Arbeiten mit Lawbots

Foto: AdobeStock/sdecoret
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Das Marktforschungs- und Analyseunternehmen Gartner prognostiziert, dass bis 2023 ein Viertel der internen Rechtsanfragen von virtuellen Rechtsassistenten (VLAs), sogenannten Lawbots oder Rechts-Chatbots, bearbeitet werden. Dies werde die Effizienz und Reaktionsfähigkeit von Rechtsabteilungen und Kanzleien steigern. Von Christoph Berger

Die Themen Automatisierung, Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen sowie die Verarbeitung natürlicher Sprache machen auch vor der Rechtsbranche keinen Stopp. Vielmehr werden die technischen Entwicklungen Kanzleien und Rechtsabteilungen auf dem Weg in die Zukunft sinnvoll begleiten. „Obwohl VLAs, Rechts-Chatbots und Lawbots wie ein Hype erscheinen mögen, kann ihr Einsatz in Rechtsabteilungen erhebliche Vorteile bringen“, sagt demnach auch Zack Hutto, Direktor in der Abteilung Rechtund Compliance bei Gartner. Durch den Einsatz der entsprechenden Technologien könnten Kanzleien und Rechtsabteilungen ihre Effizienz sowie die Reaktionsfähigkeit ihrer Organisation deutlich steigern.

Die VLAs können in diesem Zusammenhang Anfragen aufnehmen und zuordnen, rechtliche Anfragen prüfen, die Notwendigkeit einer rechtlichen Überprüfung feststellen und routinemäßige Abläufe automatisiert abarbeiten. Die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass bis 2023 ein Viertel der internen Anfragen auf diesem Weg bearbeitet werden. Hutto ist daher auch überzeugt: „Rechtsabteilungen werden durch erhöhte Effizienzgewinne, verbesserte Mitarbeiterzufriedenheit und durch mehr Möglichkeiten, Rechtsexperten wieder mit höherwertigen Tätigkeiten zu beauftragen, profitieren.“

Schlechte Lawbot- Lösungen könnten eine noch größere Belastung für die Rechtsabteilungen darstellen.

Allerdings weisen Hutto und seine Kollegen auch darauf hin, sich nicht zu sehr auf VLAs zu verlassen. Sie sollten als Teil einer breit angelegten Strategie der Rechtsdienste angenommen werden, da ein stückweiser Ansatz mit schlecht konzipierten VLAs eher verwirrend oder aufdringlich als hilfreich sein kann. Und, so Hutto: „Schlechte Lawbot- Lösungen könnten eine noch größere Belastung für die Rechtsabteilungen darstellen.“ Zumindest könnten Anwälte manuelle Nacharbeiten erledigen müssen, im schlimmsten Fall sogar daran arbeiten, die Beziehungen zu den abgeschreckten internen Kunden wiederherzustellen.

Um dieses Szenario zu vermeiden, wird die Installation eines Experten für Rechtstechnologie empfohlen, der die zunehmende Automatisierung der internen Kernarbeitsabläufe unterstützt. In einer solchen Position müsste das notwendige Wissen über Rechtsabläufe, selbst wenn diese ein großes Automatisierungspotenzial aufweisen, gepaart mit dem erforderlichen Technologie- Know-how vorhanden sein. Allerdings gilt auch für Lawbots selbst, dass sie aus der Sicht des Rechts zu betrachten sind und einer solchen Überprüfung standhalten müssen: sei es in Bezug auf den Datenschutz oder die Risiken, die mit Falschauskünften der virtuellen Gesprächspartner verbunden sind.

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