Künstliche Intelligenz: Menschen machen’s möglich

Was ist künstliche Intelligenz (KI) denn nun, Lösung für alles oder Sicherheitsrisiko? Geschäftsmodell der Zukunft oder Job-Killer? Statt nur in Schwarz oder Weiß zu denken, lohnt sich der differenzierte Blick: Unternehmen profitieren, wenn KI übergreifend betrachtet und vom Problem her gedacht wird. Hier ist der Mensch gefragt: Seine Aufgabe ist es, die KI in den Domänen eines Unternehmens zu platzieren. Und er wird auch benötigt, um die Technik so zu vermitteln, damit Vertrauen entsteht. Ein Essay von André Boße

Wer zu Daimler oder Volkswagen geht, baut und entwickelt Autos? Möglich. Es kann aber auch sein, dass man sich im Konzern mit „Computer-Brains“ beschäftigt, die Autos lenken sollen. Oder bereichsübergreifend an einem Mobilitätsökosystem arbeitet, das mit Hilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz Verkehrslösungen nach Maß bietet – Bezahl- und Finanzierungsoptionen inklusive. Blicken wir auf die technischen Konzerne: Wer heute eine Stelle bei Siemens oder Bosch antritt, findet dort eine Reihe von Abteilungen, die weit über das hinausgehen, was man als das ursprüngliche Geschäft dieser Technologie-Unternehmen begreift. Bosch zum Beispiel hat Anfang Januar mitgeteilt, bis 2025 solle jedes der Konzernprodukte über künstliche Intelligenz verfügen, mit ihr entwickelt oder produziert worden sein. Entsprechend kündigt das Unternehmen an, personell auf- und umzurüsten: „Mit einem großangelegten Qualifizierungsprogramm wollen wir in den nächsten zwei Jahren nahezu 20.000 Mitarbeiter fit für die KI-Zukunft machen“, sagt Bosch-Geschäftsführer Michael Bolle. Die aktuelle Zahl der Mitarbeiter innerhalb des Konzerns, die sich mit dem Thema KI beschäftigen: 1000. Hier zeigt sich die Dimension des Wandels.

„KI ist keine Magie“

Für Bewerber ist folgende Änderung interessant: Wer sich noch vor wenigen Jahren für den Ein- oder Aufstieg in einem dieser Konzerne interessierte, von dem erwartete man insbesondere eines: Kenntnisse über die Branche. Wie ist das heute, in einer Zeit, in der sich die Branchen öffnen, einer Zeit, in der traditionelle Autobauer Geld damit verdienen, den Kunden mit Hilfe von KI-Lösungen optimale Bahnverbindungen anzuzeigen? Oder in der Technikkonzerne tausende Mitarbeiter suchen oder dahingehend schulen, um fit für die KI zu sein? Ist es da übertrieben, zu fragen, ob künstliche Intelligenz heute bereits eine Art Meta-Branche ist? Vorsicht! Die künstliche Intelligenz trägt schon genügend andere Etiketten. Mal ist sie das Allheilmittel für eine lahmende Wirtschaft, mal bedroht sie Arbeitsplätze. Einige glauben, die KI werde eines Tages für einen Security-GAU sorgen, andere denken, dass die Menschheit das Problem des Klimawandels ohne KI nicht in den Griff bekommen wird.

Qurator: Digitale Kommunikation mit Hilfe von KI

„Wer heute relevant sein will, muss digital kommunizieren“, sagt Armin Berger, Bündnissprecher des Projekts Qurator. Doch wie gelingt diese digitale Kommunikation, gerade in Zeiten, in denen der Datendschungel immer dichter wird? Qurator versteht sich als eine Plattform für intelligente Content-Lösungen, auf der KI-Ansätze dabei unterstützen, Inhalte zu kuratieren (daher der Name Qurator). Die Plattform richtet sich gezielt auch an Manager in Unternehmen, die internes Wissen über neue Techniken so aufbereiten wollen, dass möglichst viele Zugriff erhalten und die Inhalte somit bei Entscheidungen helfen. www.qurator.ai
Auch in technischer Hinsicht gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Experten, die davor warnen, die Komplexität der KI überfordere den Menschen, andere widersprechen. Die Informatikprofessorin Katharina Zweig von der TU Kaiserslautern sagte zum Beispiel in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“: „KI ist keine Magie.“ Im Interview fordert sie, keine Berührungsängste bei dieser Technik zu haben, schließlich werde KI „insgesamt näher an uns heranrücken, darum müssen wir Betriebsräte, Schulelternbeiräte, Betroffene und Bürger befähigen, sich einmischen zu können.“

KI als Möglichkeit begreifen

Wie ist denn nun der Status der KI? Was kann sie leisten – wann wird sie überschätzt? Und was bedeutet dieser Stand der Dinge für Karriereeinsteiger? Das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssystem (FOKUS) hat jetzt mit dem Whitepaper „Künstliche Intelligenz in der Praxis“ eine Studie veröffentlicht, die untersucht, welche Bedeutung KI bereits heute in den Unternehmen hat – und wie sich der Einfluss der Technik in den kommenden Jahren in den verschiedenen Geschäftsfeldern entwickeln wird. Zu Beginn stellen die Studienautoren eines klar: KI ist nicht die Antwort auf jede Frage und Herausforderung. KI ist eine Möglichkeit, sich Problemen zu widmen. „Angesichts der großen Aufmerksamkeit für KI, könnte man leicht zu dem Schluss kommen: Wer heute nicht in KI investiert, für den scheint der Zug abgefahren zu sein – in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher, aber auch politischer Hinsicht“, sagt FOKUS-Leiter Prof. Dr. Manfred Hauswirth. Ob jedoch KI überhaupt als passende Lösungsoption in Betracht komme oder aber eine andere technische Lösung besser geeignet sei, müsse jeweils mit Blick auf die konkrete Problemstellung entschieden werden. Und hier tun sich viele Unternehmen noch schwer, wie die Autoren des Whitepapers feststellen: „Bei Projektpartnern bestehen oft bereits konkrete Erwartungen und ein grundlegendes Verständnis der Rolle, die KI potenziell in ihren Anwendungen und Geschäftsmodellen spielen kann. Nichtsdestotrotz sind Berührungsängste gegenüber dem Thema KI zu erkennen, die meistens in Zurückhaltung gegenüber einem Einsatz münden.“

Menschen managen KI

Entscheidend sei es daher, in den Unternehmen ein Wissen über die Chancen und potenziellen Probleme von KI-Lösungen aufzubauen. „Die wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI-Methoden ist ein tiefes Verständnis des Themenfeldes, in dem diese zum Einsatz kommen sollen“, sagt FOKUS-Leiter Manfred Hauswirth. Ohne dieses laufe man zum Beispiel Gefahr, sich Problemen, die man bereits mit einer anderen Technik gelöst hat, noch einmal zu widmen – nur weil man denkt, die KI sei hier per se noch besser geeignet. Mit der eventuellen Folge, dass KI dieses Problem nun ein weiteres Mal löst. Jedoch „gegebenenfalls schlechter oder mit höherem Ressourcenaufwand“, wie Hauswirth sagt. Der FOKUS-Leiter verdeutlicht hier einen Punkt, der erklärt, warum so viele Konzerne bei diesem Thema neues Personal suchen oder das eigene Personal weiterbilden: Der Mensch mit seinem Wissen bleibt derjenige, der entscheidet, wo KI auf welche Art helfen kann. Und er ist auch derjenige, der die KI dann, wenn es sinnvoll ist, instruiert, koordiniert und kontrolliert. Zumindest solange, bis in einer fernen Zukunft aus KI-Methoden hyperintelligente Cyborgs werden (siehe Buch-Tipp im Kasten). Hier zeigt sich deutlich, dass die künstliche Intelligenz zumindest in den ersten Schritten in den Unternehmen keine High-Profile-Jobs ersetzt, sondern die Experten mit einer neuen Art von Arbeit versorgt. Dass dabei im Alltag der Entwicklung, Produktion oder Logistik Fragen auftauchen, liegt auf der Hand.

Domänen statt Branchen

Interessant ist nun, dass die Studienautoren vom Fraunhofer Institut bei den konkreten Anwendungsbereichen eben nicht mehr von Branchen sprechen, sondern von Domänen. Gemeint sind Themenfelder wie Smart Mobility und Electronic Health, Industrial Internet of Things und Quality Engineering, Visual Computing und Data Analytics. In den Unternehmen werden Einsteiger daher nicht nur auf eine dieser Domänen treffen – sondern auf mehrere, in den großen Konzernen sogar auf alle. Hier zeigt sich die besondere Herausforderung von KI-Lösungen: Sie docken innerhalb einer Organisation in diversen Bereichen an, bilden Knotenpunkte, verlangen nach zwei Perspektiven: die eine ist auf die jeweilige Domäne fokussiert, die andere hat das gesamte „Ökosystem“ des Konzerns im Blick. Wobei der Begriff aus der Ökologie hier tatsächlich passt, denn die Domänen unterstützen sich gegenseitig und bilden dabei ein System, dessen Funktionalität vom natürlichen Zusammenspiel der Domänen abhängt.

Der KI-Campus

Im Oktober 2019 wurde der Startschuss für den Aufbau einer digitalen Lernplattform zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) gegeben. Dabei handelt es sich um ein auf drei Jahre angelegtes und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Pilotprojekt. Motivation und Ziel des Projekts „KI-Campus – die Lernplattform für Künstliche Intelligenz” ist es, eine breite Befähigung im Umgang mit KI zu vermitteln, um für die Herausforderungen den damit verbundenen technischen und gesellschaftlichen Veränderungen gewappnet zu sein. Der KI-Campus soll diesem Bedarf durch die Entwicklung einer offenen Lernplattform begegnen, auf der sich die Nutzer untereinander sowie mit Professoren und anderen Fachexperten vernetzen und sich mit hochwertigen, digitalisierten Lernangeboten weiterbilden können. www.ki-campus.org
Ein Beispiel aus der Produktion: Das Industrial Internet of Things (IIoT) ist eine Infrastruktur, die Wertschöpfungsketten digital vernetzt – und zwar anwendungsübergreifend und unabhängig vom Hersteller, intelligent und mit maximaler Sicherheit. „Dabei spielen Edge- oder Cloud-Computing ebenso eine wichtige Rolle wie Echtzeit-Maschine-zu-Maschine- Kommunikation, Geräte-Management, Orchestrierung und Datenanalyse-Plattformen“, heißt es im FOKUS-Whitepaper. Wobei die Technik klare Ziele zu erfüllen hat – und zwar parallel. Das IIoT soll Ressourcen schonen und Wartungen optimieren, es soll die Qualität sichern und Datenschutz garantierten, die Betriebskosten sowie den Energiebedarf senken, neue Geschäftsmodelle aufbauen und die Produktion beschleunigen. Wer im Unternehmen die Produktion in diesem Sinne voranbringen möchte, benötigt neben Kenntnissen im Maschinenbau oder Prozessmanagement eben auch Know-how in einem übergreifenden KI-Bereich, den die Experten des Fraunhofer Instituts Data Analytics nennen. „KI hat neben den Eigenschaften eines lernenden Systems insbesondere auch mit semantischem Verstehen durch die Maschine und weiterführender pragmatischer Interpretation im Kontext zu tun“, schreiben die Whitepaper-Autoren. Dies gehe über das Erkennen von Mustern in Daten hinaus. Die Rede ist von der sogenannten dritten Generation von KI-Systemen, in der es um die Kombination aus KI-Methoden geht: ums Wahrnehmen und Lernen, Logikschlussfolgern und Abstrahieren.

Vertrauen schaffen, Sicherheit gewährleisten

Und noch ein Punkt ist wichtig, wenn es um die Frage geht, wo der Mensch bleibt, wenn künstliche Intelligenz in den Unternehmen zum Standard wird. Nicht nur werden Mitarbeiter benötigt, um diese Technik in den Domänen einzusetzen, Menschen sind auch der Schlüssel dafür, den Kunden ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit zu geben. Ende Januar veröffentlichte der TÜV-Verband eine Studie, nach der 85 Prozent der Befragten möchten, dass Produkte und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz klar gekennzeichnet werden. „Insgesamt überwiegen die positiven Empfindungen in Bezug auf KI und viele Menschen erhoffen sich von der Technologie Fortschritte in verschiedenen Lebensbereichen“, ordnet Dr. Michael Fübi, Präsident des TÜV-Verbands, das Ergebnis ein. Jedoch gibt es auf Seiten der Verbraucher messbare Skepsis und Verunsicherung: So empfinden 69 Prozent der Befragten es als negativ, wenn KI immer mehr menschliche Kontakte ersetzt, 72 Prozent sorgen sich vor Hackerangriffen mit Hilfe von KI, 67 Prozent haben die Sorge, dass die KI bei sicherheitskritischen Anwendungen Fehler macht. Auf diese Sichtweise der Kunden müssen die Unternehmen mit kommunikativer Transparenz reagieren; auch dies wird eine Aufgabe von KI-Managern sein: den Kunden – ob B2B oder B2C – erklären, wo KI mitgewirkt hat, was die Vorteile dieser Mitwirkung sind und wie die Sicherheit garantiert werden kann.

Benötigt werden Regeln und Standards

Gefragt sind hier aber nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Gesetzgeber. „Beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in sicherheitskritischen Bereichen gibt es erhebliche Regelungslücken“, sagt TÜV-Verbandspräsident Michael Fübi.  „Immer dann, wenn Gefahren für die Gesundheit von Menschen oder deren elementare Grundrechte bestehen, sind klare Leitlinien für die Anbieter, Entwickler und Nutzer von KI-Anwendungen notwendig.“ Tatsächlich tut sich hier etwas: Die neu formierte EU-Kommission hat bereits angekündigt, eine KI-Strategie vorlegen zu wollen, das Bundesarbeitsministerium initiiert ein KI-Observatorium, das als Denkfabrik die Aufgabe hat, einen verantwortlichen, menschenzentrierten und partizipativen Einsatz von KI in der Arbeitswelt und der Gesellschaft zu ermöglichen und zu fördern. Ist die KI eine Meta-Branche? So lautete zu Beginn die Frage. Tatsächlich lässt sich festhalten, dass durch die Nutzung von KI-Lösungen in der Praxis eine ganze Reihe von Job-Profilen entstehen, die branchenübergreifend Menschen benötigen, die KI vollumfänglich verstehen. Weil sie wissen, wie diese Technik dem Unternehmen hilft – und was gewährleistet sein muss, dass auch die Mitarbeiter und die Kunden profitieren und Vertrauen entwickeln. Nein, KI ist keine Magie, da hat die Informatikerin Katharina Zweig schon recht. Aber sie bedeutet viel Arbeit. Menschliche Arbeit.

Buchtipps

Der 100-Jährige, der ein neues Zeitalter des Denkens ausruft

Cover NovozaenDer Universalwissenschaftler James Lovelock hat zehn Dekaden auf dem Buckel, doch sein Alter hindert den Briten nicht daran, vorauszudenken – und zwar im Wortsinn: „Novozän“ heißt sein neues Buch, das es seit Januar auch auf Deutsch gibt. Lovelock beschreibt den Beginn des Zeitalters der Hyperintelligenz, des Novozäns, das auf das Anthropozän folgt. Seine These: Aus der KI werden Cyborgs entstehen, die uns Menschen in allem überlegen sind. Doch das sollte kein Schreckensszenario sein, denn auch die Cyborgs wollen die Erde erhalten – und sie sind es, die in Lovelocks unterhaltsamer und inspirierender Öko-Vision der bequemen und zerstrittenen Menschheit das Überleben retten. James Lovelock: Novozän – Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz. C.H. Beck, 2020, 18 Euro. (Amazon-Werbelink)

Fehlendes Taktgefühl

Cover Ein AlgorithmusLaut der TÜV-Studie „Sicherheit und Künstliche Intelligenz – Erwartungen, Hoffnungen, Emotione“ erwarten 40 Prozent der Deutschen von der KI, dass sie zu 100 Prozent fehlerfrei ist. Diesen Ansprüchen hält die Informatikerin Katharina Zweig ihr Buch „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“ entgegen, das den Untertitel trägt: „Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können.“ In klarer Sprache zeigt sie, warum Robo-Richter ein schlechtes Urteilsvermögen besitzen, aber auch, in welchen Bereichen eine unvoreingenommene KI-Lösung weitaus besser wäre als ein mit Vorurteilen beladender Mensch. Katharina Zweig: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl: Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können. Heyne, 2019. (Amazon-Werbelink)
   

Culturedata – Kultur-, Buch- und Linktipps

DER MARKTGERECHTE MENSCH

Cover Der marktgerechte MenschSpätestens seit der großen Finanzkrise ist unser Arbeitsmarkt im Umbruch. Der sich immer weiter beschleunigende Wettbewerb bringt das gesamte gesellschaftliche Gefüge in Gefahr. Unser soziales Bindegewebe droht durch Verarmung, Vereinzelung und Entsolidarisierung zu zerbrechen. In ihrem Film „Der marktgerechte Mensch“ zeigen Leslie Franke und Herdolor Lorenz anhand einer repräsentativen Auswahl von Fallbeispielen die Veränderungen unseres Arbeitsmarkts: Unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Algorithmus-gesteuerte Arbeitsprozesse und Crowdworking haben unser Leben in den letzten Jahren rasant verändert. Der Film erzählt daneben aber auch von der Solidarität zwischen jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten, und stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften.

THE SPARK – DER DEUTSCHE DIGITALPREIS

Die Firma Blickfeld hat mit ihrem Sensoriksystem für bessere Umfeldwahrnehmung beim autonomen Fahren den von Handelsblatt und McKinsey ausgelobten Digitalpreis „The Spark“ gewonnen. Gefragt worden war für den nach Entwicklungen und Konzepten, die sich auf den Menschen, seine Arbeit und seinen alltäglichen Interaktionsraum konzentrieren. Die von Blickfeld entwickelte Lösung lässt sich in den Bereichen autonome Mobilität, Mapping, Robotik und Smart Cities nutzen. Weitere Infos unter: www.the-spark.de

HOW TO SPEAK MACHINE

Cover How to speak machineDer Designer und Technologe John Maeda definiert in seinem aktuellen Buch „How to speak machine“ die grundlegenden Gesetze, wie Computer denken, und warum man sich darum kümmern sollte, auch wenn man kein Programmierer ist. Er bietet eine Reihe einfacher Gesetze an, die nicht nur die Computer von heute, sondern auch die unvorstellbaren Maschinen der Zukunft regeln. Denn, so der Autor: Die Technologie ist bereits jetzt mächtiger, als wir uns vorstellen können, und sie wird in einem exponentiellen Tempo immer leistungsfähiger. Einmal in Bewegung gesetzt, werden die Algorithmen nie müde. Und wenn die Größe, Geschwindigkeit und Unermüdlichkeit eines Programms mit seiner Fähigkeit, zu lernen und sich selbst zu transformieren, kombiniert wird, kann das Ergebnis unvorhersehbar und gefährlich sein.

John Maeda: How to Speak Machine: Computational Thinking for the Rest of Us. Portfolio 2019, 25,10 Euro. (Amazon-Werbelink)

BONNER INFORMATIKER PUZZELN BEETHOVEN MIT PIXELN AUS HOLZ

Foto: Volker Lannert/Uni Bonn
Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Im Institut für Informatik der Universität Bonn hat man sich etwas ganz Besonderes zu Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag ausgedacht. Den Forschern der Arbeitsgruppe „Digital Material Appearance“ ist es mit einem rechnergestützten Verfahren gelungen, komplexe Einlegearbeiten aus Holz nach gegebenen Vorlagen zu erschaffen. Das Zusammenfügen von Bildern und Ornamenten aus verschiedenfarbigen Hölzern ist bereits seit Tausenden von Jahren bekannt. Mit Hilfe des Computers können die Wissenschaftler nun aber erstmals große Mengen an digitalisierten Materialmustern durchsuchen, um genau das richtige Stück Holz etwa für ein Auge oder eine Haarsträhne zu finden. Das so entstandene Schnittmuster wird von einem Lasercutter präzise ausgeschnitten und die Teile anschließend von Hand zusammengesetzt.

SCHNITTMENGE ZWISCHEN KULTUR UND KÜNSTLICHER INTELLIGENZ

Mit dem Förderprogramm LINK richtet die Stiftung Niedersachsen derzeit einen exemplarischen Fokus auf die Schnittmenge zwischen Kultur und Künstlicher Intelligenz (KI). Innerhalb von drei Jahren sollen im Rahmen des Förderprogramms Antworten auf grundlegende Fragen gefunden, die Chancen und Risiken der Anwendung von KI in der Kultur erforscht und innovative Projekte in Niedersachsen entwickelt werden. Im Mai 2019 wurde mit dem Programm gestartet. Die Vorträge der Auftaktveranstaltung sind unter www.link-niedersachsen.de/tagung veröffentlicht.

SEI KEIN ROBOTER

Cover Sei kein RoboterWerden smarte Maschinen lernen, sich wie Menschen zu verhalten? Werden Roboter den Großteil unserer Arbeit erledigen? Schaffen wir uns durch unseren Automatisierungswahn am Werden smarte Maschinen lernen, sich wie Menschen zu verhalten? Werden Roboter Ende selbst ab? Auf diese Fragen gibt der Innovationspsychologe und Silicon-Valley-Experte Christoph Burkhardt Antworten. „Viele smarte Maschinen verhalten sich schon heute sehr menschenähnlich. Aber die wirkliche Herausforderung liegt bei den Menschen, die sich zu sehr wie Maschinen verhalten“, sagt der in San Francisco lebende Autor. „Nur wer sich nicht wie ein Roboter verhält, wird auch nicht durch einen ersetzt.“

Christoph Burkhardt: Sei kein Roboter – Sieben Überlebensstrategien im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Midas 2019, 24,90 Euro. (Amazon-Werbelink)

QUBE

Cover QubeInvestigativjournalist Calvary Doyle wird auf offener Straße niedergeschossen. Zuvor hatte der Reporter zum Thema Künstliche Intelligenz recherchiert. Die auf KI-Gefahrenabwehr spezialisierte UNO-Agentin Fran Bittner beginnt in dem Fall zu ermitteln. So besaß der Journalist anscheinend neue, beunruhigende Informationen über den berüchtigten Turing-Zwischenfall, bei dem die Menschheit die Kontrolle über eine KI verlor. Die KI befand sich seinerzeit in einem Quantencomputer, einem sogenannten Qube. Gibt es womöglich noch einen solchen Würfel, mit einer weiteren digitalen Superintelligenz darin? Und kann Fran Bittner den zweiten Qube finden, bevor jemand auf die Idee kommt, ihn zu aktivieren? Der Thriller von Spiegel-Bestseller-Autor Tom Hillenbrand führt uns an die Grenzen unserer Welt.

Tom Hillenbrand: Qube. KiWi-Taschenbuch 2020, 12 Euro. (Amazon-Werbelink)

AI KOMPONIERT

Das US-Start-up Amper Music ermöglicht es mit seiner Software Amper Score™ Unternehmensteams, in Sekundenschnelle maßgeschneiderte Musik zu komponieren und die Zeit für die Suche in der Stock-Musik zurückzugewinnen. Egal, ob Musik für ein Video, einen Podcast oder ein anderes Projekt benötigt wird, die KI von Score macht schnell Musik, die genau dem gewünschten Stil, der Länge und der Struktur entspricht. Weitere Infos unter: www.ampermusic.com

Pilates: Mehr Bewusstsein, weniger Stress

Fast jeder von uns hatte schon ein Mal in seinem Leben Rückenschmerzen, wenigstens aber kennen Sie jemanden mit Rückenproblemen. Die Zahlen: 70% aller Deutschen leiden jährlich unter Rückenschmerzen, ca. 20% davon sogar unter chronischen Schmerzen. Was können Sie tun, damit es Ihnen besser geht?

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf die damit verbunden gesamtwirtschaftlichen Kosten hingewiesen, die natürlich immens sind. Genau deshalb wird heute die Prävention stark gefördert. Etwa 80% der Rückenschmerzen bleiben allerdings ohne Befund und werden als so genannte “unspezifische Rückenschmerzen” betitelt. Für den einzelnen bedeutet das: Es gibt aus ärztlicher Sicht keine konkreten Ursachen für die Schmerzen und somit meist auch keine direkte Therapie oder konkreten ärztlichen Handlungsanweisungen.

Uta Gotschlich, Gründerin und Inhaberin von Premiumpilates

Uta Gotschlich ist Diplom-Kauffrau (FH), ausgebildete Pilates- und Faszientrainung

Sie hat im Marketing und Vertrieb gearbeitet, Firmen bzw. Sortimente im deutschen Markt etabliert. Seit über 14 Jahren unterrichtet sie Pilates und inzwischen viele andere Trainingsmethoden. Sie bewegt heute Menschen, gibt die Faszination von Körpergefühl, Achtsamkeit mit sich selbst an ihre Teilnehmer. Info: www.premiumpilates.de

Die meisten Orthopäden und betroffenen Ärzte empfehlen ihren Patienten, die Bauch- und Rumpfmuskeln zu stärken. Genau diese Eigenschaft, diese Muskeln zu kräftigen, hat Pilates in den letzten Jahren für Menschen mit Rückenbeschwerden immer interessanter gemacht. Allzu häufig ist allerdings nicht die mangelnde Kraft die Ursache, die den Rücken schmerzen lässt, sondern es ist das genaue Gegenteil: Der schmerzende Rückenbereich steht unter zu viel Krafteinwirkung! Das belegen inzwischen neue wissenschaftliche Erkenntnisse unter anderem aus der Faszien-Forschung. Die zu starke Kraft ist vor allem durch unseren modernen Lebensstil verursacht: Zu wenig Bewegung,  zu vieles und falsches Sitzen und ganz besonders Stress. Dieser ist die Hauptursache für eine immense Verkürzung unserer Faszien, die ebenfalls auf unsere Muskeln wirkt. Bei Verkürzung denken die meisten von uns an Dehnen und Stretchen, aber es gibt wesentlich effektivere, einfach bessere Methoden. Denn um einen Muskel wieder zu entspannen und ihm die nötige Länge zu geben, dazu gehört immer die Implementierung unserer Nerven und unseres Verstandes.
Wir müssen uns bewusst sein, was wir tun. Wir müssen im Hier und Jetzt sein.
Bereits vor vierzig Jahren hat Joseph Pilates mit seiner Trainingsmethode neben dem Kraftaufbau der Bauch- und Rumpfmuskeln immer auch die Notwendigkeit der Dehnung unserer Muskeln und Faszien erkannt, die damals noch niemand unter diesem Namen kannte. Der Vorteil hierbei: Wenn wir uns möglichst frei bewegen wollen, was die Basis des Pilates ist, müssen wir wirklich mit unserem Kopf und Gefühl in dieser Situation und in unserem Körper sein. Kurz gesagt, wir müssen uns bewusst sein, was wir tun. Wir müssen im Hier und Jetzt sein.
Foto: Uta Gotschlich Premiumpilates
Foto: Uta Gotschlich Premiumpilates
Kennen Sie diesen Satz? Ja, den beinhalten viele Meditationen und Coachings. In unserem Pilates-Training wird er direkt mitgeliefert, während Sie sich bewegen. So können Sie neben dem Bewegen, Kraft aufbauen und Entspannen auch gleich Stress abbauen. Was Stress ist, das muss  jeder Einzelne für sich individuell erkennen und versuchen selbst zu einem entspannteren Lebensstil zu finden. So kann es Pilates sein mit seinen sehr konzentrierten und freien Bewegungen, das zu mehr Bewusstsein führt. Mehr Bewusstsein hilft jedem Menschen, um im Leben klarer zu werden und auch gegen Rückenschmerzen. Denn dass unser Mangel an Bewusstheit in unserem Leben mitverantwortlich für chronische Rückenschmerzen ist, hat Dr. Robert Schleip, Pionier der Faszienforschung, bereits im Jahr 2008 formuliert.

PORR GmbH & Co. KGaA

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Branche
Baugewerbe

Produkte/Dienstleistungen
Hochbau, Tiefbau, Ingenieurbau, Brückenbau, Spezialtiefbau, Tunnelbau, Verkehrswegebau, Umwelttechnik, Stahlbau, Mineralische Rohstoffe, Design & Engineering, Equipment Services, Verwaltung/Management, Government Services

Anzahl der Standorte
10 im Inland, im Ausland in verschiedenen Ländern. Informationen dazu finden Sie auf der Homepage.

Jahresumsatz
EUR 5.786 Mio. im Jahr 2022 (konzernweit)

Anzahl der MitarbeiterInnen
Ca. 3.000 Inland, ca. 20.000 weltweit

Bedarf an HochschulabsolventInnen
Ca. 50 pro Jahr

Gesuchte Fachrichtungen
Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Gebäudetechnik, Elektroingenieurbau, Architektur

Einsatzmöglichkeiten
Hochbau, Tiefbau, Ingenieurbau, Brückenbau, Spezialtiefbau, Tunnelbau, Verkehrswegebau, Umwelttechnik, Stahlbau, Mineralische Rohstoffe, Design & Engineering, Equipment Services, Verwaltung/Management

Einstiegsprogramme
Direkteinstieg

Mögliche Einstiegstermine
Jederzeit je nach Bedarf

Auswahlverfahren
(Online-) Interview in der jeweiligen Niederlassung oder direkt auf den Bauvorhaben

Einstiegsgehalt
je nach Abschluss und Erfahrung (Tarifvertrag)

Auslandstätigkeit
Entsendung möglich, je nach Bereich.

Angebote für StudentInnen
Wir bieten sowohl Praktika als auch Werkstudierendentätigkeiten an.
Duales Studium, sowie Bachelor-/Masterarbeiten sind auch möglich.

Logo PORR

Ansprechpartner
Tamara Gasser, Linda Kohlsdorf, Romina Creyels

Anschrift
Walter-Gropius-Straße 23
80807 München

E-Mail
karriere@porr.de

Internet
karriere.porr.de

NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft

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Unsere Expertise für die Wirtschaft

Mit praxisbezogener Forschung und unter Einsatz modernster Technik, wie zum Beispiel im User Experience Labor, geht die NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft Problemstellungen ihrer Kooperationsunternehmen auf den Grund. Die NORDAKADEMIE ist Mitglied im Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 Usability und weist Forschungsschwerpunkte unter anderem in den Bereichen Leadership, Innovation, Digitalisierung, Digineering, Eignungsdiagnostik oder Compliance auf.

Die NORDAKADEMIE im Überblick

Als private Hochschule in gemeinnütziger Trägerschaft hebt sich die NORDAKADEMIE mit ihrem sozialen Engagement von anderen Bildungseinrichtungen ab. Durch die starke Praxisorientierung und die intensive Förderung durch namhafte Unternehmen können Lehre und wissenschaftliche Ausbildung entsprechend aktueller Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt gestaltet werden. Dabei hat sich die NORDAKADEMIE dem Prinzip des „Lifelong Learning“ verschrieben und fördert die Vertiefung oder Neugewinnung von (Fach-) Wissen während der gesamten beruflichen Laufbahn.

Berufsbegleitende Master- und Weiterbildungsprogramme an der NORDAKADEMIE Graduate School

An der NORDAKADEMIE Graduate School in Hamburg können Teilnehmerinnen und Teilnehmer berufsbegleitende Masterstudiengänge, Weiterbildungsmöglichkeiten und Zertifikatskurse sowie ein berufsbegleitendes Promotionsprogramm wahrnehmen. Neben dem MBA umfasst das Studienangebot noch 10 weitere Masterstudiengänge aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, IT, Logistik und Supply Chain Management, Wirtschaftsrecht, Healthcare Management und Wirtschaftsingenieurwesen. Als berufsbegleitende Weiterbildungen zeichnen sich die Programme durch wechselnde Phasen des Selbststudiums und der Präsenzlehre aus. Das Selbststudium wird unterstützt durch ein modernes Blended-Learning-Konzept.

Das duale Bachelor-Studium an der NORDAKADEMIE

Im Studienangebot auf dem Nachhaltigkeitscampus in Elmshorn befinden sich die dualen Bachelorstudiengänge Angewandte Informatik, Betriebswirtschaftslehre, International Business, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen.

Während des sieben Semester dauernden Studienverlaufs wechseln sich Theoriephasen, in denen Lehrveranstaltungen an der Hochschule in Elmshorn stattfinden, und Praxisphasen im jeweiligen Unternehmen ab.

Logo Nordakademie HdW

Standort Elmshorn

NORDAKADEMIE gemeinnützige Aktiengesellschaft Hochschule der Wirtschaft
Köllner Chaussee 11
D-25337 Elmshorn

Telefon: +49 (0)4121 4090-0
Fax: +49 (0)4121 4090-40

info@nordakademie.de

Standort Hamburg

NORDAKADEMIE Graduate School
Van-der-Smissen-Straße 9
22767 HAMBURG

Tel.: +49 (0)40 554387 – 300
Fax: +49 (0) 40 554387 – 400

master-office@nordakademie.de

Internet

www.nordakademie.de

Der Balance-Akt

Meetings, Reisen, lange Arbeitszeiten – ein Coffee to go hier, ein Sandwich da, eine Portion Pommes dort, Fitnessarmbänder zeigen zumindest, wie man die Kalorien wieder abtrainiert – aber reicht das? Schnell stellt sich die Frage der Work-Life-Balance. Der karriereführer recherchiert zu „Life“ an den unterschiedlichen Schnittstellen zu „Work“ und „Balance“. Dabei ist z.B. gesunde Ernährung gerade in den ersten Jahren in der Arbeitswelt eine echte Herausforderung für viele Young professionals. Sabine Voshage stellt eine noch wenig beachtete Balance in den Mittelpunkt: das Säure-Basen-Gleichgewicht. Was es damit auf sich hat, lest ihr hier.

Sabine Voshage, Foto: privat
Sabine Voshage, Foto: privat
Sabine Voshage ist Ernährungsexpertin, Buchautorin und Bloggerin. Sie nahm eine eigene Krankheit zum Anlass, sich ernährungswissenschaftlich weiterzubilden. Heute verwendet die passionierte Köchin und Bäckerin ausschließlich basische und gute säurebildende Lebensmittel zur Zubereitung ihrer “gesunden und genussvollen” Speisen. Ihre (Er-)Kenntnisse veröffentlichte sie in zahlreichen Büchern zur basischen Ernährung. https://sabinevoshage.com
Die basische Ernährung ist im Gegensatz zu vielen anderen Ernährungsformen keine „neue Erfindung“, denn die Wurzeln reichen bereits bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im Zusammenhang mit der basischen Ernährung liest man oft den Namen Ragnar Berg, der ein schwedischer Chemiker und Ernährungswissenschaftler war. Dieser hat wie kein anderer die Ernährung mit basischen Lebensmitteln in der Zeit von 1905 bis 1937 bekanntgemacht. Seit 1940 ungefähr gehört der Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts zur Grundtherapie in der Naturheilkunde. Die Schulmedizin ist dagegen eher skeptisch, wobei es mittlerweile immer mehr Ärzte gibt, die der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Übersäuerung und Entsäuerung nicht mehr ablehnend gegenüberstehen und die basische Ernährung und ihre positiven Auswirkungen auf den Körper befürworten.

Der Säure-Basen-Haushalt

Die wenigsten kennen die überaus wichtige Bedeutung des Säure-Basen-Haushalts für den Menschen, dabei ist es eigentlich ganz einfach. Gesundheit ist mit Basen und Krankheit mit Säuren verbunden. Wobei man die Säuren aber nicht komplett verdammen darf, denn auf das richtige Maß kommt es an. Das Problem heutzutage ist ein Übermaß an Säuren und ein Mangel an Basen. Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist somit eine sehr wichtige Voraussetzung für unsere Gesundheit, wenn nicht die wichtigste überhaupt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen von den gesundheitlichen Vorteilen einer Ernährungsumstellung profitieren. Oftmals ist es für viele die letzte Rettung aus einem Labyrinth von Beschwerden, Krankheiten, Tabletten, verschiedenen Ärzten und gescheiterten Versuchen nach Verbesserung ihrer Lebensqualität. Denn eines darf man nicht vergessen:
Der richtige pH-Wert ist für alle Körperbereiche äußerst wichtig und ein Ungleichgewicht führt zu Krankheiten und Alterungserscheinungen!
Der Säure-Basen-Haushalt beim Menschen regelt sämtliche Körperfunktionen, von der Atmung bis zum Hormonhaushalt. Ohne einen funktionierenden Säure-Basen-Haushalt kann der Mensch nicht leben. Das ist auch keine neue Erfindung, das war schon immer so. Somit ist die basische Ernährung der Schlüssel zur Gesundheit. Spricht man von Säuren und Basen, dann spricht man vom pH-Wert, der ein Messwert für den Grad der sauren bzw. basischen Reaktion einer wässrigen Lösung ist. Da der menschliche Körper zu 70% aus Wasser besteht, laufen sämtliche Stoffwechselreaktionen in einer wässrigen Umgebung ab. Das bedeutet, dass man den pH-Wert dieser Flüssigkeiten in den verschiedenen Bereichen des Körpers messen kann. Der richtige pH-Wert ist für alle Körperbereiche äußerst wichtig und ein Ungleichgewicht führt zu Krankheiten und Alterungserscheinungen!

Die Pufferkapazität

Der Körper ist den ganzen Tag über damit beschäftigt, Säuren und Basen im Gleichgewicht zu halten. Dieses Säure-Basen-Gleichgewicht wird durch die Puffereigenschaften des Blutes und des Gewebes, den Gasaustausch in der Lunge und die Ausscheidungsmechanismen der Niere reguliert. Das komplexe Puffersystem des Blutes wird als Blutpuffer bezeichnet und besteht aus vier Puffersystemen. Und nun kommt das Entscheidende: die Pufferkapazität. Sie bedeutet für den Körper, aus eigener Kraft in der Lage zu sein, das Säure-Basen-Gleichgewicht zu regulieren, ohne dabei körpereigene Reserven anzugreifen. Die körpereigenen Reserven sind die Bereiche, wo die basenbildenden Mineralstoffe eingelagert sind, wie z.B. die Knochen und Knorpel, die Zähne, aber auch der Haarboden.

Basische und säurebildende Lebensmittel

An diesem Punkt kommt dann die Ernährung ins Spiel. Alle Lebensmittel, die es gibt, werden vom Körper unterschiedlich verstoffwechselt. Ein Teil der Lebensmittel wird basisch verstoffwechselt und der andere Teil säurebildend. Die basischen Lebensmittel stellen für den Körper kein Problem dar, die säurebildenden hingegen schon.
Die meisten Menschen essen fast nur schlechte säurebildende Lebensmittel und keine guten.
Das Verhältnis von basischen und säurebildenden Lebensmitteln sollte 70-80% basisch und 20-30% sauer betragen. So etwas nennt man dann eine basenüberschüssige Ernährung. Sehr viele essen aber genau umgekehrt und hier liegt das erste Problem. Des Weiteren werden die säurebildenden Lebensmittel unterteilt in gute und schlechte Säurebildner. Hier kommt das nächste Problem! Die meisten Menschen essen fast nur schlechte säurebildende Lebensmittel und keine guten. Deswegen stellt sich erstmal eine einfache Frage: Welche Lebensmittel für eine basische Ernährung und für basische Rezepte sind denn überhaupt die richtigen?

Was Säuren/Schlacken im Körper anrichten

Säuren, die über die Nahrung zugefügt werden, müssen mit Basen neutralisiert werden. Eine Base neutralisiert eine Säure – das ist einfache Chemie. Die Säuren müssen auch unbedingt neutralisiert werden, denn sie haben ätzende Eigenschaften und schädigen sonst die Zellen.

Buchtipp zur basischen Ernährung

Sabine Voshage. Basische Rezepte: Basische und basenüberschüssige Rezepte zum Kombinieren, 2020, ISBN: 978-1654690694

Preis € 8,99 (eBook € 4,99) (Amazon-Werbelink)

Sind die Säuren neutralisiert, werden sie als Neutralsalze bezeichnet und müssen den Körper schnellstens wieder verlassen. Das geschieht über den Urin und den Stuhl, aber auch die Haut scheidet jede Menge Säuren aus (bzw. Neutralsalze). Der Körper kann jedoch täglich nur eine begrenzte Anzahl an Säuren ausscheiden! Der Rest muss im Körper eingelagert werden. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Schlacken, die unseren Organismus zumüllen. Schlacken lagern sich überall ein und dadurch entstehen Krankheiten. Der Körper wird somit von zwei Seiten angegriffen: Zum einen durch die eingelagerten Schlacken, die durch einen viel zu hohen Verzehr von säurebildenden Lebensmitteln entstehen. Zum anderen durch das Plündern der körpereigenen Reserven, in denen die basenbildenden Mineralstoffe eingelagert sind. Diese werden vom Körper benötigt, um die Säureflut, die wir ihm täglich antun, zu bekämpfen.

Eine Ernährungsumstellung ist nicht schwer

Die basische Ernährung bringt dem Organismus das gesunde Säure-Basen-Gleichgewicht wieder zurück. Dabei muss man seine Ernährung auch nicht von heute auf morgen komplett umstellen. Es ist genauso gut möglich und auch wirkungsvoll den Weg der langsamen Umstellung zu wählen. Der Vorteil dabei ist, dass man seinen Körper nicht überfordert und Step by Step mehr in die Thematik hereinwächst. Dadurch, dass man schnell gesundheitliche Erfolge verspürt, wird man zudem motiviert, den nächsten Schritt zu gehen. Sie können meine bewährte Anleitung „Schritt für Schritt in die basische Ernährung“ kostenlos herunterladen.

Meyer-Galow: „Wir sind Wechselwirkung“

„Wir sind Wechselwirkung“, sagte Erhard Meyer-Galow, Chemiker und Präsident der 1962 gegründeten Humboldt-Gesellschaft, die sich der Förderung der Wissenschaft, Kunst und Bildung verschrieben hat, auf ihrer Jahrestagung in Berlin. Damit bezog er sich anlässlich des 250. Geburtstages Humboldts auf einen häufig zitierten Ausspruch des Namensgebers der Gesellschaft: „Alles ist Wechselwirkung“. Sehen Sie seine inspirierende Rede hier:

BREMER SE

Branche
Bauunternehmen, Projektentwicklung

Produkte/Dienstleistungen
In Deutschland zählt BREMER zu den führenden Unternehmen im schlüsselfertigen Industrie- und Gewerbebau. Als ganzheitlicher Anbieter in der Immobilien- und Bauwirtschaft begleiten wir unsere Kunden von der Projektentwicklung über die Fertigung in eigenen Werken bis hin zum schlüsselfertigen Bau und den Serviceleistungen für das Gebäude im laufenden Betrieb. Das 1947 gegründete Familienunternehmen ist an 15 Standorten in Deutschland und zwei Standorten in Polen tätig und erzielt eine Betriebsleistung von etwa 1.100 Mio. EUR. Rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich täglich mit Leidenschaft für den Erfolg unserer Kunden.

Anzahl der Standorte
Zentrale in Paderborn
15 Standorte in Deutschland, 2 Niederlassungen in Polen

Jahresumsatz
Die Betriebsleistung betrug 2023 insgesamt 1.100 Mio. EUR

Anzahl der MitarbeiterInnen
1.400

Gesuchte Fachrichtungen
Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur, Elektroingenieurwesen

Einsatzmöglichkeiten
Bauleitung, Controlling, Akquisition, Kalkulation, Ausschreibung und Vergabe, Architektur, TGA (technische Gebäudeausrüstung)

Einstiegsprogramme
Studienbegleitende Praktika
Abschlussarbeiten Bachelor-/Master­-Studiengänge Werkstudenten

Mögliche Einstiegstermine
Laufend

Auswahlverfahren
Interview

Einstiegsgehalt
variiert

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Ansprechpartner
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33098 Paderborn

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Internet
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„Es geht um die Qualität des Bauens“

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Ein Gespräch mit Jutta Beeke, Vizepräsidentin BAUINDUSTRIE

Jutta Beeke, Foto: BAUINDUSTRIE
Jutta Beeke, Foto: BAUINDUSTRIE
Frau Beeke, die Bauwirtschaft erlebt seit einigen Jahren einen fast schon unbeschreiblichen Aufschwung. Was bedeutet diese Entwicklung für junge Bauingenieurinnen und Bauingenieure? Für junge Bauingenieurinnen und Bauingenieure bestehen in der Bauwirtschaft hervorragende Zukunftsaussichten, denn die derzeitigen Herausforderungen zum Beispiel im Wohnungsbau, der Infrastruktur oder der Energieversorgung werden nicht kurzfristig bewältigt werden können, sondern führen langfristig zu einer verstärkten Nachfrage. Dazu kommt die demografische Entwicklung: Der Altersdurchschnitt in den Unternehmen der Bauwirtschaft führt zu einem enormen Bedarf an Nachwuchskräften. Und dies gilt nicht nur für die Bauunternehmen, sondern im selben Maß auch für zahlreiche Planungsbüros oder zum Beispiel die öffentlichen Bauverwaltungen. Die Themen sind dabei so vielfältig, dass zahlreiche berufliche Optionen bestehen. Zukünftigen Bauingenieurinnen und Bauingenieuren stehen daher alle Wege offen. Gleichzeitig herrscht ein Mangel an Fachkräften. Was machen die Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft, um zukünftig verstärkt auch Bauingenieurinnen anzusprechen und sie von dem doch sehr projektbezogenen Alltagsgeschäft für einen Einstieg in die Branche zu überzeugen? Zunächst einmal bin ich sehr froh, dass die Zahl der Studienanfängerinnen im Bauingenieurwesen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist und mittlerweile bei knapp 30 Prozent liegt. Dies zeigt sich auch im Alltag der Bauunternehmen, bei denen immerhin 27 Prozent der beschäftigen Bauingenieure/innen weiblich sind. Natürlich ist dies aber immer noch steigerungsfähig. Generell bietet die Bauindustrie vielfältige Einsatzmöglichkeiten, die auch und gerade für Bauingenieurinnen attraktiv sein können. Die von Ihnen genannte Projektarbeit kann zwar eine erhöhte Mobilität erfordern, aber gerade in Leitungsfunktionen bietet zum Beispiel die Digitalisierung auch zahlreiche Möglichkeiten, die dazu führen, dass man nicht zwangsläufig immer unterwegs sein muss. Zudem gibt es viele langfristige ortsgebundene Projekte. Außerdem führen wechselnde Projekte dazu, dass nie Langeweile aufkommt, sondern immer neue Fragestellungen auftreten, für die fachgerechte, aber auch kreative Lösungen gefragt sind. Dabei sind insbesondere kommunikative Fähigkeiten gefragt. Letztlich geht es immer um die Qualität des Bauens. Der Teamgedanke steht dabei im Mittelpunkt, und bei der Bauleitung laufen alle Fäden zusammen. In Sachen Attraktivität hat die Bauwirtschaft daher viel zu bieten. Die deutsche Bauindustrie wächst nicht nur, sondern befindet sich auch selbst in einem gravierenden Wandel. Welche Baustellen sind hier vorrangig abzuarbeiten – und wie wirken sich diese auf die Arbeit von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren aus? Die größte Baustelle im Sinne von Herausforderung sind sicher die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Prozess des Bauens. Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen wandeln sich auch in der Bauindustrie die Prozesse aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Darauf muss sich jeder Nachwuchsingenieur und jede Nachwuchsingenieurin einstellen und entsprechendes Knowhow mitbringen. Auch wenn das Bauen nach wie vor einen starken handwerklichen Aspekt hat, setzen sich nicht nur in der Planung, sondern auch in der Ausführung immer mehr digitale Anwendungen durch und optimieren die Prozesse. Da in der Bauwirtschaft aber zahlreiche Akteure koordiniert werden müssen und Hand in Hand arbeiten, führen die neuen Möglichkeiten der Technik auch zu einem erheblichen Abstimmungsbedarf – solange noch keine einheitlichen Standards bestehen. Für deren Entwicklung setzen wir uns ein und versuchen, Erfolgsgeschichten in die Fläche zu bringen, um den Wandel bestmöglich zu unterstützen.

Bauvisionen für Mensch und Klima

Das Bauwesen steht vor einem grundlegenden Wandel: Um die Erderwärmung zu stoppen, muss die Branche neue Stoffe und innovative Gebäudetypen entwickeln. Das Ziel: null Emissionen, bauen im Einklang mit der Natur und Materialrecycling vor Ort. Gefragt sind Bauingenieure, die mutig weiterdenken und sich als Nachhaltigkeitsmanager verstehen. Gelingt das, ergeben sich für den Bau ganz neue Geschäftsfelder. Ein Essay von André Boße

Spricht man über die großen Klimasünder, verweisen die meisten zunächst auf die Mobilität und die Industrie. Autos, Flugzeuge, Fabriken – in der Tat gibt es in diesen Sektoren eine Menge zu tun. Doch auch das Bauen und das Wohnen belasten das Klima, ein Beispiel ist die Herstellung des Baustoffes Zement: Laut einer Berechnung des britischen Think Tanks Chatham House verursachen die vier Milliarden Tonnen Zement, die global jährlich produziert werden, rund acht Prozent des weltweiten Ausstoßes von CO2. Doch auch bereits genutzte Bauwerke sind für einen beträchtlichen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine Berechnung des Umweltbundesamts über den Energieverbrauch und die CO2-Ausstöße privater Haushalte zeigt, dass der Bereich „Wohnen“ den größten Anteil beim Energieverbrauch und bei den Treibhausgas-Emissionen hat. „Dies ist vor allem durch das Heizen der Wohnungen mit fossilen Brennstoffen wie Heizöl und Erdgas bedingt“, so das Umweltbundesamt. Wobei sich die Bilanz verbessert: Im Vergleich zum Jahr 2000 benötigt der Bereich „Wohnen“ 12,7 Prozent weniger Energie, kein anderer Sektor hat seinen Bedarf so sehr verringert.

Bündnis fordert eine Bauwende

Doch das ist erst der Anfang. Immer mehr Bauexperten fordern ein noch stärkeres Umdenken, um das Bauen und Wohnen in Sachen Klimaschutz einen großen Schritt nach vorne zu bringen. Das „Bündnis Bauwende“ zum Beispiel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Impulsgeber für Klimaschutz und Ressourcenschonung am Bau zu sein. Es fordert, die politischen Rahmenbedingungen für das Bauen so zu verändern, dass klimaschützendes und ressourcenschonendes Bauen zum Normalfall werden. „Aus unserem Verständnis von Nachhaltigkeit heraus wollen wir für Klimaschutz und Ressourcenschonung am Bau sorgen, in Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen und das zu vertretbaren Kosten“, heißt es in der Selbstbeschreibung des Bündnisses.

Ökologische Wohnraumoffensive

Wohnraum ist knapp, entsprechend viel soll neu gebaut werden. Für die „Kommission Nachhaltiges Bauen“ (KNBa), die das Umweltbundesamt berät, bietet sich damit die „einmalige Chance, klimaschonendes Bauen und zukunftssicheren Städtebau in der Breite zu verankern sowie über angepasste KfW-Förderprogramme die im Gebäudesektor versäumten Maßnahmen zum Klimaschutz nachzuholen“. Wichtig sei, dass kompakte, gemischtgenutzte Stadtquartiere zum Standard werden – „sie bieten eine höhere Wohnqualität und sind zudem deutlich günstiger zu Fuß, per Fahrrad oder durch den öffentlichen Nahverkehr erschließbar als großflächig zersiedelte Gebiete.“ Auch müsse mit öffentlichen Geldern gefördertes Bauen im Einklang mit den internationalen Klimaschutz-Vereinbarungen stehen: „Nur klimaschonende Gebäude mit hoher gestalterischer und Aufenthalts-Qualität garantieren auf Dauer attraktiven Wohnraum“, so Dr. Burkhard Schulze Darup, stellvertretender Vorsitzender der KNBa.
Dabei versteht es die drei Teilaspekte der Nachhaltigkeit – also Ökologie, Soziales und Wirtschaft – als drei Teile eines Bauwerks: „Die Ökologie ist das Fundament, das Soziale der Baukörper und die Ökonomie das Dach. Ein Gebäude ist nur brauchbar, wenn alle drei Elemente taugen. Aber ein Fehler im Fundament kann nicht durch ein besseres Dach ausgeglichen werden.“ Hieraus ergibt sich eine neue Hierarchie der Teilaspekte: „Denn in einer Welt, die aus den Fugen gerät, hilft es nicht, wenn Häuser besonders wirtschaftlich sind.“ Die Ökologie – also das Fundament – wird damit zum bestimmenden Faktor. Die Bauwende, die das Bündnis fordert, stellt damit durchaus einen Paradigmenwechsel dar. Gefragt sind also Bauingenieure, die sich als Nachhaltigkeitsmanager verstehen, die also sinnbildlich jeden Stein umdrehen, um zu hinterfragen: Gibt es Alternativen?

Forderung nach der dreifachen Null

Aber wie weit kommt man damit in der Praxis? Werner Sobek zählt zu Deutschlands renommiertesten Vertretern einer neuen und nachhaltigen Baukultur. Zu den Bauwerken des studierten Bauingenieurs und Architekten zählen das Sony Center in Berlin oder der Post Tower in Bonn. Die von ihm entwickelten Wohnhäuser betrachtet er als Versuchsanordnungen und Experimentierfelder, um innovative Technologien zu testen. In diesem Zusammenhang entstand auch Sobeks Nachhaltigkeitskonzept „Triple Zero“, das definiert, welche Anforderungen ein Gebäude in energetischer und materieller Hinsicht erfüllen sollte, um wirklich nachhaltig zu sein. Dabei müsse ein Gebäude drei Null-Kriterien erfüllen: „Zero Energy Building“ steht für einen Gebrauch von null Energie aus externen Quellen. „Zero Emission Building“ bedeutet, dass das Gebäude null Kohlendioxid-Emissionen erzeugt. Hinter „Zero Waste Building“ steckt das Gebot, dass das Gebäude bei Umbau oder Abbau null Abfall hinterlässt: „Alle Bauteile können am Ende des Lebenszyklus vollständig, ohne jedwede zu verbrennende oder zu deponierende Anteile, rezykliert werden. Das Grundstück kann ohne Altlasten oder sonstige verbliebene Rückstände renaturiert werden“, heißt es in Sobeks Definition. Nur eine Utopie? Wer es nicht glaubt, kann Werner Sobek besuchen: Sein Wohnhaus in Stuttgart trägt den nüchternen Projektnamen R128 – und hier zeigt der Pionier des nachhaltigen Bauens: Die dreifache Null steht.

Wenn Häuser zu Energiespeichern werden

Auch Timo Leukefeld zählt zu den visionären Vordenkern einer neuen Art des Bauens und Wohnens. Sein großes Thema ist die Energieautarkie, in diesem Bereich berät er Bauherren bei der Planung und Sanierung konkreter Bauprojekte und lehrt an verschiedenen Hochschulen als Honorarprofessor das Thema „Vernetzte energieautarke Gebäude“. Seine Thesen erhalten einige Sprengkraft, weil sie an den Grundfesten der Ökonomie rütteln, wie wir sie kennen: Noch erleben wir eine Wirtschaft der Knappheit, doch diese werde bald abgelöst von einer „Ökonomie des Überflusses“, wie Timo Leukefeld in einem Beitrag für das Zukunftsinstitut schreibt. „Produkte und Dienstleistungen kosten immer weniger in einer Welt, in der 3D-Drucker ganze Häuser samt Einrichtung herstellen. Strom aus erneuerbaren Energien wird hierzulande in absehbarer Zeit nur noch etwa einen Cent pro Kilowattstunde kosten.“

Marktvolumen energieeffizienter Gebäude

Laut den Zahlen des Dienstleisters Statista wird sich das Marktvolumen für energieeffiziente Gebäude in den kommenden Jahren auf globaler Ebene mehr als verdoppeln. Lag es 2016 weltweit bei 133 Milliarden Euro, wird es laut Prognose im Jahr 2025 eine Größe von rund 312 Milliarden Euro betragen. Alleine in Deutschland wurden im Jahr 2018 rund zehn Milliarden Euro in nachhaltige Gebäude investiert.
Seine Vision von energieautarken Häusern sind Gebäude, die sich selbst mit Wärme versorgen und den notwendigen Strom für Haushaltsgeräte und Mobilität liefern. „Sie bauen dafür auf den kostenfreien und krisensicheren Rohstoff Sonne: Photovoltaikmodule und Solarthermiekollektoren teilen sich Dachflächen und Balkonbrüstungen. Langzeitspeicher halten Wärme und Strom für die Nutzer vor. Garagen und Parkplätze sind mit Elektro-Zapfsäulen ausgestattet“, so Leukefeld. Die Bilanz dieser Bauten berechnet er wie folgt: „Die Gebäude werden auf diese Art an die 70 bis 80 Prozent energieautark. Die Energiekosten für ein solches Gebäude liegen zudem etwa 70 Prozent unter denen eines Passivhauses.“ Trotz ihrer hohen energetischen Unabhängigkeit sollen die Gebäude nach Leukefelds Vorstellung Teil des öffentlichen Versorgungsnetzes bleiben – „in erster Linie, um ihre Elektro- und Wärmespeicher regionalen Energieversorgungsunternehmen zur Lagerung von Energieüberschüssen zur Verfügung zu stellen. Damit werden Häuser zu Energiezwischenspeichern: Überschüssiger Strom geht nicht verloren, Haushalte und Energieversorger profitieren, so Leukefeld. Ein Gebäude wechselt damit seine Rolle, es wandelt sich vom reinen Energieverbraucher zu einem smarten Nutzer.

Wertschöpfung im Bau auf dem Prüfstand

Für die Entwicklung solcher visionärer Häuser werden Bauingenieure benötigt, die sich nicht nur glänzend darauf verstehen, nachhaltig zu bauen. Ein Gebäude, das wie ein intelligenter Energieproduzent und Speicher funktioniert, benötigt eine Reihe Features, die von Vertretern verschiedener Disziplinen entwickelt werden müssen. Hier trifft das Know-how der Bauingenieure auf die Motivation von Architekten sowie das Wissen von IT-Spezialisten und Energetikern. Aber auch wirtschaftliche und vertragliche Expertisen sind wichtig, um Gebäude in diesem innovativen „Energie-Smart-Grids“ gewinnbringend zu platzieren. Auf diese Art finden laut Timo Leukefeld „Energieversorgungsunternehmen, Wohnungswirtschaft und Banken neue lukrative Geschäftsmodelle“. Und diese sind nötig in einer Wirtschaft, in der, wie der Experte voraussagt, die Kosten für den eigentlichen Bau deutlich zurückgehen werden, weil neue und enorm effiziente Techniken immer mehr Aufgaben übernehmen. Liegt der Experte richtig, wird auch in der Baubranche eine neue Art der Wertschöpfung entstehen.

Boot, Baum oder Tiny House?

Laut einer Studie des Baufinanz-Dienstleisters Interhyp gaben 53 Prozent der Befragten an, dass ihnen Energieeinsparung und Umweltschutz bei der Planung eines Baus sehr wichtig wären; für 34 Prozent ist das Thema immerhin wichtig. Nur rund vier Prozent der Befragten halten Umweltbelange bei der Hausplanung für nicht relevant. Offen zeigten sich die Teilnehmenden bei alternativen Wohnformen: 43 Prozent der Befragten können sich das Wohnen in einem Ökohaus vorstellen, 29 Prozent in einem Mehrgenerationenhaus. Kleinsthäuser – sogenannte Tiny Houses – kommen immerhin noch für 13 Prozent in Frage, den Bezug eines Baumhauses können sich 11 Prozent vorstellen, ein Hausboot liegt sogar bei 29 Prozent.

Betonrecycling vor Ort: Rezeptur gesucht

Aber egal, wie innovativ die neuen Häuser auch sein werden: Was die Umwelt weiter belasten wird, ist der Baubestand – und zwar auch dann, wenn er abgerissen wird. Denn während der Schutt energieaufwändig entsorgt wird, entstehen an anderer Stelle mit hohen Energiekosten und CO2-Emissionen Baustoffe für das neue Gebäude. Was wäre also naheliegender, als alte Baustoffe vor Ort in neue umzuwandeln: ein Recycling dort, wo das Material benötigt wird. Ein Forschungsprojekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München entwickelt derzeit Rezepturen für eine solche Art von Recycling-Beton. Dabei ist innovatives Denken notwendig, weil die Regulierungen in Deutschland nur eine begrenzte Zumischung von grobkörnigem Recycling-Beton erlauben. Wie sinnvoll sind diese Regelungen, wenn man den Einsatz des recycleten Betons auf bestimme Wände beschränkt? Und wie ändert sich die Belastbarkeit des Bauschutts, wenn man bestimmte Parameter der Rezeptur ändert? Diesen Fragen geht ein Forschungsteam um Andrea Kustermann nach. Die Professorin für Bauingenieurwesen glaubt, dass Recycling- Beton mit 100 Prozent wiederverwerteter Gesteinskörnung durchaus für neue Hochbau-Konstruktionen geeignet ist. „Man muss die Materialeigenschaften allerdings genau kennen, um beurteilen zu können, wo ein Werkstoff eingesetzt werden kann – es macht einen großen Unterschied, ob man eine Innenwand daraus baut, die kaum Frost ausgesetzt wird, oder eine Fassade“, so die Professorin. Noch läuft die Forschung. Das Team will aber schon bald die Genehmigung für den Einsatz des 100-prozentigen Recycling-Materials bei der Baubehörde beantragen –2020 sollen dann die ersten temporären Gebäude aus den Baustoffen entstehen, die beides sind: alt und neu.

Baubotanik: Technik im Verbund mit Pflanzen

Noch einen Schritt weiter geht Ferdinand Ludwig, Professor an der TU München und dort Begründer eines neuen Forschungsberichts namens Baubotanik. Ziel der Forschung ist die Entwicklung von Bauwerken, die durch das Zusammenwirken „technischen Fügens und pflanzlichen Wachsens entstehen“, beschreibt Ludwig seinen Ansatz. „Dazu werden lebende und nicht-lebende Konstruktionselemente so miteinander verbunden, dass sie zu einer pflanzlich-technischen Verbundstruktur verwachsen: Einzelne Pflanzen verschmelzen zu einem neuen, größeren Gesamtorganismus, und technische Elemente wachsen in die pflanzliche Struktur ein.“ Dabei geben, so Ludwig, die funktionale wie gestalterische Integration von Pflanzen nicht nur Antworten auf die brennenden ökologischen Fragen unserer Zeit. „Sie stellt auch eine methodische Herausforderung dar, wie mit Aspekten von Wachsen und Vergehen, von Zufall und Wahrscheinlichkeit im Entwurf umgegangen werden kann.“ Auch hier zeigt sich, dass es für Bauingenieure in Zukunft verstärkt darum gehen wird, sehr weit zu denken: Die Bauvision für die kommenden Jahrzehnte steht auf vielen Säulen. Dabei geht es um nicht weniger als um Bauwerke, die nicht mehr Fremdkörper für die Umwelt sind, sondern das Ökosystem nicht stören – oder mehr noch: Es bereichern. An dieser Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft teilzuhaben, das ist für junge Bauingenieure zugleich Herausforderung und Chance.

Buchtipp

Cover Moralische Verantwortung von BauingenieurenMoralische Verantwortung von Bauingenieuren Dr. Michael Scheffler hat Bauingenieurwesen und Philosophie studiert. In seinem Buch „Moralische Verantwortung von Bauingenieuren“ erörtert er Grundsatzfragen des Handelns im Alltag von Bauingenieuren insbesondere im Hinblick auf den derzeitigen Stellenwert und die Wahrnehmung moralischer Verantwortung. Bestehende Störungen werden freigelegt, Problemstellungen diskutiert und vordringliche Handlungsbedarfe aufgezeigt. Michael Scheffler: Moralische Verantwortung von Bauingenieuren. Springer 2019, 18 Euro. (Werbelink)