Eintauchen: Biobasierte Baustoffe

Foto: AdobeStock/ alfa27
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Weltweit wird intensiv an biobasierten Baustoffen geforscht, also an Baustoffen aus Materialien, die aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Sie sollen dazu beitragen, noch klima- und umweltfreundlicher zu bauen, außerdem das Raumklima verbessern. Wir tauchen ein in die facettenreiche Welt dieser zukunftsweisenden Baustoffe.
Von Kerstin Neurohr

Smartes Baumaterial mit Popcorn

Aus zwei Basiskomponenten bestehen die Leichtbau-Paneele „ecohab“, die von dem Münchner Unternehmen Smarter Habitat produziert werden: Naturfaserlaminate als Deckschicht sowie ein Kernmaterial aus gepopptem Maisgranulat – beides regionale Rohstoffe. Die Herstellung ist kostengünstig und je nach Anwendung in unterschiedlichsten Abmessungen und Stärken möglich. Der Baustoff stellt eine skalierbare Alternative zu CO2-intensiven Baustoffen im Trockenbau dar. Zur Herstellung können gängige industrielle Verfahren genutzt werden. Nach ihrem Einsatz sind die Paneele wiederverwendbar, recyclebar und partiell auch kompostierbar. Im Sommer 2023 hat das Produkt einen Preis gewonnen, die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zeichnete die Paneele bei ihrer Sustainability Challenge in der Kategorie „Innovation“ aus.

Pilze

Forschende der Universität Newcastle haben ein Verfahren für umwelt- und klimafreundliche Baumaterialien entwickelt. Ihr nachhaltiger Baustoff besteht aus einem gestrickten Wollgewebe mit einem Pilzgeflecht. Das Ergebnis sei erheblich fester als gy“. Der Vorteil von Pilzandere Pilz-Zusammensetzungen, schreibt die Forschergruppe in der Fachzeitschrift „Frontiers in Bioengineering and Biotechnoloen„: Ihr Geflecht kann in jede beliebige Form hineinwachsen. Damit die Pilze genug Sauerstoff bekommen, um zu wachsen, experimentierten die Forschenden mit einem Strickgewebe aus Merinowolle. Eine Paste aus Nährstoffen, Stützstrukturen und Wasser fördert das Pilzwachstum.

Kokos

NaturLoop, ein Startup entstanden aus einem Forschungsprojekt an der Berner Fachhochschule, Institut für Werkstoffe und Holztechnologie, produziert „Cocoboards“, Paneele aus den Fasern von Kokosnussschalen. Die Anwendung ist vielseitig: Die Paneele eignen sich für Anwendungen in der Möbelproduktion, beispielsweise für Schränke und Tischplatten, sowie für die Innenarchitektur, beispielsweise für Trennwände und dekorative Paneele. Vor kurzem konnte die Produktion erstmals im Industriemaßstab getestet werden – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Marktreife. Ab 2024 soll das Material im großen Stil produziert werden, hoffen die Gründer. Der Rohstoff, die Kokosnussschalen, werden derzeit von den Philippinen importiert, langfristig sollen dort Produktionsstätten errichtet werden, damit die Schalen direkt dort verarbeitet werden können, wo sie als Abfall anfallen.