Markus Mörl

Der Sesselwechsler

Markus Mörl, Foto: Privat
Markus Mörl, Foto: Privat

Mit dem Ohrwurm „Ich will Spaß“ tobte sich Markus Mörl in der Neuen Deutschen Welle aus. 20 Jahre später ist er Geschäftsführer eines New Media-Unternehmens und Chefredakteur des Personalienmagazins „SesselWechsel“. Dem karriereführer erzählte er, welche Sessel er selbst schon in seinem Leben gewechselt hat. von Anne Thesing

In frühen Jahren deutete noch nichts auf eine erfolgreiche Musikerkarriere hin. „Meine Eltern wollten immer, dass ich einen sicheren Beruf ergreife. Und ich hatte als Kind den Wunsch, Rechtsanwalt zu werden“, erinnert sich Markus Mörl. Doch dieser Kindheitswunsch hatte nicht lang Bestand.

Zwar verließ er nach dem Abitur seine Heimatstadt Camberg im Taunus, um in Berlin Jura zu studieren, doch schon bald nistete sich ein neuer Zukunftstraum bei ihm ein: die Musik. „Besonders die Freude an der Kreativität in der Musik veranlasste mich dazu, ins Musikgeschäft einzusteigen“, begründet der heute 43-Jährige seinen Richtungswechsel. Als eingefleischter Punkrock-Fan schwärmte er für die Sex Pistols und begann seine eigene Musikkarriere mit der Band „The Deutschmarks“. Statt sein Studium fortzusetzen, tourte er schließlich als Solosänger durch Musikläden und Tonstudios – zunächst noch ohne das Wissen seiner Eltern. Doch als seine Lieder im Radio liefen, ließ sich sein Musikerdasein nur noch schwer verheimlichen. Und als seine Mutter eines Morgens 10000 Mark in seiner Bühnenhose fand, war das Versteckspiel endgültig vorbei.

Neue Deutsche (Erfolgs-)Welle
Das war auch gut so, denn „Ich will Spaß“ war alles andere als ein heimlicher Hit. Das Lied lief 1982 die Charts rauf und runter und wurde zum Kultsong der Neuen Deutschen Welle. „Markus“ war jedem Deutschen zwischen 20 und 35 Jahren ein Begriff – erst Recht, als er 1983 an der Seite von Nena die männliche Hauptrolle in dem Kinofilm „Gib Gas – Ich will Spaß“ spielte. Ebenfalls mit Nena erreichte er mit dem romantischen Lied „Kleine Taschenlampe brenn‘“ Platz fünf der deutschen Charts. Doch irgendwann war die Neue Deutsche Welle nicht mehr neu und Markus‘ Lieder waren nicht mehr erfolgreich. Zwar gelang ihm in Italien mit seiner neuen Band TXT noch der Nummer 1 Hit „Girl‘s got a brand new Toy“. Doch danach war die Zeit endgültig reif für einen Wechsel ins „seriöse“ Leben.

Spaß im Management
Der zweite Versuch, ein Studium zu absolvieren, verlief erfolgreicher als der erste: Von 1987 bis 1991 studierte der NDW-Star Betriebswirtschaft in Frankfurt am Main. Nebenher arbeitete er in verschiedenen Medienunternehmen – nicht mehr in der Funktion des Sängers, sondern in der des Managers. Dabei ist es bis heute geblieben: Als Geschäftsführer leitet er ein New Media-Unternehmen und als Chefredakteur wirkt er beim Branchenblatt „SesselWechsel“ mit – einer Publikation, die über Wechsel und Personalien in Deutschlands Chefetagen berichtet.
Und wo bleibt da der Spaß? Der spielt im Leben von Markus Mörl, der mittlerweile Ehemann und Vater ist, immer noch eine wichtige Rolle. „Aufgaben und Arbeiten, die ich mit Spaß an der Sache beginne, erledige ich besser und schneller“, ist er überzeugt. Damit bleibt er seinem NDW-Hit treu. „Gib Gas!“ ist immer noch sein Lebensmotto. Selbst seine Aufgabenfelder haben sich nicht in dem Maße gewandelt, wie es auf den ersten Blick scheint: „Die Musik- und die Managementwelt ähneln sich in vielen Dingen“, meint er. „Mit einem Unterschied: Im Wirtschaftsleben gibt es keine Proben.“

Visionär mit Realitätssinn
Vielleicht war es diese Sehnsucht nach Proben, die ihn vor einem Jahr noch einmal ins Musikgeschäft zurückführte. 2001, knapp 20 Jahre nach seinem musikalischen Durchbruch, betrat er erneut ein Tonstudio und veröffentlichte zusammen mit zwei befreundeten DJ’s das Album „Kopfüber“. Darin: ein Song für den Grand Prix-Wettbewerb. Leider verpassten die Musiker die Anmeldefrist…
Hat dieses Album nach so langer Pause einen alten Traum wieder aufleben lassen? Bei Markus Mörl ist alles möglich. Die Aussage „Geht nicht!“ hemmt seiner Meinung nach jede Karriere. Visionen sind dagegen für ihn unverzichtbarer Bestandteil eines erfolgreichen Werdegangs. Einzige Voraussetzung: Ein Teil dieser Visionen muss auch realisierbar sein. „Will jemand Karriere machen, muss er seine Talente und Fähigkeiten ausbauen und zumindest einige seiner Ziele erreichen“, rät der Chefredakteur. Ihm selbst ist das gelungen. Er konnte seinen großen Musiktraum verwirklichen, ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren. Das Ergebnis ist ein facettenreicher Werdegang voller Überraschungen.

Mit Vollgas in die Zukunft
„Der Wechsel allein ist das Beständige“, zitiert Markus Mörl abschließend den Philosophen Arthur Schopenhauer. Diesen Spruch hat er nicht nur zum Motto seiner „SesselWechsel“-Redaktion erhoben, er hat ihn sich auch selbst zu Eigen gemacht. Seine abwechslungsreiche Vergangenheit zeigt, dass er nicht sein Leben lang auf ein und demselben Sessel sitzen bleiben könnte. Gas geben ist immer noch besser als Stillsitzen. Wer könnte das besser wissen als der Erfinder der Liedzeile „Ich will Spaß, ich geb Gas!“?

Ich will Spaß!

„Mein Maserati fährt 210
Schwupp, die Polizei hat’s nicht geseh’n,
das macht Spaß!
Ich geb Gas, ich geb Gas!

Will nicht spar’n, will nicht vernünftig sein,
tank nur das gute Super rein,
ich mach Spaß!
Ich mach Spaß, ich geb Gas!

Ich will Spaß, ich will Spaß!
Ich geb Gas, ich geb Gas!

Ich schubs die Enten aus dem Verkehr
Ich jag‘ die Opels vor mir her,
ich mach Spaß!
Ich mach Spaß, ich mach Spaß!

Und kost‘ Benzin auch drei Mark zehn
Scheißegal, es wird schon geh’n.
Ich will fahr’n!
Ich will fahr’n, ich will fahr’n!

Deutschland, Deutschland, spürst du mich?
Heut nacht komm ich über dich.
Das macht Spaß!
Das macht Spaß, das macht Spaß!

Der Tankwart ist mein bester Freund
Hui, wenn ich komm, wie der sich freut.
Er braucht Spaß!
Er hat Spaß, er hat Spaß!

Ich will Spaß, ich will Spaß!
Ich geb Gas, ich geb Gas!
Ich will Spaß, ich will Spaß!
Ich geb Gas, ich geb Gas!“