Sich selbst den juristischen Traumjob erschaffen

Dr. Nadine Lilienthal, Foto: Lilienthal
Dr. Nadine Lilienthal, Foto: Lilienthal

Die Rechtsbranche war noch nie so volatil und zugleich von ambivalenten Kräften geprägt. Das kann Ängste wecken, bietet zugleich aber enorme Chancen. Nadine Lilienthal beschreibt, warum KI, komplexe Gesetze und Fachkräftemangel Fluch und Segen sind und wie Berufseinsteiger diese geschickt für sich nutzen können.

Zur Person

Dr. Nadine Lilienthal ist Vordenkerin für einen zukunftsfähigen Rechtsmarkt. Sie ist Rechtsanwältin und Gesch.ftsführerin von Legaleap.law. Im „Zukunft Rechtsmarkt“ Podcast interviewt sie Persönlichkeiten der Rechtsbranche. Außerdem ist sie Mitgründerin des New Legal Network – dem Netzwerk für ganzheitliche Rechtsberater:innen.

Vor allem diese drei Faktoren wirken sich stark und ambivalent auf die Rechtsbranche aus:

  1. KI und die neuen Legal-Tech-Tools,
  2. die seit Jahren steigende Anzahl an Gesetzen und
  3. die sinkende Anzahl an Nachwuchsjuristinnen und -juristen.

Da die Regulatorik stetig komplexer wird, steigt der Bedarf an juristischem Nachwuchs. Eine Lösung, den Fachkräftemangel aufzufangen, bieten KI und Legal Tech. Zugleich könnte die Technologie juristische Jobs stark verändern oder teilweise ersetzen. Gerade durch neue Technologien war das Angebot an Tätigkeiten im juristischen Bereich noch nie so vielseitig. Zunehmend mehr Positionen verlangen relevantes Schnittstellenwissen aus anderen Fachbereichen. Das erhöht für Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit, ihr Berufsbild selbst zu gestalten und einen zu den eigenen Fähigkeiten passenden Job zu kreieren.

Was tust du, um dieses Ziel zu erreichen?

Erstens: Spezielles Wissen und Kompetenzen: Spezialwissen, zum Beispiel zu DAOs oder Blockchain, ist im Rechtsmarkt seltener zu finden, als zum Beispiel allgemeine gesellschaftsrechtliche Skills. Dein persönlicher Mix aus Knowhow und Kompetenzen kann sich ergeben aus:

  • Seminararbeiten, Fachartikeln oder anderen Publikationen.
  • Engagement in Studierendeninitiativen oder einem Ehrenamt.
  • Interessen außerhalb der Universität..
  • Zertifikaten und Zusatzabschlüssen.

Zweitens: Sichtbarkeit: Wenn du dort sichtbar bist, wo auch potenzielle Arbeitgeber sind, wie bei LinkedIn, kannst du frühzeitig auf interessante Kontakte zurückgreifen. So geht’s:

  • Poste regelmäßig über „dein“ juristisches Schnittstellenthema.
  • Beginne einen Newsletter auf Social Media.
  • Vernetze dich mit Juristinnen und Juristen, die schon im Beruf sind.
  • Präsentiere in deinem Profil die Themen, die dich interessieren.
  • Engagiere dich (im Vorstand) einer Studierendeninitiative.
  • Starte einen Podcast oder eine Video-Reihe, in der du Expertinnen und Experten zu „deinem“ Thema interviewst.

Drittens: Netzwerken und Initiativbewerbungen: Besonders wenn du bereits eine gewisse Sichtbarkeit mit deinem Spezialwissen und deinen Kompetenzen erlangt hast, kann das sehr wirksam sein:

  • Bitte Juristinnen und Juristen, die deinen Wunschberuf ausüben, um einen Austausch. So kannst du mehr über ihren Werdegang und nötige Zwischenschritte erfahren und du erhältst vielleicht direkte Anknüpfungspunkte für einen Berufseinstieg.
  • Erzähle Personen in deinem Netzwerk, was du gerne machen würdest.
  • Wenn du einen Wunscharbeitgeber hast, nimm Kontakt auf und zeige im Gespräch, welchen Mehrwert du dem Arbeitgeber bringen kannst.

Fazit: Wer proaktiv vorgeht und seine Sichtbarkeit nutzt, steigert die Chancen seinen Traumjob in der Rechtsbranche zu finden.