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Interview mit Dr. Olaf Heil

Für Dr. Olaf Heil bedeutet Natur nicht nur Entspannung. Der Experte für Neue Anwendungstechniken bei RWE Innogy sucht in der Natur immer auch nach Potenzialen für die Gewinnung von erneuerbarer Energie – zu Lande, zu Wasser, in der Luft und unter der Erdoberfläche. Im Gespräch mit dem karriereführer ordnet er den Stellenwert von RWE Innogy im RWE-Gesamtkonzern ein, nennt die wichtigen Energiequellen der nahen Zukunft und definiert seinen Begriff von Karriere. Die Fragen stellte André Boße.

Zur Person

Dr. Olaf Heil studierte bis 1990 Maschinenbau an der Ruhr-Universität Bochum, absolvierte nach seinem Diplom bis 1993 ein Aufbaustudium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur und promovierte 1995 am Bochumer Lehrstuhl für Energieanlagentechnik.

Von 1995 bis 2004 arbeitete er im Unternehmensbereich Energie der Harpen AG in Dortmund und war unter anderem geschäftsführendes Mitglied des Vorstandes des italienischen Tochterunternehmens in Mailand. Auf den Bereich der erneuerbaren Energien fokussierte er sich 2002 als Leiter der Abteilung für regenerative Energien der Harpen AG. 2004 wechselte Olaf Heil zur LEW AG nach Augsburg. 2008 zog es ihn dann zurück ins Ruhrgebiet, wo er bei RWE Innogy in Essen die Leitung der Abteilung Hydro Power & New Applications übernahm.

Herr Dr. Heil, Sie sind bei RWE Innogy Leiter Hydro Power & New Application. Was genau ist die Aufgabe Ihrer Abteilung?
RWE Innogy ist funktional aufgestellt. Es gibt einen Zweig für Windkraft, und zwar onshore sowie offshore, einen für Biomasse und einen für Wasserkraft. Da wir uns aber als innovatives Unternehmen verstehen, haben wir uns schnell gefragt, in welchen Bereichen wir abseits dieser etablierten regenerativen Technologien aktiv sein können. Wir haben uns dann für Biogas, Geothermie, Solarthermie, Mikrowindanlagen sowie Meeres- und Gezeitenkraftwerke entschieden. Das sind die fünf Technologien, von denen wir erwarten, dass sie in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden.

Wie ist denn der Stand bei diesen Technologien?
Unsere Aufgabe ist es, im Bereich Forschung und Entwicklung Erkenntnisse abzuholen, erste Anlagen zu bauen, sie in der Praxis auszuprobieren und zu optimieren, um letztlich irgendwann eine kommerzielle Technologie zu haben, die wir in der RWE-Gruppe einsetzen können.

Wie ist der Stellenwert von RWE Innogy im Gesamtkonzern? Sind Sie Hoffnungsträger für die Zukunft – oder eher die Abteilung für das ruhige Gewissen?
Wir gehören zum Kerngeschäft des Konzerns und sind fester Bestandteil seiner Strategie. Die Erneuerbaren sind für RWE eine wichtige Säule im Bemühen, die CO2-Bilanz insgesamt zu verbessern. Deshalb will der Konzern bis 2025 30 Prozent seiner Kraftwerkskapazität auf Basis regenerativer Energien betreiben, und dafür gibt es ein Investitionsprogramm von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Heißt aber auch: RWE Innogy ist kein visionärer Spielplatz.
Nein, das ist ernstes Business. Wir stellen uns dem Wettbewerb um die Investitionsmittel und die besten Projekte. Die Erwartungen des Konzerns sind riesengroß, auch schon heute müssen wir mit unseren Aktivitäten die Investitionskriterien von RWE erfüllen. Wir bekommen da keinen Sonderbonus. Klar ist aber auch, dass wir bei RWE Innogy das Geld, das wir jetzt in die Hand nehmen, noch nicht selber verdienen können. Das kommt ganz klar aus den Bereichen der konventionellen Stromerzeugung, etwa mit Kohle oder Kernenergie.

Durch Ihre Arbeit haben Sie einen guten Blick auf die Vielzahl von erneuerbaren Energiequellen. Wie schätzen Sie das Potenzial ein, in Zukunft noch viel mehr grüne Energie nutzen zu können?
Als sehr groß. Es gibt Potenziale, die wir heute in Deutschland noch gar nicht wahrnehmen. So gibt es vor der Küste Großbritanniens und Irlands riesige Möglichkeiten für Wellen- und Gezeitenkraftwerke. Wichtig ist daher für uns der Blick auf Europa. Aber auch in Deutschland gibt es eine Menge Potenziale, die noch nicht gehoben sind. Ein Beispiel dafür ist die Geothermie. Da sind die Kosten noch sehr hoch. Darüber hinaus gibt es Risiken, die Investoren noch zurückschrecken lassen. Grundsätzlich ist die Geothermie jedoch eine sehr sinnvolle erneuerbare Energie, weil sie rund um die Uhr verfügbar und damit planbar ist. In diesem Feld wird sich in Zukunft sicher einiges tun.

Was sind in Ihren Augen die größten Hindernisse, um den Anteil der erneuerbaren Energien im Energiemix schon heute deutlich zu erhöhen?
Zum einen fehlt es in Deutschland an Hunderten Kilometern Hochspannungsnetzen, um zum Beispiel Strom aus Offshore-Windparks aus dem Norden in die Verbrauchszentren in der Mitte und im Süden zu transportieren. Zweites Thema ist die stark fluktuierende Einspeisung durch Photovoltaik und Wind. Diese müssen wir noch immer ausgleichen, in dem wir thermische Kraftwerke runterregeln. Es wäre hilfreich, wenn wir mehr Pumpspeicherkraftwerke hätten, mit denen wir Strom speichern könnten. Doch viele Bauvorhaben scheitern leider. Generell stellen wir fest: Alle Menschen sind für regenerative Energien – aber eben nicht in ihrem Ort. Auch im Bereich der Erneuerbaren gibt es eine Technikfeindlichkeit, mit der wir auf Dauer aber gesellschaftlich nicht weiterkommen.

In Ihrer Abteilung arbeiten viele junge Leute. Spüren Sie bei denen einen besonderen Enthusiasmus bei dem Thema?
Auf jeden Fall. Ich bemerke viel Engagement und Begeisterung. Und ich bemerke, dass die Leute immer wiederkommen: Einige machen erst ein Praktikum, schreiben dann bei uns Diplomarbeit und möchten schließlich auch einen Job.

Was muss man denn können, um im Bereich der erneuerbaren Energien durchzustarten?
Bei uns gibt es Betriebswirtschaftler, Juristen und vor allen Dingen Techniker: Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen – das sind die Hauptfachzweige, aus denen unsere Leute kommen. Grundlage ist eine gute Ausbildung sowie die Motivation, sich auf dieser Basis für die speziellen Gebiete weiterzuentwickeln. Wichtige Eigenschaften sind zudem Flexibilität und Internationalität. Man muss in der Lage sein, sich im Ausland zu bewegen und dort Projekte umzusetzen. Auch Kompetenzen im Projektmanagement sowie eine gute Menschenkenntnis sind Voraussetzungen, die Kandidaten erfüllen müssen.

Boombranche gleich beste Karrierechancen – stimmt diese Gleichung?
Dafür müssen wir erst einmal definieren, was Karriere bedeutet. Ist das immer noch der permanente Aufstieg, in der Hoffnung, dass wir irgendwann alle im Vorstand einer Gesellschaft sind? Oder ist Karriere der Weg zu einem Job, der zufriedenstellt und etwas Nachhaltiges schafft? Ich glaube eher an die zweite Definition und kann sagen, dass man in diesem Bereich beruflich viele Möglichkeiten hat, etwas zu realisieren, zu bauen und voranzutreiben. Da spielt der Blick auf die Position innerhalb des Unternehmens nicht mehr zwangsläufig eine so große Rolle. Trotzdem: Wächst ein Geschäft und wächst ein Unternehmen, dann ergeben sich gute Chancen, dass man auch persönlich mitwachsen kann. In unserer Branche ergeben sich interessante Perspektiven – wobei Menschen einen Vorteil haben, die früh einsteigen und schnell Erfahrungen sammeln.

Zum Unternehmen

RWE Innogy ist eine 2008 gegründete Tochtergesellschaft des RWE-Konzerns in Essen und bündelt dessen Kompetenzen und Kraftwerke im Bereich erneuerbare Energien. Der Name ist ein Kunstwort aus den Begriffen Innovation und Energie. RWE Innogy plant, errichtet und betreibt Anlagen für regenerative Stromerzeugung und Energiegewinnung. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf Windkraftprojekten im On- und Offshore-Bereich.

Wachsen möchte RWE Innogy zudem in den Bereichen Wasserkraft und Biomasse. Zugleich unterstützt das Unternehmen die Entwicklung von Zukunftstechnologien: Es plant und betreibt Biogasanlagen, Wellen-, und Gezeitenkraftwerke sowie Solarthermiekraftwerke. Zudem fördert RWE Innogy innovative Unternehmen der Branche in der Gründungs- oder Wachstumsphase und gibt für begrenzte Zeit finanzielle Starthilfe.

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