Produkte für eine bessere Welt

Nikita Kornev, Anna Lütje, Foto: Jan Brinkmann
Nikita Kornev, Anna Lütje, Foto: Jan Brinkmann

Anna Lütje ist 25 Jahre alt, macht gerade ihren Master in Nachhaltigkeitswissenschaft, ist Mutter einer kleinen Tochter und hat gemeinsam mit Nikita Kornev, 29, einen Onlineshop gegründet: Cradlelution. Das erklärte Ziel der beiden Gründer: Eine gesunde und bunte Welt ohne Abfall. Alle Produkte, die sie verkaufen, folgen dem Cradle-to-Cradle-Prinzip, sind fair, nachhaltig, transparent, positiv und nützlich. Dieses Prinzip begeistert nicht nur die zahlreichen Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne, die den Shop finanziell ermöglicht haben, sondern auch Superstar Brad Pitt, der in New Orleans Cradle-to-Cradle-Wohnungen baut. Von Kerstin Neurohr

Bücher, Bekleidung oder Gebrauchsgegenstände wie Stifte, Putzmittel und Toilettenpapier – sie tragen alle das Cradle-to-Cradle (C2C)-Siegel, eines der am strengsten zertifizierten Siegel weltweit. „Ich wurde immer wieder gefragt, wo man die zertifizierten Produkte denn kaufen kann – unser Shop ist die Antwort darauf. Alles, was wir anbieten, entspricht dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Und viele zertifizierte Produkte machen wir in Deutschland erstmals verfügbar“, erklärt Anna Lütje.

Der Verein Cradle to Cradle ist in über 20 Regionalgruppen in ganz Deutschland gegliedert. Die Mitglieder informieren über das Konzept, halten Vorträge, veranstalten Workshops und einen Kongress.
http://c2c-ev.de
www.facebook.com/C2C.eV.

Der C2C-Kongress findet 2016 bereits zum dritten Mal statt, und zwar am 24. September in Lüneburg.
www.c2c-kongress.de

Sie lebt in Lüneburg, ist 25 Jahre alt und Mutter einer kleinen Tochter. Den Bachelor als Umweltschutzingenieurin hat sie bereits in der Tasche. Derzeit macht sie ihren Master in Nachhaltigkeitswissenschaft, die Promotion hat sie bereits im Blick. Ihr Kompagnon, der vier Jahre ältere Nikita Kornev absolviert ein Studium Individuale mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeitswissenschaften, Umwelt- & Industrietechnik. Mit ihm hat sie die Idee zum Shop entwickelt, eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und mit den mehr als 8.000 Euro, die gespendet wurden, die Idee in die Tat umgesetzt.

Die Produkte, die die beiden Studierenden verkaufen, folgen dem Vorbild der Natur: Es entsteht kein Abfall, sondern alles zirkuliert als Nährstoff in Kreisläufen. Statt von der Wiege bis zur Bahre (also von der Produktion bis zum Zustand als Müll) werden Produkte von der Wiege bis zur Wiege gedacht. Die kompletten Produkte beziehungsweise ihre Bestandteile sind sortenrein trennbar designt. So können sie entweder in einen biologischen oder technischen Kreislauf zurückgeführt werden, also biologisch abgebaut oder wiederverwendet werden.

Dabei gelten drei Grundprinzipien. Erstens: Abfall ist Nahrung oder Nahrung ist Nahrung. Alles wird zu Nahrung oder Nährstoffen für etwas anderes. Zweitens: Nutzung erneuerbarer Energien. Die Energie entspringt Sonne, Wind, Wasser und Erde. Und drittens: Unterstützung von Diversität. Es gibt eine schier unendliche Vielfalt.

Kennengelernt haben sich Anna Lütje und Nikita Kornev durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit für den Verein Cradle to Cradle, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Öffentlichkeit über das Konzept und die Denkschule von Cradle to Cradle zu informieren. Schließlich ist das Konzept hierzulande der breiten Masse noch nicht bekannt – anders als in den USA oder den Niederlanden, wo die Idee bereits viele Anhänger hat. Anna Lütje und Nikita Kornev arbeiten daran, dass sich das ändert: Seit drei Jahren halten sie Vorträge, veranstalten Workshops und machen Aktionen an der Uni. „Über den Verein haben wir auch Kontakt zu Prof. Michael Braungart bekommen, der das Konzept entwickelt hat“, sagt Anna Lütje. „Er ist für uns zu einem Mentor geworden, von dessen Wissen und Erfahrungen wir profitieren und der immer ein offenes Ohr für uns hat.“

Der Shop
http://cradlelution.de

Mittlerweile gibt es den Cradlelution-Shop seit rund einem Jahr. Die beiden Gründer haben in dieser Zeit ein Lager aufgebaut, viele Messen besucht und Kontakte geknüpft und sind stolz darauf, ihr Unternehmen ohne Kredite von Banken oder das Geld von Investoren an den Start gebracht zu haben. 2500 Produkte wurden bisher mit dem Cradle-to-Cradle-Siegel zertifiziert, 150 davon bietet der Cradlelution-Shop zum Verkauf an. Die Inhaber erweitern ihr Sortiment stetig, wollen weiter wachsen – „aber das soll nachhaltig geschehen“, betont Anna Lütje. Ihr ist es wichtig, neben ihrer Tätigkeit als Unternehmerin ihr Studium weiterzuführen und Zeit für ihre Tochter zu haben. „Das alles unter einen Hut zu kriegen, ist nicht immer einfach. Aber meine Tochter motiviert mich natürlich auch, weiter für eine gesunde und bunte Welt ohne Abfall zu arbeiten.“

Braungart, McDonough, Cradle to Cradle, Cover: Piper
Braungart, McDonough, Cradle to Cradle, Cover: Piper

Brad Pitt soll gesagt haben, „Cradle to Cradle“ sei eines der drei wichtigsten Bücher, die er gelesen habe. Nach dem Hurricane Katrina hat er eine gemeinnützige Organisation zum Wiederaufbau von New Orleans gegründet, alle Wohnungen werden nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip gebaut.
http://makeitright.org

Standardwerk von den Vordenkern des Konzepts: Michael Braungart, William McDonough: Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren. Piper 2014. 9,99 Euro