Christopher Herget Projektingenieur Batteriezelle bei FEV Europe

„Hi, ich bin Christopher und komme aus Köln. In meiner Freizeit gehe ich gerne bergsteigen oder mache Sport: Triathlon und seit kurzem Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash. Studiert habe ich Maschinenbau mit Fachrichtung Produktentwicklung an der RWTH Aachen. Bereits dort bin ich durch das Studentenprojekt Team Sonnenwagen Aachen und meine Werkstudentenstelle beim Batterieentwickler Air Energy in die Welt der Batterien eingetaucht und in diesem Bereich auch bis heute tätig.“

Im Maschinenbaustudium stellt man sich als Arbeitgeber fast ausschließlich die großen OEMs vor: Autobauer, Flugzeugbauer usw. Jetzt bin ich Projektingenieur bei einem Engineering- oder auch Entwicklungsdienstleister – ein Jobtitel, den ich während des Studiums nicht unbedingt auf dem Schirm hatte. Doch nach drei Jahren bei FEV kann ich sagen: zu Unrecht. Zum Ende meines Studiums wollte ich nochmal etwas Neues kennenlernen, gerne ein großes Unternehmen. So landete ich 2022 für meine Masterarbeit bei FEV und konzeptionierte einen neuartigen Prüfstand für Sicherheitstests an Batteriezellen. Die anschließende Festanstellung bei FEV ermöglichte mir, dieses Thema nahtlos weiterzuverfolgen – ein Übergang, der mir sowohl fachlich als auch persönlich viel bedeutet hat. Als einer der weltweit führenden Engineering-Dienstleister entwickelt mein Arbeitgeber hoch innovative technologische und strategische Lösungen für das gesamte Mobilitätsökosystem, die Luft- und Raumfahrt sowie den Energiesektor. Heute kümmere ich mich dort um den Ausbau des Prüffeldes, die Testplanung und das Projektmanagement in Kundenprojekten und sorge so dafür, dass Elektroautos und andere Batterieanwendungen der Zukunft noch sicherer werden. Beispielsweise begleite ich aktuell die Entwicklung eines batterieelektrischen Pkw, plane die notwendigen Batterietests über den Entwicklungszyklus und bereite die Testergebnisse für die weitere Entwicklung oder Musterfreigabe auf. Was mich an der Tätigkeit bei einem Entwicklungsdienstleister von Anfang an gereizt hat, ist die Vielfalt: die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Unternehmen, das Kennenlernen verschiedener Organisationsstrukturen, Arbeitsweisen und technologischer Ansätze sowie die Möglichkeit, regelmäßig in neue Themenbereiche einzutauchen. Die große Bandbreite des FEV-Portfolios eröffnet immer wieder neue Entwicklungsmöglichkeiten und sorgt dafür, dass kein Projekt dem anderen gleicht. Diese Vielfalt ist zugleich auch eine der größten Herausforderungen. Die Arbeit mit zahlreichen Kunden, parallelen Projekten und unterschiedlichen Zeitplänen erfordert hohe Flexibilität und ein gutes Gespür für Priorisierung – insbesondere im Prüffeld, wo Ressourcen wie Teststände, Messtechnik oder Sicherheitsinfrastruktur präzise geplant und koordiniert werden müssen. Doch gerade in dieser Komplexität liegt für mich ein großer Reiz: die Fähigkeit, technische und organisatorische Anforderungen zusammenzuführen und gemeinsam mit den Projektpartnern tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

„Mit Freude in die Veränderungswellen stürzen“

Sind die goldenen Zeiten für Bewerber*innen vorbei? Absolvent*innen brauchen laut Bundesagentur für Arbeit und Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung heutzutage länger, bis sie eine passende Stelle finden, als vor ein paar Jahren. Arbeitsmarktexperte Dr. Tobias Zimmermann ist der Ansicht: Die Lage ist besser, als sie vielen erscheint. Die Fragen stellte Sabine Olschner

Zur Person

Dr. Tobias Zimmermann ist ein anerkannter Arbeitsmarktexperte und Keynotespeaker. Seit 2018 beschäftigt er sich mit Fragen rund um die Arbeitswelt. Seit Januar 2026 verantwortet er den Bereich Talent Intelligence & Attraction bei der TÜV NORD Group. Der gebürtige Bielefelder promovierte 2016 an der Universität Münster in Politikwissenschaft. In seinem Buch „Zeit der Chancen“ erklärt er, warum sich trotz Wirtschaftskrise, Stellenabbau und Insolvenzen gerade jetzt ungeahnte Job-Chancen eröffnen.
Viele angehende Absolvent*innen haben Angst, aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage nach dem Studienabschluss keinen Job zu bekommen. Ist diese Angst berechtigt? Die Arbeitswelt und der Arbeitsmarkt verändern sich derzeit massiv, und natürlich sind die drei Jahre Rezession nicht spurlos an uns vorübergegangen. Schaut man sich aber mal die konkreten Zahlen an, ist unser Blick auf den Arbeitsmarkt meines Erachtens viel zu dystopisch: Wir haben aktuell eine Erwerbslosenquote von 3,7 Prozent. Das ist historisch gesehen enorm niedrig. Es gibt eine Million offene Stellen – mehr als zum Vergleichszeitpunkt vor zehn Jahren, als Deutschland das Vorbild und der Wirtschaftsmotor Europas war. Ja, es gibt einen Veränderungsdruck am Arbeitsmarkt. Berufsprofile verändern sich immer schneller, das heißt, ich muss mich anpassen. Den einen Job fürs Leben gibt es nicht mehr, ich muss permanent in meine Employability investieren. Wer das tut, dem bieten sich aktuell gute Chancen und in Zukunft noch bessere. Wie sieht denn nun die aktuelle Arbeitsmarktsituation für Absolvent*innen tatsächlich aus? Dem Institut der deutschen Wirtschaft zufolge werden Unternehmen im Jahr 2028 rund 770.000 Stellen in Deutschland nicht besetzen können. Dabei gibt es in einigen Branchen eine sehr hohe Nachfrage, in anderen weniger. Ein sehr starker Mangel ist bei zwischenmenschlichen Tätigkeiten zu beobachten, also in den Bereichen Bildung, Erziehung und Gesundheit. Und es herrscht eine riesige Nachfrage nach technischer Expertise, allen voran für den Bereich Energie, wo wir dringend Ingenieur*innen brauchen, die die neuen Technologien zum Leben erwecken. In der IT brauchen wir Expert*innen, die die künstliche Intelligenz weiterentwickeln, verstehen, kontrollieren und mit ethischen Grundsätzen steuern. Laut dem Branchenverband Bitcom werden uns bis 2040 rund 600.000 IT-Experten fehlen. Und auch die Büros des Landes werden weiter Chancen für Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Co. bieten. Gerade unter Studierten ist die Beschäftigung in Feldern wie Unternehmensorganisation oder Finanzen in den letzten Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Für Absolvent*innen gilt generell: Sie müssen aktiv ihre Fähigkeiten und ihre Karriere managen, dann haben sie auch weiterhin gute Chancen. Ist die künstliche Intelligenz eine Gefahr für den Arbeitsmarkt? Die KI wird uns kurzfristig einmal kräftig durchschütteln und uns viel abverlangen. Das wird sicherlich anstrengend. Künstliche Intelligenz wird aber nicht dafür sorgen, dass uns die Arbeit ausgeht, sondern sie wird nur die Art der Aufgaben verändern. Wir reden aus meiner Sicht viel zu wenig darüber, welche riesigen Chancen uns die KI eigentlich bietet, indem sie die Arbeitswelt interessanter, abwechslungsreicher und menschlicher macht. Denn die KI befreit uns vor allem von den langweiligen, repetitiven Aufgaben. Keiner von uns ist schließlich auf die Welt gekommen, um Zahlen in einer Excel-Tabelle von links nach rechts zu schieben oder zu kontrollieren, ob sich nicht irgendwo ein Tippfehler eingeschlichen hat. Wir sind doch hier, um auf Basis von Analysen kreative Lösungen zu finden. Es wird künftig viel mehr kreative Jobs geben, während die langweiligen Jobs verschwinden werden. Auch in der Vergangenheit ist uns die Arbeit ja noch nie ausgegangen, trotz aller technischen Erneuerungen. Wichtig ist: Wer sich jetzt schon bestmöglich für die Zukunft aufstellt, kann weiterhin attraktive Jobs bekommen und schnell nach oben aufsteigen. Wenn ich aber nicht aufpasse und meine Fähigkeiten veraltet sind, bekomme ich Probleme und muss meine Arbeitsfähigkeit wieder herstellen.
Es wird künftig viel mehr kreative Jobs geben, während die langweiligen Jobs verschwinden werden.
Welche Fähigkeiten werden denn in Zukunft wichtig sein, um Erfolg zu haben? Allen voran stehen die sozialen Fähigkeiten: Je mehr wir automatisieren, umso mehr Bedeutung bekommt das Zwischenmenschliche. Projektmanagement wird stärker werden, also muss ich gut mit anderen zusammen arbeiten können, kommunikationsfähig und empathisch sein. Als Projektmanager brauche ich auch Führungsfähigkeiten, um die Menschen in meinem Team zu leiten und das Projekt im Griff zu haben. Des Weiteren sind Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität wichtig. Und ich brauche auch digitale Skills, um zu wissen, wie ich künstliche Intelligenz bestmöglich einsetzen kann. Das heißt nicht, dass wir jetzt alle programmieren lernen müssen. Aber ich muss verstehen, was die künstliche Intelligenz kann, wo ihre Schwächen liegen und wie ich sie möglichst effizient einsetzen kann. Viele junge Menschen sehnen sich heutzutage nach Sicherheit. Gibt es heute überhaupt noch einen sicheren Job, den ich mein Leben lang behalte? Aus meiner Sicht hat der sichere Job weitgehend ausgedient. Junge Menschen werden in ihrem Berufsleben nicht nur viele verschiedene Jobs haben, sie werden sogar mehrere Karrieren haben und sich immer wieder neu erfinden – entsprechend dem, was sie gut können, worauf sie Lust haben und was am Markt gebraucht wird. Die Sicherheit, die sie erwarten, müssen sie sich selber geben, indem sie dafür sorgen, dass sie die Fähigkeiten besitzen, die gebraucht werden, und dahin gehen, wo es für sie gute Zukunftschancen gibt. Um es mit einem Bild zu sagen: Es rollen derzeit viele Veränderungswellen auf uns zu. Ich kann am Strand stehen und der Welle den Rücken zudrehen, oder ich kann mir das Surfboard schnappen und versuchen, die Welle zu surfen oder mich mit Freude hineinstürzen. Ich denke, Letzteres macht deutlich mehr Spaß.

Cover Zeit der ChancenBuchtipp

Tobias Zimmermann: Zeit der Chancen. Wie und warum du gerade jetzt Karriere machst. Campus Verlag 2026. 25 Euro

Lieblingsbücher

0

Richtige Einstellung

Cover Work Life RemixFlexibilität ist längst kein Nice-to-have mehr – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit Eurer Organisation. In „Work Life Remix. Finde die Arbeitsweise, die zu deinem Leben passt“ zeigen Carsten Meier, Nina Meier-Hahasvili und Gregor Kalchthaler, wie Menschen, Teams und Organisationen mit den richtigen Einstellungen zu Arbeit und Leben leistungsfähiger und zufriedener werden. Mit fünf zentralen Dimensionen von Flexibilität – von Lokalität bis Digitalität – liefert das Buch ein flexibles Framework für modernes und effizientes Arbeiten. Mit Fallbeispielen zeigen die Autor*innen, warum Flexibilität in Arbeit und Leben zu einer der Kernkompetenzen einer Wirtschaft von morgen werden. Carsten Meier, Nina Meier-Hahasvili, Gregor Kalchthaler: Work Life Remix. Finde die Arbeitsweise, die zu deinem Leben passt. Murmann Publishers 2026. 39 Euro

Mischt euch ein!

Cover Nehmt eure Zukunft in die Hand89 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind überzeugt: Wenn sich ihre Generation nicht wehrt, zahlt sie die Schulden von heute als Steuern von morgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage vom Mai 2025 unter Leitung des Zukunftsforschers Horst Opaschowski. Auch die Sorge vor Wohlstandsverlusten ist groß. Die Zahlen deuten auf wachsendes Misstrauen gegenüber Politik und Gesellschaft hin – und auf das Potenzial eines Generationenkonflikts. In seinem neuen Buch zieht Opaschowski Konsequenzen aus diesen Befunden. Er ruft die junge Generation dazu auf, Verantwortung zu übernehmen, sich einzumischen und die eigene Zukunft aktiv zu gestalten, statt auf staatliche Lösungen zu warten. Sein Appell: mehr Eigeninitiative, mehr Solidarität zwischen Jung und Alt – und der Mut, als „Just-do-it-Generation“ die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Horst Opaschowski: Nehmt eure Zukunft in die Hand! Message an die nächste Generation. Claudius Verlag 2025. 20 Euro

Weniger Stress

Cover Auf Knopfdruck runterkommenNeues Jahr, neue Ziele, neue berufliche Herausforderungen – und oft auch neuer Druck. Strategische Weichenstellungen, hohe Erwartungen, volle Terminkalender und der Anspruch, immer leistungsfähig und souverän zu sein: Da steigt der Puls schnell. Wer wünscht sich da nicht, einfach auf Knopfdruck runterzukommen? Coach und Leadershipexperte Claude Heini zeigt mit der Herz-Kohärenz-Methode an, wie sich Stress in kurzer Zeit reduzieren und innere Stabilität herstellen lässt. So bleibt der Kopf klar, Entscheidungen fallen besonnener, Emotionen können bewusster eingesetzt werden, und ein souveränes Auftreten wird möglich. Claude Heini: Auf Knopfdruck runterkommen. BusinessVillage Verlag 2025. 22,95 Euro

Menschlicher kommunizieren

Cover Abenteuer Kommunikation2026 wird das Jahr, in dem wir aufhören, KI zu fürchten, und anfangen, von ihr zu lernen. Ausgerechnet die Maschine zeigt uns, was guter Kommunikation fehlt: Wir lernen, Maschinen mit klaren Prompts zu steuern – und merken plötzlich, wie unklar wir mit Menschen sprechen. Denn die Regeln für einen guten Prompt sind dieselben wie für ein gutes Gespräch. Wirtschaftspsychologe Prof. Ingo Hamm leitet aus diesem Paradox eine überraschende Lösung ab: Was wäre, wenn ausgerechnet die Maschine uns lehrt, menschlicher zu kommunizieren? Hamm zeigt, warum Missverständnisse in Beruf und Alltag so hartnäckig sind und wie viel Frust, Konflikte und Energieverlust sie erzeugen. Ingo Hamm: Abenteuer: Kommunikation! Murmann Verlag 2026. 25 Euro

Ins Rampenlicht treten

Cover Alles was wirklich zaehltSchauspieler und Regisseur Francisco Medina plädiert dafür, endlich die Hauptrolle im eigenen Leben zu übernehmen. Denn allzu oft überlassen wir anderen die Führung und unser Potenzial bleibt ungenutzt. Anhand persönlicher Erfahrungen und Anekdoten zeigt der Autor, wie wir alle mithilfe von Coaching- und Schauspieltechniken ins Rampenlicht treten. Er inspiriert dazu, uns neu zu erfinden, mutig zu sein und mit Authentizität und einem kraftvollen Mindset für uns einzustehen. Francisco Medina: Alles was wirklich zählt. Wie du der Star im Drehbuch deines Lebens wirst. NOW Verlag 2026. 19 Euro

Mythen zur Energiewende aufgedeckt

Cover Ploetzlich KriseDie Energiewende zerreißt Familien und Freundeskreise, spaltet Gesellschaft und Wirtschaft. Wie lange bleibt unsere Zukunft noch planbar? Was wird aus meinem Eigenheim, wenn die nächste Krise kommt? Wer wird am Ende wirklich zahlen müssen? Rast Deutschland sehenden Auges in den Abgrund? Die brutale Realität: Das 1,5-Grad-Ziel ist Geschichte, Ressourcenkriege verwüsten bereits ganze Kontinente. In ihrem neuen Buch konfrontiert Carolin Oder uns mit den heute neu gestellten klimapolitischen Fragen und deckt auf, wo Mythen gefährliche Realitäten verschleiern. Sie zeigt, welche Technologien noch funktionieren könnten und wie der Gasausstieg Deutschland zum Technologie-Weltmarktführer macht – wenn uns die Zeit bleibt. Carolin Oder: Plötzlich Krise – was jetzt? novum Verlag 2025. 21,30 Euro

Frauen treten ins Rampenlicht

Cover Be Visible. Be YouGerade Frauen spüren, dass mehr in ihnen steckt. Doch warum bleiben sie dennoch im Hintergrund? Eigentlich ist das doch der Zeitpunkt, aus der Masse hervorzutreten und sichtbar zu werden. Viele Frauen verfügen über ein profundes Fachwissen, Ideenreichtum und Potenzial, nutzen es aber nicht und bleiben unsichtbar. Sichtbarkeit entsteht nur, wenn sie sich zeigen. Ganz gleich, ob als Vortragsredner, im Meeting oder im Daily Business: Wer wahrgenommen werden will, muss präsent sein. Doch wie macht man sich mit seiner Expertise sichtbar? Warum ist Public Speaking dabei so wirksam? Verena Laumayer zeigt in ihrem Buch, wie Frauen sicher auftreten und Public Speaking – unabhängig vom Karrierelevel – zum Katalysator für den beruflichen Erfolg machen. Im Fokus stehen Women in Tech, doch die Impulse nutzen allen, die ihre berufliche Wirkung gezielt steigern wollen. Verena Laumayer: Be Visible. Be You. Be in Tech. Wie du dein Potenzial nutzt, überzeugend auftrittst, sichtbar wirst und deine Karriere erfolgreich gestaltest. BusinessVillage 2026. 24,95 Euro

Das letzte Wort hat Thilo Hamm, Co-Gründer von ScrapBees

0

Thilo Hamm  gründete im Corona-Lockdown zusammen mit Florian Kriependorf und Sebastian Kopsan das Recycling-Unternehmen ScrapBees, in Deutschland aktiv unter dem Namen SchrottBienen. Ihre Teams bauen Heizungsanlagen, Rohrleitungen oder anderes Altmetall auf Baustellen aus, entsorgen das Material und bringen Neugeräte direkt dorthin, wo sie gebraucht werden. Wie verlief Hamms Weg vom Elektrotechnikstudium zum Unternehmer? Das Interview führte Sabine Olschner.

Erzählen Sie uns über Ihr Studium und den Berufseinstieg. Weil mich immer schon Musik interessiert hat und ich wissen wollte, wie Verstärker und Audiogeräte funktionieren, habe ich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden Nachrichtentechnik studiert. Nach meiner Diplomarbeit bei einem Telekommunikationsunternehmen in Stockholm bin ich bei einem Kabelhersteller als Produktmanager eingestiegen. Berufsbegleitend habe ich ein MBA-Studium an der WHU – Otto Beisheim School of Management absolviert, weil mich Wirtschaftsthemen schon immer gereizt haben. Wie kam es dazu, dass Sie sich dann selbstständig gemacht haben? Das MBA-Studium hat mich zusätzlich mit dem Gründervirus infiziert. Nach dem Masterstudium habe ich mein erstes Unternehmen gegründet: Wir haben Installateure für Smarthome-Lösungen an Kunden vermittelt. Das hat nur so mittelmäßig geklappt. Daher haben wir unser Konzept verändert und uns auf Installateure für Alarmanlagen und Sicherheitssysteme konzentriert. Nach einigen Jahren habe ich diese Firma verkauft. Wie ging es mit dem Unternehmertum weiter? Nach einer Kooperation mit einem Family Office reifte bei mir der Entschluss, erneut zu gründen. Auf einer Netzwerkveranstaltung traf ich einen meiner heutigen Mitgründer wieder, es entstand die Idee zu den SchrottBienen. Heute verantworte ich die operativen Themen und gestalte gemeinsam mit dem Team den Aufbau und die Weiterentwicklung eines Unternehmens mit rund 90 Mitarbeitenden. Inhaltlich bin ich damit zwar weit entfernt von der klassischen Nachrichtentechnik, mein technischer Hintergrund ist jedoch weiterhin wertvoll: Da wir Dienstleistungen für Handwerksbetriebe und die Baubranche anbieten, hilft mir dieses Verständnis, die technischen Herausforderungen unserer Kunden praxisnah einzuordnen und Lösungen entsprechend auszurichten. Was sehen Sie als die größte Herausforderung bei einer Gründung? Herauszufinden, welche Probleme unsere Kunden wirklich haben. Mein wichtigstes Learning: Löst Probleme, die relevant sind und für die der Kunde bereit ist, Geld zu bezahlen. Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir erkannt haben, was der Kern unserer Dienstleistung ist: Statt Metallschrott bei Privatleuten abzuholen, sind wir heute ein Serviceunternehmen, das das Problem des Fachkräftemangels in der Branche Sanitär, Heizung, Klima löst. Wir entlasten Facharbeiter auf der Baustelle, indem wir ihnen den Abbau von alten Anlagen und die Entsorgung abnehmen. Mit diesem Fokus hat unser Vertrieb eine ganz andere Dynamik bekommen.
www.schrottbienen.de
Welches Wissen aus dem Ingenieurstudium ist noch relevant für Ihr heutiges Unternehmen? Keine Angst vor großen und komplexen Themen zu haben. Ich weiß, wie man Probleme angeht und wie ich mir das Wissen dazu aneigne. Auch Selbstdisziplin habe ich im Studium gelernt. Ich kann anstrengende Phasen gut überstehen, indem ich hartnäckig dranbleibe.

E-Paper karriereführer recht 1.2026 – KI: Die junge Generation definiert den Rechtsmarkt von morgen

0
Ausgabe als PDF downloaden

Die Zeit der Experimente

0

Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt: Nach einer ersten Abtastphase erkennen Kanzleien, dass KI-Anwendungen ab sofort in ganzer Breite eingeführt werden müssen. Nur dann ergeben sich Effizienz und Mehrwert für Mandanten. Dem Nachwuchs bietet sich die Chance, die Implementierung mitzuprägen – und damit im besten Fall ein paar Levels zu überspringen. Ein Essay von André Boße

Die amerikanischen Analyse-Profis von Bloomberg Law besitzen eine gewisse Routine darin, Jahr für Jahr den Rechtsmarkt zu beobachten, um aus dem, was sie sehen, Schlüsse zu ziehen und Prognosen aufzustellen. Die Reports der vergangenen Jahre begannen in der Regel mit einem Satz in der Art von: „Der Rechtsmarkt ist im Wandel.“ Das Credo des aktuellen Reports Bloomberg Law 2026 liest sich anders. Was vor allem mit den einschneidenden Erfahrungen des Vorjahres zu tun hat: „2025 war kein Jahr wie jedes andere“, heißt es im Vorwort der globalen Branchenanalyse. „Scheinbar von Woche zu Woche brachen alte Paradigmen zusammen und neue Normen setzten sich durch, was die Rechtsbranche in Unsicherheit stürzte.“
Die KI-Experimentierphase ist vorbei.

Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt

Zuletzt ist viel von politischen Zeitenwenden gesprochen worden. Nun wird immer klarer, dass auch der Rechtsmarkt eine solche erlebt. Das große Plus der jungen Generation: Sie hängt nicht „alten Zeiten“ nach. Sie hat Lust auf Zukunft, ohne nostalgisch einer Vergangenheit nachzuhängen. Daher bietet die Zeitenwende auf dem Rechtsmarkt für den Nachwuchs beste Einstiegsbedingungen. Zumal bei einer Wende wie dieser, die zwar sehr stark von politischen, wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten geprägt ist, aber eben auch der Künstlichen Intelligenz als neuer Technologie. Dabei betrifft die KI den Rechtsmarkt gleich doppelt. Zum einen wird zu diesem Thema juristischer Rat von Mandanten nachgefragt, die in ihren Organisationen KI-Lösungen implementieren und dabei auf Regulierungen treffen sowie sich Haftungs- und Compliance-Fragen zu stellen haben. Zum anderen stehen die Kanzleien selbst vor der Aufgabe, bei ihrer juristischen Arbeit KI-Anwendungen zu implementieren. Laut Bloomberg-Report wächst in den Kanzleien zwar die Begeisterung für KI-Themen, „noch lassen messbare Erträge beim Einsatz von Generativer KI aber auf sich warten“. Was vor allem daran liege, dass beim Thema KI „die Implementierung allein noch keine Transformation bedeutet“.

Künstliche Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung

Foto: AdobeStock/rofikgraph24
Foto: AdobeStock/rofikgraph24
Künstliche Intelligenz (KI) wird künftig zur zentralen Technologie in der Abschlussprüfung sowie im Finanz- und Rechnungswesen insgesamt. So lautet eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Studie Künstliche Intelligenz im Corporate Accounting und Audit, für die PwC Führungskräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen deutscher Unternehmen befragt hat. Der Studie zufolge erwarten rund drei Viertel der befragten Unternehmen (76 Prozent), dass KI die Abschlussprüfung in den kommenden Jahren technologisch massiv verändern wird. Und etwa zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) gehen davon aus, dass es künftig mindestens in Teilen der Abschlussprüfung nicht mehr ohne KI gehen wird.
Damit sich die Investitionen in die Technologie rechnen, also ein return of investment (ROI) erkennbar ist, brauche es laut Branchenanalyse von Bloomberg Law nicht nur eine konsequente Einführung, sondern auch eine solide Datenbasis. Ohne eine gut entwickelte Dateninfrastruktur scheitern KI-Systeme daran, echte Wertschöpfung zu erzielen. Ohne Daten ist die KI kein Boost fürs Geschäft, sondern eine Trockenschwimmerin, greifen die Anwendungen ins Leere. Weil diese Erkenntnis in den Kanzleien angekommen ist, geht die Bloomberg-Analyse davon aus, dass die Organisationen aktuell ihre Hausaufgaben erledigen, indem sie sich darauf konzentrieren, sich „KI-ready“ zu machen. Was erstens bedeutet, die interne Dateninfrastruktur so vorzubereiten, dass Machine Learning-Anwendungen genügend Daten haben und diese ausreichend sortiert sind, zweitens, bei den Mitarbeitenden das Vertrauen in diese neue Technologie und ihre Chancen aufzubauen.

Implementierung in der Breite

In dieser Hinsicht hinterfragt Bloomberg Law den nachvollziehbaren Schritt nicht weniger Kanzleien, die bislang KI-Anwendungen erst einmal in isolierten Bereichen und mit kleinen Benutzergruppen getestet haben. Solche Pilotprojekte eignen sich zwar dafür, Abläufe auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Jedoch kommt eine Kanzlei beim Thema KI mit dieser Methode kaum voran, wie die Expert*innen von Bloomberg Law schreiben: „Solange die KI nicht in die täglichen Arbeitsabläufe integriert ist, bleiben das Datenvolumen und die Datenqualität begrenzt.“ Die Autor*innen des Reports appellieren an die Kanzleien, die KI erstens nicht nur in Silos zu implementieren, sondern übergreifend, und zweitens eine ehrliche Analyse zu erstellen, was genau man sich von der KI erhofft. Schnelle Effizienzgewinne? Ergebnisse nach wenigen Monaten? Diese naheliegenden Ziele seien allein deshalb kaum möglich, „weil KI-Tools für die Rechtspraxis nach wie vor eine erhebliche Überwachung brauchen, was oft die versprochenen Effizienzgewinne zunichte macht“. Entscheidend sei es daher, innerhalb der Kanzlei einen strategischen Konsens zu erzielen, was mit den KI-Systemen erreicht werden soll. Und zwar nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt. „Die Einführung“, heißt es im Report, „ist schließlich kein einmaliger Vorgang, sondern ein sich entwickelnder Prozess, der von Kultur, Vertrauen und der Integration in Arbeitsabläufe abhängt. Solange KI nicht in allen Teams und Tätigkeitsbereichen universell verankert ist, wird ihre messbare Wirkung auf Rechtsabteilungen begrenzt bleiben.“ Kanzleien stehen damit nicht nur vor der Aufgabe, die Art des Arbeitens neu zu denken. Das Thema KI zeigt: Die Zeit des Abschottens ist vorbei. Die Zeit starrer Hierarchien auch. Wovon die junge Generation profitiert.
Sharing is winning.

Neuer Karrieregeist in Kanzleien

Künstliche Intelligenz ist ein offenes Thema. Eines, das von digitaler Neugier und der Idee von Kollaboration getragen wird. Um es überspitzt zu sagen: Die Zeit von Partner*innen, die in Kanzleien gegen- statt miteinander arbeiten, beim digitalen Know-how aber nicht über das Office-Paket hinauskommen, läuft ab. Gefragt sind ab jetzt innovative Köpfe, die ihre Begeisterung für neue Themen auch nach außen zeigen. Einer von ihnen: Nico Kuhlmann, Fachanwalt für Marken- und Urheberrecht und Senior Associate in der Hamburger Kanzlei Hogan Lovells – und Youtuber. Als Teil der Digital Transformation Academy seiner Kanzlei gibt er Tech-Tutorials über „Prompt-Engineering für Anwälte“: Welche Aufträge und Befehle muss ich dem KI-System geben, um für einen Juristen wertvolle Ergebnisse zu erzielen? Kuhlmann hat sich einen Namen als KI-Experte gemacht, der nicht auf der Meta-Ebene formuliert, sondern sehr praxisnahe Tipps gibt.

Steigende Angst vor Cyber-Angriffen

Foto: AdobeStock/Vilogsign
Foto: AdobeStock/Vilogsign
Lange Zeit handelte es sich bei Cyber-Security um einen abstrakten Begriff. Das ändert sich nun: Eine aktuelle Studie des digitalen Branchenverbands Bitkom sagt aus, dass in Deutschland die Angst vor Cyberangriffen und sogar einem Cyberkrieg um sich greife: „70 Prozent der Menschen in Deutschland schätzen die Gefahr durch Cybercrime insgesamt als hoch ein und ebenso viele halten Deutschland für schlecht vorbereitet. 61 Prozent haben Angst vor einem Cyberkrieg und für rund zwei Drittel (64 Prozent) ist Deutschland dafür nicht gut gewappnet“, heißt es in einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Untersuchung. „Deutschland wird täglich digital angegriffen. Die Grenzen zwischen Cybercrime und hybrider Kriegsführung, zwischen privaten und staatlichen Akteuren sind inzwischen fließend“, wird Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst in der Pressemitteilung zitiert. „Die Bedrohungslage wird sich verschärfen, wir müssen deshalb unsere nationale Sicherheit sowohl klassisch als auch im digitalen Raum stärken – in Behörden und der Verwaltung, aber auch in kritischer Infrastruktur und in den Unternehmen.
Dass sein Arbeitgeber diese Tutorials online stellt und damit für jeden verfügbar macht, zeigt den neuen, kooperativen und offenen Geist, der in immer mehr Kanzleien herrscht. Angetrieben wird dieser Spirit von der Idee einer digitalen Arbeitswelt, in der KI-Systeme dann gewinnbringend sind, wenn möglichst viele daran beteiligt sind. Natürlich, andere Kanzleien bleiben Mitbewerber, und im Umgang mit den neuen Anbietern von digitalen Legal Services müssen Kanzleien ihr Revier verteidigen. Es gibt aber eben auch die Erkenntnis, dass die KI in verschlossenen Silos ein zahnloses Tool bleibt.

Geteiltes Know-how schafft Mehrwert

Wie heißt es so schön im Englischen: „Sharing is caring.“ Übertragen auf den neuen Rechtsmarkt könnte man sagen: Sharing is winning. Akteure außerhalb der Kanzleien füllen dieses Motto bereits mit Leben. So vermeldete Anfang des Jahres der juristische Content-Anbieter Wolters Kluwer die Übernahme von Libra, einem Anbieter von KI-Workspaces für Jurist*innen. Es ergibt sich ein perfektes Match: Ein Partner bietet die Struktur, der andere die Inhalte. In einem Interview auf dem Portal Legal Tribune Online (LTO) erklärt Stephanie Walter, Geschäftsführerin von Wolters Kluwer, welche Strategie hinter der Akquisition steckt. Dabei nimmt sie mit Blick auf den Rechtsmarkt den Begriff der Zeitenwende auf: „Mandanten fordern qualitativ hochwertige Beratung und kurzfristige Reaktionszeiten zu einer angemessenen Honorierung. Die bestehenden Geschäftsmodelle der Kanzleien und das System der billable hour geraten zunehmend unter Druck und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit mit den Mandanten, auch in Corporate Legal Departments, steigt.“ Stephanie Walter geht davon aus, dass die Zeit kleiner Lösungen für wenige KI-affine Jurist*innen vorbei ist: „Wir sehen, dass die Zielgruppe bereit ist für Lösungen, die nicht nur auf wenige Use Cases zugeschnitten sind, sondern im Arbeitsalltag in der Breite der Mandate sofort nutzbar sind.“ Ihre Botschaft: „Die KI-Experimentierphase ist vorbei. Was jetzt zählt, sind Qualität, Vertrauen und fachliche Autorität.“ Die gute Nachricht für die junge Generation lautet: Mit klugen KI-Kollaborationen kann der Nachwuchs in allen diesen Kategorien schneller denn je neue Levels erreichen. Die KI ist damit, richtig eingesetzt, nicht nur ein Hebel für mehr Effizienz. Sondern auch ein echter Karriere-Boost.

Christian Kuß im Interview

Was tun, wenn die Technologie zu halluzinieren beginnt? Und warum geht an der Implementierung neuer Lösungen kein Weg vorbei, um auf dem Rechtsmarkt weiterhin Erfolg zu haben? Antworten auf diese Fragen gibt Christian Kuß, Rechtsanwalt und Partner bei der Großkanzlei Luther und dort Experte für die Themen Künstliche Intelligenz und Future Work. Die Fragen stellte André Boße

Zur Person

Christian Kuß studierte von 2002 bis 2007 Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit dem Schwerpunktbereich Informationsrecht. Im Anschluss erwarb er den Master of Laws in Bristol, England. Während seiner Referendarausbildung war er unter anderem bei großen Wirtschaftskanzleien im Bereich IP/IT beschäftigt. Seit 2011 war Christian Kuß als Rechtsanwalt im Informationsrecht für eine internationale Kanzlei in Düsseldorf tätig. Er ist seit 2013 bei Luther beschäftigt.

Luther

Mit 21 Standorten und 420 Anwält:innen und Steuerberater:innen gehört die deutsche Kanzlei Luther zu den führenden Wirtschaftskanzleien. Der Hauptsitz ist Köln. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz launchte Luther 2024 ein eigenes internes System für generative KI, das zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde. 2025 ging Luther eine Partnerschaft mit dem Legal-Tech-Unternehmen Bryter ein, um gemeinsam bereits bestehende Services zu optimieren und neue Lösungen zu entwickeln.
Herr Kuß, die Analyse, wie bedeutend die KI in naher Zukunft sein wird, pendelt aktuell zwischen den beiden Polen „stagniert schon jetzt“ und „wird alles auf den Kopf stellen“. Wo stehen Sie? Die Zukunft vorherzusehen, ist naturgemäß schwer. Aktuell würde ich sagen, dass die KI ein wenig überschätzt wird. Das ist aber gar nicht erstaunlich, denn der Hype-Cycle, entwickelt von einer Beraterin des US-Marktforschungsunternehmens Gartner, beschreibt genau das: Nach dem Durchbruch einer neuen Technik kommt es erst zu einer Phase von überzogenen Erwartungen, dann zu einer Phase von Enttäuschungen, bis schließlich Realismus einzieht. Wo stehen wir aktuell? Wahrscheinlich zu Beginn der Enttäuschungsphase. Man dachte, durch die neue Technologie wird alles besser, schöner, toller. Jetzt stellt man fest: So ganz klappt es noch nicht. Nun stehen wir vor der Aufgabe, die Technologie dort in die Anwendung zu bringen, wo es sinnvoll ist. In welchen Bereichen ist KI in Kanzleien sinnvoll? Überall dort, wo es darum geht, juristische Schreiben zu entwerfen, Schriftsätze vorzubereiten, Gutachten zu erstellen oder Dokumente zu übersetzen. Alles dies kann eine KI sehr schnell und sehr gut, hier wird sie uns langfristig sehr helfen, als ein Tool, effizient zu arbeiten. Und wo stößt die KI bei Ihrer täglichen Arbeit an ihre Grenze? Bei der Recherche und der Korrektheit der getroffenen Aussagen, ganz klar. Ich hätte gedacht, genau hier ist sie gewinnbringend. Dafür ist die Fehlerquote gerade bei der Recherche weiterhin zu hoch. Gebe ich zum Beispiel dem System den Auftrag: Suche mir mal Urteile heraus, die ähnlich zum Fall sind, den ich gerade bearbeite, dann sucht sie zwar ein, zwei relevante Urteile raus, ein drittes erfindet sie aber einfach dazu. Diese Halluzinationen sind weiterhin gegeben. Wie verhindert man, dass die KI einfach was erfindet? Wenn man sie auf einem abstrakten Level einsetzt und ihr genaue Vorgaben macht. Was funktioniert, ist eine Anweisung wie: Entwerfe mir eine Vertragsklausel für einen genau bestimmten Zweck. Oder: Liefere mir Argumente für diese oder jene juristische Frage. Was die KI dann ausspuckt, ist zwar nicht zu einhundert Prozent fertig, aber der Output ist eine Inspirationsquelle, mit der man sehr gut weiterarbeiten kann. Das macht mich als Anwalt schneller und teilweise besser. Wobei ich als Anwender selbst ein hohes und spezielles Wissen mitbringen muss. Nur dann kann ich die Antworten der KI schnell bewerten und zum Beispiel feststellen, dass es dieses angebliche EUGH-Urteil in meinem Spezialbereich nicht gegeben haben kann. Glauben Sie, dass diese Halluzinationen eine Kinderkrankheit der KI sind? Ich denke, man muss ein großes Fragezeichen hinter der Annahme machen, ob diese Fehleranfälligkeit ganz verschwinden kann. KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, und meiner Vorstellung nach wird die Fehlerrate geringer werden, aber nie gleich Null sein. Und das ist im Feld des juristischen Arbeitens natürlich ein Problem. Wie ändert die KI das Geschäftsmodell der Kanzleien? Ich glaube, sie stellt auf den Prüfstein, ob das Geschäftsmodell einer Kanzlei Beratung auf Stundenbasis) in Zukunft weiterhin funktionieren kann. Die typische Struktur einer Großkanzlei mit Seniorpartnern, Counsels und jungen Associates wird zunehmend in Frage gestellt. Denn in diesem Abrechnungsmodell ist ineffizientes Arbeiten angelegt, ausgehend vom Grundgedanken: Wer schneller arbeitet, verdient weniger Geld, warum sollte man es dann machen? Die KI-Technologie bringt einen gewissen Druck in dieses System. Es geht jetzt darum, das Geschäftsmodell der Großkanzleien zu professionalisieren und modernisieren. In welche Richtung? In fast jeder anderen Branche erleben wir sehr eindeutige Diversifizierungen. In komplexen Branchen wie der Automobilindustrie ist jeder Mitarbeitende ein Zahnrad im Getriebe. Das haben wir in Kanzleien nicht. Überspitzt formuliert: Es gibt die Partner, die alles können müssen, und rundherum gibt es Satelliten, die ihnen helfen. Wir sind gezwungen, dieses System neu zu denken, anzupassen und zu verändern. Viele sehen das als ein Risiko, ich betrachte es als Chance. Inwiefern? Das traditionelle Geschäftsmodell basiert darauf, Zeit gegen Geld zu tauschen. Das war und ist auch weiterhin lukrativ. Man muss aber auch sehen, was daraus folgt: Wer gut verdienen will, der muss auch viel Zeit investieren. Nun kommt die Generation Z und sagt: Uns ist Freizeit aber auch wichtig. Ich habe Verständnis für diese Ansicht, zumal es die KI-Technologie möglich macht, dass wir in Zukunft eben nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen, sondern Wert gegen Geld. Wenn wir uns die Margen in der Softwareindustrie anschauen, die längst nach diesem Prinzip arbeitet, dann sind diese deutlich höher als im Beratungsbusiness.
In Zukunft tauschen wir nicht mehr Zeit gegen Geld – sondern Wert gegen Geld.
Das gelingt den Softwareunternehmen durch Serviceleistungen, die teilweise tief ins Unternehmen des Kunden hineingreifen. Ich denke, das könnte auch ein Weg für Kanzleien sein, weil wir hier eine größere Wertschöpfung heben können. Es ist zum Beispiel vorstellbar, als Kanzlei mit Hilfe von digitalen Tools, zu denen auch KI-Systeme zählen, den kompletten Einkaufsprozess eines Mandanten zu steuern. Bislang liefern wir da „nur“ die Verträge, und ich glaube, dass wir diesen Service erweitern können. Unser Anspruch sollte es sein, die Wertschöpfung breiter zu denken, als wir das bisher tun. Wechseln wir auf die Ebene des KI-Rechts: Obwohl das Feld noch diffus ist, gibt es mit dem AI Act bereits ein KI-Gesetz. Ist es sinnvoll, bereits jetzt juristische Richtlinien festzulegen? Ich glaube nicht, dass das ein guter Move war, die KI-Verordnung, so wie sie jetzt, ist zu erlassen, bevor wir in der Fläche überhaupt praktische Anwendungen haben. Was heißt, dass schon bei der Verabschiedung dieses Gesetzes Behelfskrücken drin sind, bei denen gar nicht klar ist, was genau geregelt wird. Zum Beispiel: Die großen KI-Konzerne jagen unzählige Songs oder Gemälde durch ihre Systeme, damit die KI daraus lernt, eigene Werke zu erstellen. Die Probleme mit dem Urheberrecht, die damit einhergehen und die unbedingt gelöst werden müssen, sind in der KI-Verordnung nicht adressiert. Was wäre die Alternative gewesen? Erst mal machen. Dann schauen, wo sich welche Herausforderungen stellen. Und schließlich juristische Leitlinien definieren. So aber erkennen wir in der Beratungspraxis, dass wir viele Fragen unserer Mandanten nicht sicher beantworten können, weil das Gesetz an vielen Stellen von abstrakten Ängsten geleitet ist. Eine Helikopter-Gesetzgebung, analog zu Helikopter-Eltern, die ihre Kinder vor allen nur vorstellbaren Gefahren schützen wollen. Ja, genau so ist es. Es wird schon im vorauseilenden Gehorsam behütet und versucht, alle Risiken abzufangen. Für uns Europäer wäre es besser gewesen, wir hätten nicht eine voreilige Gesetzgebung in die Welt hinausgetragen, sondern eine eigene KI-Technologie. Inwiefern ist es für Sie wichtig, als Kanzlei beim Thema KI ein First Mover zu sein? Es ist entscheidend, um erfolgreich zu sein und für junge Talente attraktiv zu bleiben. Um schnell Fortschritte zu erzielen, sind wir Kooperationen eingegangen, haben zum Beispiel gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut eine eigene KI-Lösung entwickelt, die wir auf eigenen Servern einsetzen, was uns bei Compliance-Themen wie Sicherheit und Datenschutz hilft. Hinzu kommt seit einigen Monaten eine Partnerschaft mit Bryter, einem Unternehmen, das Lösungen für juristische Automatisierungen anbietet. Genauso wichtig ist auch der Austausch mit unseren Mandanten, um bei neuen Services zu fragen: Was meint ihr, wie gut ist das? Ein solches gemeinsames Denken ist neu, oder? Durchaus, ja, und getrieben von der Sorge, dass es durchaus sein kann, dass neue Player auftreten, die uns auf dem Rechtsmarkt Konkurrenz machen. Nehmen wir an, einer der großen Tech-Konzerte bringt eine große Anwalts-KI auf den Markt. Wer jetzt denkt: „Ach, nicht schlimm, unser Beruf ist ja durch das Rechtsberatungsprivileg geschützt“, der sollte sich daran erinnern, was der Taxi-Branche passiert ist. Als Uber auf den Markt kam, dachten die deutschen Taxi-Unternehmer auch, die Regelungen zur Personenbeförderung schützen uns. Aber jetzt fahren die Uber-Autos doch. Da ist es doch besser, nach vorne zu denken, um selbst neue Lösungen und Modelle anzudenken und umzusetzen.  

Kuratiert

0

Female Future Festival an vier Standorten

Das Female Future Festival ist der nach eigenen Angaben „größte Empowerment-Treffpunkt der DACH-Region für Karriere, Innovation, New Leadership, New Work und Job-Chancen“. An gleich vier Standorten findet das Festival statt: In München, am Bodensee, in Zürich und Wien. Namhafte Speakerinnen sprechen über Themen wie Personal Branding, New Work, Diversity, Change, Finanzen, Mental Health und vieles mehr.

Forum für Künstliche Intelligenz im Deutschen Museum Bonn

Künstliche Intelligenz ist die bedeutendste Technologie unserer Zeit – deshalb widmet das Deutsche Museum Bonn dem Thema bunt gestaltete Erlebnisräume, in denen das vielseitige und komplexe Thema KI sehr zugänglich vermittelt wird: Interaktive und unterhaltsame Exponate und Demonstrationen machen Grundlagen und aktuelle Entwicklungen der KI verständlich. Da gibt es interaktive Stationen zum Ausprobieren und Anfassen statt trockener Texte und Erläuterungen. Für ein aktives Museumserlebnis sorgen die Museotainer*innen, die den Besucher*innen zur Seite stehen und das abstrakte Thema KI mit Leben füllen. Ihre „KI:ckstarts“ – kurze dialogische Rundgänge – eröffnen den Museumsgästen einen verständlichen Zugang zur Welt der Künstlichen Intelligenz.

Neue Studie: Karriere nicht um jeden Preis

Arbeit ist nicht mehr alles – zumindest nicht für die junge Generation. Eine aktuelle Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt: Immer weniger Menschen sehen im Beruf den zentralen Sinn ihres Lebens. Statt Karriere um jeden Preis rücken Lebensqualität, Selbstbestimmung und Zeit für Privates in den Vordergrund. Besonders Jüngere hinterfragen klassische Erfolgsideale. Für Hochschulabsolventinnen und -absolventen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Arbeit bleibt wichtig, soll aber zum Leben passen – nicht umgekehrt. Auch juristische Karrieren stehen damit vor neuen Erwartungen an Arbeitsmodelle, Führung und Sinnstiftung. Kuratiert von Kerstin Neurohr und Sonja Theile-Ochel

Zukunftsmutig: Chancen für Jurist:innen

0

Ihr habt als Jurist:innen erstaunlichen Spielraum, Zukunft aktiv mitzugestalten. Regeneration ist dabei mehr als Nachhaltigkeit: ein radikaler Mindset-Change im Einklang mit der Natur. Welche Rolle spielen Jurist: innen in dieser regenerativen Zukunft und wie können sie diese aktiv mitgestalten? Ein inspirierender Appell, der zum Nachdenken anregt und die Verantwortung der Jurist:innen für die kommenden Jahrzehnte betont. Ein Gastbeitrag von Dr. Christoph Thun-Hohenstein

Zur Person

Dr. Christoph Thun-Hohenstein ist Kulturmanager, Kurator und Autor. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Im März 2026 erschien sein neues Buch „Zukunftsmutig“. Thun- Hohenstein ist außerdem Künstlerischer Leiter der Zukunftsplattform ReGenerativa.

Zukunft lässt sich nicht vorhersagen – aber mitgestalten

Niemand – weder der Mensch noch die beste Künstliche (Super-)Intelligenz – kann die Zukunft vorhersagen. Wir können versuchen, die Eintrittswahrscheinlichkeit von Zukunftsszenarien zu kalkulieren. Aber – Hand aufs Herz – wer von euch will sich damit zufriedengeben, Zukünfte zu berechnen, die andere prägen? Euer Anspruch sollte höher sein. Es geht nicht nur um eure persönliche Zukunft oder die eurer Familie, Freund:innen und Bekannten, sondern auch um die Zukunft eurer Region, eures Heimatlandes, eures Europa, ja des ganzen Planeten. Denn nie zuvor war die eigene Zukunft so eng mit der Zukunft der Menschheit und der Erde verwoben. Wenn es der Natur und ihren anderen Spezies nicht gut geht, werdet ihr es ebenfalls spüren, denn auch ihr Jurist:innen seid Teil der Natur.

Ihr seid privilegierte Zukunftsdesigner:innen

Zugleich seid ihr privilegierte Zukunftsdesigner: innen. Denn zusätzlich zu euren Rollen als Konsument:innen, als politisch agierende Bürger:innen, als digital dicht vernetzte User:innen und als geschätzte Akteur:innen in eurem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis eröffnet euch eure rechtliche Expertise – in welchem Beruf immer ihr sie einsetzt – erstaunlichen Spielraum, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Macht davon ausgiebig Gebrauch. Und handelt verantwortungsvoll. Denn ihr habt exzellente Aussichten, im Jahr 2100 noch am Leben zu sein. Es geht in euren Jobs also nicht nur um aktuelle Streitfragen, sondern immer auch um den Horizont bis 2100, egal, ob ihr Gesetze entwerft, Urteile fällt oder im Auftrag von Unternehmen agiert.

Regeneration als Wegweiser

Es gibt nur ein Zukunftskonzept, das sich als Wegweiser für die Gegenwart genau so gut eignet wie für ein Dreivierteljahrhundert in die Zukunft: Regeneration. Regeneration ist mehr als Nachhaltigkeit, sie ist ein radikaler Mindset-Change. Sie verlangt die konsequente Ausrichtung menschlicher Zivilisation an der Natur, als deren Teil ihr euch empfindet. Juristisch regenerativ zu handeln, heißt daher, nicht gegen die Natur und auf deren Kosten, sondern im Einklang mit der Natur und ihren anderen Spezies zu wirken. Ihr könnt euch vorstellen, dass sich daraus auch vielfältige neue Aufgaben für euch entwickeln: Die Natur, ihre Flora und Fauna, ihre Ozeane, Flüsse und Berge brauchen dringend euer rechtliches Engagement. Gleiches gilt – im Sinn eines Regenerativen Digitalen Humanismus – für die Verteidigung menschlicher Würde im KI-Zeitalter und die Gestaltung regenerativer Teamintelligenz und -kreativität von Mensch und digitaler Maschine.

Vier Sprossen der regenerativen Zukunftsleiter

Für euch nächste Generation von Jurist:innen sind die ersten vier Sprossen der im Buch „Zukunftsmutig“ beschriebenen regenerativen Zukunftsleiter von besonderer Bedeutung: Wahrheitsliebe, Transparenz, Weltkompetenz (also ausreichende literacy zu den wichtigsten zukunftsrelevanten Themen auf solider wissenschaftlicher Grundlage) und Naturliebe. Ihr steht somit am Scheideweg: Entscheidet ihr euch für eine erneuerbare, blühende Zukunft oder für eine Wüste der Lüge, Verdunkelung, Manipulation durch Eliten und Naturverachtung? Ich appelliere an euch: Werdet regenerative Jurist:innen, die die Welt von heute, morgen und übermorgen zukunftsmutig mitgestalten. Wir alle werden es euch danken.

BuchtippBuch Zukunftsmutig

Dr. Christoph Thun-Hohenstein: Zukunftsmutig, Kremayr & Scheriau 2026, 180 Seiten, 26 €

Schrift-Sätze – Kultur-, Buch- und Linktipps

0

Post statt Posts: 33 Briefe aus der juristischen Praxis

Wegweiser in Briefform: 33 Jurist*innen – von Verfassungsrichter bis Influencerin – geben persönliche Einblicke in ihr Berufsleben. Sie schreiben über Werte, Entscheidungen, Herausforderungen und Chancen im juristischen Alltag. Die Briefe sind kluge Reflexion und ehrlicher Dialog zugleich – und stellen die vielleicht wichtigste Frage: Welche Juristin, welcher Jurist will ich sein? Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen. C.H. Beck Verlag 2025 , 24,90 €

Hüter der Privatsphäre

Ein Leben zwischen Gerichtssaal, Grenzgang und großer Prominenz. Deutschlands bekanntester Medienanwalt Matthias Prinz erzählt von seinem Weg zum Schutz der Persönlichkeitsrechte – und vom persönlichen Neuanfang nach schwerem Schicksalsschlag. Zwischen Gerichtskämpfen für Caroline von Monaco und Claudia Schiffer und einem Leben im Rollstuhl entsteht das Porträt eines unbeugsamen Juristen. Matthias Prinz: Bis in die letzte Instanz. Osburg Verlag 2025, 26,00 €

Einfach Literatur: Eine Einladung

Überregionale und regionale Medien berichteten über den Kölner Antiquar Klaus Willbrand, der in kürzester Zeit zum Social-Media-Star avancierte und einen neuen Hype auslöste. Zu verdanken war der Erfolg Daria Razumovych, Germanistin und Literaturliebhaberin. Sie hat mit ihrer Digitalberatung den Über-Achtzig-Jährigen zum TikTok-Star gemacht. Ende Januar 2025 ist er verstorben – die Erscheinung des gemeinsamen Buchs im Sommer hat er nicht mehr erlebt. „Einfach Literatur“ ist eine unterhaltsame Einführung in die Literatur, geeignet für erfahrene Leser*innen ebenso wie für Einsteiger*innen. Es versammelt zahlreiche Leseempfehlungen, persönliche Anekdoten von Klaus Willbrand, sowie die gemeinsame Geschichte von ihm und Daria Razumovych. Klaus Willbrand, Daria Razumovych: Einfach Literatur. Eine Einladung. S. Fischer 2025. 22,00 €

Zeit der Oligarchen

Der prophetische Essay über Tech-Oligarchen, Macht und Boy Gangster vom Autor von »Schöne neue Welt«. Mit gespenstischer Klarsicht nahm Aldous Huxley schon 1946 unsere Gegenwart vorweg: Durch technologischen Fortschritt konzentriert sich politische Macht plötzlich in den Händen weniger. In Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs haben Nationalismus und geopolitische Machtspiele Hochkonjunktur, während Demokratie und Solidarität leiden. Stilistisch brillant beschreibt Aldous Huxley das aufziehende Zeitalter einer Tech-Oligarchie – einer Welt, in der Boy Gangster in den Regierungen sitzen und das Recht des Stärkeren die Freiheit aller bedroht. Huxleys prophetische Intervention war 80 Jahre lang verschollen. Heute trifft sie mitten ins Mark. Aldous Huxley, Zeit der Oligarchen. Über Wissenschaft, Freiheit und Frieden, Hanser 2025, 14,00 €

Szenario: Die Zukunft steht auf dem Spiel

Die politische Zukunft der Welt ist offen. ›Szenario‹: Das Buch der Optionen Die Zukunft erscheint offener, furchteinflößender als vor wenigen Jahren. Wie sie aussieht, hängt nicht nur von Russland und den USA ab, sondern von einer großen Anzahl von Akteuren. Wir bekommen so das Gefühl zurück, dass auch wir eine Rolle in unserer eigenen Zukunft spielen, indem wir uns bewusst machen, was wir tatsächlich wissen, was wir nicht wissen und durch Annahmen ersetzt haben, und vor allem, welche Handlungsoptionen es gibt. Florence Gaub lädt dazu ein, selbst außenpolitische Entscheidungen zu treffen: Anstatt nur Zuschauer mehr oder weniger plausibler Szenarien zu sein, folgt man unterschiedlichen Entscheidungspfaden. Das Buch vermittelt Einblicke in mögliche Entscheidungsprozesse, und ein Gefühl der Selbstbestimmung. Florence Gaub, Szenario: Die Zukunft steht auf dem Spiel, dtv 2025, 25 €

Ein Blick hinter die Kulissen des Promotion Business

Mit Dieter Weidenfeld verlor das deutsche und internationale Showgeschäft 2025 seinen „großen stillen Strippenzieher des Pop“ (SZ, 03.11.25). Zunächst studierte er Jura, Soziologie, Psychologie, wechselte dann zur BWL. Wie Berühmtheiten gemacht werden: In seinem Werk hinterlässt der Diplom-Kaufmann exklusive Einblicke in die Unterhaltungsindustrie – von strategischer Imagepflege über Medienarbeit bis hin zur Konzert-Dramaturgie. Diese Expertise dient zugleich als fundierte und kurzweilige Inspiration für modernes Personal Branding. Ein wertvoller Ratgeber für alle, die ihre eigene Marke professionell inszenieren wollen – ob AbsolventInnen oder Führungskräfte. Dieter Weidenfeld, Wie Berühmtheiten gemacht werden, Cuvillier 2025, 44,50 €

Einfachmal nichts machen

Das Buch „How to Do Nothing with Nobody All Alone by Yourself“ ist vor fast 70 Jahren in den USA erschienen und wurde erst jetzt ins Deutsche übersetzt. Sein Inhalt ist heute aktueller denn je: Der Autor berichtet, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene gänzlich in ihrer aktuellen Beschäftigung versinken können. Es ist eine warmherzige wie heilsame Einladung, anders mit der eigenen Lebenszeit umzugehen. Robert Paul Smith: How to Do Nothing with Nobody All Alone by Yourself. Hanser Verlag 2025, 20 €

Recht easy: Alltagsrecht ohne Juristendeutsch

Rechtsexperte Solmecke überzeugt, liefert schnelle, klare Antworten Das einzige Buch über Recht, das du lesen musst, davon ist auf Fragen, die uns alle betreffen – vom Mietvertrag bis zum Strafzettel. YouTube-Jurist Christian Solmecke und Co-Autor Wiechmann bieten Orientierung im Paragraphendschungel – unterhaltsam, kompakt und praxisnah. Christian Solmecke / Wiechmann: Das einzige Buch über Recht, das du lesen musst. Yes Publishing, 2025, ca. 20 €

GeowissenschaftlerIn / GeologIn (m/w/d)

0

GIS Stellenanzeigen Ruhrverband

Der Ruhrverband ist eines der großen Wasserwirtschaftsunternehmen in Deutschland und sorgt seit über 100 Jahren für saubere Flüsse und Seen im Einzugsgebiet der Ruhr.

Bewerben Sie sich für unsere Planungsabteilung am Standort Essen als

GeowissenschaftlerIn / GeologIn (m/w/d) 

und werden Sie Teil unseres Teams! Wir sichern mit ca. 1.200 Beschäftigten die Trinkwasserversorgung von 4,6 Millionen Menschen in einem der größten Ballungsräume Europas und erhalten die Lebensgrundlage Wasser für künftige Generationen. Um dieser großen Verantwortung gerecht zu werden, betreiben wir mehr als 800 technische Anlagen – darunter Talsperren, Kläranlagen und Kanalnetze – und erarbeiten effiziente Lösungen zum nachhaltigen Ressourcenmanagement.

Ihre Aufgaben:

  • Planung und Überwachung von geologischen Baugrunduntersuchungen für Baumaßnahmen des Ruhrverbandes, u.a. an Kläranlagen und Talsperren
  • Planung, Ausschreibung und Betreuung von Bohrarbeiten und sonstigen Erkundungsarbeiten
  • Konzeption von Untersuchungsprogrammen für boden- und felsmechanische sowie chemische
  • Laborversuche und zugehöriger Probenahme
  • Auswertung geotechnischer Erkundungen im Lockergestein und im Fels
  • Erstellung von Baugrundgutachten
  • Standsicherheitsnachweise im Grundbau
  • Mitwirkung bei der Vergabe von geowissenschaftlichen Ingenieurleistungen an Externe
  • Erstellung und Betreuung von Wasserrechtsanträgen inklusive Kommunikation mit Behörden
  • Betreuung des Bohrungsarchivs
  • Eigenverantwortliche Bearbeitung von Sonderaufgaben

Ihr Profil:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Studium der Geowissenschaften mit einem Schwerpunkt in der angewandten Geologie oder vergleichbar
  • Mehrjährige Berufserfahrung
  • Vertiefte Kenntnisse der Boden- und Felsmechanik
  • Vertiefte Kenntnisse der Hydrogeologie
  • Praktische Erfahrungen in der Planung und Überwachung von Baugrunduntersuchungen im
  • Lockergestein und Fels, einschließlich gutachterlicher Stellungnahme
  • Erfahrungen im Erdbau, Tiefbau, Spezialtiefbau
  • Erfahrung im Umgang mit der Ersatzbaustoffverordnung
  • Sehr gute Kenntnisse der gängigen MS-Office Produkte, ArcGIS sowie einschlägiger Spezialsoftware
  • Selbstständige und strukturierte Arbeitsweise, ausgeprägte Teamfähigkeit, agile Denkweise und Offenheit für interdisziplinäre Lösungen
  • Führerschein Klasse B (Klasse 3 alt)
  • Sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift (Deutsch C1-Niveau)

Ein Umfeld, das begeistert!

  • Sicherer Arbeitsplatz bei uns als öffentlich-rechtlichem Arbeitgeber
  • Betriebliche Altersversorgung
  • Tarifliche Vergütung gemäß TV-WW/NW inklusive Prämiensystem
  • Ticketzuschuss von 15 Euro
  • 39-Stunden-Woche, 32 Tage Urlaub, flexible Arbeitszeitkonten
  • Beratungsangebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Gesundheitsmanagement (Zuschuss für Fitnessstudios, Workshops)
  • Betriebsrestaurant in unserer Hauptverwaltung in Essen

Der Ruhrverband fördert die Chancengleichheit und freut sich besonders in den technischen Berufen über Bewerbungen von Frauen. Sie werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. Ausdrücklich begrüßen wir Bewerbungen von Menschen mit Schwerbehinderung.
Eine Teilzeitbeschäftigung ist grundsätzlich möglich.

Sind Sie interessiert ?

Dann bewerben Sie sich online über unser Bewerbungsportal unter www.ruhrverband.de bis zum 25.02.2026.

Bei Fragen zum Bewerbungsverfahren wenden Sie sich gerne an unsere Personalabteilung telefonisch unter 0201/178-1391/-1394. Für inhaltliche Fragen zur ausgeschriebenen Stelle steht Ihnen Herr Dr. Ruppelt als Vertreter der Fachabteilung telefonisch unter 0201/178-2340 zur Verfügung.

Jetzt bewerben

Technischer Einkäufer (w/m/d) im Industrie- und Gewerbebau

0
Logo BREMER WO: Hamburg, BREMER Nord GmbH SKILL: Berufserfahrung WAS: Einkauf, Materialwirtschaft, Logistik UMFANG: Voll/Teilzeit

WIR SIND:

In Deutschland zählt BREMER zu den führenden Unternehmen im schlüsselfertigen Industrie- und Gewerbebau. Als ganzheitlicher Anbieter der Immobilien- und Bauwirtschaft begleiten wir unsere Kunden von der Projektentwicklung über die Fertigung in eigenen Werken bis zum schlüsselfertigen Bau und den Serviceleistungen für das Gebäude im laufenden Betrieb. Das 1947 gegründete Familienunternehmen agiert an fünfzehn deutschen und zwei polnischen Standorten und erwirtschaftet aktuell eine Betriebsleistung von gut 1.100 Mio. EUR. Rund 1300 Mitarbeitenden setzen sich täglich mit Leidenschaft für den Kundenerfolg ein.

IHRE AUFGABEN:

  • Sichtung von Vertragsunterlagen (Pläne, Gutachten, etc.) auf Vollständigkeit
  • Wirtschaftliche Optimierung und Prüfung von Alternativlösungen
  • Erstellung aussagekräftiger Leistungsverzeichnisse für alle Gewerke des Rohbaus, Ausbaus und der Außenanlagen
  • Zusammenstellung aller erforderlichen Vergabeunterlagen
  • Prüfung und Bewertung der eingehenden Angebote unter technischen und kaufmännischen Gesichtspunkten
  • Führen von Vergabegesprächen mit den Nachunternehmern und Beauftragung der Gewerke

IHR PROFIL:

  • Abgeschlossenes Studium im Bereich Bauwesen (Bauingenieurwesen, Architektur, etc.) oder gleichwertige Qualifikation durch einschlägige Berufserfahrung im technischen Einkauf
  • Großes Interesse an gewerkübergreifendem Denken und am Ausbau des eigenen Fachwissens
  • Offenheit sowie Kommunikationsfähigkeit
  • Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Teamfähigkeit und selbstständige Arbeitsweise

UNSER ANGEBOT:

  • BREMER-Kultur: familiäres, faires Miteinander, gelebte Willkommenskultur, unternehmensweite Weihnachtsfeiern sowie Sommerfeste und weitere vielfältige Teamevents
  • Verantwortung von Anfang an: herausfordernde, abwechslungsreiche Aufgaben sowie interne Perspektiven für alle Lebensphasen
  • Lebenslanges Lernen: individuelle Weiterentwicklung in der BREMER Akademie sowie interne Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten
  • Work-Life-Balance: flexible Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten sowie die Möglichkeit zur Nutzung eines Lebensarbeitszeitkontos, Unterstützung in besonderen Lebenslagen (Kinderbetreuung, Pflegesituation)
  • Weitere Benefits: betriebliche Altersvorsorge, Bike-Leasing auch für den Partner / die Partnerin, Firmenfitness bei einem nationalen Sport- und Wellnessnetzwerk sowie exklusive Mitarbeitervergünstigungen bei zahlreichen Partnern dank unseren Corporate Benefits
#QualitätBauenZukunftGestalten

IHR KONTAKT:

Christina Koch Personalreferentin 0 52 51 / 770-0 Jetzt bewerben