Top oder Flop

Aus der Personalabteilung: Pia Palmu

Natürlich erwarte ich keine spannenden Krimis, wenn ich bei Ikea im Büro meine Post durchlese. Schon gar nicht, wenn ich eine Bewerbung in die Hand nehme. Dennoch gibt es Bewerber die mich so fesseln, dass ich ihre Unterlagen nie ungelesen zur Seite legen würde.

Bei anderen Bewerbungen dagegen fühle ich mich wie bei einem dieser schlechteren Krimis, den ich zum dritten Mal weglege, weil ich einfach nicht den Einstieg finde. Wie bei einem Roman, dessen Handlung so langweilig ist, dass ich nicht weiter als bis zur Seite 50 komme.

Was haben die einen Bewerbungen, was die anderen nicht haben?

Bewerben früher
Bis vor einigen Jahren habe ich vor allem Bewerbungen bekommen, die sich an relativ klaren Regeln orientierten. Leider hatte die Standardisierung zur Folge, dass sich alle Bewerbungen mehr oder weniger ähnelten. Die Anschreiben waren alle nach dem gleichen Strickmuster verfasst. Jeder Zweite hat die blaue Klemm-Mappe gekauft und immer war das farbige Passbild rechts oben auf der zweiten Seite. Bei bis zu 150 Bewerbungen pro Tag, von denen ein Großteil sehr ähnlich gehalten war, fiel mir die Auswahl nicht gerade leicht.

Bewerben heute
In den letzten Jahren hat sich vieles geändert. Die Standard-Papier-Bewerbungsmappe hat elektronische Konkurrenz erhalten. Die Informationsmöglichkeiten für Absolventen haben sich vervielfacht. Es gibt unzählige Ratgeber, Kurse, Job-Messen und Webseiten. Doch wer entscheidet heute, bei den riesigen Auswahl- und Gestaltungsmöglichkeiten, was eine „gute Bewerbung“ ausmacht? Wie sich die eine Bewerbung von der großen Masse abhebt?

Bewerbungs-Strategien
Machen Sie sich klar, was Sie anstreben und was gerade Sie besonders für diese Stelle qualifiziert.

Informieren Sie sich gründlich über den Arbeitgeber. Eine der besten Informationsquellen ist das Internet. Hier finden Sie in der Regel alles zum Job, aber auch viele Auskünfte über Werte, Visionen und Ziele des Unternehmens.

Finden Sie heraus, was für einen Mitarbeiter das Unternehmen sucht. Was hilft dem Unternehmen weiter, welche Werte sind dafür wichtig? Passen diese Angaben zu Ihrer Person, Ihren Qualifikationen, Ihrem Werdegang? Wenn Sie die Kernaussagen gefunden haben, können Sie sich in Ihrer Bewerbung genau darauf beziehen und deutlich machen, welchen Nutzen Sie für das Unternehmen haben. Eine Bewerbung gleicht einem Verkaufsgespräch. Stellen Sie Ihre Vorteile, Ihren Nutzen und Ihre Einzigartigkeit in den Vordergrund.

Ein weiterer, entscheidender Faktor: Aufmerksamkeit erwecken – aber bitte nicht um jeden Preis. Es geht vielmehr darum, den einen, zu Ihnen passenden Aspekt zu finden, um sich von der Masse der Bewerber abzuheben. Bei einem kreativen Beruf erwarte ich eine entsprechend gestaltete Bewerbung, die quasi schon als Arbeitsprobe dient. Bei EDV-bezogenen Berufen hingegen kann eine gut gemachte Homepage als Aushängeschild dienen. Und warum nicht mal ein sehr gutes Schwarz-Weiß-Foto, wenn es besser zu Ihnen passt? Beim Foto rate ich allerdings, ganz besonders aufmerksam zu sein und keine überzogene Effekthascherei zu betreiben.

Bewerbungs-Basics
Darüber hinaus gelten immer noch die Basics von früher. Wer diese missachtet, landet garantiert in einem Fettnäpfchen:

Die Bewerbung sollte sauber und ordentlich sein (keine Kaffeeflecken, Eselsohren usw.).

Verwenden Sie keine komplizierten, zigfach gefalteten Mappen und verpacken Sie bitte nicht jedes Blatt in Folien. Das ist nur umständlich und nicht umweltfreundlich.

Verschicken Sie nur vollständige Unterlagen. Achten Sie also genau darauf, was das jeweilige Unternehmen haben möchte.

Versenden Sie die Bewerbung nicht mit der Firmenpost des jetzigen Arbeitgebers.

Achten Sie auf Aktualität und vergessen Sie nicht die Unterschrift.

Verwenden Sie keine Ganzkörperfotos aus dem eigenen Wohnzimmer. Eine Bewerbung muss immer seriös bleiben.

Geben Sie Ihre Telefonnummer (Festnetz und Handy) an und denken Sie daran, dass der witzige Spruch auf dem AB einem Arbeitgeber nicht immer genauso gut gefällt.

Verzichten Sie bei E-Mail-Bewerbungen auf unnötige Attachements. Beschränken Sie sich aufs Wesentliche oder nutzen Sie gleich – wenn möglich – ein Online Formular.

Wenn Sie diese Tipps beachten, erhöhen Sie Ihre Chancen, von den Personalern gelesen und eingestellt zu werden.

Pia Palmu hat über 14 Jahre in verschiedenen Personalfunktionen bei der Graetz GmbH, Aral AG und NOKIA GmbH gearbeitet. Heute ist sie Leiterin Personalmarketing bei der IKEA Deutschland GmbH & Co. KG

Tipp:
Lassen Sie das Anschreiben und den Lebenslauf unbedingt von einer weiteren Person
gegenlesen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, stellen Sie sich der Kritik: Sind
meine Gedankengänge klar? Passt das Anschreiben auf die Stellenbeschreibung? Sehen
die Unterlagen gut aus? Stimmen Rechtschreibung und Grammatik?