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E-Paper karriereführer recht 1.2026 – KI: Die junge Generation definiert den Rechtsmarkt von morgen

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Die Zeit der Experimente

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Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt: Nach einer ersten Abtastphase erkennen Kanzleien, dass KI-Anwendungen ab sofort in ganzer Breite eingeführt werden müssen. Nur dann ergeben sich Effizienz und Mehrwert für Mandanten. Dem Nachwuchs bietet sich die Chance, die Implementierung mitzuprägen – und damit im besten Fall ein paar Levels zu überspringen. Ein Essay von André Boße

Die amerikanischen Analyse-Profis von Bloomberg Law besitzen eine gewisse Routine darin, Jahr für Jahr den Rechtsmarkt zu beobachten, um aus dem, was sie sehen, Schlüsse zu ziehen und Prognosen aufzustellen. Die Reports der vergangenen Jahre begannen in der Regel mit einem Satz in der Art von: „Der Rechtsmarkt ist im Wandel.“ Das Credo des aktuellen Reports Bloomberg Law 2026 liest sich anders. Was vor allem mit den einschneidenden Erfahrungen des Vorjahres zu tun hat: „2025 war kein Jahr wie jedes andere“, heißt es im Vorwort der globalen Branchenanalyse. „Scheinbar von Woche zu Woche brachen alte Paradigmen zusammen und neue Normen setzten sich durch, was die Rechtsbranche in Unsicherheit stürzte.“
Die KI-Experimentierphase ist vorbei.

Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt

Zuletzt ist viel von politischen Zeitenwenden gesprochen worden. Nun wird immer klarer, dass auch der Rechtsmarkt eine solche erlebt. Das große Plus der jungen Generation: Sie hängt nicht „alten Zeiten“ nach. Sie hat Lust auf Zukunft, ohne nostalgisch einer Vergangenheit nachzuhängen. Daher bietet die Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt für den Nachwuchs beste Einstiegsbedingungen. Zumal bei einer Wende wie dieser, die zwar sehr stark von politischen, wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten geprägt ist, aber eben auch der Künstlichen Intelligenz als neuer Technologie. Dabei betrifft die KI den Rechtsmarkt gleich doppelt. Zum einen wird zu diesem Thema juristischer Rat von Mandanten nachgefragt, die in ihren Organisationen KI-Lösungen implementieren und dabei auf Regulierungen treffen sowie sich Haftungs- und Compliance-Fragen zu stellen haben. Zum anderen stehen die Kanzleien selbst vor der Aufgabe, bei ihrer juristischen Arbeit KI-Anwendungen zu implementieren. Laut Bloomberg-Report wächst in den Kanzleien zwar die Begeisterung für KI-Themen, „noch lassen messbare Erträge beim Einsatz von Generativer KI aber auf sich warten“. Was vor allem daran liege, dass beim Thema KI „die Implementierung allein noch keine Transformation bedeutet“.

Künstliche Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung

Foto: AdobeStock/rofikgraph24
Foto: AdobeStock/rofikgraph24
Künstliche Intelligenz (KI) wird künftig zur zentralen Technologie in der Abschlussprüfung sowie im Finanz- und Rechnungswesen insgesamt. So lautet eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Studie Künstliche Intelligenz im Corporate Accounting und Audit, für die PwC Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen deutscher Unternehmen befragt hat. Der Studie zufolge erwarten rund drei Viertel der befragten Unternehmen (76 Prozent), dass KI die Abschlussprüfung in den kommenden Jahren technologisch massiv verändern wird. Und etwa zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) gehen davon aus, dass es künftig mindestens in Teilen der Abschlussprüfung nicht mehr ohne KI gehen wird.
Damit sich die Investitionen in die Technologie rechnen, also ein return of investment (ROI) erkennbar ist, brauche es laut Branchenanalyse von Bloomberg Law nicht nur eine konsequente Einführung, sondern auch eine solide Datenbasis. Ohne eine gut entwickelte Dateninfrastruktur scheitern KI-Systeme daran, echte Wertschöpfung zu erzielen. Ohne Daten ist die KI kein Boost fürs Geschäft, sondern eine Trockenschwimmerin, greifen die Anwendungen ins Leere. Weil diese Erkenntnis in den Kanzleien angekommen ist, geht die Bloomberg-Analyse davon aus, dass die Organisationen aktuell ihre Hausaufgaben erledigen, indem sie sich darauf konzentrieren, sich „KI-ready“ zu machen. Was erstens bedeutet, die interne Dateninfrastruktur so vorzubereiten, dass Machine Learning-Anwendungen genügend Daten haben und diese ausreichend sortiert sind, zweitens, bei den Mitarbeitenden das Vertrauen in diese neue Technologie und ihre Chancen aufzubauen.

Implementierung in der Breite

In dieser Hinsicht hinterfragt Bloomberg Law den nachvollziehbaren Schritt nicht weniger Kanzleien, die bislang KI-Anwendungen erst einmal in isolierten Bereichen und mit kleinen Benutzergruppen getestet haben. Solche Pilotprojekte eignen sich zwar dafür, Abläufe auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Jedoch kommt eine Kanzlei beim Thema KI mit dieser Methode kaum voran, wie die Expert*innen von Bloomberg Law schreiben: „Solange die KI nicht in die täglichen Arbeitsabläufe integriert ist, bleiben das Datenvolumen und die Datenqualität begrenzt.“ Die Autor*innen des Reports appellieren an die Kanzleien, die KI erstens nicht nur in Silos zu implementieren, sondern übergreifend, und zweitens eine ehrliche Analyse zu erstellen, was genau man sich von der KI erhofft. Schnelle Effizienzgewinne? Ergebnisse nach wenigen Monaten? Diese naheliegenden Ziele seien allein deshalb kaum möglich, „weil KI-Tools für die Rechtspraxis nach wie vor eine erhebliche Überwachung brauchen, was oft die versprochenen Effizienzgewinne zunichte macht“. Entscheidend sei es daher, innerhalb der Kanzlei einen strategischen Konsens zu erzielen, was mit den KI-Systemen erreicht werden soll. Und zwar nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt. „Die Einführung“, heißt es im Report, „ist schließlich kein einmaliger Vorgang, sondern ein sich entwickelnder Prozess, der von Kultur, Vertrauen und der Integration in Arbeitsabläufe abhängt. Solange KI nicht in allen Teams und Tätigkeitsbereichen universell verankert ist, wird ihre messbare Wirkung auf Rechtsabteilungen begrenzt bleiben.“ Kanzleien stehen damit nicht nur vor der Aufgabe, die Art des Arbeitens neu zu denken. Das Thema KI zeigt: Die Zeit des Abschottens ist vorbei. Die Zeit starrer Hierarchien auch. Wovon die junge Generation profitiert.
Sharing is winning.

Neuer Karrieregeist in Kanzleien

Künstliche Intelligenz ist ein offenes Thema. Eines, das von digitaler Neugier und der Idee von Kollaboration getragen wird. Um es überspitzt zu sagen: Die Zeit von Partner*innen, die in Kanzleien gegen- statt miteinander arbeiten, beim digitalen Know-how aber nicht über das Office-Paket hinauskommen, läuft ab. Gefragt sind ab jetzt innovative Köpfe, die ihre Begeisterung für neue Themen auch nach außen zeigen. Einer von ihnen: Nico Kuhlmann, Fachanwalt für Marken- und Urheberrecht und Senior Associate in der Hamburger Kanzlei Hogan Lovells – und Youtuber. Als Teil der Digital Transformation Academy seiner Kanzlei gibt er Tech-Tutorials über „Prompt-Engineering für Anwälte“: Welche Aufträge und Befehle muss ich dem KI-System geben, um für einen Juristen wertvolle Ergebnisse zu erzielen? Kuhlmann hat sich einen Namen als KI-Experte gemacht, der nicht auf der Meta-Ebene formuliert, sondern sehr praxisnahe Tipps gibt.

Steigende Angst vor Cyber-Angriffen

Foto: AdobeStock/Vilogsign
Foto: AdobeStock/Vilogsign
Lange Zeit handelte es sich bei Cyber-Security um einen abstrakten Begriff. Das ändert sich nun: Eine aktuelle Studie des digitalen Branchenverbands Bitkom sagt aus, dass in Deutschland die Angst vor Cyberangriffen und sogar einem Cyberkrieg um sich greife: „70 Prozent der Menschen in Deutschland schätzen die Gefahr durch Cybercrime insgesamt als hoch ein und ebenso viele halten Deutschland für schlecht vorbereitet. 61 Prozent haben Angst vor einem Cyberkrieg und für rund zwei Drittel (64 Prozent) ist Deutschland dafür nicht gut gewappnet“, heißt es in einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Untersuchung. „Deutschland wird täglich digital angegriffen. Die Grenzen zwischen Cybercrime und hybrider Kriegsführung, zwischen privaten und staatlichen Akteuren sind inzwischen fließend“, wird Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst in der Pressemitteilung zitiert. „Die Bedrohungslage wird sich verschärfen, wir müssen deshalb unsere nationale Sicherheit sowohl klassisch als auch im digitalen Raum stärken – in Behörden und der Verwaltung, aber auch in kritischer Infrastruktur und in den Unternehmen.
Dass sein Arbeitgeber diese Tutorials online stellt und damit für jeden verfügbar macht, zeigt den neuen, kooperativen und offenen Geist, der in immer mehr Kanzleien herrscht. Angetrieben wird dieser Spirit von der Idee einer digitalen Arbeitswelt, in der KI-Systeme dann gewinnbringend sind, wenn möglichst viele daran beteiligt sind. Natürlich, andere Kanzleien bleiben Mitbewerber, und im Umgang mit den neuen Anbietern von digitalen Legal Services müssen Kanzleien ihr Revier verteidigen. Es gibt aber eben auch die Erkenntnis, dass die KI in verschlossenen Silos ein zahnloses Tool bleibt.

Geteiltes Know-how schafft Mehrwert

Wie heißt es so schön im Englischen: „Sharing is caring.“ Übertragen auf den neuen Rechtsmarkt könnte man sagen: Sharing is winning. Akteure außerhalb der Kanzleien füllen dieses Motto bereits mit Leben. So vermeldete Anfang des Jahres der juristische Content-Anbieter Wolters Kluwer die Übernahme von Libra, einem Anbieter von KI-Workspaces für Jurist*innen. Es ergibt sich ein perfektes Match: Ein Partner bietet die Struktur, der andere die Inhalte. In einem Interview auf dem Portal Legal Tribune Online (LTO) erklärt Stephanie Walter, Geschäftsführerin von Wolters Kluwer, welche Strategie hinter der Akquisition steckt. Dabei nimmt sie mit Blick auf den Rechtsmarkt den Begriff der Zeitenwende auf: „Mandanten fordern qualitativ hochwertige Beratung und kurzfristige Reaktionszeiten zu einer angemessenen Honorierung. Die bestehenden Geschäftsmodelle der Kanzleien und das System der billable hour geraten zunehmend unter Druck und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit mit den Mandanten, auch in Corporate Legal Departments, steigt.“ Stephanie Walter geht davon aus, dass die Zeit kleiner Lösungen für wenige KI-affine Jurist*innen vorbei ist: „Wir sehen, dass die Zielgruppe bereit ist für Lösungen, die nicht nur auf wenige Use Cases zugeschnitten sind, sondern im Arbeitsalltag in der Breite der Mandate sofort nutzbar sind.“ Ihre Botschaft: „Die KI-Experimentierphase ist vorbei. Was jetzt zählt, sind Qualität, Vertrauen und fachliche Autorität.“ Die gute Nachricht für die junge Generation lautet: Mit klugen KI-Kollaborationen kann der Nachwuchs in allen diesen Kategorien schneller denn je neue Levels erreichen. Die KI ist damit, richtig eingesetzt, nicht nur ein Hebel für mehr Effizienz. Sondern auch ein echter Karriere-Boost.

Christian Kuß im Interview

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Was tun, wenn die Technologie zu halluzinieren beginnt? Und warum geht an der Implementierung neuer Lösungen kein Weg vorbei, um auf dem Rechtsmarkt weiterhin Erfolg zu haben? Antworten auf diese Fragen gibt Christian Kuß, Rechtsanwalt und Partner bei der Großkanzlei Luther und dort Experte für die Themen Künstliche Intelligenz und Future Work. Die Fragen stellte André Boße

Zur Person

Christian Kuß studierte von 2002 bis 2007 Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit dem Schwerpunktbereich Informationsrecht. Im Anschluss erwarb er den Master of Laws in Bristol, England. Während seiner Referendarausbildung war er unter anderem bei großen Wirtschaftskanzleien im Bereich IP/IT beschäftigt. Seit 2011 war Christian Kuß als Rechtsanwalt im Informationsrecht für eine internationale Kanzlei in Düsseldorf tätig. Er ist seit 2013 bei Luther beschäftigt.

Luther

Mit 21 Standorten und 420 Anwält:innen und Steuerberater:innen gehört die deutsche Kanzlei Luther zu den führenden Wirtschaftskanzleien. Der Hauptsitz ist Köln. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz launchte Luther 2024 ein eigenes internes System für generative KI, das zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde. 2025 ging Luther eine Partnerschaft mit dem Legal-Tech-Unternehmen Bryter ein, um gemeinsam bereits bestehende Services zu optimieren und neue Lösungen zu entwickeln.
Herr Kuß, die Analyse, wie bedeutend die KI in naher Zukunft sein wird, pendelt aktuell zwischen den beiden Polen „stagniert schon jetzt“ und „wird alles auf den Kopf stellen“. Wo stehen Sie? Die Zukunft vorherzusehen, ist naturgemäß schwer. Aktuell würde ich sagen, dass die KI ein wenig überschätzt wird. Das ist aber gar nicht erstaunlich, denn der Hype-Cycle, entwickelt von einer Beraterin des US-Marktforschungsunternehmens Gartner, beschreibt genau das: Nach dem Durchbruch einer neuen Technik kommt es erst zu einer Phase von überzogenen Erwartungen, dann zu einer Phase von Enttäuschungen, bis schließlich Realismus einzieht. Wo stehen wir aktuell? Wahrscheinlich zu Beginn der Enttäuschungsphase. Man dachte, durch die neue Technologie wird alles besser, schöner, toller. Jetzt stellt man fest: So ganz klappt es noch nicht. Nun stehen wir vor der Aufgabe, die Technologie dort in die Anwendung zu bringen, wo es sinnvoll ist. In welchen Bereichen ist KI in Kanzleien sinnvoll? Überall dort, wo es darum geht, juristische Schreiben zu entwerfen, Schriftsätze vorzubereiten, Gutachten zu erstellen oder Dokumente zu übersetzen. Alles dies kann eine KI sehr schnell und sehr gut, hier wird sie uns langfristig sehr helfen, als ein Tool, effizient zu arbeiten. Und wo stößt die KI bei Ihrer täglichen Arbeit an ihre Grenze? Bei der Recherche und der Korrektheit der getroffenen Aussagen, ganz klar. Ich hätte gedacht, genau hier ist sie gewinnbringend. Dafür ist die Fehlerquote gerade bei der Recherche weiterhin zu hoch. Gebe ich zum Beispiel dem System den Auftrag: Suche mir mal Urteile heraus, die ähnlich zum Fall sind, den ich gerade bearbeite, dann sucht sie zwar ein, zwei relevante Urteile raus, ein drittes erfindet sie aber einfach dazu. Diese Halluzinationen sind weiterhin gegeben. Wie verhindert man, dass die KI einfach was erfindet? Wenn man sie auf einem abstrakten Level einsetzt und ihr genaue Vorgaben macht. Was funktioniert, ist eine Anweisung wie: Entwerfe mir eine Vertragsklausel für einen genau bestimmten Zweck. Oder: Liefere mir Argumente für diese oder jene juristische Frage. Was die KI dann ausspuckt, ist zwar nicht zu einhundert Prozent fertig, aber der Output ist eine Inspirationsquelle, mit der man sehr gut weiterarbeiten kann. Das macht mich als Anwalt schneller und teilweise besser. Wobei ich als Anwender selbst ein hohes und spezielles Wissen mitbringen muss. Nur dann kann ich die Antworten der KI schnell bewerten und zum Beispiel feststellen, dass es dieses angebliche EUGH-Urteil in meinem Spezialbereich nicht gegeben haben kann. Glauben Sie, dass diese Halluzinationen eine Kinderkrankheit der KI sind? Ich denke, man muss ein großes Fragezeichen hinter der Annahme machen, ob diese Fehleranfälligkeit ganz verschwinden kann. KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, und meiner Vorstellung nach wird die Fehlerrate geringer werden, aber nie gleich Null sein. Und das ist im Feld des juristischen Arbeitens natürlich ein Problem. Wie ändert die KI das Geschäftsmodell der Kanzleien? Ich glaube, sie stellt auf den Prüfstein, ob das Geschäftsmodell einer Kanzlei Beratung auf Stundenbasis) in Zukunft weiterhin funktionieren kann. Die typische Struktur einer Großkanzlei mit Seniorpartnern, Counsels und jungen Associates wird zunehmend in Frage gestellt. Denn in diesem Abrechnungsmodell ist ineffizientes Arbeiten angelegt, ausgehend vom Grundgedanken: Wer schneller arbeitet, verdient weniger Geld, warum sollte man es dann machen? Die KI-Technologie bringt einen gewissen Druck in dieses System. Es geht jetzt darum, das Geschäftsmodell der Großkanzleien zu professionalisieren und modernisieren. In welche Richtung? In fast jeder anderen Branche erleben wir sehr eindeutige Diversifizierungen. In komplexen Branchen wie der Automobilindustrie ist jeder Mitarbeitende ein Zahnrad im Getriebe. Das haben wir in Kanzleien nicht. Überspitzt formuliert: Es gibt die Partner, die alles können müssen, und rundherum gibt es Satelliten, die ihnen helfen. Wir sind gezwungen, dieses System neu zu denken, anzupassen und zu verändern. Viele sehen das als ein Risiko, ich betrachte es als Chance. Inwiefern? Das traditionelle Geschäftsmodell basiert darauf, Zeit gegen Geld zu tauschen. Das war und ist auch weiterhin lukrativ. Man muss aber auch sehen, was daraus folgt: Wer gut verdienen will, der muss auch viel Zeit investieren. Nun kommt die Generation Z und sagt: Uns ist Freizeit aber auch wichtig. Ich habe Verständnis für diese Ansicht, zumal es die KI-Technologie möglich macht, dass wir in Zukunft eben nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen, sondern Wert gegen Geld. Wenn wir uns die Margen in der Softwareindustrie anschauen, die längst nach diesem Prinzip arbeitet, dann sind diese deutlich höher als im Beratungsbusiness.
In Zukunft tauschen wir nicht mehr Zeit gegen Geld – sondern Wert gegen Geld.
Das gelingt den Softwareunternehmen durch Serviceleistungen, die teilweise tief ins Unternehmen des Kunden hineingreifen. Ich denke, das könnte auch ein Weg für Kanzleien sein, weil wir hier eine größere Wertschöpfung heben können. Es ist zum Beispiel vorstellbar, als Kanzlei mit Hilfe von digitalen Tools, zu denen auch KI-Systeme zählen, den kompletten Einkaufsprozess eines Mandanten zu steuern. Bislang liefern wir da „nur“ die Verträge, und ich glaube, dass wir diesen Service erweitern können. Unser Anspruch sollte es sein, die Wertschöpfung breiter zu denken, als wir das bisher tun. Wechseln wir auf die Ebene des KI-Rechts: Obwohl das Feld noch diffus ist, gibt es mit dem AI Act bereits ein KI-Gesetz. Ist es sinnvoll, bereits jetzt juristische Richtlinien festzulegen? Ich glaube nicht, dass das ein guter Move war, die KI-Verordnung, so wie sie jetzt, ist zu erlassen, bevor wir in der Fläche überhaupt praktische Anwendungen haben. Was heißt, dass schon bei der Verabschiedung dieses Gesetzes Behelfskrücken drin sind, bei denen gar nicht klar ist, was genau geregelt wird. Zum Beispiel: Die großen KI-Konzerne jagen unzählige Songs oder Gemälde durch ihre Systeme, damit die KI daraus lernt, eigene Werke zu erstellen. Die Probleme mit dem Urheberrecht, die damit einhergehen und die unbedingt gelöst werden müssen, sind in der KI-Verordnung nicht adressiert. Was wäre die Alternative gewesen? Erst mal machen. Dann schauen, wo sich welche Herausforderungen stellen. Und schließlich juristische Leitlinien definieren. So aber erkennen wir in der Beratungspraxis, dass wir viele Fragen unserer Mandanten nicht sicher beantworten können, weil das Gesetz an vielen Stellen von abstrakten Ängsten geleitet ist. Eine Helikopter-Gesetzgebung, analog zu Helikopter-Eltern, die ihre Kinder vor allen nur vorstellbaren Gefahren schützen wollen. Ja, genau so ist es. Es wird schon im vorauseilenden Gehorsam behütet und versucht, alle Risiken abzufangen. Für uns Europäer wäre es besser gewesen, wir hätten nicht eine voreilige Gesetzgebung in die Welt hinausgetragen, sondern eine eigene KI-Technologie. Inwiefern ist es für Sie wichtig, als Kanzlei beim Thema KI ein First Mover zu sein? Es ist entscheidend, um erfolgreich zu sein und für junge Talente attraktiv zu bleiben. Um schnell Fortschritte zu erzielen, sind wir Kooperationen eingegangen, haben zum Beispiel gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut eine eigene KI-Lösung entwickelt, die wir auf eigenen Servern einsetzen, was uns bei Compliance-Themen wie Sicherheit und Datenschutz hilft. Hinzu kommt seit einigen Monaten eine Partnerschaft mit Bryter, einem Unternehmen, das Lösungen für juristische Automatisierungen anbietet. Genauso wichtig ist auch der Austausch mit unseren Mandanten, um bei neuen Services zu fragen: Was meint ihr, wie gut ist das? Ein solches gemeinsames Denken ist neu, oder? Durchaus, ja, und getrieben von der Sorge, dass es durchaus sein kann, dass neue Player auftreten, die uns auf dem Rechtsmarkt Konkurrenz machen. Nehmen wir an, einer der großen Tech-Konzerte bringt eine große Anwalts-KI auf den Markt. Wer jetzt denkt: „Ach, nicht schlimm, unser Beruf ist ja durch das Rechtsberatungsprivileg geschützt“, der sollte sich daran erinnern, was der Taxi-Branche passiert ist. Als Uber auf den Markt kam, dachten die deutschen Taxi-Unternehmer auch, die Regelungen zur Personenbeförderung schützen uns. Aber jetzt fahren die Uber-Autos doch. Da ist es doch besser, nach vorne zu denken, um selbst neue Lösungen und Modelle anzudenken und umzusetzen.  

Kuratiert

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Female Future Festival an vier Standorten

Das Female Future Festival ist der nach eigenen Angaben „größte Empowerment-Treffpunkt der DACH-Region für Karriere, Innovation, New Leadership, New Work und Job-Chancen“. An gleich vier Standorten findet das Festival statt: In München, am Bodensee, in Zürich und Wien. Namhafte Speakerinnen sprechen über Themen wie Personal Branding, New Work, Diversity, Change, Finanzen, Mental Health und vieles mehr.

Forum für Künstliche Intelligenz im Deutschen Museum Bonn

Künstliche Intelligenz ist die bedeutendste Technologie unserer Zeit – deshalb widmet das Deutsche Museum Bonn dem Thema bunt gestaltete Erlebnisräume, in denen das vielseitige und komplexe Thema KI sehr zugänglich vermittelt wird: Interaktive und unterhaltsame Exponate und Demonstrationen machen Grundlagen und aktuelle Entwicklungen der KI verständlich. Da gibt es interaktive Stationen zum Ausprobieren und Anfassen statt trockener Texte und Erläuterungen. Für ein aktives Museumserlebnis sorgen die Museotainer*innen, die den Besucher*innen zur Seite stehen und das abstrakte Thema KI mit Leben füllen. Ihre „KI:ckstarts“ – kurze dialogische Rundgänge – eröffnen den Museumsgästen einen verständlichen Zugang zur Welt der Künstlichen Intelligenz.

Neue Studie: Karriere nicht um jeden Preis

Arbeit ist nicht mehr alles – zumindest nicht für die junge Generation. Eine aktuelle Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt: Immer weniger Menschen sehen im Beruf den zentralen Sinn ihres Lebens. Statt Karriere um jeden Preis rücken Lebensqualität, Selbstbestimmung und Zeit für Privates in den Vordergrund. Besonders Jüngere hinterfragen klassische Erfolgsideale. Für Hochschulabsolventinnen und -absolventen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Arbeit bleibt wichtig, soll aber zum Leben passen – nicht umgekehrt. Auch juristische Karrieren stehen damit vor neuen Erwartungen an Arbeitsmodelle, Führung und Sinnstiftung. Kuratiert von Kerstin Neurohr und Sonja Theile-Ochel

Zukunftsmutig: Chancen für Jurist:innen

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Ihr habt als Jurist:innen erstaunlichen Spielraum, Zukunft aktiv mitzugestalten. Regeneration ist dabei mehr als Nachhaltigkeit: ein radikaler Mindset-Change im Einklang mit der Natur. Welche Rolle spielen Jurist: innen in dieser regenerativen Zukunft und wie können sie diese aktiv mitgestalten? Ein inspirierender Appell, der zum Nachdenken anregt und die Verantwortung der Jurist:innen für die kommenden Jahrzehnte betont. Ein Gastbeitrag von Dr. Christoph Thun-Hohenstein

Zur Person

Dr. Christoph Thun-Hohenstein ist Kulturmanager, Kurator und Autor. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Im März 2026 erschien sein neues Buch „Zukunftsmutig“. Thun- Hohenstein ist außerdem Künstlerischer Leiter der Zukunftsplattform ReGenerativa.

Zukunft lässt sich nicht vorhersagen – aber mitgestalten

Niemand – weder der Mensch noch die beste Künstliche (Super-)Intelligenz – kann die Zukunft vorhersagen. Wir können versuchen, die Eintrittswahrscheinlichkeit von Zukunftsszenarien zu kalkulieren. Aber – Hand aufs Herz – wer von euch will sich damit zufriedengeben, Zukünfte zu berechnen, die andere prägen? Euer Anspruch sollte höher sein. Es geht nicht nur um eure persönliche Zukunft oder die eurer Familie, Freund:innen und Bekannten, sondern auch um die Zukunft eurer Region, eures Heimatlandes, eures Europa, ja des ganzen Planeten. Denn nie zuvor war die eigene Zukunft so eng mit der Zukunft der Menschheit und der Erde verwoben. Wenn es der Natur und ihren anderen Spezies nicht gut geht, werdet ihr es ebenfalls spüren, denn auch ihr Jurist:innen seid Teil der Natur.

Ihr seid privilegierte Zukunftsdesigner:innen

Zugleich seid ihr privilegierte Zukunftsdesigner: innen. Denn zusätzlich zu euren Rollen als Konsument:innen, als politisch agierende Bürger:innen, als digital dicht vernetzte User:innen und als geschätzte Akteur:innen in eurem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis eröffnet euch eure rechtliche Expertise – in welchem Beruf immer ihr sie einsetzt – erstaunlichen Spielraum, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Macht davon ausgiebig Gebrauch. Und handelt verantwortungsvoll. Denn ihr habt exzellente Aussichten, im Jahr 2100 noch am Leben zu sein. Es geht in euren Jobs also nicht nur um aktuelle Streitfragen, sondern immer auch um den Horizont bis 2100, egal, ob ihr Gesetze entwerft, Urteile fällt oder im Auftrag von Unternehmen agiert.

Regeneration als Wegweiser

Es gibt nur ein Zukunftskonzept, das sich als Wegweiser für die Gegenwart genau so gut eignet wie für ein Dreivierteljahrhundert in die Zukunft: Regeneration. Regeneration ist mehr als Nachhaltigkeit, sie ist ein radikaler Mindset-Change. Sie verlangt die konsequente Ausrichtung menschlicher Zivilisation an der Natur, als deren Teil ihr euch empfindet. Juristisch regenerativ zu handeln, heißt daher, nicht gegen die Natur und auf deren Kosten, sondern im Einklang mit der Natur und ihren anderen Spezies zu wirken. Ihr könnt euch vorstellen, dass sich daraus auch vielfältige neue Aufgaben für euch entwickeln: Die Natur, ihre Flora und Fauna, ihre Ozeane, Flüsse und Berge brauchen dringend euer rechtliches Engagement. Gleiches gilt – im Sinn eines Regenerativen Digitalen Humanismus – für die Verteidigung menschlicher Würde im KI-Zeitalter und die Gestaltung regenerativer Teamintelligenz und -kreativität von Mensch und digitaler Maschine.

Vier Sprossen der regenerativen Zukunftsleiter

Für euch nächste Generation von Jurist:innen sind die ersten vier Sprossen der im Buch „Zukunftsmutig“ beschriebenen regenerativen Zukunftsleiter von besonderer Bedeutung: Wahrheitsliebe, Transparenz, Weltkompetenz (also ausreichende literacy zu den wichtigsten zukunftsrelevanten Themen auf solider wissenschaftlicher Grundlage) und Naturliebe. Ihr steht somit am Scheideweg: Entscheidet ihr euch für eine erneuerbare, blühende Zukunft oder für eine Wüste der Lüge, Verdunkelung, Manipulation durch Eliten und Naturverachtung? Ich appelliere an euch: Werdet regenerative Jurist:innen, die die Welt von heute, morgen und übermorgen zukunftsmutig mitgestalten. Wir alle werden es euch danken.

BuchtippBuch Zukunftsmutig

Dr. Christoph Thun-Hohenstein: Zukunftsmutig, Kremayr & Scheriau 2026, 180 Seiten, 26 €

Schrift-Sätze – Kultur-, Buch- und Linktipps

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Post statt Posts: 33 Briefe aus der juristischen Praxis

Wegweiser in Briefform: 33 Jurist*innen – von Verfassungsrichter bis Influencerin – geben persönliche Einblicke in ihr Berufsleben. Sie schreiben über Werte, Entscheidungen, Herausforderungen und Chancen im juristischen Alltag. Die Briefe sind kluge Reflexion und ehrlicher Dialog zugleich – und stellen die vielleicht wichtigste Frage: Welche Juristin, welcher Jurist will ich sein? Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen. C.H. Beck Verlag 2025 , 24,90 €

Hüter der Privatsphäre

Ein Leben zwischen Gerichtssaal, Grenzgang und großer Prominenz. Deutschlands bekanntester Medienanwalt Matthias Prinz erzählt von seinem Weg zum Schutz der Persönlichkeitsrechte – und vom persönlichen Neuanfang nach schwerem Schicksalsschlag. Zwischen Gerichtskämpfen für Caroline von Monaco und Claudia Schiffer und einem Leben im Rollstuhl entsteht das Porträt eines unbeugsamen Juristen. Matthias Prinz: Bis in die letzte Instanz. Osburg Verlag 2025, 26,00 €

Einfach Literatur: Eine Einladung

Überregionale und regionale Medien berichteten über den Kölner Antiquar Klaus Willbrand, der in kürzester Zeit zum Social-Media-Star avancierte und einen neuen Hype auslöste. Zu verdanken war der Erfolg Daria Razumovych, Germanistin und Literaturliebhaberin. Sie hat mit ihrer Digitalberatung den Über-Achtzig-Jährigen zum TikTok-Star gemacht. Ende Januar 2025 ist er verstorben – die Erscheinung des gemeinsamen Buchs im Sommer hat er nicht mehr erlebt. „Einfach Literatur“ ist eine unterhaltsame Einführung in die Literatur, geeignet für erfahrene Leser*innen ebenso wie für Einsteiger*innen. Es versammelt zahlreiche Leseempfehlungen, persönliche Anekdoten von Klaus Willbrand, sowie die gemeinsame Geschichte von ihm und Daria Razumovych. Klaus Willbrand, Daria Razumovych: Einfach Literatur. Eine Einladung. S. Fischer 2025. 22,00 €

Zeit der Oligarchen

Der prophetische Essay über Tech-Oligarchen, Macht und Boy Gangster vom Autor von »Schöne neue Welt«. Mit gespenstischer Klarsicht nahm Aldous Huxley schon 1946 unsere Gegenwart vorweg: Durch technologischen Fortschritt konzentriert sich politische Macht plötzlich in den Händen weniger. In Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs haben Nationalismus und geopolitische Machtspiele Hochkonjunktur, während Demokratie und Solidarität leiden. Stilistisch brillant beschreibt Aldous Huxley das aufziehende Zeitalter einer Tech-Oligarchie – einer Welt, in der Boy Gangster in den Regierungen sitzen und das Recht des Stärkeren die Freiheit aller bedroht. Huxleys prophetische Intervention war 80 Jahre lang verschollen. Heute trifft sie mitten ins Mark. Aldous Huxley, Zeit der Oligarchen. Über Wissenschaft, Freiheit und Frieden, Hanser 2025, 14,00 €

Szenario: Die Zukunft steht auf dem Spiel

Die politische Zukunft der Welt ist offen. ›Szenario‹: Das Buch der Optionen Die Zukunft erscheint offener, furchteinflößender als vor wenigen Jahren. Wie sie aussieht, hängt nicht nur von Russland und den USA ab, sondern von einer großen Anzahl von Akteuren. Wir bekommen so das Gefühl zurück, dass auch wir eine Rolle in unserer eigenen Zukunft spielen, indem wir uns bewusst machen, was wir tatsächlich wissen, was wir nicht wissen und durch Annahmen ersetzt haben, und vor allem, welche Handlungsoptionen es gibt. Florence Gaub lädt dazu ein, selbst außenpolitische Entscheidungen zu treffen: Anstatt nur Zuschauer mehr oder weniger plausibler Szenarien zu sein, folgt man unterschiedlichen Entscheidungspfaden. Das Buch vermittelt Einblicke in mögliche Entscheidungsprozesse, und ein Gefühl der Selbstbestimmung. Florence Gaub, Szenario: Die Zukunft steht auf dem Spiel, dtv 2025, 25 €

Ein Blick hinter die Kulissen des Promotion Business

Mit Dieter Weidenfeld verlor das deutsche und internationale Showgeschäft 2025 seinen „großen stillen Strippenzieher des Pop“ (SZ, 03.11.25). Zunächst studierte er Jura, Soziologie, Psychologie, wechselte dann zur BWL. Wie Berühmtheiten gemacht werden: In seinem Werk hinterlässt der Diplom-Kaufmann exklusive Einblicke in die Unterhaltungsindustrie – von strategischer Imagepflege über Medienarbeit bis hin zur Konzert-Dramaturgie. Diese Expertise dient zugleich als fundierte und kurzweilige Inspiration für modernes Personal Branding. Ein wertvoller Ratgeber für alle, die ihre eigene Marke professionell inszenieren wollen – ob AbsolventInnen oder Führungskräfte. Dieter Weidenfeld, Wie Berühmtheiten gemacht werden, Cuvillier 2025, 44,50 €

Einfachmal nichts machen

Das Buch „How to Do Nothing with Nobody All Alone by Yourself“ ist vor fast 70 Jahren in den USA erschienen und wurde erst jetzt ins Deutsche übersetzt. Sein Inhalt ist heute aktueller denn je: Der Autor berichtet, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gänzlich in ihrer aktuellen Beschäftigung versinken können. Es ist eine warmherzige wie heilsame Einladung, anders mit der eigenen Lebenszeit umzugehen. Robert Paul Smith: How to Do Nothing with Nobody All Alone by Yourself. Hanser Verlag 2025, 20 €

Recht easy: Alltagsrecht ohne Juristendeutsch

Rechtsexperte Solmecke überzeugt, liefert schnelle, klare Antworten Das einzige Buch über Recht, das du lesen musst, davon ist auf Fragen, die uns alle betreffen – vom Mietvertrag bis zum Strafzettel. YouTube-Jurist Christian Solmecke und Co-Autor Wiechmann bieten Orientierung im Paragraphendschungel – unterhaltsam, kompakt und praxisnah. Christian Solmecke / Wiechmann: Das einzige Buch über Recht, das du lesen musst. Yes Publishing, 2025, ca. 20 €

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  • Standsicherheitsnachweise im Grundbau
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Logo BREMER WO: Hamburg, BREMER Nord GmbH SKILL: Berufserfahrung WAS: Einkauf, Materialwirtschaft, Logistik UMFANG: Voll/Teilzeit

WIR SIND:

In Deutschland zählt BREMER zu den führenden Unternehmen im schlüsselfertigen Industrie- und Gewerbebau. Als ganzheitlicher Anbieter der Immobilien- und Bauwirtschaft begleiten wir unsere Kunden von der Projektentwicklung über die Fertigung in eigenen Werken bis zum schlüsselfertigen Bau und den Serviceleistungen für das Gebäude im laufenden Betrieb. Das 1947 gegründete Familienunternehmen agiert an fünfzehn deutschen und zwei polnischen Standorten und erwirtschaftet aktuell eine Betriebsleistung von gut 1.100 Mio. EUR. Rund 1300 Mitarbeitenden setzen sich täglich mit Leidenschaft für den Kundenerfolg ein.

IHRE AUFGABEN:

  • Sichtung von Vertragsunterlagen (Pläne, Gutachten, etc.) auf Vollständigkeit
  • Wirtschaftliche Optimierung und Prüfung von Alternativlösungen
  • Erstellung aussagekräftiger Leistungsverzeichnisse für alle Gewerke des Rohbaus, Ausbaus und der Außenanlagen
  • Zusammenstellung aller erforderlichen Vergabeunterlagen
  • Prüfung und Bewertung der eingehenden Angebote unter technischen und kaufmännischen Gesichtspunkten
  • Führen von Vergabegesprächen mit den Nachunternehmern und Beauftragung der Gewerke

IHR PROFIL:

  • Abgeschlossenes Studium im Bereich Bauwesen (Bauingenieurwesen, Architektur, etc.) oder gleichwertige Qualifikation durch einschlägige Berufserfahrung im technischen Einkauf
  • Großes Interesse an gewerkübergreifendem Denken und am Ausbau des eigenen Fachwissens
  • Offenheit sowie Kommunikationsfähigkeit
  • Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit und selbstständige Arbeitsweise

UNSER ANGEBOT:

  • BREMER-Kultur: familiäres, faires Miteinander, gelebte Willkommenskultur, unternehmensweite Weihnachtsfeiern sowie Sommerfeste und weitere vielfältige Teamevents
  • Verantwortung von Anfang an: herausfordernde, abwechslungsreiche Aufgaben sowie interne Perspektiven für alle Lebensphasen
  • Lebenslanges Lernen: individuelle Weiterentwicklung in der BREMER Akademie sowie interne Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten
  • Work-Life-Balance: flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten sowie die Möglichkeit zur Nutzung eines Lebensarbeitszeitkontos, Unterstützung in besonderen Lebenslagen (Kinderbetreuung, Pflegesituation)
  • Weitere Benefits: betriebliche Altersvorsorge, Bike-Leasing auch für den Partner / die Partnerin, Firmenfitness bei einem nationalen Sport- und Wellnessnetzwerk sowie exklusive Mitarbeitervergünstigungen bei zahlreichen Partnern dank unseren Corporate Benefits
#QualitätBauenZukunftGestalten

IHR KONTAKT:

Christina Koch Personalreferentin 0 52 51 / 770-0 Jetzt bewerben

E-Paper karriereführer bauingenieure 2025.2026 – Nachwuchs gefragt: Innovative Ideen für die Bauindustrie

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Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

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Die Bauwirtschaft ist eine Lokomotive für die deutsche Wirtschaft. Jeder siebte Euro wird im Zusammenhang mit Wohnungsbau erwirtschaftet, und wenn es der Bauwirtschaft gut geht, dann ist das auch für die gesamte Volkswirtschaft gut.

Zur Person

Verena Hubertz ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Auf ihrem Instagramkanal teilt sie Insights aus ihrem Politikerinnen-Leben.
Der Bedarf an Bauleistungen in Deutschland ist hoch. An den Rahmenbedingungen arbeiten wir. Durch Zuzug in Ballungsräume, mehr Einpersonenhaushalte und Zuwanderung werden in den kommenden Jahren nach der regionalisierten Bedarfsprognose des BBSR jährlich rund 320.000 Neubauwohnungen gebraucht. Dazu kommt: Unser Planet wartet nicht. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, werden zukünftig sehr viel mehr Gebäude saniert werden müssen als heute. Das sind doppelt so viele wie derzeit erreicht wird. Und alle wissen, es gibt einen großen Nachholbedarf bei den Investitionen in Bahnstrecken, Straßen, Schul- und Verwaltungsgebäuden. Für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist es daher zentral, dass Bund und Länder das 500 Milliarden Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz auf den Weg gebracht haben. Jetzt braucht es kreative Baufirmen und viele gut qualifizierte Fachleute, die diese wichtige Aufgabe in den nächsten Jahren auch auf die Straße bringen. Die Dimension dieser Herausforderung ist historisch. In der Baubranche liegt Veränderung in der Luft. Da kommt es auch darauf an, dass der Bauberuf für junge Erwachsene als Ausbildungsberuf attraktiv bleibt. Die Engpässe bei qualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sind hoch. Auf Fachkongressen der Bau- und Immobilienwirtschaft weiß jeder, die Branche muss digitaler werden, es muss weniger Abfall beim Bauen produziert werden und es braucht Innovationen und Produktivitätssteigerungen. Auch die Baukosten müssen sinken, damit Wohnen zukünftig noch bezahlbar ist. Es kommt auf Sie und Euch an! Es sind oft junge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die innovative Ideen in die Unternehmen einbringen. Und es sind oft die Absolventinnen und Absolventen aus Hochschulen und Ausbildungsbetrieben, die neue digitale Technologien vorantreiben. Das macht deutlich: für die Zukunftsfähigkeit in der Bauwirtschaft kommt es sehr stark auf die neue Generation von Fachkräften an. Vieles wird sich in der Arbeitswelt in den kommenden Jahren durch technologischen Fortschritt verändern, auch in der Baubranche. Doch das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Denn eine KI-Software kann unterstützen, aber wohl kaum Arbeitskräfte auf der Baustelle ersetzen. Wer sich für eine Ausbildung in dieser Branche entscheidet, wird also mit Sicherheit dazu beitragen, die Zukunft in Deutschland mit zu gestalten. Ich freue mich dabei auf ein reges Treiben, einer ganz neuen Generation. Ihre Verena Hubertz – Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen

Berufseinstieg 2025–2030: Skill-Stack statt Zufall

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3 Fragen an Peter Hübner, Präsident der BAUINDUSTRIE, von Sonja Theile-Ochel

Welche drei Kompetenzen sollten Berufseinsteiger:innen im ersten Jahr aufbauen, um schnell wirksam zu werden? Einsteiger, die schnell durchstarten möchten, sollten sich unabhängig vom Einsatzgebiet auf drei Kompetenzen konzentrieren, die die Bauwirtschaft prägen werden: den Umgang mit digitalen Modellen und vernetzter Planung, ein Verständnis für ökologische Auswirkungen des Planungs- und Produktionsprozesses, da Nachhaltigkeitsaspekte und Lebenszyklusbetrachtung entscheidend werden, und Kompetenzen im Bereich Lean Construction rundet sich das Profil ab, da wir gerade im industriellen Bauen Effizienzpotenziale heben müssen. Wer sich früh mit digitalen und nachhaltigen Ansätzen beschäftigt und die Tools beherrscht, zeigt, dass er die Zukunft der Branche gestalten will.

Wie verändert serielles und modulares Bauen den Joballtag junger Ingenieur:innen? Mit der Verbreitung seriellen und modularen Bauens ergeben sich für junge Bauingenieurinnen und Bauingenieure hohe Anforderungen an ihr Verständnis des Fertigungs- und Bauprozesses. Die Vorfertigung in Werkhallen verbessert zwar die Arbeitssicherheit, stellt aber neue Anforderungen an die Baustellenlogistik: Module müssen termingerecht geliefert und montiert werden, oft unter beengten städtischen Bedingungen. Die Baustelle wird zur „Montagefläche“, was andere Sicherheitskonzepte und Abläufe in Planung, Herstellung, Qualitätssicherung und Montage erfordert. Junge Ingenieurinnen und Ingenieure werden zu Prozessmanagerinnen und -managern. Ein zentrales Ziel wird die ökobilanzielle Optimierung von Bauprojekten sein. Dazu gehören Kenntnisse über CO₂- Bepreisung, Lebenszyklusbetrachtung und innovative Baustoffe. Auch die Fähigkeit, Nachhaltigkeitsziele in die Planung zu integrieren, wird zunehmend gefragt sein. Das kollaborative Arbeiten in interdisziplinären Teams mit digitalen Datenmodellen wird ihre Arbeit prägen. Digitalkompetenzen werden im Bauingenieurwesen zum Schlüsselfaktor. Absolventen sollten mit digitalisierten Planungsprozessen, insbesondere mit Building Information Modeling (BIM), vertraut sein.

Was tun Unternehmen, um Gen-Z-Talente zu halten: klare Trainee- Rotationen, Mentoring, Lernbudgets, hybride Projektarbeit, kooperative Vertragsmodelle? Ob Branchenführer oder Nischenspezialist: Am Bau unterscheiden wir nicht zwischen Generationen – gute Arbeitsbedingungen, Teamwork und sinnstiftende Aufgaben sind für alle zentral. Ein strukturierter Einstieg mit Pre-Boarding gibt jungen Talenten Sicherheit. Mit E-Learning, Weiterbildung und offener Feedbackkultur erleichtern unsere Unternehmen den Berufsstart. Traineeprogramme – teils kooperativ – mit Mentoring bieten tiefe Einblicke und fördern individuelle Stärken. Vereinbarkeit gewinnt an Bedeutung: hybride Arbeitsmodelle, Kinderbetreuung und Jobrotation sind häufig feste Bestandteile. Mein Rat an die Gen Z: Seid neugierig, respektvoll und nutzt Chancen zur Weiterentwicklung – egal, wo eure Stärken liegen. Wer mit Offenheit und Teamgeist startet, findet schnell seinen Platz.

Infos zu allen Themen, die die Branche bewegen:

www.bauindustrie.de

Baustelle Zukunft: Wie junge Bauingenieure die Baubranche digitalisieren

Der Bau braucht neue Energie. Die deutsche Bauwirtschaft will produktiver werden. Wie das gelingen kann, zeigt ein Blick zu den europäischen Nachbarn. Digitaler arbeiten, in Inno- vationen investieren, Allianzen gründen, industrielle Prozesse nutzen – Impulse gibt es viele. Viele deutsche Bauunternehmen sind topmotiviert, sie umzusetzen. Im Zusammenspiel mit einer Verwaltung, die Prozesse vereinfacht. Und mit Hilfe junger Bauingenieur*innen, die neues Denken einbringen. Ein Essay von André Boße

In einem Interview für das Portal Deutsche Unternehmer Plattform (DUP) formulierte der Führungskräfte-Experte Christian Conrad einen Satz, der wie ein Rätsel klingt, in dem aber einiges an Wahrheit steckt. Auf die Frage, was er über die aktuelle Debatte über die Arbeitszeit halte, auch mit Blick auf die Viertagewoche, sagte er: „Wenn ich wenig Zeit, aber viel Energie habe, schaffe ich mehr, als wenn ich viel Zeit, aber keine Energie habe.“ Stimmt schon: Im Privaten erinnert man sich an freie Tage ohne Termine, bei denen man sich am Abend fragte, wo die Stunden geblieben sind – und was man eigentlich geschafft hat. Dann wiederum gibt es intensive Vormittage, an denen man diverse Punkte von der To-do-Liste abräumen konnte. Auf die Energie kommt es also an. Diese sei „der Schlüssel zu echter Produktivität“, wie Christian Conrad im DUP-Interview zitiert wird.

Bau-Turbo braucht Zündung

Zwei Jahre Rezession hat Deutschland hinter sich, „auch für das laufende Jahr sehen die Prognosen eher eine Stagnation als einen Aufschwung, teilweise sogar eine weiter andauernde Rezession“, heißt es in einer Meldung des Statistik-Portals Statista. Wer bei der Suche nach den Gründen vor allem auf die Aspekte blickt, die man selbst beeinflussen kann, landet bald bei der Produktivität. Die gesamte deutsche Wirtschaft hat ein Problem mit der Produktivität. Das gilt auch für die heimische Bauindustrie. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie veröffentlichte Ende 2024 Zahlen: Im Vergleich zum Jahr 2021 sei die Arbeitsproduktivität im Baugewerbe pro Stunde um 11,2 Prozent zurückgegangen. „Damit liegt die Produktivität um 23 Prozent unter dem Niveau von 1991“, vermeldete der Verband in dem Papier Brancheninfo Bau. Die selbstkritische Schlussfolgerung des Hauptverbands: „Die Mehrzahl der Bauunternehmen hat es in der gesamten Zeit versäumt, in produktivere Arbeitsabläufe zu investieren.“
Foto: AdobeStock/Hubba Bubba
Foto: AdobeStock/Hubba Bubba

Drei Produktivitätshebel in der Bauindustrie

Dr. Björn Reineke und Volkmar Schott, Baubranchenexperten von der Unternehmensberatung Ernst & Young, finden in einem Meinungsbeitrag auf der Homepage drei Hebel, um die Produktivität im deutschen Bauwesen zu erhöhen:
  1. Industrielle Vorfertigung einzelner Bauteile oder kompletter Raum-Module
  2. Digital gestützte Prozessoptimierung mit Hilfe von BIM sowie anderen Systemen – verbunden mit einem positiven Denken über diese Plattformen.
  3. Serielles Bauen – denn: „Was in Serie produziert werden kann, ist günstiger und schneller verfügbar“, so die Autoren.
Klar ist: Hier muss etwas passieren. Der Baubedarf in Deutschland ist hoch, im Hoch- und Tiefbau sowie bei der Instandhaltung. Die Bundesrepublik braucht zusätzlichen Wohnraum, die marode Infrastruktur muss erneuert werden, der Klimaschutz fordert Sanierungen. Geld dafür steht zur Verfügung: „500 Milliarden Euro neue Schulden nimmt der Bund auf, um die Infrastruktur voranzubringen“, meldete die Tagesschau Mitte September. Und was die Wohnungen betrifft, will die Regierung den „Bau-Turbo“ zünden: „Städte und Gemeinden können künftig schneller grünes Licht für den Wohnungsbau geben – auch ohne Bebauungsplan“, hieß es im Sommer in einer Pressemitteilung der Bundesregierung. Es soll und muss also losgehen. Daher ist es so wichtig, dass die Baubranche an Produktivität zulegt. Damit der Turbo nicht versandet.

Gefragt ist digitales Mindset

Was in solchen herausfordernden Situationen hilft, ist der Blick auf Best-Practice-Beispiele: Wie gelingt es anderen? Daher gab der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) den Auftrag, für eine Untersuchung den Blick ins nahe Ausland zu richten. Die Forschungsfrage lautete: Was kann das deutsche Bauwesen beim Thema Produktivität von seinen Nachbarn lernen? Seit Mitte 2025 liegt das Gutachten vor, und nach der Lektüre lässt sich festhalten: Änderungen sind erreichbar, ohne dass man dafür das Rad neu erfinden muss. Eine Erkenntnis der Untersuchung: Deutsche Bauunternehmen hinken in der Nutzung digitaler Lösungen im Vergleich zu anderen Ländern Europas noch hinterher. Das betreffe zum Beispiel den Einsatz von ERP-Software, also Lösungen, die alle zentralen Geschäftsprozesse eines Unternehmens vereint, um somit effizient Ressourcen zu planen und zu steuern. In der deutschen Bauindustrie nutzen laut Studie lediglich 24 Prozent der befragten Unternehmen eine solche Systemsoftware. Zum Vergleich: In den Niederlanden sind es 38 Prozent, in Belgien 45 Prozent. Auch beim Blick auf die digitale Auftragsvergabe wird die Bundesrepublik von anderen Ländern überholt: „In Deutschland erfolgte die Auftragsvergabe in 4,5 Prozent der Fälle digital, in Dänemark, Spanien, Schweden oder Irland teilweise in dreimal so vielen Fällen“, schreiben die Studienautor*innen vom IW.

In Deutschland noch Innovation, woanders längst Standard

Digitalisierung ist eine ‘Basistechnologie’, die weitere Entwicklungen anregt.
Dass Deutschland aufholen muss, zeigt sich dabei nicht nur an Zahlen – sondern auch an persönlichen Eindrücken der für die Studie befragten Entscheider in Bauunternehmen. So habe sich laut Studie ein Befragter aus den Niederlanden darüber gewundert, dass das Thema Building Information Modeling (BIM) auf einer Bau-Messe in Deutschland weiterhin als „Innovation“ dargestellt worden sei: In den Niederlanden sei BIM nämlich „längst Standard“. Ein Standard, den der Nachwuchs mit seinem digitalen Mindset auch vom heimischen Bauwesen erwartet. Die Autor*innen des Gutachtens verlangen daher mit Blick auf ERP und BIM ein neues Denken: Die Digitalisierung ist nicht mehr eine Zukunfts-, sondern eine „Basistechnologie die weitere Entwicklungen anregt“. Hapert es an der Basis, werden Entwicklungen ausgebremst.
Foto: AdobeStock/Espinoza/O.Meyer
Foto: AdobeStock/Espinoza/O.Meyer

Worst Case: USA

Die USA stehen, was den Produktivitätsverlust der Bauindustrie betrifft, noch schlechter da als Deutschland. Laut einer Studie der ING, zitiert im Nachrichtenportal The Pioneer, sank die Produktivität am Bau in den USA im Vergleich zum Jahr 2000 um satte 25 Prozent. Die Gründe: Das US-Bauwesen baut weniger, was laut dem Beitrag in The Pioneer die Innovationskraft bremst. Zudem sei die Bauindustrie in den USA noch weniger digital, kämen noch weniger Robotik-Systeme zum Einsatz. Hier habe Europa die Nase vorn: Auf 10.000 auf dem Bau tätigen Menschen kommen in Europa durchschnittlich 1,5 Roboter. In Japan liege laut The Pioneer die Quote bei 1,3, in China bei 0,7, in den USA bei 0,6 Robotern pro 10.000 Mitarbeitenden.
An dieser Stelle kommt ein weiterer Akteur ins Spiel, nämlich die Verwaltung. Sie sei der Startpunkt sehr vieler Bauvorhaben. „Umso wichtiger ist es“, heißt es in der Studie, „dass die Verwaltungen bei der Digitalisierung vorangehen.“ Dass die deutschen Behörden in Sachen Digitalisierung enormen Nachholbedarf haben, belegen Daten der EU-Kommission. Bei der Verbreitung digitaler Verwaltungslösungen für Unternehmen liegt die Bundesrepublik unter den 27 Ländern auf Rang 22. Hier ist die Verwaltung gefragt. Allianzen bilden, um innovativer zu sein Ein weiteres Feld, in dem die deutsche Bauindustrie Boden gutmachen kann, ist die Innovationskraft. Forschung und Entwicklung sorgen für mehr Produktivität, denn wer neue Techniken oder Materialien nutzbar macht, kann effizienter, schneller und günstiger bauen. Ein zusätzlicher Effekt: Innovative Branchen sind attraktiv für den Nachwuchs. Die IW-Studie zeigt, dass die Unternehmen in der Bundesrepublik vergleichsweise wenig in die Innovation investieren. Laut Untersuchung fließen etwas mehr als 3 Prozent des Umsatzes in die Forschung und Entwicklung. In Großbritannien sind es 7,6 Prozent, in Belgien sogar rund 10 Prozent. Das Beispiel Belgien zeigt, dass die Innovationskraft auch etwas mit staatlichen Interventionen zu tun hat. So seien in Belgien alle Unternehmen der Baubranche verpflichtet, sich anteilig zum Umsatz an der Finanzierung von Forschungseinrichtungen zu beteiligen. Hier entstehen Innovationen, die dann allen Unternehmen zur Verfügung stehen. Ein weiterer Pluspunkt: Die Einrichtungen stehen „den Unternehmen auch als Sachverständige bei spezifischen Fragen zur Verfügung und führen Schulungen und Weiterbildungen durch“, wie es im IW-Gutachten heißt. Diese Programme sind damit in der Lage, den Qualifizierungsgrad der Mitarbeiter in den Unternehmen zu erhöhen. Auch dies ist ein wichtiger Faktor für mehr Produktivität und für die Attraktivität einer Branche.
Im Verbund ist man produktiver als allein, und bei der Suche nach Partnerschaften ist Eigeninitiative gefragt.
Vorstellbar sind solche Initiativen übrigens auch ohne staatliche Beteiligung, als Allianzen aus der Unternehmerschaft heraus, wie es sie bei Themen wie der Industrie 4.0 oder der Künstlichen Intelligenz bereits gibt. Klar ist: Im Verbund ist man produktiver als allein, und bei der Suche nach Partnerschaften ist Eigeninitiative gefragt.

Von der Baustelle in die Baufabrik

Eine Sorge haben die Bauindustrien der verschiedenen europäischen Länder gemeinsam: Der Mangel an Arbeitskräften betrifft alle. Jedoch unterscheiden sich Maßnahmen dagegen. Laut IW-Untersuchung bemüht man sich zum Beispiel in Spanien mit Erfolg darum, die Branche für weibliche und junge Fachkräfte attraktiver zu machen. Spanien tut das indem man den Bau in die Industrie integriert. Das Land sehe eine große Chance in der industriellen Vorfertigung, „denn die Arbeit in Fabriken gilt als leichter, besser planbar und auch als angenehmer aufgrund fehlender Abhängigkeiten vom Wetter“, heißt es in der IW-Studie. Die Autor*innen raten daher auch dem deutschen Bauwesen, die industrielle Vorfertigung nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Prozessoptimierung zu betrachten, „sondern auch vor dem Hintergrund einer Attraktivierung der Beschäftigung“. Sicher, der Bau bleibt im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe keine Branche, die Massenproduktion durchführen kann oder in der sich ein Großteil der Arbeitsschritte automatisisieren lässt. Dennoch, um die Produktivität zu steigern, ist es sinnvoll, bestimmte industrielle Abläufe verstärkt mitzudenken: Welche Bauteile lassen sich replizieren? Welche Skalierungen lassen sich dabei nutzen? Sinnvoll ist es auch, das Bauwesen aus der festen lokalen Verankerung zu lösen. Laut IW-Studie zeige sich, dass größere Unternehmen schneller Produktivitätsvorteile generieren können. „Denkt man weiter, so könnten einheitlichere Regelungen auf europäischer Ebene weitere Effizienzvorteile ermöglichen“, schreiben die Studienautor*innen. Ein großer, nicht mehr fragmentierter europäischer Markt für Bauleistungen und Bauinnovationen? Das würde Energie bringen – und wäre für den Nachwuchs attraktiv.
Bild: AdobeStock/Руслан Мельніков
Bild: AdobeStock/Руслан Мельніков

Beton ohne CO2

Kaltplasma ist ein Beispiel für Zukunftstechniken, die in der Raumfahrt erforscht und entwickelt werden, um sie auf der Erde einzusetzen. Ein Beitrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nennt weitere Anwendungen. So untersuchen DLR-Expert*innen etwa, wie sich Granulat wie Sand in der Schwerelosigkeit verhält. Diese Erkenntnisse könnten den Umgang mit solchen Stoffen erleichtern. Ein weiterer Fokus liegt auf Experimenten mit Beton: „Um diesen Baustoff künftig klimaneutraler herzustellen, müssen an vielen Stellen der Prozesskette CO2-Emissionen sinken“, heißt es im DLR-Beitrag. Dies gelinge, wenn man die komplexen Mechanismen der Aushärtung verschiedener Mischungen erforscht – „ohne störende Einflüsse der Schwerkraft“.