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Mit weniger mehr erreichen: Mompreneurs

Werden Unternehmen eigentlich nur von Männern gegründet, die viel Venture Capital auf dem Konto haben und 70 Stunden pro Woche daran arbeiten, ihre Idee voranzubringen? Von wegen! Esther Eisenhardt zeigt, vernetzt und berät „Mompreneurs“ – Frauen, die sowohl Mütter als auch Unternehmerinnen sind und die nicht nur Erfolg im Beruf haben, sondern auch ein lebendiges Familienleben führen.

Zur Person

Esther Eisenhardt, 43 Jahre, Gründerin von Mompreneurs und eine der 25 Frauen für die digitale Zukunft
Mompreneurs-Website
Facebookseite mit Infos
Geschlossene Facebookgruppe

„Als ich vor einigen Jahren in die Selbstständigkeit gehen wollte und mich in der Berliner Gründerszene umgesehen habe, habe ich kaum jemanden getroffen, der in einer ähnlichen Lebenssituation war wie ich und vergleichbare Ziele hatte“, erinnert sich Esther Eisenhardt. „Dabei gibt es so viele wunderbare Frauen, die ihr eigenes Unternehmen führen und Kinder haben.“ Mit dieser Erkenntnis legte die 43-Jährige ihre ursprüngliche Geschäftsidee auf Eis und gründete „Mompreneurs“ – zusammengesetzt aus dem englischen Wort „Mom“ und dem französischen Begriff „Entrepreneur“ –, einen Wegweiser, der Mütter ermutigt, ihren eigenen Weg zwischen Unternehmerschaft und Familienleben zu gehen.

Ihr Angebot ist vielseitig: Sie veranstaltet Mompreneur-Meetups, bei denen sich Frauen, die gründen möchten oder schon selbstständig sind, zum Netzwerken treffen. Eisenhardt erklärt: „Da werden Infos und Erfahrungen ausgetauscht, die Frauen unterstützen, inspirieren und motivieren sich gegenseitig.“ Solche Meetups gibt es bereits in zehn deutschen Städten und in Zürich, weitere Veranstaltungsorte sollen 2015 folgen. Außerdem bietet die Mutter zweier Töchter Webinare zu gründungsrelevanten Themen an. Und sie hat eine Facebookgruppe gegründet, in der über 900 Frauen Mitglied sind und in der aktiv genetzwerkt wird. In dieser Gruppe, genau wie bei den Meetups, gehen die Frauen offen und ehrlich miteinander um, auch Hürden werden thematisiert. „Viele unserer Mompreneurs beschäftigen sich mit den gleichen Themen, stehen vor ähnlichen Schwierigkeiten – sie können wunderbar voneinander profitieren“, meint Eisenhardt. „Es kann doch nicht sein, dass jede allein und bei Null anfangen muss.“

Redaktionstipp

Foto: Tempest Film, Fotolia/blackday
Foto: Tempest Film, Fotolia/blackday

Katja von Garnier, preisgekrönte Regisseurin und zweifache Mutter, begleitete 18 Monate lang die Rockband Scorpions auf ihrer Tour. Ihr Film ist seit dem 26. März 2015 im Kino zu sehen: „Scorpions – Forever And A Day“.

Esther Eisenhardt, die BWL und Medienberatung studiert hat und vor der Selbstständigkeit bei Agenturen und Konzernen bereits Vollzeitkarriere mit Führungsverantwortung gemacht hat, ist überzeugt, dass Mompreneurs anders gründen: Ihr Hauptanliegen sei es nicht, das Unternehmen möglichst groß zu machen und möglichst viel Kapital anzusammeln. Viel wichtiger sei es ihnen, finanziell unabhängig zu sein, dabei aber so flexibel wie möglich zu bleiben und noch Zeit und Energie für die Familie zu haben. „Es geht darum, mit weniger mehr zu erreichen“, fasst sie zusammen. Entsprechend hat sie auch ihre eigene Arbeit organisiert und strukturiert: Sie ist im Home Office tätig und spart sich die langen Fahrtwege, die sie früher viel Zeit gekostet haben. Vollzeit arbeitet sie auch heute noch, allerdings mit viel mehr Spaß und Flexibilität als in ihrem früheren Angestelltenleben: Online-Tools wie Skype und das Smartphone sind ihr wichtigstes Handwerkszeug – so kann sie auch beim Mittagessen im Restaurant einen geschäftlichen Anruf annehmen oder auf einem Spaziergang kurz Mails checken.

Wie andere Frauen arbeiten und die Selbstständigkeit mit der Familie vereinbaren, zeigt Esther Eisenhardt in Porträts auf der Mompreneurs-Website. Dort finden sich so motivierende Geschichten wie die von Petra van Laak, die sich als vierfache, alleinerziehende Mutter selbstständig gemacht hat: Sie schreibt Texte für Unternehmen, hat ein Buch über ihre Gründung veröffentlicht und ist mittlerweile sogar auf Expansionskurs – 2014 hat sie mit einem Partner ein weiteres Unternehmen gestartet. Franziska Müller von der Ahé und Julia Sommerer haben ebenfalls zu zweit ihr Unternehmen gegründet, sie führen eine Kommunikationsagentur mit 30 Mitarbeitern – und das in Teilzeit, denn beide sind Mütter und wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen. Viele Tipps gibt Esther Eisenhardt daneben im Mompreneurs-Blog, wo sie beispielsweise erklärt, wie wichtig es ist, eine Vision zu haben, was man beachten sollte, wenn man mit einer Freundin gemeinsam gründet, und wie Facebookmarketing effektiver werden kann. „Mompreneurs ist mein absolutes Herzensprojekt“, sagt Esther Eisenhardt. Und mit diesem Herzensprojekt hat sie Erfolg, das zeigen nicht nur die Kommentare der Gründerinnen und Unternehmerinnen in der Facebookgruppe: 2014 wurde Esther Eisenhardt unter die „25 Frauen für die digitale Zukunft“ gewählt.

Redaktionstipps

Amanda Palmer, Sängerin und Musikerin im Punk-Kabarett-Duo The Dresden Dolls sowie seit Kurzem Mutter, machte 2012 mit der bisher erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagne der Musikgeschichte Furore: Sie sammelte bei ihren Fans 1,2 Millionen Dollar und finanzierte damit ihr neues Album. Ihr neues Buch „The Art Of Asking“ widmet sich unter anderem der Frage, warum es wichtig ist, andere um Hilfe zu bitten. Amanda Palmer: The Art of Asking: Wie ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und lernte, mir helfen zu lassen. Eichborn, 2015. ISBN 978-3847905974. 16,99 Euro
Zum Interview mit Amanda Palmer

25 Frauen für die digitale Zukunft

Die Initiative berufundfamilie begleitet Unternehmen, Institutionen und Hochschulen bei der Umsetzung einer familienbewussten Personalpolitik.
www.berufundfamilie.de

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