Das letzte Wort hat: Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND

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Rafael Laguna de la Vera hat eine tolle und gleichzeitig sehr herausfordernde Aufgabe: Er soll Innovationen entdecken, die die Welt grundlegend verändern – hin zum Guten. Die Fragen stellte Christoph Berger

Zur Person

Rafael Laguna de la Vera, Foto: SPRIND GmbH
Rafael Laguna de la Vera, Foto: SPRIND GmbH

Rafael Laguna de la Vera ist eigentlich Gründer und Investor im Software- und Internetbereich. Doch im Juli 2019 wurde er von der Bundesregierung zum Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovation SPRIND berufen. Auftrag der Bundesagentur ist es, aus Forschungsergebnissen und Erfindungen neue Unternehmen oder gar Industrien zu machen, die den Wohlstand Deutschlands und Europas sichern. Rafael Laguna de la Vera studierte 1986 für einige Wochen Informatik an der Universität Dortmund, brach das Studium aber wieder ab. Im Jahr 1998 absolvierte er ein Management-Programm an der Harvard Business School. www.sprind.org

Herr Laguna, Sie leiten die Bundesagentur für Sprunginnovationen. Was sind Sprunginnovationen?
„Normale“ Innovationen stellen Verbesserungen von bereits Existierendem dar. Sprunginnovationen grenzen sich von diesen dahingehend ab, dass sie etwas gänzlich Neues sind. Kommt eine Sprunginnovation in die Welt, ist sie danach merklich anders als zuvor. Wir konzentrieren uns hier auf Sprunginnovationen, die die Welt besser machen.

Was sind Beispiele für derartige Innovationen?
Mit KI erleben wir gerade das „In die Welt kommen“ einer Sprunginnovation. Dass KI alles auf links kehren wird, steht außer Frage und wird Auswirkungen auf jeden Einzelnen haben. Auch das Smartphone hat unser Leben stark verändert, davor das Internet. Aber auch jüngst und aus Deutschland kommend sind mRNA-Impfstoffe zu nennen.

In welchen Bereichen identifiziert die von Ihnen geführte Bundesagentur Sprunginnovationen?
30 Prozent haben wir etwa im medizinischen, 30 Prozent im Energie- und Umwelt- und ein weiteres Drittel im richtigen Deep-Tech-Bereich. Die letzten zehn Prozent kommen aus dem Sozialbereich, die manchmal überhaupt nicht so viel mit Technik zu tun haben. Wir machen da aber prinzipiell keine Vorgaben, Projekte können bei uns jederzeit eingereicht werden. Insgesamt gab es bislang rund 1300 Einreichungen, von denen glauben wir fünf Prozent weiterentwickeln zu müssen. In Challenges geben wir zudem Themen vor.

Wer sucht die Innovationen aus – sind das Menschen oder werden Sie von einem Algorithmus unterstützt?
Nein, das machen noch wir Menschen. Das hat auch damit zu tun, dass Sprunginnovationen viel mit Menschen zu tun haben. Wir schauen uns die Innovator*innen sehr genau an. Wir suchen Leute, die für ihre Sache brennen, die eine große Vision haben. Bei Sprunginnovationen muss man nicht nur eine fachliche Exzellenz haben, sondern darüber hinaus auch groß denken können und die dafür nötige Energie freisetzen. Für KI ist da eine Evaluierung noch etwas schwierig. Und wenn, dann würden wir uns eine eigene KI entwickeln.

Welche Rolle spielt IT bei all den Innovationen?
Sie spielt überall und ausnahmslos eine Rolle.

Sie studierten selbst Informatik, brachen das Studium dann aber nach wenigen Wochen wieder ab. Was war die anfängliche Motivation und wie kam es zum Bruch mit dem Fach?
Mit 12 Jahren habe ich die Mikroelektronik entdeckt, 1976, habe dann 4-bit SCM-Computer zusammengelötet mit 256 Byte und mit 16 Jahren meine erste Firma gegründet. Nach Abi und Zivildienst kam ich dann an die Uni Dortmund: 500 Erstsemester-Studierende und nur Fächer, mit denen ich als praktischer Informatiker nichts anfangen konnte. Das war nicht inspirierend. Seitdem hat sich aber viel geändert.

Inzwischen gibt es, Sie haben es erwähnt, Künstliche Intelligenz. Wie wird KI die Arbeit der Informatiker selbst verändern?
Sie wird die Arbeit auf allen Gebieten verändern. So wird eine KI in allen Phasen der Softwareentwicklung mitwirken – und tut dies ja auch schon. Entwickler*innen, die diese Werkzeuge zu nutzen wissen, werden viele Faktoren effizienter und schneller erledigen können. Mit großer Sicherheit werden wir auch User Interfaces und Rechner ganz anders bauen. Wir müssen uns neu erfinden. Ich kann allen nur empfehlen, sich diesen Technologien zu öffnen und sich von morgens bis abends damit zu beschäftigen, sich ein eigenes Large Language Model, ein generatives Sprachmodell mit künstlicher Intelligenz, aufzusetzen – damit man das einerseits versteht und andererseits für sich einsetzt und mit eigenen Daten trainiert. Und man sollte mit all den neuen Tools experimentieren und schauen, wie man sie in die eigenen Arbeitsprozesse einbauen kann.