Interview mit Herbert Hainer

Der Betriebswirt

Herbert Hainer ist seit März 2001 Vorstandsvorsitzender der adidas AG. Im karriereführer spricht er darüber, worauf es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ankommt, was man jetzt für eine erfolgreiche Karriere braucht und was adidas für seine Nachwuchskräfte tut. Die Fragen stellte Christiane Martin.

Zur Person

Herbert Hainer wurde 1954 im bayerischen Dingolfing geboren. Er studierte in Landshut Betriebswirtschaftslehre und stieg kurz nach seinem Abschluss 1979 als Diplom- Betriebswirt bei dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble ein.

Im Jahr 1987 wechselte er zu adidas, wo er verschiedene Positionen innehatte. Seit März 2001 ist er Vorstandsvorsitzender der adidas AG. Außerdem ist Hainer Mitglied des Aufsichtsrats der Allianz Deutschland in München, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München und Aufsichtsratsmitglied der Firma Engelhorn in Mannheim. Herbert Hainer wurde in den vergangenen Jahren vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bambi für Wirtschaft 2003, dem Titel „Unternehmer des Jahres“ 2005 und dem deutschen Image-Award 2006.

Herbert Hainer ist verheiratet und hat eine Tochter.

Herr Hainer, treiben Sie regelmäßig Sport?
Ja. Ich laufe regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche, um mich fit zu halten. Das kann ich auch gut tun, wenn ich auf Reisen bin. Zudem fahre ich im Winter Ski und spiele im Sommer Golf. Ich bin ein leidenschaftlicher Sportler, seit ich ein kleiner Bub war. Wir waren eigentlich fast immer draußen und haben Sport getrieben. Als Kind und Jugendlicher habe ich vor allem Fußball gespielt. Ich habe es bis in die höchste Amateurliga Bayerns geschafft und konnte so über den Fußball mein Studium finanzieren. Ein Leben ohne Sport kann ich mir daher überhaupt nicht vorstellen. Ich interessiere mich eigentlich auch für alle Sportarten und könnte Ihnen jetzt auch alle deutschen Dressur-Olympiasieger der letzten vier Jahrzehnte aufzählen.

Gibt es etwas, das Sie als Manager von Spitzensportlern lernen können?
Aber natürlich. Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen Spitzensport und Management. Die Wichtigste ist sicherlich, dass man, um Erfolg zu haben, in Sport und Unternehmen gleichermaßen klare Ziele haben muss, auf die man mit Talent, Leidenschaft und Ehrgeiz hinarbeitet. Dabei muss man auch in der Lage sein, Niederlagen zu verkraften und Rückschläge wegzustecken, ohne sich von seinem Weg abbringen zu lassen. Und zum ganz großen Erfolg gehört auch immer ein Quäntchen Glück.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Manager braucht?
Glaubwürdigkeit. Langfristige Denke. Kompetenz. Kommunikationsfähigkeit.

Und worauf kommt es jetzt in wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten an?
Auf die oben genannten Eigenschaften, denn diese gelten ja nicht nur für gute, sondern wahrscheinlich sogar noch mehr für schwierigere Zeiten. Gerade jetzt müssen wir langfristig denken, denn auch diese Krise wird vorübergehen, wir wissen nur noch nicht genau, wann. Für unsere Industrie heißt das: Die Menschen werden auch in Zukunft weiter Sport treiben und sportliche Produkte kaufen. Deshalb müssen wir uns bei adidas jetzt so aufstellen, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Dies gelingt uns, indem wir auf der einen Seite Kosten abschneiden, die nicht unbedingt zum Geschäftserfolg beitragen, auf der anderen Seite aber in unsere Zukunft investieren. Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wir sparen zwar 2009 externe Fortbildungen ein, gleichzeitig lassen wir aber unsere Talent und Nachwuchsprogramme unverändert weiterlaufen, um unsere wichtigen Nachwuchsführungskräfte im Unternehmen zu halten und für die Zukunft fit zu machen.

Was empfehlen Sie Hochschulabsolventen, die auf Jobsuche sind? Was ist jetzt wichtig?
Wir achten neben den üblichen Kriterien vor allem darauf, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin sich über das übliche Maß hinaus engagiert hat, eine besondere Erfahrung vorzuweisen hat. Wir sind also weniger an dem schnellen, geradlinigen Lebenslauf interessiert, sondern achten auf die interessanten Facetten unserer Kandidaten. Im Zweifelsfall ist uns ein guter Student, der in seinen Semesterferien ein Sportprojekt in Afrika betreut hat, lieber als ein Einser-Absolvent.

Viele Unternehmen verlangen von jungen Nachwuchskräften vor allem Belastbarkeit. Ist das eine Eigenschaft, die auch bei adidas wichtig ist?
Die Frage ist natürlich, wie man Belastbarkeit definiert. Natürlich müssen unsere Talente in der Lage sein, ihre Leistung zu bringen und Projekte erfolgreich umzusetzen. Ich denke allerdings nicht, dass dies von kompetenten und gut ausgebildeten Nachwuchsmanagern als Belastung empfunden wird, sondern als positive Herausforderung.

Wie gut ausgebildet sind Ihrer Meinung nach junge Akademiker heutzutage?
Die Bewerbungen, die wir erhalten, zeigen, dass junge Akademiker heute gut ausgebildet sind. Die Studienreform mit den neuen Bachelor und Masterabschlüssen hat einiges bewegt, da die Studiengänge der Hochschulen nun international besser vergleichbar sind und mehr Flexibilität bieten. Allerdings haben gleichzeitig die Vielzahl an Studiengängen und damit eine Spezialisierung rasant zugenommen. Deshalb ist nicht der Abschluss allein entscheidend. Wir betrachten vielmehr den Studieninhalt und die Relevanz für die jeweilige Position in unserem Unternehmen. Insgesamt zählt für uns immer das Gesamtbild eines Bewerbers, das sich aus vielen Dingen zusammensetzt, wie unter anderem dem Studieninhalt, Sprachkenntnissen, relevanter Praxis- und Auslandserfahrung oder Interesse für Sport.

Wie bilden Sie bei adidas Ihre Nachwuchskräfte fort?
Für Nachwuchskräfte mit erster Berufserfahrung, Auslandserfahrung und MBA-Abschluss gibt es die Möglichkeit, in das Business Management Program (BMP) einzusteigen, das sich aus vier sechsmonatigen Einsätzen zusammensetzt, davon mindestens zwei im Ausland. Die BMP-Teilnehmer erhalten dabei einen Überblick über die verschiedenen Marken und Geschäftsbereiche der adidas Gruppe und legen den Grundstein für eine Managementkarriere.

Und für Leute, die frisch von der Hochschule kommen?
Für Hochschulabsolventen ist das Functional Trainee Program (FTP) eine interessante Einstiegsmöglichkeit. Es wird für die Bereiche Finance/Controlling, Sales/Retail, Marketing, Supply Chain Management, Human Resources, IT und Product Creation angeboten. Im gewählten Funktionsbereich absolvieren die Trainees in 12 bis 18 Monaten sechs Einsätze in verschiedenen Abteilungen, wovon mindestens einer ins Ausland führt. Die Trainees können sich ein Netzwerk aufbauen und werden von einem erfahrenen Mentor betreut. Darüber hinaus bieten wir natürlich auch die klassische Ausbildung, duale Studienprogramme in Zusammenarbeit mit Berufsakademien und Praktika an. Für unsere besten Praktikanten haben wir das „ReBound-Programm“ eingeführt, um mit ihnen über den weiteren Verlauf des Studiums hinweg in Kontakt zu bleiben.

Welche Investitionen wird adidas im Jahr 2009 tätigen?
Wir investieren weiter dort, wo wir Geschäftschancen sehen. So werden wir auch im Jahr 2009 weiter eigene Einzelhandelsgeschäfte eröffnen, insbesondere in Wachstumsmärkten wie China oder Russland. Wir investieren in langfristige Sportsponsoringverträge, die unsere Position als führendes Sportartikelunternehmen der Welt festigen wie zum Beispiel in den Vertrag mit dem Welt-Leichtathletik – verband IAAF. Und wir investieren nicht zuletzt in unsere Mitarbeiter, unter anderem wie beschrieben durch unsere Talentprogramme und durch den Neubau eines hoch modernen Bürogebäudes für 1500 Mitarbeiter am Unternehmensstandort Herzogenaurach. Es wird 2010 bezugsfertig sein.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, würden Sie …
1. das Ende der Finanzkrise für das 2. Halbjahr 2009 vorhersagen,
2. Deutschland bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika siegen sehen,
3. diese Frage nicht weiter beantworten.

adidas Gruppe

Die adidas Gruppe ist einer der weltweit führenden Anbieter in der Sportartikelindustrie und unterhält ein sehr umfassendes Produktportfolio um die drei Kernsegmente adidas, Reebok und TaylorMade-adidas Golf. Die Gruppe mit Sitz in Herzogenaurach beschäftigt mehr als 37.000 Mitarbeiter weltweit und generierte im Jahr 2007 einen Umsatz in Höhe von 10,3 Milliarden Euro.