„Uns interessiert die individuelle, private Komponente“

Olga-Blaszak, Foto: NCA (Next Commerce Accelerator)
Olga-Blaszak, Foto: NCA (Next Commerce Accelerator)

Olga Blaszak schloss ein Bachelor-Studium Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Master-Studium Bauingnieurwesen an der RWTH Aachen ab. Sie arbeitete unter anderem als freiwillige Mitarbeiterin auf Baustellen für den Internationalen Bauorden und absolvierte ein Trainee-Programm bei Arup. Jetzt gründet sie das Start-up BerlinGreen. Von Christoph Berger

Frau Blaszak, hätten Ihnen in der heutigen Situation nicht alle Türen am Bau offen gestanden und Sie hätten einigermaßen beruhigt in die Zukunft blicken können – stattdessen gründen Sie ein Start-up mit ungewissem Ausgang, warum?
Ich wollte schon immer etwas Eigenes gründen. Schon während des Studiums hatte ich eine Idee für mein eigenes Business, aber damals haben die Zeit und die Finanzierung gefehlt. Als sich die Option mit dem Berliner Startup-Stipendium ergab, hatte ich bereits einen festen Job in der Tragwerksplanung. Es war eine schwierige Entscheidung, aber ich dachte mir – entweder mache ich das jetzt oder wahrscheinlich nie.

Andererseits entwickelt BerlinGreen mit der GreenBox ein Produkt als Antwort auf die Frage nach Möglichkeiten des urbanen Lebens. Machen Sie im Kleinen was das Bauwesen im Großen machen muss?
Wir, mein Mitgründer Filip Wawrzyniak und ich, kommen aus der Baubranche. Was in der Baubranche leider ein bisschen frustrierend ist, ist die Menge an Geld und Zeit, die man braucht, um überhaupt etwas zu schaffen. Uns interessiert die individuelle, private Komponente. Und wie wir die Natur in die Gebäude bringen können, ohne dabei große Investitionen machen zu müssen. Unsere Produkte sollte sich jeder leisten können.

Nun sind Sie für Finanzen und den Vertrieb zuständig. Welches Wissen aus Ihrem Bauingenieurstudium und dem vorherigen Berufsleben können Sie heute noch anwenden?
Ich finde, es kommt weniger auf Inhalte an, sondern auf die Fähigkeit, analytisch denken zu können. Das ist das Wichtigste, was ich während des Ingenieurstudiums gelernt habe. Wenn Probleme vorkommen – und die gibt es in einem Start-up die ganze Zeit, muss man eine Strategie entwickeln und die Situation in kleine Bestandsteile zerlegen. Könnte ich erneut ein Studium auswählen, würde ich mich für Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Bauingenieurwesen entscheiden. Der wirtschaftliche Teil hat in dem reinen Bauingenieurstudium auf jeden Fall gefehlt. Nach dem harten Studium an der RWTH Aachen war das aber kein großes Problem. Ich habe die fehlenden Inhalte einfach selbst gelernt.

Und welches sind die größten Herausforderungen, die Ihr Unternehmen zu meistern hat?
Hardware zu machen, ist leider nicht einfach und frisst viel Geld und Ressourcen. Wir bereiten jetzt die Produktion vor. Zum Glück haben wir dafür einen guten Partner gefunden, der eine hohe Qualität gewährleisten kann. Die größte Herausforderung ist momentan, wie wir diese finanzieren können. Entweder machen wir dafür eine Crowdfunding- Kampagne oder wir suchen einen großen Investor.

www.berlingreen.tech

Wie lange wird es noch dauern, bis die GreenBox tatsächlich auf den Markt kommt?
Der Vorverkauf ist für Februar 2020 geplant. Hoffentlich bleibt das so, so dass wir die GreenBox kurz danach an den ersten Kunden liefern können.