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StartInformationstechnologie„Ausgangspunkt sollte IT sein“

„Ausgangspunkt sollte IT sein“

Das Projekt „SmartF-IT“ entwickelt Lösungen, wie IT-Know-how in die Fabriken der Zukunft integriert werden kann. Warum es dabei weiterhin auf den Menschen ankommt und welchen Stellenwert IT-Spezialisten zukünftig in den Unternehmen haben werden, erklärt „SmartFIT“-Koordinator Dr. Dietmar Dengler. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Dietmar Dengler, Foto: Privat
Dietmar Dengler, Foto: Privat

Dr.-Ing. Dietmar Dengler ist stellvertretender Forschungsbereichsleiter am Forschungsbereich Intelligente Benutzerschnittstellen im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Aktuell ist er unter anderem technisch-wissenschaftlicher Koordinator im Industrie-4.0-Verbundprojekt „SmartF-IT“. Diese vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderte Allianz von Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt Software, die es den Mitarbeitern in den Unternehmen erlaubt, die Vorteile der cyber-physischen Produktionssysteme ohne zusätzliche Arbeitsbelastung zu nutzen.

Herr Dr. Dengler, IT-Systeme sind der Innovationsmotor für die Industrie 4.0. Wie weit sind wir denn schon mit der sogenannten vierten industriellen Revolution?
Was definitiv zunimmt, ist die Standardisierung, Vernetzung und Integration der IT-Schnittstellen in bereits bestehende Systeme. Diese Entwicklung minimiert Umrüstzeiten. Zudem lassen sich einzelne Ressourcen flexibler kombinieren. Hier liegt jedoch nicht der Kern von Industrie 4.0. Oder anders gesagt: Diese Schritte sind notwendig, aber nicht hinreichend.

Wo besteht demnach Bedarf?
Vor allem in der Unterstützung der Mitarbeiter. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn sich die Industrieanlagen und Produkte häufiger verändern und die Zahl der Varianten steigt. Auch in der flexiblen Produktion sind weiterhin Menschen involviert, sowohl auf der planerischen als auch auf der ausführenden Seite. Neue Systeme und Technologien haben die Aufgabe, den Menschen dabei zu helfen, mit der neuen Komplexität umzugehen.

Wodurch zeichnet sich diese Komplexität aus?
Es müssen schnell und häufig Entscheidungen getroffen werden, ohne dass dadurch eine mentale Belastung entsteht oder die Qualität leidet. Neben vielen verlockenden positiven Aspekten müssen wir eben auch die negativen Seiten beachten: Datenüberflutung, aber natürlich auch die unbefugte Nutzung der Daten.

Wie sollten Smart Factorys in den Unternehmen integriert werden: Schritt für Schritt, ohne die bisherige Produktion auf den Kopf zu stellen? Oder sprechen wir hier tatsächlich von einer Revolution, die alles Bisherige auf den Kopf stellt?
Diese Revolution kann nur als Evolution daherkommen. Dies ist schon deshalb notwendig, weil Erfahrungswerte und bewährte Strategien für die Umstellung hin zu einer Smart Factory fehlen. Noch gibt es nicht genügend Experten, die in der Lage sind, diese Umstellung durchzuführen und vor allem dauerhaft zu begleiten. Daher wird man die bestehenden Anlagen in der Regel nach und nach mit Smart- Factory-Technologien nachrüsten, statt ganze Linien auszutauschen oder neu zu bauen.

Wie sieht das Anforderungsprofil für IT-Spezialisten aus, die in naher Zukunft Smart Factories einrichten: Sind sie im Herzen weiter Informatiker oder eher moderne Maschinenbauer?
70 Prozent Informatik, 30 Prozent Maschinenbau. Basis für den Smart- Factory-IT-Spezialisten ist weiterhin eine fundierte Informatikausbildung. Schwerpunkte sind dabei die Felder Systemmodellierung, Softwarearchitektur, Datenanalyse, Sicherheitsinfrastruktur und User Experience. Aber es ist auch ein Grundverständnis für den industriellen Fertigungssektor von Bedeutung. Nur so kann man die Probleme und Herangehensweisen in den Fabriken verstehen. Der primäre Ausgangspunkt sollte jedoch die IT sein.

Wie und wo werden die Experten zum Einsatz kommen?
Es wird sowohl externe Dienstleister als auch interne Fachexperten geben – wobei diese aus Kostengründen wohl nur in größeren Unternehmen zum Einsatz kommen. Dort ergänzen sie dann die Ingenieurgruppe mit ihrem IT-Know-how. So oder so: IT darf nicht mehr allein Dienstleister sein. Die IT wird sich zunehmend zu einem treibenden Mitgestalter mit großem Verständnis für die industrielle Produktion entwickeln. Dadurch werden die IT-Experten in den Unternehmen an Bedeutung gewinnen, weil immer mehr Fertigungs-Know-how vor allem IT-Know-how sein wird. Das muss man besitzen, um sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten.

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