Digitales Origami in der Greentech 4.0

Foto: Fotolia/ledinka
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Greentech wird smart: Die Digitalisierung sorgt dafür, dass intelligente grüne Lösungen für gewinnbringende Innovationen stehen. Bionik, Adaptronik und Scientific Programming treiben die Entwicklung ebenfalls voran. Gesucht werden dafür Ingenieure, die gerne grün denken und Prozesse überblicken können. Von André Boße

Man bringt die traditionelle japanische Faltkunst Origami nicht sofort mit grüner Hightech in Verbindung. Doch wenn man sich einmal überlegt, wie häufig der Mensch in der Natur genialen Falt-Konstruktionen begegnet, erschließt sich die Verbindung sehr schnell. Neben Bionik, Adaptronik oder organischer Elektronik ist das Origami-Prinzip ein neuer Ansatz, um die Prinzipien der Natur für Technik nutzbar zu machen.

Ob Blütenknospen, Vogelflügel oder auch das menschliche Gehirn: die gefalteten Konstruktionen sind robust und wandelbar, können komplexe Aufgaben übernehmen – und zwar mit höchster Effizienz. Besonders in der Medizin- sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik schauen innovative Ingenieure und Naturwissenschaftler sehr genau auf den Origami-Code.

Greentech bedeutet heute weit mehr, als Energie zu sparen oder Recycling-Strategien zu entwickeln.

Neue technische Möglichkeiten wie 3-D-Drucker machen es möglich, dass in diesen Bereichen aus Computermodellen schnell Produkte werden. Analog zur Industrie 4.0: Greentech 4.0 Das Origami-Beispiel zeigt: Greentech bedeutet heute weit mehr, als Energie zu sparen oder Recycling-Strategien zu entwickeln. Die grüne Technik wird immer smarter, analog zur Industrie 4.0 kann man heute auch von Greentech 4.0 sprechen – einem faszinierenden, von Innovationen und Schlüsseltechnologien geprägten Feld, in dem Querdenker genauso gesucht werden wie akribische Beobachter, leidenschaftliche Tüftler und visionäre Führungskräfte.

Der Megatrend, der für die Endung 4.0 steht, ist die Digitalisierung. Greentech profitiert von neuen Lösungen, die so intelligent sind, dass sich nicht nur Energie sparen lässt, sondern ganz neue Produkte entwickeln lassen. Ort dafür sind die Digital Factories, wo Hard- und Software dafür sorgen, dass Entwicklung, Produktion und Logistik datentechnisch miteinander verbunden werden. Mit großen Vorteilen in Sachen Effizienz:

Die jeweiligen Bereiche interagieren miteinander, reagieren aufeinander. Logistische Prozesse starten genau zum richtigen Zeitpunkt und sind flexibel steuerbar, Entwicklung und Produktion stimmen sich immer wieder neu ab. Die Folge: In den Unternehmen kommt es zu deutlich weniger Leerlauf, logistische Prozesse können optimiert werden, die Lieferkette lässt sich nachverfolgen – was neue Chancen ergibt, diese auf das nachhaltige Arbeiten jedes Beteiligten zu prüfen.

Was in diesen Smart Factories benötigt wird, sind neben IT-Experten auch Ingenieure, die den gesamten technischen Prozess im Blick haben. Leute also, die sich darauf verstehen, die einzelnen, durch die Digitalisierung miteinander verbundenen Bereiche als System zu betrachten – so, wie die Software es ja auch tut. Zudem sind intelligente Energiesysteme dafür verantwortlich, dass die Effizienz in den Unternehmen weiter steigt.

Bei Google zum Beispiel existieren Teams, die sich ausschließlich damit beschäftigen, den Energieverbrauch der riesigen Serverparks zu reduzieren. Hier gehen IT-Experten und Ingenieure Hand in Hand. Auf der einen Seite tüfteln die Computer-Spezialisten neue Algorithmen aus, um den Stromverbrauch zu minimieren. Bei diesem Job kommt es sowohl auf mathematisches als auch IT-Know-how an – eine Kombination, die unter anderem im dualen Studiengang Scientific Programming ausgebildet wird.

Auf der anderen Seite entwickeln Ingenieure mit Händchen für grüne Ideen natürliche Kühlsysteme, die zum Beispiel mit Hilfe von Frischluft oder Wasser kühlen. Hat ein Unternehmen Greentech-Innovationen entwickelt oder wendet es diese an, heißt es schnell: „Damit steigt die Nachhaltigkeit, was einen positiven Effekt für die Umwelt hat.“ Aber stimmt das überhaupt? Und wie soll man Nachhaltigkeit überhaupt messen?

Hendrik Fink, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, ist der Meinung, dass es auch bei der Nachhaltigkeit Standards geben muss, die den Vergleich zwischen Produktionsweisen erlauben. „Wenn ein CEO entscheiden soll, ob es sich lohnt, ein Produkt nachhaltig zu produzieren, braucht er eine verlässliche Datengrundlage. Nur so kann er abschätzen, welche Folgen seine Strategie langfristig auf den Erfolg seines Unternehmens hat.“ Nachhaltigkeit messbar machen Beim Thema Treibhausgase gibt es diese Standards bereits. „Auf dieser Grundlage kann ein Unternehmen seinen CO2-Fußabdruck berechnen“, sagt Fink – wobei dieser Fußabdruck eben auch betriebswirtschaftlich beziffert werden kann.

Das Unternehmen Puma hat als eines der ersten eine ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung vorgelegt. Sie zeigt, wie sich die Umweltbelastung zwischen einer konventionellen und einer nachhaltigen Produktion unterscheidet. „Das Unternehmen macht damit seinen ökologischen Fußabdruck sichtbar“, sagt PwC-Partner Hendrik Fink. „Mit den Informationen ist eine risiko- und umweltbewusste Unternehmenssteuerung möglich. Das Unternehmen kann erkennen, wo Prozesse verbessert werden müssen, um die Umwelt weniger zu belasten, und kann damit nachhaltigere Produkte anbieten.“

Hendrik Fink glaubt, dass weitere Unternehmen diesen Schritt gehen werden – auch, weil der Kunde danach verlangt. Gefragt sind daher Greentech-Ingenieure, die zusammen mit Kollegen aus den Bereichen Prozessmanagement oder Controlling standardisierte Kriterien festlegen, um Nachhaltigkeit zu messen und zu bewerten. An diesem Beispiel zeigt sich: In vielen Unternehmen sind die grün denkenden Ingenieure längst nicht mehr die Mahner, die Bedenken aussprechen. Sie nehmen vielmehr die Rolle der Möglichmacher ein, die dafür sorgen, dass intelligente Greentech-Lösungen das Unternehmen voranbringen.

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