Das letzte Wort: THE GOOD FOOD

Das letzte Wort The Good Food
Das letzte Wort The Good Food

Nicole Klaski, Start-up- Unternehmerin und Lebensmittelretterin Nicole Klaski ist 34 Jahre alt, von Hause aus Juristin – und Gründerin eines besonderen Start-ups: Seit mehr als einem Jahr verkauft sie Lebensmittel, die sie und ihr Team in Kooperation mit Bauern und Produzenten vor dem Müll gerettet haben. Die Philosophie ihres Ladens THE GOOD FOOD in Köln: „Zahl, was es dir wert ist“.

Nicole Klaski, Foto: Jana Dorn
Nicole Klaski, Foto: Jana Dorn

Laut Verbraucherzentrale landen jedes Jahr allein in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro im Müll. Da liegt es nahe, etwas dagegen zu tun. Was genau hat Sie dazu gebracht, zur Lebensmittelretterin zu werden?

Die Frage beinhaltet die Antwort: Es landen viel zu viel gute Lebensmittel im Müll. Dabei geht es mir nicht nur um den finanziellen Aspekt der 25 Milliarden Euro, sondern vielmehr, um die damit einhergehende Verschwendung von Ressourcen und einem etablierten Unsinn. Lebensmittel sollen gegessen werden und nicht in der Tonne landen oder als Tierfutter oder als Energielieferant dienen.

Und wie kam es dann zur Gründung des Ladens?

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sowohl Austausch über Vermeidung von Lebensmittelverschwendung als auch direkte Lebensmittelrettung stattfinden kann. Das ist uns mit THE GOOD FOOD gelungen. Wir bringen das Thema in die breite Masse und sorgen dafür, dass viele gute Lebensmittel auf dem Teller anstatt in der Tonne landen.

In welchem Zustand sind denn die Lebensmittel, die Sie anbieten? Kann man sie wirklich noch essen?

Ja, die kann man ganz prima noch essen! Aber am besten mal in Köln-Ehrenfeld vorbeigucken und selbst probieren oder Bilder auf Facebook oder unserer Webseite www.the-good-food.de anschauen. Tut auch nicht weh, versprochen!

Wie funktioniert das: Jeder zahlt, was er will?

Jeder Kunde ist selbst für die Preisgestaltung verantwortlich und das sieht so unterschiedlich wie die Kunden selbst aus. Bei uns kommen der sich bewusst ernährende Akademiker über Familien hin zur Oma, die in früheren Zeiten selbst noch Kartoffeln gestoppelt hat, vorbei und erfreuen sich des sich ständig ändernden Sortiments. Bei uns gibt es ja wirklich nur das, was andernorts aussortiert wurde.

Ist das ein Modell, das man auch auf andere Läden übertragen kann?

Rechtlich dürfte jeder Supermarkt Lebensmittel verkaufen, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, krummes Gemüse sowieso. Die Frage ist eher, ob anderen Läden die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung so wichtig ist, als dass sie auch die Haftung übernehmen würden? Als Inverkehrbringer tragen wir das Risiko. Ob das vom Gesetz so schlau gelöst ist oder Verschwendung eher fördert, würde ich gerne mal die Politiker fragen.

Es klingt als würden Sie mit THE GOOD FOOD genau das tun, was Sie tun möchten. Wie findet man Ihrer Erfahrung nach seine Berufung?

Viele Infos und auch einen Blog gibt es auf der Webseite www.thegoodfood.de.

Wichtig ist wohl wirklich, im Alltag dem nachzugehen, was Freude bringt. Ich brenne einfach dafür verzehrfähige Lebensmittel zu retten und ein System zu schaffen, was für mich und viele andere sinnvoll ist. Ein Job, in dem ich nur im Büro sitzen müsste, wäre mein Alptraum. Ich bin froh, dass rausgefunden zu haben, denn mit THE GOOD FOOD kann ich meinen unterschiedlichen Fähigkeiten und Wünschen nachgehen.