Stimmt die Chemie?

Foto: Celanese Emulsions
Foto: Celanese Emulsions

Dr. Meike Roth, 31 Jahre, ist Laborleiterin der Anwendungsentwicklung beim Chemieunternehmen Celanese Emulsions und arbeitet zusammen mit ihren Kollegen an der Entwicklung neuer Dispersionen für die Anwendung als Klebstoffe im Lebensmittelbereich.

Dr. Meike Roth, Foto: Celanese Emulsion
Dr. Meike Roth, Foto: Celanese Emulsion
Eine gewisse Begabung für Mathematik zeigte sich bei mir schon im frühen Kindesalter. Mein Interesse für Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, musste dann erst während der Mittelstufenzeit durch eine kompetente und engagierte Lehrerin geweckt werden. Hatte mich der Chemieunterricht bei meinem vorherigen Lehrer schlicht und ergreifend nicht interessiert, war ich durch den neuen und spannenden Chemieunterricht der 9. Klasse auf einmal Feuer und Flamme für dieses Fach. Lange überlegte ich, ob mein Werdegang mich zu einer Chemie- und Sportlehrerin am Gymnasium führen sollte. Schließlich entschied ich mich gegen meine Vorliebe zum Sport und zu einem reinen Chemiestudium, wohl um in meinem späteren Beruf ein höheres Maß an Flexibilität und Aufstiegschancen geboten zu bekommen.

Arbeiten auf internationaler Ebene
Ein Praktikum während meines Chemiestudiums am Max-Planck-Institut für Polymerforschung eröffnete mir später die Möglichkeit, meine Diplomund meine Doktorarbeit dort zu schreiben. In dieser Zeit bekam ich die Chance, viele verschiedene Konferenzen zu besuchen und meine Arbeit auf internationaler Ebene vorzustellen. Schon damals gefiel mir der Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen und zu vielen verschiedenen Kulturen. So wurde mir schnell klar, dass mein zukünftiger Job mir Ähnliches bieten sollte.

Nach meiner Promotion 2010 bewarb ich mich dann erfolgreich bei der Celanese Emulsions. Besonders freute ich mich, dass ich während meines Vorstellungsgespräches gefragt wurde, ob ich mich selbst eher in der Forschung oder in der Anwendungstechnik mit direktem Kundenkontakt sehen könnte. Die Antwort fiel mir nicht schwer, und so eröffnete sich für mich die Möglichkeit, meine kommunikativen Fähigkeiten, gepaart mit meinem Chemiehintergrund in der Rolle als Laborleiterin der Anwendungsentwicklung einzubringen. Nach einer großzügigen Einarbeitungszeit von vier Monaten in der Forschung zu dem Thema Emulsionspolymerisation nahm ich meinen Platz in der Anwendungstechnik mit Projekten zum Thema Klebrohstoffe ein. Als besondere Herausforderungen stellten sich hierbei das Anleiten eines eigenen Labors, der Umgang mit Patenten sowie das Erlernen und Beachten diverser rechtlicher Direktiven und Regularien heraus.

Seit zwei Jahren stelle ich nun in meiner Position das Bindeglied zwischen der Forschungs- und Entwicklungseinheit sowie der Anwendungstechnik dar. Dies bedeutet für mich einerseits, die enge Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Forschern in verschiedenen Projekten sowie andererseits die Abstimmung mit dem Marketing, den Besuch von Messen und Konferenzen und den Kontakt zu Kooperationspartnern und Kunden. Von Anfang an gefiel mir hierbei, dass ich nicht nur mitbekam, welche Innovationen wir in der Forschung entwickeln, sondern auch, wie deren Eigenschaften in der praktischen Anwendung getestet werden und darüber hinausgehend wie der Austausch mit Kunden und Instituten außerhalb des Unternehmens vonstattengeht.

Oft ist die Verwendung unserer Dispersionen im Klebstoffbereich nicht ausschließlich von deren klebetechnischen Eigenschaften abhängig, sondern wird zusätzlich von nationalen und internationalen Rechten bestimmt. Ein Thema, mit dem ich mich in diesem Bereich besonders auseinandersetze, ist die lebensmittelrechtliche Betrachtung von Verpackungsklebstoffen. So muss verhindert werden, dass unerwünschte Substanzen aus dem Verpackungsmaterial in das Lebensmittel migrieren beziehungsweise dies nur in vorgeschriebenen Grenzwerten vorkommt. Um das Migrationspotenzial unserer Dispersionen abschätzen zu können, haben wir deshalb im letzten Jahr von einem akkreditierten Institut Migrationsmessungen durchführen lassen. Die positiven Ergebnisse konnte ich dann auf der „World Adhesives Conference“ in Paris während eines Vortrages präsentieren.

Über den Tellerrand schauen
Zusätzlich zu meinen täglichen Aufgaben im Unternehmen bin ich seit Juni 2012 gewähltes Mitglied der Technischen Kommission für Papier und Verpackungsklebstoffe des Klebstoffverbandes IVK. Dieses Amt hat mir sehr geholfen, mich in die Thematik „Lebensmittelkontaktklebstoffe“ einzuarbeiten. Zusätzlich ermöglichte es mir, über meinen eigenen Tellerrand hinauszublicken und erneut mit interessanten Menschen in Kontakt zu kommen.

Lebensmittelrechtlicher Status von Klebstoffen

Unter Migration wird im Bereich der Chemie das Wandern niedermolekularer Stoffe, wie beispielsweise von Weichmachern, an die Oberfläche von Kunststoffen oder in umgebende Stoffe bezeichnet. Dies ist in toxikologischer Hinsicht besonders relevant bei Lebensmittelverpackungen, Arzneimitteln und Spielzeug.

Der lebensmittelrechtliche Status von Klebstoffen besagt, dass der „Inverkehrbringer“ verpackter Lebensmittel eine gesamtheitliche Entscheidung treffen muss, ob ein Material und/oder ein Gegenstand unbedenklich ist im Sinne der Verordnung EG Nr. 1935/2004 des europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Oktober 2004 über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen. Hierzu benötigt er von allen Partnern ausreichend Informationen.

Quelle: www.klebstoffe.com