Der Wettbewerb und die Digitalisierung verlangen von Unternehmen immer kürzere Innovationszyklen und schnellere Prozesse. Hier bietet Agilität eine Lösung: Sie versetzt Unternehmen in die Lage, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit zu agieren. Der Erfolg einer agilen Transformation hängt vor allem von der Unternehmenskultur ab und verlangt einen gesamtunternehmerischen Wandel – einen Wandel, der oft von externen Experten begleitet wird. Von Miriam Berghaus, Senior Consultant bei Cassini Consulting
Agilität ist längst keine Domäne der Softwareentwicklung mehr. Die agilen Prinzipien lassen sich in allen Bereichen der Organisationskultur anwenden. Agile HR, Management 4.0 und auch Holokratie sind Schlagwörter, die den Trend von einer prozesszentrierten und starren Organisationskultur zu einem partizipativen Modell unterstreichen.
Unternehmen werden dadurch in die Lage versetzt, sich in einer sich stetig und kurzfristig verändernden Umwelt immer neu auf Kundenbedürfnisse auszurichten. Das Ziel ist es, bestmögliche (Teil-) Antworten auf notwendige Veränderungen zu finden und diese iterativ und basierend auf empirischen Erfahrungswerten weiterzuentwickeln. Eine Anpassung wird dabei nicht als Störung eines Plans wahrgenommen, sondern als (positives) Korrektiv auf Basis eines kontinuierlichen Erkenntnisgewinns.
Da dies oftmals eine signifikante Veränderung der Arbeitsweise von Unternehmen ist, wird weitreichendes Methodenwissen und vor allem auch Erfahrungswerte aus vergleichbaren Unternehmen benötigt, um den Unternehmenswandel zum Erfolg zu führen. Dieses Wissen wird, wenn nicht bereits im Unternehmen vorhanden, von Unternehmensberatungen hinzugeholt.
Dabei können Unternehmensberatungen auf verschiedene Arten unterstützen. Sie können Ressourcen im Rahmen eines Interimmanagements stellen, um neue Rollen zu besetzen, bis das Wissen innerhalb des Unternehmens aufgebaut beziehungsweise neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Eine weitere Option ist das Coaching: Interne (Schlüssel-)Mitarbeiter werden dabei durch erfahrene Agilisten begleitet und in ihrer jeweiligen Rolle weiterentwickelt, sodass sie die Herausforderungen des Wandels erfolgreich begleiten können. Im dritten Szenario begleitet die Beratung das Unternehmen von der ersten Idee über die Implementierung bis hin zur agilen Weiterentwicklung des ausgewählten Frameworks, um es auf Erfahrungswerte zu stützen und stetig den Unternehmensbedürfnissen anzupassen.
Die agile Transformation hat einen wesentlichen Fokus: den Menschen – sei es nun im Management oder auf operativer Ebene. Mit ihm steht und fällt, wie in jedem Change- Management, der Erfolg ebendieser Veränderung. In der Beratung ist daher nicht so sehr das Expertenwissen zu Fachbereichen wichtig, der Fokus liegt klar auf dem Methodenwissen zu den Frameworks sowie ihren Einsatzmöglichkeiten und Grenzen. Offenheit für neue Themen und geistige Flexibilität sind weitere wichtige Merkmale. Über allem steht aber die Fähigkeit, eine Veränderung der Einstellung des Einzelnen zu bewirken und eine Unternehmenskultur nachhaltig zu gestalten.
Der Start in die Agilität sollte in einer Beratung erfolgen, die eine breite Kundenbasis hat und wo Neueinsteiger zusammen mit erfahrenen Beratern bei Kunden vor Ort erste Erfahrungen sammeln können.
Beratung einmal anders: Als eines der ersten Großunternehmen nutzt Bosch das Working Out Loud (WOL) Programm. Ziel ist es, die Mitarbeiter zu vernetzen und ihre Fähigkeiten zur digitalen Zusammenarbeit weiterzuentwickeln, um so Produkte und Dienstleistungen für die vernetzte Welt zu entwickeln. Zur Beratung wird das im Konzern vorhandene Wissen genutzt. Von Christoph Berger
Der Name Working Out Loud bedeutet so viel wie „sei sichtbar mit deiner Arbeit und teile dein Wissen und deine Erfahrungen“. Prinzipiell also nichts Neues. Und doch bekommt die Methode vor dem Hintergrund der digitalen Transformation eine neue Bedeutung. So verbringen Arbeitnehmer in Deutschland laut einer Trendstudie rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Austausch und Zusammenarbeit, zunehmend in virtuellen Netzwerken. Um in die Zusammenarbeit Effizienz zu bringen, müssen technische, organisatorische und kulturelle Rahmenbedingungen stimmen.
Bei Bosch hat man sich für folgenden Weg entschieden: Um den gewünschten Output zu erhalten, ist die Zusammenarbeit über Bereichsund Unternehmensgrenzen, der Austausch von Wissen sowie Zugang zu Institutionen und Personen, zu denen man bisher keinen Kontakt hatte, erforderlich – also: eine agile Arbeitsorganisation mit aktiven Expertennetzwerken. Über ein sogenanntes Peer Coaching beraten und unterstützen sich die Mitarbeiter untereinander – in Circlen. So sagt Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor des Unternehmens: „Der digitale Wandel ist auch ein kultureller Wandel. Mit Working Out Loud fördern wir die digitale Zusammenarbeit, entwickeln unsere Lern- und Arbeitskultur weiter und stärken so unsere Innovationskraft.“
Deutsche Social Collaboration Studie Die Deutsche Social Collaboration Studie liefert einen Gesamtüberblick über die Nutzung von modernen Technologien zur Förderung der vernetzten Zusammenarbeit in deutschen Unternehmen. www.collaboration-studie.de
Auch die Deutsche Social Collaboration Studie 2018, herausgegeben vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Buxmann, kommt unter anderem zu dem Schluss, dass Enterprise Social Networks ein besonderes Potenzial bei der Entwicklung von Innovationen bieten. Sie würden die Entwicklung von Metawissen – „Was wissen meine Kollegen?“ – fördern und damit neue Kombinationen bestehender Ideen und einen effektiven Wissenstransfer ermöglichen, lautet eine der Kernaussagen. Die sogenannten ESNs würden außerdem die persönlichen Netzwerke der Mitarbeiter stärken, insbesondere im Hinblick auf die Vielfalt verfügbarer Ideen und des zugänglichen Wissens. Also genau das, was mit WOL angestrebt wird.
Doch anders als bei vielen anderen Ansätzen, etablierte sich WOL bei Bosch nicht nach dem Bottom-down-Prinzip, sondern nach dem Bottom-up-Ansatz. Also auch hier: Beratung von Seiten der Mitarbeiter.
FRANK SCHÄTZINGS NEUER THRILLER ÜBER KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
Im gerade erschienen Buch des Bestsellerautors Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“ gerät ein Sheriff in der verschlafenen Goldgräberregion Sierra in Kaliforniens Bergwelt bei der Untersuchung eines rätselhaften Todesfalls in den Sog aberwitziger Ereignisse. Schon bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln und die Zeit selbst scheint aus den Fugen zu geraten. Das Geheimnis im Berg, wo auch die Forschungsanlage eines Hightech-Konzern betrieben wird, führt ihn an die Grenzen des Vorstellbaren – und darüber hinaus.
Frank Schätzing: Die Tyrannei des Schmetterlings. Kiepenheuer&Witsch 2018, 26 Euro.
EIN UNTERNEHMENSBERATER UND DAS „CALIFORNIA SOUL KITCHEN“
„The Sunshine State of Mind – From Ocean Drive // To Karl-Marx-Allee“. So heißt es auf der Internetseite des California Soul Kitchen. Gegründet wurde das Restaurant unter anderem vom früheren Unternehmensberater Dr. Benjamin Brudler. Obwohl: Restaurant stimmt nicht! Beim Konzept der Soul Kitchens handelt es sich um reine Bringdienste – mit schmackhaftem Essen aus der Großküche. Gasträume entfallen. Das senkt die Kosten, auch wegen der Lage. Die von Brudler mitgegründete Küche in Berlin ist dabei die erste dieser Art in Deutschland.
Weitere Informationen unter: www.californiasoul.kitchen
STORYTELLING-CONSULTANT: MIT GESCHICHTEN BEGEISTERN
Wer lebendige Geschichten erzählt, erzeugt Spannung. Und die Geschichte bleibt im Gedächtnis, vor allem dann, wenn die Zuhörer auch noch in die Geschichten eingebunden werden. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen auf das sogenannte Storytelling setzen, um Probleme zu lösen, Unternehmenskultur aufzubauen oder es als Marketing-Instrument zu nutzen. So ist ein ganz eigener Beruf entstanden: der des Storytelling-Consultant. Dazu auch Matthias Horx in seinem Beitrag „Adieu, Marketing!“: www.zukunftsinstitut.de/artikel/adieu-marketing
JUPP HEYNCKES – DIE BIOGRAFIE
Josef „Jupp“ Heynckes ist einer der besten deutschen Trainer. Autor Christoph Spöcker hat aber noch ganz andere Geschichten gefunden, die weit über seine sportlichen Leistungen hinausgehen: Zum Beispiel dass der gebürtige Gladbacher neun Geschwister hat und seine Frau während einer Krebserkrankung lange selbst gepflegt hat.
Christoph Spöcker: Jupp Heynckes – Die Biografie. Riva 2017, 17,99 Euro.
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HAMBACHER FRÜHLING
„Freuen Sie sich doch, Palzki“, schnauzte ihn sein Chef Diefenbach, kurz KPD genannt, an. „Nicht jeder bekommt in seinem Leben die Gelegenheit, mit hochrangiger Prominenz in Kontakt treten zu dürfen. Dies ist eine einmalige Gelegenheit für Sie“. In KPDs Universum gibt es nur Eigenlob, Einbildung, Arroganz und Ignoranz gegenüber dem realen Rest der Welt…Entsprechend gelaunt nimmt Kommissar Palzki an einer Wochenendtagung auf dem Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße teil – dort, wo einst die Demokratie ausgerufen wurde. Während der Tagung kommt es immer wieder zu unerklärlichen Unfällen und Todesopfern. Palzki ist ermittlungstechnisch auf sich allein gestellt und macht sich auf die gefährliche Suche nach dem Mörder. Zu den realen und fiktiven Charakteren zählt diesmal auch „Palzki“-Verfasser Harald Schneider selbst. Er arbeitet als Betriebswirt in einem Medienkonzern und beschäftigt sich mit Strategieplanung im Verlagswesen. Seine Schriftstellerkarriere begann er während des Studiums mit Kurzkrimis in Studentenmagazinen. „Hambacher Frühling“ ist bereits sein 15. Roman. Schneider gehört zu den meist gelesenen regionalen Krimiautoren Deutschlands und ist derzeit auf Lesereise – Termine: www.palzki.de.
Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. An die Stelle des eigentümlichen Inhalts rückt vermeintliche Authentizität: Nicht mehr das „was“ zählt, sondern nur noch das „wie“. Thomas Bauer zeigt die Konsequenzen auf, sollten wir diesen fatalen Weg des Verlustes von Vielfalt weiter beschreiten.
Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Reclam 2018, 6 Euro
In diesem Buch erklärt Bestsellerautorin Sarah Knight, wie sich all die Dinge wegorganisieren beziehungsweise wegrationalisieren lassen, die tagtäglich nerven und Sie davon abhalten, das zu erreichen, was Sie möchten: im Job erfolgreicher sein, kreativ sein, die Finanzen aufstocken, gesünder leben oder eine Beziehung endlich neu gestalten.
Sarah Knight: Get your shit together. Ullstein 2018, 10 Euro. Erscheinungstermin: 8. Juni 2018.
Nördlich von Schwedens Hauptstadt Stockholm – genauer gesagt: beim dortigen Flughafen Arlanda, öffnete bereits 2009 das Hotel Jumbo Stay. Dabei handelt es sich um einen tatsächlich 1976 gebauten und später umfunktionierten Jumbo Jet 747-212B, der nun für Übernachtungen und Konferenzen genutzt werden kann. 33 Räume mit insgesamt 76 Betten sind in dem Flugzeug untergebracht. Im oberen Flugdeck können zudem kleinere Konferenzen abgehalten werden. Ein Muss für jeden Flugzeug-Fan und viel reisenden Vollblut-Berater.
Weitere Infos unter: www.jumbostay.com
Henrike von Platen Finanzexpertin, Wirtschaftsinformatikerin, Hochschulrätin und Kämpferin für Lohngerechtigkeit Zur Person Henrike von Platen gründete 2017 das FPI Fair Pay Innovation Lab, das Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt. Die Finanzexpertin war von 2010 bis 2016 Präsidentin der Business and Professional Women Germany, gründete einen Fraueninvestmentclub, ist Hochschulrätin an der Hochschule München und engagiert sich im Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V. sowie bei FidAR, der Initiative für Frauen in die Aufsichtsräte. Ihr Ziel: Lohngerechtigkeit für alle. Die Fragen stellte Christoph Berger
Frau von Platen, zu Beginn eine Frage zur Definition: Was heißt für Sie Lohngerechtigkeit? Lohngerechtigkeit heißt erst einmal nichts anderes als gerechte Bezahlung für alle Menschen. Das Entscheidende daran ist: Wenn alle gerecht bezahlt werden, werden auch alle die gleichen Chancen und die gleichen Bedingungen haben. Geld ist die wichtigste Stellschraube auf dem Weg zur Gleichstellung von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Aus Unternehmenssicht gehört eine faire Entgeltstrategie zur Organisationsentwicklung, in Zeiten von Fachkräftemangel und Digitalisierung mehr denn je. Wer fair führt, wirtschaftet klüger und nachhaltiger.
Sie unterstützen Unternehmen und Organisationen mit dem von Ihnen gegründeten Fair Pay Innovation Lab bei der praktischen Umsetzung von Lohngerechtigkeit. Mal naiv nachgefragt: Welche Unterstützung benötigen Unternehmen diesbezüglich – entweder sie wollen Lohngerechtigkeit oder eben keine? Ja, das könnte man denken. Aber das Erstaunliche ist: Viele Unternehmen gehen davon aus, fair zu bezahlen – ohne ihre Entgeltstrukturen jemals überprüft zu haben. Sie sind dann oft sehr überrascht, wenn sie die Zahlen Schwarz auf Weiß sehen. Die gefühlte Lohngerechtigkeit entspricht selten der tatsächlichen. Andere Unternehmen wissen um den Missstand, aber nicht, wie sie ihn beseitigen können. Und noch andere ignorieren das Thema ganz. Wir brauchen daher im allerersten Schritt mehr Transparenz. Großbritannien geht da mit gutem Beispiel voran. Dort müssen Unternehmen ab einer bestimmten Größe seit dem Frühjahr 2018 ihre Daten zum unternehmensinternen Gender Pay Gap im Internet veröffentlichen und regelmäßig überprüfen. Natürlich hat sich manches bewahrheitet, was längst alle ahnten, aber es gab auch einige Überraschungen. Vor allem aber hat der Transparenzzwang einiges in Bewegung gebracht: Zeitgleich mit den Zahlen haben viele Unternehmen auch direkt eine Gleichstellungsstrategie präsentiert.
Warum ist eine Strategie bei der Einführung von Lohngerechtigkeit sinnvoll und auf was kommt es dabei an? Zuallererst ist es natürlich wichtig, die Zahlen zu kennen und zu analysieren, um zu wissen, ob und wo Handlungsbedarf besteht. Ungleiche Bezahlung hat komplexe Ursachen, und Lohngerechtigkeit ist die Folge einer Vielzahl von Transparenz- und Gleichstellungsmaßnahmen. Wer in einem hierarchischen Unternehmen plötzlich sämtliche Gehälter offenlegt, hat noch lange keine Transparenzkultur, sondern wird aller Wahrscheinlichkeit auf großen Widerstand und Unmut stoßen.
Transparenz und Fair Pay lassen sich nicht per Knopfdruck bewerkstelligen. In aller Regel ist das ein umfassender Change-Prozess, der der Steuerung bedarf. Zum einen braucht es dafür Kriterien, die für alle gleich und nachvollziehbar sind. Zum anderen braucht es eine klischeefreie Zone, in der wir frei von Stereotypen und unbewussten Vorurteilen Entscheidungen fällen: Bei Stellenbesetzungen, Einstiegsgehältern oder Gehaltserhöhungen beeinflusst uns noch viel zu oft der Unconscious Bias. Hier braucht es Schulungen der Personalabteilungen und Führungskräfte.
Im Juli 2017 trat das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen in Kraft. Wie beurteilen Sie das Gesetz? Wie gesagt: Transparenz ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Lohngerechtigkeit. Das Gesetz geht also genau in die richtige Richtung. Und je mehr Beschäftigte den Auskunftsanspruch wahrnehmen, desto mehr Unternehmen müssen sich mit ihren Entgeltstrukturen auseinandersetzen. Nicht nur am Beispiel Großbritannien sehen wir, wie viel es bewirken kann, wenn der unternehmensinterne Gender Pay Gap transparent gemacht werden muss. Island geht noch einen Schritt weiter: Für jeden Tag, den Unternehmen ihre Entgeltstrukturen nicht überprüfen, zahlen sie Strafe. Wo die Politik einen klaren Kurs vorgibt, ist die Entwicklung schneller, keine Frage. Da können wir uns von unseren europäischen Nachbarn eine ganze Menge abgucken.
Gibt es Vorteile, die Unternehmen aus der Einführung von Lohngerechtigkeit ziehen können? Sagen wir einmal so: Die Gesetze brauchen wir eigentlich nur, weil noch nicht alle Unternehmen verstanden haben, wie wichtig gerechte Bezahlung für ihren wirtschaftlichen Erfolg ist. Viele setzen schon seit Jahren auf Transparenz und Lohngerechtigkeit. Und zwar nicht, weil sie die Welt verbessern wollen – das vielleicht auch, aber in erster Linie, weil sie wirtschaftlich erfolgreich sein wollen. Und die Ergebnisse geben ihnen Recht. Und zwar unabhängig von der Unternehmensgröße: Best Practice Beispiele gibt es vom globalen Konzern bis zum hippen Start-up mit einer hundertköpfigen Belegschaft.
Der Fachkräftemangel und die Digitalisierung sind die besten Komplizinnen für Lohngerechtigkeit, die man sich denken kann. Wer um die besten Kräfte kämpft, kann es sich schlicht nicht mehr leisten, das Thema zu ignorieren. Und die Digitalisierung schafft ganz neue technische Möglichkeiten der Arbeitsorganisation. Diverse Teams erzielen erwiesenermaßen bessere Ergebnisse. Wer die besten Köpfe binden und auch langfristig halten will, braucht faire Strukturen und eine passende Unternehmenskultur. Das wirkt sich auf die Mitarbeiterzufriedenheit ebenso aus wie auf das Arbeitgeberimage oder die Attraktivität für Stakeholder und Investorinnen. Lohngerechtigkeit ist ein Wirtschaftsfaktor.
Sie bieten neben Ihrer Beratung auch Workshops für Studierende an Universitäten an. Welche Themen liegen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei besonders am Herzen? Unsere Workshops für Berufseinsteigende haben den Titel „Reich, schön und glücklich“ – es geht also ganz klar um Erfolg und Geld. Der Zulauf ist enorm. Die Unsicherheit beim Berufseinstieg ist groß, gerade in Sachen Geld und Gehalt. Da das Thema Geld gerade hierzulande ein so großes Tabu ist, wissen viele nicht, wie sie den Wert der eigenen Arbeit und ihr Einstiegsgehalt realistisch einschätzen können. Und die allermeisten haben keine Vorstellung davon, welchen Einfluss es auf ihren späteren Berufslebensverlauf und vor allem auch auf ihr Privatleben hat, wenn sie diese Fragen nicht frühzeitig für sich beantworten. Wir wollen dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, von Anfang an die richtigen Weichen zu stellen. Die „typische Erwerbsbiografie“ von Frauen und Männern ist kein Schicksal – das wollen wir möglichst vielen Berufseinsteigenden vermitteln. Wir freuen uns daher über jede Workshop-Anfrage.
Was können vor allem Absolventinnen tun, die vor ihrem Berufseinstieg stehen, um eine gleichwertige Bezahlung zu erlangen? Das allerwichtigste: Über Geld reden! So oft wie möglich und bei jeder Gelegenheit. Üben lässt sich das in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis. Eventuell ergibt sich auch Gelegenheit, bei potentiellen Kollegen und Kolleginnen einfach mal konkret nachzufragen: Was verdienst du eigentlich?
Und dann ermutigen wir die Studierenden sich zuallererst über die eigenen Wünsche und Ziele klarzuwerden: Was möchte ich erreichen? Was ist mir wichtig? Wie viel Geld brauche ich? Bei einer Bewerbung ist es extrem wichtig, sich vorab über die Höhe der Gehälter im Unternehmen zu informieren und herauszufinden, welche sonstigen Gehaltsbestandteile es gibt. Das lässt sich vor dem Vorstellungsgespräch auf Plattformen wie Glassdoor, kununu oder Lohnspiegel recherchieren. Meist finden sich hier auch schon wertvolle Informationen über die Unternehmenskultur. So kann man sich in Sachen Gleichstellung und Vereinbarkeit gezielt informieren, wie es beim potentiellen Arbeitgeber aussieht: Gibt es Führungskräfte in Teilzeit? Gehen Väter länger als zwei Monate in Elternzeit? Wird im Home Office gearbeitet? All das sind Indikatoren für einen fairen Umgang miteinander. Und der spiegelt sich wiederum in der Bezahlung wider.
Das Ziel ist ein Austausch auf Augenhöhe. Das heißt im Zweifel auch festzustellen, dass ein Unternehmen nicht zu mir passt.
Ihre Prognose: Wie lange wird es in Deutschland noch dauern, bis Lohngerechtigkeit erreicht ist? Ein paar Jahre wird es trotz Digitalisierung und Fachkräftemangel wohl noch dauern. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass Lohngerechtigkeit über Nacht möglich wäre – wenn alle sie wollten. Ich persönlich peile Lohngerechtigkeit für 2020 an und plane daher eine Fair Future Party für den 31. Dezember 2019. Sie sind herzlich eingeladen! (Anm. d. Red: www.fairfuture.party)
Kamen Sie schon einmal persönlich in einem Job in die Situation, für Lohngerechtigkeit kämpfen zu müssen? Ich war als Unternehmerin immer in der komfortablen Situation, die Regeln selbst zu machen – und habe von Anfang an für faire Strukturen gesorgt. Natürlich setzen wir im Fair Pay Innovation Lab um, was wir anderen ans Herz legen: Flexible Arbeitszeiten, Home Office, 32-Stunden-Vollzeit et cetera. Außerdem machen wir die FPI-Gehälter transparent (http://www.fpi-lab.org/fpi-gehaltsrechner/). Zugegeben, wir sind ein kleines Team, das macht manches einfacher. Doch warum sollte im Großen nicht funktionieren, was im Kleinen machbar ist? Irgendwer muss ja schließlich den Anfang machen!
Der Geduldsfaden beginnt zu reißen, mit Blick auf Frauen im Top-Management soll endlich mehr passieren: Die Regierung will reine Männerriegen an der Spitze der Unternehmen sanktionieren. Zudem entsteht eine Reihe neuer Initiativen und Stiftungen, die Frauen sehr gezielt nach oben bringen wollen – sogar bis ins All.
Der Geduldsfaden beginnt zu reißen, mit Blick auf Frauen im Top-Management soll endlich mehr passieren: Die Regierung will reine Männerriegen an der Spitze der Unternehmen sanktionieren. Zudem entsteht eine Reihe neuer Initiativen und Stiftungen, die Frauen sehr gezielt nach oben bringen wollen – sogar bis ins All. Von André Boße
„Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine Frage der Gerechtigkeit“, heißt es im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und der SPD. „Sie ist Voraussetzung und Motor für eine nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, national und international.“
Diese Passage findet sich in dem fast 180 Seiten dicken Papier an prominenter Stelle, auf Seite 23. Hier zeigt die Neuauflage der Regierung: Dieses Thema ist der GroKo wichtig. Noch immer gebe es „vorhandene strukturelle Hemmnisse“, die abgebaut werden müssten. Denn: „Frauen sind in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert“ – trotz des Führungspositionen-Gesetzes mit der schönen Abkürzung FüPoG, das seit 2016 gilt und zweierlei besagt:
Für die großen Unternehmen gilt eine Quote von mindestens 30 Prozent Frauen für neu zu besetzende Posten im Aufsichtsrat. Für die anderen, kleineren hat das FüPoG eine „Zielgrößenverpflichtung“ formuliert, die jedoch „keine Mindestzielgrößen“ vorsieht. Das klingt butterweich, und tatsächlich: Wenn ein Unternehmen seine Ziele selbst festlegen kann und es auch keine Mindestzielgröße gibt, dann kann das eben auch heißen: Mit einer „Null“ kommt man durch. Zumindest bislang.
Schweden gegen Deutschland 4:0
Die AllBright-Stiftung hat einen schwedischen Gründer, daher liegt ein Vergleich zu Deutschland nahe. Auch im Norden Europas kam der Kulturwandel trotz guter politischer Voraussetzungen erst langsam in Gang. Doch bildeten diese die Basis für einen Wandel, der schließlich von den Unternehmen ausging. Die aktuellen Zahlen, analysiert von der AllBright-Stiftung, im Vergleich:
Schweden gegen Deutschland 4:0
Frauen in Vorständen: Schweden 21% – Deutschland 7,3%
Weibliche Vorstandsvorsitzende: Schweden 6% – Deutschland 1,9%
Frauen in Aufsichtsräten: Schweden 33% – Deutschland 27,5%
Weibliche Aufsichtsratsvorsitzende: Schweden 6% – Deutschland 3,1%
Die „Null“ steht? Sanktionen drohen
Doch damit soll es jetzt vorbei sein, die Regierung will ein „besonderes Augenmerk auf Unternehmen ohne Frauen in Führungspositionen legen, die sich eine Zielgröße „Null“ geben.“
Eine Kapitalgesellschaft, die diese „Null“ nicht meldet und auch begründet, soll nun sanktioniert werden können – nach Paragraph 335 des Handelsgesetzbuches, in dem teils üppige Bußgelder in Millionenhöhe festgesetzt werden, wenn eine Kapitalgesellschaft gegen Offenlegungen oder Meldepflichten verstößt. Kurz:
Reine größere Männerunternehmen, die sich weder bemühen noch Sensibilität für das Thema zeigen, sollen zur Kasse gebeten werden. Wie diese Kontrolle des FüPoG nun genau gestaltet wird und wie wirksam sie sein wird, ist noch offen. Es zeigt sich aber: Die neue Regierung will verhindern, dass einige modern denkende Unternehmen den Kulturwandel einleiten, während andere männerdominierte Arbeitgeber stur den Kopf in den Sand stecken.
Diese politischen Vorhaben der neuen Regierung treffen in Deutschland auf eine Kultur des Wandels, die an vielen Stellen an Dynamik zulegt. Initiative ergreifen dabei häufig einzelne Akteure aus Forschung oder Wirtschaft – es zeigt sich: Die Ungeduld wächst, der Druck, zu handeln, wird größer. Zum Beispiel bei der Luft- und Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler, die sich nicht damit abfinden wollte, dass bislang elf deutsche Männer ins All geflogen sind – aber noch keine einzige Frau. Der karriereführer berichtete schon vor einem Jahr von ihrem 50-Millionen-Euro-Projekt „Die Astronautin“, das von Airbus und anderen Förderern unterstützt wird, aber auch auf einer Crowdfunding-Kampagne aufbaut.
Interkulturelle Sommer-/Winterakademie
Zweimal jährlich bietet der Verein Interculture in Kooperation mit dem Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena Workshops an. Mehr Infos unter: www.interculture.de/ausbildungweiterbildung/iksommerakademie
Der Flug zur Raumstation ISS ist für das Jahr 2020 geplant. Derzeit sind noch zwei Kandidatinnen im Rennen, die Meteorologin Insa Thiele-Eich sowie die Astrophysikerin Suzanna Randall, die erst vor kurzem für die Pilotin Nicola Baumann nachgerückt war. „Ich möchte zeigen, dass es für ganz normale Frauen möglich ist, sich aus eigener Kraft das notwendige Wissen zu erarbeiten, um Astronautin zu sein“, sagt Suzanna Randall, 38 Jahre, eine gebürtige Kölnerin, die in London und Montreal studierte und derzeit in der Europäischen Südsternwarte in Garching bei München als Wissenschaftlerin der Astrophysik tätig ist. Eine von den beiden Frauen wird es schaffen, die andere aber vielleicht folgen, denn „Die Astronautin“ soll keine Exotin bleiben, sondern sich zum Normalfall entwickeln.
Initiativen aus der Start-up-Szene
Aus der Berliner Creative-Startup-Szene heraus gründeten Lea Vajnorsky und Robin Haak Ende 2017 die Plattform Wo/men Inc., die karrierebewussten Frauen beim Aufbau eines funktionierenden und vielschichtigen beruflichen Netzwerks unterstützen möchte. „Ermutigend, sinnstiftend und Businessorientiert“ solle dieses Netzwerk sein. „Wir sind der festen Überzeugung, dass das erfolgreiche Miteinander nicht von der Gender-Frage abhängt“, sagen die beiden Gründer. Idee von Wo/men Inc. sei es daher, überall auf der Welt Räume zu erschaffen, in denen sich kreative und erfolgshungrige Frauen, aber auch Männer, begegnen, einander inspirieren und einander helfen.
Frauen stark in den Branchen Gesundheit und Handel
Das Wirtschaftsauskunftsunternehmen CRIF Bürgel wertete Anfang März seine Datenbank mit mehr als einer Million Unternehmen aus, um die Entwicklung bei Frauen im Top-Management zu analysieren. Laut einer Meldung der dpa erhöhte sich der Anteil im Frühjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozentpunkte auf 22,6 Prozent. Am stärksten vertreten sind Frauen im Top-Management von Unternehmen des Gesundheitswesens (36,5 Prozent). Es folgt der Handel mit 25,9 Prozent. Ganz unten: der Maschinenbau (10,8 Prozent) und das Bauwesen (11,1 Prozent). Quelle: dpa.
Die Initiative hat sich einige hochkarätige Partner wie Adidas oder den Co-Working-Space-Anbieter Mindspace gesichert, die ersten Veranstaltungen finden in Tel Aviv, Berlin und San Francisco statt, was zeigt: Diese Initiative denkt global. Ein Kooperationspartner ist auch das Förderprogramm Ada Accelerator, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen als Gründerinnen von technischen Startups zu unterstützen. Noch immer seien weibliche Gründer in Deutschland die Ausnahme, nur 14 Prozent aller Startups werden von Frauen gegründet, bei technisch orientierten Startups liegt die Quote bei lediglich fünf Prozent, sagt die Projektleiterin Joy Spenner.
Übrigens leitet sich der Name Ada von der britischen Pionierin Ada Lovelace ab, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der besten Mathematikerinnen war sowie als erste Programmiererin der Welt gilt: Für die „Analytische Maschine“ – einen damals nur in der Theorie existierenden Computer – entwickelte sie Programme, die viele Eigenschaften von späteren Computersprachen vorwegnahmen.
Ein Pioniergeist wie der von Ada Lovelace wäre eine Bereicherung für alle Teams, die sich heute mit den wichtigen Fragen der Innovation beschäftigen. Für die AllBright-Stiftung gilt hier der meritokratische Ansatz – abgeleitet von „meritum“, dem lateinischen Begriff des „Verdienstes“: Führungsteams sollten mit den Begabtesten besetzt werden, anstatt sich auf die Rekrutierung aus einer immer gleichen homogenen Gruppe zu beschränken.
Veranstaltungstipp der Redaktion
Das Ada Lovelace Festival ist eine Plattform für Young Professionals aus der Informatik- und Technologiebranche, um sich über die neuesten Trends, Forschungsergebnisse und Erfolgsgeschichten von Frauen in der IT auszutauschen. Connecting Women in Computing & Technology 11./12. Oktober 2018 in Berlin http://wiwo.konferenz.de/ada
Gegründet wurde die Stiftung 2011 vom schwedischen Banker und Finanzinvestor Sven Hagströmer, seit 2016 ist von Berlin aus eine deutsche Schwesterstiftung tätig, deren Geschäfte von Wiebke Ankersen geführt werden. Sehr genau analysiert die Stiftung die Dynamik des Wandels, bei den mittleren und kleinen Börsenunternehmen stellt Ankersen dabei eine Art „satte Trägheit“ fest: „Der deutschen Wirtschaft geht es ja zurzeit ziemlich gut. Dazu passt, dass diese kleineren und mittleren Börsenunternehmen auch diejenigen sind, die auch bei der Digitalisierung hinterherhinken.“
Männer dominieren weiterhin die Vorstände der großen Unternehmen und neigen laut einer Analyse der Stiftung nicht dazu, diese Ungleichheit der Geschlechter zu ändern. Der Grund dafür sei, dass sie größtmögliche Reibungslosigkeit in der Zusammenarbeit wollen. „Es ist am Ende eine Bequemlichkeit der rekrutierenden Manager, denn Vielfalt im Führungsteam ist zweifellos anstrengender.“
Nicht Frauen müssen sich ändern – sondern das System
Dieser Einheitsbrei sei auf individueller Ebene sogar nachvollziehbar, jedoch überhaupt nicht im Interesse der Unternehmen: „Ökonomisch ist es nicht sinnvoll. Diese extrem homogenen Führungsteams können sogar riskant sein, weil alle über dasselbe Wissen und die gleichen Erfahrungen verfügen. Das führt zu einem verengten Blickwinkel und manchmal auch zu gefährlichem Gruppendenken, in dem keiner mehr etwas infrage stellt“, sagt Wiebke Ankersen. So manövrierte man sich einstimmig in eine Krise, Beispiele dafür finde man heute regelmäßig in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen. Gerade bei Geldgebern werde das Risiko der reinen Männervorstände mittlerweile erkannt, wie Wiebke Ankersen beobachtet hat: „Frauen im Top-Management von Unternehmen sind auch ein guter Indikator, die großen internationalen Investoren sehen daher sehr genau hin, wie die Vorstände der Unternehmen besetzt sind.“
Foto: Fotolia/snaptitude
Hinsehen sollten daher auch die Absolventinnen: „Halten Sie nach Frauen im Top-Management Ausschau, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort faire Karrierechancen vorfinden, sind größer, wenn es bereits Frauen bis nach ganz oben geschafft haben.“ Wer jedoch ist für die Dynamik des Wandels hauptverantwortlich? Die Politik? Für Wiebke Ankersen sei es Aufgabe der Politik, gute Rahmenbedingungen zu schaffen – zum Beispiel, eine ausreichende und hochwertige Kitabetreuung zu garantieren. „Die Erfahrungen aus Schweden zeigen allerdings auch: Selbst wenn die Rahmenbedingungen stimmen, liegt der entscheidende Faktor für mehr Frauen in Führungspositionen darin, dass es ein echtes Umdenken in den Unternehmen gibt.“
In Schweden, wo die politischen Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten deutlich besser seien als in Deutschland, sei es mit dem Frauenanteil im Top-Management erst in dem Moment entscheidend vorangegangen, als die Unternehmen diese Frauen unbedingt haben wollten, weil sie wussten, dass sie ohne sie der Konkurrenz hinterherhinken würden. Der AllBright-Stiftung ist es daher wichtig, deutlich zu machen, dass sich Frauen nicht ändern müssten, um beruflich weiterzukommen.
Mehr einzufordern, selbstbewusster aufzutreten, lauter „hier“ zu rufen oder bessere Netzwerke aufzubauen – all dies seien Versuche, sich an das von Männern geprägte System anzupassen. „Wir sehen das ein bisschen anders“, sagt Wiebke Ankersen. „Frauen sind gut, genau wie sie sind.“ Was sich hingegen ändern müsse, sei das System: „Gute Ergebnisse müssen honoriert werden – nicht traditionell männliche Verhaltensweisen.“
Generation Z startet ins Berufsleben
Die Generation Z steigt in die Arbeitswelt ein. Aktuell verlassen die ersten Absolventen, die zur Generation Z zählen (zwischen 1993 und 1999 geboren), die Hochschulen. Die Absolventenstudie 2017 von Accenture Strategy zeigt, was sie sich wünschen und was sie erwartet: Die Generation Z ist zwar flexibel und gut vorbereitet, doch ein Problem für sie ist Unterforderung: Zwei Drittel der befragten Berufsanfänger fühlen sich im Job nicht genügend ausgelastet und gefordert. Sie möchten am liebsten in einem Großunternehmen arbeiten und kehren zu traditionellen Werten zurück: Ein klarer Karriereweg, Stabilität, Weiterbildungen und Mentoring sowie ein angemessenes Gehalt sind den Absolventen wichtig. Mehr dazu: www.accenture.com/de-de/
insightgenzrising
Mit der Generation Z, ihren Perspektiven, Wünschen und Vorstellungen von Arbeit befasst sich Prof. Dr. Christian Scholz. http://diegenerationz.de
Eigentlich wollte Kathrin Menges Lehrerin werden. Dann wechselte sie in die freie Wirtschaft, heute sitzt sie im Vorstand des Düsseldorfer Henkel-Konzerns. Als erste und einzige Frau. Noch – denn die 53-Jährige hofft, dass ihr Karriereweg für andere Frauen eine Vorbildfunktion hat. Das Interview führte André Boße.
Zur Person
Kathrin Menges, geboren 1964 in Pritzwalk in Brandenburg, schloss ihr Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam 1988 als Diplom-Lehrerin ab. Bis 1990 war sie als Lehrerin tätig, dann wechselte sie ins Personalwesen der Bankgesellschaft Berlin. 1999 ging sie zum Henkel-Konzern, zunächst als Leitung Personal der Konzerntochter Schwarzkopf Professional. Seit 2005 ist sie in der Zentrale in Düsseldorf tätig, zunächst als Leiterin diverser Personalbereiche. Im Oktober 2011 wurde sie in den Vorstand berufen, wo sie heute für die Unternehmensbereiche Personal sowie Infrastruktur-Services zuständig ist.
Frau Menges, 2011 wurden Sie in den Vorstand von Henkel berufen, als erste Frau in der mehr als 140 Jahre langen Unternehmensgeschichte. Können Sie sich noch an die ersten Arbeitstage in dieser Position erinnern?
Ich habe ja bereits vor meiner Berufung in den Vorstand die Gesamtverantwortung für den Personalbereich getragen und mich dabei regelmäßig und intensiv mit den Kollegen aus dem Vorstand ausgetauscht. Mit der Arbeit im Vorstand kommen dann natürlich neue Aufgaben und eine zunehmende Verantwortung hinzu. Diese habe ich gerne angenommen. Den Start habe ich persönlich als herausfordernd, aber gelungen und sehr angenehm in Erinnerung. Meine Vorstandskollegen und ich pflegen einen sehr offenen und vertrauensvollen Umgang und verstehen uns als ein Team.
Haben Sie sich damals selbst als Pionierin betrachtet? Vielleicht sogar als Vorbild für andere ambitionierte Frauen?
Ich würde nicht so weit gehen, mich als Pionierin zu bezeichnen. Dennoch glaube ich, dass Frauen in Top-Führungspositionen eine wichtige Signalwirkung ausüben. Wir brauchen solche „Role Models“, wir müssen erfolgreiche Frauenkarrieren noch sichtbarer machen. Und natürlich werde ich hin und wieder von jüngeren Frauen nach meiner Karriere gefragt. Ich teile meine persönlichen Erfahrungen sehr gerne und hoffe, dass mein Karriereweg für die ein oder andere auch Ansporn ist, sich von vermeintlichen Grenzen nicht einschränken zu lassen.
Karriere ist nichts, was durch Zufall passiert. Sie muss gestaltet werden.
Es ist weiterhin viel von „gläsernen Decken“ die Rede, die nicht verschwinden wollen. Sind Sie selbst auf Ihrem Weg nach oben an welche gestoßen?
Ich muss sagen, dass ich in meinem Berufsleben keine gläserne Decke gespürt habe. Im Gegenteil. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass mich Leistung und Engagement weiterbringen – aber auch die Fähigkeit, sich beherzt Neuem zu stellen. Denn eines ist klar: Karriere ist nichts, was durch Zufall passiert. Sie muss gestaltet werden. Der Schlüssel dafür liegt bei einem selbst.
Wenn Sie auf die Karrieren von Frauen in großen Konzernen blicken, was hat sich in den vergangenen sieben Jahren geändert, welche Strukturen konnten aufgebrochen werden?
Das Thema der Förderung von Frauen in Führungspositionen ist in der Gesellschaft und der Wirtschaft angekommen. Unternehmen können es sich heute gar nicht mehr leisten, auf das hohe Potenzial von qualifizierten Frauen zu verzichten – und haben dementsprechend die Möglichkeiten verbessert. Das betrifft vor allem eine systematische langfristige Karriereplanung für Frauen, aber auch verbesserte Rahmenbedingungen, zum Beispiel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder, da ist Henkel sicherlich keine Ausnahme.
Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Mentalitätswandel mit einer Abkehr von tradierten Rollenbildern.
Wie erleben Sie in Ihrer Position als Personalchefin ambitionierte Frauen der heutigen Generationen?
Ich erlebe die nachwachsende Generation an Führungskräften als ambitioniert, selbstbewusst und sehr werteorientiert – und das erst einmal unabhängig vom Geschlecht. Und ich glaube, viele junge Frauen stellen sich die Frage „Karriere oder Familie“ heute gar nicht mehr so. Für sie ist es nämlich eine Selbstverständlichkeit, dass beides miteinander vereinbar ist. Und das sollte es auch sein! Bietet der Arbeitgeber dafür nicht das richtige Umfeld, orientieren sie sich um. Darauf müssen Unternehmen sich einstellen. In den Unternehmen sind viele Maßnahmen eingeleitet worden, um diese Selbstverständlichkeit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu gewährleisten.
Welche dieser Maßnahmen funktionieren bereits – welche sind noch ausbaufähig?
Zunächst einmal hat sich schon sehr viel getan – in der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft im Ganzen. Doch wir können noch besser werden. Wir brauchen noch mehr und bessere frühkindliche Betreuung, Ganztagsschulen und nicht zuletzt einen gesamtgesellschaftlichen Mentalitätswandel mit einer Abkehr von tradierten Rollenbildern und der typisch deutschen Präsenzkultur. Bei uns im Unternehmen gibt es zum Beispiel Betriebskindergärten oder Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen. Und vor allem flexible Arbeitsmodelle und eine Kultur, in der die Leistung und das Ergebnis zählen und nicht die physische Anwesenheit im Büro.
Der Begriff „Arbeitswelt 4.0“ beschreibt den Wandel der Arbeit durch die digitale Transformation. Glauben Sie, dass diese Veränderungen für Frauen bessere Chancen bedeuten?
Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Die digitale Transformation wird die Art und Weise, wie wir in Zukunft arbeiten, verändern. Netzwerke, projektorientiertes, virtuelles Arbeiten, neue Arbeitsplatzkonzepte und zunehmende Flexibilisierung von Strukturen – das sind nur einige Stichworte. Daraus ergeben sich auch neue Chancen für Mitarbeiter, die diese Veränderungen als Chance begreifen und ergreifen – und denen es gelingt, den Wandel aktiv mitzugestalten. Und damit meine ich nicht nur die sogenannten „Digital Natives“. Denn wir brauchen eine gute Mischung der Altersstrukturen, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Doch ob sich daraus in direkter Konsequenz die Chancen für Frauen verbessern – soweit würde ich an der Stelle nicht gehen. Das ist für mich geschlechtsunabhängig.
Ganz persönlich: Welche Entscheidung in Ihrer Karriere hat sich rückblickend als genau richtigerwiesen – auch wenn Sie aus heutiger Sicht ungewöhnlich erscheint?
Das war sicherlich mein Wechsel von der Arbeit als Lehrerin in die freie Wirtschaft, in einen für mich völlig neuen Bereich.
Sie haben Ihre berufliche Laufbahn Ende der 80er-Jahre als Lehrerin begonnen.
Genau, und dieser Wechsel hat mich sehr geprägt. Die Offenheit versuche ich mir bis heute zu bewahren.
Zum Unternehmen
Henkel wurde 1876 gegründet, heute beschäftigt der Konzern weltweit mehr als 53.000 Mitarbeiter, fast 85 Prozent arbeiten außerhalb von Deutschland. Das Unternehmen ist in drei Bereichen tätig: Adhesive Technologies (Klebstoff- Technologien) bietet Klebstoffe, Dichtstoffe und Funktionsbeschichtungen. Beauty Care steht für Markenartikel in den Bereichen Haarcolorationen, Haarstyling und Körperpflege. Laundry & Home Care umfasst neben Universal- und Spezialwaschmitteln auch Weichspüler, Waschkraftverstärker und Wäschepflegemittel.
Anja Mandelkow ist Teamleiterin Projektberatung Sozialimmobilien bei der BFS Service, der Tochter der Bank für Sozialwirtschaft. Mit ihrem Team erstellt sie Cockpit-Studien und unterstützt damit Eigentümer und Betreiber von Sozialimmobilien bei der konzeptionellen Neuausrichtung, der Sanierung sowie der Entwicklung neuer Standorte.
Zur Person
Anja Mandelkow hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Anschließend arbeitete sie als Sozialmarktanalystin bei der BFS Service. Parallel studierte sie Dipl.- Bankbetriebswirtin, Real Estate Finance Professional und Certified Corporate Banking Professional an der Frankfurt School of Finance & Management. Außerdem machte sie an der Bergischen Universität Wuppertal ihren Master in Real Estate Management + Construction Project Management.
Stichwort Motivation
„Ich bin in der Schule keine sonderlich gute Schülerin gewesen. Mir fehlte die Vorstellung, wie ich das Schulwissen später gebrauchen könnte. Erst im Studium wurde ich ehrgeiziger. Ich habe stets viel zuhause nachgelesen und mein Wissen vertieft. Rückblickend habe ich im Studium gelernt, wie man lernt, sich organisiert und im Team agiert.“
Stichwort berufsbegleitendes Studieren
„Meine wohl klügste Entscheidung, denn die praktischen Erfahrungen konnte ich durch neue Theorien ergänzen. Der enge Austausch mit Kollegen aus der Branche und das strukturierte wissenschaftliche Arbeiten helfen mir noch heute, gemeinsam mit meinem Team innovative Lösungswege zu finden. Durch die Doppelbelastung wird auch die Stressresistenz und Selbstorganisation geschult.“
Stichwort Sozialwirtschaft
„Die ökonomische Bedeutung der Sozialwirtschaft wird oft unterschätzt, denn wenige wissen, dass zu ihr die größten Arbeitgeber Deutschlands gehören. Unabhängig davon hat sie eine große Bedeutung für den sozialen Frieden und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Auf viele Dienstleistungen haben wir einen Rechtsanspruch, zum Beispiel Kindergärten, die Unterstützung von Menschen mit Behinderung oder pflegebedürftiger Menschen. Dazu einen Teil beitragen zu dürfen, ist für mich Motivation und Erfüllung zugleich.“
Stichwort Selbstzufriedenheit
„Ich denke immer darüber nach, wie ich Dinge besser machen kann und hinterfrage mich.“ Stichwort Personalakquise „Mir war das Fachwissen früher viel wichtiger als die Persönlichkeit. Grundsätzlich ist Fachwissen wichtig, jedoch schnell ohne Weiterbildung veraltet. Es kommt eher darauf an, ob Menschen sich entwickeln und ob sie innovativ denken möchten. Handeln aus Leidenschaft und Empathie ist mir sehr wichtig.“
Stichwort Spezialisierung
„Sie macht Spitzenleistungen überhaupt erst möglich. Spezialisten können daher auf ihrem Gebiet sehr viel bessere Ergebnisse erbringen als standardisierte Leistungen von Allroundern. Das führt in der Folge zu einem höheren Nutzen für den Kunden.“
Sie kämpften in einer männlich dominierten Gesellschaft für ihre Überzeugungen, setzten sich an die Spitze der technischen und künstlerischen Innovation und prägten den Verlauf der Geschichte mit ihren Ideen. Im sechsten Teil unserer Pionierinnen-Reihe stellen wir Frauen vor, die mit ihrem Mut und ihrem Durchsetzungsvermögen den Weg zur Gleichberechtigung geebnet haben. Von Kathreen Claire Schulz
Carmen Herrera (*1915)
„Besser spät als nie“ auf Carmen Herrera passt diese Redewendung wie die Faust aufs Auge: Erst 2003 – damals war sie 89 Jahre alt! – wurde sie endlich als Künstlerin entdeckt und als Pionierin der Farbfeldmalerei anerkannt. Herrera studierte zunächst in ihrem Geburtsort Havanna Architektur, dann heiratete sie, zog nach New York und studierte Malerei.
In den 1940er Jahren lebte sie für kurze Zeit in Paris und lernte dort die europäische Avantgarde kennen. Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen teil und fand ihren Stil, der sich durch klare Strukturen und starke Kontraste hervorhob. Ihre Gemälde waren ihrer Zeit voraus, dennoch erfuhr sie Jahrzehnte lang Ablehnung. 1954 kehrte sie mit ihrem Ehemann nach New York zurück, wo sie bis heute lebt und arbeitet.
Ihre Bilder hängen nun in weltberühmten Museen wie dem Museum of Modern Art in New York und der Tate Gallery in London. Die Ausstellung „Lines of Sight“ wurde vom Whitney Museum of American Art, New York, organisiert und war bis Anfang April 2018 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu sehen. Der Katalog zur Ausstellung erschien im Wienand Verlag. Interessant ist auch die Dokumentation „The 100 years show“, zu sehen auf Netflix: www.netflix.com/de/title/80106609
Jeanne Baret (1740 – 1807)
Jeanne Baret war wohl die erste Frau, die die Welt umsegelt hat. In ihrer Jugend war sie mittellos, und mit ihrem Geliebten, dem angesehenen Botaniker Philibert Commerson, konnte sie aufgrund des Standesunterschiedes nur heimlich zusammen sein – sie arbeitete als seine Haushälterin. Als Commerson 1766 auf eine Expedition in den Südpazifik ging, verkleidete Jeanne Baret sich als Mann und nannte sich Jean. Sie begleitete Commerson als Kammerdiener und Assistent – Frauen waren auf Marineschiffen nicht erlaubt.
Auf Mauritius trennte sich das Paar vom Rest der Expedition und blieb fast fünf Jahre auf der Insel. Sie sammelten über 6.000 Pflanzen, die heute im Museúm national d’historie naturelle ausgestellt werden. Auch als Commerson krank wurde, sammelte Baret weiter. Nach seinem Tod kehrte sie nach sieben abenteuerlichen Jahren nach Paris zurück.
Ihre Leistungen wurden lange nicht anerkannt. Erst 2012 ehrte sie Eric Tepe, Professor für Biologie der Universität in Utah, indem er ein von ihm entdecktes Nachtschattengewächs nach ihr benannte, das Solanum baretiae.
Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin (1777 – 1866)
Die französische Unternehmerin BarbeNicole ClicquotPonsardin ist bekannt als die Grande Dame de Champagne (die ‚Große Dame des Champagners‘). Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie die Leitung des von ihrem Schwiegervater gegründeten Champagnerhauses, das nur ein kleiner Familienbetrieb war. Sie war damals 27 Jahre alt und entwickelte sich schnell zur leidenschaftlichen Unternehmerin.
Sie optimierte das Verfahren zur Herstellung und stellte ihren Champagner an allen Herrschaftshöfen in Europa vor. BarbeNicole ClicquotPonsardin war die erste, die ihren Wein nach Russland liefern ließ, nachdem die napoleonischen Kriege beendet waren und ging damit ein enormes Risiko ein, das sich aber schnell auszahlte. Um andere mutige Unternehmerinnen zu ehren hat das Champagnerhaus 1972 den Veuve Clicquot Business Woman Award ins Leben gerufen.
Maria Montessori (1870 – 1952)
„Hilf mir es selbst zu tun“ ist der berühmte Leitsatz der Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und Philanthropin Maria Montessori. Sie hat die Montessori-Pädagogik begründet, deren Kerngedanke es ist, dass Kinder von sich aus lernen wollen und von Erwachsenen nur unterstützend begleitet werden sollten. Maria Montessori absolvierte zunächst ein Studium der Mathematik und des Ingenieurwesens, danach studierte sie Medizin und promovierte als eine der ersten Frauen Italiens.
Sie arbeitete mit Kindern mit Behinderungen, und als Direktorin eines Heilpädagogischen Zentrums entwickelte sie Lernmaterialien, mit denen die Kinder Fortschritte machten, die man zuvor nicht für möglich gehalten hatte. Auf vielen Reisen – durch Europa, Indien und Amerika – hielt sie Vorträge über ihre Pädagogik, aber auch über die Emanzipation der Frauen. Heute gibt es auf der ganzen Welt Schulen und Kindertagesstätten, die sich an Montessoris Ideen orientieren, alleine in Deutschland sind es mehr als tausend Einrichtungen.
Bibiana Steinhaus (*1979)
Bibiana Steinhaus ist Polizeihauptkommissarin, Abwehrspielerin in der niedersächsischen Polizeiauswahl und die erste Schiedsrichterin in der Geschichte der Männer-Bundesliga. Sie pfiff 80 Zweitliga-Partien, bei den Frauen-Weltmeisterschaften 2011 und 2015 sowie bei Olympia 2012. Bereits dreimal (2013, 2014 und 2017) wurde sie als Weltschiedsrichterin des Jahres ausgezeichnet. 2015/16 legte sie eine tadellose Saison in der zweiten Liga hin und stand auf Platz 1 der Rangliste der besten Schiedsrichter. Ein Jahr später stieg sie in die erste Liga auf und leitete zum ersten Mal ein Spiel in der ersten Liga – Hertha BSC gegen Werder Bremen.
Sie setzt sich mit viel Gelassenheit in der Männerdomäne durch und betont immer wieder, dass sie nach ihrer Leistung beurteilt werden möchte und ihr Geschlecht dabei zweitrangig sein sollte. „Ich bin die ganze Frauen-/Männerdiskussion leid. Nur Leistung zählt“, sagte Steinhaus beim Neujahrsempfang des Niedersächsischen Fußballverbandes im Januar 2018. „Es war nie mein Ziel, in eine Männerdomäne reinzukommen; es war mein Ziel, Spiele zu leiten.“
Redaktionstipp:
Inspiration Circle
Mit She’s Mercedes bietet Mercedes Benz Frauen eine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten und Ideen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. NetworkingVeranstaltungen, ein Magazin und eine Website sollen Frauen inspirieren, sie untereinander vernetzen und befähigen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Außergewöhnliche Frauen aus verschiedenen Bereichen und Branchen vermitteln persönliche Einblicke in Themen rund um das Geschäftsund Privatleben und geben Tipps, wie man beides erfolgreich in Einklang bringen kann. Unser Highlight: Der Kurzfilm Iconic You – eine Hommage an die Pionierinnen dieser Welt. Im Zeitraffer und mittels aufwändiger Schminktechniken zeigt der Film die Verwandlung einer jungen Frau in verschiedene Ikonen. www.mercedesbenz.com/de/mercedesme/inspiration/she
Diana Dreeßen hat fast zwanzig Jahre an der Frankfurter Börse gearbeitet, heute ist sie als Managementtrainerin und Autorin tätig. Sie unterstützt Menschen darin, ein Leben in Balance zu führen – sie zeigt, wie man loslässt, was nicht gut tut und endlich wieder dort ankommt, wo man zu Hause ist: bei sich selbst. In Ihrem Gastartikel erklärt sie, welche Wege zu einem selbst bestimmten Leben führen.
Es erfordert ein wenig Zeit, Geduld und Abenteuerlust, sich auf die Entdeckungsreise in die eigenen Innenwelten zu begeben. Doch es lohnt sich! In unseren Innenwelten sind sowohl unsere günstigen als auch unsere ungünstigen Programmierungen versteckt. Und letztere sind dafür verantwortlich, dass manche Menschen nicht abschalten können, sich in Themen regelrecht verbeißen und oftmals wie Don Quijote gegen die Windmühlen rennen. Das erzeugt Stress, viel Stress!
In jungen Jahren haben viele keine Ahnung davon, welche Spätwirkungen ein gestresstes Leben auf Körper, Geist und Seele haben kann. Man fühlt sich stark und vital – was soll da schon schief gehen? Dass ein permanentes Lidzucken keine Normaleinstellung ab Werk ist, entgeht einem dabei leicht. Dass man nachts nicht durchschlafen kann, viel zu oft morgens wie gerädert aufwacht, obwohl keine Party der Grund dafür war, versucht man zu ignorieren. Höher, weiter, schneller ist die Devise. Dabei ist die Balance zwischen den verschiedenen Lebensbereichen der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Wie aber gelingt es, mit kleinen Änderungen, in die ausbalancierte Mitte zu kommen?
Malen Sie sich detailliert aus, wie Ihr idealer, ausbalancierter Arbeitsalltag aussieht und überlegen Sie, wie Sie möglichst viel davon in die Realität übertragen können.
Erinnern Sie sich daran, warum Sie sich für Ihren Beruf entschieden haben und was Sie mit Ihrer Arbeit in der Welt verändern möchten.
Eliminieren Sie stressbesetzte Wörter aus Ihrer Sprache.
Erinnern Sie sich jeden Tag daran, wofür Sie im Leben dankbar sind.
Geben Sie nach der Arbeit Ihrem kreativen Anteil Raum, damit neue Energien freigesetzt werden können. Ob das nun tanzen, malen, schreiben oder kochen ist – orientieren Sie sich an Ihren persönlichen Vorlieben.
Buchtipp
Diana Dreeßen: Du musst nicht verreisen, um bei dir anzukommen. dtv 2017. 14,90 Euro.
Wer langfristig sicherstellen möchte, ein relativ stressfreies Leben zu führen, muss einen tiefen Blick in die Innenwelten riskieren. So gilt es, Stress bringende Verhaltensmuster zu erkennen und diese zu vermeiden. Es gibt Aussagen, die für solche Muster typisch sind: „Irgendwie gelingt es mir immer wieder an den unfreundlichsten Professor zu gelangen.“ oder „ich bin einfach nicht gut genug“ oder „die Prüfungspanik stellt sich bei mir schon Tage vorher ein, und sie wird immer schlimmer“.
Wer solche Muster entdeckt, sollte das eigene Selbstbewusstsein aufbauen. Dabei ist es hilfreich, sich mit den Bereichen des Lebens zu beschäftigen, für die man brennt und bei welchem einem das persönliche Talent in die Karten spielt. Ergänzend dazu baut sich mehr Selbstbewusstsein auf, wenn man mit Spaß und Freude seiner Arbeit nachgeht. Dies allein schon durch die in Leichtigkeit erreichten Erfolge. Gepaart mit Mut, gesundem Menschenverstand und dem Glauben an sich selbst ist der langfristige Erfolg vorprogrammiert.
Mit dem Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ bringen die Autorinnen Christiane Brandes-Visbeck und Ines Gensinger diese Entwicklung auf den Punkt. „So mancher Großkonzern zeigt, dass Hierarchien nicht unbedingt zu schnellen Entscheidungen führen müssen“, weiß Gensinger, bei Microsoft Deutschland Head of Business and Consumer Communications. Im Netzwerk spielt man zusammen, das stärkt das Team. Die Folge: „In so einer Umgebung müssen Chefs ihren Wert anders als über ihren Zugang zu Wissen definieren.“ Christiane Brandes-Visbeck, Ines Gensinger: Netzwerk schlägt Hierarchie. Neue Führung mit Digital Leadership. Redline 2017. 24,99 Euro. Auch als EBook erhältlich!
#MENTORHER
Foto: Fotolia/jozefmicic
Wie wichtig Mentoren und Mentorinnen sind, gerade für Frauen, hat Sheryl Sandberg eindrücklich in ihrem Bestseller „Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg“ beschrieben. Nun hat sie festgestellt, dass Männer nach der Me-Too-Debatte davon Abstand nehmen, Frauen als Mentor zur Seite zu stehen: In einer Studie aus Januar/Februar 2018 unter US-Amerikanern gaben 16 Prozent der Männer an, sich als Mentor einer Frau unwohl zu fühlen. Mit #MentorHer will Sandberg nun Männer in Führungspositionen dazu bewegen, Frauen zu fördern und zu mentorieren. Sie fordert zum Bekenntnis auf: „I commit to #MentorHer“. https://leanin.org/mentorher
OLGA
Bernhard Schlink, Autor des Weltbestsellers „Der Vorleser“, erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte von Olga, einer starken, klugen Frau – und gleichzeitig ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte. „Bernhard Schlink hat uns mit Olga eine stolze wie gradlinige, mutige, selbstbewusste und aufrechte Frauengestalt geschenkt“, urteilte Deutschlandfunk Kultur. Bernhard Schlink: Olga. Diogenes 2018. 24 Euro. Auch als Hörbuch und EBook erhältlich!
STARKE FRAUEN
Hubertus Meyer-Burckhardt, preisgekrönter Film- und TV-Produzent, Journalist, Manager in der Medienbranche, Schriftsteller und seit vielen Jahren Gastgeber der „NDR Talk Show“, hat viele Menschen interviewt. Und immer wieder Frauen, die ihn tief beeindruckt haben – unter anderem in seiner Radiosendung „Meyer-Burckhardts Frauengeschichten“ auf NDR Info. Frauen, „die etwas ›vertragen‹, die das Leben abkönnen, die sich dem Leben stellen, die mutig sind und unvernünftig, die sich für ihre Lebenszeit verantwortlich fühlen und für nichts anderes.“ Zehn von Ihnen porträtiert er in seinem neuesten Buch „Frauengeschichten“, darunter Doris Dörrie, Ina Müller, Marianne Sägebrecht und Barbara Schöneberger. Hubertus Meyer-Burckhardt: Frauengeschichten. Gütersloher Verlagshaus 2017. 19,99 Euro Der Autor ist auf Lesereise. Alle Termine auf www.randomhouse.de.
MANIEREN, BITTE!
Enrico Brissa ist promovierter Jurist und weiß, was sich gehört: 2011 bis 2016 war er als Protokollchef im Bundespräsidialamt tätig, unter den Bundespräsidenten Wulff und Gauck. Seit 2016 leitet er das Protokoll beim Deutschen Bundestag. Nun hat er ein Buch veröffentlicht – ein Plädoyer für die schönen Künste der Höflichkeit. Er erklärt, wie man einen Toast ausbringt, wie man sich stilvoll entschuldigt oder wie man lernt, mit Komplimenten umzugehen. Ein unterhaltsames wie lehrreiches Kompendium des sozialen Miteinanders mit Illustrationen von Birgit Schössow. Enrico Brissa: Auf dem Parkett. Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens. Siedler 2018. 18 Euro
ERFOLGSFAKTOR FAMILIE
Zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es eine zentrale Plattform: „Erfolgsfaktor Familie“. Das Bundesfamilienministerium, die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (BDA, DIHK, ZDH) und der DGB setzen sich mit diesem Unternehmensprogramm dafür ein, Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der deutschen Wirtschaft zu machen. Denn von Vereinbarkeitsmaßnahmen profitieren nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmen: Bis zu 40 Prozent Rendite bringen entsprechende Investitionen für Unternehmen, unter anderem durch geringere Fehlzeiten und einen schnelleren Wiedereinstieg. Besonders hoch ist das Renditepotenzial, wenn Angebote auch Zielgruppen wie Väter und Pflegende erreichen. www.erfolgsfaktorfamilie.de
FÜR FAIRE BEZAHLUNG
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Seit mittlerweile elf Jahren macht die Equal Pay Day-Kampagne auf den Einkommensunterschied zwischen Männer und Frauen aufmerksam: Um schneller ans Ziel zu gelangen, unterstützt das Fair Pay Innovation Lab (FPI) seit Sommer 2017 Unternehmen bei der praktischen Umsetzung von Lohngerechtigkeit. Außerdem beantwortet das FPI sämtliche Fragen rund um das gerechte Bezahlung: www.fpi-lab.org