BIM für den Spezialtiefbau

Foto: Bauer Spezialtiefbau GmbH
Foto: Bauer Spezialtiefbau GmbH

Komplexe Bauvorhaben sind heute vom Start weg digital. Eine Tatsache, die nicht nur im Hochbau, sondern auch im Spezialtiefbau zu grundlegenden Veränderungen in den Prozessen führt. Längen, Breiten und Höhen werden erfasst. Ebenso: Wann wird was gebaut und was kostet das eigentlich? Die „Zaubermethode“, mit der das alles funktioniert, heißt BIM. BIM steht für Building Information Modeling und macht das alles erlebbar. Von Verena Kaspar, Bauer AG

Auch auf den weltweiten Baustellen der Bauer Spezialtiefbau GmbH spielt das digitale Bauen längst eine zentrale Rolle. So wird etwa am Herbert Hoover Dike in Florida erst virtuell gezeigt, was später dann gebaut wird. Bereits seit mehreren Jahren wird das Bauwerk aus den 1920er-Jahren saniert. Unter anderem geht es um Austauscharbeiten an verschiedenen Kanaldurchlässen im Deich. Aktuell stellt Bauer Foundation Corp. für eine Dichtwand um Floridas größten See, den Lake Okeechobee, Testpfähle her.

Mit BIM werden dabei alle Planungsund Entscheidungsprozesse auf der Baustelle digitalisiert. Es geht um das Erfassen und Teilen von Informationen sowie das Koordinieren von Entscheidungen und Prozessen. „BIM bietet uns die Möglichkeit, alle Beteiligten früher und konkreter einzubinden“, erklärt Marcus Daubner, Leiter Bauen Digital bei Bauer. „Und gleichzeitig sind alle Änderungen immer für alle sichtbar, jeder kann darauf zugreifen.“ Das sei ein unschätzbarer Vorteil, sagt Daubner, weil dies Konflikte im Bauablauf offenbare, lange bevor die Baustelle eingerichtet sei.

Alle Projektbeteiligten greifen auf denselben Informationsstand zurück – und das schafft Sicherheit.

Vor Baustart am Herbert Hoover Dike erstellten die Bauer-Konstrukteure in der Firmenzentrale in Schrobenhausen erst einmal ein 3D-Computermodell. Das kann man sich wie ein Röntgenbild vorstellen, in dem etwa das Volumen, die Tiefe oder die Breite eines Bohrpfahls sichtbar werden. Per Mausklick lässt sich dann zum Beispiel berechnen, wieviel Kubikmeter Beton für den Pfahl benötigt werden. Kommt die Idee auf, noch nicht hergestellte Bohrpfähle zu verschieben und so die Planung zu verändern, werden alle darauffolgenden Konsequenzen für andere Gewerke in Sekundenschnelle berechnet.

Mithilfe der Datenmanagementsoftware b-project werden die Plandaten aus dem Konstruktionsbüro auf die Baustelle nach Florida übernommen. Dem Bauleiter stehen sie dann nicht als PDF, sondern als digitale Daten für die weitere Verarbeitung zur Verfügung. Dies schließt den Medienbruch zwischen Planungsbüro und Baustelle und führt gerade in der Kommunikation zu einer enormen Verbesserung. Im täglichen Bauprozess werden die Plandaten anschließend den Maschinenproduktionsdaten – den Ist-Daten – gegenübergestellt und ausgewertet. Eine Aufgabe liegt hier beispielsweise im automatisierten Erstellen von Herstellprotokollen. Die gesamten Bauinformationen werden letztendlich in einem Geographischen Informationssystem (GIS) visualisiert. Damit greifen alle Projektbeteiligten auf denselben Informationsstand zurück – und das schafft Sicherheit: für die Projektleitung, die Planung, Lieferfirmen, Statik, Bauleitung und letztlich auch den Auftraggeber.

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