Das letzte Wort hat: Marktschwärmerin Katharina Schwartz

Foto: Fotolia/fotofabrika
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Katharina Schwartz, Diplom-Designerin aus Köln, hat im Jahr 2014 eine Idee aus Frankreich in Deutschland etabliert: die Direktvermarktung von Lebensmitteln in Marktschwärmereien. Das geht so: Via Internet bestellen die Kunden Lebensmittel von Erzeugerbetrieben aus der Region und holen diese einmal pro Woche an einem Ort in ihrer Nähe, der Marktschwärmerei, ab. Was daran so besonders ist und warum das Konzept aufgeht, erklärt die 33-Jährige hier im Interview. Die Fragen stellte Christiane Martin.

Katharina Schwartz, Foto: Monika Ewa Kluz
Katharina Schwartz, Foto: Monika Ewa Kluz

www.marktschwaermer.de

Wie funktioniert das Prinzip Marktschwärmer genau?
Marktschwärmer bringt Stadt und Land wieder etwas näher zusammen, indem kleine Erzeugerbetriebe aus der Region ihre Produkte über unsere Online-Plattform direkt an die Kunden verkaufen können. Einmal wöchentlich kommt der Hofladen dann sozusagen in die Stadt, nämlich dann, wenn Kunden ihre bestellte Ware am Übergabepunkt, der Schwärmerei, abholen kommen. Einige Produzenten sind bei der Ausgabe selbst vor Ort. Transparenter, fairer und regionaler kann man fast nicht einkaufen.

Sie waren die erste Gastgeberin in Deutschland für diese Form der Direktvermarktung. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Beruflich beschäftige ich viel mich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Regionale, saisonale, ökologische Ernährung ist da ein wichtiger Schwerpunkt. Als ich über einen Bekannten von der französischen Geschäftsidee („La Ruche qui dit oui“) erfuhr, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, dass genau diese Form der Direktvermarktung eine echte Zukunftsperspektive für die kleinbäuerlichen Betriebe hier in unserer Region bieten könnte. Und 2014 war es dann soweit: Wir konnten in Köln-Ehrenfeld mit einer ersten Beta-Version der deutschen Plattform starten.

Wie viele Kunden hat denn Ihre Schwärmerei in Köln?
In den fünf Jahren haben sich fast 4000 Mitglieder angemeldet. Aktiv kaufen jede Woche etwa 80 Leute ein. Unser Kundenstamm ist dabei sehr gemischt – von der Studenten- WG über den Geschäftsmann, der zum Feierabend noch schnell seine Bestellung abholt, bis zu älteren Menschen, die sich darüber freuen endlich wieder Gemüse kaufen zu können, das so schmeckt wie in ihrer Kindheit.

In Deutschland gibt es inzwischen etwa 60 Schwärmereien. Was macht das Konzept so erfolgreich?
Die große Produktvielfalt, die Frische und der direkte Kontakt zu den Produzenten. Wo hat man das sonst noch, außer im Hofladen oder auf einem Wochenmarkt?

Sind Sie bei der Umsetzung auch auf Schwierigkeiten gestoßen und wie konnten Sie diese lösen?
Natürlich ist es eine Herausforderung, Lebensmittel online zu vermarkten. Damit sind wir Teil einer Nische, die im Gesamten bei etwas über einem Prozent am Online-Einzelhandel liegt. Lebensmittel möchte man sehen können, bevor man sie kauft. Umso mehr freut mich, dass die Vertrauensbasis zwischen Kunden und Produzenten bei uns wächst. Regelmäßige Verköstigungen, bei denen man auch mal etwas probieren kann, ohne vorher gekauft zu haben, sind da für uns ein wichtiges Instrument.

Es klingt, als würden Sie mit Marktschwärmer genau das tun, was Sie möchten. Wie findet man Ihrer Erfahrung nach seine Berufung?
Ich betreibe die Schwärmerei ja nebenberuflich. Im Hauptberuf mache ich Unternehmenskommunikation mit dem Schwerpunkt auf nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen. Da sitze ich viel am Computer. Marktschwärmer ist also nicht nur ein schöner Ausgleich, sondern eine Plattform, über die ich Menschen ähnlicher Interessen zusammenbringen kann. Das macht mich persönlich glücklich. Wie für die meisten Jobs gilt auch hier: Wenn man das macht, was einem Spaß bereitet, dann kann man auch andere dafür begeistern. Und dann kommt der Erfolg irgendwann von ganz alleine.

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