Die Schnittstelle von Kunst und Recht

Foto: Fotolia/pico
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„Jurastudierende für Kunststudierende“: Unter diesem Motto positioniert sich die Art Law Clinic der Universität Münster an der Schnittstelle zwischen Kunst und Recht. Mit einem innovativen und weltweit einzigartigen Konzept kommt sie dem Bedarf an rechtlicher Unterstützung für Kunststudierende nach – in einem Rechtsbereich, der sich im steten Wandel befindet. Von Julia Werner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster

Die Art Law Clinic hat sich der Beantwortung jener Rechtsfragen angenommen, mit denen sich Kunststudierende im Laufe ihres Studiums konfrontiert sehen. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Kunstakademie Münster und der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in Münster, das in seiner Form weltweit einzigartig ist.

Die Grundidee einer Law Clinic aus den USA hat sich in Deutschland schon mancherorts etabliert, neu ist die Einrichtung einer solchen Institution speziell für Kunstrecht. Jurastudierende höheren Semesters helfen Kunststudierenden bei der Beurteilung rechtlicher Fragen, denen sie im Rahmen ihres Studiums begegnen. Dies erfolgt für die Studierenden der Kunstakademie kostenlos. Darüber hinaus stellt die Art Law Clinic einen juristischen Leitfaden für Künstler bereit, der rechtliche Orientierung für die Studierenden bieten soll.

Regelmäßig suchen Kunststudierende Unterstützung beim Verkauf von Kunstwerken.

Durch die Verknüpfung von Kunst und Recht auf Grundlage studentischer Hilfe untereinander, fördert die Art Law Clinic insbesondere das interdisziplinäre, gegenseitige Verständnis für den jeweils anderen Studiengang und zeigt dabei die vielfältigen Berührungspunkte der beiden Fächer: Regelmäßig suchen Kunststudierende Unterstützung beim Verkauf von Kunstwerken über Galerien oder bei der Versicherung in der Künstlersozialkasse. Sie haben Fragen bezüglich der Verwendung fremder Musik, Marken oder, wie zuletzt, von amtlichen Vernehmungsprotokollen in ihren Kunstwerken.

Die Beantwortung der zahlreichen Fragen aus den verschiedensten Themengebieten ist oft komplex und der Bedarf der Kunststudierenden an rechtlicher Unterstützung dementsprechend hoch. Während sich diese in der Regel entweder allein oder in kostspieliger Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten mit Rechtsfragen auseinandersetzen müssen, bietet die Art Law Clinic dazu eine Alternative, indem sie jedenfalls rechtliche Grundlagen vermitteln will.

Mit all dem trägt die Art Law Clinic dem stetigen Wandel der Kunst und den daraus wachsenden Herausforderungen Rechnung. Insbesondere im Zuge der Digitalisierung entstehen täglich neue rechtliche Herausforderungen. Neuartige Kunstformen, neue digitale Vertriebswege und nicht zuletzt unser neues Verständnis von Kunst bedürfen rechtlicher Ausgestaltung. Nur beispielhaft seien hier die urheberrechtliche Schutzfähigkeit von Tweets, die Veröffentlichung von Kunstwerken auf Wikipedia oder das Schaffen von Kunstwerken mittels künstlicher Intelligenz genannt. Auch in Zukunft gilt es also, auf die Rechtsfragen aus der Welt der Kunst eine Antwort zu geben.

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