Interview mit Prof. Thorsten Jungmann

Der Ertüchtiger. „Enabling“ ist ein neuer Begriff aus dem Englischen – bei diesem Führungsansatz geht es darum, Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, ihren Job möglichst gut zu erfüllen. Der Ingenieur und Hochschullehrer Prof. Thorsten Jungmann findet im Interview schnell einen deutschen Begriff, der ebenfalls ins Schwarze trifft: den der Ertüchtigung. Im Gespräch erzählt er, welche Rolle dabei Führungskräfte übernehmen und warum der Prozess des Enablings für alle Seiten schweißtreibend ist. Das Interview führte André Boße.

Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Thorsten Jungmann absolvierte ein duales Studium der Mechatronik und arbeitete fünf Jahre lang als Systemingenieur in der Automobilindustrie. Von 2006 bis 2011 war er als wissenschaftlicher Angestellter an der Fakultät Maschinenbau der TU Dortmund tätig. In seiner Dissertation entwickelte er ein Modell für Forschendes Lernen in den Ingenieurwissenschaften. Am Hochschuldidaktischen Zentrum der TU Dortmund rief er die Forschungsgruppe Ingenieurdidaktik ins Leben. 2012 wurde Jungmann als Professor an die FOM Hochschule berufen. Dort war er maßgeblich am Aufbau des neuen Hochschulbereichs Ingenieurwesen beteiligt. Seit dem 1. April 2016 ist er Professor für Technikdidaktik an der FH Bielefeld. Der Wissenschaftler und Bildungsexperte berät mit seinem Jungmann Institut deutschlandweit mehr als 30 Hochschulen und Unternehmen. Mit seinem Team führt er Fortbildungen für Professoren und Manager durch.

Herr Jungmann, wie definieren Sie den Begriff des „Enablings“?
Es geht darum, Leute in die Lage zu versetzen, das zu erreichen, was sie erreichen möchten. Oder auch: erreichen sollen. Um das zu unterstreichen, würde ich gerne zwei eher alte deutsche Wörter ins Spiel bringen, nämlich befähigen und ertüchtigen.

Ertüchtigen – da steckt ja auch das tüchtig sein drin.
Genau, es meint, etwas aus eigenem Antrieb heraus zu schaffen. Also nicht nur, weil das von oben verlangt wird, sondern auch, weil man selber eine Lösung erreichen will. Dabei darf es aber nicht nur darum gehen, den Prozess des Enablings anzustoßen. Wichtig ist auch, dass Mitarbeiter auf dem Weg begleitet werden und dass der Prozess zu einem geordneten Ergebnis gebracht wird.

Warum tun sich viele technische Unternehmen schwer damit, ihre Leute in diesem Sinne zu ertüchtigen?
Ich glaube, dass viele Führungskräfte gar nicht auf dem Schirm haben, dass ihre Leute dabei Unterstützung benötigen. Ich schätze, dass mindestens die Hälfte aller Führungskräfte der Meinung ist, ihre Mitarbeiter würden diese Fähigkeit mitbringen. Naturbedingt. Oder weil sie ja ein Studium absolviert haben. Man stellt selbst an Einsteiger die Anforderung, als eine Art Plug-and- Play-Lösung zur Verfügung zu stehen. Sprich, hier ist das Problem – arbeite dich ein und löse es. Die Erkenntnis, dass Führung von Mitarbeitern immer auch etwas mit der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu tun hat, ist längst nicht selbstverständlich. Ich begegne immer wieder Führungskräften, die diese Art des Enablings nicht zu ihren Aufgaben zählen.

Woran liegt das, warum ist die Bedeutung des Enablings noch nicht in den Unternehmen angekommen?
Es gibt eine einseitige Sicht auf die Dinge, die häufig schon im Studium beginnt – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Dort setzen sich die Studierenden in die Hörsäle und denken: „So, und jetzt macht mich mal schlau.“ In den Unternehmen wiederum begrüßen die Führungskräfte ihre Einsteiger und denken: „So, und jetzt sei du mal schlau und produktiv.“ Oder anders gesagt: Enabled als Zustand wird erwartet. Enabling als Prozess findet hingegen nicht immer statt, weil er viel Anstrengung kostet und gegenseitiges Bemühen verlangt.

Die Erkenntnis, dass Führung von Mitarbeitern immer auch etwas mit der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu tun hat, ist längst nicht selbstverständlich.

Warum wird diese Arbeit in technischen Unternehmen gescheut? Ist das nicht eigentlich der Kern von Personalentwicklung?
Theoretisch ja. Ich befürchte aber, dass die Sicht auf den Menschen in den Unternehmen, aber auch in den Hochschulen, heute vielfach eine andere ist. Man orientiert sich nicht am Prozess, dem schweißtreibenden Weg zu einer Lösung und der damit einhergehenden persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung, sondern fokussiert sich zu sehr allein auf das „Outcome“ – also auf das Ergebnis. Dabei müssten die Führungskräfte Wegbegleiter im besten Sinne sein. Und nicht nur Leute, die am Startpunkt mit der Fahne wedeln und im Ziel Punkte vergeben.

Was kennzeichnet die Rolle des Wegbegleiters?
Was sie eben nicht kennzeichnet, ist jemandem dem Weg zu weisen, als trage dieser eine Augenbinde. Der Lerneffekt ist ein anderer, wenn sich die Führungskraft mit einem Einsteiger zusammensetzt und den Weg bespricht: Wohin würdest du gehen? Welchen Weg hältst du für angebracht? Dabei sollte man als Führungskraft auch mal Fehler zulassen, denn das ist der Weg des forschenden Lernens, für den ich plädiere: Es gehört einfach dazu, zu erkennen, dass es sich beim eingeschlagenen Weg um eine Sackgasse handelt, zurückzugehen und sich neu zu orientieren.

Welche konkreten Rahmenbedingungen in den Unternehmen verhindern, dass die Führungskräfte ihre Mitarbeiter begleiten?
Zeitdruck ist ein wichtiger Punkt, denn häufig genug finden die Führungskräfte nicht einmal die Zeit, sich um die eigene persönliche Weiterentwicklung zu kümmern – geschweige denn um die ihrer Leute. Enabling wird auch verhindert, wenn die Ausbildung der Führungskräfte rein technischer Natur ist. Sprich, ein herausragender Techniker erhält immer mehr Personalverantwortung, er kann diese aber nicht wahrnehmen, weil er nie dazu ertüchtigt worden ist, ein Thema wie Men schenführung – neudeutsch Leadership – umzusetzen. Und das funktioniert eben nicht auf Abruf, nur weil es plötzlich nach der Beförderung im Arbeitsvertrag steht. Hier ist zum Beispiel Empathie ein wichtiger Faktor: Es kommt häufig genug vor, dass Führungskräfte gar nicht erkennen, dass sie eine junge Nachwuchskraft vor sich sitzen haben, die gerne Enabling erfahren würde.

Ich empfehle Absolventen, in Bewerbungsgesprächen zu erfragen, inwiefern es Teil der Unternehmenskultur ist, Führungskräfte aktiv durch Enabling zu entwickeln.

Und was begünstigt das Enabling?
Wenn das Thema der Führungskräfteweiterentwicklung organisatorisch im Unternehmen verankert ist. Sprich: Wenn jemand im Unternehmen ein Auge darauf hat und sich um die Personalentwicklung kümmert. Das ist dann auch die Person, die mahnt, wenn das Thema Enabling wegen Zeitmangels an den Rand zu rutschen droht. Oder wenn Führung zu stark technisch und fachlich interpretiert wird. Ich weiß, dass Unternehmen, die großen Wert aufs Enabling legen, bei Hochschulabsolventen einen sehr guten Ruf als Arbeitgeber genießen. Ich empfehle daher Absolventen, in Bewerbungsgesprächen zu erfragen, inwiefern es Teil der Unternehmenskultur ist, Führungskräfte aktiv durch Enabling zu entwickeln.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, um als junger Ingenieur vom Enabling zu profitieren?
Sie oder er muss rechnen, lesen, schreiben, zuhören und sprechen können. Und das meine ich ganz ernst. Diese fünf Fähigkeiten entscheiden dann darüber, ob ein junger Mensch während des Studiums oder auch später in der Arbeitswelt an einem wissenschaftlichen, fachlichen und interdisziplinären Diskurs teilnehmen kann. Nehmen wir zum Beispiel die ethischen Fragen, die beim Themenkomplex Industrie 4.0 eine große Rolle spielen. Taucht das Fach Ethik auf dem Stundenplan an der Hochschule auf, stöhnen die angehenden Ingenieure und denken sich: Laberfach, da gehe ich nicht hin. Durchdringen sie jedoch die Chancen und Risiken von Industrie 4.0, weil sie übers Rechnen, Lesen und Schreiben ins Nachdenken kommen und sogar an der Diskussion teilnehmen, begegnen sie diesen und anderen spannenden Fragestellungen auf Augenhöhe und können sich weiterentwickeln. Daraus folgen Reflexion und die Wahrnehmung von Verantwortung im Job und im Leben.

Enabling – Möglichmacher gesucht!

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Enabling. Der englische Begriff steht für einen neuen Trend in technischen Unternehmen. Es geht darum, Strukturen zu schaffen und Mitarbeiter zu finden, die Weiterentwicklungen ermöglichen. Ob Geschäftsmodelle aus Weltraumträumen oder ein Drachenantrieb für Ozeantanker: Innovative Unternehmen suchen nach experimentierfreudigen Ingenieuren. Damit das funktioniert, bieten sie eine Unternehmenskultur, die Innovationen ermöglicht, statt sie zu verhindern. Von André Boße.

Stephan Wrage, 44 Jahre alt und in Hamburg geboren, hat zwei Hobbys. Segeln, klar, als Junge von der Waterkant. Und Lenkdrachenfliegen. Vor vielen Jahren, Wrage stand kurz vor seinem Ingenieurstudium, gab es einmal einen windschwachen Tag. An Segeln war nicht zu denken. Ans Drachenfliegen jedoch sehr wohl, denn weiter oben herrschte keine Flaute.

Wrage dachte später während seiner Studentenzeit an den TUs in Kaiserslautern und Dresden immer wieder darüber nach, ob sich diese simple Erkenntnis nicht irgendwie gewinnbringend umsetzen ließe. Die Idee, auf die er kam, klingt verrückt, liegt aber auf der Hand: Kann ein Drachen ein Schiff ziehen? Kann ein Ozeantanker durch Höhenwinde angetrieben werden? Nicht alleine, aber als kostengünstige und umweltfreundliche Hilfe für den Maschinenantrieb?

Buchtipps

Cover Nonkonformisten Bild: Droemer
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Adam Grant: Nonkonformisten – Warum Originalität die Welt bewegt. Droemer, März 2016. 22,99

Cover Smartcuts Shane Snow, Bild: Gabal
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Euro Shane Snow: Smartcuts. Wie Querdenker und Business- Ikonen Erfolg beschleunigen. Gabal 2015. 24,90 Euro

Cover Revolution dank Innovation Bild: Campus

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Thorsten Reiter: Revolution dank Innovation: Mit Corporate Entrepreneurship zurück an die Spitze! Campus, März 2016. 39,95 Euro

Nach ein paar Jahren als EDV-Berater und Management-Trainer nahm Wrage im Jahr 2000 seinen Mut zusammen und fokussierte sich darauf, die unternehmerische Nutzung seiner Idee zu ermöglichen. Er entwickelte das Sky- Sails-System – ein Zugdrachen-Windantrieb für Schiffe, der aus drei Hauptkomponenten besteht: einem Zugdrachen mit Seil, einem Start- und Landesystem sowie einem Steuerungssystem für den automatischen Betrieb. Steht der Wind gut, liegt die Antriebskraft seiner Segel bei mehr als 2700 PS.

Sein Geld verdient das Unternehmen heute zudem mit einem Steuerungssystem, mit dessen Hilfe sich beim Betrieb des Schiffes Energieverbrauch und die Kosten messen lassen. Diese Software ist eigentlich nur ein Nebenprodukt des SkySail-Prinzips. Eine Entwicklung des Geschäftsmodells, die zeigt: Querdenker dürfen alles – nur nicht geradeaus denken.

Winddrache zieht Ozeantanker

Stephan Wrages Unternehmen kann natürlich nur funktionieren, wenn es eine Firmenkultur gibt, in der das so genannte Out-of-the-Box-Denken bei Ingenieuren auf vielen Ebenen gefördert wird. Kurz: Wrage muss als CEO ein „Enabler“ sein. Er muss Innovationen ermöglichen, wobei Wrage besonders auf den Nachwuchs achtet. „Meiner Erfahrung nach entwickeln gerade die jungen Ingenieure neue und unkonventionelle Ideen“, so der CEO von SkySails. Richtig wertvoll wird diese Fähigkeit, wenn sie innerhalb eines Teams mit dem Wissen erfahrener Ingenieure kombiniert wird. „So können Teams relativ schnell erkennen, ob eine Idee auch umgesetzt werden kann.“

Denn hier liegt der Knackpunkt: Eine tolle Idee ist eben noch lange kein funktionierendes Geschäftsmodell. „Man braucht zwar ein klares Ziel vor Augen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, sehr früh in den Dialog mit den späteren Kunden einzutreten, genau zuzuhören und offen für Kritik oder neue Anregungen zu sein“, sagt Wrage.

Wie ein solches „Enabling“ im Kontext einer Unternehmensstruktur ausschauen kann, zeigt ein Einblick in die Innovationsprozesse des Technologielieferanten und Antriebsspezialisten Lenze. Das Unternehmen entwickelt intelligente und effiziente Antriebe für das digitale Zeitalter. Strukturen, die Weiterentwicklungen verhindern, statt sie zu ermöglichen, würden ein großes Risiko bedeuten. Daher zählt das Enabling zu den wichtigsten Bausteinen der Unternehmenskultur.

Filmtipp

Musterbrecher der Film
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Der Dokumentarfilm zeigt Menschen, die in Firmen und anderen Organisationen so ganz anders führen und zusammenarbeiten als üblich. Jetzt als DVD erhältlich.

Termine und Aktivitäten: www.musterbrecher.de

„Grundsätzlich sollen alle Mitarbeiter im Rahmen ihres Arbeitsumfeldes am Innovationsprozess mitwirken. Das wird sogar von der Unternehmensleitung aktiv eingefordert“, sagt Professor Dr. Holger Borcherding, fachlicher Leiter des Bereichs Innovation. Jedoch kommen diese Ideen nicht von alleine in die Anwendung. Im Gegenteil: „Die meisten versickern in einer frühen Phase, da das Tagesgeschäft häufig kaum Freiräume lässt, die Ideen auszuarbeiten.“

Enabling: Zeit und Raum für Experimente

Das Unternehmen versucht daher, innovative Ansätze zunächst mit Hilfe interner Vorentwicklungsprojekte anzustoßen, um sie dann gemeinsam mit externen Partnern aus der Forschung, von Hochschulen oder Partnerunternehmen weiterzuentwickeln. Dabei darf auch experimentiert werden. „Das Ziel eines jeden Projekts ist dann ein Demonstrator – also ein Modell, das die Machbarkeit der neuen Ideen, Konzepte, Verfahren und Technologien anschaulich zeigt“, sagt Holger Borcherding. Danach starte dann ein Prozess, den man bei Lenze als Technology-Push bezeichnet. „Das Projektteam versucht, mit dem Demonstrator sowohl interne Entscheider als auch Kunden von der Leistungsfähigkeit der Ideen zu begeistern.“

Erst wenn das gelungen ist, falle letztlich die Entscheidung für die Umsetzung in ein neues Produkt. Dann wechselt auch die Verantwortlichkeit innerhalb des Unternehmens: Es übernehmen die Teams in den Bereichen, in denen Serienprodukte geplant, entwickelt und in den Markt eingeführt werden. Interessant ist, dass die Innovationsexperten bei dem Technologielieferanten das Thema Enabling mehrdimensional betrachten. So reiche es nicht aus, wenn ein Unternehmen Innovationsprozesse ermöglicht – mit diesen neuen Ansätzen bei den anderen Akteuren jedoch auf taube Ohren stößt.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Elektroautos, wie Holger Borcherding sagt. „Die Einführung der E-Mobility wird als tiefgreifende Umwälzung einer ganzen Branche wahrgenommen und bedarf viel Zeit – nämlich so lange, bis Ingenieure, Ein- und Verkäufer wie auch Manager die Chancen der Elektromobilität höher bewerten als die Risiken, die sich ergeben, wenn sich bewährte Strukturen, Geschäftsmodelle oder Arbeitsplätze verändern oder sogar verloren gehen.“

Hier zeigt sich: Enabling bedeutet also auch, dafür zu sorgen, dass Bedenken ins Spiel gebracht und alle relevanten Bereiche einbezogen werden. Das verzögert den Innovationsprozess, weshalb in seinem Verlauf Durchhaltevermögen „wohl die wichtigste Charaktereigenschaft ist“, stellte der Innovationsleiter fest. „Weil Innovationen eher in Jahren als in Monaten den Markt durchdringen, muss man über lange Zeit beharrlich an der Idee, an der Umsetzung und der Marktdurchdringung arbeiten, um den Erfolg zu erreichen.“

Raumfahrtträume werden wahr

Davon beeinflusst wird der Anspruch, den ein Unternehmen wie Lenze an Querdenker stellt. Borcherding: „Ein Querdenken, dass durch frisch gelerntes aktuelles Fachwissen und neue Methodiken motiviert ist, kann zunächst einmal nur förderlich sein. Trotzdem erwarten wir auch, dass das über viele Jahre erarbeitete Wissen des Unternehmens ebenso aufgenommen und genutzt wird.“ Querdenken bedeute eben nicht nur, erprobte Abläufe und Methoden kritisch zu hinterfragen.

Elektroauto aus Holz

Toyota SETSUNA, Foto: Toyota
Toyota SETSUNA, Foto: Toyota

Ein Auto aus Holz, im eleganten Look eines klassischen Cabrios? Toyota macht’s möglich. Auf der Mailand Design Woche hat der japanische Autobauer den Toyota Setsuna (deutsch: Moment) aus Birken- und Zedernholz präsentiert. Für den eleganten Zweisitzer wurde die traditionelle japanische Tischler-Technik Okuriari verwendet, die ganz ohne Schrauben und Nägel auskommt. Bei dem Modell handelt es sich um eine Konzeptstudie.

Bedeutsam sei auch eine hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie das Reflexionsvermögen. Denn nur dann könne man als Ingenieur erkennen, welche Folgen es für das Unternehmen haben wird, wenn eine Idee, die alles auf den Kopf stellt, tatsächlich umgesetzt wird. Enabling heißt hier, nicht nur Dinge möglich zu machen, sondern auch darüber nachdenken, welche Auswirkungen diese Neuerungen haben werden.

An Ideen, die alles auf den Kopf stellen, arbeitet auch das Unternehmen Orbitale Hochtechnologie Bremen, kurz: OHB. Die Technologiegruppe entwickelt Innovationen für die Luft- und Raumfahrt. „Bei uns hat es Tradition, Raumfahrtträume in unternehmerische Realität zu übersetzen“, sagt Vorstandsmitglied Dr. Ingo Engeln. Aktuell arbeitet man in Bremen am globalen satellitengestützten Navigationssystem Galileo; die dafür entwickelten Navigationssatelliten verfügen über die weltweit genauesten raumfahrttauglichen Uhren.

Gerade begonnen hat zudem die Entwicklung einer Satellitenplattform mit elektrischem Antrieb, die der Raumfahrt eine erhebliche Einsparung von Treibstoff bringen wird. Um diese Innovationen zu ermöglichen, sei der nötige Freiraum für kreative Mitarbeiter genau so wichtig wie eine „Unternehmenskultur, in der Offenheit und konstruktive Kritik grundsätzlich geschätzt werden“, so der OHB-Vorstand. Das beinhaltet auch einen positiven Umgang mit dem Scheitern. „Innovative Unternehmen lernen aus Rückschlägen“, sagt Ingo Engeln. „Dabei kommt es darauf an, die Gründe für diese Rückschläge offen zu kommunizieren und eine mögliche Frustration in eine positive und auf die Zukunft ausgerichtete Reaktion umzuwandeln.“

Enabling bedeutet hier, negative Aspekte nicht außen vor zu lassen, aber zu verhindern, dass diese auf die Stimmung drücken. Etwas zu ermöglichen – da steckt ja auch das Denken an morgen mit drin. Haben Ingenieure also die Zukunft im Blickfeld, „enablen“ sie sich quasi selbst: Eine erfolgreiche Karriere ist dann mehr als nur eine Möglichkeit.

Disruption der Arbeitswelt

Wenn von der digitalen Revolution gesprochen wird, fällt oft das Schlagwort „Disruption“. Laut Duden bedeutet der Begriff „Zerbrechung“, „Bruch“, „Zerrüttung“. Gemeint ist, dass die gesamte Arbeitswelt verändert wird. Franz Kühmayer beschreibt im Leadership Report 2016 drei Stufen der digitalen Revolution – Disruption ist die dritte davon. In der ersten Phase werden Abläufe in Unternehmen und Produkte von der analogen in die digitale Form überführt. In der zweiten Stufe werden die bisher gültigen Erfolgsfaktoren in einer Branche durch Informations- und Kommunikationstechnologie obsolet. Die Disruption stellt als letzte Phase ganze Geschäftsmodelle auf den Kopf: Neue Marktteilnehmer tauchen wie aus dem Nichts auf, Wertschöpfungssysteme verändern sich grundlegend.

www.zukunftsinstitut.de/leadershipreport2016

AAM

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AAM is a premier Tier I supplier to the automotive industry and a worldwide leader in the manufacture, engineering, design and validation of driveline and drivetrain systems and related components and chassis modules for trucks, sport utility vehicles (SUVs), passenger cars and crossover vehicles.

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European Aviation Safety Agency EASA

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The European Aviation Safety Agency (EASA) is an Agency of the European Union serving the interests of the European citizens in the field of civilian aviation. EASA ensures the highest common standards of safety and environmental protection in civil aviation. The Agency is based in Cologne, Germany and employs more than 800 professionals from across Europe.

Join the next generation of aviation talents at EASA and check-in to participate in the Junior Qualification Programme (JQP) if you

  • Are a recent graduate or soon to be graduating in the fields of aviation and engineering
  • Can convince with very good academic records and linguistic skills, including fluency in English
  • Have a keen ambition in developing an aviation career in an expertise-driven, international organisation

The JQP extends over a period of approximately 2 years, as a part of a standard 5 years contract. During this time, you can experience the unique opportunity to contribute to rewarding aviation safety projects while being mentored by highly experienced professionals. A tailored development plan navigates you through the JQP, which consists of rotations in different business areas and intensive on and off-the-job training.

Employment conditions will typically include recruitment at entry level on a standard 5 years contract and an attractive salary and benefits package.

If you are interested in building your future with us, we are looking forward to receiving your application. Please consult the EASA website for the detailed vacancy notice.

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E-Paper karriereführer frauen in führungspositionen 2016.2017

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frauen in führungspositionen 2016.2017, Frauen machen MINT

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Cover Frauen in Führungspositionen 2016.2017
Cover Frauen in Führungspositionen 2016.2017

Frauen machen MINT

Noch immer dominieren in den MINT-Berufen die Männer. Der Frauenanteil in den MINT-Studiengängen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen – doch wird der weibliche Nachwuchs es in den technischen Unternehmen bis nach oben schaffen? Wir haben mit MINT-Top-Frauen gesprochen, die wichtige Vorbildfunktionen übernehmen, ob als Kapitänin bei der Lufthansa oder Personalchefin bei Porsche. Sie meinen: Die jungen Frauen brauchen Mut – und die Gesellschaft einen Kulturwandel.

Collien Ulmen-Fernandes im Interview

Collien Ulmen-Fernandes ist Schauspielerin, Moderatorin, Model und hat das Buch „Ich bin dann mal Mama“ geschrieben. 2011 heiratete sie den Schauspieler und Moderator Christian Ulmen, 2012 bekam das Paar eine Tochter. Ihre Karriere in der Film- und Medienbranche verfolgen die beiden auch als junge Eltern weiter. Im Interview verrät die 34-Jährige, wie das funktioniert – und warum ihr ein rührendes Facebook-Posting quer im Magen liegt. Die Fragen stellte André Boße.

1. Christian Ulmen und Sie sind ein gutes Team. Wenn es aber einmal Streit wegen beruflicher Pläne gibt, worum geht es dann meistens?
Wir arbeiten gerade gemeinsam an der Boulevardsatire „Starshine“ und das klappt sehr gut. Erstaunlicherweise waren wir uns bisher immer einig. Wenn man kreativ zusammen arbeitet, muss man den gleichen Humor haben.

Collien Ulmen-Fernandes Schauspielerin, Moderatorin und Model www.collienulmenfernandes.de

2. Abseits eines verständnisvollen Partners: Was ist weiterhin wichtig, um als Frau mit Familie die Karriere so zu verfolgen, wie man das möchte?
Ich denke, dass man das nicht so sehr am Geschlecht fest machen sollte. Väter können sich genauso liebevoll um Kinder kümmern wie Mütter. Dadurch, dass Christian und ich projektbezogen arbeiten und in einer besonderen beruflichen Situation sind, finde ich es schwierig, diese Frage allgemeingültig zu beantworten.

3. Mit Blick auf die Vereinbarung von Karriere und Familie: Welcher Kompromiss schmerzt rückblickend am meisten?
Wenn man arbeitet, ist man nicht beim Kind. Die Abwesenheit ist sowohl für Christian als auch für mich gleich hart. Der Elternteil, der gerade nicht beim Kind ist, vermisst es extrem, aber ganz auf die Arbeit verzichten wollen wir beide nicht.

4. Was sollte gesellschaftlich passieren, damit die Vereinbarung von Karriere und Familie für junge Frauen einfacher zu gestalten ist?
Ich habe das Gefühl, dass wir momentan noch nicht in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben. Neulich ging ein Facebookpost eines jungen Mannes herum, ein Dankestext an Mütter, der hunderttausend Mal geteilt wurde. Er schrieb, es sei toll, dass die meisten Mütter arbeiten und trotzdem nebenbei den gesamten Haushalt schmeißen und sich mit einer Fürsorge um die Kinder kümmern, wie der Vater es niemals könne. Der Text war rührend geschrieben, ich fragte mich aber: Warum kümmert sich der Mann nicht genauso um den Haushalt und die Kinder? Ich denke, Frauen können die Gleichberechtigung zu Hause ruhig noch vehementer einfordern.

5. Wie würde sich Deutschland verändern, wenn mindestens die Hälfte der Top-Positionen in der Wirtschaft tatsächlich von Frauen besetzt wäre?
Ich habe in Produktionsfirmen und Sendern gleichermaßen mit männlichen und weiblichen Chefs zu tun. In unserer Branche sorgt das für eine schöne Themenvielfalt.

6. Ihre Tochter wird mitten in der Nacht weinend wach – Sie und Ihr Mann müssen beide am nächsten Tag voll arbeiten. Wer steht auf?
Wir legen uns die Termine so, dass wir nicht gleichzeitig sehr wichtige Jobs haben. Wenn ich am nächsten Tag ein wichtiges Casting habe oder eine Rolle spiele, bei der ich geistig fit sein muss, steht Christian auf. Wenn Christian wichtige Meetings hat, stehe ich auf.

7. Welche Kompetenz, die Sie als Mutter entwickelt haben, ist auch für Ihren beruflichen Werdegang wichtig?
Seitdem ich Mutter bin, komme ich wesentlich besser mit weniger Schlaf aus. Ich vermute, dass sich hormonell etwas verändert hat, das dafür sorgt, dass man auch mit vier Stunden Schlaf einigermaßen funktioniert.

8. Man sagt, ein Kind ändere alles. Stimmt das?
Auf jeden Fall! Meine Tochter ist das Einzige was mich ablenken und aufbauen kann, wenn ich nach einem nicht so guten Tag frustriert nach Hause komme.

Chapeau!

Es ist mein Leben, Cover Goldmann
Linda Papadopoulos, Es ist mein Leben, Cover Goldmann

LEBE LIEBER UNPERFEKT
Perfekt sein in jeder Hinsicht? Lieber nicht, sagt die britische Psychologin Linda Papadopoulos. In ihrem Buch erklärt sie, warum man sich von gesellschaftlichem Erwartungsdruck besser befreit und wie man zufrieden und selbstsicher den eigenen Weg findet. Linda Papadopoulos: Es ist MEIN Leben! Wie junge Frauen sich von Erwartungsdruck und Perfektionswahn befreien. Goldmann 2016. 8,99 Euro

Katrin Bauerfeind, Hinten sind Rezepte drin, Cover: Fischer
Katrin Bauerfeind, Hinten sind Rezepte drin, Cover: Fischer

VOM WAHNSINN EINE FRAU ZU SEIN
Vier CDs mit wahren und fast wahren Geschichten von Katrin Bauerfeind – komisch, aber ernst gemeint. Es geht um schlechten Sex und gute Freundinnen, um Männer, Playmobilfrisuren, Cellulite und die Frage, warum Gott eigentlich Brigitte heißt. Und die Autorin schwört: „Es geht echt nicht gegen Männer!“ Katrin Bauerfeind: Hinten sind Rezepte drin. Geschichten, die Männern nie passieren würden. Tacheles 2016. 19,99 Euro
Trailer: https://youtu.be/4OX6LDUr548

Foto: Carina Herrmann
Foto: Carina Herrmann

DIE WELT EROBERN
Carina Herrmann ist Dauerreisende, Reisebloggerin und digitale Nomadin. Früher hat sie als Kinderkrankenschwester gearbeitet. Nach einem Burnout hat sie ihr Leben umgekrempelt: Sie ging alleine auf Reisen, zurzeit verbringt sie jeden Monat in einer anderen Stadt (darunter z.B. Städte in Thailand, Australien, Südkorea und Mexiko). Über ihre Erlebnisse schreibt sie ein erfolgreiches Reiseblog und hat Bücher veröffentlicht. Darin gibt sie allein reisenden Frauen Tipps zur Reiseplanung, zur Ausrüstung, zum Sparen und Arbeiten rund ums Reisen.
Meerblick statt Frühschicht, das neue Buch von Carina Herrmann, erscheint am 2. Mai im Piper Verlag. 9,99 Euro
www.pinkcompass.de

Foto: Charta der Vielfalt
Foto: Charta der Vielfalt

KALENDER ZUM DOWNLOAD
Die Charta der Vielfalt, eine Initiative zur Förderung von Diversity in Unternehmen und Institutionen, bietet einen „Kalender der Vielfalt“ mit vielen Terminen an.
Mehr erfahren unter:
www.charta-der-vielfalt.de/service/publikationen.html
Überdies: Ein ausführliches Interview mit der Chefin der Charta der Vielfalt, Aletta Gräfin von Hardenberg, auf karrieref.walhalla0299.nbsp.de

Barbara Vinken, Angezogen, Cover: Klett-Cotta
Barbara Vinken, Angezogen, Cover: Klett-Cotta

MODE IM WANDEL
Prof. Dr. phil. Barbara Vinken: Angezogen. Das Geheimnis der Mode. Klett-Cotta, jetzt auch als Taschenbuch erhältlich. 9,95 Euro.

Hubertus Meyer-Burckhardt, Meine Tage mit Fabienne, Cover: Lübbe
Hubertus Meyer-Burckhardt, Meine Tage mit Fabienne, Cover: Lübbe

LESEND ZU HÖREN
Kannstatt, Protagonist des Buches, nimmt sein Wohnhaus am liebsten über den Hörsinn wahr. Als Fabienne, eine Hutmacherin, dort einzieht, bereichert sie seine besondere Hausmusik mit neuen Tönen. Ein Roman über das Leben, die Liebe – und den Lebenstraum einer Modistin. Hubertus Meyer-Burckhardt: Meine Tage mit Fabienne. Roman Lübbe März 2016. 18 Euro. Auch als Audio-Download erhältlich.

Bild: Mallorca International Filmfestival
Bild: Mallorca International Filmfestival

FRAUEN IN DER FILMBRANCHE
Die Filmbranche kann mehr weibliche Führungskräfte vertragen. Das findet auch Ben Kingsley, der Oscar-Preisträger forderte in einem Interview mehr Regisseurinnen in der Traumfabrik Hollywood. Ziel der ARD ist es, dass bei jeder fünften fiktionalen Produktion eine Frau Regie führt. Das Evolution! Mallorca International Film Festival wird schon von einer Frau geleitet. Die Berlinerin Sandra Seeling Lipski war sogar Gründerin des Festivals, das innovative, provokative und sozial relevante Filme aus allen Sparten präsentiert. Dieses Jahr findet das Festival vom 3. bis zum 13. November wie jedes Jahr in Palma de Mallorca, der Hauptstadt der beliebten Urlaubsinsel, statt.
Mehr Informationen unter:
www.evolutionfilmfestival.com

Bild: Suffragette
Bild: Suffragette

ZEITREISE
England, 1920. Schaufenster werden eingeschlagen und Explosionen ausgelöst. Gleichberechtigung, das Recht zu wählen und die eigene Meinung zu äußern, all das verdanken wir Frauen den Taten mutiger Aktivistinnen. Das Hollywood Historiendrama „Suffragette – Taten statt Worte“, zeigt den Kampf der Frauenrechtlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts in Großbritannien. Seit dem 4. Februar ist der Film mit Oscar-Preisträgerin Meryl Streep als Suffragetten-Anführerin Emmeline Pankhurst in den deutschen Kinos zu sehen – ab Juni 2016 auch auf DVD erhältlich.
Trailer und weitere Infos

Das Feuer der Begeisterung entzünden

Beatrice Reszat ist Schriftstellerin, Moderatorin und Songtexterin. Sie schrieb für Udo Lindenberg den Text „Hinterm Horizont geht’s weiter“ und arbeitete auch an seinem gerade frisch erschienenen Album mit. Ihr Gastartikel ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Segel zu setzen und sich auf den Weg zu machen, um den eigenen Träumen zu folgen.

Als ich mit der Schule fertig war, hatte ich keinen blassen Schimmer, was ich beruflich machen wollte. Um mich herum schien jeder einen minutiös durchgetakteten Karriere- und Lebensplan zu haben. Studium, Praktikum, dann bei der Firma soundso anfangen, Karriereleiter mit den und den Etappen… Ich dagegen hatte zwar viele Ideen im Kopf, aber keinen Plan. Also begann ich, alles Mögliche auszuprobieren.

Beatrice Reszat, Mutmachbuch für Träumer, Cover: Scorpio
Beatrice Reszat, Mutmachbuch für Träumer, Cover: Scorpio

Beatrice Reszat: Mutmachbuch für Träumer. Denn hinterm Horizont geht‘s weiter. Scorpio 2015. 17,99 Euro

Ich war Fotoassistentin, arbeitete in einer Werbefilmproduktion, untertitelte Fotoromane, und dann ging ich auch noch zur Schauspielschule. Wenn ich mich dabei nicht ständig als Versagerin gefühlt hätte, hätte ich diesen unglaublich bunten und spannenden Weg viel mehr genießen können. Ich war dauernd im Stress, weil ich nicht den Job fand, der es dann für immer sein sollte. Dabei habe ich damals so viel gelernt, interessante Menschen getroffen, mehr über mich selbst erfahren, eigentlich eine unglaublich wertvolle und spannende Zeit. Schade um all den verpassten Spaß auf diesem Weg!

In meinem Buch heißen solche Menschen Traumsammler. Und es gibt viel mehr von ihnen, als wir glauben. Nur schämen sie sich oft, so wie ich damals, und versuchen sich in etwas hineinzuzwingen. Doch wo steht geschrieben, dass es nur einen Weg gibt? Ich habe mich inzwischen ausgesöhnt mit dem bunten Hund in mir. Noch heute mag ich nicht nur an einer Sache arbeiten.

Ich schreibe Songtexte, gleichzeitig beginne ich ein neues Buch und verhandle mit einem Sender über einen Moderationsjob. So liebe ich es, so macht mir arbeiten Freude. Jahrelang habe ich mir angehört, ich würde mich verzetteln, würde zu viel und nichts richtig machen, bis ich dachte, irgendetwas stimmt nicht mit mir. Aber niemand läuft in meinen Schuhen, niemand weiß, wie ich mich fühle, was mir Spaß macht. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Wir kümmern uns viel zu sehr darum, was andere von uns denken oder von uns erwarten. Ich war selbst jahrelang unglücklich in meinem Job. Paradoxerweise in einer Phase, in der ich sehr erfolgreich war und super verdient habe. Aber ich war nicht ich. Ich verstellte mich pausenlos, um der Person, die ich darstellen wollte, gerecht zu werden und endlich Anerkennung zu bekommen. Ich gab Unsummen aus, um Dinge zu kaufen, die ich nicht brauchte, um damit Menschen zu gefallen, die ich nicht mochte. Aber so füllt man keine Leere.

Eines Tages hatte ich genug und schmiss alles hin. Ich war nicht mehr bereit, meine Seele zu verkaufen, um angesehen und erfolgreich zu sein. Ich wollte herausfinden, was ganz allein für mich richtig war. Auch wenn mir der Allerwerteste auf Grundeis ging und meine Mutter sich Tabletten gegen Bluthochdruck verschreiben ließ. Mein Weg war nicht leicht, aber er führte mich zu dem, wonach ich mich immer gesehnt hatte: zu einem erfüllten Leben.

Überall begeisterte Menschen, die das Beste aus sich herausholen, die in ihrem Job das Bestmögliche erreichen.

Ich bin seither vielen Menschen begegnet, deren Augen wie erloschen sind, müde von einem Leben, das so anstrengend ist, weil sie es gegen ihre eigenen Träume und Bedürfnisse leben. Und das Schlimme ist, sie haben sich damit abgefunden. Es muss wohl so sein. Wo kämen wir hin, wenn jeder seinen Traumberuf leben würde. Ja, wo kämen wir hin? Stellen wir uns das doch einmal vor! Was für eine wunderbare Welt wäre das? Überall begeisterte Menschen, die das Beste aus sich herausholen, die in ihrem Job das Bestmögliche erreichen. Weil die Leidenschaft sie entzündet. Weil sie Spaß haben an dem was sie tun, weil sie morgens aufwachen, aus dem Bett springen und sich darauf freuen, ihren Job zu machen.

Wir alle werden als Träumer geboren. Die Phantasie und die Welt eines Kindes sind ohne Grenzen. Es möchte alles entdecken, alles erforschen. Aber irgendwann wird das Funktionieren wichtiger als unsere nimmermüde Lebendigkeit. Leistung und Erfolg heißt das goldene Kalb, um das wir von nun an tanzen. Und am Ende des Lebens steht der Mensch oft da und fragt sich, wozu das Ganze? Um der Reichste auf dem Friedhof zu sein? Karriere nur um des Erfolges oder Geldes willen hat oft einen hohen Preis. Unsere Träume verkümmern, unser Feuer der Begeisterung erlischt. Aber wir können es wieder entzünden!

Jeder hat irgendetwas, an dem sein Herz hängt, der Ausdruck seiner Einzigartigkeit, sein innerer Ruf. Ja, es kostet Mut und es gibt womöglich viel Gegenwind. Wenn wir davon ausgehen, dass die Statistik stimmt und 80 Prozent der Menschen unglücklich sind in ihrem Job, dann ist die Chance sehr groß, dass Sie vielen von ihnen begegnen, und sie alle werden einstimmen in den großen Chor der Miesepeter. „Das schaffst du nicht, das ist naiv. So funktioniert das Leben nicht!“ Lächeln Sie freundlich, drehen Sie sich um und verschwinden Sie! Es sind ihre eigenen Ängste, die sie Ihnen erzählen.

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Umgeben Sie sich mit Menschen, die ihre Begeisterung leben, die Sie inspirieren und mitreißen. Lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie es nicht wert seien, dass Sie nicht gut genug, schön genug, schlau genug seien, um Ihren Traum zu leben. Niemand kann das entscheiden, außer Ihnen selbst. Etwas zu tun, das Sie wirklich zutiefst befriedigt, ist jeden Stein auf dem Weg wert. Jeder Traum ist kostbar und sollte gelebt werden. Auch Ihrer – geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden!

Blickpunkt: Pionierinnen

Wussten Sie, dass es eine Frau war, die in den sechziger Jahren die Software für die erste Mondlandung programmiert hat? Im August wird sie 80 Jahre alt. Ihr Name: Margaret Hamilton. Im vierten Teil unserer Pionierinnen- Reihe stellen wir sie und drei weitere Frauen vor, die mit ihrem Mut und ihrem Durchsetzungsvermögen den Weg ebneten und Vorbilder wurden. Von Leonie Pohlmann

Bertha von Suttner (1843-1914) die erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin
Die Pazifistin und Publizistin Bertha von Suttner stellte sich an die Spitze der Friedensbewegung und wurde dafür 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Österreicherin arbeitete für einige Wochen in Paris als Sekretärin von Alfred Nobel, mit dem sie auch später freundschaftlichen Kontakt beibehielt – eine Zeit, die prägend für ihr weiteres Schaffen wurde. Durch die Gespräche mit Nobel wurden der Pazifismus und die Frage, wie Frieden zu erreichen sei, ihr zentrales Thema.

Bertha von Suttner publizierte zunächst unter einem Pseudonym Essays und literarische Texte. 1889 veröffentlichte sie „Die Waffen nieder!“, indem sie die Schrecken des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau und Pazifistin beschrieb. Der Roman machte die Friedensbewegung bekannt und Bertha von Suttner zu deren prominentester Vertreterin. In den folgenden Jahren wurde sie auch politisch aktiv, wurde auf dem Weltfriedenskongress 1891 zur Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros gewählt und unternahm Vortragsreisen in die USA. Wenige Wochen vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges, vor dem sie wiederholt gewarnt hatte, verstarb sie an einem Krebsleiden.

Margaret Hamilton (*1936) Software-Entwicklerin
In den 60ern hüteten Frauen in den USA die Kinder und standen hinter dem Herd? Nicht Margaret Hamilton. Die Software-Entwicklungs-Pionierin arbeitete als Programmiererin für die NASA und ermöglichte mit ihrer Arbeit die erste Mondlandung. In einer Branche, die auch heute noch als Männerdomäne wahrgenommen wird, setzte sie sich als berufstätige Mutter an die Spitze der Innovation. Als sie als Mathematikerin mit dem Programmieren begann, gab es noch kein Informatik-Studium an den Universitäten. Sie eignete sich ihr Wissen in der Praxis an und übernahm 1965 im Raumfahrtprogramm der NASA die Leitung der Softwareentwicklung, wo sie die Flugsoftware der Apollo-Computer entwickelte.

Vorausschauend programmierte sie diese so, dass die Computer sich in Problemfällen auf die wichtigen Aufgaben konzentrierten und die weniger wichtigen zurückstellten. So verhinderte sie den Abbruch der Apollo-11-Mission: Kurz vor der Mondlandung löste der Computer mehrere Warnungen aus, weil er von den eingehenden Daten überlastet war. Aufgrund der cleveren Programmierung von Margaret Hamilton konnte die Landung dennoch stattfinden und in die Geschichte eingehen.

Gabriele Münter (1877-1962) „Sturmfrau“ des Expressionismus

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg) STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand:
Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg) STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand:

Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hg.): STURM-FRAUEN. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910-1932. Wienand 2015. 45 Euro www.schirn.de/ausstellungen/2015/sturm_frauen

Klee, Chagall, Kandinsky – die Namen der großen Künstler der Moderne kennt jeder. Weniger bekannt sind hingegen die Namen der vielen Künstlerinnen, die einen ebenso wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kunst leisteten. Eine dieser Künstlerinnen war Gabriele Münter, die heute zu den bedeutendsten expressionistischen Malerinnen gezählt wird. Weil die Kunstakademien Ende des 19. Jahrhunderts keine Frauen aufnahmen, trat sie in die private Kunstschule Phalanx in München ein. Dort lehrte Wassily Kandinsky, der ihr Lebensgefährte wurde. Gemeinsam mit ihm verkehrte Gabriele Münter in den Münchener Künstlerkreisen und entwickelte ihren eigenen expressionistischen Stil stetig weiter.

Ihre erste Ausstellung 1911 wurde ein großer Erfolg. Nach der Machtergreifung der Nazis erhielt sie 1937 Ausstellungsverbot. Erst 1949 wurden ihre Arbeiten in der Ausstellung „Der Blaue Reiter in München“ wieder öffentlich gezeigt, und erst dann konnte sie sich in der Kunstrezeption aus dem Schatten Kandinskys lösen. Gabriele Münter stand wie viele Künstlerinnen ihrer Zeit in enger Verbindung mit Herwarth Waldens Zeitschrift „Der Sturm“ sowie seiner Galerie. Die Rezeption der Avantgarde hat den weiblichen Beitrag lange Zeit außer Acht gelassen. Dieser wurde kürzlich erstmals in der Ausstellung „STURM-FRAUEN“ der Schirn Kunsthalle Frankfurt und dem dazugehörigen Katalog umfassend aufbereitet:

Emmeline Pankhurst (1858-1928) Kämpferin für das Frauenwahlrecht
Sie mobilisierte in Großbritannien die Frauenbewegung und schreckte auch Foto: Fotolia/Masson trotz mehrfacher Verhaftungen nicht davor zurück, ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Emmeline Pankhurst war eine der Anführerinnen der Suffragetten- Bewegung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht einsetzte. Bereits mit 14 Jahren nahm sie an ihrer ersten politischen Versammlung teil. Enttäuscht von der Erfolglosigkeit der bisherigen Frauenbewegung gründete sie 1903 die Women’s Social and Political Union (WSPU), der nur Frauen beitreten konnten und die sich auf den Kampf für das Frauenwahlrecht konzentrierte. Die Organisation wurde unter anderem dadurch bekannt, dass sie auch vor der Anwendung radikaler Praktiken wie Sachbeschädigung und Brandstiftung nicht zurückschreckte. Das führte dazu, dass die Mitglieder der WSPU wiederholt festgenommen wurden, so auch Emmeline Pankhurst. Sie beendete ihren militanten Einsatz mit Ausbruch des ersten Weltkrieges, um die britische Regierung zu unterstützen. Sie verstarb 1928, kurz bevor in Großbritannien das allgemeine Frauenwahlrecht in Kraft trat. Ihre Methoden werden heute von Historikern unterschiedlich bewertet, aber ohne Zweifel lenkte sie damit große Aufmerksamkeit auf die Frauenbewegung und bereitete mit ihrem Kampf für das Frauenwahlrecht den Weg für den Feminismus.

Macht oder Ohnmacht?

Dr. Rebekka Reinhard ist Philosophin. Als Referentin, Vortragsrednerin und Beraterin für internationale Unternehmen und Führungskräfte beschäftigt sie sich mit den Themen Persönlichkeit, Führung, Ethik und Female Empowerment. In ihrem Gastartikel erklärt sie, warum Frauen aufhören sollten, sich permanent selbst zu optimieren und perfekt sein zu wollen. Von Dr. Rebekka Reinhard

„Es steht fest, dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes“, schrieb der britische Philosoph und Frauenfreund John Stuart Mill 1869. Inzwischen hat die Forschung beträchtliche Fortschritte gemacht. Heute wissen wir, dass die moderne Frau nicht nur zu erstaunlichen Denkleistungen fähig ist, sondern zu weit mehr. Es gibt heute Konzernlenkerinnen, eine Bundeskanzlerin, Nobelpreisträgerinnen – und ab November möglicherweise die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dr. Rebekka Reinhard, Foto: Peter Lindbergh
Dr. Rebekka Reinhard, Foto: Peter Lindbergh

Rebekka Reinhard hat Amerikanistik, Philosophie und Italianistik studiert und in Amerikanistik promoviert. Sie war unter anderem als philosophische Beraterin für Krebs- und Burnout-Patienten tätig und ist Autorin und Redakteurin des Philosophie-Magazins HOHE LUFT. Sie meint: Frauen sollten sich trauen, mächtig zu sein. Denn Macht zu haben, bedeutet, das eigene Leben zu gestalten. Ohne Macht kein Glück, keine Freiheit, keine echte Anerkennung.
www.philosophyworks.de www.facebook.com/mikrophilosophie

Weltweit boomen „Diversity“, „Gender Shift“ & Co. Dass der modernen Frau die Zukunft gehört, gilt als sicher. Warum? Weil sie wie kein anderes Lebewesen durch soziale Kompetenz, Engagement, Empathie und Multitasking-Skills besticht und hochambitioniert ist.

Mit Anfang zwanzig wollen wir einen Job, der sinnvoll ist und Spaß macht, eine solide Beziehung und tolle Freunde. Problemlösungsorientiert, wie wir sind, bemühen wir uns im Studium um gute Noten, damit wir später im Job zügig vorankommen – und uns bloß kein negatives Feedback einhandeln. Die Jahre vergehen. Wir verlassen die Universität, doch die Prüfungen hören nicht auf. Nur heißen sie jetzt nicht mehr „Neurologie und Neurochirurgie 2“ oder „Technik des betrieblichen Rechnungswesens“ sondern „Perfekt über Nacht“ oder „Ohne Schlaf durch die Verhandlung“.

Mit Mitte, Ende zwanzig möchten wir unser Wirken nicht als Erfüllung einer Notwendigkeit sehen, sondern als Berufung – bis wir plötzlich ein Kind wollen und vor der wichtigsten Prüfung überhaupt stehen: der Vereinbarkeit von gut bezahltem, sinnigem Beruf und harmonischem Familienleben. Unsere Ansprüche sind hoch, auch die an uns selbst. Spätestens jetzt müssen wir uns entscheiden: Wollen wir Macht – oder Ohnmacht? Das Wort Macht stammt vom gotischen „magan“ für „machen“ oder „können“ ab. Macht ist eine Fähigkeit. Ein Vermögen. Es ist die Potenz, Einfluss zu nehmen, etwas zu bewirken, zu gestalten, zu verändern. Ohne Macht kein Glück, keine Freiheit, keine echte Anerkennung. Wenn die Zukunft wirklich uns gehören soll, brauchen wir mehr Mut zur Macht.

Ihr aktuelles Buch:

Dr.-Rebekka Reinhard, Kleine Philosophie der Macht, Cover: Ludwig
Dr.-Rebekka Reinhard, Kleine Philosophie der Macht, Cover: Ludwig

Dr.-Rebekka Reinhard, Kleine Philosophie der Macht, Cover: Ludwig

Zu den größten Hindernissen weiblicher Potenzialentfaltung zählen das Lechzen nach positivem Feedback genauso wie die uns eigene hohe Problemlösungskompetenz. Wir können so viel, dass dieses Viele uns beinahe unterjocht. Je älter wir werden, je professioneller wir uns in die Rolle der Karrieristin, Partnerin oder Mutter einfinden, desto mehr tun wir uns in den Fächern „vorauseilende Pflichterfüllung“ und „Delegieren“ hervor. Wir delegieren einfach alles an uns selbst! Und zwar so schnell wie möglich. Wir rennen zur Arbeit, in den Supermarkt, in die Kita, um anschließend noch schnell die Wäsche zu machen und die Wände zu streichen. Warum? Damit wir perfekt sind. Wozu? Damit wir uns nichts vorzuwerfen haben und alle uns mögen.

Wenn wir an diesem abstrusen Sachverhalt etwas ändern wollen, sollten wir die Ohnmachtposition in Richtung Macht verlassen. Zu diesem Zweck brauchen wir uns nur einer Körperregion zuzuwenden, die wir vor lauter Diszipliniertheit zu lange vernachlässigt haben: unserem Gehirn. Einem Ort, der von Selbstzweifeln und Optionen-Wälzen derart verstellt ist, dass die brillanten Ideen dahinter kaum noch zu erahnen sind. Wie das geht?

Schalten Sie Ihr Hirn auf Stufe fünf. Stoppen Sie die überflüssige Selbstoptimierung. Filtern Sie aus den vielen Ansprüchen an Ihr Leben die wahren Prioritäten heraus: Machen Sie sich frei vom Über-Perfektionismus (den 100% auf jedem Gebiet), bei dem das Wort „Müssen“ eine zentrale Rolle spielt. Denken Sie nicht länger „Eigentlich will ich ja dies und das … nur leider muss ich jenes tun.“ Stellen Sie sich die philosophische Grundfrage: „Wofür lebe ich?“

Lassen Sie die Frage auf sich wirken (ohne zu googeln!) – denken Sie selbst, experimentieren Sie, lösen Sie sich von der Meinung anderer, tun Sie das, was Ihnen wichtig erscheint und respektieren Sie sich dafür. Wenn Sie sich selbst nicht liken, tut es keiner für Sie. Legen Sie den Slow-Motion-Gang ein: Lassen Sie sich von den vielen Möglichkeiten, die Ihnen offenstehen, bloß nicht hetzen. Das rasche, steife Marschieren ungeduldiger Frauen ist kein Zeichen von Macht, sondern von Ohnmacht. Stellen Sie die Schnappatmung ab. Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn man an ihnen zieht. Geben Sie sich Zeit. Keiner verlangt von Ihnen, dass Sie spätestens mit fünfunddreißig eine zweifache verheiratete Working Mom mit optimaler Work-Life-Balance sind.

Machtvoll ist nicht die Frau, die alles möglichst noch gestern zu erzwingen sucht. Sondern jene, die die Souveränität besitzt, auch mal zu warten und zu vertrauen. Sagen Sie überkommenen geschlechtsspezifischen Stereotypen (z. B. „Frauen sind artig“) den Kampf an – vor allem, wenn Sie in einem Bereich arbeiten, wo Männer das Sagen haben.

Signalisieren Sie in jeder Konferenz, jedem Meeting Leuten, die noch in den 1950er Jahren leben, Zero Tolerance. Seien Sie eine der ersten, die das Wort ergreift. Reagieren Sie, wenn ein männlicher Kollege Ihre Ideen nachplappert (die Sie eine Minute zuvor geäußert haben). Machen Sie den Mund auf: Zeigen Sie den Plagiator an und beharren Sie auf Ihrem Urheberrecht für Ihre Gedanken. Haben Sie Mut zur Macht. Tun Sie, was Sie vermögen. Für sich selbst. Und für Ihre Kolleginnen, Freundinnen und Töchter.