Aufgestiegen zum Bauleiter

Stefan Kretzler, Foto: Goldbeck
Stefan Kretzler, Foto: Goldbeck

Vor allem in letzter Zeit geht es für Stefan Kretzler darum, den Überblick zu wahren: Er ist als Bauleiter parallel für drei Bauprojekte seines Arbeitgebers Goldbeck verantwortlich. Von Christoph Berger

Stefan Kretzler

studierte Bauingenieurwesen an der Universität Karlsruhe
eingestiegen 2009 als Werkstudent bei Goldbeck
aufgestiegen 2010 zum Bauleiter bei Goldbeck

Bei dem größten Projekt handelt es sich um den Neubau eines Logistikzentrums mit angegliedertem Bürotrakt im Raum Stuttgart. Im Juni dieses Jahres erfolgte der erste Spatenstich. Kretzler stand damals zusammen mit den Auftraggebern der Halle sowie einigen Goldbeck-Managern mit dem obligatorischen Spaten vor den Kameras der Fotografen. Seitdem hat sich auf dem einst ebenen Baugrund viel getan. Bereits drei Monate später, im September, feierte man traditionsgemäß mit der Fertigstellung des Daches Richtfest. „Wir garantieren unseren Kunden, in sechs Monaten schlüsselfertig zu bauen. Diese Termine können wir prinzipiell immer halten – es sei denn, Auftraggeber wünschen mal besondere Extraleistungen. Oder das Wetter spielt überhaupt nicht mit“, erklärt der 29-Jährige.

Kretzler hat Bauingenieurwesen an der Universität Karlsruhe mit Bachelorabschluss studiert. Während der Zeit entstand auch der erste Kontakt zu seinem künftigen Arbeitgeber. Erst absolvierte er dort sein Praxissemester, danach arbeitete er als Werkstudent in dem Unternehmen weiter. „Mir gefiel von Beginn an die Unternehmensstruktur und -kultur. Goldbeck ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Das merke ich immer wieder in meiner täglichen Arbeit. Ich bin nicht nur eine Nummer, sondern das Konzept der ‚Großfamilie‘ ist tatsächlich zu spüren“, zählt er die für ihn wichtigen Vorzüge auf. Trotzdem arbeitete der junge Bauingenieur direkt nach seinem Studienabschluss erst einmal drei Monate in einem kleinen Ingenieurbüro für Straßenbau. Doch während dieser Zeit war ihm klar: „Ich will zurück.“

Sein erstes Projekt als Bauleiter war eine Produktionshalle. Die größte Herausforderung bestand damals darin, Solarpanel in das Dach zu integrieren. „Ich hatte einen erfahren Projektleiter an der Seite. Und mir halfen die Erfahrungen aus dem Praxissemester“, erinnert er sich. Außerdem hatte Kretzler vor seinem Studienstart bereits eine Schreinerausbildung abgeschlossen. Auch dieses Praxiswissen half ihm, das Projekt erfolgreich abzuschließen. „Gerade ältere Handwerker lassen sich nur ungern etwas von einem Jungspund sagen. Durch meine Ausbildung fand ich aber schnell den richtigen Umgangston“, sagt er. Schnell ist Kretzler mit den Handwerkern beim „Du“. Überhaupt bevorzugt er die Kommunikation auf gleicher Höhe. Das schließt jedoch nicht aus, dass er Entscheidungen auch mal energisch durchsetzt. Immerhin ist er letztendlich für die von ihm begleiteten Baustellen verantwortlich – gegenüber dem Bauherrn, den Nachunternehmern und der eigenen Firma. Natürlich auch gegenüber sich selbst, denn er möchte die Werte seines Unternehmens auch nach außen leben. Er steuert die einzelnen Gewerke, setzt die Termine, kontrolliert die geleisteten Arbeiten und nimmt sie ab. Ein internes IT-System hilft ihm bei der Leistungsfeststellung – so behält er den Überblick über die Kosten.

Die Baustellenorganisation
Bei seinem ersten Projekt kamen regelmäßig die Bauherren vorbei, um sich die Entwicklungen direkt vor Ort anzusehen. „Glücklicherweise bekam ich immer gutes Feedback“, erinnert er sich. Auf die Qualität vieler Materialien kann er sich grundsätzlich verlassen, denn die produziert Goldbeck in der Regel selbst. Das Unternehmen betreibt eine eigene Stahl- und Betonproduktion. „So können wir zum einen die Zeiten und die Qualität garantieren, zum anderen sind die Kommunikationswege kürzer, und individuelle Fertigungsteile können unkomplizierter hergestellt werden“, sagt er. Trotzdem gehört auch hier eine abschließende Kontrolle zu seinen Aufgaben – Fehler kommen schließlich immer mal vor.

Um sich auf ein Projekt vorzubereiten und die Baustelle zu planen, hat Kretzler in der Regel zwei bis drei Wochen vor dem eigentlichen Baustart Zeit. Da bekommt er die Bauunterlagen vom Projektleiter und den Planern, die das Projekt vor Baubeginn mit den Kunden abstimmen und sämtliche Vereinbarungen vertraglich festhalten. Ist der erste Spatenstich getan, verfolgt er ein festes Ritual. Um sieben Uhr morgens ist er auf der Baustelle und läuft eine Stunde lang durch das Gebäude: „Ich spreche mit allen Beteiligten und frage, ob es irgendwelche Probleme gibt.“ Sind europäische Mitarbeiter beteiligt, die kein Englisch sprechen, können solche Besprechungen schon mal mit Händen und Füßen geführt werden. An der Logistikhalle beispielsweise, an der er momentan die Aufsicht hat, arbeiten zirka 50 Leute. Nach seinem Rundgang geht er an seinen Schreibtisch in einem Baucontainer. Dort erledigt er den Schriftverkehr und organisiert die nächsten Schritte beziehungsweise protokolliert erledigte Arbeiten. Auf den Dienstag setzt er in der Regel einen Jour-Fixe-Termin, an dem sämtliche Vereinbarungen mit den Nachunternehmern noch einmal durchgesprochen werden. „Jeder Bauleiter hat da seine eigene Vorgehensweise.“ Kretzler selbst darf Aufträge bis zu einer Höhe von 50.000 Euro vergeben. Alles, was über diesem Betrag angesiedelt ist, wird vom Projektleiter entschieden. Der ist Ketzlers direkter Vorgesetzter und auch derjenige, der mit den Bauherren verhandelt.

Ketzler kann sich vorstellen, in einigen Jahren selbst Projektleiter zu werden. Doch jetzt möchte er erst noch weiter als Bauleiter arbeiten – mindestens fünf Jahre. Seine Projekte wachsen und werden mehr. Um seine momentan drei Baustellen gut und ausreichend betreuen zu können, hat er einen jungen Bauleiter ins Team bekommen. Nun gibt er seine Erfahrungen und sein Wissen weiter. Gleichzeitig lässt er ihm aber auch ausreichend Raum, damit sich der Neue selbst in die Arbeit einfinden kann. „Ich mag diesen Job“, sagt Ketzler. „Ich lerne ständig neue Menschen kennen und kann mich kreativ in die Arbeit einbringen. Das gefällt mir.“

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