Die Digitalisierung schreitet rasant voran, immer neue Technologien werden entwickelt und halten Einzug in Unternehmen und Produkte. Diese Entwicklung verlangt immer höhere Ansprüche an die IT-Sicherheit, die bei dem Tempo mithalten muss, wie jüngste Angriffe auf globale Lieferketten zeigten. Von Christoph Berger
Die globale digitale Vernetzung bringt zahlreiche Vorteile mit sich: zum Beispiel vereinfachte Prozesse, bessere und auf Kunden abgestimmte Produkte, einen schnellen Wissenstransfer und Flexibilität. Doch gleichzeitig nehmen auch Abhängigkeiten und Anfälligkeiten zu. Ein vom Bundesamt für Sicherheit (BSI) in der Informationstechnik im Juli 2021 vorgestelltes Beispiel zeigt dies deutlich: So ist es nach einem Cyber-Angriff auf einen amerikanischen Software-Hersteller weltweit zu IT-Störungen gekommen. Zahlreiche IT-Dienstleister, deren Kunden und weitere Unternehmen seien Opfer von Verschlüsselungstrojanern, sogenannter Ransomware, geworden. Auch in Deutschland seien IT-Dienstleister und weitere Unternehmen betroffen gewesen, heißt es weiter. Mehrere Tausend IT-Geräte seien verschlüsselt worden. Dazu sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm: „Der Vorfall zeigt, wie intensiv die globale Vernetzung in der Digitalisierung voranschreitet und welche Abhängigkeiten dabei entstehen.“
Bei dem beschriebenen Angriff sei Ransomware über jedes Glied einer Software- Lieferkette ausgerollt worden. Daher Schönbohm: „Lieferketten müssen auch unter dem Aspekt der ITSicherheit in den Fokus rücken. Ransomware ist derzeit als eine der größten Bedrohungen für die IT von Unternehmen und Organisationen einzuschätzen. Bei erfolgreichen Angriffen werden Dienstleistungen und Produktion häufig zum Stillstand gebracht. Die Schäden für Betroffene sind daher oftmals enorm.“
Dass Cyberangriffe mittlerweile das Potenzial besitzen, nicht nur enorme wirtschaftliche Schäden zu verursachen, sondern ebenso politische Spannungen hervorrufen können, ist zudem ein Ergebnis des aktuellen Cyber Security Reports, für den Deloitte und das Institut für Demoskopie Allensbach mehr als 400 Führungskräfte aus Unternehmen sowie über 100 Abgeordnete aus den Landtagen, dem Bundestag und dem Europaparlament zum Stand der Cyber-Sicherheit in Deutschland befragt haben. Angesichts einer steigenden Anzahl und Komplexität der Cyber-Angriffe verschärfe sich die Bedrohungslage, die Gefahrenlage rund um Cyber-Risiken habe ein hohes Level erreicht.
Datenbetrug, Computerviren und Schadsoftware
Als größtes Cyber-Risiko für die Bevölkerung sehen die Entscheidungsträger Datenbetrug im Internet: 77 Prozent bewerten das als großes Cyber-Risiko. Auf der Gefährdungsliste folgen Computerviren und Schadsoftware mit 76 Prozent. Wobei die Befragten die Gefährdung unterschiedlich einschätzen: 79 Prozent der Wirtschaftsvertreter sehen hier ein großes Risiko, bei den Entscheidungsträgern aus der Politik sind es 65 Prozent.
Und was wird getan, um die IT-Sicherheit zu verbessern – immerhin trage die Förderung von Schlüsseltechnologien dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem internationalen Parkett zu stärken? Die große Mehrheit der Befragten hält es für die Cyber-Sicherheit in Deutschland für notwendig, dass wichtige Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung und Vernetzung von deutschen oder europäischen Unternehmen hergestellt werden. Damit solle nach Meinung von 82 Prozent der Führungskräfte aus der Wirtschaft und 93 Prozent der Abgeordneten eine größere Unabhängigkeit im Bereich der Schlüsseltechnologien sichergestellt werden. Zudem müssen die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen und Wirtschaft deutlich verbessert werden, in dem Bereich gebe es einen erheblichen Nachholbedarf.
Vorsorge statt Vertrauen
Digitale Bestellungen, automatisierte Services, intelligente Fabriken, intensiver Datenaustausch und die Steuerung von Lieferketten: All das erhöhe auch die Anforderungen an die Sicherheit, heißt es in der Studie IT-Trends 2021 des Beratungsunternehmens Capgemini. Und direkt wird die Frage nachgeschoben: Wie gehen Führungskräfte damit um? Als einen Sicherheitstrend identifizieren die Berater vor dem Hintergrund zunehmend vernetztet Maschinen, automatisch ablaufender Produktionsprozesse und aufgrund der Verarbeitung geschäftskritischer Daten vor Ort oder in der Cloud die Themen Production Safety und Production Security. Hierbei sei die Bedeutung im letzten Jahr deutlich gestiegen. Eng daran gekoppelt sei die Sicherheit IoT-fähiger Geräte. Deren Vernetzung biete Einfallstore für Cyberangriffe.
Die Universität des Saarlandes bietet in Zusammenarbeit mit dem Saarbrücker CISPA-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit den neuen Master-Studiengang „Cybersecurity“ an
Was das Thema „Zero Trust“ betrifft, so sei dies noch ein Nischenthema, gewinne aber an Bedeutung. Dabei geht es darum, dass Dienste, Geräte und Anwender im eigenen Netzwerk wie Externe behandelt werden, deren Verhalten entsprechend analysiert und beschränkt werde. Das erhöhe die Anzahl der Hürden für Angreifer. Und schließlich wird noch Behavioral Analytics als Trend aufgeführt: Das Verhalten von Mitarbeitern und Kunden wird hierbei mit Hilfe von Algorithmen und Machine-Learning-Verfahren analysiert, um anhand von Mustern zu erkennen, ob es sich um Angriffe auf IT-Systeme handelt oder nicht.
Wissen auf dem aktuellen Stand halten
Die Themen mit denen sich IT-Security- Spezialisten zu befassen haben, sind erkannt, bleibt eine der Herausforderungen für Unternehmen der Mangel an qualifiziertem Personal. Laut dem Hays-Fachkräfte-Index für IT-Positionen legte die Suche nach Menschen mit entsprechendem IT-Security-Know-how im 2. Quartal 2021 noch einmal um 31 Punkte gegenüber dem vorherigen Untersuchungszeitraum zu. Der Index-Wert sei damit nochmals gegenüber dem bereits sehr hohen Niveau gestiegen, heißt es bei Hays, gehöre zu den Bereichen mit den höchsten Zuwächsen.
Auch laut dem Personaldienstleister Harvey Nash ist die Nachfrage nach Cyber-Security-Fachkräften so groß wie noch nie. Deren Aufgabenfeld wird folgendermaßen beschrieben: „Ob im Homeoffice oder an den Standorten der Unternehmen: Cyber-Security-Experten loten die Schwachstellen von Systemen aus, um anschließend die richtigen Maßnahmen zum Schutz der Firmendaten vor Cyberkriminellen aus dem Internet zu ergreifen.“ Was deren Skills betrifft, so geht es neben dem erforderlichen Fachwissen vor allem um die Bereitschaft, sich stetig fortzubilden: „Die Tech-Welt bleibt nie stehen – im Gegenteil, sie dreht sich immer schneller.“ Immer ausgefeiltere und komplexere Angriffe würden die IT-Security gefährden, so dass auch Cyber-Security-Skills stets auf den neuesten Stand gebracht werden müssten.


Was genau zeichnen die smarten Geräte bei uns zu Hause auf? Gehört dem autonomen Fahren die Zukunft? Wo entscheiden Algorithmen besser als der Mensch, wo aber nicht? Und wie groß ist die Chance wirklich, beim Online-Dating den Partner fürs Leben zu finden? In seinem neuen Buch beschreibt der weltweit renommierte Pschologe und Risikoforscher Gerd Gigerenzer anhand vieler konkreter Beispiele, wie wir die Chancen und Risiken der digitalen Welt für unser Leben richtig einschätzen und uns vor den Verlockungen sozialer Medien schützen können. Kurz: wie wir digitale Kompetenz erwerben und auch online kluge Entscheidungen treffen. Gerd Gigerenzer: Klick. C.Bertelsmann 2021, 24 Euro
Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte. „Klara und die Sonne“ ist der neue Roman von Kazuo Ishiguro, der 2017 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Kazuo Ishiguro: Klara und die Sonne. Blessing 2021, 24 Euro.
Der deutsche Logiker Gerhard Gentzen zählte zu den genialsten seines Fachs. Doch wer erinnert sich an ihn? Dietmar Dath macht sich in seinem Roman „Gentzen oder: Betrunken aufräumen“ mit Laura und Jan auf die Suche nach jemandem, an den sie sich nicht mehr erinnern. Der Leser betritt einen Denkraum, in dem nicht nur Gerhard Gentzen aufritt, sondern auch noch ganz andere Figuren: Dietmar, der seit zehn Jahren an einem Roman über einen berühmten Logiker schreibt, aber auch Frank Schirrmacher, der sich den Kopf über das Internet zerbricht, Jeff Bezos, Ruth Garrett Millikan, eine schiefe Tante und ein geheimnisvolles Wesen, das das Leben auf der Erde erheblich in Gefahr bringen wird. Das ganze Personal dieses großen Romans stellt sich in den Dienst der Suche nach der Grundlage unseres Lebens in der Gegenwart: der schier unendlich scheinenden Rechenleistung der Computer. Sie ermöglicht die Flugbuchungen, die Verteilung von Impfstoffen oder Hilfsgütern, die Steuerung der Atomwaffenarsenale oder die detaillierten Abbildungen eines Lebens durch Likes und Kommentare in den sozialen Medien, die es nicht gäbe, wenn Programme nicht die Funktionsweise von Programmen überprüfen könnten. Dass sie das können, hat wiederum mit Gerhard Gentzen zu tun. Dietmar Dath: Gentzen oder: Betrunken aufräumen. Matthes & Seitz 2021, 26 Euro
Nach einer folgenschweren Panne bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung wird Maxine, eine leitende Softwareentwicklerin, unverschuldet in das berüchtigte Projekt Phoenix strafversetzt. Dort verzweifelt sie fast an einem bürokratischen Monsterapparat mit endlosen Meetings und hochkomplizierten Regeln – bis sie von firmeninternen Rebellen angeworben wird, die die bestehende Ordnung umstürzen wollen: Damit Entwicklerinnen und Entwickler wieder echte Freude an ihrer Arbeit haben. Die kluge und kämpferische Maxine und ihre rebellischen Kolleginnen und Kollegen rufen Projekt Unicorn ins Leben und setzen dabei auf die »Fünf Ideale«. Damit verändern sie grundlegend, wie die Business- und Technologiebereiche des Unternehmens zusammenarbeiten – und geraten in das Fadenkreuz einflussreicher und gefährlicher Gegner. Gelingt es ihnen, das Überleben von Parts Unlimited in einem Wettrennen gegen die Zeit zu sichern? Packend beschreibt Gene Kim, Autor des Bestsellers »Projekt Phoenix«, die Herausforderungen, denen sich Unternehmen – und alle, die in ihnen arbeiten – im Zeitalter von Digital Disruption stellen müssen: in der Softwareentwicklung und als lernende Organisation. Gene Kim: Projekt Unicorn. O‘Reilly 2020, 24,90 Euro
Der leidenschaftliche Gamer Mirko geht in der Virtual Reality seiner Spiele auf. Er wird Teil einer Community, die das Prinzip der „Gamification“ lebt – Unterhaltung über alles, Brot und Spiele. Und die Arena besteht längst nicht nur aus Nullen und Einsen. Leo Hartmann: Gamification-Testspiel. Novum 2021, 17,90 Euro
Um herauszufinden, wie es um die Zukunft im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz steht, begibt sich der französische Philosoph und Essayist Gaspard Koenig auf eine Weltreise. In mehr als 120 Gesprächen mit Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern, Investoren, Aktivisten und einem Zauberer lotet er die künstliche und die menschliche Intelligenz aus. Er erforscht, was den freien Willen und die Werte der Aufklärung bedroht, und skizziert eine Politik, die dem Ende des Individuums begegnen kann. Gaspard Koenig: Das Ende des Individuums. Galiani 2021, 24 Euro.



