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Das letzte Wort hat: Dr. Judith Rommel, Chemie-Informatikerin und Zukunftsmacherin

Selbstbestimmung ist ein hoch einzuschätzendes Gut. Und Vielfalt bereichert unsere Gesellschaft. Wegen dieser Gründe bauten Informatikstudierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Vermittlungsplattform für neuroatypische Menschen auf. Die Fragen stellte Christoph Berger

Zur Person

Dr. Judith Rommel, Foto: privat
Dr. Judith Rommel, Foto: privat

Dr. Judith Rommel ist innovationsfreudige Zukunftsmacherin. Sie hat in Chemieinformatik promoviert und anschließend mehrere Jahre an der Universität Cambridge in England geforscht. In dieser Zeit wurde sie unter anderem mit einem Feodor Lynen- Stipendium der Alexander von Humboldt- Stiftung ausgezeichnet. Vor kurzem ist sie, unterstützt durch die Leadership Academy der German Scholar Organisation (GSO), nach Deutschland zurückgekehrt und arbeitet momentan an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart (DHBW).

Frau Dr. Rommel, zusammen mit Studierenden des Studiengangs Informatik und in Kooperation mit dem Zentrum für Empirische Forschung bauen Sie eine Online-Vermittlungsplattform für Menschen mit außergewöhnlichen Qualitäten, Talenten und Bedürfnissen auf. Worum geht es dabei?
Vereinfacht könnte man sagen, dass wir eine Plattform bauen, deren Ziel es ist, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und sehr seltenen Qualitäten auf unkomplizierte Weise mit Arbeitgebern und Vermietern zusammenzubringen. Die Talente und Bedürfnisse fallen dabei vielfältig aus. Es gibt beispielsweise Hochbegabte, die unter anderem schnelle Querverknüpfungen identifizieren können und zugleich sensibel auf Geräusche reagieren, oder Menschen mit Allergien, die 30 Jahre Berufserfahrung mitbringen, jedoch ihren Beruf nun nicht mehr ausüben können. Unsere Plattform soll diese Arbeitnehmer mit Arbeitgebern sowie solche Mieter mit Vermietern möglichst einfach zusammenbringen.

Warum braucht es für neuroatypische Menschen eine eigene Vermittlungsplattform?
Neuroatypische Menschen haben spezielle Talente und spezifische Wahrnehmungsfähigkeiten, auf Grund natürlicher neurologischer Unterschiede in Gehirn und Nervensystem. Oft reagieren sie auf Umwelteinflüsse anders als neurotypische Menschen. Moderne Jobportale bieten kaum Möglichkeiten, Arbeitgeber zu finden, die solche Talente nutzen wollen und bereit sind, die Arbeitsumgebung individuellen Bedürfnissen anzupassen. Auch auf Arbeitsämtern fühlen sich diese Arbeitskräfte oft allein gelassen. Betroffenen droht im schlimmsten Fall Frühverrentung, oder sie werden trotz ihrer enormen mentalen Leistungsfähigkeit für schwerbehindert erklärt. In unserer Marktforschung konnten wir feststellen, dass solche Fälle häufiger vorkommen als gemeinhin angenommen. Menschen mit Allergien, Sensibilitäten oder außergewöhnlichen Begabungen gibt es zu tausenden, aber keine Plattform, die sich diesen Problemen annimmt und zufriedenstellende Win-Win Situationen beim Wohnen und Arbeiten ermöglicht.

Jeder Mensch kann ja in eine solche Situation kommen.
Wir kennen alle Geschichten von Bäckern mit Mehlallergien, machen uns aber kein Bild davon, wie hoch der Anteil an Menschen ist, die einen gesundheitsbedingten Bruch in der Arbeitsbiographie erleben. Hierzu zählen Chemikalienallergien oder physische Verschleißerscheinungen, auch die psychischen Erkrankungen nehmen zu. Häufig stehen diese Arbeitskräfte mit einer immensen Berufserfahrung auf der Straße. Auf einem überhitzten Wohnungsmarkt und einem durch Corona unter Druck geratenen Arbeitsmarkt ist es zudem eine riesige Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum und einen Arbeitsplatz parallel zu finden. Deshalb bietet unsere Plattform auch einen Wohnungsmarkt an, in dem Mieter und Vermieter Annoncen aufgeben können.

Welche Herausforderungen sind für die Informatik-Studierenden mit dem Aufbau der Plattform verbunden?
Im ersten Schritt war es für uns wichtig, alle Bedürfnisse und Talente der Nutzer kennenzulernen. Hierzu betreiben wir aktuell Marktforschung und haben damit bereits den ersten Nerv getroffen. Nun gilt es, diese Erkenntnisse im Sinne der Nutzerfreundlichkeit zu bündeln, ohne dabei Qualifikationen unter den Tisch fallen zu lassen. Es steht also noch so einiges an.

Interessierte können an der Umfrage teilnehmen und die Studie so mit weiteren wertvollen Informationen unterstützen.

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