Wie gründen Frauen ein Unternehmen? „Tut es!“

Jana Tepe (rechts) und Anna Kaiser, Gründerinnen von Tandemploy, Foto: Tandemploy
Jana Tepe (rechts) und Anna Kaiser, Gründerinnen von Tandemploy, Foto: Tandemploy

Jana Tepe und Anna Kaiser gründeten Tandemploy, ein Unternehmen, dessen Software-Lösungen Antworten auf viele Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt bieten. Und die mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurden. Der karriereführer sprach mit Jana über die Herausforderungen, die Gründerinnen und auch Gründer zu meistern haben. Die Fragen stellte Christoph Berger

Jana, mit eurer SaaS-Lösung sprecht ihr gleich einige große Herausforderungen an, vor denen Unternehmen heute stehen und nach Lösungen suchen: zum Beispiel Jobsharing, Mitarbeiterbindung, Wissenstransfer, Peer Learning etc. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die unterschiedlichen Aspekte vereint in eine Software zu packen?
Mit unserer Software lösen wir ein großes Problem, das eigentlich jede Organisation heute hat: Wir helfen dabei, alte Strukturen zu öffnen, vernetzter zu arbeiten, das Wissen in Unternehmen besser zu (ver-)teilen und in Zeiten großer Transformationen beweglicher und handlungsschneller zu werden. Dadurch, dass wir Kolleginnen und Kollegen für diverse flexible Arbeitsmodelle, Kollaborationsformen und Themen mit unseren Algorithmen matchen, unterstützen wir Firmen und deren Mitarbeitende ganz praktisch und alltäglich dabei, eine „Netzwerkorganisation“ zu werden oder sich zumindest auf den Weg dorthin zu begeben. Und weil es zum Netzwerken Anlässe und konkrete Use Cases braucht, bilden wir die ganze bunte Palette ab. Mittlerweile matchen wir für 18 Themen, da ist für jeden was dabei.

Welche Herausforderungen waren für euch bzgl. der IT mit der Gründung von Tandemploy verbunden?
Unsere größte Herausforderung zu Beginn war, einen ITler zu finden, der unsere Ideen und Konzepte in eine Software umsetzt und unser Gründerteam komplettiert. Anna und ich sind beide keine Programmiererinnen. Wir mussten also jemand finden, der wertemäßig zu uns passt, unsere Vision teilt – und ein exzellenter Programmierer ist. Das hat zum Glück geklappt.

Wie wir beide ja beweisen, muss man nicht selber Techie sein, um ein Tech-Unternehmen zu gründen. Man muss sich nur mit den richtigen, hochmotivierten Menschen umgeben.

Und welche Herausforderungen gab es darüber hinaus noch zu bewältigen?
Funding zu bekommen. Ebenfalls ganz zu Beginn haben wir uns für das EXIST-Gründerstipendium beworben, da uns klar war, dass wir eine komplexe Softwareidee kaum werden bootstrappen können. Auch das hat glücklicherweise funktioniert und nach einigen Monaten Warten und Bangen wussten wir: Wir bekommen durch das Stipendium ein Jahr Zeit geschenkt, um unsere Idee in einer Betaversion auf den Markt zu bringen. Das war 2013.

Ihr seid zwei Gründerinnen. Ist dies noch eine Seltenheit in der Start-up-Szene?
Leider ja, vor allem in der Tech-Szene sind wir oft noch allein auf weiter Flur, auf Bühnen, Konferenzen und bei Awards oftmals die einzigen Frauen.

Woran liegt das?
Das hat sicher ganz viele Gründe. Natürlich gibt es rein zahlenmäßig weniger Frauen, die Informatik studieren. Aber wie wir beide ja beweisen, muss man nicht selber Techie sein, um ein Tech-Unternehmen zu gründen. Man muss sich nur mit den richtigen, hochmotivierten Menschen umgeben.

Welche Tipps habt ihr für Frauen, die möglicherweise schon eine Start-up- Idee haben, dann aber vor der Frage stehen: Sollen wir die Idee tatsächlich umzusetzen?
Tut es! Denkt nicht zu lange nach, einfach machen! Hätten Anna und ich zu Beginn zu lange gegrübelt, hätten wir sicher nicht nach zwei Tagen unsere Jobs gekündigt und einfach angefangen. Ihr müsst nicht schon den großen perfekten Plan haben. Denn was ist das Schlimmste, was passieren kann? Meist ist das gar nicht so wild. Und auf dem Weg lernt man so viel wie an keiner Uni und in keinem anderen Job der Welt.

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