Stressmanagement für Jurastudierende – Kommen wirklich nur die Harten in den Garten?

Foto: Olaf Meyer
Foto: Olaf Meyer

Der Studie iur.reform vom Bündnis zur Reform der juristischen Ausbildung von 2023 bestätigt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e. V. aus dem Jahr 2022: Stress und psychische Belastung sind unter Jurastudierenden keine Ausnahme mehr. 2022 beschrieben fast 40 % der mehr als 1.000 Befragten die eigene Gefühlslage als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Fast die Hälfte der Studierenden würde das Studium nicht weiterempfehlen. Daher fordert das Bündnis jetzt, die juristische Ausbildung von Grund auf zu reformieren.

Zur Person

Diane Manz ist Dipl.-Psychologin, systemischer Business Coach und Beraterin für Kanzleien, Unternehmen und Privatpersonen. Als Inhaberin von brandung | coaching & consulting liegt ihr Fokus auf den Bereichen Führung, Karriereentwicklung und Selbstmanagement, insbesondere im Hinblick auf Umgang mit Stress. Mit 17 Jahren Erfahrung im Personalbereich, davon 13 Jahre als Personalleiterin einer internationalen Großkanzlei, ist die Beratung von Juristinnen und Juristen ein branchenspezifischer Schwerpunkt ihrer Arbeit.
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Der Druck wird insgesamt dadurch erhöht, dass schon „einfache“ Stresssymptome, wie z. B. Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, zirkulierende negative Gedanken und Erschöpfung, nicht zum Image des unbesiegbaren und schmerzfreien Anwalts passen und erst recht nicht „offizielle“ psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen.

Das Studium ist also vermeintlich darauf angelegt, sich später in der anspruchsvollen juristischen Welt behaupten zu können. Das Tabu zu brechen und zuzugeben, dass das Thema sowohl im Studium als auch in der späteren Arbeit durchaus eine Rolle spielt und mit Schwäche nichts zu tun hat, ist schwer.

Entwicklung von Bewältigungskompetenzen

Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig bewusst zu machen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sich mit Möglichkeiten zum Umgang mit Stressempfinden auseinanderzusetzen. Ganz im Gegenteil stellt dies eine verantwortungsbewusste und vorausschauende Strategie dar, mit Herausforderungen aller Art umzugehen. Wer früh sein Portfolio an Bewältigungskompetenzen entwickelt, kann mit herausfordernden Hindernissen besser umgehen.

Der Weg zum Erfolg basiert auf drei Schlüsselelementen:

  1. Setzen von privaten und beruflichen Zielen: Ziele dienen als Orientierung und Motivation, insbesondere in stressigen Zeiten. Sich bewusst zu machen, wofür man die Anstrengung unternimmt kann hier genauso hilfreich sein, wie die frühe Feststellung, dass die Entscheidung Jura zu studieren fremdgesteuert war und damit keine Aussicht auf ein zufriedenes Leben birgt.
  2. Reflexion und Stärkung des Selbstwertgefühls: Die Beschäftigung mit den Fragen „Wer bin ich und wer will ich sein?“ hat einen wesentlichen Einfluss auf die Angst vor Versagen. Ein stabiles Selbstwertgefühl hilft, mit mehr Selbstvertrauen zu lernen, in Prüfungen zu bestehen und in den Beruf einzusteigen.
  3. Annahme der Realität: Das Jurastudium ist herausfordernd und sollte reformiert werden, aber das Hadern mit dieser Realität führt nicht weiter. Die Realität anzunehmen und nach Einflussmöglichkeiten zu suchen, führt zu mehr Zufriedenheit und einem klaren Kopf.

Hierin auch anderen ein Vorbild zu sein, über Belastungen offen zu sprechen und eigene Bemühungen zur Stressbewältigung transparent zu machen, ist immer noch mutig, aber es trägt zu einer besseren Lebensqualität bei. Außerdem trägt dies dazu bei, die antiquierte These „Nur die Harten kommen in den Garten“ langsam aber sicher aus der Gedankenwelt der juristischen Ausbildung und auch der Rechtsbranche zu vertreiben.