Dr. Anna-Elisabeth Krause-Ablaß hat als Delegierte Europäische Staatsanwältin Aufsehen erregende Prozesse geführt. Nun ist sie von Luxemburg nach Bonn gewechselt und bringt ihr Wissen bei Flick Gocke Schaumburg ein. Im Gespräch mit dem karriereführer recht begründet sie den Schritt und gibt Einblicke in alte und neue Herausforderungen. Das Interview führte Dr. Marion Steinbach
Der Wechsel von der Staatsanwaltschaft in eine Kanzlei ist eher selten. Was hat sie zu dem Schritt bewogen? Der Job des Staatsanwalts ist eine ganz tolle Aufgabe, die nicht nur spannend und extrem abwechslungsreich ist, sondern auch dem Gemeinwohl dient. Diese Attribute haben mich die letzten 14 Jahre, die ich als Staatsanwältin tätig war, täglich motiviert und inspiriert. Sie haben mir die Entscheidung, den Weg zurück in die Privatwirtschaft zu gehen, nicht leicht gemacht. Ich bin allerdings ein Mensch, der gerne neue Herausforderungen annimmt und sein Karriereschicksal selbst in die Hand nehmen möchte. In der ordentlichen Gerichtsbarkeit und der Staatsanwaltschaft kann man sich leider nicht auf ein Fachgebiet spezialisieren und zugleich in der Karriereleiter emporsteigen. Beförderungspositionen sind rar und immer mit dem Risiko verbunden, sich plötzlich in einem gänzlich anderen Fachgebiet oder einer Verwaltungsaufgabe wiederzufinden. Es ist zwar lehrreich und bereichernd, sich immer wieder in neue Materien einzuarbeiten; ich habe mich allerdings dankenswerterweise die letzten zwölf Jahre ausschließlich mit dem Gebiet des Wirtschafts- und Steuerstrafrechts befasst und möchte dieser Materie gerne treu bleiben, da sie mir großen Spaß macht. Sie kennen die Kanzleiwelt durch Ihre früheren beruflichen Erfahrungen. Was stellt für Sie den besonderen Reiz der Arbeit in einer Kanzlei dar? Der Reiz besteht darin, ein großes Maß an Gestaltungsmöglichkeit zu haben. Auch wenn Kanzleien wirtschaftlichen Zwängen unterworfen sind, besteht bei der Frage, ob und wie ein Mandat geführt wird, größere Freiheit als bei der Frage, ob und wie ein Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft bearbeitet wird. Ein weiterer – aus meiner Sicht nicht zu unterschätzender – Vorteil der Tätigkeit in einer größeren Kanzlei ist die Personal- und Sachausstattung. Trotz der Vorteile habe ich auch großen Respekt vor der neuen Tätigkeit. Es wird eine Umstellung sein, plötzlich nicht mehr objektiv auf einen Sachverhalt zu blicken, sondern Partei für die Mandantschaft zu ergreifen. Zudem ist man als Dienstleister den zeitlichen Bedürfnissen des Mandanten unterworfen. Da ich dies aber bereits zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit war und darüber hinaus aus einer Anwaltsfamilie stamme, ist mir dies nicht fremd. Zudem ist die Tätigkeit des Staatsanwalts in einem Wirtschaftsdezernat auch mit viel Mehrarbeit verbunden, die mich aber nie wirklich abgeschreckt hat. Sie haben Ihre berufliche Laufbahn im Bereich Arbeits- und Gesellschaftsrecht begonnen, waren dann als Richterin in Zivilsachen tätig und haben sich danach auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert. Was sind die besonderen Herausforderungen dieses Bereichs? Die Besonderheit des Wirtschaftsstrafrechts besteht darin, dass das materielle Strafrecht nur einen geringen Teil der Tätigkeit ausmacht. Der Großteil der Rechtsfragen, mit denen man sich zu befassen hat, stammt aus dem Zivilrecht (z. B. dem Gesellschafts- und Arbeitsrecht) und dem Steuerrecht. In prozessualer Hinsicht weicht das Wirtschaftsstrafrecht jedoch nicht vom Kernstrafrecht ab, sodass das Strafverfahrensrecht zum täglichen Brot eines Wirtschaftsstrafrechtlers gehört. Im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht handelt es sich üblicherweise um komplexe Sachverhalte, die der Bearbeiter aus vielen Unterlagen und Daten zu erfassen hat. Studierende, die in dieser Rechtsmaterie arbeiten möchten, sollten daher neben einem allgemeinen Interesse am Strafrecht an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert, dem Steuerrecht gegenüber nicht abgeneigt und bereit sein, umfangreiches Aktenmaterial zu sichten. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass man – sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch in der Anwaltschaft – im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts viele Tage und Monate, gegebenenfalls sogar Jahre, mit den Fällen zu tun hat. Studierende, die es vorziehen, viele, aber dafür kürzere Sachverhalte zu bearbeiten, sollten sich gut überlegen, ob das Wirtschaftsstrafrecht die richtige Materie für sie ist. Ich selbst wollte ursprünglich nie im Strafrecht tätig sein. Im Studium habe ich meinen Schwerpunkt auf das Arbeits- und Gesellschaftsrecht gelegt und auch im Gesellschaftsrecht promoviert. So war es nur konsequent, auch in diesem Bereich in den Beruf starten. Beim Landgericht war ich auch ausschließlich mit Zivilsachen befasst. Bei der Staatsanwaltschaft, zu der ich infolge Personalüberhangs beim Landgericht unfreiwillig gekommen bin, habe ich dann aber großen Gefallen am lebensnahen Strafrecht entwickelt und dann letztendlich im Wirtschaftsstrafrecht die perfekte Kombination gefunden. Als Staatsanwältin hatten Sie es zum Teil mit spektakulären Fällen zu tun, über die oft in den Medien berichtet wurde, wie beispielsweise über die öffentlichkeitswirksamen Hausdurchsuchungen beim DFB aufgrund des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung. Wie werden sich Ihre Aufgaben und Ihre Arbeitsweise bei Ihrer neuen Tätigkeit verändern? Ich werde einerseits Unternehmen dazu beraten, welche Vorkehrungen sie treffen können, um solche öffentlichkeitswirksamen Hausdurchsuchungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Diese stellen nämlich nicht nur eine Herausforderung für den Staatsanwalt dar, sondern beeinträchtigen auch die Reputation des Unternehmens. Hierbei spielt es eine große Rolle, hinreichende Compliance- Maßnahmen zu implementieren, die die Begehung von Straftaten verhindern. Für den Fall, dass es zu Straftaten gekommen ist, wird es dann andererseits zu meinen Aufgaben gehören, das Unternehmen gegenüber dem erhobenen Vorwurf zu verteidigen. Zudem werde ich meine Ermittlungsexpertise aus den vergangenen Jahren bei unternehmensinternen Untersuchungen einbringen.Zur Person
Dr. Anna-Elisabeth Krause-Ablaß war von 2008 bis 2009 Rechtsanwältin bei CMS Hasche Sigle, Frankfurt am Main, anschließend bis 2010 Richterin beim Landgericht Frankfurt am Main. Von 2010 bis 2021 arbeitete sie als Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, unterbrochen durch eine Tätigkeit als Nationale Sachverständige bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Von 2021 bis 2023 war sie Delegierte Europäische Staatsanwältin bei der Europäischen Staatsanwaltschaft in Luxemburg und Frankfurt. Seit Anfang 2024 ist sie Rechtsanwältin im Bonner Büro von Flick Gocke Schaumburg.


Er hat die große Gabe, Menschen zum Lachen zu bringen. Jürgen B. Hausmann ist Kabarettist und Gymnasiallehrer für Griechisch, Geschichte und Latein. In seiner Autobiografie mit dem Untertitel „Die Geschichte hinter meinen Geschichten“ beschreibt er, dass er selbst nicht nur fröhlich Tränen gelacht, sondern sie auch zuweilen verzweifelt geweint hat. Als Student hatte er Prüfungsangst bis hin zur nervösen Erschöpfung, bis heute plagt ihn Lampenfieber. Eindrücklich erzählt er, wie er es selbst in den schwierigsten Lebenssituationen schafft, Menschen zu unterhalten und woraus er Kraft schöpft. Ein besonderes Buch über das Aushalten, tragische Verluste, wunderbare Momente, großartige Erfolge, Glaube – und Humor. Bonifatius-Verlag 2022, 224 Seiten, 20,00 Euro, auch als E-Book erhältlich. Tour-Termine: www.juergen-beckers.de/25-jahre-dat-is-e-ding.html
Wolfgang Schäuble hat als Bundesminister, Parteivorsitzender, Bundestagspräsident und leidenschaftlicher Parlamentarier das politische Geschehen der Bundesrepublik geprägt und die Mechanismen des politischen Betriebs aus nächster Nähe beobachtet. Die Autobiografie erzählt das politische Leben des Juristen, der auch als Architekt des Einigungsvertrages gilt. Wolfgang Schäuble. Erinnerungen. Mein Leben in der Politik. Klett-Cotta 2024. 38,00 Euro.
Bodo Janssen ist bekannt als Pionier einer neuen, Unternehmenskultur. Er untersucht Selbstverständnis, Rolle und Aufgaben von Führung und macht bewusst, dass jede Führungskraft den Mut haben muss, sich auch leiten zu lassen. Das Buch ist ein Wegweiser für die Zeitenwende und eine Lektüre mit hohem Praxiswert für Führungskr.fte aller Ebenen. Bodo Janssen. Das neue Führen. Führen und sich führen lassen in Zeiten der Unvorhersehbarkeit. Hardcover. Ariston Verlag 2023. 224 Seiten. 23,00 Euro.
Arbeit bedeutet längst nicht mehr, den ganzen Tag im Büro zu verbringen. Jurist und Autor Omer Dotou beschreibt in „Workation“, für wen dieses Arbeitsmodell geeignet ist und wer es in Anspruch nehmen kann. Er benennt die Chancen, aber auch die Herausforderungen. Denn eine Workation will gut vorbereitet sein, vor allem im Ausland. Omer Dotou. Workation. Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Haufe 2024. 128 Seiten. 11,99 Euro
Was könnte passieren, wenn es keine Gesetze gäbe, die die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger schützen? Wenn es nicht die durch die DSGVO vorgeschriebene Kontrolle und Transparenz bei Erfassung, Speicherung und Verarbeitung der personenbezogenen Daten gäbe? In seiner Dystopie entwickelt Dave Eggers ein Bild von der allumfassenden Überwachung des Lebens durch einen überm.chtigen Konzern. Dieser ist zugleich die größte Suchmaschine der Welt, der größte Social-Media-Anbieter und das größte Onlineversandhaus. Das Unternehmen strebt die vollständige Überwachung der Menschheit an und nutzt KI-Systeme, um Einfluss auf existenzielle Lebensbereiche des Menschen zu nehmen. Eggers entwirft in seinem Roman ein dystopisches Szenario davon, was passieren könnte, wenn ein Monopol die Macht übern.hme und mithilfe künstlicher Intelligenz die Grundsätze der informationellen Selbstbestimmung und der Freiheit der Menschen nach und nach aushebeln würde. Dave Eggers. Every. KiWi Taschenbuch 2023. 592 Seiten. 15,00 Euro
Wie erklärt man Kindern, was Gerechtigkeit ist oder wie das deutsche Justizsystem funktioniert? Vergebens suchte die Strafrechtsprofessorin Elisa Hoven nach einem Kinderbuch, das dieses Thema kindgerecht erklärt. Kurzerhand beschlossen sie und ihre Freundin, Juristin und Bestsellerautorin Juli Zeh: Wenn es das noch nichtgibt, dann schreiben wir ein solches Buch. In dem Kinderbuch zeigt das Autorenduo am Beispiel einer Schulklasse,wie die Gesellschaft mit Recht und Gerechtigkeit umgeht. In „Der war’s“ scheint anfangs klar zu sein, wer Schuld hat. Doch je mehr sich die Kinder von ihren Vorurteilen lösen und je genauer sie hinschauen, desto mehr bröckelt der zuvor so eindeutige Verdacht. Die stimmungsvollen Bilder stammen von Lena Hesse. Juli Zeh, Elisa Hoven, Lena Hesse. Der war‘s. Carlsen Verlag 2023. 160 Seiten. 12,00 Euro.



So hat Finn Schulze vom ersten Tag an ein Gefühl dafür entwickeln können, was die Prüfarbeiten eines Sachverständigen beinhalten und was es bedeutet, mit einem Stempel, einer Vignette und einer Unterschrift Sicherheit zu attestieren. „Und das nicht erst ab einem bestimmten Zeitpunkt – Nein, von Anfang an“, schwärmt Finn, „ich komme an Orte, die ein normaler Mensch nie zu sehen bekommt. Während „normale“ Menschen vielleicht nur den Eingangsbereich sehen, kriege ich einen tiefen Einblick in die Technik eines Unternehmens. Und das alles schon jetzt während meines Studiums!“
Dass TÜV Hessen auch seine Studiengebühren übernimmt und er zusätzlich ein monatliches Gehalt bekommt, hätte er fast vergessen zu erwähnen, so viel Freude hat er an der Kombination von Studium und praktischer Ausbildung.
Finn erinnert sich noch gern daran, wie das alles zustande gekommen ist: „Ein Bekannter, der bei TÜV Hessen gearbeitet hat, gab mir damals die Initialzündung: Bewirb Dich mal bei uns, wir suchen junge Leute wie Dich! Ich glaub, dem werde ich für seine Empfehlung immer dankbar sein!“ Sein zufriedener Gesichtsausdruck macht diese Worte nur noch glaubhafter. „Ich kann diese Empfehlung nur weitergeben: Wer Spaß an Technik hat, bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und selbständig arbeiten möchte – mit der Sicherheit des TÜV Hessen, der sollte sich auf jeden Fall bewerben!“
Und noch etwas ist Finn wichtig: „Ich weiß, dass es auch noch andere Ausbildungswege gibt, aber für mich ist das Duale Studium die beste aller Möglichkeiten!“
