Das letzte Wort hat: Diane D. Manz, Coach & Beraterin

Foto: Fotolia/fotofabrika
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Es ist wie in jeder Beziehung: Ohne Kommunikation stockt es irgendwann. Diese Prämisse gilt auch für das Berufsleben, wie Diane D. Manz im Interview erklärt – gerade dann, wenn es um so stressige Berufe wie die eines Anwalts geht. Die Fragen stellte Christoph Berger

Diane D. Manz, Foto: Stephan Sieber/picturebaer
Diane D. Manz, Foto: Stephan Sieber/picturebaer

Diplom-Psychologin Diane D. Manz ist Business- und Burnout-Coach und berät Privatpersonen und Unternehmen zu Kommunikation, Führung, Vielfalt & Einbindung sowie Stressmanagement & Burnout-Prävention. Sie blickt zudem auf 17 Jahre Erfahrung im Personalbereich zurück, 13 Jahre davon leitete sie die Personalabteilung einer internationalen Großkanzlei. Heute ist sie Inhaberin von brandung | coaching & consulting mit Büros in Gießen und Frankfurt am Main.

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Frau Manz, Sie haben selbst lange Zeit in verantwortlicher Position in einer Kanzlei gearbeitet. Was waren Ihre dabei gemachten Erfahrungen, wie gehen Anwälte mit den Herausforderungen ihres Alltags um – gerade dann, wenn es stressig wird?
In der täglichen Arbeit des Anwalts ist Stress nicht wegzudenken. Ein überdurchschnittliches Arbeitspensum und hohe Ansprüche der Mandanten sowie damit verbundene lange Arbeitszeiten sind nicht wegzudenken – viel, schnell, komplex und oft noch unberechenbar. Das ist stressig. Aber Stress ist per se noch nicht schädlich. Wenn ich für die Arbeit brenne, Spaß daran habe und mich den gestellten Aufgaben gewachsen fühle, dann ist dieser Stress motivierend und bringt mich weiter. Danach braucht es dann allerdings auch ausreichend Zeit für die Regeneration.

Und wann ist Stress schädlich?
Schwierig wird es, wenn mich meine Aufgaben überfordern und ich den Anforderungen nicht gerecht werden kann. Das ist anstrengend, führt zu wenig oder keinen Erfolgserlebnissen und neue Herausforderungen machen eher Angst als dass sie zu neuen Höchstleistungen anspornen. Damit wird ein Kreislauf in Gang gesetzt, der in chronischem negativem Stress endet. Der ist ungesund und führt nicht selten zu körperlichen und psychischen Beschwerden.

Gibt es dort weitere Ursachen für negativen Stress?
Ja. Denn auch mangelnde Transparenz in Bezug auf die Karriereentwicklung, Führung, Kommunikation und Problemlösung können zu negativem Stress führen. Hierarchische Unsicherheit und Angst vor Konfrontation spielen hier eine große Rolle, ebenso fehlendes Einfordern von Rückmeldungen, kein Abgleich von gegenseitigen Erwartungen und mangelnde Zielvorstellungen. Diese Bereiche haben einen sehr großen Einfluss auf die tägliche Arbeit und die Zufriedenheit damit.

Was kann jede bzw. jeder Einzelne in solchen Situationen machen?
Stressempfinden, sowohl in positive als auch negative Richtung, ist sehr individuell. Insofern ist es wichtig, regelmäßig zu reflektieren, welche Situationen einen in einen unangenehmen Zustand versetzen. Wenn ich die Stressoren identifiziert habe, kann ich mir überlegen, inwieweit diese zu verändern oder abzustellen sind. Ist beides nicht möglich, kann ich versuchen, meine Situationsbewertung zu verändern. Ich kann hier nur dafür plädieren, die Möglichkeit der Veränderung gedanklich zuzulassen. Wenn ich Wünsche oder Sorgen habe, diese aber nicht kommuniziere, kann ich nicht auf Besserung hoffen. Das gilt übrigens für beide Seiten. Oft ist das Ansprechen von Problemen sehr viel einfacher als gedacht. Stellt sich nach einem solchen Gespräch heraus, dass es keine Chance auf Veränderung gibt, weiß man zumindest, woran man ist.

Kommunikation ist also alles?
Kommunikation ist viel. Um grundsätzlich die eigene Lebensqualität zu verbessern und die Gesundheit zu fördern, ist es gerade bei einem anspruchsvollen Job wichtig, auch Zeiten der Regeneration sicher zu stellen. Und wenn es nur ein Spaziergang um den Block in einer sonst nicht existenten Mittagspause oder eine Kurzmeditation im Büro ist. Selbst wenn Dauerstrom nicht im Burnout endet, senkt er mittelfristig die Leistungsfähigkeit. Ebenso wichtig sind Hobbies und ein privates soziales Netzwerk. Hier kommt es stärker auf Qualität als auf Quantität an.

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