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Autismus: Besondere Begabungen

Es begann 2011 in Indien: Eine Organisation, die sich für autistische Kinder einsetzt, bittet SAP um ausrangierte Tablet-Computer. Das Software-Unternehmen spendet die Tablets – und aus diesem Kontakt erwächst ein Programm mit dem Titel „Autism at Work“: Mittlerweile stellt SAP gezielt Menschen mit Autismus ein. Von Kerstin Neurohr

„Menschen mit Autismus sind häufig besonders detailgenau, sie können sich hervorragend konzentrieren und ihr logisch-analytisches Denkvermögen ist besonders ausgeprägt“, erklärt Stefanie Nennstiel, Personaldirektorin bei SAP. „Wir stellen diese Mitarbeiter ein, weil sie unserem Unternehmen mit ihren Fähigkeiten nutzen“, betont sie, „nicht, um die Behindertenquote zu erhöhen – die meisten Mitarbeiter mit Autismus haben ohnehin keinen Schwerbehindertenausweis.“ Bis 2020 soll der Anteil der autistischen Mitarbeiter bei einem Prozent liegen – so hoch ist auch der Anteil von Autisten an der Weltbevölkerung. „Autism at Work“ ist Teil des Diversity-Programms, mit dem der Konzern sich zukunftsgerecht positionieren möchte. Dahinter steht zum einen die Idee, dass man der Vielfalt der Kunden am besten gerecht werden kann, wenn man eine vielfältige Belegschaft hat. Zum anderen sollen angesichts des Fachkräftemangels Talente und hochqualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden, die bisher wenig gefragt sind.

Um diesen Talentpool zu erschließen, arbeitet SAP mit einem Unternehmen zusammen, das den Recruitingprozess verantwortet. „Unsere üblichen Auswahlverfahren sind hier nicht anwendbar“, erklärt Stefanie Nennstiel. „Mit Menschen, die Schwierigkeiten mit sozialen Interaktionen haben, können wir keine Interviews führen, wie wir es sonst tun.“ Stattdessen beantworten die Bewerber einen Fragenkatalog per E-Mail. Schaffen sie es in die nächste Runde, werden sie eingeladen und bekommen die Aufgabe, aus Legosteinen einen Roboter zusammenzubauen und kleinere Programmierprobleme zu lösen. „Wir beobachten sie dabei und erfahren viel über Genauigkeit, Teamfähigkeit und Kreativität“, sagt die SAP-Personalerin. Im Anschluss durchlaufen die Bewerber ein sechswöchiges Programm, bei dem soziale Fähigkeiten geschult und das Unternehmen und seine Kultur vorgestellt werden. Um die Integration in bestehende Teams zu erleichtern, gibt es spezielle Veranstaltungen, in denen die Kollegen auf den Umgang mit den autistischen Mitarbeitern vorbereitet werden.

Bisher hat SAP 70 Mitarbeiter mit Autismus weltweit eingestellt – 18 davon in Deutschland. Dass es deutlich mehr werden sollen, liegt an den positiven Erfahrungen. Zum einen erzielen die Autisten hervorragende Arbeitsergebnisse und haben bereits Fehler in der Software entdeckt, die vorher jahrelang nicht aufgefallen waren. „Außerdem haben wir erkannt, dass die autistischen Mitarbeiter viel zu einer verbesserten Kultur in unserem Unternehmen beitragen“, berichtet Stefanie Nennstiel. So habe sich die Kommunikation innerhalb der Teams verbessert: Autisten brauchen klare Strukturen und Ansagen. Davon profitieren alle Kollegen, genauso wie von einer reizarmen und ruhigeren Arbeitsumgebung sowie einer verbesserten Meetingkultur. „Insgesamt gibt es in den Teams mit autistischen Mitarbeitern viel Solidarität, Respekt und Achtsamkeit füreinander“, fasst die Personaldirektorin zusammen.

Buchtipp

Peter Schmidt ist Autist und Spiegel-Bestseller-Autor. In seinem neuesten Buch berichtet er von seiner Karriere in der IT-Branche.
Peter Schmidt: Kein Anschluss unter diesem Kollegen.
Patmos 2014.
ISBN 978-3843605175.
19,99 Euro.

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