Der digitale Zwilling

Foto: Fraunhofer-IAO
Foto: Fraunhofer-IAO

Bei Building Information Modeling, kurz BIM, handelt es sich um den digitalen Zwilling eines Bauwerks. Dabei werden die Bauvorhaben inzwischen in bis zu sieben Dimensionen dargestellt – über den gesamten Lebenszyklus. Mit dem virtuellen Datenraum soll es möglich werden, Kosten und Terminvorgaben besser zu planen und einzuhalten. Von Christoph Berger

Die BIM-Methode kurz zusammengefasst: Mit BIM werden Bauwerke vom Entwurf bis hin zur Inbetriebnahme und Bewirtschaftung digital beschrieben. Umsetzbar sind dabei inzwischen 7-D-Darstellungen: Zu der dreidimensionalen Darstellung eines Bauwerks kommt als vierte Dimensionen die Zeit. Das 5-D-Modell umfasst Kosten, in der 6-D-Darstellung wird das virtuelle Bauwerk noch mit Lebenszyklusaspekten bestückt. Im 7-D-Modell werden als weitere Dimension schließlich Aspekte der Gebäudenutzung ergänzt. Und, so heißt es vonseiten des BIM Instituts der Bergischen Universität Wuppertal: „Denkt man diesen ganzheitlichen Ansatz der BIM-Arbeitsmethode weiter, erfordert er zudem auch einen Kulturwandel im Bauwesen und eine neue Form der teamorientierten Zusammenarbeit.“ Dies deshalb, da die BIM-Methode vorsieht, dass alle Beteiligten an demselben Datenmodell arbeiten und so eine Reduzierung der Schnittstellen erfolgt. Daher werden sich neben der notwendigen Hard- und Software genauso Geschäftsprozesse und Gewohnheiten der einzelnen Projektbeteiligten ändern müssen.

Digitalisierung beginnt auf dem Siemens Campus bereits mit der virtuellen Planungsmethode Building Information Modelling (BIM). Foto: Siemens-AG
Digitalisierung beginnt auf dem Siemens Campus
bereits mit der virtuellen Planungsmethode Building
Information Modelling (BIM). Foto: Siemens-AG

Tat sich die deutsche Baubranche anfangs noch schwer mit BIM, nimmt die Einführung inzwischen Fahrt auf. „Zunehmend versteht man auch in Deutschland, dass es bei BIM nicht nur um Digitalisierung geht, sondern um eine digitale Transformation der Bauindustrie“, sagte Professor Rasso Steinmann vom iabi-Institut für angewandte Bauinformatik der Hochschule München im Rahmen der Messe BAU 2017. Das Adjektiv „zunehmend“ wählte er dabei ganz bewusst: Denn obwohl das technische Knowhow schon seit den 1990er-Jahren in Deutschland vorhanden ist, werde BIM laut Steinmann erst seit 2013 als Chance und Notwendigkeit wahrgenommen. Die Akzeptanz erfolgte also sehr zögerlich. Dabei sind die Vorteile der Methode vielfältig: Bei der Deutschen Bahn etwa, die im Mai 2017 bekanntgab, dass bis zum Jahr 2020 sämtliche Bauprojekte mit BIM umgesetzt werden sollen, verbindet man mit der Methode eine bessere Planungsqualität, eine höhere Terminsicherheit, Kostensicherheit und Effizienzsteigerungen. Ebenso Akzeptanzsteigerungen für die Projekte sowie bessere Lebenszyklusbetrachtungen.

Auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) will den BIM-Einsatz vorantreiben und hat Anfang des Jahres einen „Masterplan Bauen 4.0“ für Deutschland vorgelegt. „Unser Ziel ist es, Innovationsführer beim digitalen Bauen zu werden. In Zukunft soll in Deutschland der klare Grundsatz gelten: Erst digital, dann real bauen“, sagte dazu Bundesminister Alexander Dobrindt. Ab 2020 wird für sämtliche öffentlichen Bauprojekte über fünf Millionen Euro der BIM-Einsatz Pflicht.

Senkung vielerlei Kosten

Dass die mit BIM in Verbindung gebrachten Vorteile tatsächlich erreichbar sind, belegen erste Zahlen. So zeigen beispielsweise Ergebnisse des BIM Monitors 2017, einer aktuellen Marktstudie von BauInfoConsult zum Stand der BIM-Nutzung in Deutschland, dass Bauen in Deutschland mit BIM in vielerlei Hinsicht kosteneffizienter wird: Sechs von zehn BIM-Verwendern – befragt wurden in dieser Kategorie 62 Architekturbüros sowie Ingenieure und Bauund Installationsbetriebe – berichten von sinkenden Arbeits- und Bauwerkskosten. Und auch in Bezug auf die Fehlerkosten scheint die Verwendung von BIM das damit verbundene Versprechen auf effizientere Projekte einzulösen. Mehr als zwei Drittel der Nutzer konnten sinkende Fehlerkosten mit BIM in Verbindung bringen.

Dass es aber weiterhin valider Aussagen zum BIM-Einsatz bedarf und auch die BIM-Ausbildung mit den damit zusammenhängenden Kompetenzen vorangetrieben werden muss, zeigt ein zwischen der Ed. Züblin AG und der Universität Stuttgart geschlossener Vertrag über die Einrichtung der Stiftungs-Juniorprofessur „Digitalisierung von Bauprozessen“. Ziel ist es, die traditionell eher getrennten Bereiche Bauplanung, Baubetrieb und -ausführung sowie Immobilienmanagement stärker zusammenzuführen. Vorhaben und Initiativen wie diese zeigen, dass BIM zwar noch nicht vollständig etabliert, aber ganz klar im Kommen ist.

Anzeige