Alternativen für Studienabbrecher

Foto: Jungwoo Hong / Unsplash
Foto: Jungwoo Hong / Unsplash

Wer ein Studium nicht zum Ende bringt, braucht einen Plan B. Und davon gibt es viele. Welche alternativen Wege können Studienabbrecher einschlagen? Von Sabine Olschner

Je nachdem, was die Gründe für den Studienabbruch waren, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, seine beruflichen Möglichkeiten für die Zukunft auszuloten.

Waren die Studieninhalte zu schwer?

Wer sich mit seinem Fach schwergetan hat und vielleicht sogar eine Klausur nach der anderen nicht bestanden hat, kann überlegen, ein anderes Studienfach zu wählen. Damit sich das nicht auch wieder als Sackgasse entpuppt, empfiehlt es sich, vorab eine Studienberatung aufzusuchen. Vielleicht ist es sogar möglich, mit anderen Studierenden des gewünschten Faches zu sprechen oder eine Vorlesung zu besuchen, um ein Gefühl für das neue Studienfach zu bekommen.

Waren die Studieninhalte zu theoretisch?

Manch ein Student stellt während des Studiums fest: Das alles ist zu theoretisch und hat wenig mit dem angestrebten Wunschberuf zu tun. Eine Lösung: Für viele Fächer gibt es neben den Universitätsstudiengängen auch Angebote von Fachhochschulen. Diese sind meist beruflich orientiert und entsprechen den Neigungen von praktisch veranlagten Menschen eher als ein theoretisches Universitätsstudium.

Eine Alternative ist ein duales Studium: Einsätze im Ausbildungsunternehmen wechseln sich mit Studienphasen ab, das Erlernte kann sofort in die Praxis umgesetzt werden. Und am Ende hat man nicht nur einen Bachelor, sondern auch eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche.

Ist Studieren einfach nicht das Richtige?

Man muss heutzutage nicht studieren, um im Beruf erfolgreich zu sein. Zahlreiche anspruchsvolle Ausbildungen – eventuell mit Weiterbildungen im Anschluss – führen ebenfalls zum Ziel. Manche Ausbildungen, beispielsweise zum Handelsfachwirt, zum Finanzassistenten oder zum Betriebswirt Verkehr/Logistik, sind explizit für Abiturienten reserviert (eine Übersicht zu den Sonderausbildungen für Abiturienten gibt es hier ((https://www.azubiyo.de/media/4235/azubiyo_abiturientenausbildungen.pdf)). Wer sich nach dem Abitur zudem ein paar Semester lang Kenntnisse in seinem Fachgebiet angeeignet hat, wird von den Ausbildungsunternehmen oft mit Kusshand genommen.

Da Auszubildende in vielen Berufen mittlerweile rar sind, bieten manche Unternehmen Studienabbrechern sogar verkürzte Ausbildungen an. Wo andere bis zu drei Jahre lernen, ist der ehemalige Student im besten Fall und je nach Leistungsstand teilweise schon nach 18 Monaten fertig. Informationen zu den verkürzten Ausbildungen halten zum Beispiel die regionalen Handwerkskammern bereit. Informativ ist auch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt JOBSTARTER plus ((https://www.jobstarter.de/)).

Besteht Interesse, sein eigenes Ding zu machen?

Ohne den Abschluss von einer Hochschule oder aus einer Ausbildung ist es schwer, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden. Noch immer setzen Unternehmen vorrangig auf qualifizierte Mitarbeiter, die sich das notwendige Wissen in Theorie und/oder Praxis angeeignet haben. Wer jedoch weder auf ein Studium noch auf eine Ausbildung Lust verspürt, kann versuchen, sich mit einer guten Geschäftsidee selbstständig zu machen. Hier fragt in der Regel keiner nach einem Abschluss – stattdessen ist Fachexpertise gefragt, wie auch immer man sich diese angeeignet hat.

Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit ist es jedoch ratsam, sich gut beraten zu lassen: Wie hoch ist der Finanzbedarf für die Umsetzung meiner Geschäftsidee? Welche Qualifikationen brauche ich dafür? Wo kann ich mir diese aneignen (zum Beispiel in Weiterbildungen oder Zertifikatskursen)? Welche persönlichen Voraussetzungen sollten Selbstständige mitbringen?

Ist völlig unklar, wie es weitergehen soll?

Wer noch gar nicht weiß, was er nach dem Studienabbruch nun eigentlich will, sollte sich vielleicht erst einmal eine Auszeit nehmen. Wie wäre es mit Work & Travel, also Reisen und Arbeiten in Kombination? Ein Perspektivwechsel kann Klarheit für die berufliche Zukunft bringen. Mit einer Sprachreise eignet man sich gleichzeitig sinnvolle Qualifikationen für den späteren Beruf an – Sprachkenntnisse sind in vielen Jobs gefragt. Ein längeres Praktikum in einem Betrieb oder auch mehrere Praktika bringen oft gute Ideen und Erkenntnisse.

Auch ein Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) oder ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) kann die Augen für die eigenen Interessen öffnen. Freiwilligendienste gibt es auch mit anderen Schwerpunkten: als FSJ Kultur, FSJ Politik und FSJ Schule. Selbst eine längere Reise, auf der man viele Menschen kennenlernt, ist eine gute Gelegenheit, den Kopf für neue Ideen freizubekommen.

Buchtipp

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James E. Ryan, Wie jetzt?!: Und andere entscheidende Fragen des Lebens, Beltz 2018, ISBN: 978-3407865076, 14,96 Euro. Jetzt kaufenJetzt kaufen bei Amazon

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