Was macht eigentlich eine Qualitätsingenieurin, Frau Blass?

Julia Blass, Foto: ABB AG
Julia Blass, Foto: ABB AG
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Ich habe mich für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen entschieden, weil ich mir durch die Schnittstelle zwischen Technik und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen besonders spannende, berufliche Aussichten und Arbeitsinhalte erhofft habe. Von Julia Blass

Zur Person

Julia Blass, Wirtschaftsingenieurin, arbeitet als Qualitätsingenieurin bei ABB in Mannheim.

Die Affinität zum Thema Qualität entwickelte sich bei mir bereits während des Studiums: In einem Praktikum im Bereich Qualitätsmanagement konnte ich erste Erfahrungen sammeln, indem ich mich mit der Analyse von qualitätsbezogenen Problemstellungen bei mechanischen und elektronischen Komponenten des A380-Flugzeugs beschäftigte.

Mit Abschluss meines Studiums, bei dem ich mich zunächst auf Felder wie Energiewirtschaft, später dann auf Energie- und Maschinentechnik konzentrierte, habe ich mich unter anderem bei ABB, einem globalen Konzern für Energie- und Automatisierungstechnik, beworben. Passenderweise kam ich zu diesem Zeitpunkt auf einer Karrieremesse mit Ansprechpartnern des Konzerns ins Gespräch. Ich erfuhr viel über das Traineeprogramm und fand sofort Gefallen an der Idee, den Einstieg über ein solches „Rotationsprogramm“ zu wagen, bei dem ich über den Zeitraum von 18 Monaten unterschiedliche Geschäftsbereiche und Aufgabengebiete kennenlernen konnte.

Gesagt, getan: Nach erfolgreichem Bewerbungs- und Auswahlverfahren begann meine berufliche Karriere als Trainee im Bereich Qualität und Operational Excellence. In dieser Zeit analysierte und verbesserte ich zum Beispiel den Rücksendeprozess von Garantieteilen in unserem Geschäftsbereich für Solarwechselrichter in England. Die Herausforderung lag hierbei vor allem in den vielen Schnittstellen, die betroffen waren: Von der Fabrik in Italien über verschiedene Logistikunternehmen bis hin zu den Serviceingenieuren und natürlich dem Kunden musste ich alle Beteiligten einbeziehen und zufriedenstellen.

Technische Verbesserungsideen

Mit Abschluss des Traineeprogramms trat ich meine aktuelle Rolle als Qualitätsingenieur im Bereich Energienetze an. In dieser Aufgabe verwende ich etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit auf Verbesserungsprojekte, die die ganze Abteilung betreffen. Themen und Prioritäten sammle ich zum Beispiel in Workshops mit Mitarbeitern oder über das Management. Sie reichen von technischen Verbesserungsideen über IT-Themen bis hin zu Schulungsbedarf oder einfachen Vorschlägen zur Bürokultur. Je nach Thema unterstütze ich das Team bei der Identifikation des Problems oder des Verbesserungspotenzials bis zur Entwicklung und Umsetzung von Lösungsvorschlägen. Dabei arbeite ich natürlich auch direkt in den Projektteams mit.

Job-Steckbrief Qualitätsingenieurin

Voraussetzungen: Abgeschlossenes Wirtschaftsingenieur- oder Ingenieurstudium, eventuell mit Master-Studiengang Qualitätsmanagement, analytische Arbeitsweise, Durchsetzungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Organisationstalent

Einstiegsmöglichkeiten: Traineeprogramm oder Direkteinstieg

Gehalt: Im Durchschnitt 62.600 Euro, mit weniger als 3 Jahren Berufserfahrung im Schnitt 51.200 Euro. Quelle: Gehalt.de

Infos: Portal für Qualitätsmanagement
www.qz-online.de

Die übrige Zeit bin ich Projekt-Qualitätsmanagerin in einem Großprojekt, bei dem es darum geht, zwei nationale Stromnetze miteinander zu verbinden. Da sich das Projekt noch in einer recht frühen Phase befindet, befasse ich mich aktuell mit der Planung der Qualitätsaktivitäten. Das bedeutet konkret: Gemeinsam mit den Ingenieuren, den Projektleitern und dem Planer definiere ich Gebiete und Prozesse, auf die während der Projektlaufzeit ein besonderes Augenmerk gelegt werden muss, um es zeitig und erfolgreich zu realisieren. Auch bei der Zusammenstellung der Testpläne für die Komponenten der Anlage bin ich involviert.

Ingenieurin und Betriebswirtin

Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, da ich mit vielen Bereichen zusammenarbeite: vom Engineering über die Projektmanager bis hin zu den Kaufleuten. Es ist eine große Hilfe, dass ich mich schon während des Studiums mit vielen verschiedenen kaufmännischen und technischen Themen auseinandergesetzt habe. Dadurch fällt es mir sehr leicht, mich schnell in neue Bereiche einzuarbeiten. Außerdem hilft mir die Mischung aus Ingenieurin und Betriebswirtin natürlich auch bei der Kommunikation mit den unterschiedlichen Kollegen. Und nicht zuletzt hat mir das Wirtschaftsingenieur-Studium auch verschiedene Methodiken und eine generelle methodisch-strukturierte Arbeitsweise vermittelt, die ich nun optimal in die tägliche Arbeit einbringen kann.

Neben dem Bereich Qualität, den ich besonders spannend finde, wären als Wirtschaftsingenieurin insbesondere solche Positionen interessant, die viele Schnittstellen verbinden und koordinieren müssen. Vielleicht werde ich mir in meiner weiteren Entwicklung auch das Projektmanagement anschauen, da in dieser Funktion ebenfalls viele Schnittstellen koordiniert und Fachabteilungen einbezogen werden müssen. Da sich aktuelle Problemstellungen zunehmend nicht mehr an disziplinären Grenzen ausrichten, sondern vielmehr interdisziplinäre Fähigkeiten gefragt sein werden, gibt es für Wirtschaftsingenieure – ob im Sektor Qualität oder in anderen Bereichen – zahlreiche weitere spannende Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten.