbereich
  • Führung der zugeteilten Partnerunternehmen zur Sicherstellung der termin- und qualitätsgerechten und kosteneffizienten Fertigstellung von Bauvorhaben
  • Umsetzung des Bausolls und Erkennung von Anpassungsbedarfen
  • Nachtragserkennung sowie -aufbereitung
  • Rechnungsprüfung im Rahmen des Änderungsmanagements

IHR PROFIL:

  • Abgeschlossenes Studium Bauingenieurwesen (FH/TU/TH) oder Architektur
  • Abgeschlossene Ausbildung: Bautechniker | Maurermeister | Stahlbetonbaumeister
  • Mehrjährige Erfahrung in der Umsetzung schlüsselfertiger Projekte
  • Deutschlandweite Reisebereitschaft und Führerschein erforderlich
  • Leistungsbereitschaft und Flexibilität
  • Organisationsgeschick und Durchsetzungsvermögen
  • Ergebnisorientierte und kostenbewusste Arbeitsweise

UNSER ANGEBOT:

  • Interessante und abwechslungsreiche Tätigkeiten in einem motivierten Team
  • Unbefristeter Arbeitsvertrag
  • Firmenwagen auch zur privaten Nutzung
  • Hochwertige technische Ausstattung (iPhone, iPad, Laptop) auch zur privaten Nutzung
  • BREMER-Kultur: familiäres, faires Miteinander, gelebte Willkommenskultur, unternehmensweite Weihnachtsfeiern sowie Sommerfeste und weitere vielfältige Teamevents
  • Verantwortung von Anfang an: herausfordernde, abwechslungsreiche Aufgaben sowie interne Perspektiven für alle Lebensphasen
  • Lebenslanges Lernen: individuelle Weiterentwicklung in der BREMER Akademie sowie interne Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten
  • Work-Life-Balance: flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten sowie die Möglichkeit zur Nutzung eines Lebensarbeitszeitkontos, Unterstützung in besonderen Lebenslagen (Kinderbetreuung, Pflegesituation)
  • Weitere Benefits: betriebliche Altersvorsorge, Bike-Leasing auch für den Partner / die Partnerin, Firmenfitness bei einem nationalen Sport- und Wellnessnetzwerk sowie exklusive Mitarbeitervergünstigungen bei zahlreichen Partnern dank unseren Corporate Benefits
#QualitätBauenZukunftGestalten

IHR KONTAKT:

Friederike Schröder Personalreferentin 0 52 51 / 770-0 Jetzt bewerben

E-Paper karriereführer ingenieure 1.2026 – Zukunftstechnologien in Luft- und Raumfahrt

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E-Paper karriereführer frauen in führungspositionen 2026.2027

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Backlash bedroht Gleichberechtigung

Vor 30 Jahren wurden bei der UN-Weltfrauenkonferenz die Weichen für globale Geschlechtergerechtigkeit gestellt. Doch die Entwicklung stockt: Krisen lähmen, populistische Bewegungen verursachen einen Backlash. Was Frauen in Führungspositionen betrifft, geht es in Deutschland besonders langsam voran. Um das zu ändern, müssen Unternehmen Führung neu denken. Damit es endlich auf Leistung ankommt – und nicht mehr auf alte Muster. Ein Essay von André Boße

Anfang September 1995, vor mehr als 30 Jahren, fand in Peking ein bedeutsames Treffen statt. Zum vierten und bisher letzten Mal lud die UN zur Weltfrauenkonferenz. Abgesandte aus 189 Nationen verabschiedeten einen Aktionsplan, um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Möglichst konkret sollte dieser Plan sein, darauf hatten die beteiligten Frauenorganisationen großen Wert gelegt. In der Abschlusserklärung verpflichteten sich die unterzeichnenden Staaten unter anderem, die Gleichstellung von Frauen in den Feldern Wirtschaft und Politik zu fördern und geschlechtsspezifische Unterschiede im Bildungssystem abzubauen.
Was vor 30 Jahren erreicht wurde, wird jetzt wieder in Frage gestellt.
Dass es seitdem keine weitere UN-Weltfrauenkonferenz gegeben hat, zeigt, wie wegweisend die Beschlüsse damals gewesen sind, wie groß ihr Einfluss auf Frauenbewegungen weltweit war. In den Ländern Afrikas zum Beispiel, wo Gender- Ungerechtigkeit die Frauen vor existenzielle Probleme stellt. Aber auch in Westeuropa, wo sich damals die Gewissheit festsetzte, dass Gender-Vielfalt in der Wirtschaft nicht nur den Frauen hilft, sondern auch den Unternehmen. Viele Jahre lang funktionierten die Beschlüsse der UN-Frauenkonferenz als institutioneller Rahmen für Organisationen, die sich für die Gleichstellung von Frauen einsetzen. Doch nun zeigt sich: Was vor 30 Jahren erreicht wurde, wird jetzt wieder in Frage gestellt.

Backlash: Ein Konsens wird wieder in Frage gestellt

„Der große Backlash“ hat Rita Schäfer, Beraterin für Entwicklungsorganisationen, einen Meinungsbeitrag betitelt, den sie 30 Jahre nach der UN-Weltfrauenkonferenz für die Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ schrieb. Ihre Beobachtung ist, dass der „1995 in Peking erzielte Konsens mittlerweile weltweit von rechten Kulturkämpfer*innen außerhalb und innerhalb von Regierungen attackiert wird“, indem diese Interessensgruppen „zunehmend strategisch gegen Multilateralismus und Geschlechtergerechtigkeit vorgehen“. Die Krise der Demokratien und der Aufstieg des politischen Autoritarismus in immer mehr Ländern der Welt haben zur Folge, dass „Frauenfeindlichkeit“ um sich greife, „vielfach politisch verstärkt durch Desinformationen und das Schüren von Hass in digitalen Medien“, so Schäfer.

Bei dem Tempo: Vorstandsgleichheit in 16 Jahren

Die AllBright-Stiftung hat Ende 2025 berechnet, wie lange es bei dem durchschnittlichen Entwicklungstempo der vergangenen fünf Jahre noch dauern würde, bis der Frauenanteil in den Vorständen der börsennotierten deutschen Unternehmen bei 50 Prozent liegt: 16 Jahre. Ende 2041 wäre es also so weit.
Das Weltwirtschaftsforum hat diesen Rückschritt quantifiziert. Der Deutschlandfunk meldete im Herbst 2025, die Expert*innen hätten errechnet, dass es noch 123 Jahre dauern werde, „bis alle Menschen auf der Welt unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben“. Das sollte schon mal schneller gehen: Noch 2020 gingen die Expert*innen vom Weltwirtschaftsforum von einer Zeitspanne von rund 100 Jahren aus. Die Gleichberechtigung verspätet sich um 23 Jahre. Tendenz aktuell wohl eher steigend. Es fühlt sich an, als sitze man in einem Zug fest, der auf der freien Wiese plötzlich stehen bleibt – und sich die Ankunftszeit am Zielbahnhof immer weiter verspäte.

0,1 Prozentpunkte in zehn Jahren

Um diese Verzögerung mit Zahlen zu belegen: Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass Frauen in den deutschen Führungsetagen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. „Während im Jahr 2024 rund 1,32 Millionen Männer in Deutschland eine Führungsposition hatten, waren es nur 540.000 Frauen“, heißt es im Bericht von Ende 2025. Damit waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung lediglich 29,1 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Dieser Wert, heißt es in der Meldung, liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt, der bei 35,2 Prozent liegt. Den Spitzenplatz im europäischen Vergleich belegt Schweden mit einem Frauenanteil von 44,4 Prozent. Deutschland stagniert, wie das Statistische Bundesamt vermeldet: „Seit dem Jahr 2014 hat sich der Anteil der weiblichen Führungskräfte in Deutschland praktisch nicht verändert.“ Im Jahr 2024 lag die Quote bei 29 Prozent. Die Steigerung: mickrige 0,1 Prozentpunkte. Die Daten zeigen, dass sich in anderen Ländern der EU deutlich mehr getan hat: „Im EU-Durchschnitt stieg der Anteil der weiblichen Führungskräfte in diesem Zeitraum um 3,4 Prozentpunkte.“
Vielen arbeitenden Frauen bleibt auch weiterhin der Weg in die Führung versperrt.
Was die Analyst*innen des Statistischen Bundesamts besonders umtreibt: Der geringe Anteil an Frauen in Leitungspositionen in Deutschland ist besonders bemerkenswert, da in der Bundesrepublik der Anteil an erwerbstätigen Frauen mit 46,9 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt (46,4 Prozent) liegt. Lässt sich in einem Land wie Italien der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen so erklären, dass dort generell weniger Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen, kann die Schlussfolgerung in Deutschland nur lauten: Vielen arbeitenden Frauen bleibt auch weiterhin der Weg in die Führung versperrt.

Alte Strukturen schlagen Leistung und Qualifikation

Warum das so ist? Mit dieser Frage hat sich Katrin Winkler beschäftigt. Die Leiterin der Kempten Business School und Professorin für Personalmanagement und Führung hat für den Meinungsbereich „Speakers Corner“ der Business School eine Analyse online gestellt. Gleich zu Beginn des Textes wehrt sie sich gegen die häufig geteilte Erklärung, nach der Frauen deshalb nicht nach oben kommen, weil sie „individuelle Defizite“ oder „fehlende Ambitionen“ hätten. „Diese Erklärungen greifen jedoch zu kurz“, schreibt die Professorin in ihrem Beitrag. Auf dem Weg nach oben, so Winkler, gehe es gar nicht so sehr um die Leistung. Die aktuelle Forschung zeige, „dass Führungserfolg weniger ein rein leistungsbasiertes Phänomen ist als vielmehr das Ergebnis sozialer Zuschreibungs-, Legitimations- und Selektionsprozesse.“ Autorität entstehe nicht allein durch Kompetenz, sondern durch Anerkennung in der Organisation – und diese sei strukturell geprägt. Wer glaubt, dass in einem Unternehmen diejenige Person Karriere mache, die individuell die größte Kompetenz mitbringt, besonders viel leistet und am besten qualifiziert ist, der täuscht sich, schreibt Katrin Winkler. Die Forschung zeige, dass Führung „in erheblichem Maße ein soziales Zuschreibungsphänomen ist“. Heißt: Es gibt ein Bild von einer Führungspersönlichkeit, das weniger mit dem zu hat, was diese Person an Leadership-Fähigkeiten mitbringt, sondern ob sie den Erwartungen entspricht, die man von Führung hat. „Diese Erwartungen sind historisch gewachsen und kulturell geprägt“, schreibt die Professorin. Assoziiert werde Führung vor allem mit Merkmalen wie Durchsetzungsfähigkeit, Dominanz und Kontrolle. Und diese widersprechen den Eigenschaften, die häufig mit Frauen assoziiert werden, nämlich Empathie und Beziehungsorientierung.

Frauen in Führung stehen weiterhin vor Dilemma

Damit geraten ambitionierte Frauen auf dem Weg nach oben automatisch in ein Dilemma: Entsprechen sie dem, was man von Führung erwartet, treten sie aus ihrer stereotypischen Rolle, was – so Winkler – häufig mit Sanktionen einhergehe. Entsprechen sie dem Stereotyp weiblichen Handelns, werde ihnen die Führungsstärke abgesprochen. „Wer klar entscheidet, gilt schnell als ‚zu dominant‘. Wer moderiert und einbindet, als ‚nicht durchsetzungsstark genug‘“, schreibt Katrin Winkler. In ihrem Fazit fordert sie, dass sich die Unternehmen dieses Dilemma unbedingt bewusst machen müssten: Es bringe nichts, Frauen zwar individuell weiterzubilden, ohne dabei auch die „strukturellen Verzerrungen“ im Blick zu haben. Ihre Forderung: „Wer Frauen in Führung stärken will, muss Zuschreibungs- und Selektionsmechanismen sichtbar machen – nicht nur individuelle Kompetenzen fördern.“

Gefangen im „Thomas-Kreislauf“

In ihrem Report stellen die Autor*innen der AllBright-Stiftung fest, dass sich Vorstandsvorsitzende der großen Unternehmen noch immer bevorzugt mit etwas jüngeren Spiegelbildern ihrer selbst umgeben. „Sie trauen ihnen am ehesten zu, was sie selbst können“, heißt es im Report. Daraus ergibt sich ein Problem, dass in der Studie „Thomas-Kreislauf“ genannt wird: „Neue Vorstandsmitglieder werden nach der Schablone der schon vorhandenen Vorstandsmitglieder rekrutiert.“ Und da seit vielen Jahren und auch zum Stand der Erhebung im September 2025 Thomas der häufigste Name in den deutschen Vorständen ist, folgen auf einen Thomas weitere Thomasse.
Das Erstaunliche ist: Je mehr die Wirtschaft die weiblichen Führungskräfte benötigt, desto schwerer macht sie ihnen den Aufstieg. Anders gesagt: Je mehr Krisen es gibt, desto stärker steht die Gender-Gerechtigkeit unter Druck. Die AllBright-Stiftung mit Sitz in Stockholm und Berlin, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt, schreibt in einem neuen Report mit Blick auf die Situation in Deutschland von einer „Krisenlähmung“: „Fehlendes Wachstum, schwache Konjunktur, hohe Kosten und Unsicherheiten: Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise, die Herausforderungen sind groß. In Zeiten, die eigentlich Neuausrichtung und Weiterentwicklung erfordern, agieren viele Unternehmen gerade mutlos, müde und wie gelähmt“, heißt es im Beitrag der Geschäftsführung Dr. Wiebke Ankersen und Christian Berg. In unsicheren Zeiten werde nicht für weitere Modernisierung gesorgt, sondern wieder stärker auf Männer nach altbekanntem Muster gesetzt. „Es ist der Rückgriff auf Vertrautes und Gewohntes in der Hoffnung auf Sicherheit, und zum ersten Mal sind die Unternehmen mit reinen Männervorständen nicht weniger geworden, sondern mehr. Das ist ein gefährlicher Reflex.“ Viele Unternehmen steckten, so Wiebke Ankersen und Christian Berg, auch deshalb in der Krise, „weil sie die hervorragend ausgebildeten Frauen noch immer nicht als Schlüssel und Treiber für eine gelingende Erneuerung einsetzen“.

Bewahren lähmt

Das ist gut 30 Jahre nach der UN-Weltfrauenkonferenz eine bemerkenswerte Feststellung. Um noch einmal auf das Bild mit dem Zug mit Verspätung zurückzukommen: Damals wurden in Peking die Weichen gestellt. Doch die Bahn bummelt. Und zwar in Deutschland selbstverschuldet. „Wir sind eine alternde Gesellschaft“, sagte die Wirtschaftsjournalistin Julia Löhr von der FAZ in der Talksendung von Markus Lanz am 24. Februar 2026. „Und eine alternde Gesellschaft ist sehr daran interessiert, den Status quo zu bewahren.“ Doch dieser Status quo ist es, der lähmt.
Die junge Generation steht vor der Herausforderung, kulturelle Begebenheiten, traditionelle Strukturen und alte Vorstellungen von Führung aufzubrechen.
Und so steht die junge Generation vor der Herausforderung, kulturelle Begebenheiten, traditionelle Strukturen und alte Vorstellungen von Führung aufzubrechen. In einer alternden Gesellschaft sind die Jungen jedoch die Minorität. Umso wichtiger ist es, dass endlich mehr junge Frauen den Weg in die Führung schaffen. Und sobald offenkundig wird, dass im Unternehmen für junge Frauen die Karrierebremsen wirken, sollten die jungen Frauen (am besten im Verbund mit den jungen Männern) versuchen, offen darüber zu reden. Anzusprechen, wie es sich anfühlt, in einem Zug zu sitzen, der immer mehr Verspätung anhäuft. Das Gute ist: Diese Erfahrung hat jede und jeder schon einmal gemacht.

Transformations-Strategin Alexandra Lust im Interview

Transformation ist für Alexandra Lust weit mehr als ein Modewort – sie versteht darunter den Auftrag, ein Unternehmen mutig weiterzuentwickeln. Seit Mitte 2025 ist sie Head of HR Strategy & Transformation bei Audi. Im Interview spricht sie darüber, warum Zuhören eine der wichtigsten Führungskompetenzen ist, wie man Menschen durch Wandel begleitet und weshalb Vielfalt gerade in Krisenzeiten unverzichtbar bleibt. Ein Gespräch über Haltung, Verantwortung und authentische Führung. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Alexandra Lust zählt seit ihrem Wechsel zu Audi im Juli 2025 zum Top-Management im HR-Bereich des Autokonzerns. Als Head of HR Strategy & Transformation verantwortet sie die Bereiche HR Strategie, Managementgrundsätze und -vergütung, HR-Digitalisierung und Innovation, HR Analytics sowie das Talent Management. Durch diese Rolle beschäftigt sie sich intensiv mit den Fragen, wie sich Führung, Organisation und Arbeit in einer sich rasch verändernden Welt weiterentwickeln. Ihre Karriere begann die Diplom-Betriebswirtin nach ihrem Studium in München als HR Business Partner bei MAN Truck & Bus SE. 2019 ging sie zur börsennotierten TRATON GROUP mit ihren Marken Scania, MAN, International und Volkswagen Truck & Bus als einem der weltweit führenden Hersteller von Nutzfahrzeugen. 2025 wechselte sie zu Audi.
Frau Lust, Sie sind seit Sommer 2025 in der Position Head of HR Strategy & Transformation bei Audi tätig. Was genau bedeutet für Sie der Begriff der Transformation? Der Begriff wird heute häufig und recht inflationär benutzt. In meiner Rolle bedeutet Transformation jedoch etwas sehr Konkretes: Er beschreibt den Anspruch, unser Unternehmen durch strukturelle, organisatorische und technologische Veränderungen nachhaltig weiterzuentwickeln. Ich stelle mir dabei immer die zentrale Frage: Wie können wir uns als Organisation so verändern, dass wir morgen besser sind als heute? Das ist für mich ein aktiver Gestaltungsauftrag – und genau diesen verfolgen wir bei Audi sehr konsequent. Inwiefern? Audi ist ein traditionsreiches Unternehmen mit einer starken Identität. Die Vergangenheit darf jedoch nicht über die Zukunft bestimmen. Wir müssen uns immer wieder neu fragen: Wer kauft morgen unsere Autos und mit welchen Erwartungen? Die Antworten auf diese Frage bringen Veränderungen mit sich: für das Unternehmen, für die Strukturen, für Arbeitsweisen und für jeden Einzelnen. Mein Job ist es, diesen Wandel seitens HR zu begleiten. Was bedeutet das konkret? Im Kern bedeutet es, die Menschen bei diesen Veränderungen mitzunehmen. Transformation ist oft auch mit Unsicherheit verbunden. Oft wissen die Mitarbeitenden nicht, was diese oder jene Veränderung für sie persönlich, für ihre Rolle und ihren Arbeitsplatz bedeutet. Daher versuchen wir, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen. Welche Eigenschaft ist für Ihre Rolle wichtig?
Transformation beginnt mit Zuhören.
Die Fähigkeit zuzuhören. Ich bin jetzt seit rund einem halben Jahr bei Audi und habe in dieser ersten Phase sehr viele Kennenlerngespräche geführt, um zu verstehen, welche gefüllten Rucksäcke die Menschen mit sich tragen. Dieses ergebnisoffene Zuhören ohne Vorannahmen ist anspruchsvoller, als es klingt. In unserer Gesellschaft werden Menschen oft sehr schnell aufgrund einzelner Aussagen oder äußerer Merkmale in Schubladen gesteckt. Schubladen, in denen sie sich selbst gar nicht sehen. Und da wieder herauszukommen, kann ganz schön schwierig sein. Dieses Schubladendenken möchte ich als Führungskraft unbedingt und ganz bewusst vermeiden. Wie gelingt das in einem Gespräch? Indem ich in diesen Gesprächen als Führungskraft eher still bin. Ich höre zu, ohne das Gesagte sofort zu kommentieren oder einzuordnen. Gelingt mir das, dann spüre ich sofort, was das bewirkt: Menschen fühlen sich gesehen und gehört. Das löst sehr viel Positivität aus. Weil dieser Mensch merkt: Ich kann hier so sein, wie ich bin. Das schafft Vertrauen und öffnet den Raum für echte, ehrliche Gespräche. Konnten Sie schon immer gut zuhören? Ich glaube, dass Empathie schon immer eine Stärke von mir war. Ich bin neugierig auf Menschen, habe feine Antennen, kann ganz gut die Stimmung im Raum lesen. Dass Zuhören eine wichtige Führungskompetenz ist, habe ich bereits früh in meiner Karriere gelernt. Damals hatte ich eine Führungskraft, die auch in stressigen Phasen einen kühlen Kopf behielt und die Menschen nicht aus dem Blick verlor. Das habe ich sehr geschätzt und das habe ich mir dann für meinen eigenen Weg vorgenommen. Das würde ich jungen Menschen grundsätzlich raten: Sich nicht eine Person als Vorbild zu nehmen, sondern sich bei verschiedenen Personen die jeweils besten Eigenschaften abzuschauen. Warum raten Sie davon ab, sich ein Vorbild zu suchen? Weil die Gefahr besteht, ein Vorbild zu kopieren – und dabei die eigene Stimme zu überhören. Dabei ist es so wichtig, eine eigene, authentische Persönlichkeit zu entwickeln. Und das gelingt meiner Meinung nach am besten, wenn man sich von guten Eigenschaften verschiedener Menschen inspirieren lässt, und diese in sein eigenes Tun integriert. So wird man im besten Fall zu einer besseren Version seiner selbst. Das bedeutet auch, bewusst zu entscheiden, welche Verhaltensweisen man nicht übernehmen möchte. Welche zum Beispiel? Manche Menschen neigen dazu, sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist selten hilfreich. Denn das kann im Falle einer Führungskraft dazu führen, dass sich die Mitarbeitenden nicht mehr trauen, kritisches Feedback zu geben. Dabei sollte es doch das Ziel von Leadership sein, die Organisation und die Menschen in ihr so zu befähigen, dass sie im Zweifel auch ohne mich funktioniert. Müssen Frauen mehr leisten als Männer, um Karriere zu machen? Ich beobachte, dass Frauen in unserer Gesellschaft häufig besonders sichtbar Leistung zeigen müssen und dass ihr Führungsstil kritischer beäugt wird. Dabei geht es nicht um einzelne Unternehmen, sondern um gesellschaftliche Muster, die wir insgesamt noch nicht vollständig überwunden haben. Für Frauen und Männer werden oft unterschiedliche Vokabulare für das identische Verhalten verwendet. Was ich jetzt sage, klingt stereotypisch, ist nichtsdestotrotz oft weiterhin Realität: Wenn Frauen sehr entschieden auftreten, dann gelten sie schnell als bossy oder verbissen ehrgeizig. Das identische Auftreten wird bei Männern als durchsetzungsstark und ambitioniert bewertet. Wichtig ist, solche Biases zu erkennen und zu überwinden. Bei uns im Unternehmen bieten wir dafür Mentorings, Schulungen und Sensibilisierungen an.
Diversität macht uns innovativer, stärker und führt zu besseren und robusteren Ergebnissen.
Was bedeutet es für Sie, in einer weiterhin männerdominierten Branche heute eine Frau in einer Führungsposition zu sein? Bestimmte Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern den Wandel mitzugestalten. Ich habe eine Verantwortung in meiner Funktion, und mir ist bewusst, dass insbesondere junge Frauen heute am Anfang ihrer Karriere danach schauen, mit welchen Menschen und insbesondere auch Führungspersönlichkeiten eines Unternehmens sie sich identifizieren können. In meiner Rolle habe ich die Verantwortung, stereotype Denkmuster zu hinterfragen – und sie anzusprechen. Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg. Aber es liegt in meiner Natur, dass ich mir etwas mehr Tempo wünsche. Hinzu kommen Rückschritte, weil der Kulturwandel in unserer Gesellschaft aktuell an manchen Stellen wieder zurückgedreht wird. Das macht mir Sorgen, und auch hier muss ich die Stimme, die ich aufgrund meiner Funktion habe, nutzen. Wie nutzen Sie Ihre Stimme konkret? Leider erlebt man oft, dass das Thema Diversity in Krisenzeiten depriorisiert wird – sei es in der Gesellschaft, in der Politik oder in Unternehmen. Es heißt dann, in der Krise seien andere Dinge wichtiger, da könne Vielfalt nicht mehr das Hauptthema sein. Dem widerspreche ich ausdrücklich. Ich bin der Überzeugung, dass eine Krise genau der richtige Zeitpunkt ist, um weiterhin in Vielfalt zu investieren. Was bedeutet denn Diversität? Dass es in Teams unterschiedliche Perspektiven und Fähigkeiten gibt. Es ist belegt, dass diverse Teams gemeinsam bessere Entscheidungen treffen. Ja, die Entscheidungsfindung dauert manchmal länger. Aber es lohnt sich. Diversität macht uns innovativer, stärker und führt zu besseren und robusteren Ergebnissen. Welchen Rat möchten Sie jungen Frauen geben, die am Anfang Ihrer Karriere stehen? Zunächst einmal: Stolpersteine gehören auf allen Karrierewegen dazu. Lebensläufe sehen oft glatt und linear aus, aber reale Karrieren verlaufen selten ohne Umwege. Was wichtig ist: Zu versuchen, so gut es geht bei sich selbst zu bleiben. Holt euch konstruktives Feedback ein, nehmt es ernst, aber nicht persönlich. Gebt euch eine Nacht, um darüber zu schlafen und darüber nachzudenken: Steckt etwas Wahres darin? Und wenn ja: Wie kann ich dieses Feedback sinnvoll für mich nutzen? Dann könnt ihr euren eigenen Weg gestärkt weitergehen.

Zum Unternehmen

Der Automobilhersteller Audi mit Stammsitz in Ingolstadt ist in mehr als 100 Märkten weltweit aktiv und steuert ein globales Produktionsnetzwerk mit 22 Standorten in 13 Ländern. Im Jahr 2025 lieferte die Marke Audi 1,6 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus, die Auslieferungen elektrischer Fahrzeuge stiegen im Vorjahresvergleich um 36 Prozent. Aktuell arbeiten mehr als 88.000 Beschäftigte für den Konzern, zu dem neben der Marke Audi auch der Sportwagenhersteller Lamborghini und die Luxusmarke Bentley sowie der Motorradhersteller Ducati zählen.