Wahlstation Bundeskriminalamt

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Wegen jetziger und möglicher zukünftiger Aufgaben bleibt der Interviewte anonym. Nur so viel: Er ist 33 Jahre alt und studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen die Schwerpunkte Kriminologie und Strafrecht. Aufgezeichnet von Christoph Berger.

Dass ich einmal im polizeilichen Bereich arbeiten möchte, war mir schon während meines Studiums klar. Allerdings sind die Plätze für Wahlstationen in dem Umfeld sehr begehrt. Ich hatte großes Glück, dass ich im Jahr 2013 gleich in zwei maßgeblichen Behörden meine Stationen absolvieren konnte: Beim Landeskriminalamt, kurz LKA, und beim Bundeskriminalamt, BKA. Vor allem beim BKA hat mir die Arbeit besonders gut gefallen. Ich arbeitete dort in dem Bereich Cyber crime. Meine Aufgabe bestand darin, neue, durch das Internet aufkommende Straftat- Phänomene zu untersuchen und sie in einen Rechtskontext zu setzen. Beispielsweise das Thema Datenhehlerei, für das inzwischen eine Norm im Strafgesetzbuch geschaffen wurde. Im Allgemeinen behandelt der Bereich all die Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten. Oder aber um solche, die mittels der Informationstechnik begangen werden.
Das machte den Reiz der Arbeit aus: Ich habe sehr konkrete Bezüge zur Praxis und viel von der konkreten Polizeiarbeit mitbekommen.
Die Herausforderungen während meiner Wahlstation bestanden vor allem darin, mich schnell in neue Themen und die unbekannte Materie hineinzuarbeiten und die Behörde von innen kennenzulernen. Zu beidem kann ich aus heutiger Sicht sagen: Man wächst hinein – zumal ich auch einen Juristen an meiner Seite hatte, der mir fachlich zur Seite stand. Meine anderen Kolleginnen und Kollegen waren alles Polizisten. Aber genau dies machte auch den Reiz der Arbeit aus, ich habe sehr konkrete Bezüge zur Praxis und viel von der konkreten Polizeiarbeit mitbekommen – ebenso aus der Arbeit mit den Vollzugsbeamten. All das bekräftigte mich in meinem zu Studienzeiten formulierten Entschluss und ich begann, fest beim BKA zu arbeiten. Zu Beginn beschäftigte ich mich dort mit dem Thema Datenschutz, überprüfte dessen Einhaltung und beriet die unterschiedlichsten Abteilungen. Nun arbeite ich in einer Abteilung, die unter anderem für das zentrale Informationsmanagement zuständig ist. Die Arbeit im BKA ist also sehr abwechslungsreich und man hat als Jurist die Möglichkeit, im Rahmen der Rotation unterschiedliche Bereiche kennenzulernen.

Wenn die Wahrnehmung verzerrt ist: Unconscious Bias

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Das Denken der Menschen ist von jahrtausende alten Erfahrungen geprägt, sodass viele Entscheidungen auf Instinkten basieren. Doch aufgrund neuer Kontexte führen uns die Instinkte inzwischen oftmals zu Fehlentscheidungen. Unsere Entscheidungen sollten daher bewusst hinterfragt werden, wie Manfred J. Wondrak im Interview erklärt. Die Fragen stellte Christoph Berger.

Zur Person

Manfred J. Wondrak ist geschäftsführender Gesellschafter und Senior Consultant der factor-D Diversity Consulting GmbH in Wien. Seit 2006 ist er Unternehmensberater und Lehrtrainer mit Schwerpunkt Diversity & Inclusion und Unconscious Bias. Zudem ist Wondrak unabhängiger Experte für Diversity & Equality für die Europäischen Kommission – DG Home Affairs & DG Justice sowie Lehrbeauftragter der Donau-Universität Krems für Diversity Management & CSR, der Universität Wien für Unconscious Bias and Discrimination und Gastvortragender an der WU Wien. Weitere Informationen unter: www.factor-d.at
Herr Wondrak, was ist unter dem Begriff „Unconscious Bias“ zu verstehen? Der Begriff kann direkt mit kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen übersetzt werden. Im Kontext der Diversität wird er auch manchmal mit unbewussten Vorurteilen thematisiert. Doch im wissenschaftlichen Bereich passt kognitive Wahrnehmungsverzerrungen besser. Wie kommt es zu diesen Wahrnehmungsverzerrungen? Über Jahrtausende haben wir Instinkte aufgebaut und aus diesen heraus wurden bestimmte Denk- und Verhaltensmuster geprägt. In den letzten zehntausend Jahren haben diese Instinkte sehr gut funktioniert, sie haben unser Überleben gesichert und uns geholfen, in komplexen Situationen sehr schnell über unsere Wahrnehmung zu Entscheidungen zu kommen. Doch wenn diese Muster in anderen Kontexten verwendet werden, kann es zu Verzerrungen kommen. Ein Beispiel: Vom Instinkt haben wir einen inneren Sensor, das Bauchgefühl, der Personen automatisch in sympathisch und unsympathisch, also Freund oder Feind, unterteilt. Außerdem wird unbewusst direkt abgefragt: Ist die Person kompetent und kann sie mir gefährlich werden beziehungsweise ist die Person fähig, ihre Ziele umzusetzen? Diese Muster verwenden wir noch immer. Allerdings ist heute der Kontext ein anderer. So passiert es, dass wir zum Beispiel große Männer mit tiefer Stimme noch immer als kompetenter einordnen als kleine mit hoher Stimme. Was sind die Folgen der Biases – vor allem im Kontext der Arbeitswelt? Die Verzerrungen führen zu Fehleinschätzungen, obwohl wir denken, sehr gut beim Treffen von Entscheidungen zu sein. Doch gewisse Merkmale an Menschen lassen sie uns anders wahrnehmen als sie tatsächlich sind. Für den Bewerbermarkt bedeutet das zum Beispiel, dass unter Umständen eher die Bewerber eingestellt werden, die uns sympathisch und ähnlich sind – jede Person, die etwas symbolisiert, das uns ähnlich ist, wird uns sympathischer. Ähnlichkeit löst bei uns Vertrauen aus, sagt aber nichts über Kompetenz aus. Für homogene Aufgaben mag die Ähnlichkeit der Teammitglieder egal sein, doch in der komplexen Welt von heute geht man davon aus, dass die Herausforderungen nicht mehr von homogenen Teams gelöst werden können. Dafür braucht es unterschiedlichste Perspektiven und Persönlichkeiten.
Ich muss mein Bauchgefühl immer wieder mit bewussten Interventionen hinterfragen.
Gibt es Möglichkeiten, sich dieser unbewussten Verzerrungen bewusst zu werden, um ein objektiveres Bild zu bekommen? Ich muss mein Bauchgefühl immer wieder mit bewussten Interventionen hinterfragen. Ganz simpel: Wenn mein Bauchgefühl mir sagt, nimm diese Person, dann sollte ich diese Entscheidung mit objektiven Faktoren absichern. Objektive Faktoren können zum Beispiel eine zweite Person sein, die ich zur Entscheidungsfindung hinzuziehe. Oder ich stelle mir bewusst die Frage: Was hat das Sympathie-Gefühl zu dieser Person ausgelöst? Meine Erfahrungen zeigen, dass die Anwendung objektiverer Faktoren in der Vorselektion von Bewerbern noch ganz gut funktioniert, bei der endgültigen Entscheidung dann aber doch noch das Bauchgefühl maßgeblich mitentscheidet.

Infos zu Unconscious Biases

Auf der Online-Plattform Anti-Bias dreht sich alles um das Thema „bewusster Umgang mit unbewussten Vorurteilen – Unconscious Biases“. Die Expertinnen und Experten der factor-D Diversity Consulting GmbH geben dort einen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus verschiedenen Forschungsprojekten zu Unconscious Biases und über erfolgreiche Strategien zu deren Vermeidung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Arbeitswelt und dem Konzept Diversity and Inclusion. Weitere Infos unter: www.anti-bias.eu
Algorithmen, Big Data und künstliche Intelligenz sind derzeit aufkommende Technologien. Helfen sie uns, vorurteilsfreiere Entscheidungen zu treffen? Da muss man vorsichtig sein. Erste Studien über die Entscheidungsfindung via Algorithmen oder Big Data haben gezeigt, dass es auch beim Technologieeinsatz zu Verzerrungen kommen kann. Das liegt unter anderem daran, dass beispielsweise Algorithmen auf Entscheidungsdaten zurückgreifen, die Menschen getroffen haben. Die Verzerrungen haben sich somit auch in den technisch generierten Entscheidungsvorschlägen gefunden. Ich glaube aber, dass Big Data uns sehr wohl helfen kann, objektiver zu entscheiden, würde mich aber nicht nur auf die Technik verlassen. Ich würde die Ergebnisse des Computers aber mit in die Entscheidungsfindung einfließen lassen. Da die „alten“ Instinkte nun mal noch präsent sind: Können Bewerberinnen und Bewerber diese Denkmuster nicht auch ausnutzen, um in einem Bewerbungsprozess von sich zu überzeugen? Da es einen Sender und Empfänger gibt, ist es durchaus möglich, den ersten Eindruck zu beeinflussen. Zum Beispiel über die Kleidung. Bewerber können sich also durchaus die Frage stellen: Was sende ich aus? Dazu können sie sich die vorherrschenden Verzerrungen bewusst machen und darüber nachdenken, wie sie diese in ihre Strategie einbauen, um von sich zu überzeugen oder die kognitiven Verzerrungen aufzulösen.

Die Schnittstelle von Kunst und Recht

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„Jurastudierende für Kunststudierende“: Unter diesem Motto positioniert sich die Art Law Clinic der Universität Münster an der Schnittstelle zwischen Kunst und Recht. Mit einem innovativen und weltweit einzigartigen Konzept kommt sie dem Bedarf an rechtlicher Unterstützung für Kunststudierende nach – in einem Rechtsbereich, der sich im steten Wandel befindet. Von Julia Werner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster

Die Art Law Clinic hat sich der Beantwortung jener Rechtsfragen angenommen, mit denen sich Kunststudierende im Laufe ihres Studiums konfrontiert sehen. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Kunstakademie Münster und der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in Münster, das in seiner Form weltweit einzigartig ist. Die Grundidee einer Law Clinic aus den USA hat sich in Deutschland schon mancherorts etabliert, neu ist die Einrichtung einer solchen Institution speziell für Kunstrecht. Jurastudierende höheren Semesters helfen Kunststudierenden bei der Beurteilung rechtlicher Fragen, denen sie im Rahmen ihres Studiums begegnen. Dies erfolgt für die Studierenden der Kunstakademie kostenlos. Darüber hinaus stellt die Art Law Clinic einen juristischen Leitfaden für Künstler bereit, der rechtliche Orientierung für die Studierenden bieten soll.
Regelmäßig suchen Kunststudierende Unterstützung beim Verkauf von Kunstwerken.
Durch die Verknüpfung von Kunst und Recht auf Grundlage studentischer Hilfe untereinander, fördert die Art Law Clinic insbesondere das interdisziplinäre, gegenseitige Verständnis für den jeweils anderen Studiengang und zeigt dabei die vielfältigen Berührungspunkte der beiden Fächer: Regelmäßig suchen Kunststudierende Unterstützung beim Verkauf von Kunstwerken über Galerien oder bei der Versicherung in der Künstlersozialkasse. Sie haben Fragen bezüglich der Verwendung fremder Musik, Marken oder, wie zuletzt, von amtlichen Vernehmungsprotokollen in ihren Kunstwerken. Die Beantwortung der zahlreichen Fragen aus den verschiedensten Themengebieten ist oft komplex und der Bedarf der Kunststudierenden an rechtlicher Unterstützung dementsprechend hoch. Während sich diese in der Regel entweder allein oder in kostspieliger Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten mit Rechtsfragen auseinandersetzen müssen, bietet die Art Law Clinic dazu eine Alternative, indem sie jedenfalls rechtliche Grundlagen vermitteln will. Mit all dem trägt die Art Law Clinic dem stetigen Wandel der Kunst und den daraus wachsenden Herausforderungen Rechnung. Insbesondere im Zuge der Digitalisierung entstehen täglich neue rechtliche Herausforderungen. Neuartige Kunstformen, neue digitale Vertriebswege und nicht zuletzt unser neues Verständnis von Kunst bedürfen rechtlicher Ausgestaltung. Nur beispielhaft seien hier die urheberrechtliche Schutzfähigkeit von Tweets, die Veröffentlichung von Kunstwerken auf Wikipedia oder das Schaffen von Kunstwerken mittels künstlicher Intelligenz genannt. Auch in Zukunft gilt es also, auf die Rechtsfragen aus der Welt der Kunst eine Antwort zu geben.

Die Musterfeststellungsklage kommt

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Bereits am 9. Mai 2018 hatte das Bundeskabinett einen entsprechenden Gesetzesentwurf zur Möglichkeit der Kollektivklage beschlossen – der so genannten Musterfeststellungsklage. Zum 1. November 2018 soll das Gesetz in Kraft treten. Von Christoph Berger

Mit dem neuen Gesetz sollen „anerkannte und besonders qualifizierte“ Verbraucherverbände die Möglichkeit erhalten, künftig die Ansprüche in einem einzigen Gerichtsverfahren verbindlich klären zu lassen – insofern mindestens zehn Verbraucher in gleichartiger Art und Weise geschädigt worden sind. Dazu wird die jeweilige Klage in einem Klageregister eingetragen und bekannt gemacht. Melden sich innerhalb von zwei Monaten mindestens 50 Verbraucher an, wird das Verfahren durchgeführt. Und: Mit der Anmeldung im Klageregister verhindern die Betroffenen zugleich die Verjährung ihrer möglichen Ansprüche. Der Vorteil: Mit dem neuen Gesetz muss nicht mehr jeder einzelne Verbraucher alleine vor Gericht ziehen. Bisher, so das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, sei der erlittene Nachteil im Einzelfall manchmal zu gering gewesen, sodass Schadensersatz- oder Erstattungsansprüche oft nicht individuell verfolgt wurden – der erforderliche Aufwand aus Sicht des Geschädigten unverhältnismäßig erschienen. Ein weiterer Vorteil: Den Betroffenen entstehen keinerlei Kosten. Laut einer Befragung des Soldan Instituts unter 1179 Anwälten wird das Gesetz von einer knappen Mehrheit begrüßt. So bewerten 51 Prozent die Einführung der Musterfeststellungsklage positiv. Doch es gibt auch Kritik. 18 Prozent der Befragten geht die von der Bundesregierung vorgeschlagene Möglichkeit einer Musterfeststellung von Ansprüchen nicht weit genug. Sie sprechen sich für die Zulässigkeit einer darüber hinaus gehenden kollektiven Rechtsdurchsetzung nach dem Vorbild ausländischer Rechtsordnungen aus. Weitere 31 Prozent der Befragten halten die Einführung des neuen Gesetzes für gänzlich überflüssig.
Es ist erstaunlich, dass sich ein relativ großer Anteil der Anwälte für den für sie eher ungünstigeren Vorschlag ausspricht.
Laut den für die Studie Befragten ist besonders die Klagebefugnis zur Erhebung einer Musterfeststellungsklage kritisch zu betrachten: 54 Prozent von ihnen sprachen sich dafür aus, dass auch anwaltlich vertretene adhoc-Interessengemeinschaften klagebefugt sein sollten. Doch immerhin 30 Prozent befürworteten auch die Beschränkung auf Verbraucherverbände. „Es ist erstaunlich, dass sich ein relativ großer Anteil der Anwälte für den für sie eher ungünstigeren Vorschlag ausspricht“, stellt der Direktor des Soldan-Instituts, Prof. Dr. Matthias Kilian, fest. Zurückzuführen sei dies auf die Tatsache, dass viele Rechtsanwälte nicht mehr für Verbraucher tätig werden und sie in den neuen Instrumenten kollektiver Rechtsdurchsetzung eher Risiken für die von ihnen „bevorzugt betreute unternehmerische Mandantschaft“ sehen.

Nachhaltigkeit in der juristischen Ausbildung

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International, flexibel, praxisintegriert: Angesichts der Digitalisierung und Globalisierung aller Teilbereiche des öffentlichen Lebens steht auch die juristische Aus- und Weiterbildung vor neuen Herausforderungen. Von Dr. Eva Feldbaum, Direktorin der SIBE Law School

Eine oft gehörte Antwort auf die sich aus der Dynamik der modernen Arbeitswelt ergebenden Fragen besteht in der Aufforderung zur Nachhaltigkeit. Nach einer recht allgemeinen Definition des Begriffes fungiert sie als ein Handlungsprinzip zur Ressourcennutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht. Und so muss auch das Recht trotz zunehmender Komplexität nachhaltig sein – ebenso der Rechtsanwender und die juristische Ausbildung. Doch regenerationsfähig wird sich die juristische Aus- und Weiterbildung nur erweisen, wenn sie der mit der Digitalisierung verbundenen Dynamik Rechnung trägt sowie folgende drei Voraussetzungen erfüllt. Die fortschreitende Globalisierung zwingt den Juristen von heute unausweichlich zur Beschäftigung mit einem sich ständig verändernden, nicht mehr national geprägten, im europäischen Raum in hohem Maße supranationalen und insofern „entgrenzten“ Recht. Daher muss er seine Kenntnisse laufend verbreitern und spezialisieren, um den transnationalen Dimensionen gerecht zu werden. Zumindest sollte er die Fähigkeit erwerben, sich schnell in das andere Recht einzuarbeiten.
Internationales Networking führt zu sozialem Zusammenhalt und damit zu Nachhaltigkeit in der Ausbildung
Allgemein gesprochen, hat jedes interne Rechtsgebiet mit wirtschaftsrechtlichem Bezug eine transnationale Dimension. Daher gehört die Zukunft den internationalen Lerngruppen mit Teilnehmern aus verschiedenen Rechtskulturen, die durch das gemeinsame Bestreben verbunden sind, mit der juristischen Dimension dieser sich rasch entwickelnden internationalen Verflechtung vertraut zu werden. Das dadurch entstehende internationale Networking führt zu sozialem Zusammenhalt und damit zu Nachhaltigkeit in der Ausbildung. Dies wirft auch die Frage der medientechnischen Bewältigung des Unterrichts auf: Die Antwort kann nur sein, dass die neuen telekommunikativen Mittel, besonders die Nutzung des Internets, zum Einsatz kommen müssen. Zeitliche und örtliche Flexibilität ermöglicht eine moderne Organisation des Alltags der Lernenden und gewährleisten damit die für die Lebensqualität und damit die Leistungsfähigkeit so wichtige Work-Life-Balance. Anders gewendet: Flexibilität der Aus- und Weiterbildung generiert deren Nachhaltigkeit. Mit Blick auf die hohe Arbeitsbelastung der international tätigen Juristen sollte die juristische Aus- und Weiterbildung schließlich dual, parallel zur Arbeit, zu ihr komplementär und mit ihr abgestimmt, durchgeführt werden. Elementar sind die Beschäftigung mit Fragen, die dem jeweiligen beruflichen Interesse entsprechen – also nachhaltig, da es Möglichkeit zur direkten Anwendung des Erlernten in Gegenwart und Zukunft gibt. Das zu bearbeitende Thema sollte dabei in einem Dialog zwischen Lernendem und Lehrendem gefunden werden Zusammenfassend gewährleisten insbesondere Internationalität, Flexibilität und Praxisintegration die Nachhaltigkeit der juristischen Aus- und Weiterbildung in einer sich ständig verändernden Situation des nationalen und internationalen (Wirtschafts-) Rechts.

Der Notarberuf

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Für bestimmte Verträge, zum Beispiel einen Immobilienkauf- oder Ehevertrag, sowie für Willensbekundungen, beispielsweise ein Testament, braucht es eine notarielle Beurkundung. Doch wer kann in Deutschland überhaupt Notar werden? Und was sind Voraussetzungen dafür? Von Christoph Berger

Für Immobilienkaufverträge, Eheverträge und Erbverträge ist der Gang zum Notar unumgänglich, der Gesetzgeber schreibt hierfür notarielle Beurkundung vor. Doch anders als von vielen angenommen, beschränkt sich die Aufgabe des Notars nicht allein auf das Vorlesen des jeweiligen Vertrags. Neben der Beurkundung von Rechtsgeschäften gehören auch die Beratung von Mandanten, die Erstellung von Urkunds- und Vertragsentwürfen sowie der Vollzug der jeweiligen Urkunde zu seinen Aufgaben. Um einen passgenauen Urkundenentwurf erstellen zu können, benötige der Notar vor der Beurkundung Informationen zum Sachverhalt und dem Willen der Beteiligten, heißt es vonseiten der Bundesnotarkammer. In der Praxis würden diese Angaben häufig telefonisch oder per E-Mail und im Austausch mit den Mitarbeitern des Notars zur Verfügung gestellt. „Bei Bedarf steht der Notar aber auch vorab persönlich für ein Beratungsgespräch zur Verfügung“, erklärt Lisa Sönnichsen, Geschäftsführerin der Hamburgischen Notarkammer. Denn auch wenn der Notar zur Unparteilichkeit verpflichtet sei, gehöre es zu seinen Amtspflichten, darauf zu achten, dass Irrtümer und Zweifel vermieden und unerfahrene Beteiligte nicht benachteiligt würden. Dies geschehe idealerweise schon im Vorfeld der eigentlichen Beurkundung. Allerdings prüft ein Notar einen Vertrag weder auf seine Wirtschaftlichkeit hin noch auf Tatsächliches wie zum Beispiel das Bestehen von Sachmängeln. Was jemanden prinzipiell zum Beruf des Notars befähigt, ist in der Bundesnotarordnung (BNotO) festgeschrieben. Darin heißt es unter §5 beispielsweise, dass zum Notar nur bestellt werden darf, wer die Befähigung zum Richteramt nach dem Deutschen Richtergesetz erlangt hat. Diese Befähigung erwirbt demnach, wer ein rechtswissenschaftliches Studium an einer Universität mit der ersten Prüfung und einen anschließenden Vorbereitungsdienst mit der zweiten Staatsprüfung abgeschlossen hat – festgelegt im Deutschen Richtergesetz. Doch in der BNotO werden noch weitere Voraussetzungen genannt. So heißt es unter §6: „Nur solche Bewerber sind zu Notaren zu bestellen, die nach ihrer Persönlichkeit und ihren Leistungen für das Amt des Notars geeignet sind.“ Hieraus wird auch ersichtlich: Notare werden berufen. Doch darüber hinaus variieren die Voraussetzungen je nach Bundesland. So ist in manchen Bundesländern nach dem 2. Staatsexamen eine Ausbildung, der sogenannte Anwärterdienst, vorgeschrieben. Mit Abschluss gilt es, sich auf eine freie Stelle zu bewerben. In anderen Bundesländern müssen nach dem Jurastudium mindestens fünf Jahre als Rechtsanwalt, eine ununterbrochene Ausübung dieser Tätigkeit für mindestens drei Jahre, das Bestehen einer notariellen Fachprüfung sowie die Absolvierung einer Praxisausbildung nachgewiesen werden. Dafür gilt die Berufung dann aber mindestens bis zur Vollendung des 70. Lebensjahres.

Schrift-Sätze

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ARBEITEN 4.0

Cover Arbeiten 4.0Die Digitalisierung revolutioniert die Arbeitswelt: Internet, mobile Kommunikation und immer schnellere Datenübertragung eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Gleichzeitig müssen Unternehmen die juristischen Rahmenbedingungen kennen und sich danach richten. Hier sind Anwälte gefragt: Bei dem Handbuch „Arbeiten 4.0 – Arbeitsrecht und Datenschutz in der digitalisierten Arbeitswelt“ handelt es sich um Ratgeber, um Mandanten im Bereich Digitalisierung kompetent zu beraten: Bearbeitet werden unter anderem die Themen Internet, Intranet und E-Mail, Arbeitszeitrecht, Homeoffice, Arbeitsschutz, arbeitsrechtliche Aspekte zu Social Media und vieles mehr. Nicolai Besgen, Thomas Prinz (Hrsg.): Arbeiten 4.0 – Arbeitsrecht und Datenschutz in der digitalisierten Arbeitswelt. Deutscher Anwaltverlag 2018, 54 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

GIRL FROM IPANEMA

Die Brasilianerin Helô Pinheiro war einst Muse für den Musiker Antônio Carlos Jobim und den Dichter Vinicius de Moraes. Als die beiden Pinheiro sahen, wurden sie zu ihrem Song „Girl from Ipanema“ inspiriert. Später gründete Pinheiro ihr eigenes Modelabel, „Garota de Ipanema“. Ein Name, der den Erben der beiden Songschreiber überhaupt nicht passte. Es kam zum Prozess. Und um nicht betrogen zu werden, begann Pinheiro sogar noch als über 60-Jährige mit einem Jurastudium. Den gewählten Namen trägt ihr Label noch heute.

CRASHKURS BGB

Cover BGB CrashkursBereits in fünfter Auflage ist 2018 das von Prof. Dr. Michael Timme herausgegebene Buch „BGB Crashkurs“ erschienen. Das Buch eignet sich ausgezeichnet für die kompakte Wiederholung und die zielgerichtete Prüfungsvorbereitung. Es ist aufgrund seiner fallbezogenen Ausrichtung vor allem für Anfänger gedacht, eignet sich aber auch für fortgeschrittene Studierende zur kompakten Wiederholung. Einfache Merksätze, Fälle, Übersichten, Definitionen und kurze Zusammenfassungen lassen sich leicht einprägen und geben Sicherheit für die Prüfung. In der aktuellen Auflage sind zudem die Änderungen im Kauf- und Werkvertragsrecht berücksichtigt worden. Michael Timme: BGB Crashkurs. C.H. Beck 2018, 9,90 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

KI FÜR JURISTEN

David Bloch, Foto: obs/LEGARTIS/A.KIRCHHOFF
David Bloch, Foto: obs/LEGARTIS/A.KIRCHHOFF
Das Schweizer Legal Tech Start-up Legartis bietet eine auf künstlicher Intelligenz basierende Software für die Erfassung und den Abgleich von großen Mengen juristischer Dokumente und Daten. Das von dem Unternehmen entwickelte „Lifecycle Contract Intelligence Tool“ analysiert schnell und automatisiert Rechtsdokumente, wie Verträge, Gesetzestexte oder Due Diligence Dokumente. Genutzt werden dabei die neuesten Erkenntnisse aus Machine Learning, Natural Language Processing (NLP) und künstlicher Intelligenz (KI). Und das Produkt überzeugte: Im Juli 2018 gab Legartis bekannt, neue Investoren für die erste Finanzierungsrunde gefunden zu haben, die in das Start-up eine Million Schweizer Franken investieren. Weitere Infos unter: www.legartis.ai

EIN RICHTER SCHREIBT PROSA

Cover ZwischenergebnisHon.-Prof. Mag. et Dr. iur. Janko Ferk ist nicht nur Richter des Landesgerichts Klagenfurt, Honorarprofessor für Literaturwissenschaften (Recht und Sprache) an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Univerza v Celovcu, sondern auch Schriftsteller und Übersetzer. Bisher hat er mehr als dreißig Bücher in deutscher und slowenischer Sprache veröffentlicht. In seinem gerade erschienen Werk „Zwischenergebnis – Gesammelte Prosa“ geht es unter anderem um das Schreiben des Schreibenden. Ferk erhielt für seine Arbeiten bereits zahlreiche Auszeichnungen. Janko Ferk: Zwischenergebnis – Gesammelte Prosa. Leykam 2018, 19,90 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

DIE UNITED NATIONS ASSOCIATION DER UNIVERSITÄT WÜRZBURG E.V.

Wer sich für die Vereinten Nationen interessiert ist bei der United Nations Association der Universität Würzburg e.V., kurz UNA Würzburg e.V., genau richtig. Der studentisch geprägt Verein engagiert sich vor allem bei der Vermittlung von Wissen und Problembewusstsein im Bereich internationaler Politik. Über die Veranstaltungsreihe „Die UNO an der Uni“ werden einem öffentlichen Publikum Einblicke in die Vereinten Nationen sowie in das aktuelle politische Weltgeschehen geboten – über Filmvorführungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen. Mit dem Projekt „UN im Klassenzimmer“ werden die Vereinten Nationen außerdem auch in die Klassenzimmer der Region gebracht. Die Mitgliedschaft des 2007 gegründeten Vereins steht allen an den Vereinten Nationen Interessierten offen. Weitere Infos unter: www.una-wuerzburg.de

DAS GRUNDGESETZ

Cover das GrundgesetzDas Grundgesetz ist noch immer eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Ebenso die bereits 2009 von Christian Bommarius veröffentlichte Biografie „Das Grundgesetz“. Der Rechtswissenschaftler und Germanist schildert darin die dramatischen Umstände, unter denen es entstand. Er erzählt von den 73 Männern und vier Frauen, die drei Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur, mitten im Kalten Krieg , während der Berliner Blockade, zusammenkamen, um über eine demokratische Verfassung zu beraten. Und er zeigt, welche Richtungskämpfe zum einen um die Zukunft Deutschlands damals ausgetragen wurden, zum anderen, wie das Grundgesetz über Jahrzehnte die deutsche Lebenswirklichkeit gespiegelt und zugleich geprägt hat. Christian Bommarius: Das Grundgesetz. Rowohlt 2009, 19,90 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

FERDINAND VON SCHIRACHS „STRAFE“

Cover StrafeDie Werke des deutschen Strafverteidigers,Schriftstellers und Dramatikers sind Bestseller, vielfach wurde der Autor mit Literaturpreisen ausgezeichnet. In seinem aktuellen Buch „Strafe“ widmet er sich zwölf Schicksalen und zeigt, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden – und, wie voreilig unsere Begriffe von „gut“ und „böse“ oft sind. Er erzählt von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Ferdinand von Schirach: Strafe. Luchterhand 2018, 18 Euro Jetzt kaufen bei Amazon

Sandra Navidi: die Wall Street Lady

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Sandra Navidi absolvierte ein Jurastudium an der Universität zu Köln, der Fordham University School of Law und der Universität Paris IV. Neben zahlreichen weiteren Auslandsaufenthalten legte sie den Fachanwaltskurs für Steuerrecht und die Wertpapierhandelsprüfung bei der U.S.-Aufsichtsbehörde FINRA (NASD) ab. Später war sie unter anderem Managerin in der Abteilung für internationale Kapitalmärkte bei Deloitte sowie Chefjustiziarin beim Vermögensverwalter Muzinich & Company bevor sie 2011 die Unternehmensund Strategieberatung BeyondGlobal, LLC gründete. Navidi ist außerdem Vortragsrednerin und seit 2009 Finanzexpertin für n-tv. Die Fragen stellte Christoph Berger

Sandra Navidi, Foto: Sandra Navidi
Sandra Navidi, Foto: Sandra Navidi
Sandra Navidi, Juristin, Rechtsanwältin, Attorneyat- Law (Staat New York, USA), Bestsellerautorin sowie Gründerin und CEO von BeyondGlobal, LLC www.beyond-global.com
Frau Navidi, Ihr Leben war von Beginn an auf Internationalität ausgerichtet. Wie bewerten Sie internationale Erfahrungen für angehende Juristen? Internationale Erfahrungen sind für angehende Juristen heute wichtiger als jemals zuvor. Selbst wenn man nicht vorhat, im Ausland zu arbeiten, sind viele Kanzleien und ihre Mandanten international tätig. Unternehmen exportieren, haben ausländische Standorte, eine diverse Belegschaft und globale Kundschaft. Auslandserfahrungen erweitern den Horizont, fördern kreatives Denken, helfen fremde Kulturen zu verstehen und transnationale Netzwerke aufzubauen. Ihr Vater betrieb außerdem ein mittelständisches Unternehmen. War damit bereits der Grundstein für Ihre Karriere in der Wirtschaftswelt gelegt? Ich glaube, persönliche Neigungen und Stärken sind teils in die Wiege gelegt, teils das Resultat von Erfahrungen. In meiner Familie ist seit jeher so ziemlich jeder selbstständig gewesen. Das prägt die Denkweise und Persönlichkeit. Sie sagten einmal, dass Ihre Ausbildung Ihr wertvollster Besitz sei, in sie würden Sie bis zu Ihrem Lebensende weiter investieren. Auf was kommt es Ihnen bei Fort- und Weiterbildungen an? Fortbildung und Weiterbildungsfähigkeit sind in unserer Wissensökonomie ein gesonderter Aspekt des Humankapitals. Das Recht mag sich nicht grundlegend, oder aber zumindest nur sehr langsam, verändern. Dafür verändert sich die Welt, auf die dieses Recht angewendet wird, in rasantem Tempo. Wer stehen bleibt, bleibt zurück. Deshalb heißt es auch für Juristen: Agil bleiben und weiterbilden. Darüber schreibe ich gerade mein nächstes Buch. Über Jahre haben Sie sich den „Titel“ „Wall Street Lady“ erarbeitet. Mal von Ihrer Ausbildung abgesehen, auf welche weiteren Faktoren führen Sie derartige Auszeichnungen beziehungsweise Ihren Erfolg zurück? Auf ständige Weiterbildung, Disziplin, Fleiß, Motivation, Risikobereitschaft und Widerstandsfähigkeit. In meinem Buch Superhubs analysiere ich übrigens die Eigenschaften, die die menschlichen „Super-hubs“ an die Spitze der globalen Finanzwelt katapultieren. Und wie fühlten oder fühlen Sie sich in einem von Männern dominierten Umfeld, spielte das für Sie überhaupt jemals eine Rolle auf Ihrem Weg? Auf jeden Fall. Minderheiten haben es grundsätzlich schwerer. Das prägt, aber man gewöhnt sich daran und lernt, damit umzugehen. In Super-hubs habe ich dem Frauen-Thema ein ganzes Kapitel gewidmet, weil ich erklären musste, warum es kaum Frauen an der Spitze der globalen Finanzwelt gibt. Das ist ein komplexes Thema, bei dem auch viele Dynamiken aus der Netzwerkwissenschaft eine Rolle spielen.

Buchtipp

Cover SuberhubsSandra Navidi, Super-hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren, FinanzBuch Verlag 2016,19,99 Euro Jetzt kaufen bei Amazon
2011 gründeten Sie Ihr eigenes Unternehmen, die Unternehmens- und Strategieberatungsfirma BeyondGlobal, LLC. Was war der Antrieb dazu? Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt während der Finanzkrise mit dem Ökonomen Nouriel Roubini gearbeitet. Das war toll und ich habe viel gelernt. Irgendwann hatte ich dann aber das Gefühl, dass ich in dieser Position nicht mehr wesentlich weiterwachsen konnte. Ich wollte weiterziehen und „mein eigenes Ding“ machen. Und wie wichtig ist Ihnen berufliche Unabhängigkeit? Ziemlich wichtig. Abgesehen davon ist es wegen der sich drastisch verändernden, digitalisierten Berufswelt für jeden essentiell, sich als Marke zu etablieren und unternehmerisch zu denken. Dies ist die Prämisse, auf der mein nächstes Buch fußt. Für viele Menschen scheinen Profit und finanzieller Reichtum der Antrieb für ihr berufliches Schaffen zu sein. Schaut man sich Ihre Beiträge, Kommentare, Initiativen et cetera an, scheinen Sie andere Motivationen zu haben. Welche Werte treiben Sie an, was ist Ihnen wichtig? Mir ist es wichtig, mit interessanten Menschen an interessanten Projekten arbeiten zu können. Gerne setze ich mich für gesellschaftsrelevante Themen ein, wie beispielsweise die Wohlstandsschere, und gebe Einblicke über meine Bücher und Medientätigkeit weiter. In meiner Position habe ich die Möglichkeit, mein Potential zu verwirklichen und das schafft Zufriedenheit. Und wenn Sie mal nicht publizieren, Interviews geben, beraten oder kurz: arbeiten, wie und womit schalten Sie ab? Ich liebe es, in der Ruhe zu verweilen, einfach im Moment präsent zu sein und meine Gedanken schweifen zu lassen. Sport zu treiben gehört ebenfalls zum Abschalten, auch wenn es oft zunächst Überwindung kostet.

Simon-Kucher & Partners Strategy & Marketing Consultants GmbH

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Unternehmensgeschichte
Simon-Kucher wurde im Jahre 1985 von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Simon, Dr. Eckhard Kucher, und Dr. Karl-Heinz Sebastian in Bonn gegründet. Ihre Vision: Wissenschaftliche Methoden zur Ermittlung des optimalen Preises in der Wirtschaftspraxis einsetzen.

Jetzt, über 30 Jahre später, ist ihre Vision zu außerordentlichem Erfolg gelangt. Der ehemalige Universitäts-Spin-Off ist zu einem globalen Unternehmen herangewachsen. Heute gehört Simon-Kucher & Partners zu den wichtigsten Unternehmensberatungen mit einem Jahresumsatz von 252 Millionen Euro (2017), und ist mit über 1.100 Mitarbeitern in 25 Ländern und 38 Büros weltweit vertreten. Unser Stammsitz befindet sich nach wie vor in Deutschland, doch wir verfolgen unser globales Wachstum mit hohen Tempo.

Anzahl der Standorte in Deutschland
Bonn, Frankfurt, Hamburg, Köln, München

Anzahl der Standorte weltweit
https://www.simon-kucher.com/en/contact/offices

Bedarf an HochschulabsolventInnen
Ca. 160 pro Jahr

Mitarbeiterförderung
Zugeschnittenes Trainingsprogramm je nach Level und Funktion sowie viele Self-Learning Möglichkeiten

Tätigkeitsbereiche
Consulting:
Strategie, Marketing, Pricing und Vertrieb

Anforderungsprofil

  • Bachelor- und Masterstudium aller Fachbereiche mit wirtschaftlichem, psychologischem, ingenieur- oder naturwissenschaftlichem Hintergrund
  • Sehr gute kommunikative und analytische Fähigkeiten
  • Erste Praxiserfahrung durch Praktika in Beratung oder Industrie
  • Exzellente Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  • Excel und PowerPoint-Kenntnisse, weitere Analyseprogramme (SPSS, Stata, etc.) erwünscht

Karriereaussichten
Bitte informieren Sie sich hier: https://www.simon-kucher.com/en/your-career

Angebote für StudentInnen
Praktika, studentische Nebentätigkeit

Auslandstätigkeit
Möglich, abhängig vom Industriebereich und Kundenprojekt

Einstiegsprogramme
Praktika, Direkteinstieg als Consultant

Logo Simon-Kucher & Partners

Ansprechpartner
Daniel Essig

Anschrift
Willy-Brandt-Allee 13
53113 Bonn

Fon
0228 9843 0

E-Mail
daniel.essig@simon-kucher.com

Internet
https://www.simon-kucher.com/en/why-simon-kucher

Forschung: Digital denken

Experimente, die im Computer simuliert werden, Big-Data-Analysen, die Patientenbiografien als verästelte Bäume darstellen, neue Entwicklungen, die das Leben im Alter vereinfachen: Die Bezüge zwischen Forschung und neuer Technik werden immer direkter. Dabei ändert sich auch die Arbeit selbst. Forschung 4.0 nutzt die Digitalisierung, um sich konzentriert Menschen und Märkten zu widmen. Von André Boße

Alles wird digital. Und doch steht der Mensch im Mittelpunkt. Ein Widerspruch? Nicht, wenn es nach den Autoren einer neuen Studie über wirtschaftlichen Erfolg in der Life-Science-Branche geht. Erarbeitet wurde sie vor der Unternehmensberatung KPMG, das zentrale Ergebnis: „Life Sciences-Unternehmen rücken den Patienten zunehmend in den Fokus ihres Handelns. Dazu benötigen sie eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie.“ Was das bedeutet, zeigt folgendes, von den Autoren der Studie entworfenes Szenario auf. In Zukunft werde es möglich sein, die Spur einer Krankheit zu lesen. Dies funktioniert mit Daten über zum Beispiel genetische Besonderheiten, erbliche Krankheiten, andere Behandlungen mit eventuellen Nebenwirkungen. So entstehe ein „Healthcare-Baum“, der ganz ähnlich aussehen könnte wie der Stammbaum einer Familie. Dieser Baum werde durch jeweils neu erhobene Daten ständig weiterwachsen, neue Äste kommen hinzu, andere differenzieren sich immer weiter aus. „Ein sicherer Austausch dieser Daten unter den beteiligten Medizinern, Therapeuten und Pharmazeuten wird nicht nur dazu führen, dass Healthcare personalisiert wird. Die Daten begleiten die Forscher bei der Entwicklung neuer Präparate“, heißt es in der KPMG-Studie von Ende 2017.

Pharma glaubt, dass IT das Geschäft antreibt

Die Autoren sind sich sicher: Die Abbildung von Patientenbiografien in Form des sich stetig wandelnden Baums werden dazu führen, dass sich die gesamte Wertschöpfungskette in den forschungsintensiven Healthcare-Branchen ändern wird. Und die Unternehmen glauben das auch: 85 Prozent der befragten Akteure der Gesundheitsindustrie haben schon jetzt erkannt, dass die digitale Transformation die Rollen und Abläufe der Brache verändern wird. Zudem interessant, gerade für Forscher: Ebenfalls 85 Prozent der Unternehmen glauben, dass Akteure aus der IT-Branche die treibenden Kräfte des Wandels sein werden; immerhin 63 Prozent der Unternehmen aus der Healthcare-Branche können sich vorstellen, schon innerhalb eines Jahres enge Kooperationen mit diesen ITUnternehmen einzugehen. Diese Werte zeigen, dass sich auch die Forschung und Entwicklung künftig in die digitalen Prozesse integrieren werden. Absolventen der Naturwissenschaften sind in den Unternehmen mit ihrer Arbeit dieser neuen digitalen Wertschöpfung nicht mehr vorgeschaltet – sie sind ein bedeutsamer Teil dieser Abläufe.

Life-Science-Unternehmen: wo die Reise hingeht

In welche Richtung sich Life-Sciences- Unternehmen entwickeln, steht im Mittelpunkt der Studie „Digitalization in life sciences – Integrating the patient pathway into the technology ecosystem“ von KPMG. In Zusammenarbeit mit Kantar EMNID wurden 75 Geschäftsführer, Inhaber, Vorstandsvorsitzende und Abteilungsleiter aus der Life-Sciences- Branche in der DACH-Region hinsichtlich ihrer Fortschritte bei der Digitalisierung befragt. Die Studie zeigt innovative Anwendungsfälle und gibt Einblicke in die Unternehmenspraxis. https://home.kpmg.com/de/de/home/themen/2017/12/digitalization-in-lifesciences.html

Big Data: Nutzung muss dringend ausgebaut werden

Aber welche IT-Techniken sind für die Forschung relevant – und wie werden sie eingesetzt? Fragt man Klaus Mueller nach dem wichtigsten Digi-Trend, lässt die Antwort nicht lange auf sich warten: „Big Data – also die Analyse großer Datenmengen.“ Mueller ist Geschäftsführer der Digitalagentur TWT Digital Health mit Sitz in Heidelberg, dort ist er Experte für Digital Health. Einer der Motoren für neue Geschäfte sei das Marketing: „Data-Driven“, werde dieses in Zukunft sein, sagt er. „Viele Pharmaunternehmen entwickeln aktuell Multi Channel-Konzepte. Ziel ist es, die Zielgruppen über verschiedene Kanäle wie Website, Social Media, Apotheke oder Außendienst zu erreichen und die Ansprachen in den Kanälen aufeinander abzustimmen.“ Noch bedeutsamer werde in seinen Augen jedoch eine Technologie, die aus den „Analysen von Big Data Rückschlüsse und Erkenntnisse zieht, die man auf den ersten Blick nicht erkennt“. Es gehe also nicht nur darum, effizienter zu arbeiten, das Ziel sei es tatsächlich, einen Mehrwert zu schaffen. Wobei Mueller auch sagt, dass die Pharmaindustrie in diesem Bereich noch Nachholbedarf hat: „Bei der Nutzung großer Datenmengen aus neuen Technologien oder bestehenden Datenquellen steht die Branche noch ganz am Anfang.“

Real-Word-Daten und Ambient Assisted Living

An der Menge der verfügbaren Daten liege das nicht: Die Unternehmen besitzen riesige Mengen an Studiendaten. „Jedoch sind diese nur von beschränkter Aussagekraft“, sagt Mueller. „Denn so uniform wie das Kollektiv der Studienteilnehmer mit einem Dutzend Ein- und Ausschlusskriterien ist ein Patientenkollektiv im richtigen Leben leider nie. Viele Patienten erhalten viele verschiedene Medikamente verschrieben, und kaufen auch noch das eine oder andere Präparat.“ Diese Vielfalt könne man in klinischen Studien nicht abbilden – wohl aber mithilfe von Real-World-Daten (kurz: RWD) also Gesundheitsdaten, die unter realen Alltagsbedingungen erhoben werden und damit für die IT eine „klassische Big Data-Anwendung sind“, wie Klaus Mueller sagt. Ein weiterer bedeutsamer Trend ist für ihn das Gebiet des „Ambient Assisted Living“ (AAL): Durch die stetig ansteigende Lebenserwartung der in Deutschland lebenden Menschen ist absehbar, dass die deutsche Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten zunehmend älter wird. Zudem bleiben ältere Menschen immer länger geistig und körperlich fit und stellen höhere Ansprüche an ihren Lebensabend. Helfen sollen hier technische Systeme, die zunehmend in der Lage sind Alltagstätigkeiten zu erleichtern oder zu übernehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fasst diese unter „Ambient Assisted Living“ zusammen:

Chemie: Investitionen in digitale Transformation

Laut der Studie „Chemie 4.0“ des Verbands der chemischen Industrie (VCI) planen die Unternehmen der Branche in den kommenden drei bis fünf Jahren milliardenschwere Ausgaben, um Digitalisierungsprojekte und neue digitale Geschäftsmodelle zu stemmen. „Indem wir künftig digitale Massendaten nutzen, kann unsere Branche ihre Rolle in den Wertschöpfungsketten erweitern und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Darüber hinaus verfügen wir über zukunftsorientierte Lösungen, um die zirkuläre Wirtschaft voranzutreiben“, beschreibt VCI-Präsident und BASF-Vorstandsvorsitzender Kurt Bock das Potenzial von Chemie 4.0 für die Entwicklung der Unternehmen. https://www.vci.de/presse/pressemitteilungen/chemie-4-punkt-0-innovationen-fuer-eine-welt-im-umbruchstudie-von-deloitte-und-vci.jsp
„Das steht für Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die neue Technologien in den Alltag einführen, um die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensphasen, vor allem im Alter, zu erhöhen“, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. „Diese Technik wird mit steigender Lebenserwartung der Gesellschaft immer wichtiger“, sagt Klaus Mueller von TWT Digital Heatlh. „Es entstehen enorme Potenziale und damit auch große Entwicklungsmöglichkeiten für Absolventen der naturwissenschaftlichen Richtung.“ Wobei mit den Chancen auch die Ansprüche steigen, wie Müller glaubt: „Für Forschende wird es immer wichtiger, einen Wissensstand zu erwerben, der die angrenzenden Disziplinen einschließt. Neben dem notwendigen Know-how des Kommunizierens gehört ein tiefgreifendes Verständnis der Informatik bzw. Informationstechnologie dazu.“

Forschung , die nah an den Menschen und Märkten ist

Die Devise heißt also: Think digital! Das gilt auch für die Chemie, wie eine Studie festhält, die der Verband der chemischen Industrie Deutschland Ende 2017 zusammen mit dem Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte unter dem Titel „Chemie 4.0“ erarbeitet hat. Sehr konkret machen die Autoren der Studie fest, wo der Unterschied zwischen Chemie 3.0 und 4.0 liegt. 3.0, das war die Ära der Globalisierung und Spezialisierung, in der Forschung kooperierten die anwendungsorientierten Entwickler in den Unternehmen mit den Grundlagenforschern der Universitäten.
Foto: Fotolia/adam121
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Laut Studie denkt Forschung 4.0 weiter: Die Verbindung von Grundlagenwissen und Anwendungsorientierung wird heute vorausgesetzt, im nächsten Schritt gehe es bei Chemie 4.0 nun darum, die Forschung und Entwicklung in den Kundenmärkten zu differenzieren und den Kunden bei der Entwicklung mit einzubeziehen. Auch hier hilft also die digitale Technik dabei, als Forscher näher an den Menschen heranzukommen. Die Arbeit vollzieht sich daher nicht mehr hauptsächlich abgekoppelt von Menschen und Märken: Sie geschieht mittendrin. Und: Sie geschieht nicht mehr unbedingt im Labor. Das Experiment bleibt das A und O der Forschung, jedoch gibt es immer mehr Ansätze, diese Experimente zu simulieren – sie also von Rechnern ausführen zu lassen. „In Silico“ heißt diese Methode – die Abläufe finden also im Silicium statt, sprich: in den Prozessoren. Erste Startup- Unternehmen haben sich darauf konzentriert, diese IT-Lösungen für Forscher zu entwickeln, eines davon ist „Go Silico“, ein Spin-off-Unternehmen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Smart wird zur Pflicht

Steigende Lebenserwartung, zunehmende Zivilisationskrankheiten sowie erhöhter Kosten- und Regulierungsdruck: Das Gesundheitswesen müsse smarter werden, um den aktuellen und künftigen Anforderungen zu genügen. Das ist die Erkenntnis einer „Global Health“- Studie, die das Beratungsunternehmen Deloitte im März 2018 vorgestellt hat. Im Zentrum neuer Ansätze und Strategien stehen laut Studie smarte Technologien: Die Patienten lieferten Daten, auch über mobile Devices wie Wearables. Cognitive Computing und cloudbasierte, interoperable Krankenakten spielten eine genauso wichtige Rolle wie das Internet der Dinge, aber auch die Datenintegrität, die bestehende Sicherheitssysteme vor große Herausforderungen stelle. https://www2.deloitte.com/de/de/pages/presse/contents/studie-2018-healthcareand-lifesciences-outlook.html
„ChromX“ ist der Name der Simulationssoftware der Firma, sie richtet sich in erster Linie an Unternehmen aus der Biopharmazie, die genug davon haben, dass die Entwicklungsschritte in ihrem Bereich so lange dauern. 95 Prozent der Laborversuche könnten durch das Softwareverfahren ersetzt und wesentlich beschleunigt werden, gibt das Unternehmen auf seiner Webseite an. „Seit einigen Jahrzehnten legt die Forschung die Grundlage für computergeführte Entwicklungen. Wir haben unseren Job gemacht“, wird dort Jürgen Hubbuch vom KIT zitiert, er ist einer der Initiatoren der Ausgründung und wissenschaftlicher Berater des Startups. Interessant: Zu den Angeboten von „Go Silicio“ zählen in erster Linie die Implementierung der Software sowie Beratung und Training.

Fachwissen nicht vernachlässigen

Diese Dienstleistungen unterscheiden sich kaum von denen eines IT-Unternehmens. Geführt wird das Start-up aber von promovierten Biotechnologen – Jürgen Hubbuch ist Professor für Bio- und Lebensmitteltechnik. Auch hier wird also deutlich, wie sehr es bei naturwissenschaftlichen Erfolgsstorys heute darauf ankommt, digital zu denken und zu arbeiten. Was natürlich nicht bedeutet, das Fachwissen zu vernachlässigen. Auf die Verzahnung kommt es an.

Lesetipp

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Orthomol-Chef Nils Glagau im Interview

In den USA ist die orthomolekulare Medizin seit Jahrzehnten etabliert, in Deutschland zählte das Unternehmen Orthomol zu den ersten, die Mikronährstoffkombinationen entwickeln und vertreiben. Nils Glagau ist in zweiter Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens. Im Interview, das André Boße führte, erzählt er, was die Forscher und Entwickler bei Orthomol leisten – und was es mit der orthomolekularen Medizin überhaupt auf sich hat.

Zur Person

Nils Glagau (42) packte als Sohn des Unternehmensgründers Dr. Kristian Glagau schon vor mehr als 25 Jahren mit an, als die noch junge Firma Orthomol in Langenfeld bei Düsseldorf von der Garage und aus dem Keller heraus operierte. Nils Glagau ist heute als einziges Familienmitglied im Unternehmen tätig, seit dem unerwarteten Tod seines Vaters im Jahr 2009 leitet er die Geschäfte. Er studierte an der Uni Bonn Ethnologie mit Schwerpunkt Alt-Amerikanistik, forschte in Lateinamerika über die Kultur der Maya.
Herr Glagau, woran erkennt man, dass man bei Ihnen in einem familiengeführten Unternehmen tätig ist? Ich glaube, dass wir im Unternehmen tatsächlich sehr flache Hierarchien haben. Entsprechend kurz sind die Wege – bis zur Führungskraft, aber auch auf die Geschäftsführungsebene. Das Verhältnis untereinander ist unkompliziert und kommunikativ, die Führungskultur kooperativ. Wir legen Wert auf viele Begegnungen, auch im informellen Rahmen, und hören von Leuten, die von außen kommen, häufig, dass es bei uns erfrischend anders zugeht. Was heißt das konkret, zum Beispiel mit Blick auf die Entwicklung neuer Produkte? Es kommt nicht selten vor, dass Mitarbeiter zu uns in die Forschung und Entwicklung kommen, die vorher bei großen Konzernen tätig waren. Wenn wir sie dann nach einiger Zeit fragen, was bei uns anders ist, dann sagen sie häufig: Bei großen und internationalen Konzernen dauert alles länger. Es vergeht viel Zeit, ehe aus der Forschung und Entwicklung tatsächlich ein neues Produkt wird. Wir sind da schneller. Was den Vorteil hat, dass man rasch den Erfolg seiner Arbeit erkennen kann. Wobei die Konzerne natürlich andere Vorteile mitbringen: Die Größe und Internationalität bieten Chancen, häufig fließt mehr Forschungsgeld. Aber wir wollen uns da nicht beschweren, wir fühlen uns in unserer Welt sehr wohl. Sie führen das Unternehmen in zweiter Generation. Was machen Sie anders als Ihr Vater, der Unternehmensgründer Dr. Kristian Glagau? Man hört immer, dass es in Familienunternehmen traditionell so läuft: Die erste Generation gründet und baut das Geschäft auf, die zweite führt es weiter – und die dritte stellt dann vieles auf den Kopf.
Wir kennen das digitale Denken aus unserer Lebenswelt und wir verstehen, wie wir diese neuen Techniken für Felder wie Vertrieb, Marketing, Entwicklung und Produktion nutzen können.
Wo sehen Sie sich? Eigentlich überall. Ich habe den Aufbau des Unternehmens ja schon mitbekommen, heute bauen wir auf diesen ersten Erfolgen auf. Es ist aber schon auch so, dass ich versuche, einige Dinge anders zu machen und neue Wege zu bestreiten – gerade mit Blick auf die großen Themen meiner Generation, allen voran die Digitalisierung. Wir Jüngeren besitzen im Vergleich zur älteren Generation einen großen Vorteil: Wir kennen das digitale Denken aus unserer Lebenswelt und wir verstehen, wie wir diese neuen Techniken für Felder wie Vertrieb, Marketing, Entwicklung und Produktion nutzen können. Doch dieses neue Denken ist nicht alles, wir haben im Unternehmen eine gute Mischung aus Leuten, die schon seit 20 Jahren dabei sind, und jungen Kräften. Ihr Unternehmen ist Pionier für die orthomolekulare Medizin. Für Deutschland stimmt das, ja. Als mein Vater das Unternehmen gründete, war die orthomolekulare Medizin in den USA bereits ein Thema, hierzulande war sie gerade in der Schulmedizin wenig präsent. Wir haben dann viel investiert, um wissenschaftlich und anhand von Studien die ernährungsmedizinischen Effekte unserer Produkte zu belegen. Da war viel Überzeugungsarbeit nötig, und vor 27 Jahren war das auch tatsächlich eine innovative Pionierarbeit. Wie ist das Verhältnis zwischen Schulmedizin und Ihrem Bereich heute? Es hat sich einiges verändert, Ernährungsmedizin nimmt im Medizinstudium und in der Welt der Apotheken heute einen anderen Platz ein als damals. Was ist das Geheimnis Ihrer Innovationskultur? Auch unsere Mitarbeiter sind erfrischend anders, so nehme ich das wahr. An Ideen mangelt es uns nicht. Im Gegenteil, wir haben im Unternehmen eher das Problem, die vielen Ideen und Ansätze zu bündeln.
Was wir sagen – und was wir durch zahlreiche internationale Studien auch untermauern können: In bestimmten Lebenssituationen sind ausgewählte Kombinationen aus Mikronährstoffen hilfreich.
Wenn sich Medien und die Schulmedizin mit der orthomolekularen Medizin und Ihren Produkten beschäftigen, klingt zumeist eine Skepsis an, die Beiträge fragen suggestiv „Viel Geld für nichts?“ oder „Was bringt das Zeug aus den Fläschchen?“ Was halten Sie dagegen? Die orthomolekulare Medizin sagt: Wenn sich jemand gesund ernährt, eine gute Lebensweise an den Tag legt, auf seine Bewegung achtet und keine Beschwerden hat – dann ist alles gut. Es gibt aber eben auch Menschen mit Mehrbedarf. Dieser kann aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen, Krankheit ist nur einer davon, auch Sportler, Schwangere zum Beispiel haben einen Mehrbedarf. Und dann kann es sinnvoll sein, die Nahrung um diese Mikronährstoffe zu ergänzen. Niemand sagt: Man muss unsere Produkte nehmen. Wir verkaufen sie auch nicht als Allheil- und Wundermittel. Was wir sagen – und was wir durch zahlreiche internationale Studien auch untermauern können: In bestimmten Lebenssituationen sind ausgewählte Kombinationen aus Mikronährstoffen hilfreich. In den USA ist das längst anerkannt, warum tun sich die Deutschen eher schwer? Nehmen wir das Beispiel der Vitamine: Durch den veränderten Lebenswandel und andere Ernährung ist es für bestimmte Menschen sinnvoll, Vitamine zu ergänzen. Kommen diese innovativen Produkte auf den Markt, deren Wirkung belegbar ist, dauert es nur ein paar Tage, bis in den Medien dagegengehalten wird. Dann ist Vitamin D ein „Trend-Vitamin“ und selbst über Vitamin C wird viel Negatives berichtet. Ich habe nichts gegen Pro und Kontra. Aber man sollte sich in Deutschland nicht per se gegen Neuerungen aussprechen. In den USA ist das schon deshalb anders, weil die Menschen viel mehr dafür tun, nicht krank zu werden. Dann wird es nämlich dort richtig teuer. Ohne Krankenversicherung ist der Präventivgedanke ausgeprägt. Wie arbeiten Sie mit der Forschung zusammen? Wir führen selbst Studien durch, sowohl beobachtende Studien als auch placebokontrollierte Studien, die von einer Ethikkommission überwacht werden. Größere Studien geben wir bei unabhängigen Forschungsinstituten in Auftrag, auch diese werden überwacht. Was die Entdeckung neuer Mikronährstoffe betrifft, schauen wir in die ganze Welt, so wie es die Forschung schon immer getan hat. Es ist sehr interessant, sich die Ernährung anderer Bevölkerungsgruppen anzuschauen – und zu erkennen, was hier anders ist. Die Inuit zum Beispiel essen sehr viel fetten Fisch, nehmen dadurch viel Omega-3-Fettsäuren auf, was zur Folge hat, dass man dort kaum die typischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kennt. Auch im asiatischen Raum sind bestimmte westliche Krankheiten gar nicht bekannt, da schauen wir dann auf die Nährstoffe aus Sojakeimen zum Beispiel. Natürlich spielen da auch genetische Faktoren und die Lebensweise eine Rolle, dennoch: Wir können uns in der Welt vieles abgucken und ein auch für unsere Gesellschaft sinnvolles Produkt entwickeln.

Zum Unternehmen

Orthomol mit Sitz in Langenfeld im Rheinland entwickelt und vertreibt Nahrungsergänzungen und ergänzende bilanzierte Diäten, die in besonderen Lebenssituationen oder im Rahmen einer ernährungsmedizinischen Therapie eingesetzt werden. Die Basis der Arbeit bilden die Ergebnisse der ernährungsmedizinischen Forschung. Das Unternehmen wurde 1991 von Dr. Kristian Glagau gegründet, bis heute ist das Unternehmen familiengeführt.
Welche Wirkung der orthomolekularen Medizin finden Sie am faszinierendsten? Die Makuladegeneration ist eine altersbedingte Augenkrankheit, die durch Ablagerungen auf der Netzhaut entsteht und unbehandelt bis zur Blindheit führen kann. Hier zeigen die groß angelegten und allgemein akzeptierten AREDS-Studien, dass Mikronährstoffe in der Lage sind, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Sprich: Sie können für diese Patienten das Augenlicht länger erhalten. Wie schätzen Sie im Zuge der Digitalisierung die Chance auf personalisierte Produkte ein, sprich über individuelle Mixturen, die sich anhand von Patientendaten erstellen lassen? Wir bieten studienbasierte Produkte an, die Mixturen sind also festgeschrieben und können nicht einfach nach Belieben verändert werden. Tun wir das, sind die Studienergebnisse hinfällig – ein solches Vorgehen wäre also nicht wissenschaftlich. Hinzu kommt, dass es derzeit noch sehr zeitintensiv und aufwendig wäre, den individuellen Mikronährstoffbedarf festzustellen, dafür würde man mindestens ein genaues großes Blutbild benötigen, ein banaler Fragebogen reicht da nicht aus. Ich denke daher, dass diese individuellen Mixturen – so faszinierend sie auch sind – aktuell noch nicht in der Komplexität, wie die orthomolekulare Medizin es fordert, möglich sind. Das wird sich aber ändern, wenn Testverfahren entwickelt sind, mit denen man den Haushalt an Mikronährstoffen schnell und unkompliziert analysieren kann. Dann sind individuelle Mixturen machbar, und das wäre natürlich ein wichtiger Schritt, denn: je präziser, desto besser.

Jung und erfolgreich bei: Sanofi

Meine Kindheit verbrachte ich an der Seite meines Vaters, der über mehrere Jahre erkrankte und mit den unterschiedlichsten Medikamenten therapiert wurde. In mir erwachte der Wunsch, mich zukünftig für die Gesundheit von Menschen einzusetzen. Daraufhin traf ich die Entscheidung, Biotechnologie zu studieren und zog dafür von Portugal nach Deutschland.

Zur Person

Name: Robert W. Landertinger Forero Studiengang: Biotechnologie Berufliches Ziel: personalisierte Medizin für alle zugänglich zu machen Position: Change Leader in Manufacturing Excellence Stadt: Frankfurt am Main
Während des Studiums arbeitete ich in einem Biotech-Start-up in der Produktion mit kollaborativen Robotern und im Qualitätsbereich. Mit dem abgeschlossenem Studium in der Tasche zog es mich zu einem biopharmazeutischen Technologiezulieferer in eine neu gegründete Abteilung, die Prozesse für biopharmazeutische Hersteller designte, aufbaute und qualifizierte – mit dem Fokus auf monoklonale Antikörper. Während dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit, einen Einblick in die Biopharmaindustrie aus der ganzen Welt zu bekommen. Das internationale Umfeld gefiel mir sehr und so kam ich im September 2016 zu dem Gesundheitsunternehmen Sanofi, das in über 100 Ländern vertreten ist, wo ich im Rahmen eines Traineeprogramms die Stelle eines Betriebsassistenten übernahm. Mit großer Freude und Stolz wirkte ich am Standort Frankfurt mit, der die gesamte Wertschöpfungskette der Entwicklung und Herstellung eines Medikaments abbildet. Als Betriebsassistent verfolgte ich zusammen mit Ingenieuren, Schichtleitern, Betriebsleitern und Qualitätsleitern die täglichen Produktionsprozesse. Das Team setzt alles daran, gemäß GMP (Good Manufacturing Practice) – also der „Guten Herstellungspraxis“ – Wirkstoffe zu produzieren. Das ist wichtig, um den Patienten Medikamente in höchster Qualität bieten zu können. Neben der täglichen Routinearbeit warteten auch verschiedene Projekte auf mich. So implementierte ich unter anderem ein Tool im Bereich Qualitätsmanagement und schulte alle Produktionsmitarbeiter im Betrieb, damit sie dieses in ihrer täglichen Arbeit nutzen können. Noch während des Traineeprogramms bekam ich die Chance zur Weiterentwicklung innerhalb des Unternehmens. Seit Anfang des Jahres bin ich als Change Leader in einer globalen Initiative tätig. Hierbei kann ich meine Soft Skills und Fähigkeiten wie zum Beispiel im Konfliktmanagement und in der Prozessautomation einbringen, die ich in Schulungen während des Traineeprogramms erlangt habe. Als Change Leader arbeite ich gemeinsam mit Kollegen aus Brasilien, Frankreich, Deutschland und USA an einem „Lean Manufacturing“ für die Produktion und Fertigung weltweit. Dabei geht es unter anderem darum, Wege zu finden, an allen Standorten eine neue Arbeitskultur zu implementieren, um weiterhin zukunftsfähige Gesundheitslösungen zu bieten. Damit kann ich mit Leidenschaft jeden Tag an meinem Wunsch aus Kindheits- und Jugendtagen arbeiten.