Salut Paris! Hallo Paris!

Foto: Fotolia/Beboy
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Er mag Wind: Zwischen Uni-Abschluss und Berufsstart gönnte sich Ben Bisenius eine zweimonatige Pause zum Surfen in Australien. Jetzt kümmert sich der Diplom-Wirtschaftsingenieur um Windparks in Frankreich. Von Ben Bisenius

Ben Bisenius, Foto: Privat
Ben Bisenius, Foto: Privat

Ben Bisenius, 28 Jahre, wurde in Luxemburg geboren. Er studierte an der Universität Flensburg Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Energie- und Umweltmanagement und schrieb seine Diplomarbeit beim Windenergieunternehmen wpd, einem international führenden Entwickler und Betreiber von Windenergieanlagen, das ihn anschließend anstellte. Als Projektmanager arbeitet er nun in Bremen und Paris.

Anfang Februar 2010 war ich mit dem Studium fertig, zwei Monate später bin ich bei wpd als kaufmännischer Projektmanager für die Projektentwicklung von Onshore-Windparks eingestiegen. Für den Job benötigt man auf jeden Fall einen kaufmännischen Hintergrund, technisches Verständnis ist aber auch von Vorteil. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem Wirtschaftlichkeits- beziehungsweise Prognoserechnungen, Projektfinanzierungen und -prüfungen sowie laufendes Projektcontrolling und betriebswirtschaftliche Konzeption. Außerdem begleite ich die Verhandlungen.

Da ich aus Luxemburg stamme, bin ich mehrsprachig aufgewachsen. Für mich war daher früh klar, dass ich in meinem späteren Berufsleben die französische und die deutsche Sprache kombinieren möchte. Meine Muttersprache ist Luxemburgisch, man lernt allerdings von Beginn an Deutsch und Französisch in der Schule. Vor dem Hintergrund, dass in Luxemburg die Entfernung zu den Nachbarländern Frankreich, Deutschland und Belgien selten mehr als 30 Kilometer beträgt, ist es auch sinnvoll, die jeweilige Sprache zu sprechen, denn Luxemburgisch beherrschen nur die wenigsten.

So ist es naheliegend, dass ich bei wpd für Projekte in Frankreich tätig bin. Ich arbeite immer an mehreren Projekten gleichzeitig, diese sind über ganz Frankreich verteilt. Da die Standorte von Zeit zu Zeit besichtigt werden müssen, sehe ich auch einiges vom Land. Während in Deutschland darüber gesprochen wird, wann die letzten Atomreaktoren abgeschaltet werden sollen, laufen in Frankreich 58 Reaktoren, die 70 bis 80 Prozent des Strombedarfs sicherstellen. Neue Reaktoren sind im Bau. Gleichzeitig werden jedoch Windräder errichtet, denn man will den „Erneuerbare Energien“-Zug nicht verpassen. Der Windkraftmarkt in Frankreich ist zwar noch lange nicht so weit wie in Deutschland, doch die installierte Windleistung steigt stetig an. Die derzeitige installierte Leistung der Anlagen beträgt etwa 7000 Megawatt und wird zu wesentlichen Teilen in Nordfrankreich produziert: Die meisten Windenergieanlagen entstehen in der Picardie und der Normandie.

Ich arbeite in der kaufmännischen Abteilung der französischen Projektentwicklung, habe aber auch viele Berührungspunkte zur technischen Projektentwicklung. Letztlich bin ich etwa die Hälfte der Zeit in Bremen, wo ich auch eine Wohnung habe. Die andere Hälfte meiner Zeit verbringe ich in Paris, wo wpd eine Wohnung für mich angemietet hat. Mit den französischen Kollegen klappt die Zusammenarbeit genauso gut wie mit den deutschen – alle sind sympathisch und hochmotiviert. Hilfreich ist, dass in unserem Pariser Büro in Boulogne-Billancourt ein sehr junges Team arbeitet und wir teilweise auch über den Beruf hinaus ähnliche Interessen haben.

Paris kannte ich schon, bevor ich dort gearbeitet habe. Es liegt ja nur zwei Stunden Zugfahrt von Luxemburg entfernt. In Paris wird teilweise deutlich später mit der Arbeit begonnen als in Deutschland. Das kommt mir als Langschläfer zugute. Die Annahme, die Franzosen würden weniger arbeiten als die Deutschen und hätten die berühmte 35-Stunden-Woche, ist aber ein Irrglaube. Der Arbeitsbeginn ist in Paris zwar später als in Deutschland – was auch darauf zurückzuführen ist, dass viele Leute aufgrund des dichten Verkehrsaufkommens in Paris nicht früher zur Arbeit erscheinen können –, aber die Franzosen arbeiten teilweise abends deutlich länger. Eine 35 Stunden- Woche hatte ich dort bisher auf jeden Fall noch nicht.

Das Klischee des „Savoir-vivre“ trifft hingegen schon eher zu. Wobei die Franzosen diesen Begriff eher für „gutes Benehmen“ nutzen und das, was Deutsche meinen, eher als „L’art de vivre“ bezeichnen würden. Diese Lebenskunst vieler Menschen in Frankreich besteht beispielsweise darin, nach dem Feierabend noch auf der Terrasse eines Cafés zu sitzen und den Tag mit Freunden ausklingen zu lassen. Grundsätzlich wird in Frankreich viel mehr Wert auf das Essen gelegt, sowohl in kulinarischer als auch in sozialer Hinsicht. Die Leute nehmen sich einfach viel mehr Zeit dafür. Wenn ich in Paris bin, nutze ich manchmal das Wochenende, um meine Familie in Luxemburg zu besuchen.

In die berufliche Zukunft schaue ich nicht allzu weit, das ist vielleicht auch ein wenig französisch geprägte Mentalität. Fakt ist: Die Windbranche gefällt mir, und ich fühle mich wohl bei wpd, der Umgang miteinander ist sehr persönlich. Wir duzen uns alle – 670 Mitarbeiter weltweit.

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