Stationen auf dem Weg ins Internationale Wirtschaftsrecht

Foto: MTR Legal
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Hi! Ich bin Caro. Mein Studium führte mich nach Norwegen, und mein Referendariat absolvierte ich in Lettland. Seit 2022 bin ich als Associate im Bereich Wirtschaftsrecht bei MTR Legal Rechtsanwälte tätig. Bereits in meinem ersten Jahr habe ich das Wichteln eingeführt, um die Teamzusammengehörigkeit zu stärken und neben der Arbeit interessante Themen anzustoßen. Im kommenden Jahr strebe ich meinen Fachanwalt an, um mich inhaltlich weiterzuentwickeln.

Durch meine Auslandsaufenthalte wurde meine Leidenschaft fürs Reisen verstärkt, und ich habe durch Interrail und Roadtrips neue Perspektiven entdeckt. Stockholm ist für mich die beste Stadt – klein, mit großartigem Essen, skandinavischem Lebensstil und malerischen Hausbooten. Schweden im Sommer ist einfach unschlagbar!

Während meines rechtswissenschaftlichen Studiums an der Universität zu Köln entdeckte ich das faszinierende Rechtsgebiet des Internationalen Privatrechts. Die Abweichungen von den klassischen Rechtsbereichen begeisterten mich, und ich entschied mich, meinen Schwerpunkt in dem Gebiet zu absolvieren. Das Schiedsverfahrensrecht und das Internationale Wirtschaftsrecht eröffneten mir einen neuen Blick auf unser Rechtssystem, obwohl diese Bereiche in der universitären Ausbildung oft vernachlässigt werden. Die Herausforderungen grenzüberschreitender Sachverhalte faszinierten mich besonders. Unternehmen setzen vermehrt auf Schiedsklauseln, um Streitigkeiten diskret zu regeln. Die Exklusivität solcher Verfahren, die oft der breiten Öffentlichkeit verborgen bleiben, weckten mein Interesse.

Um meine juristischen und sprachlichen Fähigkeiten zu stärken, absolvierte ich nach meinem ersten Staatsexamen ein Auslandssemester in Norwegen. Das Land beeindruckte nicht nur durch seine Natur, sondern auch durch seine Fortschrittlichkeit in Digitalisierung und Umweltbewusstsein. Diese Erfahrung lehrte mich, gesellschaftliche Konventionen auch mal zu durchbrechen und meine eigenen Interessen zu verfolgen.

Da ich mein Auslandssemester erst nach Abschluss des ersten Staatsexamens absolvierte, war ich im Vergleich zu meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen, die durchschnittlich fünf Jahre jünger waren, deutlich älter. Im Gegensatz zu ihnen konnte ich mich entspannt zurücklehnen und die Zeit dort genießen, da ich aufgrund meines abgeschlossenen Studiums nicht dem Druck ausgesetzt war, Klausuren bestehen zu müssen. Meine unkonventionelle Entscheidung zahlte sich somit aus und festigte meine Überzeugung, sich öfter zu trauen, von gesellschaftlichen Konventionen abzuweichen und an individuellen Interessen festzuhalten.

Inspiriert von meinem Aufenthalt in Norwegen, wagte ich den Sprung ins Unbekannte und entdeckte das für mich neue Baltikum.

Die Wahlstation in Lettland während meines Referendariats bei Klauberg Baltics war eine weitere mutige Entscheidung. Mein Ausbilder und Kanzleieigentümer, Theis Klauberg, schrieb damals eine Stelle am Oberlandesgericht Köln aus, um Referendare für seine Kanzleistandorte in Estland, Lettland und Litauen zu gewinnen. Inspiriert von meinem Aufenthalt in Norwegen, durch den ich mich bereits mit kleinen nordischen Ländern identifizieren konnte, wagte ich den Sprung ins Unbekannte und entdeckte das für mich neue Baltikum. Trotz Unsicherheiten der Corona- Pandemie erweiterte ich meinen Horizont und erkannte, dass deutsche Juristen im Ausland hochgeschätzt werden. Diese Erkenntnis bestärkte meine Überzeugung, dass Auslandsaufenthalte und Studienschwerpunkte nach persönlichen Zielen ausgerichtet sein sollten, nicht nach vermeintlicher Beliebtheit.

Parallel zum Referendariat begann ich den Masterstudiengang „Wirtschaftsrecht“ an der Universität zu Köln. Die berufsbegleitende Struktur und der praxisorientierte Lehrplan ermöglichten mir eine vertiefte rechtswissenschaftliche Ausbildung mit betriebs- und volkswirtschaftlichen Einblicken. Heute berate ich als Rechtsanwältin bei MTR Legal Rechtsanwälte internationale Mandanten, prüfe und entwerfe Verträge in englischer Sprache und analysiere grenzüberschreitende Sachverhalte. Die Grundbausteine für meine tägliche Praxis legte ich bereits im Studium, indem ich meine Ausrichtung bewusst auf das Internationale Wirtschaftsrecht setzte.

Ein Tipp an Studierende, Referendarinnen und Referendare: Lasst euch bei Auslandsaufenthalten und der Wahl eurer Studienschwerpunkte von euren Zielen und Interessen leiten, nicht vom Mainstream. Diese Entscheidung hat mir den Weg zu meiner Karriere geebnet.

Zudem, speziell für aufstrebende Anwälte im Wirtschaftsrecht, zwei entscheidende Ratschläge: Erstens, setzt frühzeitig auf eine gezielte Ausrichtung eurer Interessen und Kompetenzen. Besucht spezialisierte Vorlesungen, erweitert eure Sprachkenntnisse und überlegt, ob ein Auslandsaufenthalt für euch infrage kommt. Diese Fokussierung wird nicht nur eure fachliche Expertise stärken, sondern auch eure Karriereentscheidungen nachhaltig beeinflussen.

Zweitens, seid offen für unkonventionelle Wege. Mein persönlicher Werdegang verdeutlicht, dass gerade die mutigen Entscheidungen abseits der ausgetretenen Pfade oft zu einzigartigen beruflichen Chancen führen. Seid neugierig, sucht nach Möglichkeiten, die eure individuellen Interessen widerspiegeln und scheut euch nicht, neue Horizonte zu erkunden. Die Vielfalt eurer Erfahrungen wird nicht nur euren Lebenslauf bereichern, sondern auch eure Fähigkeiten als Anwalt im Wirtschaftsrecht entscheidend prägen.

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Weitere Anlaufstellen

  • Internationale Kanzleien mit einem Standort in Deutschland
  • Kanzleien im Ausland, die von deutschen Juristinnen oder Juristen geführt werden
  • Auswärtiges Amt
  • Deutsche Außenhandelskammer
  • Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)
  • Internationale Organisationen
  • Botschaften und Konsulate des Ziellandes
  • Einige Stiftungen bieten Wahlstationen in ihren Auslandbüros (Konrad-Adenauer-Stiftung) oder Stipendien (Robert-Bosch-Stiftung)