Interview mit Hubertus Meyer-Burckhardt

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Hubertus Meyer-Burckhardt; Bildnachweis: Gerald von ForisProf. Hubertus Meyer-Burckhardt, 1956 in Kassel geboren und dort aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte er zunächst Geschichte und Philosophie in Berlin und Hamburg und wechselte dann zur Hochschule für Fernsehen und Film nach München. 1988 stieg er als Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei der internationalen Werbeagentur BBDO ein und ging danach in die Filmbranche. Von 2001 bis 2006 bekleidete er Vorstandspositionen bei der Axel-Springer AG und ProSiebenSat.1 Media AG. Seit 2006 ist er Vorsitzender Geschäftsführer der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft.Hubertus Meyer-Burckhardt erhielt als Filmproduzent zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Grimme-Preise. Nebenbei war er von 2005 bis 2011 Professor und Studiengangsleiter an der Hamburg Media School und leitet seit diesem Jahr dort die internationale Co-Produktion. Vor der Kamera wirkt er u.a. als Gastgeber der NDR Talk Show. Ferner ist er seit 2011 als Buchautor erfolgreich. Sein Roman „Die Kündigung“ wurde auf Anhieb ein SPIEGEL-Bestseller. Nebenbei engagiert sich der Vater von zwei Kindern im Beirat seiner Heimatstadt Kassel. Preisgekröntes Interview: Für sein Gespräch mit der Künstlerin Mary Bauermeister in der NDR Talk Show erhielt Hubertus Meyer-Burckhardt den NDR Fernsehpreis „Sehstern“.
Kassel ist dieses Jahr wieder Schauplatz der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst – bis zum 16. September findet dort die 13. Documenta statt. Für Sie als Kasseler bestimmt ein ganz besonderer Sommer … … Halt, halt, halt. Hier muss ich gleich einhaken und Grundsätzliches klären. Meine Heimatstadt unterscheidet ja drei Typen von Bürgern. Die nobelen sind die Kasseläner, die genauso in Kassel geboren wurden wie ihre beiden Elternteile. Wenn nur einer der beiden Eltern nicht in Kassel geboren wurde, ist man Kasselaner. Und schließlich gibt es die Kasseler, die lediglich zugezogen sind und die beiden ersten Bezeichnungen auf ewig verwirkt haben. Das trifft auf mich nicht zu. Ich bin waschechter Kasselaner! Was Carolyn Christov-Bakargiev nicht von sich behaupten kann. Die hat bulgarisch-italienisch-amerikanische Wurzeln und ist dieses Mal die künstlerische Leiterin der Documenta. Geht es nach ihr, ist die Kunst ein Ort, um Fragen zu stellen, nicht um Antworten zu geben. Was denken Sie? Hat sie Recht? Mit dieser Sichtweise kann ich eine Menge anfangen. Aber wissen Sie was? Ich betrachte mich als Kunstliebhaber, nicht als Kunstkenner. Und als solcher ist die Kunst für mich in erster Linie ein großes Abenteuer und ein Grundnahrungsmittel. Seit 1977 habe ich jede Documenta mit einer Art kindlichen Unschuld besucht und Spaß dabei gehabt. Überhaupt glaube ich, dass diese unbefangene Herangehensweise nicht nur eine ausgezeichnete Attitüde ist, durch Kunstausstellungen zu wandern. Sie hat sich auch in vielen anderen Situationen meines Lebens als wunderbare Voraussetzung erwiesen, prägende Erfahrungen zu machen. Das heißt, Kunst weitet Ihren Horizont? Richtig. Kunst bereichert mich, verblüfft mich, bringt mich auf neue Gedanken. Aber worin unterscheidet sich dann die Beschäftigung mit bildender Kunst von anderen Bausteinen kultureller Allgemeinbildung? Das kann ich so genau nicht sagen. Aber ich kann sagen, wo ich den Kern jener Faszination vermute, die Kunst schon seit frühester Kindheit auf mich ausübt und wegen der ich womöglich Film-Produzent geworden bin. Dieser Kern liegt wohl im Umstand, dass da Menschen etwas veranstalten, was keinen offenkundigen Sinn ergibt. Dass Menschen das Kostbarste geben, was sie haben, nämlich ihre Lebenszeit, um etwas zu tun, was dem Effizienzgedanken nicht gehorcht: das fasziniert! Der kolumbianische Aphoristiker Nicolás Gómez Dávila hat einmal geschrieben, die Tiefe sei das Opfer, das die Effizienz fordert. Da ist viel dran. Aber so bedeutungsschwer meine ich das gar nicht. Wenn Menschen aus einem inneren Antrieb heraus etwas machen – egal, wie vernünftig oder unvernünftig das ist –, dann mag ich das einfach. Das kann ein Flohzirkus sein, der echte Zirkus, irgendeine Komödie am Kurfürstendamm, eine Peer-Gynt-Inszenierung in Bochum oder eben die Documenta. Ich gehe auch immer wieder zu Rockkonzerten, wo Musiker auf der Bühne stehen, die meine Söhne sein könnten, und deren Musik ich manchmal gar nicht kapiere. Trotzdem kann mich das begeistern. Weil die Kunst eine Welt für sich ist? Bestimmt. Und das zu akzeptieren ist sicher wichtig für die kindliche Freude an ihr. Dazu kommt, dass es streng genommen gar keinen Unterschied gibt zwischen dem Besuch der Documenta und dem Besuch eines Boxkampfs. Denn die wesentlichen Voraussetzungen sind bei beiden Veranstaltungen gleich. Sie setzen sich irgendwo hin, treten einen Schritt aus dem Alltag heraus und stellen sich Fragen. Die mögen bei der Kunst gewichtiger sein als beim Boxkampf. Aber letztlich schauen Sie doch bei beiden einfach mal, was da passiert. Mir bereitet das Vergnügen. Auch, wenn ich etwas nicht begreife. Vielleicht dann sogar besonders. Das geht mir auch so. Insbesondere dann, wenn es sich dabei um Nonsens handelt. Schließlich hat der ja eine anarchistische Kraft, ohne die Humor jenseits platter Witze gar nicht auskommt, oder? Man muss ja bloß mal an die britische Komikertruppe Monty Python denken, deren Sketche immer etwas Absurdes haben, das sich nicht auflösen lässt … So ist es. Und wenn ich ihren Gedanken verlängere, dann fällt mir gleich der vertikale Erdkilometer ein, der 1977 während der sechsten Documenta entstand. Der Amerikaner Walter de Maria bohrte damals einen Kilometer tief in die Erde und füllte das Loch mit ineinander gesteckten Messingstäben auf. Das Werk war praktisch unsichtbar und sollte darauf verweisen, dass unsere Vorstellungen vom Weltganzen immer noch irrational sind. Bei diesem Ding habe ich zwei Kategorien von Menschen nicht verstanden: Zum einen jene Nörgler, die sofort schmallippig lospolterten und meinten, das sei niemals Kunst. Und zum anderen die Bewunderer, die sagten, dass gerade das jetzt Kunst sei. Ich stand dazwischen und dachte: Ich finde diese Aktion vor allem interessant. Aber ich will sie nicht bewerten. Und je älter ich werde, desto weniger möchte ich das. Ich erziehe mich da zu einer Art betagtem Buddhisten, der bei diesen ständigen Beurteilungen nicht mitmacht. Gerade in Fragen der Kunst halte ich das für besonders wichtig. Im Alltag hat man es ja eher mit Design zu tun als mit Kunst. Doch beides überschneidet sich nicht selten. Ein Beispiel ist die berühmte Zitronenpresse von Phillipe Starck, die ja ein typisches Kunstprodukt ist: Zu allem ist das spinnenbeinige Ding zu gebrauchen – fürs Saftpressen sicher nicht. Wo hört denn Design auf, wo fängt Kunst an? Wenn ich das so genau wüsste! Ich glaube wirklich, dass die Grenzen fließend sind. Wenn ich auf der Autobahn bin und diese Lastwagen von Renault sehe, dann finde ich deren Fahrerkabinen ganz bemerkenswert ästhetisch. Zwar müssen diese LKWs technischen Effizienzanforderungen gehorchen. Aber der Mensch, der diese Karosserie entworfen hat, besitzt gleichwohl eine große künstlerische Begabung. Offenbar bringen diese Renaults etwas in Ihnen zum Klingen, was ein Mercedes-Laster nicht schafft. Vielleicht offenbart sich da ja der Berührungspunkt von Design und Kunst, ein Punkt, ab dem Kunst zum Leben erwacht? Gut möglich. Aber auch, wenn da nichts in mir anklingt, kann es Kunst sein. So wie bei den aneinander gelehnten riesigen Stahlplatten von Richard Serra. Auch die sind eine Erinnerung an die Documenta von 1977. Schon die Baukräne haben fast alle in Kassel vergrätzt. Und dann verkam die Skulptur auch noch zum Pissoir. Das Gezeter war enorm. Aber die Tatsache, dass ich das Künstlerische nicht erkenne, heißt ja nicht, dass Serra kein Künstler ist. Niemand versteht die Kunst außer dem Künstler, hat der amerikanische Bildhauer David Smith einmal gesagt. Ja. Und deswegen sollte man sich auch zurücknehmen. Kunst funktioniert für mich wie instrumentale Musik, die ihr letztes Geheimnis nicht preisgibt. Sie fasziniert und regt an und gehorcht keinen objektiven Kriterien. Kunst ist für mich rein assoziativ.
SPIEGEL-Bestseller: Der Roman „Die Kündigung“ von Hubertus Meyer-Burckhardt Hubertus Meyer-BurckhardtDer Roman „Die Kündigung“ von Hubertus Meyer-Burckhardt ist auch als Taschenbuch erhältlich. Inhalt: Simon Kannstatt, Investmentbanker, gelernter Jurist und Volkswirt, führt als Top-Manager ein Leben in der „Formel 1 der Geschäftswelt“. Die Arbeit ist sein einziger Lebenssinn. Mehr
In der NDR-Talkshow interviewten Sie vergangenen September die Kölner Künstlerin Mary Bauermeister. Sie sprach davon, dass die Kunst verkrusteten Gesellschaften mit Anarchie zu Leibe zu rücken habe. In chaotischen Zeiten wie der unseren jedoch falle der Kunst eher eine ordnende Aufgabe zu. Sehen Sie das auch so? Und wo wäre sie heute besonders gefragt? Ich glaube, dass Mary Bauermeister Recht hat, was die zerstörerische Aufgabe der Kunst betrifft. Die Wucht, mit der ein Joseph Beuys damals in der Kunstszene und darüber hinaus für Furore sorgte, war schon sehr wichtig. Dabei sehe ich es übrigens als Glücksfall, dass der ein Katholik vom Niederrhein war und einen entsprechend schalkhaften Humor hatte. Aber ich bin nicht der Kunsthistoriker, der sagen könnte, in welcher Phase wir uns gerade befinden und ob das eine ist, in der wieder viel geordnet werden müsste. Gerade mit Blick auf junge Menschen bin ich da sogar eher skeptisch. Mir scheint, dass bei denen oft ein materialistisches und ziemlich konservatives Weltbild vorliegt, dem es gerade an Unordnung, an Risikobereitschaft, an Abenteuergeist mangelt. In meiner Generation gingen ja nur die totalen Loser zur Bank. Oder die angehenden Juristen und Wirtschaftsprüfer damals – down and out waren die! Und heute? Heute gehen sie zu PWC oder McKinsey und sind die Könige! Demnach mangelt es der jungen Generation also an einer künstlerischen Attitüde, die sich ja dem Mainstream eher versagt, als ihn zu bestätigen? Genau. Soweit ich das beurteilen kann, fehlt es jungen Leuten manchmal am Wagnis, die Dinge auf eine ganz eigene, unverwechselbare Weise zu sehen. Mir kommt es so vor, als ginge ihnen vielfach der Wille ab, das große Thema ihres Lebens zu suchen und zu entdecken und sich dem dann mit Leidenschaft, ein bisschen Provokation und einer möglichst persönlichen Handschrift zu widmen. Wie Sie ganz richtig andeuten, sind das alles Facetten einer selbstbewussten Haltung, ohne die wahre Kunst gar nicht denkbar ist. Und deswegen bin ich davon überzeugt, dass junge Menschen viel von der Kunst lernen, dass sie sich an deren Chuzpe ein Beispiel nehmen können. Als Dozent der Hamburg Media School unterrichten Sie auch hin und wieder in Kalkutta an einer kooperierenden Filmhochschule. Wie fällt Ihre Diagnose denn in Indien aus? Gleichen sich die Dinge in Zeiten der Globalisierung an – auch und vor allem hinsichtlich der Kunst, der Kultur, der Karriere? Nicht sonderlich. Ich erlebe die indische Kultur als unglaublich vital und eigenständig. In Kalkutta schlägt sich das auch in einer anspruchsvollen Filmkultur nieder, die sich deutlich von den Massenproduktionen Bollywoods abhebt. Kalkutta ist immer noch das Armenhaus Indiens, aber gleichzeitig auch seine intellektuelle Hauptstadt. Die Stadt wird von einer unerbittlichen Leistungsbereitschaft und einem schrillen Optimismus angetrieben. Und sie steckt wie eigentlich alles in Indien voller Rätsel und Widersprüche. So wie die Documenta? Richtig, so wie die Documenta! Wenn Sie so wollen, schließt sich hier der Kreis. Ein Besuch Kalkuttas ist für mich in der Tat ein ähnlich großes Abenteuer wie ein Besuch der Documenta in Kassel. An beiden Orten kommen Sie an und verstehen erst einmal gar nichts. Aber dieses Nicht-Verstehen lässt sich wunderbar genießen! Das Interview führte Wolf Alexander Hanisch.

Interview mit Prof. Gerald Hüther

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Burnout ist Kopfsache – sagt der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther. Im Gespräch mit BERUFSZIEL-Autor André Boße erklärt er, was oben falsch läuft, wenn die persönliche Krise einsetzt, und wie sich Nachwuchskräfte davor schützen können. Sein Rat für Young Professionals: „Suchen Sie den Sinn!“

Prof. Dr. Gerald Hüther studierte in Leipzig Biologie und absolvierte dort nach seinem Diplom ein Forschungsstudium in Neurobiologie. Nach seiner Promotion leitete er von 1979 bis 1989 am Max-Planck-Institut in Göttingen ein Forschungsprojekt zur Entwicklungsneurologie. 1988 hat er sich im Fachbereich Medizin habilitiert. Derzeit leitet der 63-Jährige an den Unis Göttingen und Mannheim die Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung. Hüther ist Verfasser von rund 100 wissenschaftlichen Fachbeiträgen, Fach- und Sachbüchern, vor allem zu den Themen Hirnentwicklung und Auswirkungen von psychischen Belastungen auf die Gesundheit. Der dreifache Vater lebt in Göttingen.
Herr Professor Hüther, was läuft im Gehirn falsch, wenn eine Nachwuchskraft schon früh in der Karriere die Krise kriegt? In guten Zeiten und wenn alles passt, wird unser Gehirn von Harmonie bestimmt. Die verschiedenen Areale im Gehirn sind synchronisiert. Kritisch wird es, wenn ein Ereignis eintritt, das nicht den Erwartungen entspricht. Das ist selten der Löwe, der mit Getöse ins Zimmer springt, sondern es sind häufig irritierende Brüche. Zum Beispiel mit der Vorstellung, dass man alles kann und dass man sein Zeitmanagement im Griff hat. Erst, wenn man nicht mehr zur Ruhe kommt und die Überlastung zunimmt, stimmt plötzlich das Bild, das man von sich hatte, nicht mehr mit der Realität überein. Was genau passiert im Gehirn, wenn die Synchronisation nicht mehr funktioniert? Der Abgleich findet im Frontalhirn statt, wo sich angesichts der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität ein sogenanntes unspezifisches Erregungsmuster ausbreitet. Wird diese unspezifische Erregung zu groß, ist das Frontalhirn nicht mehr in der Lage, Ihr Denken zu führen. Sie verlieren die Fähigkeit, nach Plan zu handeln, Ihre Gefühle zu kontrollieren oder sich in andere Leute hineinzuversetzen. Kurz gesagt: Sie reagieren kopflos. Gibt es einen Notfallplan? Der Hirnstamm übernimmt die Führung und man greift auf die archaischen Muster zurück: Rumbrüllen, also der Angriff. Oder das Verkriechen in eine stille Ecke, also die Flucht. Beides ist gerade für junge Leute in Unternehmen kaum realisierbar, sodass häufig früh das letzte Muster folgt: die ohnmächtige Erstarrung, die komplette Hilflosigkeit. Früher hieß das Depression. Heute nennt man es Burnout. Was schützt denn Berufseinsteiger davor, ein falsches Bild von sich selbst zu entwickeln? Zum Beispiel Erfahrungen mit dem Scheitern. Wer talentiert ist, dem gelingt in der ersten Phase seines Lebens vieles sehr leicht. Bester Abi-Schnitt, schnelles Studium, frühe Erfolge im Job mit erster Projekt- und Führungsverantwortung. Es scheint an nichts zu fehlen – nur gescheitert ist man nie. Man darf sich solche Menschen wie Wanderer vorstellen, die bislang nur gerade, gut ausgebaute Wege kennengelernt haben. Und plötzlich geht es auf steiniges, bergiges Terrain. Nun benötigen innovative Unternehmen gesunde, leistungsfähige Nachwuchskräfte. Was muss sich ändern? Die Medizin kümmert sich hauptsächlich um die Pathogenese, also um das, was uns krank macht. Ich denke aber, dass es wichtig ist, auch die Salutogenese in den Fokus zu stellen. Also das Wissen darüber, was uns gesund macht. Dabei gibt es drei wesentliche Erkenntnisse: Gesund ist und bleibt, wer erstens versteht, was los ist. Wer zweitens in die Gestaltung eingreifen kann. Und wer drittens darin einen Sinn erkennt. Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit, Sinnhaftigkeit – das sind die drei Prämissen für ein gesundes LebenGehen wir mit diesen Begriffen mal in ein Unternehmen, in dem ein Hochschulabsolvent an seiner Karriere arbeitet. Was bedeutet das für ihn? Das Verstehen ist sicherlich nicht das größte Problem. Der Gestaltungsspielraum ist am Anfang einer Karriere noch nicht sehr groß, weil zunächst die anderen den Ton angeben – doch das kann sich im Laufe der Zeit ändern. Die größte Schieflage beobachte ich bei der Sinnhaftigkeit. Im Geldverdienen steckt kein Sinn. Wer tatsächlich denkt, er habe Schule, Universität, Assessment Center und Probezeit nur durchlaufen, um danach Geld zu verdienen, wird heute Probleme bekommen – spätestens, wenn die Aufstiegsluft dünner wird. Früher war das nur ganz oben der Fall. Depressive Top-Manager sind nichts Neues. Heute erleben jedoch schon Young Professionals die Irritation, dass es nicht mehr weitergeht. Die alten Hierarchieleitern, auf denen man früher aufsteigen konnte, existieren nicht mehr. Stattdessen wird man mit befristeten Verträgen abgespeist. Da stellt sich einer Nachwuchskraft sehr früh die Frage: Warum arbeite ich überhaupt in diesem Laden? Wohl dem, der eine andere Antwort als Geld hat. Ja, denn wer diese nicht hat, bewegt sich auf dünnem Eis und wird früher oder später krank. Es ist kein Wunder, dass eine Berufsgruppe als besonders gesund gilt: die der Nonnen, denn Nonnen haben mit der Sinnhaftigkeit ihres Tuns kein Problem. Wie gelingt es einem Young Professional, der nicht ins Kloster möchte, Sinnhaftigkeit im Beruf zu entdecken? Ich muss neue Prioritäten finden und setzen. Mir die Frage stellen: Was ist mir wirklich wichtig? Vielleicht stellt sich dann heraus, dass ich in einem Unternehmen arbeiten möchte, das Produkte herstellt, mit denen ich mich hundertprozentig identifiziere. Bei einem Unternehmen, das eine Kultur des Miteinanders mit Leben füllt, die meinen Werten entspricht. Es wäre dann fatal, hier Abstriche zu machen, nur weil man woanders 100 Euro mehr verdienen kann. Wie wandeln sich Wirtschaft und Gesellschaft, wenn die Unternehmen zunehmend mit Leuten besetzt sind, die echten Sinn in ihrer Arbeit sehen? Es wird genau der spannende Transformationsprozess einsetzen, den wir in diesem Zeitalter der globalen Krisen benötigen. Worte wie Leistungsdruck, Hierarchien oder Pflichterfüllung sind Begriffe von gestern. Was die Unternehmen in Zukunft benötigen, sind leidenschaftliche Leute. Querdenker und Musterbrecher, die trotzdem teamfähig sind.

Interview mit Prof. Dr. h.c. Walter Smerling

Prof. Dr. h.c. Walter Smerling ist Betriebswirtschaftler und unter anderem Direktor des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg sowie Honorar-Professor für Kunst- und Kulturvermittlung an der Universität Witten/Herdecke. Im Interview erklärt er, wie Verwirrung und Freude beim Betrachten von Kunstwerken zusammenhängen, welche positiven Effekte Unternehmenssammlungen für die Szene haben und worauf es bei Kunst eigentlich ankommt. Das Gespräch führte Wolf Alexander Hanisch.

Walter Smerling, Foto: Wolfgang LienbacherProf. Dr. h.c. Walter Smerling ist Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn und Direktor des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg.Nach einer Banklehre sowie einem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Kunstgeschichte arbeitete Smerling zunächst als Fernsehjournalist, bevor er Kurator und Ausstellungsmacher wurde. Seit 2010 ist er Honorarprofessor für Kunst- und Kulturvermittlung an der Universität Witten/Herdecke.
Kunst hatte jahrtausendelang den Auftrag, die Menschen zu unterstützen und zu trösten. Eine oft anzutreffende zeitgenössische Sichtweise widerspricht dem jedoch. Geht es nach ihr, muss gute Kunst vieldeutig sein und darf nichts von uns wollen. Entsprechend ratlos verlassen wir oft die Museen. Ist diese Verwirrung die Folge eines Missverständnisses? Oder ist sie vielmehr gewollt und heilsam? Ihre Frage ist sehr komplex. Das fängt schon damit an, dass es die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Kunst so gar nicht gibt. „Die Kunst ist Kunst-als-Kunst, und alles andere ist alles andere“, hat der Maler Ad Reinhardt 1962 gesagt. Damit meinte er unter anderem, dass in der Kunst etwas zum Ausdruck gebracht wird, was einen universellen Wirkungsanspruch hat, was die Menschen in ihrem geistigen oder spirituellen Sein berührt, was sie in vielerlei Hinsicht bereichert. Und dabei kann es durchaus passieren, dass wir eine Aussage zwar interessant finden, aber nicht auf Anhieb verstehen und darum verwirrt sind. Doch in der Regel denken wir dann darüber nach, warum uns die Kunst verwirrt. Und genau da wird die Sache spannend. Denn Kunst ist auch ein therapeutischer Prozess, der durch Provokation funktioniert. So holt sie aus dem Betrachter heraus, was in ihm steckt – und umgekehrt. Wenn dies zunächst als Verwirrung erlebt wird, dann in einer durchweg positiven Weise. Und je öfter man Kunst betrachtet, desto kleiner wird diese Verwirrung und desto größer die Freude. Die moderne Kunst birgt also Geheimnisse und wirft Fragen auf… … allerdings nicht die moderne Kunst allein! Kunst steckt immer voller Fragen. Unabhängig von der Epoche, in der sie entsteht. Aber ist eine Arbeit von Joseph Beuys nicht buchstäblich fragwürdiger als etwa Leonardo Da Vincis Mona Lisa? Warum das denn? Niemand kann behaupten, dass die Geheimnisse der Mona Lisa durchweg gelüftet seien. Warum lächelt sie so? Wer hat das Porträt in Auftrag gegeben? Was war der Grund dafür? Welches Leben führte sie? Was für eine Rolle spielte ihr Ehemann? Beim Betrachten der Mona Lisa taucht doch eine Frage nach der anderen auf. Gut. Aber wenn Kunst prinzipiell Fragen aufwirft, dann provoziert sie auch mitunter kritische oder gar rebellische Haltungen. Dennoch leisten sich viele Unternehmen die Kunst als Steckenpferd. Wie passt das zusammen? Kritik ist doch etwas, was dem Profit gefährlich werden kann … Auf diesem Feld muss man den Blick sehr weit fassen. Kunst und Kultur sind ja Synonyme für Freiheit, weil sie unzählige Erfahrungsangebote machen, seien die nun rebellisch oder nicht. Und das sind Angebote, ohne die unsere ganze Gesellschaft so nicht funktionieren würde. Das schließt die Unternehmen durchaus ein, die darum nicht nur eine soziale, sondern auch eine kulturelle Verpflichtung haben. Immerhin bieten sie Produkte oder Dienstleistungen für Menschen an, die diese auch bewerten müssen. Und dabei hilft die Kunst. Dazu kommt, dass man mittlerweile zwischen wirtschaftlichen und kulturellen Angeboten kaum noch unterscheiden kann. Gut zwei Drittel dessen, was wir heute konsumieren, ist doch ohne die Kulturindustrie gar nicht mehr denkbar. Nehmen Sie nur unsere Kleidung, die Filmbranche oder die Produktion all der Bilder für unsere Medienwelt. Kunst und Kultur sind ein enorm wichtiger weicher Faktor. Und tatsächlich leben wir in einer Kunst- und Kulturlandschaft, deren Dichte ihresgleichen sucht. Der Einfluss von Unternehmern im Kunstbetrieb ist aber auch in einem sehr direkten Sinn gestiegen. Als Sammler haben sie das Geld, das den Museen oft fehlt. Besitzen sie darum auch eine Macht, die der Freiheit der Kunst womöglich schlecht bekommt? Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil: Das Engagement von privater Hand ist so wichtig wie unproblematisch. Mit ihren Mitteln erwerben Unternehmer nicht nur Kunstwerke unterschiedlichster Provenienz, sondern machen sie häufig auch auf vorbildliche Weise zugänglich. Aber sie entscheiden doch mit ihrem Geld darüber, welche Kunst Erfolg hat und welche nicht? Das war doch nie anders! Seien es die Fugger, die Medici oder die Kirche: Alle haben sich in der Kunst engagiert. Heute dagegen existiert eine ungleich komplexere, vielfältigere und umfassendere Kunstszene als je zuvor. Alle zwei Monate findet irgendwo ein Kunstmarkt statt, der sehr verschiedene Interessen bedient. Da sehe ich die Heterogenität nicht gefährdet. Außerdem kenne ich keinen Sammler, der seine Werke in einem Museum unbedingt durchdrücken will. Museen fragen vielmehr nach einzelnen Objekten und treffen da in der Regel auf sehr kooperative Partner. Dennoch gebe ich zu, dass die Unabhängigkeit ein hohes Gut ist, auf das Museumsdirektoren unbedingt achten müssen. Unter Galeristen hört man mitunter die Klage, dass die Leute viel über Namen und Geld sprächen, aber nur noch wenig über die Qualität. Woran erkennt man denn, ob ein Kunstwerk etwas taugt? Ich habe ja eingangs erwähnt, dass Kunst umso verständlicher wird, je häufiger man sich mit ihr auseinandersetzt. Der Kontakt mit Kunst schult das Sehen und vergrößert die Vergleichsmöglichkeiten. Und das gilt auch für die Fähigkeit, die Qualität von Kunstwerken zu erkennen. Nicht das Reden über Kunst ist wesentlich, sondern das Betrachten. Das mag ja sein. Aber wo liegt der Knackpunkt, an dem sich beim geschulten Betrachten von Kunst die Spreu vom Weizen trennt? Der wahrscheinlich gravierendste Faktor ist die Zeitspanne, über die sich ein Künstler seinem Thema widmet. Wenn Sie bei einem Georg Baselitz über 50 Jahre, bei einem Gerhard Richter über fast 60 Jahre die klare Linie in den Werkprozessen nachvollziehen können, und wenn Sie etwa bei einem Markus Lüpertz herausfinden, dass er manche spannenden Aspekte schon in den Sechzigern bearbeitet hat, dann spüren Sie die Tiefe, die Durchdachtheit und den Wert von Kunst ganz deutlich. Dass sich dies auch in der Marktstellung der Künstler abzeichnet, liegt auf der Hand. Apropos Markt: Unterliegt die Kunst einem Modediktat wie viele Branchen und Lebensbereiche? Etwa nach dem Motto: Was gestern gut war, ist heute alt? Anders gefragt: Gibt es trotz der Bedeutung der Zeit eine Art Jugendwahn auf dem Kunstmarkt? Kurzfristig ja, etwa bei den „Jungen Wilden“ in den achtziger Jahren. Da war die Farbe auf der Leinwand noch nicht trocken, da wechselten die Gemälde schon den Besitzer. Langfristig aber spielt das keine Rolle, da zählt vor allem die Konsequenz von Idee und Ausdruck. Wie wird man denn zu einem erfolgreichen Künstler? Was begründet eine Karriere? Alle Künstler, die ich kenne, sind zu jeder Zeit angetreten, die Nummer Eins zu sein, und völlig überzeugt von dem, was sie tun. So eine Einstellung ist sicherlich die Grundvoraussetzung für den Erfolg. Aber natürlich muss ein junger Künstler auch das System und den Markt verstehen, muss die Beziehungen zwischen den Galerien, den Kunstvereinen, den Kunsthallen, den Auktionshäusern und den Museen begreifen. Doch wie gesagt: Dieses Wissen nützt ihm wenig, wenn er dabei nicht authentisch ist, wenn er nicht weiß, was er ausdrücken will, und wenn er dafür keine eigene Sprache findet. Das ist und bleibt der Kern des Erfolgs im Kunstbetrieb. Aller manchmal irrationalen Auktionsergebnisse zum Trotz, die natürlich auch dem Spiel von Angebot und Nachfrage unterliegen. Lassen Sie uns zum Schluss ein wenig pathetisch werden: Können Sie ein Kunsterlebnis nennen, das Ihr Leben verändert oder besonders stark beeinflusst hat? Das war eine Ausstellung von Paul Klee 1978 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Ich war damals 18 Jahre alt, und außer mir war nur Joseph Beuys mit zwei oder drei seiner Studenten zugegen. So sind wir uns zufällig begegnet und haben uns über Kunst unterhalten. Am selben Abend habe ich dann einen Vortag besucht, in dem Beuys über seinen erweiterten Kunstbegriff sprach. Auf die sinnlichen, fast erotischen Landschaftsbilder von Klee folgten die komplexen konzeptionellen Ausführungen von Beuys. Natürlich hatte ich damals die Begriffe nicht drauf und habe weiß Gott nicht alles verstanden. Aber ich wusste: Das ist es. Wenn Sie so wollen, war auch ich verwirrt seinerzeit – aber ein für alle mal von der Kunst fasziniert.

Stellenmarkt Automobile

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Sonne satt

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Wenn es Gott war, der die Erde schuf, dann wusste er, wie man die Kraft der Sonne auf effektivste und vielfältigste Weise nutzt. Seit Millionen von Jahren spannen Algen filigrane Netze im Wasser, recken sich fächerförmige Ginkgoblätter, wulstige Wüstengewächse und zierliche Butterblumen dem Licht entgegen – mit nur einem Ziel: Es einzufangen und seine Energie zu nutzen. Der Mensch scheint gerade erst zu begreifen, wie viel Potenzial der glühende Planet hat. Von Rebecca Raspe Sonne satt - Desertec Zehn Kilometer östlich von Guadix in der Provinz Granada, Andalusien, ist der Boden trocken, braun und rissig von der Hitze. Kaum ein Pflänzchen wächst hier. Stattdessen bedecken silbern glänzende Parabolspiegel die staubige Erde. Konkav öffnen sie sich zum Himmel, auf kurzen Gerüststängeln in Reih’ und Glied stehend, kilometerweit, wie metallene Riesenblumen. Die Rede ist von Andasol, dem ersten kommerziell genutzten solarthermischen Kraftwerk Europas. Der Komplex besteht aus drei Einheiten, die jeweils 180 Gigawattstunden Solarstrom pro Jahr produzieren können. Die erste ist Ende 2008 ans Netz gegangen. Sind erst einmal alle drei am Netz, können sie den Energiebedarf von über einer halben Million Menschen decken. Auf dem spiegelbepflanzten Gelände des andalusischen Solarkraftwerks rückt ein Traum ganz nah: Der, ganze Städte und Regionen mit sauberer Energie zu versorgen – ohne radioaktiven Atommüll oder klimaschädliches CO2 als Nebenprodukt. Denn die Sonne liefert jährlich 219.000 Billionen Kilowattstunden, 3000 Mal mehr, als die Weltbevölkerung heute verbraucht. Doch um das gewaltige Potenzial nutzen zu können, muss die Energie eingefangen, gespeichert und verteilt werden. „Dafür gibt es zwei Techniken: die Photovoltaik und die Solarthermie“ erklärt Dr. Sebastian Fasbender, Pressesprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar). Erstere wandelt Sonnenenergie in elektrische Energie um. Die Photovoltaikanlage besteht aus einem Solarmodul, in dem Solarzellen elektrisch verschaltet sind. Mehrere Module werden zu einem Solargenerator verbunden. Der von den Zellen produzierte Gleichstrom wird dann in Wechselstrom umgewandelt. Solarthermie hingegen wandelt Sonnenenergie in Wärmeenergie um, mit der man heizen oder Wasser erwärmen kann. Solche Anlagen bestehen aus einem Sonnenkollektor, einer Pumpe und einem Warmwasserspeicher. Im Kollektor sammeln Kupferbleche die Solarenergie. Die Pumpe sorgt dafür, dass die Wärme über mit Trägerflüssigkeit gefüllte Rohre zum Speicher abtransportiert wird. Dort wird sie dann durch einen Wärmetauscher an das Speicherwasser abgeben. Auch das Prinzip großer Kraftanlagen wie Andasol beruht auf Solarthermie. Hunderte Spiegel bündeln die Sonneneinstrahlung und konzentrieren sie dann auf Röhren mit einer wärmeleitenden Flüssigkeit. Diese erhitzt Wasser, bis es verdampft. Der Wasserdampf treibt eine Turbine an, diese wiederum einen Generator, so dass elektrischer Strom entstehen kann. „Ein großer Vorteil der solarthermischen Kraftwerke ist, dass die tagsüber gesammelte Wärmeenergie in flüssigen oder festen Medien wie Salzschmelzen oder Beton gespeichert werden kann. Nachts kann sie wieder entzogen werden, um die Turbine weiter anzutreiben“, so Sven Moormann, Pressesprecher bei Solar Millennium. Beide Industriezweige sind in Deutschland in den letzten Jahren stark gewachsen. Während die Anzahl der Beschäftigten in der Solarbranche 2004 noch bei 27.000 lag, betrug sie 2008 bereits 70.000. Der BSW Solar schätzt, dass sie bis 2020 auf etwa 200.000 ansteigen wird. Die Solarthermie hat ihren Produktionsschwerpunkt in Bayern, die Photovoltaik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Diese Bundesländer gelten als „Solar Valley Mitteldeutschland“. Hier haben sich starke Cluster aus Forschung, Industrie und Dienstleistung etabliert“, erklärt Sebastian Fasbender von BSW Solar. Sauberer Wüstenstrom Doch deutsche Unternehmen planen zunehmend auch im Ausland. Andasol beispielweise hat Solar Millennium aus Erlangen entwickelt. Sven Moormann: „Gerade im Bereich solarthermische Kraftwerke wird intensiv geforscht und verbessert. Spanien ist wegen der südlichen Lage und der Einspeisevergütungen ein attraktiver Standort.“ Eine noch weiterreichende Zukunftsvision hat Desertec. Die Organisation aus Hamburg möchte solarthermische Kraftwerke dort bauen, wo das Potenzial am höchsten ist: in den extrem heißen Wüsten Nordafrikas. Der Strom soll dann nach ganz Europa importiert werden. Aus technischer Sicht ist das schon heute machbar. „Eine Massenfertigung von Kollektoren könnte zügig aufgenommen werden“, erklärt Tim Hufermann, Sprecher von Desertec, „und HGÜ-Leitungen sind seit Jahren im kommerziellen Einsatz.“ HGÜs, das sind Hochspannung-GleichstromÜbertragungsnetze, die Strom über große Strecken transportieren. Auf tausend Kilometern haben sie weniger als drei Prozent Stromverlust. Desertecs Hauptziel ist deswegen klar: „Wir wollen die politischen Rahmenbedingungen für das Projekt schaffen“, erklärt Hufermann. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, arbeitet die „DESERTEC Industrial Initiative“, der Unternehmen wie Siemens und E.ON angehören, an einer Art „Road Map“ für die notwendigen Schritte. Sollte sie Erfolg haben, könnten schon in wenigen Jahren gewaltige Spiegelfelder aus dem gelben Wüstenboden wachsen.
Linktipps
  • www.solarwirtschaft.de Der Bundesverband für Solarwirtschaft bietet zahlreiche Daten und Fakten rund um das Thema Solarenergie und richtet sich an Unternehmer, Verbraucher und Entscheider.
  • www.intersolar.de Website der weltweit größten Fachmesse für Solartechnik.
  • www.fvee.de Der FoschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) ist eine Kooperation von Forschungsinstituten, die auf den verschiedenen Gebieten der erneuerbaren Energien arbeitet.

Wunder in der Wüste

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In nur sechs Stunden empfangen die Wüsten weltweit mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht. Desertec, eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte für sauberen Strom, baut auf dieser Erkenntnis auf. Von Franziska Andrä Wunder in der Wüste - Desertec In den Wüsten der Erde mit Sonnenenergie sauberen Strom erzeugen. Damit den Strombedarf der wachsenden Weltbevölkerung decken. Die Trinkwassergewinnung und die sozioökonomische Entwicklung in den Wüstenregionen verbessern. Gleichzeitig die globalen CO2-Emissionen reduzieren, und dabei noch die internationale Zusammenarbeit und Sicherheitspolitik fördern. Ist das zu schön, um wahr zu sein? Nein, befanden die Deutsche Gesellschaft Club of Rome e.V., Mitglieder des internationalen Wissenschaftlernetzwerks Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) sowie engagierte Privatpersonen. Sie gründeten im Januar 2009 die Desertec-Stiftung, um die Umsetzung des globalen Konzeptes „Sauberer Strom aus Wüsten“ weltweit voranzutreiben. Grundgedanke des Desertec-Konzeptes ist, Strom aus erneuerbaren Energien vor allem dort zu erzeugen, wo diese am reichhaltigsten vorkommen – in Wüsten. Wichtigste Technologie für den Wüstenstrom ist die Solarthermie: Sonnenenergie wird durch Spiegel konzentriert, um Wasser zu erhitzen. Mit dem entstehenden Dampf wird eine Stromturbine angetrieben. Zur Kühlung des Dampfkreislaufs kann an der Küste Meerwasser eingesetzt und dadurch gleichzeitig durch Entsalzung Trinkwasser gewonnen werden. An küstenfernen Wüstenstandorten kann man auf wassersparende Luftkühlung zurückgreifen. Ein großer Vorteil der Solarthermie ist die Möglichkeit, die Sonnenenergie in großen Wärmespeichern zu sammeln und sie nachts oder ganz gezielt bei Lastspitzen an den Dampfkreislauf abzugeben. So ist die solarthermische Energie auch für den Einsatz im Netzverbund mit anderen erneuerbaren Energien aus Wind und Photovoltaik geeignet, da sie Schwankungen ausgleicht und somit zur Stabilisierung der Stromnetze beiträgt. Es ist geplant, diese erneuerbaren Energiequellen über ein verlustarmes Hochspannungs-Gleichstrom-Netz über große Strecken miteinander und mit den Verbrauchszentren zu verbinden. Das würde eine wirtschaftliche, sichere und nachhaltige Versorgung der Welt mit sauberem Strom ermöglichen. Vor der Gründung der Desertec Foundation wurden ausführliche Untersuchungen zur Umsetzung des Konzepts vorgenommen, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ebenso wie von Forschungseinrichtungen für erneuerbare Energien der Regierungen von Marokko, Algerien, Libyen, Ägypten, Jordanien und Jemen. Erzeugt werden soll der Strom zunächst nämlich in der MENA-Region, also im Mittleren Osten und Nordafrika. Ziel ist, bis zum Jahr 2050 einen Großteil des regionalen Bedarfs und 15 Prozent des europäischen Verbrauchs durch den sauberen Wüstenstrom zu decken. Doch ist dieses Ziel angesichts der politischen Lage in Nordafrika und dem Mittleren Osten überhaupt realisierbar? Katrin-Susanne Richter, Vorstand der Desertec Foundation, nimmt dazu Stellung: „Die Umsetzung von Desertec ist ein langfristiges Vorhaben. Derzeit gehen wir nicht davon aus, dass es durch die aktuellen Entwicklungen wesentlich beeinträchtigt wird. Die Zerstörungen in Tunesien und Ägypten hatten weder Kraftwerke noch Stromleitungen im Fokus. Die Desertec Foundation hofft, dass die Solarpläne dieser Länder fortgeführt werden.“ Gerade jetzt sei es für Europa auch aus sicherheitspolitischen Gründen sinnvoll, sich für eine Energiekooperation im Sinne von Desertec zu engagieren. Denn das Wüstenstrom-Konzept biete den geeigneten Ansatz, die wirtschaftlichen Perspektiven für die stark wachsende Bevölkerung in der MENA-Region zu verbessern. Schließlich dient Desertec nicht nur dem Klimaschutz, sondern fördere auch die sozioökonomische Entwicklung der Standortländer durch Wissenstransfer, Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in dem neuen, nachhaltigen Industriesektor der erneuerbaren Energien. Da passt es gut, dass Thiemo Gropp, ebenfalls Vorstand der Desertec Stiftung, im April 2011 für Ende 2012 die Ausschreibungen für das erste Solarkraftwerk in Marokko ankündigte. Ab etwa 2015 könne der Bau der Anlage in der Größenordnung von 500 Megawatt beginnen. Zur Umsetzung der Desertec-Vision gründete die Desertec Foundation zusammen mit zwölf Partnern aus der Industrie- und Finanzwelt die Industrieinitiative Dii. Ein 30-köpfiges Team arbeitet dort an der Entwicklung von technischen, ökonomischen, politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die Investitionen in erneuerbare Energie und miteinander verbundene Stromnetze möglich machen sollen. Ganz konkret bereiten die Dii-Experten gemeinsam mit der marokkanischen Regierung ein Pilotprojekt bestehend aus Photovoltaik- und solarthermischen Anlagen in Marokko vor. Zu den Aufgaben der Industrieinitiative zählt nicht nur die Entwicklung eines langfristigen Umsetzungsplans bis zum Jahr 2050, sondern auch die Planung von Referenzprojekten zur Demonstration der Machbarkeit des Wüstenstrom-Konzepts.

Wüstenstrom

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Die Menschheit steht vor gewaltigen Herausforderungen: Bevölkerungswachstum und zunehmende Industrialisierung lassen den weltweiten Energiebedarf rasant ansteigen. Gleichzeitig muss der globale CO2-Ausstoß innerhalb weniger Jahre drastisch reduziert werden, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden. Das Desertec-Konzept bietet hierfür einen Lösungsansatz, der weltweit umsetzbar ist. Von Meike Nachtwey Wüstenstrom - Desertec In den Wüsten der Erde kann genügend sauberer Strom erzeugt werden, um die Menschheit nachhaltig zu versorgen, denn diese Landstriche empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht. Die Schlüsseltechnologien für die Produktion und Fernübertragung von sauberem Wüstenstrom sind bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Um den Aufbau der notwendigen Anlagen und der In frastruktur zu beschleunigen, müssen jedoch zunächst Rahmenbedingungen geschaffen werden, die internationalen Handel mit sauberem Strom ermöglichen und geeignete Anreize für Investitionen setzen. Das Desertec-Konzept zeigt einen Weg, um Klimaschutz, Energiesicherheit und Entwicklung voranzutreiben, indem die energiereichsten Standorte der Welt genutzt werden, um nachhaltigen Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Alle Arten der erneuerbaren Energien werden einbezogen, jedoch spielen sonnenreiche Wüsten eine besondere Rolle im Konzept: Wüstenstrom aus solarthermischen Kraftwerken ist dank Wärmespeichern Tag und Nacht verfügbar und somit eine ideale Ergänzung für Stromnetze mit fluktuierenden erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik. Zudem ermöglicht die sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), diese Standorte zu erschließen. Denn anders als herkömmliche Wechselstromleitungen können HGÜ-Leitungen sauberen Strom über weite Distanzen befördern, bei geringen Verlusten von etwa drei Prozent je 1000 Kilometer. Damit das Desertec-Konzept schnell weltweit umgesetzt werden kann, wurde 2009 die Desertec Foundation gegründet. Sie ist eine zivilgesellschaftliche globale Initiative zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Geeignete Wüsten gibt es auf allen bewohnten Kontinenten der Erde. „Für die Umsetzung von Desertec ist Marokko ideal“, so Dr. Meriem Rezgaoui, marokkanische Projektleiterin bei der Desertec Foundation. „Es verfügt über sehr gute Sonnen- und Windstandorte und ist eines der stabilsten Länder der Region. Als Reaktion auf den ‚arabischen Frühling‘ setzte der König nicht auf Konfrontation, sondern auf weitreichende Reformen. Milliardenschwere Pläne für den Ausbau der erneuerbaren Energien sollen Arbeitsplätze schaffen und die Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Durch eine bereits bestehende Leitung zwischen Marokko und Spanien könnte in wenigen Jahren – zusätzlich zur Produktion für den Eigenbedarf – der erste Strom nach Europa fließen.“ Das sonnenreiche Nordafrika ist optimal für die Erzeugung von sauberem Strom geeignet, doch noch mangelt es dort oft an den notwendigen Fachkenntnissen im Bereich der erneuerbaren Energien. Nordafrikanische Experten der Desertec Foundation arbeiten zusammen mit Partnern aus Deutschland und der Mittelmeerregion daran, dies zu ändern. Das Projekt „WEREEMa“ ist eine Kooperation zwischen Marokko und dem Bundesland Schleswig-Holstein mit dem Ziel, durch Know-how-Transfer Marokkos Kompetenz im Bereich der erneuerbaren Energien – insbesondere der Windkraft – zu festigen. Nun arbeitet die Desertec Foundation gemeinsam mit deutschen und marokkanischen Unternehmen daran, die Grundlagen zur Umsetzung von Desertec in Marokko zu schaffen. Zudem soll deutschen Unternehmern vermittelt werden, wie sie in Marokko auf dem Sektor der erneuerbaren Energien aktiv werden können. Hier bietet sich für Absolventen und junge Ingenieure die Chance, ihr Know-how in ein spannendes Projekt einzubringen. Meriem Rezgaoui, 43 Jahre, ist Biologin. Sie lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Nach ihrem Studium der Biologie in Marokko hat sie in Hamburg promoviert und war mehrere Jahre in der Forschung tätig. Das Desertec-Projekt hatte sie immer in den Medien verfolgt, eine Mitarbeit fand sie als langjährige Biologin aber zunächst zu fernliegend. Erst in der Elternzeit hatte sie Zeit, über einen beruflichen Wandel konkret nachzudenken – und hat es nun zur Projektleiterin für das Projekt „WEREEMa“ geschafft. „Ich habe immer Menschen bewundert, die einen beruflichen Wendepunkt hinbekommen haben und nicht aus Bequemlichkeit bei ihrem alten Job bleiben. Mit der Projektleitung habe ich mir einen Traum erfüllt, einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände in Marokko und global zum Klimaschutz zu leisten.“
Desertec Foundation Die Desertec Foundation wurde am 20. Januar 2009 als gemeinnützige Stiftung gegründet und ging hervor aus einem Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen aus der Mittelmeerregion, die gemeinsam das Desertec-Konzept entwickelten. Weitere Infos unter: www.desertec.org/de

karriereführer green-tech 2012.2013

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Vielfalt in Grün – Macher mit Verantwortungsbewusstsein gesucht

Facettenreich. Green-Tech ist weit mehr als Solarmodule, Windräder und Elektroautos. Kaum ein Techniksegment, in dem Unternehmen nicht mit grünen Lösungen und Produkten immer neue Märkte erobern. Die Zeichen stehen auf Wachstum, und gesucht werden Talente, die diesen vorantreiben – ob als Softwareentwickler oder Verfahrenstechniker, Projektmanager oder Vertriebsspezialisten. Ein Blick auf Trends, Chancen und Perspektiven der Boom-Branche. Doppelte Buchführung Grünes Licht für Querdenker und Macher mit Herz: was man für den Einstieg in die Green-Tech-Branche mitbringen sollte. „Es ist Leidenschaft im Spiel“ Conrad Eß, Gründer von Green Technology Staffing, erklärt, warum Hochschulabsolventen in grünen Berufen alle Türen offenstehen.

Top-Manager:

Pierre-Pascal Urbon, Vorstandssprecher der SMA Der SMA-Vorstandssprecher verrät, warum sich ein Karrierestart in der Photovoltaikindustrie besonders für innovative Einsteiger lohnt.

Aufsteigen

Was macht eigentlich ein Energiemanager? Tobias Müller trägt bei toom Baumarkt zu mehr Nachhaltigkeit bei. Aufgestiegen zur Marketingleiterin Steffanie Rohr motiviert es, mit etwas Gutem Geld zu verdienen. So hat sie es geschafft, mit erst 31 Jahren eine Führungsposition bei Heliatek zu bekommen.

Projekt

Pionierarbeit auf hoher See Das Team von EnBW Erneuerbare Energien trotzt für einen Offshore-Windpark in der Ostsee Wind und Wetter. Interview mit Dr. Gerhard Knies Dr. Gerhard Knies engagiert sich als Erfinder von Desertec seit Jahren für die Umsetzung des Wüstenstromprojekts.

Weiterbilden:

Studiengänge mit Rückenwind Spezielle Studiengänge bereiten auf Karrieren in der Windenergiebranche vor.

Ausland:

Salut Paris! Hallo Paris! Ben Bisenius arbeitet als Projektmanager bei wpd mal in Bremen, mal in Paris.

Handzeichen:

Valentin Thurn, Diplom-Geograf und Dokumentarfilmer Handschriftliches vom Diplom-Geografen und Dokumentarfilmer, der sich zuletzt in seinem Film „Taste the Waste“ mit Lebensmittelverschwendung auseinandersetzte.

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Akademie für Erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg GmbH Bosch Thermotechnik GmbH Daimler AG EnBW Energie Baden-Württemberg AG ENERCON GmbH ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH Fachhochschule Schmalkalden HFH · Hamburger Fern-Hochschule Mainova AG Schüco International KG

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EnergyRelations JOBWARE TALENTS – Die Jobmesse

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Salut Paris! Hallo Paris!

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Er mag Wind: Zwischen Uni-Abschluss und Berufsstart gönnte sich Ben Bisenius eine zweimonatige Pause zum Surfen in Australien. Jetzt kümmert sich der Diplom-Wirtschaftsingenieur um Windparks in Frankreich. Von Ben Bisenius

Ben Bisenius, Foto: Privat
Ben Bisenius, Foto: Privat
Ben Bisenius, 28 Jahre, wurde in Luxemburg geboren. Er studierte an der Universität Flensburg Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Energie- und Umweltmanagement und schrieb seine Diplomarbeit beim Windenergieunternehmen wpd, einem international führenden Entwickler und Betreiber von Windenergieanlagen, das ihn anschließend anstellte. Als Projektmanager arbeitet er nun in Bremen und Paris.
Anfang Februar 2010 war ich mit dem Studium fertig, zwei Monate später bin ich bei wpd als kaufmännischer Projektmanager für die Projektentwicklung von Onshore-Windparks eingestiegen. Für den Job benötigt man auf jeden Fall einen kaufmännischen Hintergrund, technisches Verständnis ist aber auch von Vorteil. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem Wirtschaftlichkeits- beziehungsweise Prognoserechnungen, Projektfinanzierungen und -prüfungen sowie laufendes Projektcontrolling und betriebswirtschaftliche Konzeption. Außerdem begleite ich die Verhandlungen. Da ich aus Luxemburg stamme, bin ich mehrsprachig aufgewachsen. Für mich war daher früh klar, dass ich in meinem späteren Berufsleben die französische und die deutsche Sprache kombinieren möchte. Meine Muttersprache ist Luxemburgisch, man lernt allerdings von Beginn an Deutsch und Französisch in der Schule. Vor dem Hintergrund, dass in Luxemburg die Entfernung zu den Nachbarländern Frankreich, Deutschland und Belgien selten mehr als 30 Kilometer beträgt, ist es auch sinnvoll, die jeweilige Sprache zu sprechen, denn Luxemburgisch beherrschen nur die wenigsten. So ist es naheliegend, dass ich bei wpd für Projekte in Frankreich tätig bin. Ich arbeite immer an mehreren Projekten gleichzeitig, diese sind über ganz Frankreich verteilt. Da die Standorte von Zeit zu Zeit besichtigt werden müssen, sehe ich auch einiges vom Land. Während in Deutschland darüber gesprochen wird, wann die letzten Atomreaktoren abgeschaltet werden sollen, laufen in Frankreich 58 Reaktoren, die 70 bis 80 Prozent des Strombedarfs sicherstellen. Neue Reaktoren sind im Bau. Gleichzeitig werden jedoch Windräder errichtet, denn man will den „Erneuerbare Energien“-Zug nicht verpassen. Der Windkraftmarkt in Frankreich ist zwar noch lange nicht so weit wie in Deutschland, doch die installierte Windleistung steigt stetig an. Die derzeitige installierte Leistung der Anlagen beträgt etwa 7000 Megawatt und wird zu wesentlichen Teilen in Nordfrankreich produziert: Die meisten Windenergieanlagen entstehen in der Picardie und der Normandie. Ich arbeite in der kaufmännischen Abteilung der französischen Projektentwicklung, habe aber auch viele Berührungspunkte zur technischen Projektentwicklung. Letztlich bin ich etwa die Hälfte der Zeit in Bremen, wo ich auch eine Wohnung habe. Die andere Hälfte meiner Zeit verbringe ich in Paris, wo wpd eine Wohnung für mich angemietet hat. Mit den französischen Kollegen klappt die Zusammenarbeit genauso gut wie mit den deutschen – alle sind sympathisch und hochmotiviert. Hilfreich ist, dass in unserem Pariser Büro in Boulogne-Billancourt ein sehr junges Team arbeitet und wir teilweise auch über den Beruf hinaus ähnliche Interessen haben. Paris kannte ich schon, bevor ich dort gearbeitet habe. Es liegt ja nur zwei Stunden Zugfahrt von Luxemburg entfernt. In Paris wird teilweise deutlich später mit der Arbeit begonnen als in Deutschland. Das kommt mir als Langschläfer zugute. Die Annahme, die Franzosen würden weniger arbeiten als die Deutschen und hätten die berühmte 35-Stunden-Woche, ist aber ein Irrglaube. Der Arbeitsbeginn ist in Paris zwar später als in Deutschland – was auch darauf zurückzuführen ist, dass viele Leute aufgrund des dichten Verkehrsaufkommens in Paris nicht früher zur Arbeit erscheinen können –, aber die Franzosen arbeiten teilweise abends deutlich länger. Eine 35 Stunden- Woche hatte ich dort bisher auf jeden Fall noch nicht. Das Klischee des „Savoir-vivre“ trifft hingegen schon eher zu. Wobei die Franzosen diesen Begriff eher für „gutes Benehmen“ nutzen und das, was Deutsche meinen, eher als „L’art de vivre“ bezeichnen würden. Diese Lebenskunst vieler Menschen in Frankreich besteht beispielsweise darin, nach dem Feierabend noch auf der Terrasse eines Cafés zu sitzen und den Tag mit Freunden ausklingen zu lassen. Grundsätzlich wird in Frankreich viel mehr Wert auf das Essen gelegt, sowohl in kulinarischer als auch in sozialer Hinsicht. Die Leute nehmen sich einfach viel mehr Zeit dafür. Wenn ich in Paris bin, nutze ich manchmal das Wochenende, um meine Familie in Luxemburg zu besuchen. In die berufliche Zukunft schaue ich nicht allzu weit, das ist vielleicht auch ein wenig französisch geprägte Mentalität. Fakt ist: Die Windbranche gefällt mir, und ich fühle mich wohl bei wpd, der Umgang miteinander ist sehr persönlich. Wir duzen uns alle – 670 Mitarbeiter weltweit.

Studiengänge mit Rückenwind

Von der Garagenfirma zum Erfolgsunternehmen: So ging es vielen in der Windbranche. Mittlerweile haben die Pionierunternehmen sich etabliert, Großkonzerne sind eingestiegen – und damit haben sich auch die Anforderungen an Absolventen verändert. Darauf reagieren mehrere Hochschulen mit speziellen Studiengängen, die auf eine Karriere in der Windenergie vorbereiten. Von Moses Kärn, ForWind

Die Wege zu Berufen in der Windenergie führen immer noch mehrheitlich über klassische Studiengänge wie Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Wirtschaft oder Jura. Diese bieten breite Kenntnisse und Methoden, die auch in der Windenergie gebraucht werden. Aber: Für einen erfolgreichen Einstieg sind Erfahrungen in der Windenergie wichtig. Deshalb sollte man eine Hochschule wählen, die eine Spezialisierung in Windenergie anbietet und an der die Professoren engen Kontakt zur Branche haben. An der Universität Oldenburg kann man sich in den Studiengängen Physik und Engineering Physics auf Windenergie spezialisieren und für eine Tätigkeit in Forschung und Entwicklung qualifizieren. Neben den Bachelor- und Masterabschlüssen ist dort auch eine Promotion möglich. An einigen Hochschulen sind mittlerweile auch spezielle Ingenieurstudiengänge für die Windenergie entstanden, zum Beispiel die Masterstudiengänge Windenergie-Ingenieurwesen an der Universität Hannover sowie Windenergietechnik an der Hochschule Bremerhaven. Ein einzigartiges Studium bietet die Universität Oldenburg zusammen mit in der Windenergie führenden Universitäten aus den Niederlanden und Dänemark: den European Wind Energy Master. Dieses im Herbst 2012 startende internationale Studium ist von der Europäischen Kommission als Erasmus-Mundus-Studiengang ausgezeichnet und wird gefördert. Es ist speziell für Forschung und Entwicklung ausgelegt und bietet die Fachrichtungen Wind Physics, Rotor Design, Electric Power Systems und Offshore Engineering. Für viele Tätigkeiten in der Branche ist über das Spezialistenwissen hinaus jedoch ein systematisches Wissen über die Zusammenhänge technischer und ökonomischer Aspekte der Windenergie gefragt. Das von ForWind und der Windenergie- Agentur WAB angebotene berufsbegleitende weiterbildende Studium Windenergietechnik und -management vermittelt diese interdisziplinäre Kompetenz. Es richtet sich vorrangig an Fach- und Führungskräfte in der Branche, eignet sich aber auch für Neu- und Quereinsteiger. Ganz neue Beschäftigungsoptionen bietet die noch junge Offshore-Windenergie. Für die mit hohen Risiken verbundene Realisierung von Windparks auf See benötigen die Unternehmen Personal, von dem es noch viel zu wenig gibt: Es soll Erfahrung in internationalen Großprojekten mitbringen und sich sowohl in der Windenergie als auch im maritimen Bereich auskennen. Zur Qualifizierung von Fach- und Führungskräften für die Offshore-Windenergie bieten ForWind und WAB ab Herbst 2012 das ebenfalls berufsbegleitende Studium Continuing Studies Programme Offshore Wind Energy (in englischer Sprache) an.

Interview mit Dr. Gerhard Knies

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Der Hamburger Physiker Dr. Gerhard Knies ist der Erfinder des Wüstenstromprojekts Desertec. Im Interview erklärt er sein Erfolgsrezept, appelliert an die Wirtschaft und fordert von den Universitäten Antworten zur Überlebensfähigkeit einer expandierenden Menschheit. Von Martin Häusler

Dr. Gerhard Knies, Foto: DESERTEC Foundation
Dr. Gerhard Knies, Foto: DESERTEC Foundation
Herr Dr. Knies, Sie haben mit Desertec das größte Green-Tech-Projekt der Welt angestoßen. Warum hat es gerade Ihre Idee, die in den Wüsten verfügbare Sonnenenergie nutzbar zu machen, in die Realisierungsphase geschafft? Der Durchbruch für Desertec hing damit zusammen, dass es ein umfassender und mit großer Tiefe durchdachter Ansatz war. Er enthielt keine unerwünschten Nebenwirkungen. Niemand konnte ihn mit einem leichten Blattschuss erlegen. Hinzu kam, dass Desertec nicht nur die globale Energiefrage lösen würde, sondern auch eine Reihe vieler anderer Probleme im Zusammenhang mit der Zehn-Milliarden- Menschen-Frage. Was meinen Sie damit? Auf der Erde werden im Jahre 2050 voraussichtlich zehn Milliarden Menschen leben. Wirtschaften wir wie heute, muss die Versorgung der Menschheit kollabieren. Meine Frage war also: Wie ist es zu schaffen, zehn Milliarden dauerhaft auf diesem Globus zu versorgen? Zehn Milliarden brauchen mehr Energie, sie brauchen mehr Wasser, sie brauchen mehr Nahrung, sie brauchen mehr Bildung, sie brauchen mehr Arbeit, und sie brauchen insgesamt ein stabiles Klima. Zu allem trägt die Desertec-Idee konstruktiv bei. Es ist ein globales Konzept und nicht nur auf eine Region anwendbar. Desertec ist eine globale Lösungsoption. Das können nicht viele Konzepte von sich behaupten. Braucht ernst gemeintes Green-Tech ein Mindestmaß an Altruismus? Ich habe mehrmals erlebt, wie sich manche Leute sehr wunderten, wenn ich ihnen sagte, dass ich kein Geld für meine Arbeit für Desertec erwarte. Das erhöhte meine Glaubwürdigkeit. Denn ich tat das offensichtlich aus Überzeugung. So ist einiges leichter gefallen. Nun wollen und müssen Berufseinsteiger erst einmal Geld verdienen. Natürlich sollte man über seiner Vision nicht verhungern. Aber wenn jemand selbstloser denkt und glaubhafter für eine Sache eintritt, hat er möglicherweise in einer Firma, die es ebenso ernst meint, bessere Chancen als jemand, in dessen Augen man die Euro- Zeichen blinken sieht. Wenn sich eine der ersten Fragen des Bewerbungsgesprächs um die Bezahlung dreht, wirkt der Rest leicht aufgesetzt. Green-Tech macht also nur Sinn, wenn es auch von einem ganzheitlichen Bewusstsein getragen ist? Genau. Wenn einer zum Beispiel vorhat, Solarenergie für die Kohleverflüssigung einzusetzen, um flüssige Brennstoffe aus Kohle herzustellen, dann kann er zwar sagen, dass man in der Produktion weniger Kohlendioxid emittiert. Man erschließt aber der Kohle damit ein völlig neues Anwendungsfeld, was deren Einsatz ausweitet. So etwas muss man durchschauen, damit man am Ende nicht das Gegenteil erreicht. Oder der Bio-Sprit: Erst fanden ihn alle toll. Bis irgendwann auffiel, dass diese Art Benzin in Konkurrenz tritt mit der Nahrungsmittelversorgung. Da hätte man eigentlich eher drauf kommen können und die Idee sofort verwerfen müssen. Es sei denn, es ging um die Erschließung eines neuen Wirtschaftszweiges. Wenn man Green-Tech als eine von vielen konkurrierenden Techniken sieht, die man gegeneinander austauschen kann, dann macht das alles keinen Sinn. Kennen Sie das Nachhaltigkeits-Dreieck?

Praktika bei Desertec

Momentan sucht Desertec Praktikanten für das Hamburger Büro. Die Praktika sollten mindestens drei Monate dauern. Voraussetzungen sind Begeisterung für erneuerbare Energien, sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse, die Fähigkeit, wissenschaftliche Texte zu verstehen und zu vermitteln, und Erfahrung in der Nutzung von Social Media. Weitere Infos unter www.desertec.org/mitarbeiten
Sollte ich? Nein, nicht unbedingt. Denn es ist ein großer Unsinn. Ein Zyniker könnte das erfunden haben, und seitdem wird es gepflegt. Besonders bei Leuten aus der Industrie ist diese Darstellung ungeheuer beliebt. Das Dreieck zeigt im Idealzustand die Ökonomie, die Ökologie und das Soziale gleichwertig nebeneinander. Nach dem Motto: Wir dürfen die Natur nur soweit schützen, dass sie uns bei unseren Wirtschaftsprozessen nicht stört. Eine Perversion. Denn die Ökosphäre ist die Basis für die Soziosphäre, und zu der gehört als ein Teil die Ökonomie. Die Wirtschaft muss immer unter dem Primat der Ökologie stehen, wenn wir nicht den Ast absägen wollen, auf dem wir sitzen. Wir brauchen Green-Tech und nicht Greenwashing. Würden Sie Green-Tech als nachhaltigsten Arbeitsplatzbeschaffer bezeichnen? Natürlich. Aber muss es nur Green-Tech sein? Erforderlich ist auch Kommunikation grüner Konzepte, also Green-Com. Denn für den Erfolg von Green-Tech sind auch soziale Strukturen wichtig und nicht nur technische Dinge. Die teilweise komplizierten Zusammenhänge müssen übersetzt und erklärt oder erst einmal auf die Agenda gesetzt werden. Im Bereich der Meinungsbildung muss sehr viel geschehen. Wie weit sind die Universitäten? Sind die ausreichend weit im neuen Denken? Das Hauptproblem der Universitäten ist, dass sie zu wenige multidisziplinäre Fragen angehen. Die größte habe ich bereits genannt: Wie können zehn Milliarden Menschen dauerhaft auf der Erde leben? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man Experten aus vielen Bereichen. Es bräuchte also einen interdisziplinären Studiengang, der unter dieser Zehn-Milliarden-Frage steht? Vor allem einen multidisziplinären Forschungsschwerpunkt, der die entsprechenden Disziplinen verknüpft. Für Leute, die heute mit 25 Jahren in den Beruf einsteigen, wird sich dieses Szenario noch während ihrer Karrierezeit realisieren. Da muss die Forschung dringend tragfähige Antworten geben. Wie könnte so ein Forschungsschwerpunkt heißen? Humankind Security. Denn es geht um die Sicherheit der Menschheit. Für Berufseinsteiger, die eine Karriere in der Hochschule oder in der Wirtschaftsberatung anstreben, könnte das ein gutes Thema werden. Da liegt ein großes Defizit. Denn die Menschheit braucht dringend ein kybernetisches System, eine Steuerung, die das Gesamtsystem im Auge hat – und nicht mehr nur einzelne Wirtschaftszweige.

Über Desertec

Die Desertec-Foundation entstand aus dem 2003 auf Initiative des Club of Rome gegründeten TREC-Netzwerk (Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation). Sie bietet ein Konzept zur Erzeugung von Strom durch Sonnenwärmekraftwerke in der Wüste. Gemeinsam mit der von ihr mitgegründeten Industrieinitiative Dii GmbH arbeitet sie an der Schaffung von Rahmenbedingungen für den Ausbau und die Vernetzung von erneuerbaren Energien im Mittelmeerraum.

Derzeit werden in Nordafrika bereits Sonnenwärmekraftwerke für den Eigenverbrauch gebaut, ab 2014 sollen auch die ersten Kraftwerke für den Export in Bau gehen. Etwa zwei bis drei Jahre später fließt dann der erste Wüstenstrom über verlustarme Leitungen nach Süd-Europa und ist dann auch in Deutschland zu kaufen. 2008 verliehen Jury und Publikum den Utopia-Award in der Kategorie Idee an das Desertec-Konzept, prominente Unterstützer sind zum Beispiel Al Gore und Angela Merkel.

www.desertec.org

Pionierarbeit auf hoher See

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Wer in Zingst, Mecklenburg-Vorpommern, an der Ostseeküste steht, kann weit draußen auf dem Meer Windräder erkennen: Es handelt sich um den ersten kommerziellen Offshore-Windpark Deutschlands in der Ostsee: EnBW Baltic 1. Von Kerstin Neurohr

16 Kilometer nördlich der Halbinsel Darß stehen 21 Windenergieanlagen auf einem Areal von rund sieben Quadratkilometern. Seit April 2011 liefern sie Strom – genug, um 50.000 Haushalte zu versorgen. Andreas Schormann, ein 30-jähriger Wirtschaftsingenieur vom Team „Windenergie Offshore“ der EnBW Erneuerbare Energien (EEE), hat daran mitgearbeitet. Als Manager Windturbine Offshore war er bei der Koordination der Bauarbeiten, der Abnahme und der Inbetriebnahme tätig. „Mit diesem Projekt haben wir Pionierarbeit geleistet“, erklärt er. „Mit Offshore-Windparks haben deutsche Unternehmen nämlich bislang kaum Erfahrung.“ Bisher gab es in Deutschland nur einen Forschungswindpark: alpha ventus, angesiedelt vor der Nordseeinsel Borkum. Draußen auf dem Meer weht der Wind nicht nur deutlich stärker als an Land, sondern auch viel konstanter. Der Ertrag von Offshore-Windparks ist wesentlich höher als der von Onshore- Anlagen – das macht sie für die Energiewirtschaft so interessant. Ihr Bau allerdings ist eine Herausforderung: Windparks auf dem Meer zu errichten, ist aufgrund der Hochseebedingungen viel komplexer als an Land. Schon ab Windstärke 4, das entspricht einer mäßigen Brise, werden die Arbeiten deutlich erschwert. Zum anderen müssen die Schnittstellen zwischen den Gewerken ganz genau koordiniert werden – auch das ist eine entscheidende Hürde. In der Bauphase von Baltic 1 tauschte Andreas Schormann sein Büro in Hamburg gegen einen Baucontainer in Warnemünde, von wo aus er das Projekt betreute. „Wir haben uns jeden Morgen mit Vertretern aller Gewerke zusammengesetzt, uns abgestimmt, Abläufe und Termine geplant“, erinnert er sich. Zuerst wurde für jede der 21 Anlagen ein sogenannter Kolkschutz auf dem Meeresboden aufgeschüttet, der die Windenergieanlagen vor Ausspülung schützt, sodass Strömung und Gezeiten ihnen nichts anhaben können. Anschließend wurden die Fundamentierungen, die sogenannten Monopiles, in den Boden gebracht: Damit die 37 Meter langen Stahlrohre sicher stehen, wurden sie mit einer gewaltigen Ramme 20 Meter in den Meeresboden getrieben. Auf das so verankerte Rohr wurde ein weiteres Fundamentteil aufgesetzt, das sogenannte Transition Piece. Auf den Flansch des Transition Piece wurde der Turm und darauf wiederum die schwere Gondel mit dem Generator und dem Getriebe sowie der riesige Rotorstern montiert. Alle Windenergieanlagen sind durch das parkinterne Netz mit der Offshore- Umspannplattform verbunden. Dort wird der erzeugte Strom im Umspannwerk hochtransformiert, per Exportseekabel an Land transportiert und dort in das Übertragungsnetz eingespeist. „Als der Windpark in Betrieb gegangen ist und der erste Strom produziert wurde, war unser Team unheimlich stolz“, erklärt Andreas Schormann. Mit der Erfahrung, die der Ingenieur in diesem Projekt gesammelt hat, ist er heute in Deutschland so etwas wie ein „alter Hase“ im Bereich Offshore- Windkraft. Als Workpackage Manager Turbine ist er momentan für die Vertragsverhandlungen der Nordseeprojekte verantwortlich. Sein Wissen bringt er außerdem im nächsten Großprojekt ein: Er arbeitet derzeit an Baltic 2 mit, einem Windpark 32 Kilometer vor der Insel Rügen, der mit 80 Anlagen viermal so groß werden soll wie Baltic 1. Die Windräder sind ein Drittel größer, die Entfernung zur Küste ist weiter, das Wasser tiefer, und der Baugrund variiert – das stellt hohe Anforderungen an Planung und Logistik. „Ich freue mich sehr, dass ich bei diesem Projekt dabei bin“, sagt Andreas Schormann. „Damit kann ich meinen Teil dazu beitragen, dass mit diesem Windpark rund 340.000 Haushalte mit grünem Strom versorgt werden.“ Zu seiner Tätigkeit im Bereich erneuerbare Energien kam der 30-Jährige nach Abschluss seines Traineeprogramms bei der EnBW. Weil ihm das Thema nachhaltige Energiegewinnung ein persönliches Anliegen ist, hat Andreas Schormann Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Energietechnik studiert. Das hat sich für ihn als goldrichtig erwiesen. Denn im Bereich erneuerbare Energien arbeitet er an spannenden Zukunftsthemen mit. Andreas Schormann meint: „Wer eine Liebe zur Technik hat und Begeisterung für Innovationen mitbringt, ist im Energiebereich gut aufgehoben.“