„Wir brauchen eine neue Gemeinschaft am Bau“

Wenn es um die Entwicklung der Methode von Building Information Modeling, kurz BIM, geht, gehört Professor Dipl.-Ing. Hans-Georg Oltmanns in Deutschland zu den profiliertesten Köpfen. Der Bauingenieur nutzt BIM für sein eigenes Ingenieurbüro. Zudem lehrt er zu dem Thema an der Hochschule Oldenburg und ist Mitglied des Vorstands der Initiative buildingSMART, die BIM vorantreibt. Im Interview erläutert der 65-Jährige, was BIM mit den Baumeistern aus dem Mittelalter zu tun hat. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Professor Dipl.-Ing. Hans-Georg Oltmanns, Foto: Oltmanns & Partner
Professor Dipl.-Ing. Hans-Georg Oltmanns, Foto: Oltmanns & Partner

Prof. Dipl.-Ing. Hans-Georg Oltmanns, Jahrgang 1948, ist Prüfingenieur für Tragwerkplanung und Geschäftsführer des Ingenieurbüros Oltmanns & Partner in Oldenburg. Zudem ist er Mitglied des Vorstandes des Vereins buildingSMART, einer Initiative, die sich für die Umsetzung und Weiterentwicklung der BIM-Methode in Deutschland engagiert. An der Jade Hochschule Oldenburg hat Oltmanns einen Lehrauftrag mit Schwerpunkt BIM. Außerdem ist Oltmanns Mitglied der wissenschaftlichen Begleitung der Reformkommission „Großprojekte“ im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Leiter des Arbeitskreises BIM im Verband Beratender Ingenieure und im Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V. sowie Mitglied des Koordinierungskreises BIM-Richtlinien im VDI.

Herr Professor Oltmanns, wie weit ist die deutsche Baubranche in Sachen BIM?
Als fachübergreifende Arbeitsweise wird BIM bisher kaum angewendet. Allerdings nutzen viele Planungsbüros bereits die Werkzeuge. Die Mehrzahl der dort eingesetzten EDV-Programme könnten also für BIM verwendet werden.

Es fehlt aber noch jemand, der alle Daten zusammenführt.
Genau. Die starke Fragmentierung der deutschen Planungsbüros und das Fehlen von Standards erschweren ein einheitliches Vorgehen. Noch fehlen die Antreiber für Veränderungen. In den meisten europäischen Ländern, aber auch in Asien, den Golfstaaten und den USA, haben Bauherren und die Politik das Potenzial von BIM längst entdeckt. Häufig schreiben die Regierungen die Methode sogar vor. Deutschland hat hier einen erheblichen Nachholbedarf.

Wo liegen denn die besonderen Herausforderungen der BIM-Arbeitsmethode in der Praxis?
Die BIM-Methode erfordert von allen Beteiligten eine große Bereitschaft, sich zu organisieren und zusammenzuarbeiten. Von Beginn an sollten sich diese Akteure als eine „Projektgemeinschaft“ verstehen. Das heißt: Rollen und Rechte, Workflows und Planungsziele sind gemeinsam festzulegen. Jeder denkt für die anderen Beteiligten mit und fügt sich in die neuen Prozesse ein.

Ist das nicht mit Blick auf die vielen beteiligten Gewerke eine problematische Sache?
Schon. Aber was die Baumeister des Mittelalters uns beim Aufbau einer „Gemeinschaft am Bau“ vorgelebt haben, das können wir heute mithilfe der BIM-Methode nacheifern. Die Möglichkeiten der modernen IT-Technik überwinden Bürogrenzen und Entfernungen. Zeitraubende Besprechungstermine können reduziert werden, da man zu jeder Zeit visualisierte Planungsprobleme abstimmen kann. Das gemeinsame EDV-Datenmodell ersetzt dabei die „Datenbank“, die der Baumeister aus dem Mittelalter im Kopf haben musste.

Was muss sich strukturell noch ändern, damit der BIM-Methode der Durchbruch gelingt?
Die in Deutschland übliche Trennung von Planung und Ausführung muss unter Umständen aufgegeben und durch andere Vorgehensweisen ersetzt werden. Und die Tatsache, dass oft der billigste Preis den Ausschlag für eine Auftragsvergabe ist, führt erfahrungsgemäß schon heute zu einem großen Streitpotenzial – und ist außerdem keine Garantie für Qualität, Termin- und Preistreue.

Was bedeutet die BIM-Methode für Bauingenieure, welches zusätzliche Know-how wird für sie wichtig?
Vor dem Hintergrund der sehr EDV-orientierten Arbeitsweise wäre es naheliegend, einen entsprechenden Studiengang mit IT-Themen zu installieren. Ich halte das jedoch eher nicht für nötig, weil man die Grundkompetenzen der jungen Generation im Bereich der neuen Medien unterschätzt.

Was schlagen Sie stattdessen vor?
Um in der Zusammenarbeit mit den übrigen Fachplanern überhaupt deren Probleme zu verstehen, ist eher ein generelles Ingenieurwissen anzustreben. Bei einer zu frühen Spezialisierung wird die Zahl der Absolventen, die nur noch Teilprozesse der Bauwirtschaft kennen, weiter wachsen. Ich denke, eine Vertiefung oder ein Aufbaustudium nach einer Praxisphase ist wesentlich effektiver.

In welche Richtung wird sich BIM in naher Zukunft weiterentwickeln?
Ähnlich wie in der Automobil-, Flugzeug- und Schiffbauindustrie wird die BIM-Methode zu mehr Effizienz, Termintreue und Kostenreduzierung beitragen. Sie wird auch dabei helfen, Fehlplanungen zu vermeiden. Mit ihrer Hilfe kann die deutsche Wertschöpfungskette Bau den Anschluss an die internationale Konkurrenz wieder herstellen. Das große Ziel ist dabei ein „Big-Open-BIM“: Alle Daten eines Bauwerks können von allen Programmen problemlos übernommen und weiterbearbeitet werden. Vor der Realisierung eines Bauwerks können dann alle Funktionen simuliert und getestet werden. Und die kommenden Nutzer können ihr Bauwerk mit 3-D-Brillen bereits im Vorfeld begehen und erfahren.

Gläserne Projekte

Mit der offenen Building Information Modeling-Methode werden Bauprojekte transparent: Alle Beteiligten haben Zugriff auf die Daten der Projekte und können selber Informationen hinzufügen. Benötigt werden dafür Projektmanager, die die Prozesse einleiten, betreuen und kontrollieren. So entsteht ein neues Jobprofil für breit ausgebildete Bauingenieure mit einem Talent für fachübergreifende Kommunikation und Spaß an IT-Prozessen. Von André Boße

Auf einer Baustelle gibt es nichts, was es nicht gibt. Aber dieser große und moderne Bildschirm, vor dem sich Architekt, Bauleiter, Polier, Bauherr und Planer versammeln, der ist dann doch ungewöhnlich. Auf dem Monitor zu sehen ist das Gebäude, wie es einmal werden soll. Aber dahinter steckt noch viel mehr. Die Visualisierung kennt alle relevanten Daten der Baustelle. Und sie zeigt sie nicht nur in 3-D: Hier, beim Building Information Modeling, geht es bis in die fünfte Dimension.

BIM wird diese neue Methode abgekürzt. Der deutsche Begriff für die Arbeitsweise lautet Gebäudedatenmodellierung. In dieser Bezeichnung steckt bereits drin, dass es um mehr als die reine Visualisierung eines Gebäudes geht. Hinter den Bildern stecken Daten. Informationen, die weit über die Abmessungen und die Optik eines Gebäudes hinausgehen. „BIM beschreibt die Methode einer optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mithilfe von Softwareanwendungen“, definiert Dr. Matthias Jacob, technischer Geschäftsführer Bau bei Wolff & Müller die Methode. Das Stuttgarter Bauunternehmen ist im Hoch- und Tiefbau aktiv und gehört mit Blick auf den Einsatz von BIM zu den führenden Firmen in Deutschland. So gehört auf den Großbaustellen des Unternehmens der Einsatz der modernen Bildschirme bereits zur Normalität. „So überprüfen wir zum Beispiel die Aufmaße der Nachunternehmer, erstellen Tür- und Fensterlisten sowie unsere interne Leistungsmeldung“, sagt Jacob.

Die fünf Dimensionen
Doch wie kommt man denn nun beim BIM auf die fünf Dimensionen? „Alle relevanten Gebäudedaten werden in einem Modell eingebunden und miteinander vernetzt – und zwar sowohl die dreidimensionale Visualisierung als auch die Dimensionen Kosten und Zeit“, erläutert Matthias Jacob. Die Bauherren erhalten damit nicht nur früh in der Projektphase eine realistische Vorstellung des späteren Gebäudes, sondern die Planung wird so auch flexibler und verbindlicher. Jacob erklärt: „Das Planungsteam kann verschiedene Ausführungsvarianten virtuell durchspielen und dem Bauherrn zeigen, wie sich dadurch die Kosten verändern.“ Im Unterschied zur konventionellen Planung bezieht sich BIM zudem auf den gesamten Lebenszyklus der Immobilie. „Das macht es uns zum Beispiel möglich, die Kosten der späteren Energieversorgung oder eines Rückbaus zu prognostizieren“, so der technische Geschäftsführer. Die Vorteile der Methode liegen auf der Hand: Wenn es gut läuft, wissen alle Beteiligten mehr. Werden die Daten zudem klug analysiert und ausgewertet, können Fehler früh erkannt und Schwachstellen verbessert werden. Die Folge: Der Bau wird transparenter.

BIM: International schon Standard

Während die Experten feststellen, dass in Deutschland die Unternehmen noch Nachholbedarf haben, sind einige Nationen schon einen Schritt weiter. Der Bau- und IT-Dienstleister Bytes & Building hat den Stand der Dinge zusammengetragen: In den USA ist der Einsatz von BIM verpflichtend für die Neubauten der unabhängigen Bundesbehörde GSA und Teile der US-Army. In Norwegen, Finnland und Dänemark ist die Methode verpflichtend für alle öffentlichen Projekte, in Großbritannien ab 2016 für alle öffentlichen Bauvorhaben mit einem Budget von mehr als fünf Millionen Pfund. Das EU-Parlament empfiehlt BIM als Planungsmethode ab 2016 für die Europäische Union.

Klingt alles gut. Doch in der Praxis ergeben sich aus dem Konzept eine Menge Herausforderungen – zumal wenn BIM als offenes Modell konzipiert wird, auf das alle Beteiligten zugreifen können. Viele Experten befürworten diese Ausrichtung: „Jeder sollte in der Lage sein, das Modell und die für ihn besten Werkzeuge zu nutzen. Nur so können Projektbeteiligte problemlos Informationen austauschen und die Modelle anderer Gewerke in ihre eigene Planung einbeziehen“, fordert Michael Evans, Director Key Accounts & Education bei Tekla Corporation. Tekla ist ein Softwareunternehmen, das Lösungen für die Bauindustrie entwickelt. Jedoch verlangt diese Offenheit des Datenmodells nach einem neuen Teamgedanken am Bau. „Das Bauen hat sich über Jahrhunderte in viele verschiedene Fachdisziplinen aufgeteilt“, sagt der Bauingenieur und Informatiker Matthias Weise von AEC3, einem Beratungsunternehmen für Prozessoptimierung in der Bauindustrie. Diese Arbeitsteilung und Spezialisierung werde in Zukunft noch weiter zunehmen, wobei die neue Technik Integrationsarbeit leisten soll. „Jeder dieser Fachbereiche hat spezielle Sichten auf das Bauwerk entwickelt, die mit BIM nun wieder zusammengeführt werden“, so Weise. Dabei gehe es nicht darum, die verschiedenen Fachmodelle durch ein Einheitsmodell zu ersetzen. „BIM ist vielmehr die Basis für die gemeinsame Kommunikation, die von allen Beteiligten gewisse Kompromisse verlangt.“

Kommunikation und Datenpflege
Wo Kompromisse nötig sind, muss es Vereinbarungen geben. Und weil diese während der gesamten Projektphase erarbeitet, angepasst und überwacht werden, ergibt sich ein neues Jobprofil. Dieses ist wie geschaffen für Bauingenieure mit Freude an IT-Themen und einem Talent für das Projektmanagement. „Es wird am Bau neue Rollen geben, wie beispielsweise den BIM-Manager, der die Konsistenz und Vollständigkeit der Daten überwacht“, glaubt Matthias Weise. Wer als Bauingenieur hier eine führende Rolle spielen möchte, müsse fachübergreifend zu denken verstehen. „Fachplaner müssen in der Lage sein, die Planung auf Basis des BIM mit anderen Fachbereichen abzustimmen.“

Mit Vorteilen Zweifler überzeugen
Als Key-Account-Manager trifft Michael Evans sehr häufig auf Verantwortliche in den Bauunternehmen. Seine Aufgabe ist es dann, die Baumanager von den Vorteilen der BIM-Methode zu überzeugen – was nicht immer ganz einfach ist. „Wie bei jeder technischen Entwicklung wird es auch beim BIM immer wieder Zweifler geben, keine Frage“, sagt er. „Es gibt aber viele Aspekte, die schnell und eindeutig die Vorteile der Arbeit mit BIM herausstellen: beispielsweise die Reduzierung von Verzögerungen und Kosten durch fehlerhafte Bauteile, die geliefert wurden, weil im Vorfeld unzureichend kommuniziert und informiert worden ist.“ Das stärkste Argument für die neuen Methoden sei jedoch die Entwicklung der Bauindustrie selbst: „Bauwerke müssen mit immer höherer Präzision immer schneller fertiggestellt werden. Sie enthalten immer mehr Gebäudetechnik und müssen dabei eine Vielzahl von Auflagen erfüllen. Die Komplexität wächst – und ohne moderne Methoden wie BIM lassen sich heutige Projekte kaum noch realisieren.“

Mit Blick auf BIM sind in der Branche besonders junge Bauingenieure gefragt. Als Generation der „Digital Natives“ haben sie weniger Vorbehalte gegenüber Softwarelösungen: Wenn es darum geht, aus der BIM-Methode mobile Apps abzuleiten, weiß die junge Generation sehr genau, worauf es ankommt, damit diese Lösungen für Tablets oder Smartphones tatsächlich Sinn ergeben. Doch sollten Einsteiger nicht davon ausgehen, dass das Fachwissen im BIM-Zeitalter keine Rolle mehr spielt. „Ich möchte eindeutig betonen, dass die BIM-Arbeitsweise nicht das klassische Bauingenieur-Fachwissen ersetzt“, stellt Matthias Jacob von Wolff & Müller klar. „Dieses Knowhow ist weiterhin absolute Grundvoraussetzung, gerade bei der Nutzung von anspruchsvollen BIM-Werkzeugen.“ Schließlich könne die eingesetzte Software nur dann Daten verwerten und aufbereiten, wenn von Beginn an bautechnisches Ingenieurwissen in die Metadaten eingeflossen ist.

BIM ist erst der Anfang
Auch müssen sich Bauingenieure klarmachen, dass die neue Methode kein statisches Konzept ist. Mit BIM dockt die Bauindustrie an die IT-Branche an und wird damit auch den schnellen Rhythmus der Veränderungen auf diesem Gebiet kennenlernen. Und es werden sich zudem schon bald weitere neue Möglichkeiten ergeben. „Mit Blick auf die Nutzung vor Ort gewinnt schon heute der Einsatz von BIM über Cloud- Technologien und mobile Endgeräte an Bedeutung“, so Jacob. Speziell die RFID-Technologie – also elektromagnetische Sender-Empfänger-Systeme zum Identifizieren und Lokalisieren von Objekten – biete ein großes Potenzial. „RFID wird einen großen Beitrag dazu leisten, Betrieb und Wartung von Gebäuden über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren“, prognostiziert Matthias Jacob. Denkt man an dieser Stelle noch ein bisschen weiter, ist es in Zukunft vorstellbar, auch auf dem Bau die Vorteile des „Internets der Dinge“ zu nutzen. Das leitet in den Fabriken derzeit auch das Zeitalter der Industrie 4.0 ein. Denn eines ist klar: Mit BIM beginnt die endgültige Digitalisierung der Bauprojekte. Doch diese Methode ist nur ein erneuter Anfang.

BIM-Referenzprojekt in Braunschweig

Der Neubau des „Bürogebäudes Haus H“ von Volkswagen Financial Services in Braunschweig wird zu einem Vorzeigeneubau für die BIM-Methode. Auf der Baustelle sollen künftig modellhaft die Vorteile und Arbeitsweisen des Konzepts gezeigt werden. „Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu dienen, BIM insbesondere in der mittelständisch geprägten deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft zum Erfolg zu verhelfen“, heißt es vonseiten des Förderprojekts BIMiD. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Informationen über den Stand des Projekts gibt es auf der Website:
www.bimid.de

„Wir verstehen uns als Problemlöser“

Ein Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. E.h. Thomas Bauer, Präsident des Hautverbandes der Deutschen Bauindustrie

Ein Absolvent hat gerade sein schwieriges Studium des Bauingenieurwesens gemeistert. Warum haben sich die Anstrengungen gelohnt?
Zunächst gratuliere ich allen erfolgreichen Absolventen herzlich. Sie haben sich für einen spannenden Tätigkeitsbereich entschieden, und Sie treffen auf sehr gute Arbeitsmarktbedingungen! Der Beruf des Bauingenieurs ist sehr vielseitig und verantwortungsvoll. Städte, Länder und Kontinente durch Brücken und Tunnel verbinden, nachhaltig Energie erzeugen, die Gesundheit der Menschen durch sauberes Wasser erhalten, Gebäude in Sachen Klimaschutz optimal gestalten – das sind nur einige Herausforderungen, die Bauingenieure in der ganzen Welt meistern. Somit stehen erfolgreichen Absolventen viele Türen offen, um ihre Qualifikationen und Vorstellungen einbringen zu können.

Wo sehen Sie derzeit die zentralen Herausforderungen der Branche? Wie kann die junge Generation der Einsteiger mitarbeiten, diese zu bewältigen?
Eine der wichtigsten Aufgaben ist der Ausbau und Erhalt unserer Infrastruktur. Hier verstehen wir uns als Problemlöser, sei es bei der Realisierung von Verkehrsinfrastruktur wie Straßen und Brücken, bei der energetischen Sanierung von Gebäuden oder dem Bau von Kraftwerken für die konventionelle oder alternative Energieerzeugung. Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel ist die Branche ebenfalls gefordert. Hier geht es in erster Linie um die Entwicklung flexibler Lösungen zum Beispiel für barrierefreies Wohnen und Arbeiten. Darüber hinaus wird die rasante Digitalisierung des Bauwesens durch das Building Information Modeling – kurz BIM – das Bauen insgesamt beträchtlich verändern mit direkten Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Bauingenieuren. IT-Affinität ist für Absolventen daher von großem Vorteil.

Zum Abschluss ein kurzer Rat an Absolventen: Was sollten sie unbedingt noch tun, bevor sie die ersten Bewerbungen verschicken?
Absolventen sollten sich in jedem Fall gründlich überlegen, welcher Arbeitgeber sich für den Berufseinstieg eignen könnte. Hierzu ist es zunächst hilfreich, einige grundlegende Entscheidungen zu treffen: Mittelstand oder internationaler Konzern, Traineeprogramm oder Direkteinstieg, nationale oder internationale Projekte etc. Abhängig von diesen Entscheidungen sollte man sich dann über die einzelnen Angebote der Arbeitgeber informieren und gezielt nach passenden Stellen suchen. Sobald die Entscheidung getroffen ist, wie der Einstieg erfolgen soll, gestaltet sich die Suche um ein Vielfaches einfacher. Und auch im Bewerbungsverfahren sollte der Bewerber deutlich machen, warum er sich genau für diese Stelle in diesem Unternehmen entschieden hat und welche Qualifikationen er dafür mitbringt.

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Videobewerbung

Um aus der Masse der Mitbewerber herauszustechen, fertigen manche Absolventen Videobewerbungen an. Führen diese wirklich zum Erfolg? Von Sabine Olschner

In Zeiten von immer mehr bewegten Bildern im Internet ist die Versuchung groß, auch bei seiner Bewerbung auf Bild und Ton statt auf das geschriebene Wort zu setzen. In manchen Branchen und Unternehmen mag eine Videobewerbung sinnvoll sein, durchgesetzt hat sie sich aber bisher in der deutschen Wirtschaft noch nicht – in den USA sieht das schon anders aus. In kreativen Berufen sind Bewerbungsvideo schon häufiger zu sehen, bei den klassischen Branchen bisher kaum. Bevor Sie sich also die Arbeit machen, sollten Sie unbedingt bei Ihrem Wunscharbeitgeber nachfragen, ob solch ein Video überhaupt erwünscht ist.

Wenn Sie sich für ein Bewerbungsvideo entscheiden, sollten Sie ein paar wichtige Regel beachten:

  • Ein Video sollten Sie immer als Ergänzung zu einer klassischen Bewerbung sehen, niemals als Ersatz.
  • Entsprechend sollte das Video auch nicht einfach die Inhalte der schriftlichen Bewerbung wiederholen, sondern einen echten Mehrwert bieten. Sie könnten tiefer auf Ihre Motivation eingehen, Ihre Fähigkeiten durch Praxisbeispiele untermauern oder – bei kreativen Berufen – Arbeitsproben vorstellen.
  • Personaler haben für eine Bewerbung wenig Zeit. Daher sollte Ihr Video auf keinen Fall länger als zwei Minuten dauern.
  • Bevor Sie loslegen, schreiben Sie ein Drehbuch: Was wollen Sie im Video sagen? Wie wollen Sie sich bewegen? Was ist die Botschaft, die Sie vermitteln wollen? Welche Geschichte wollen Sie erzählen?
  • Lesen Sie Ihre Botschaft nicht ab, sondern erzählen Sie frei und ohne Notizen. Verwenden Sie trotzdem eine professionelle Sprache, wie Sie sie auch im Vorstellungsgespräch nutzen würden, und benutzen Sie Fachausdrücke, die in der Branche üblich sind. Zu viele Füllwörter wie Ähm und Ööh lenken ab und wirken nicht sehr professionell.
  • Achten Sie auf einen guten Anfang und einen guten Schluss des Filmes: Das sind die beiden Teile, die dem Personaler am ehesten im Gedächtnis bleiben.
  • Wenn Sie nicht schon viel Erfahrung mit dem Filmen haben, bringen Aufnahmen selten gute Ergebnisse. Daher ist es besser, einen Profi zu engagieren, der weiß, wie man die Kamera führt, der für gute Lichtverhältnisse sorgt und Ihnen weitere Tipps zu Ihrem Auftreten geben kann. Auch ein professionelles Make-up zahlt sich vor der Kamera aus.
  • Das fertige Video sollten Sie dem Personaler möglichst leicht zugänglich machen. Auf keinen Fall per E-Mail schicken, denn die Videodatei ist in der Regel viel zu groß zum Versand. Besser ist ein Link, der den Personaler direkt zu dem Video führt, das beispielsweise auf einem Server liegt. Wenn Sie eine eigene Bewerbungswebsite haben, ist dies der perfekte Platz für solch ein Video.

Fazit

Wenn Sie sich zutrauen, ein Bewerbungsvideo zu erstellen, können Sie es als zusätzliche Strategie für Ihre Bewerbung nutzen. Aber nur, wenn Ihre Wunschbranche prinzipiell für solch einen Bewerbungsweg offen ist und Sie sich damit auch wohlfühlen. Ansonsten können Sie sich die Zeit und das Geld lieber sparen und stattdessen noch mehr Aufwand in die klassische Bewerbung stecken.

Vorstellungsgespräch per Skype

Wer heutzutage eine Stelle sucht, muss flexibel sein. Nicht selten findet sich ein gutes Angebot in einer anderen Stadt oder sogar im Ausland. Um den zeitlichen und finanziellen Aufwand für ein Vorstellungsgespräch zu mindern, setzen immer mehr Unternehmen auf die Technik und laden Bewerber zu einem Skype-Gespräch ein. Was müssen Sie dabei beachten? Von Sabine Olschner

Ein Vorstellungsgespräch per Skype wird meist als erstes Auswahlinstrument verwendet, wenn Unternehmen sich erst einmal einen Eindruck von verschiedenen Bewerbern verschaffen wollen, ohne sie direkt zu einem Vor-Ort-Termin einladen zu müssen. Trotzdem gilt: Nehmen Sie solch ein Skype-Gespräch nicht auf die leichte Schulter! Sie sollten sich genauso gut darauf vorbereiten wie auf ein persönliches Treffen vor Ort.

Dies sind die wichtigsten Tipps für ein erfolgreiches Skype-Gespräch:

  • Stellen Sie sich auf die klassischen Fragen ein, die in einem Vorstellungsgespräch in der Regel vorkommen und bereiten Sie Ihrerseits Fragen vor, die Sie dem Unternehmen stellen wollen.

  • Achten Sie darauf, dass Sie angemessen gekleidet sind – genau so, als ob Sie sich persönlich mit dem Personaler treffen wollten.

  • Bevor Sie mit dem Skype-Gespräch beginnen, checken Sie Ihr Profilfoto und Ihren Benutzernamen auf Skype – beide sollten seriös und professionell sein. Am besten wählen Sie als Profilbild ein Bewerberfoto.

  • Wählen Sie den Ort, an dem das Videogespräch stattfinden sollen, sorgfältig aus: Der Hintergrund sollte idealerweise neutral sein, damit der Personaler nicht durch bunte Poster oder Ihre Ferienfotos an der Wand abgelenkt ist.

  • Überprüfen Sie, ob die Technik gut funktioniert: Läuft das Programm problemlos? Sind die Lautsprecher und das Mikrofon in der richtigen Lautstärke eingestellt? Haben Sie eine stabile Internetverbindung für das Gespräch? Um volle Leistung zu erhalten, schließen Sie sämtliche andere Programme auf Ihrem Computer. Ein Headset sorgt für bessere Tonqualität als das eingebaute Mikrofon.

  • Sorgen Sie dafür, dass Sie während des Gesprächs absolute Ruhe habe: Kinder und Haustiere sollten nicht stören, und auch Ihr Handy sollten Sie auf lautlos stellen – oder noch besser ganz ausschalten, damit es keine Rückkoppelungen gibt.

  • Lassen Sie keine Lampe direkt auf die Kamera scheinen, dann erkennt man Sie nicht. Stattdessen sollte Ihr Gesicht von vorn gleichmäßig beleuchtet werden. Das Licht sollte jedoch nicht zu grell sein, weil Sie ansonsten zu blass wirken oder Ihnen unvorteilhafte Schatten aufs Gesicht fallen.

  • Passen Sie auf, dass Sie sich nur im Radius Ihrer Kamera bewegen, weil der Personaler Sie sonst aus den Augen verliert. Die Körpersprache ist bei Skype-Gesprächen zudem besonders wichtig, weil Ihr Gegenüber Sie während des gesamten Gesprächs am Bildschirm im Fokus hat. Ihre Hände gehören immer in Sichtweite.

  • Ihre Notizen sollten Sie möglichst neben dem Computer platzieren und nicht im Aufnahmebereich der Kamera.

Am besten üben Sie solch ein Gespräch einmal mit einem Freund, um vermeidbare Stolperfallen während des späteren Gesprächs mit dem Personaler auszuschließen.

Profile auf Stellenportalen

Ein Bewerberprofil allein reicht sicherlich nicht aus, um einen guten Job zu bekommen. Aber die Präsenz im Internet kann ein weiterer sinnvoller Baustein für Ihre Bewerbungsstrategie sein. Von Sabine Olschner

Online-Jobbörsen sind hilfreiche Datenbanken, mit denen Sie passende Stellenausschreibungen finden können. Bei vielen Anbietern haben Sie die Gelegenheit, nicht nur selber auf die Suche zu gehen, sondern sich von potenziellen Arbeitgebern oder von Headhuntern finden zu lassen. Mithilfe eines Bewerberprofils können Sie sich sowie Ihre Berufserfahrungen und Fähigkeiten vorstellen.

Auffindbar
Das Angebot, ein Bewerberprofil zu erstellen, ist auf den Plattformen in der Regel kostenlos. Sollte es kostenpflichtig sein, prüfen Sie vorher genau den Nutzen. Wie Ihr Profil anschließend zum Einsatz kommt, unterscheidet sich von Plattform zu Plattform. Bei einigen Stellenportalen wird Ihr Profil einem potenziellen Arbeitgeber automatisch vorgestellt, wenn Ihre Qualifikationen zu dem Gesuch des Unternehmens passen. Bei anderen können Personaler oder Headhunter gezielt in der Datenbank auf die Suche nach passenden Kandidaten gehen.

Aussagekräftig
Um gefunden zu werden, ist ein aussagekräftiges Profil das A und O. Beschreiben Sie Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse detailliert und machen Sie genaue Angaben zu Ihren praktischen Erfahrungen und zu Ihrem außeruniversitären Engagement. Je mehr Informationen potenzielle Arbeitgeber von Ihnen erhalten, umso größer ist Ihre Chance, kontaktiert zu werden.

Aktuell
Wenn Sie mit Ihrem Profil länger auf Online-Jobbörsen vertreten sind, achten Sie darauf, dass Ihre Einträge stets aktuell sind. Falls Sie Anhänge hochladen können, achten Sie auf die angegebenen Mindest- oder Maximalgrößen der Dateien, damit die Suchenden eine optimale Ansicht Ihrer Unterlagen erhalten.

Ein Bewerberprofil kann aktive Bewerbungen sicherlich nicht ersetzen. Aber mit ein bisschen Glück bekommen Sie vielleicht doch einen Anruf aus Ihrer Traumbranche. Denn in Zeiten von drohendem Fachkräftemangel müssen Unternehmen immer häufiger selbst auf die Suche gehen, um passende Kandidaten für ihre offenen Stellen zu finden.

Storytelling

Wenn Sie im Vorstellungsgespräch darum gebeten werden, etwas über sich zu erzählen, reicht es nicht aus, dass Sie einfach Ihren Lebenslauf wiederholen. Wer es schafft, seine Motivation und seine Erfahrungen in eine Geschichte zu verpacken, macht weitaus mehr Eindruck. Von André Boße

Authentische Geschichten gut rüberzubringen – das ist die Kunst des Storytellings. Im Vorstellungsgespräch geht es nicht nur darum, Noten vorzulegen, Fallstudien zu lösen oder Praktika aufzuzählen. Gefragt sind vielmehr echte und erlebte Storys, die im besten Fall zeigen, warum Sie darauf brennen, den begehrten Job zu bekommen.

Vor ein paar Jahren war Storytelling für die Wirtschaft noch ein Begriff aus einer anderen Welt. Heute liegen Geschichten voll im Trend – und zwar auf zwei Ebenen. Zum einen erzählen die Unternehmen selbst ihre Geschichte, um sich für die besten jungen Talente als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Auf der anderen Seite verlangen die Unternehmen aber auch Geschichten von den Bewerbern.

Ihre eigene Geschichte erzählen
Gute Noten und passende Abschlüsse bleiben natürlich nach wie vor wichtig, aber wenn zwei Kandidaten für eine begehrte Stelle in dieser Hinsicht in etwa gleich viel zu bieten haben, entscheidet immer häufiger die Kommunikationsfähigkeit und damit auch die Qualität des Storytellings – ganz einfach, weil sie etwas darüber aussagt, wie sich eine Nachwuchskraft präsentieren und wie stark sie sich mit der Kultur oder den Werten des potenziellen Arbeitgebers identifizieren kann.

Im Bewerbungsprozess ist es von besonderer Bedeutung, ob Sie zusammenhängend Ihre eigene Geschichte erzählen können. Sind Sie in der Lage, Ideen und Botschaften in Sprache umzuwandeln, um andere zu begeistern? Diese Fähigkeit zum Storytelling können Sie später auch problemlos im Job anwenden, nicht nur im Marketing und Vertrieb, sondern in allen Bereichen. Vor allem bei komplexen Themenstellungen ist es wichtig, sein Gegenüber gedanklich abzuholen und Inhalte vereinfacht wiederzugeben.

Wie ein zwangloser Smalltalk
Personalverantwortliche legen im Gespräch vermehrt Wert darauf, mit den Bewerbern ein interessantes und kurzweiliges Gespräch zu führen. Die Situation ist durchaus vergleichbar mit einem Smalltalk in einem Café: Wer eher zwanglos miteinander spricht, merkt recht schnell, was für ein Typ ihm dort gegenübersitzt.

Die besten Gespräche sind diejenigen, bei denen man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit verfliegt. Das zeigt dem Personaler, dass ihm eine Persönlichkeit gegenübersitzt – und nicht nur ein Kandidat, der sich schick gemacht und seine Zeugnisse mitgebracht hat. Stellen Sie also nicht nur Behauptungen auf oder zählen Sie Ihre positiven Eigenschaften auf, sondern belegen Sie diese durch persönliche Erlebnisse.

Gut reden und gut zuhören
Es hilft Ihnen bei der Bewerbung aber nicht nur, wenn sie gut erzählen können. Wenn Sie zudem aufmerksam zuhören und die richtigen Fragen stellen, lernen Sie viel über Ihren potenziellen Arbeitgeber – eine ideale Voraussetzung dafür, eine gute Arbeit zu finden.

Buchtipps:

Gregor Adamczyk:
Storytelling: Mit Geschichten überzeugen.
Haufe 3. Auflage 2019. ISBN 978-3648123355. 9,95 Euro

Hard Skills und Soft Skills

Gute Leistungen reichen heutzutage nicht mehr aus, um als Bewerber bei den Unternehmen zu punkten. Neben den harten Faktoren sind sogenannte Soft Skills, also die sozialen Fähigkeiten, unverzichtbar. Von Sabine Olschner

Wenn Unternehmen eine Bewerbung bekommen, schauen Sie als Erstes darauf, was der Bewerber an Berufserfahrungen und Qualifikationen mitbringt: Welche Praktika haben Sie absolviert? Welche Fremdsprachen haben Sie gelernt? Welche Computerkenntnisse können Sie vorweisen? All diese Qualifikationen, die Sie sich in Studium, Ausbildung oder anderen berufsrelevanten Bereichen angeeignet haben, nennen sich Hard Skills. Diese können Sie im besten Fall durch Zeugnisse, Zertifikate oder mithilfe von Leistungstests belegen.

Schwieriger wird es bei den Soft Skills, denn diese sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Trotzdem sind Personalverantwortliche an ihnen ganz besonders interessiert. Denn es nützt nichts, wenn ein Bewerber fachlich auf vielen Feldern ein Ass ist – aber menschlich nicht ins Team oder zu seinen Aufgaben passt.

Soziale Fähigkeiten lassen sich in der Regel nicht durch Zeugnisse belegen. Daher müssen Sie andere Wege finden, um dem Unternehmen zu zeigen, was Sie an Persönlichkeitsfaktoren mitbringen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich in die eine oder andere Richtung noch weiterentwickeln sollten, empfiehlt es sich, die fehlenden sozialen Fähigkeiten zu trainieren – sei es in passenden Kursen oder zum Beispiel durch soziales Engagement.

Was gehört alles zu den Soft Skills? Eine Auswahl:
Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Menschenkenntnis, Selbstdisziplin, Offenheit, Neugierde, Eigenverantwortung, Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Hilfsbereitschaft, Kompromissfähigkeit, Wertschätzung, Toleranz, Respekt, interkulturelle Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit, Durchsetzungsvermögen …

Die Liste ließe sich noch lange fortführen, und nicht jede soziale Kompetenz ist für jeden Job gleich wichtig. Die ersten Hinweise darauf, welche Soft Skills für ein Unternehmen unverzichtbar sind, finden Sie oft bereits in der Stellenanzeige. Überprüft werden die sozialen Fähigkeiten häufig mithilfe von Assessment-Center-Übungen oder im ausführlichen Gespräch.

Wie können Sie weiche Fähigkeiten nachweisen?
Überlegen Sie am besten, in welcher Situation Sie welche Kompetenz anwenden mussten: Machen Sie einen Mannschaftssport? Dann sind Sie wahrscheinlich teamfähig. Sind Sie Mitglied in einem Debattierclub? Dann können Sie offenbar gut kommunizieren. Haben Sie im Praktikum ein eigenes Teilprojekt betreut? Dann haben Sie Verantwortungsbewusstsein gezeigt. Verpacken Sie Ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Soft Skills im Vorstellungsgespräch mit dem Personaler am besten in eine kleine Geschichte – denn Storytelling kommt bei der Bewerbung besonders gut an. Und wenn Ihnen eine wichtige Fähigkeit fehlt, bieten Sie an, vor dem Arbeitsbeginn noch daran zu arbeiten. Denn auch der Wille zum Lernen ist gehört zu den wichtigen Soft Skills.

Walter Kohl Video-Seminar: Frieden mit unserer Vergangenheit

„Lebensfreude kann nur entstehen, wenn wir Frieden mit unserer Vergangenheit geschlossen haben“, ist Walter Kohl überzeugt. Er spricht aus eigener Erfahrung:

Durch einen übermächtigen Vater, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, seine persönliche Gefährdungssituation im Zeichen des RAF-Terrorismus und den Freitod seiner Mutter weiß er: Um zu sich selbst zu finden und neue Lebenswege zu gehen, ist Versöhnung eine Quelle innerer Kraft.

In seinem neuen Video-Seminar 5 Schritte zum inneren Frieden – In Einklang kommen durch Versöhnung zeigt Bestseller-Autor Walter Kohl, wie man seine persönlichen Kraftfresser erkennt, bearbeitet und so weit klärt, dass neue Tatkraft entsteht. Sein Konzept hilft, Schritt für Schritt, Blockaden zu lösen. Der Wechsel von Selbststudium mit Arbeitsblättern, ergänzt durch anschauliche Videosequenzen mit Live-Seminarausschnitten, motivieren zum leichten lernen.

Das Seminar wird von der Glücklich Leben Akademie angeboten, einer E-Coaching-Plattform des Verlags Herder.

karriereführer handel 2014.2015 – Handelslogistik

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Cover karriereführer handel 2014.2015

Warenströme steuern – Die neuesten Trends in der Handelslogistik

Logistikmanagement. Intelligente Logistik ist der Schlüssel für erfolgreichen Handel. Die Unternehmen müssen heute nicht nur verschiedene Kanäle bespielen, sondern sie auch miteinander verknüpfen. Aufgabe der Logistikmanager ist es, die immer komplexer werdenden Warenströme zu steuern – und zwar effizient, nachhaltig und mit Blick auf die Qualität. Das ist eine große Herausforderung. Und eine spannende Karriereperspektive.

Blickpunkt: Precycling – unverpackt und umweltfreundlich

Wer täglich kocht und dazu verschiedene Zutaten benötigt, bemerkt schnell, wie viel Verpackungsmüll sich dabei ansammelt. Das muss nicht sein, dachten sich mehrere Gründer in Deutschland – und eröffneten Läden, in denen man Lebensmittel ohne Verpackung einkaufen kann. Wir erklären das Precycling. Von Sabine Olschner

Das Mehl wandert in die mitgebrachte Tupperdose, die Äpfel in den Jutesack, die Bonbons in die recycelbaren Papiertüten – so funktioniert Einkaufen in den verpackungslosen Geschäften. Die ersten gibt es bereits in Deutschland: Einer hat im Februar 2014 in Kiel eröffnet, ein weiterer im September in Berlin-Kreuzberg. Marie Delaperrière, BWLerin und Inhaberin des Kieler Unverpackt-Ladens, erklärt, wie sie auf die Idee gekommen ist: „Mich störten schon lange die vielen Plastikverpackungen nach dem Einkauf. Als ich dann ein Buch in die Hände bekam, in dem jemand davon berichtete, wie er ein Jahr lang keinen Müll produziert hat, war ich von der Idee fasziniert und machte mich auf die Suche nach passenden Lieferanten.“

Bei Marie Delaperrière gibt es auf rund 60 Quadratmetern über 300 Produkte: Getreide, Teigwaren, Hülsenfrüchte, Nüsse, Öle und Essig, Oliven, Knabbereien, Tee, Kaffee, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte, Spirituosen, Süßwaren, Reinigungsmittel sowie Duschgel und Seifen. Die Produkte sind überwiegend biologisch und werden in Spendern oder anderen Behältern angeboten. „Leicht verderbliche Waren wie Fisch, Fleisch und Molkereiprodukte bieten wir derzeit noch nicht an, weil die Hygieneauflagen dafür zu hoch sind“, erklärt die 40-Jährige, die sich bei der Konzeption ihres Ladens eng mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt hat. Kunden können ihre eigenen Mehrwegbehälter mitbringen oder diese im Geschäft kaufen.

Hygienisch einwandfrei
Ein ähnliches Prinzip verfolgen Sara Wolf und Milena Glimbovski, die vor Kurzem ihren Laden „Original Unverpackt“ in Berlin eröffnet haben: „Unsere Kunden können in unserem Laden Pfandbehälter kaufen, oder sie bringen ihre eigenen Schalen mit, die dann bei feuchten Produkten, wie etwa Käse, von unseren Mitarbeitern ausgewischt werden, damit sie hygienisch einwandfrei sind.“ Die Behälter kommen am Eingang auf eine Waage, sodass die Kunden wirklich nur den Inhalt zahlen. Dank eines spülmaschinenfesten Etiketts müssen die Behälter nicht immer wieder neu gewogen, sondern können mehrfach verwendet werden. Auch das gehört zum Precycling.

Die 31-jährige Sara Wolf hat Internationale Beziehungen studiert, Milena Glimbovski, 24 Jahre alt, ist Mediengestalterin und Kommunikationswissenschaftlerin. Die beiden haben sich als Kolleginnen in einer Kommunikationsagentur kennengelernt und beim gemeinsamen Kochen immer wieder gemerkt, wie unsinnig die vielen Verpackungen beim Einkauf sind. Daraus entstand die Geschäftsidee, die sie seitdem voller Elan verfolgen. Das notwendige Kapital haben sie durch ein Crowdfunding-Projekt zusammenbekommen: 20.000 Euro war das Ziel – am Ende sind über 115.000 Euro zusammengekommen. „Das Ergebnis hat alle unsere Erwartungen übertroffen und zeigt, wie viele Leute sich eine Alternative zu dem Verpackungswahn wünschen“, erklärt Sara Wolf.

Precycling nennt sich diese umweltfreundliche Variante – also erst gar keinen Müll entstehen zu lassen

Bewusste Standortwahl
Den Standort Berlin-Kreuzberg haben die beiden bewusst gewählt, weil sie sich hier in guter Nachbarschaft befinden: Nebenan gibt es zum Beispiel einen veganen Burgerladen, und auch die Anwohner sind eher alternativ geprägt und daher von dem Konzept sehr angetan. Die Suche nach einem passenden Ladenlokal hat zwar lange gedauert, aber nun sind die beiden Gründerinnen mit ihrem Geschäft zufrieden. „Mittelfristig planen wir, noch weitere Läden zu eröffnen“, so Milena Glimbovski.

Sowohl die Kieler als auch die Berliner Unternehmerinnen achten bereits beim Einkauf darauf, dass auch ihre Lieferanten möglichst ohne Verpackung arbeiten. Precycling nennt sich diese umweltfreundliche Variante – also erst gar keinen Müll entstehen zu lassen. „Viele meiner Lieferanten benutzen Papiersäcke oder Kartons“, berichtet Marie Delaperrière. „Wo Plastik unvermeidbar ist, achte ich darauf, dass es nicht auch noch überflüssige Überverpackungen gibt.“ Sara Wolf und Milena Glimbovski arbeiten am liebsten mit kleinen, regionalen Lieferanten zusammen. „Diese sind flexibler als Großlieferanten, ihre Produktionsprozesse auf unser Konzept anzupassen. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, wie sich Einwegverpackungen vermeiden lassen.“ Die Preise in den verpackungsfreien Läden sind übrigens nicht höher als in herkömmlichen Supermärkten. Außerdem haben Kunden den Vorteil, dass sie nur so viel mitnehmen können, wie sie auch tatsächlich brauchen – und seien es nur wenige Gramm.

Die Idee vom Einkaufen ohne Verpackung wird sicherlich weitere Kreise ziehen. Ob die Kunden auch langfristig begeistert sein werden, wird sich zeigen. In London musste der Shop „Unpackaged“ mit angegliederter Bar und Restaurant schon nach einem Jahr wieder schließen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Läden ohne Verpackung

Unverpackt in Kiel
www.unverpackt-kiel.de

Original Unverpackt in Berlin
www.original-unverpackt.de

Freikost in Bonn
www.freikost.de

Lunzers Maß-Greißlerei in Wien
www.mass-greisslerei.at

Eine weitere müllvermeidende Idee

Die Franchise-Kette Kochhaus verkauft ihre Zutaten passend zu ihren Rezepten – immer nur so viel, wie für das Rezept notwendig ist.
www.kochhaus.de/das-begehbare-rezeptbuch